Willkommen, Gast. Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.
News: "Das Leben ist kein Ponyschlecken"  (Zwiebeltom)
Willkommen, Gast. Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.
01. Juli 2021, 09:35:50
Erweiterte Suche  
News: "Das Leben ist kein Ponyschlecken"  (Zwiebeltom)

Neuigkeiten:

|20|1|Ich bin für die Massenschneeglöckchenhaltung. (neo)

Titel Wilde Wiesen
Seiten: 1 ... 4 5 [6] 7   nach unten

Autor Thema: Gärten und Gärtner in der Literatur  (Gelesen 8127 mal)

Hortulanus

  • Gast
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #75 am: 06. Juli 2005, 15:23:47 »

... Obwohl bei uns die Erde allzu oft als "heilig" galt, bleibt der fröhlichere Umgang mit ihr wohl eher den Südländern vorbehalten. Der Sonne wegen?
Wenn man genau hinsieht, ist das gar nicht so "fröhlich" bei Pirandello, Lampedusa, Pavese & Co.. Klar, in agrarisch geprägten Sozialstrukturen ist ländliches Leben auch literarisches Thema; aber auch da kann man die Bruch-Linien, Erosionen, Abgründe nicht übersehen.


Sehr richtig, bei Pirandello findet man beides: Die strafende "Erde" oder die erdschwere schicksalhafte Bindung an die eigene (oder zu bearbeitende) Scholle wie auch die südländische Fröhlichkeit.
Gespeichert

max.

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 8355
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #76 am: 06. Juli 2005, 15:37:38 »

schon wieder einer: nicht so sehr ein gärtner, sondern ein
selbsternannter baumwirt, ein hirte, der zäh und stoisch im verlauf von jahrzehnten einen verkarsteten landstrich - in der haute-provence glaube ich, oder unweit davon- mit eichensamen zu neuem leben erweckt.
jean giono:
"der mann mit den bäumen"

den kurzen text gibt es auch im internet
http://www.kurskontakte.de/article/show/article_415c206fbbf63.html
Gespeichert

riesenweib

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 8923
  • schwarzerde | basisch | feucht | windig
    • :)
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #77 am: 06. Juli 2005, 18:00:49 »

....vielleicht sollte mal ein wirklich gebildeter forumsteilnehmer sich dazu äußern....

mea culpa, I'm too lazy... Excusez-moi :P ;D

im ernst, bei epen dieser art schreckt mich die schiere länge.

(vielleicht ist keiner wirklich gebildet, da sich keiner rührte 8))

nachtrag: der mann mit den bäumen ist ein sehr optimistisches buch; und eine schöne parabel über stilles wirken im hintergrund
« Letzte Änderung: 06. Juli 2005, 18:04:18 von riesenweib »
Gespeichert
will bitte jemand meine tippfehler? Verschenke sie in mengen. danke ;-)

max.

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 8355
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #78 am: 06. Juli 2005, 18:21:47 »

na doch, der gebildete hortulanus hat sich ja gerührt und gleich mit drei autoren, von denen der ungebildete sauzahn nur den lampedusa kannte, und auch nur, weil er verfilmt wurde, der leopard, oder war er das garnicht?
gruß
Gespeichert

riesenweib

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 8923
  • schwarzerde | basisch | feucht | windig
    • :)
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #79 am: 06. Juli 2005, 18:48:11 »

das war vorher 8)
Gespeichert
will bitte jemand meine tippfehler? Verschenke sie in mengen. danke ;-)

max.

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 8355
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #80 am: 06. Juli 2005, 23:15:46 »

nein. nachher.
gruß
Gespeichert

riesenweib

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 8923
  • schwarzerde | basisch | feucht | windig
    • :)
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #81 am: 06. Juli 2005, 23:24:43 »

sorry, dachte das 69 vor 73 kommt.

Lampedusa ist übrigens der mit dem leopard, ja. habe die verfilmung jetzt tlw. sowohl synchronisiert als auch OF gesehen. mein fazit: sogar in einer sprache die mensch nicht kann ist OF besser also (a)synchron.

Pirandello kenne ich, ohne etwas von ihm gelesen zu haben, Pavese kenn ich auch nicht ;). Hortu sagt uns aber sicher gach wer er war/ist.

lg, brigitte

btw, eventuell für deutschis interessant??
der garten im spiegel der literatur aus 5 jhdten, bibliothek des deutschen museums
« Letzte Änderung: 06. Juli 2005, 23:50:28 von riesenweib »
Gespeichert
will bitte jemand meine tippfehler? Verschenke sie in mengen. danke ;-)

max.

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 8355
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #82 am: 08. Juli 2005, 09:58:02 »

ch habe eine deutsche übersetzung des moretum gefunden,
von johann heinrich voß, der auch die odyssee...
gruß

MORETUM
I n h a l t .
Simulus, ein freigelassener Eigner oder Pächter von griechischer Herkunft, rüstet sich an einem Herbstmorgen zum Pflügen. Er macht Feuer, mahlt Getreide, ruft die afrikanische Magd, Wasser zu wärmen, knätet und formt den Teig; und nachdem er die Stülpe auf dem Heerde darüber gedeckt, holt er aus dem Garten Knoblauch, Eppich, Raute und Koriander: welches er im Mörser mit Salz, Käse, Oel und Essig zerreibt, und als Würze des Brotkuchens zu Felde nimt.


Säumend hatte die Nacht zehn Winterstunden vollendet,
Und der geflügelte Wächter den Tag hellkrähend verkündet:
Als des mäßigen Guts sorgfältiger Ackerbesteller
Simulus, um nicht Faste des kommenden Tages zu dulden,

5
Mählich die Glieder erhebt, die geruht auf ärmlichem Lager,
Und mit geschäftiger Hand die trägen Schatten durchtastet,
Suchend den Heerd, den endlich nach manchem Stoß er herausfühlt.

Nur ein Restchen des Rauchs entstieg dem verglimmenden Löschbrand,
Und es umzog Flockasche der düsteren Kohle Gefunkel.

10
Vorwärts beuget er nun, mit gesenkter Stirne, das Lämpchen,
Rückt hervor mit der Nadel den Docht des trockenen Hanfes,
Bläst mit häufigem Hauch, und erweckt das schlummernde Feuer.
Endlich der hell aufleuchtenden Flamm' entweichen die Schatten.
Jezt mit gebogener Hand bedeckt er das Licht vor der Zugluft,

15
Oefnet sich dann vorschauend die schließende Pforte der Kammer.

Drinnen lag auf der Erd' ein dürftiger Haufen Getreides:
Hiervon raft er gebückt, bis ganz zur Fülle des Maßes,
Das ein Gewicht zu fassen von sechzehn Pfunden gehöhlt ward;
Geht dann hinaus, und eilt' an die Mühl' und auf winzigem Brettlein,

20
Welches geheftet die Wand zu jenem Dienste bewahrte,
Stellt er das freundliche Licht; die Arme darauf des Gewandes
Beid' entblößt, und den Balg der gezottelten Geis umgürtend,
Fegt er zuvor mit dem Quaste die Steine der Mühl' und die Höhlung.
Jezo ruft er die Händ' ans Geschäft, in gleicher Vertheilung:

25
Angestrengt ist die Linke zum Dienst, und die Rechte zur Arbeit.
Diese dreht in beständigem Kreis', und beflügelt den Umlauf;
Während das Schrot abläuft von dem schmetternden Schwung des Gesteines.
Manchmal trit an die Stelle der müden Schwester die Linke,
Bei abwechselndem Amt. Bald singet er bäurische Lieder,

30
Und erleichtert sich selbst mit ländlicher Stimme die Arbeit.
Oft auch ruft er: Cybale! laut. Die einzige Magd wars,
Afrisches Stamms, mit der ganzen Gestalt bezeugend die Heimat:
Kraus ihr Haar, und die Lippen gebläht, und dunkel die Farbe;
Breit am Busen, und hangend die Brust, und schmaleres Bauches;

35
Dünn die Schenkel hinab, nicht karg mit geräumigem Plattfuß;
Und von häufigen Rizen gekerbt die starrende Ferse.
Diese ruft er hervor, und heißt mit brennbaren Scheitern
Häufen den Heerd, und am Feuer die kalte Flut ihm erwärmen.

Als er nunmehr fehllos das Geschäft der Zermalmung vollendet;

40
Trägt er darauf mit der Hand das geschrotene Korn in das Mehlsieb,
Rüttelt dann: oben nun bleibt die gesonderte Klei an dem Boden;
Nieder sinkt ungefälscht, durch engende Fugen geläutert,
Ceres reines Geschenk. Dann schnell auf geglätteter Tafel
Legt er es sorgsam hin, und beströmts mit laulichter Welle;

45
Mischt dann in eins, und knätet den Quell und die Blume des Mehles;
Kehrt das gehärtete quer mit der Hand, und sprenget die Häuflein
Oft mit geläutertem Salz. Den zähe gequollenen Teig nun
Drückt er glatt, mit den Händen zur eigenen Ründ' ihn erweiternd,
Zeichnet ihn dann, einprägend das gleich abstehende Viereck.

50
Diesen nun trägt er zum Heerd, wo Cibale sauber den Ort ihm
Abgestäubt, deckt über die Stülp', und umhäuft sie mit Gluten.

Während indeß sein Amt Vulkanus übet und Vesta;
Harrt auch Simulus nicht die müssige Stunde geschäftlos,
Sondern bestellt was andres: damit nicht Ceres allein ihm

55
Weniger reize den Gaum', so schaft er gesellige Zukost.
Ihm war nicht hochschwebend am Heerd' ein bereicherter Fleischwiem,
Schulterspeck des gesalzenen Schweins und Schinken, im Vorrath;
Nur ein geründeter Käse durchbohrt vom Drate des Spartes,
Hing mit dem alten Gebund des befestigten Dilles herunter.

60
Darum strebt nach anderem Rath der betriebsame Kernmann.

Nachbarlich stieß ein Garten ans Haus, von wenigem Weidicht
und dünnhalmigem Rohr für die schneidende Sichel befriedigt:
Mäßiges Raums, doch ergiebig an mancherlei fruchtbaren Kräutern.
Jenem mangelte nichts, was erheischt des Armen Bedürfnis:

65
Oft wohl pflegte der Reiche von Aermeren manches zu fodern;
Auch wars nicht der Ueppigkeit Werk, nur Ordnung besorgt' er.
Wann ihn müssig einmal in der Hütt' ein Regen daheimhielt,
Oder ein Fest; wann etwa dem Pflug' einst feirte die Arbeit:
Dann war des Gartens Geschäft. Vielartige Pflanzen zu reihen

70
Wußt' er, und mancherlei Samen geheim zu vertrauen dem Erdreich,
Auch, wenns galt, sorgfältig benachbarte Bäche zu lenken.
Hier war Kohl, hier mutig die Arm' ausstreckender Mangold;
Hier weitwuchernder Ampfer, und heilsame Malven und Alant;
Hier die süßliche Möhr', und buschichte Häupter des Lauches;

75
Hier auch grünt' ein schläfernder Mohn mit kalter Betäubung;
Auch der Salat, der labend die edleren Schmäuse beschließet;
Häufig auch sproßt' umher mit schwellender Wurzel der Rettich;
Und schwer hing an der Ranke mit breitem Bauche der Kürbis.
Aber des Eigeners nicht, denn wer wohl lebte genauer?

80
Sondern des Volks war aller Ertrag: und an Tagen des Marktes
Bot er feil in der Stadt die lastenden Bunde Gemüses;
Kehrte dann, leicht am Nacken, doch schwer von Gelde, zu Hause,
Selten einmal begleitet von städtischer Waare der Fleischbank.
Ihm ist die röthliche Zwiebel genug, und ein Beetchen des Schnittlauchs,

85
Kresse zugleich, die das Antliz mit herbem Bisse verzerret,
Auch der Endivie Wuchs, und die liebentflammende Rauke.

Jezt auch solcher Gesinnungen voll, betrat er den Garten.
Aber zuerst, da er leise das Land mit dem Finger gelockert,
Zieht er heraus vier Stangen mit vielfachen Knollen des Knoblauchs;

90
Drauf des Eppiches zartes Gesproß, und die starrende Raute,
Rupfet er, samt Koriander, an harigen Dolden erzitternd.
Dies nun trägt er hinein, und sizt ans fröhliche Feuer,
Fodert darauf von der Magd mit lauter Stimme den Mörser.
Jegliches Haupt entblößt er von zahlreich hüllender Rinde,

95
Und wie die oberen Häutchen er abzieht, streut er verachtend
Rings auf die Erde sie hin; und die Knoll', auf Grase bewahret,
Spület er, senket sie dann in des Steins gehöhlete Ründung.
Körniges Salz nun streut er; und hart von zerfressenem Salze,
Kommt ein Käse dazu; drauf schüttet er alle die Kräuter.


100
Jezo hält ihm die Link' um den zottigen Leib das Gewand fest;
Aber die Rechte zerquetscht mit der Keule den duftenden Knoblauch
Stampfend, und reibt dann alles zu gleich gemengetem Safte.
Ringsum dreht sich die Hand: allmählich schwindet zusammen
Jede besondere Kraft; und die Farb' ist aus mehreren Eine:

105
Weder grün durchaus, da es milchichte Krumen verbieten,
Noch erhellt von der Milch, die mit mancherlei Kraute gefleckt ward.
Oft daß streng' in des Manns einathmender Nase der Aushauch
Steigt, und mit krausem Gesicht sein eigenes Mahl er verdammet;
Oft daß mit oberer Hand die thränenden Augen er abwischt,

110
Gegen den Rauch anwütend mit unverschuldeter Schmähung.
Vorwärts rückte das Werk. Nicht höckerig mehr, wie im Anfang,
Ging bereits schwerfällig die Keul' im langsamen Umlauf.
Darum tröpfelt er drauf des paladischen Oeles ein wenig,
Gießt auch ein wenig hinzu von der Kraft des beißenden Essigs;

115
Dann von neuem vermischt er das Werk, und wieder von neuem.
Endlich kehrt er den Mörser mit zwei umlaufenden Fingern
Rings, und preßt das zerstreute zu Einer ballenden Kugel.
So wird Form und Namen dem fertigen Mörsergerichte.

Cybale scharret indeß auch ämsig das Brot aus der Asche,

120
Welches warm in den Händen der freudige Simulus hinnimt;
Dann auf den folgenden Tag vor des Hungers Sorge gesichert,
Fügt er in ähnliche Stiefel die Bein', und, bedeckt von der Kappe,
Spannt er in Joch und Seile die willig gehorchenden Farren,
Lenkt auf den Acker hinaus, und drängt in die Erde die Pflugschar.
Gespeichert

riesenweib

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 8923
  • schwarzerde | basisch | feucht | windig
    • :)
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #83 am: 08. Juli 2005, 10:09:22 »

Zitat
...Rupfet er, samt Koriander, an harigen Dolden erzitternd...


muss ich zuhause gleich checken, haarig ist mir noch gar net aufgefallen.

 ;), brigitte
Gespeichert
will bitte jemand meine tippfehler? Verschenke sie in mengen. danke ;-)

max.

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 8355
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #84 am: 08. Juli 2005, 10:20:52 »

falls sich das "harig" auf die korianderblüte bezieht- warum nicht? die einzelnen blütenstiele in der dolde?
oder der eppich( sellerie) - wie blüht denn der? die starrende raute jedenfalls ist nicht haarig.
gruß
Gespeichert

riesenweib

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 8923
  • schwarzerde | basisch | feucht | windig
    • :)
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #85 am: 08. Juli 2005, 11:35:18 »

Gespeichert
will bitte jemand meine tippfehler? Verschenke sie in mengen. danke ;-)

Hortulanus

  • Gast
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #86 am: 08. Juli 2005, 11:49:51 »

Dieser ominöse Eppich kommt auch in Vergils "Bucolica" vor:

"...Weiter besingt er das Mägdlein, das goldene Äpfel bestaunte,
Phaetons Schwestern umwebt er alsdann mit der bitteren Rinden
Moos und läßt sie vom Boden schlank aufragen als Erlen.
Weiter singt er von Gallus, wie ihn, der am Strom des Permessus
ziellos ging, eine Muse empor zu Aoniens Höhen
führte, wie rings vor dem Mann sich erhob der Reigen des Phoebus,
wie ihm Linus, der Hirt, der göttlichbegnadete Sänger,
Blütenkränze im wallenden Haar und bitteren Eppich,
dieses gesagt: „Die Flöte hier nimm, eine Gabe der Musen,
einst dem askraeischen Alten geschenkt; sooft er sie spielte,
pflegte er knorrige Eschen zum Tanz von Bergen zu ziehen.
Preise auf ihr des gryneischen Haines göttlichen Ursprung,
daß kein Hain mehr sei, dessen lieber sich rühmte Apollo!"...
Gespeichert

Hortulanus

  • Gast
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #87 am: 08. Juli 2005, 17:02:43 »

Habe noch was gefunden. Ist zwar kein Gärtner, sorgt aber dennoch dafür, dass es keimt.

Weil wir ja alle (?) erwachsen sind und die Natur auch so schön und in jeder Beziehung
zum Zuge kommt:

François Villon

Ich hab mich in Dein rotes Haar verliebt

Im Sommer war das Gras so tief,
dass jeder Wind daran vorüberlief.
Ich habe da dein Blut gespürt
und wie es heiß zu mir herüberrann.
Du hast nur meine Stirn berührt,
da schmolz er auch schon hin, der harte Mann,
weil’s solche Liebe nicht tagtäglich gibt...
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.

Im Feld den ganzen Sommer war
der Mond so rot nicht wie dein Haar.
Jetzt wird es abgemäht, das Gras,
die bunten Blumen welken auch dahin.
Und wenn der rote Mond so blass
geworden ist, dann hat es keinen Sinn,
dass es noch weiße Wolken gibt...
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.

Du sagst, dass es bald Kinder gibt,
wenn man sich in dein rotes Haar verliebt,
so rot wie Mohn, so weiß wie Schnee.
Im Herbst, mein Lieb, da kehren viele Kinder ein,
warum soll’s auch bei uns nicht sein?
Du bleibst im Winter auch mein rotes Reh
und wenn es hundert schönere gibt...
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.

Gespeichert

riesenweib

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 8923
  • schwarzerde | basisch | feucht | windig
    • :)
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #88 am: 09. Juli 2005, 08:25:45 »

das ist so schön wie

...shall I compare thee to a summers day?
thou art more lovely and more temperate...

lg, brigitte

beim schüttelbier wäre ja noch zu finden dieser art.
Gespeichert
will bitte jemand meine tippfehler? Verschenke sie in mengen. danke ;-)

Querkopf

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 7069
  • Saartal, WHZ 7b, 245m ü. NN
Re:Gärten und Gärtner in der Literatur
« Antwort #89 am: 09. Juli 2005, 12:04:05 »

Hallo, Brigitte,

nee, in Sachen Pavese bin wohl ich mit Erklären dran ;) (diesen Autorennamen hatte ich in die Debatte geworfen, in #71, das Hortulanus in #75 zitiert hat).

Erstmal ein Gedicht. Eins, das in unseren Kontext passt:

Landschaft II

Weißlich liegt der Hügel im Sternenlicht, Flecken nackter Erde;
ein Dieb käme dort oben nicht weit. Hier unten am Hang
liegen die Reben im Schatten. Nach oben, wo alles im Überfluss
wächst und keiner darbt, steigt niemand.
Aber hier, wo es feucht ist, schlüpfen sie, unter dem Vorwand,
Trüffel zu suchen, in den Weinberg und plündern die Trauben.

Der Alte fand zwei kahle Traubenstiele
unter den Reben, und jetzt knurrt er. Wenig Wein gibt es heuer:
Tag und Nacht Feuchte, da schießt alles in die Blätter.
Durch die Pflanzen hindurch sieht man oben die nackte Erde unter dem Himmel,
die ihnen tagsüber die Sonne stiehlt. Oben brennt die Sonne
den ganzen Tag, und die Erde ist kalkig: Sogar im Dunkeln kann man sehen.
Oben steigt alles in die Trauben, nicht in die Blätter.

Der Alte, im nassen Gras auf einen Stock gestützt,
hat die Fäuste geballt: Wenn heute Nacht die Diebe kommen,
stürzt er sich auf sie und verdrischt sie nach Strich und Faden.
Solche Kerle verdienen keine bessere Behandlung,
bei dem Benehmen. Manchmal hebt er den Kopf,
wittert in der Luft: Er glaubt in der Dunkelheit
einen Geruch nach frischer Erde zu spüren, nach frisch gegrabenen Trüffeln.

Dort oben auf den Hängen, die sich weit zum Himmel öffnen,
gibt es weder Laub noch Schatten: Schwer hängen die Trauben
bis zur Erde. Dort oben kann sich keiner verstecken:
Selbst von hier aus erkennt man jeden Baum,
schwarz und vereinzelt. Wenn der Weinberg des Alten dort oben
läge, könnte er vom Haus aus seine Reben bewachen, im Bett,
mit geladener Flinte. Aber hier unten nützt ihm die Flinte
gar nichts, hier unten, wo nur die Blätter wachsen.

Cesare Pavese
(dt. von Dagmar Leupold & Michael Krüger, aus: Sämtliche Gedichte, Claassen 1988)


Und noch ein paar Stichworte zu Cesare Pavese:
Geboren 1908 im ländlichen Piemont, 1950 Tod von eigener Hand in Turin. Schrieb Lyrik (u.a. "Arbeiten ermüdet") und Romane (u.a. Trilogie "Der schöne Sommer", "Unter Bauern", "Die Verbannung", "Das Haus auf der Höhe", "Gespräche mit Leuko"). 1935 aus politischen Gründen vom Mussolini-Regime nach Kalabrien verbannt. Andererseits nicht "auf Linie" der PCI, der er angehörte – er hielt Distanz zur Resistenza, freilich mit Schuldgefühlen; als Künstler "artistisch", fast konstruktivistisch orientiert, hat Pavese es dann trotzdem mal mit einem Polit-Roman versucht ("Der Genosse"), in dem er prompt nicht zur eigenen literarischen Höhe fand. Doch ausgerechnet über dieses Buch – das war zusammen mit den politisch-theoretischen Schriften von Antonio Gramsci Standardlektüre der Nach-68er-Toskana-Fraktion ;D – fing in den 80ern etwas Pavese-Rezeption in D an, Neuausgaben der deutschen Übersetzungen kamen raus. Entdeckungen: großartige Texte. (Übrigens spielt "la campagna", das Land, darin eine wichtige Rolle...)

Schöne Grüße
Querkopf
Gespeichert
"Konsequenz heißt auch den Holzweg bis zum Ende zu gehen!"
Online-Leserkommentar zu einem Artikel der österreichischen Zeitung "Der Standard" über Donald Trump, 30.04.2020
Seiten: 1 ... 4 5 [6] 7   nach oben
 

Partnerprogramm Abebooks
Garten-pur.de Nutzungsbedingungen | Impressum | Datenschutzerklärung

Forum Garten-pur | Powered by SMF, Simple Machines
© 2001-2015 garten-pur. All Rights Reserved.
Garten-pur.de