Gartenbücher haben wir ja wohl alle, aber in welchen Büchern spielen Gärten und Gärtner eine Rolle? Bisher habe ich nicht so drauf geachtet, aber je mehr ich gärtnere, desto mehr interessiert mich das Thema. Die ersten, die mir einfallen, sind die untergangsgeweihten Amateur-GaLaBauer in Goethes Wahlverwandschaften und Jane Austens Mansfield Park, ziemlich zeitgleichen Büchern, in denen die jeweiligen Parks eine große symbolische Rolle für die Handlung spielen. Phantastisch ist das Kapitel in Mansfield Park, wo sich die diversen Liebespaare im Dickicht verlieren, über Zäune und Hahas klettern, während der bedauernswerte Hausherr (angestachelt vom Don Juan der Geschichte) umherirrt und überlegt, welche großen Bäume er alle fällen lassen will, um den Park zu "verbessern".
Sehr bewegend ist auch die Rolle, die die Gärtner in Thomas Bernhards fulminantem Roman Auslöschung spielen, in dem der Protagonist Franz-Josef Murau nach dem Tod seiner halben Familie auf das elterliche Schloss Wolfsegg zurückkehrt, um mit der Nazi-und generellen Vergangenheit, mit Österreich und der Welt im allgemeinen (das ist die Wahrheit!) Schluss zu machen. Zitat:
[size=-1]Wenn ich ins Gärtnerhaus hinüberging, ging ich zum Volk, hatte ich zu Gambetti gesagt, und das Volk liebte ich. .... Genauso, wie ihre Pflanzen, behandelten sie auch mich, wenn ich zu ihnen gekommen war, liebevoll. Sie hatten für meine Bedrängnisse und Nöte Verständnis, genau das Verständnis, das dir Jäger mir gegenüber niemals gehabt haben, sie hatten nur immer ihre herrschaftlichen Sprüche für mich parat, glaubten, mri als ganz kleines Kind schon nur ihre anzüglichen Witze erzählen zu müssen, mich mit über ihren Köpfen geschwenkten Schnapsflaschen aufheitern zu können, wo sie mich durch diese abstoßende Art ihres Auftretens nur noch unsicherer und trauriger machten, als ich schon war, im Gegensatz zu den Gärtnern, die mich, ohne viel Wörter, verstanden und mir in jedem Fall helfen konnten. ... Zu den Gärtnern ging ich, wenn ich unglücklicher, als erträglich war, wenn ich in höchste Not gewesen bin, hatte ich zu Gambetti gesagt, nicht zu den Jägern. In Wolfsegg hatten sich immer zwei Lager gegenübergestanden, die der Jäger und die der Gärtner. [/size]