mal statt Bild
Die Blüte der Gallica officinalis ist von einem Aquarellmaler entworfen worden. In dem kuscheligen goldgelben Staubgefäßpolster über einem weißlichen Hof können sich die Hummeln suhlen. Die prägende kräftige karmesinrote Farbe der Blütenblätter ist naß in ein leuchtendes Rot gesetzt, hat dieses an einige Randbereiche verdrängt und hat einen inneren Hof mit fließendem Übergang ausgespart. Das war wahrscheinlich die Grundidee des Künstlers. Aber die einzelnen Blüten variieren das Thema mit den zwei Rottönen kräftig und spielen dabei noch mit Licht und Schatten, besonders schön, wenn sie auch noch unordentlich frisiert daherkommen.
Nach dem Sexualakt mit den Insekten verblassen die Schöpfungen bald, als wenn zu viel Wasser in die Farben geraten wäre. Die Blütenblätter fallen ab und hinterlassen, mit rostbraunen Stempeln und erstaunlichem roten Augenrand einen präzisen hochgebogenen Staubgefäßekranz, Entwurf eines Uhrmachers der alten Schule. Der schließt sich dann zu einer schrumpeligen vielfingrigen Zottelfaust, in der die Hagebutte heranreift. Einige von ihnen lassen mit Ihren Kelchblättern an einen Kometen denken, der gleich in den Gartenraum sausen wird. Doch das wäre nicht weiter schlimm, denn dicht daneben bereiten schon, spitztütig und samtrot, weitere Blütenknospen ihren Auftritt vor.