Ich will ja auch keine Wissenschaft draus machen, nur allzu grobe Schnitzer beim pH-Wert vermeiden und in Zukunft die Aufwandmenge auch ohne Messung schätzen können....Wenn genügend Kationenaustauscher drin sind - also Lehm und Bentonit - dann ist alles gut.
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pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate (Gelesen 8244 mal)
Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
Waldrand, Nordhang, vierhundert Meter:
Hier blüht alles drei Wochen später.
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Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
Ich hatte kürzlich eine Bodenanalyse machen lassen. Darin stand:Der Säuregrad des Bodens liegt bei pH 6,5 und zeigt damit eine schwach saure Reaktion. Eine Kalkung kann vorgenommen werden, um die Pufferkapazität des Bodens zu erhöhen. Die optimale Versorgung mit Kalzium liegt zwischen 2000 und 150000 mg/kg. Auch bei Überschreitung des oberen Wertes gibt es bis 300000 mg/kg nur eine harmlose Überversorgung. 300000 mg= 300 g, d.h. bis zu einem Anteil von Kalzium von 300 g in 1 kg Boden gibt es keine katastrophale Überdüngung und hier ist auf den Kalziumgehalt zurück gerechnet, d.h. mit dem Karbonatrest ist der max. zulässige Kalkgehalt weit mehr als 30 % im Boden. Solche Werte kann man mit dem Ausstreuen von einer Handvoll pro Quadratmeter praktisch nie erreichen. Ich habe jährlich eine Handvoll pro Quadratmeter gestreut und über die Jahre hat sich das auf 2170 mg/kg Boden angereichert und das liegt gerade mal knapp über dem Minimalwert der empfohlenen Kalziumversorgung.Das alles gilt aber nur für Pflanzen, die nicht "allergisch" gegen Kalk sind.Keinen Kalk dürfen bekommen: Alle Moorbeetpflanzen (Azaleen, Rhododendren, Heidekraut), außerdem Beerentraube, Gartenheidelbeere, Ginster, Hortensien, Lorbeerrose, Sandmyrte, Seidelbast, Scheinbeere, Torfmyrte. Die Winterheide benötigt dagegen etwas Kalk. Keinen Kalk auch für Zimmerpflanzen aus dem tropischen Regenwald.
Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
!eben! Vergiss die pH Messung. Diese Tabletten sind sowieso Mist! Vertraue deinem "Laubkompost, Gartenerde, Sand und Bentonit". Du weißt noch nicht mal bei welchem pH Pflanzen am besten wachsen, oder? Ich kenne keine Pflanze, die den pH misst.Ich will ja auch keine Wissenschaft draus machen, nur allzu grobe Schnitzer beim pH-Wert vermeiden und in Zukunft die Aufwandmenge auch ohne Messung schätzen können....Wenn genügend Kationenaustauscher drin sind - also Lehm und Bentonit - dann ist alles gut.
“I love science, and it pains me to think that so many are terrified of the subject or feel that choosing science means you cannot also choose compassion, or the arts, or be awed by nature. Science is not meant to cure us of mystery, but to reinvent and reinvigorate it.”
— Robert M. Sapolsky
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Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
Der pH-Wert von kalkreichem Boden (wenn keine anderen pH-Wert verändernden Substanzen enthalten sind) ist definitiv neutral bis ganz schwach basisch. Woher kommt die irrtümliche Auffassung, dass Kalziumkarbonat den Boden (merklich) basisch macht?Eine ganz ganz geringe Menge des Kalziumkarbonats verbindet sich mit Wasser zu Kalziumhydrogenkarbonat. Dies spielt z.B. in Tropfsteinhöhlen eine Rolle. Dieses reine Kalziumhydrogenkarbonat dissoziiert in Wasser und dieser dissoziierte Anteil hat einen pH-Wert von ca. 8,3, ist also recht basisch. Da aber nur winzige Mengen des Kalkes in Kalziumhydrogenkarbonat umgewandelt werden, ist die Wirkung auf den pH-Wert des Bodens praktisch Null.Fazit: Mit der pH-Wert-Messung kann man den Kalkgehalt des Bodens nicht messen. Die handelsüblichen Tabletten und Papiere sind sehr ungenau, insbesondere im neutralen Bereich. Die so gemessenen Werte sind praktisch wertlos.Kalk hat neben der Kalziumversorgung eine weitere wichtige Aufgabe: die Pufferung des pH-Wertes. Wenn man z.B. mit Magesiumsulfat oder Eisensulfat düngt, welche recht sauer sind, würde der pH-Wert des Bodens ohne ausreichende Kalkversorgung in den Keller saußen, was zum Eingehen vieler Pflanzen führen würde. Bei ausreichender Kalkversorgung wird also eine schädliche Überdüngung mit sauren Düngern weitgehend vermieden.Ich habe schon an verschiedener Stelle empfohlen, dass Kleingärtner alle ca. 5 ... 6 Jahre mal eine Bodenuntersuchung machen sollten. Dann kennt man den Nährstoffgehalt des Bodens und weiß, ob und mit welchem Dünger gedüngt werden sollte. Die Verwendung von Blaukorn im Garten ist meist kontraproduktiv, da viele Böden in D auch ohne Düngung ein Übermaß an Kalium und Phosphor haben und jede weitere Düngung verschlechtert das Pflanzenwachstum und ist heraus geschmissenes Geld.
Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
Ich will ja gar keinen (merklich) basischen Boden, sondern einen weniger sauren.Der Neutralisationswert von CaCO_3 liegt bei etwa 50% von CaO. Also sollte es möglich sein, sauren Boden mit CaCO_3 etwas weniger sauer zu machen. Z.B. von pH 4,5 auf 6. Dabei stellt sich die Frage der Aufwandmenge und genau darum geht es mir.Woher kommt die irrtümliche Auffassung, dass Kalziumkarbonat den Boden (merklich) basisch macht?
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Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
du willst deinen Boden titrieren. Das geht mit einer nicht löslichen Substanz wie Calciumcarbonat nicht. Mit Natronlauge würde es gehen. Das wäre aber für den Boden und die Pflanzen nicht gut. Der pH von 4 bis 6 ist optimal für die meisten Pflanzen. Für calcicole Pflanzen ist Kalken nicht ausreichend. Die brauchen Kalklehm. In solchen Fällen mische ich große Mengen Jurakalksplitt zum Substrat aus Komposterde, basenreichem Lehm und Lauberde. Bis zu 50 %. Je nach Durchlässigkeit des Bodens, den die Pflanze brauch.Der Neutralisationswert von CaCO_3 liegt bei etwa 50% von CaO. Also sollte es möglich sein, sauren Boden mit CaCO_3 etwas weniger sauer zu machen. Z.B. von pH 4,5 auf 6. Dabei stellt sich die Frage der Aufwandmenge und genau darum geht es mir.
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Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
Neutralisationswert hier.
Mit fein vermahlenem Branntkalk - nicht zugelassen - kann man innerhalb von 2 bis 10 Tagen einen pH Anstieg von 3 auf 7 erreichen. Diese Art Kalkung muss ständig erneuert werden. Eine Bodenuntersuchung ergibt den Kalkbedarf pro ha und daraus kann man über den Neutralisationswert die Aufwandmenge pro ha berechnen. Die jährliche Aufwandmenge.Carbonatische Kalke sind gering wasserlöslich und müssen daher fein vermahlen werden, damit sie als Dünger im Boden zur Wirkung kommen. Mit stärkerer Vermahlung steht eine größere Oberfläche für die Reaktion mit Säuren zur Verfügung und umso sicherer und schneller tritt die Kalkwirkung ein.
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Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
Branntkalk ist stark ätzend und sollte deshalb nicht in Betracht gezogen werden. Kalk=Kalziumkarbonat ist praktisch neutral und deshalb zur pH-Wert-Anhebung die bessere Wahl, falls nicht die von mir beschriebenen kalkempfindlichen Pflanzen angebaut werden sollen. Eine Kalkung kann nicht durch irgendeine Maßnahme rückgängig gemacht werden. Wodurch wirkt Kalk entsäuernd? Die Kohlensäure ist sehr schwach und kann durch die meisten Säuren verdrängt werden. Dann verdrängen diese Säuren die Kohlensäure aus den Kalk und es entsteht ein neues Salz, welches nicht mehr so sauer bzw. Neutral ist. Die Kohlensäure verflüchtigt sich als Kohlendioxid oder bildet ein neues Salz bzw. verbindet sich mit Wasser zu Kohlensäure.Im Gegensatz zu allen anderen Nährstoffen ist eine Überkalkung kaum möglich. Nach den Aussagen meines Bodengutachtens sind 30 % Ca noch nicht schädlich. Wer will, kann mal ausrechnen, wieviel Kalk pro Kg Boden entspricht. Das dürfte mehr als 50 % sein.Wenn man also eine Handvoll Kalk pro großen Eimer Erde nimmt, liegt man immer noch weit von einer Überkalkung entfernt, aber die Hälfte davon reicht sicher auch. Nur mit reinen Kalk arbeiten! Bei Dolomitkalk ist ca. 30 % Magnesiumkarbonat drin und da kann es bei zu viel zu einer Überdüngung mit Magnesium kommen, wodurch die Pflanze daran gehindert wird, andere wichtige Nährstoffe aufzunehmen.Der Neutralisationswert von CaCO_3 liegt bei etwa 50% von CaO. Also sollte es möglich sein, sauren Boden mit CaCO_3 etwas weniger sauer zu machen. Z.B. von pH 4,5 auf 6. Dabei stellt sich die Frage der Aufwandmenge und genau darum geht es mir.
Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
Man kann sehr leicht überkalken. Es kommt immer auf die Bodenart an. Durch den Kalk wird der pH-Wert angehoben. Je nach Bodenart ist der optimale pH-Wert unterschiedlich. Wenn der pH-Wert zu hoch oder zu niedrig ist, werden bestimmte Spurenelemente festgelegt. Es ist von daher sehr wichtig den pH-Wert auf die Bodenart abzustimmen. Je nach Bodenart und nach angestrebter Erhöhung des pH-Wertes werden verschiedene Kalkdünger benutzt. Eine Überkalkung ist von daher sehr leicht möglich.Im Gegensatz zu allen anderen Nährstoffen ist eine Überkalkung kaum möglich.
Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
wahrscheinlich meint Dietmar, dass eine pH Wert Erhöhung über den Wert von pH 8 nicht möglich sei. Oben habe ich ein Diagramm verlinkt. Mit grobkörnigen Kalken ist eine pH Erhöhung von pH 3 auf pH 4 erst in 4 Monaten zu erreichen. Es hängt von der Korngröße und der Art des Kalks ab, wie viel in Lösung geht und wieviel Calcium Kation nachfließt.
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Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
Irgendwie habt ihr alle recht.Wenn der pH-Wert schnell korrigiert werden muss ( auch bei Substraten ), nehme ich möglichst feinen Kalk.Als Erhaltungskalkung streue ich jeden Herbst/Winter 'groben' Kalk. Bisher ist der pH-Wert stabil.In Bereichen mit Pflanzen die eher sauren Boden wollen, streue ich hin und wieder etwas Gips. ( Calciumsulphat / pH-neutral )Da geht es dann aber nicht um den pH-Wert sondern um die Cacium-Versorgung.Aus derselben Quelle wie pearls link gibt es die Düngefibel.Ziemlich interessant, nicht nur für Landwirte.
The proof of the pudding is in the eating.
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b-hoernchen
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Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
Prinzipiell kann man die "basische Reserve" schon bestimmen: Dazu lässt man die zu untersuchende Probe mit einer reichlich bemessenen Menge einer starken Säure reagieren (so reichlich bemessen, dass sie mit Sicherheit die gesamte Menge an basichen Substanzen verbraucht) und bestimmt dann über eine Rücktitration, was noch an Säure übrig ist. Aber wir wollen keine Wissenschaft daraus machen -deine Mischungsbestandteile sind, wie pearl ja schon gesagt hat, prinzipiell für "normale" Pflanzen ganz gut, nur würde ich den Zeitfaktor "Ablagerung" dazunehmen - am besten dort ablagern, wo's hinregnet und Feuchtigkeit die Reaktion der einzelnen Bestandteile unterstützt. Die Sache mit dem Kalk (Calciumcarbonat) ist halt die - in Wasser ist er schwerlöslich, deshalb trotz "Carbonat" kaum basisch reagierend, löst er sich bei Anwesenheit von Säuren und neutralisiert diese. Das dauert, das wurde schon gesagt und ist abhängig von der Korngröße, unter anderem, - deshalb auch ablagern, bis der pH-Wert stabil wird. Und natürlich kann man, je nachdem, was man kultivieren will, mit Kalk sich das Substrat "versauen".du willst deinen Boden titrieren. Das geht mit einer nicht löslichen Substanz wie Calciumcarbonat nicht. Mit Natronlauge würde es gehen.Der Neutralisationswert von CaCO_3 liegt bei etwa 50% von CaO. Also sollte es möglich sein, sauren Boden mit CaCO_3 etwas weniger sauer zu machen. Z.B. von pH 4,5 auf 6. Dabei stellt sich die Frage der Aufwandmenge und genau darum geht es mir.
Cum tacent, consentiunt.
Audiatur et altera pars!
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Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
Ganz wenig Kalk und mit destlliertem Wasser kann man rein theoretisch einen pH-Wert von 8,3 erreichen, wenn alles Kalk in Kalziumhydroghenkarbonat umgewandelt wird und dieses dissoziiert. In der Praxis tritt das aber nie auf, weil nur ein winziger Bruchteil in Kalziumhydrogenkarbonat umgewandelt wird. Egal wie viel man kalkt, man kommt nie über einen pH-Wert von über ca. 7 (Neutral). Auch wenn der Boden zu mehr als 50 % aus Kalk besteht, gibt es keine sonderlichen Probleme und solche riesigen Mengen habe ich nicht empfohlen.Bei einigen Pflanzen wirkt ein sehr hoher Kalkgehalt im Boden, also nicht mal nur eine Handvoll pro Quadratmeter und Jahr, sondern zweistellige Prozentgehalte im Boden gegen die Aufnahme eines Spurennährstoffes - Zink. Sollten die Pflanzen Zinkmangelsyndrome zeigen, dann mit einem Dünger mit Zink als Spurennährstoff düngen und fertig. Viel gefährlicher bezüglich Zinkaufnahme ist eine Überversorgung mit P. Viele Böden in D haben schon ohne Düngung eine Überversorgung mit P und dann düngen die Kleingärtner auch noch regelmäßig mit Blaukorn und verschärfen damit die Überversorgung.wahrscheinlich meint Dietmar, dass eine pH Wert Erhöhung über den Wert von pH 8 nicht möglich sei.
Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
Ich hatte weiter vorn eine Liste von Pflanzenarten aufgestellt, was Pflanzen sind, die große Probleme mit Kalk haben und außerdem Zimmerpflanzen aus tropischen Regenwältern erwähnt. Ich hatte auch geschrieben, dass man eine Kalkung nicht wieder rückgängig machen kann. Man sollte sich also vor der Kalkung des Bodens überlegen, ob irgendwann in der Zukunft diese empfindlichen Pflanzen angebaut werden sollen. Alle anderen Sorten inklusive Rasen wollen und brauchen Kalk und da kann man nichts versauen.Wie die Kalkempfindlichkeit von Balkonpflanzen ist, weiß ich nicht. Wer Substrat für Balkonpflanzen kalkt, muss sich vorher kundig machen.Und natürlich kann man, je nachdem, was man kultivieren will, mit Kalk sich das Substrat "versauen".
Re: pH-Bestimmung frisch gekalkter Substrate
Hier mal ein Link zu Gips als Dünger, was für viele ungewöhnlich klingt: http://bodenkalk.at/Beratung/Anwendung/ ... ips.htmIch habe aber in noch keinem Gartenmarkt Gipsdünger gesehen. Durch die Rauchgasentschwefelung fällt in D eine riesige Menge Gips als Abprodukt an. So viele Gipskartonplatten kann man gar nicht herstellen und irgendwie muss der Gips entsorgt werden. Vielleicht gibt es bald Gipsdünger zu kaufen und wenn es Sinn macht, warum nicht.