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News: Da tun sich ja ganz neue Suizidmöglichkeiten auf: Verrottung in eigenem Kompost. (Dunkleborus)
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News: Da tun sich ja ganz neue Suizidmöglichkeiten auf: Verrottung in eigenem Kompost. (Dunkleborus)

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|24|7|Irgendwas blüht immer. (Spatenpaulchen)

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Autor Thema: Studie zu Insektensterben  (Gelesen 46863 mal)

bristlecone

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #150 am: 25. Oktober 2017, 12:25:58 »

So hatte hier die Iller noch in den 1930er Jahren im Frühjahr Millionen von Fischen die gelaicht haben. Die Begradigung war damals bereits 60 Jahre vorher fertig. Die Verschmutzung auch schon einige Zeit relativ hoch, wenn auch der Höhepunkt der Verschmutzung wohl in den 60ern erst erreicht wurde.
Heute ist der Fluss relativ sauber, streckenweise etwas renaturiert, aber Fische gibts bei weitem nicht mehr so viele.

Da kommen vermutlich mehrere Gründe zusammen. Der einstmals unregulierte, reich gegliederte Fluss mit Prallhängen und Erosion, sanften Uferbereichen, Überschwemmungsflächen etc. bot vielfältige Lebensräume und Laichgründe.

Später, nach der Regulierung, kam eine Zeit, in der viele Flüsse ziemlich eutrophiert waren. Das begünstigte Masse an Fischbestand, nicht unbedingt Artenreichtum. Das keene ich noch aus eigener Anschauung in Schleswig-Holstein.

Heute ist betreffende Fluss dort reguliert, und das Wasser ist wieder deutlich sauberer, das Wasser nährstoffärmer als früher. Im Ergebnis hat das zu weniger Fischmasse geführt, aber die Zahl der Arten ist nicht wieder gestiegen. 

Etwas Ähnliches ist im Bodensee zu beobachten: Mit abnehmenden Phosphatgehalt nimmt der Bestand an fischreifähigen Felchen ab, zum Leidwesen der Fischer.

Masse ist eben nicht unbedingt ein Kriterium für einen natürlichen Zustand und auch nicht für Artenvielfalt.

Das wäre übrigens auch eine Schwäche der "Insektenstudie", wenn man sie für sich allein sähe.

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RosaRot

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #151 am: 25. Oktober 2017, 12:29:44 »

Hier blühen übrigens eher nicht die Felder, sondern die Feldränder und die Weideflächen, wenn Bio bewirtschaftet wird. Möglicherweise besteht ja auch bloß 'Informationsbedarf' bei den deutschen Bio-Landwirten, die das aktuell (noch) nicht hinbekommen?

Das kommt wohl sehr auf die jeweiligen Landwirte an.
Hier kenne ich wunderbar blühende Feldraine auch an ganz gewöhnlichen konventionell bewirtschafteten Feldern.
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Viele Grüße von
RosaRot

Amur

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #152 am: 25. Oktober 2017, 12:57:37 »

... kennst Du verläßliche Daten zum Insektenbestand, wenn großflächig auf Insektizide und Herbizide verzichtet wird?
...
Wenn es das gäbe wäre es schon längst hier angeführt oder verlinkt worden.

Interessant in dem Zusammenhang ist auch die Überlegung dass die Biobauern bei uns u. U. im Moment davon profitieren dass der größte Teil der Fläche um sie rum noch mit Insektiziden behandelt wird. Der Befallsdruck ist dadurch natürlich relativ gering. Wenn alle Bio machen haben wir dann wieder Massenvermehrung von bestimmten Insekten (wie einst die Heuschrecken durchaus auch bei uns)?
Ahnliche dem Effekt wie in Gesellschaften in denen die meisten Menschen z. Bsp. gegen Pocken geimpft sind und es deswegen auch bei auftretenden Pockenfällen nicht zu einer Epidemie kommt?
Habe das auch schon mit dem Biobauern mal kurz diskutiert. Er gibt ganz klar zu, dass der Befallsdruck von den Nachbargrundstücken natürlich sehr gering ist. Zumindest bei großen Betrieben mit zusammenhängender Fläche sei ihm aber auch nix derartiges bekannt.

« Letzte Änderung: 25. Oktober 2017, 12:59:47 von Amur »
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lerchenzorn

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #153 am: 25. Oktober 2017, 13:21:52 »

Das halte ich für reine Theorie. Ein Gedankenkonstrukt. Umgekehrt ließe sich argumentieren, dass die ausgeprägte Monokultur im konventionellen Anbau den Befallsdruck überhaupt erst herbeiführt und damit die mit reichem Fruchtwechsel arbeitenden Ökolandbaubetriebe belastet. Ist auch konstruiert und halte ich auch nicht für belegt. Man kann sich solche Betrachtungen schenken.
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Rieke

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #154 am: 25. Oktober 2017, 13:35:42 »

... kennst Du verläßliche Daten zum Insektenbestand, wenn großflächig auf Insektizide und Herbizide verzichtet wird?
...
Wenn es das gäbe wäre es schon längst hier angeführt oder verlinkt worden.

Hier findet man z.B. etwas dazu.

Wer es etwas wissenschaftlicher mag: eine Metaanalyse aus dem 2005. 2 Zitate aus dieser Arbeit:
"More importantly, the densities of  predators, such as carabid beetles  and  spiders,  were  usually  higher  in  organic farming systems than in conventional ones."
Aus der Zusammenfassung: "Our results show that organic farming often has positive effects on species richness and abundance, but that its effects are likely to differ between organism groups and landscapes. We suggest that positive effects of  organic farming on species richness can be expected in intensively managed agricultural landscapes, but not in small-scale landscapes comprising many other biotopes as well as agricultural fields."

Oder kurz gesagt, auf den organisch bewirtschafteten Flächen findet man mehr Nützlinge und der Effekt auf die Biodiversität ist in kleinräumig strukturierten Landschaften weniger ausgeprägt als in Gegenden mit intensiver Landwirtschaft.

Eine neuere Metaanalyse zum gleichen Thema und mit vergleichbaren Ergebnissen Land-use intensity and the effects of organic farming on biodiversity: a hierarchical meta-analysis.
Hier finde ich ganz interessant, daß die positive Wirkung auf die Biodiversität bei Getreide sehr ausgeprägt ist, bei Gemüse und Obstplantagen weniger.

Schwerpunkt bei diesen Meatanalysen ist allerdings die Biodiversität, nicht die Menge der Insekten insgesamt. Dieser Ansatz der Krefelder Entomolgen ist relativ ungewöhnlich.

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Wo bleibt der Regen?

Roeschen1

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #155 am: 25. Oktober 2017, 13:44:59 »

Das EU Parlament lehnt Kriterien der EU Kommision ab, mit denen Chemikalien als hormonell schädlich klassifiziert werden sollen.
EDC, endocrine disruption chemicals,
hormonell aktive Substanzen,
Die EU tut sich schwer solche Stoffe zu verbieten.
Die WHO bezeichnet diese Substanzen seit 2012 als globale Bedrohung.
Wachstumsinhibitoren greifen in das Hormonsystem von Insekten ein und verhindern Häutung, Synthese des Chitins oder Verwandlung der Larven. Solche Inhibitoren werden gegen Kartoffelkäfer und Maiszünsler eingesetzt. Es sollen Ausnahmen her. Der VCI, Verband der chemischen Industrie, möchte Ausnahmegenehmigungen um eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln zu garantieren.
Es sind viele Insektizide und Fungizide davon betroffen.
35 von 50 Getreidefungizide und 12 von 24 Fungiziden, die gegen die Krautfäule bei Kartoffeln eingesetzt werden, könnten wegen hormoneller Wirkung vom Markt verschwinden.
Ob sich da etwas ändert?
Diese Stoffe sind überall und haben Auswirkungen auf die Insektenwelt und uns Menschen.
« Letzte Änderung: 25. Oktober 2017, 13:52:10 von Dornroeschen »
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bristlecone

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #156 am: 25. Oktober 2017, 13:48:39 »

Lass uns hier bitte nicht das Thema "endokrine Disruptoren" aufmachen. Sonst haben wir hier binnen kürzester Zeit eine ähnliche Situation wie beim Glyphosat!
Mit dem Unterschied, dass das Thema noch um Einiges vielschichtiger und komplexer ist als das Thema Glyphosat und das Thema Insektenmassenschwund.

Falls du das unbedingt debattieren möchtest, schlage ich vor, dazu einen eigenen Thread aufzumachen - aber ich rate ab.
« Letzte Änderung: 25. Oktober 2017, 13:50:20 von bristlecone »
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Roeschen1

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #157 am: 25. Oktober 2017, 13:54:17 »

Ja, never ending story...
ich halte es aber für ursächlich neben anderen Gründen.
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Grün ist die Hoffnung

hymenocallis

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #158 am: 25. Oktober 2017, 13:54:52 »

Hier blühen übrigens eher nicht die Felder, sondern die Feldränder und die Weideflächen, wenn Bio bewirtschaftet wird. Möglicherweise besteht ja auch bloß 'Informationsbedarf' bei den deutschen Bio-Landwirten, die das aktuell (noch) nicht hinbekommen?

Das kommt wohl sehr auf die jeweiligen Landwirte an.
Hier kenne ich wunderbar blühende Feldraine auch an ganz gewöhnlichen konventionell bewirtschafteten Feldern.
Was aber nix nützt - denn die Insekten fehlen dort trotzdem. Die Schäden, die durch die Insektizide entstehen, werden durch blühende, aber kontaminierte Feldraine nicht wieder gut gemacht.  :-\
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hymenocallis

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #159 am: 25. Oktober 2017, 13:58:20 »

Das halte ich für reine Theorie. Ein Gedankenkonstrukt. Umgekehrt ließe sich argumentieren, dass die ausgeprägte Monokultur im konventionellen Anbau den Befallsdruck überhaupt erst herbeiführt und damit die mit reichem Fruchtwechsel arbeitenden Ökolandbaubetriebe belastet. Ist auch konstruiert und halte ich auch nicht für belegt. Man kann sich solche Betrachtungen schenken.

Diese Theorie läßt sich in der Praxis nicht bestätigen - in Österreich gibt es trotz wesentlich mehr Bio-Anbauflächen dort keinerlei Massenauftreten von Schädlingen. Viel eher ist das auf konventionell bewirtschafteten Feldern der Fall - siehe Maiswurzelbohrer, der nur durch das Auflassen der Fruchtfolge zum Problem wird.
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bristlecone

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #160 am: 25. Oktober 2017, 14:50:00 »

Ja, never ending story...
ich halte es aber für ursächlich neben anderen Gründen.

Ich nicht. Lass es uns gut sein.
« Letzte Änderung: 25. Oktober 2017, 15:08:08 von bristlecone »
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Dietmar

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #161 am: 25. Oktober 2017, 17:22:09 »

So weit mir bekannt ist, wurden in den Studien nur Gebiete beprobt, die in Naturschutzgebieten weitab von der Landwirtschaft liegen. Damit kann keinerlei Kausalität nachgewiesen werden.

Nun bin ich ja der Meinung, dass das Insektensterben von großer Bedeutung für uns alle ist, da ein großer Teil der menschlichen Ernährung ohne Bestäubung ausfallen würde.

Nur müssten solche Studien durch Fachleute und nicht durch Ideologen gemacht werden - und zwar so, dass Kausalitäten erkennbar sind und nicht nur Vermutungen in den Himmel schießen.
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Dietmar

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #162 am: 25. Oktober 2017, 17:30:43 »

Im Übrigen sind "endokrine Disruptoren" auch eine Gefahr für die Fruchtbarkeit der Menschen und sicher einer der Hauptgründe für ungewollte Kinderlosigkeit und leider kommen diese in unserer näheren Umgebung recht häufig vor, z.B.:
- Weichmacher in PVC, z.B. in Trinkhalmen, Becher für Margarine u.a., Fußbodenbelag, Spielzeug aus China - eigentlich ist der Einsatz von PVC im Lebensmittelbereich und überall, wo häufig Hautkontakt vorkommt, seit Jahrzehnten in D verboten, aber die o.g. Anwendungen gibt es nach wie vor.
- bestimmte Antioxidanzien in der Zahnpasta
- UV-Blocker in Sonnenschutzmitteln und in der Kosmetik

Ergo: Wer oft in der Sonne liegt, erhöht nicht nur sein Hautkrebsrisiko erheblich, sondern wird auch unfruchtbar.
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lerchenzorn

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #163 am: 25. Oktober 2017, 18:48:09 »

... Nur müssten solche Studien durch Fachleute und nicht durch Ideologen gemacht werden - und zwar so, dass Kausalitäten erkennbar sind und nicht nur Vermutungen in den Himmel schießen.

So gut kennst Du die Studien-Bearbeiter?  :o
Es ist sehr selten, dass aus einzelnen Studien umfassend oder zielgenau auf Ursachen geschlossen wird oder werden kann. Neben wissenschaftlichen Studien gibt es aber Offensichtlichkeiten, wie die allgemeine Struktur- und Artenarmut landwirtschaftlich intensiv genutzter Flächen.
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lerchenzorn

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Re: Studie zu Insektensterben
« Antwort #164 am: 25. Oktober 2017, 19:30:58 »

... Samenvorräte im Boden erschöpfen sich mit den Jahren, fehlen die Pflanzen zu den spezialisierten Insekten, merkt man es Jahre später weenn sich vieles aufsummiert an den Vogeldaten. Behaupte ich jetzt mal frech und erstmal unbegründet...

So einfach ist es nicht. Mono- und oligophage Insekten, Pilze oder andere "Fresser", die auf eine einzige oder sehr wenige Wirts- oder Futterpflanzen spezialisiert sind, verschwinden meist viel früher als ihre Wirtspflanzen, weil sie engere strukturelle und mikroklimatische Ansprüche haben als diese. Es gilt deshalb, was für die größte Zahl aller gefährdeten Arten gilt: eine größtmögliche Vielfalt an nischenreichen (konkurrenzarmen) Lebensräumen, eine möglichst geringe Nivellierung natürlicher Standorteigenschaften (durch Überdüngung, Versauerung, aber auch unnatürlich beschleunigte Bodenbildungsprozesse) und eine ausreichende Vernetzung. Es läuft am Ende immer auf dasselbe hinaus: ein ausreichend großer Anteil extensiv genutzter Flächen in Land- und Forstwirtschaft, ergänzt durch gezielte Landschaftspflege in den Fällen, in denen eine Einbindung in reguläre Nutzungen nicht sinnvoll machbar ist.
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