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|28|3|Ja, das ist ähnlich wie beim Zähneputzen, Karies und Unkraut haben viel gemein. (o-planten ) 

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Autor Thema: Apfelsorten für Weinbauklima  (Gelesen 2111 mal)

thuja thujon

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Re: Apfelsorten für Weinbauklima
« Antwort #15 am: 17. November 2019, 11:43:28 »

Wenn man die letzten beiden Jahre als Massstab nimmt, geht auch Wein im Weinbauklima nicht mehr.
Ich meine man sollte das nicht zu negativ sehen. Es gibt auch andere Jahre.
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cydorian

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Re: Apfelsorten für Weinbauklima
« Antwort #16 am: 17. November 2019, 12:09:54 »

Wein hat auch Grenzen, gehört an trockenen Hängen aber zu den Gewinnern. Auch sonst. Die Weinernte 2018 war mit knapp zehn Millionen Hektoliter überdurchnittlich (trotz geringer Bewässerungsquote), dieses Jahr etwas schwächer aber immer noch 8,67 Mio Hektoliter. Hagel und Spätfrost waren auch mitverantwortlich. Meine Tafeltrauben sind in beiden Jahren gut worden, die frühen Sorten profitieren besonders, sie können noch lange das Winterwasser im Boden nutzen, wenn sie mal eingewachsen sind.

Und, ständig gesagt und dreimal unterstrichen: Quitten. Das hat er nicht in der Wunschliste. Das sind die letzten Jahre absolute Gewinner am Trockenhang gewesen. Irre gute Öchslewerte, gute Ernte, hohe Qualität. Auch Mispeln, die sind allerdings wegen ihrer noch eingeschränkteren Verwendbarkeit gebremst.
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b-hoernchen

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Re: Apfelsorten für Weinbauklima
« Antwort #17 am: 17. November 2019, 17:21:43 »

Am liebsten alte Sorten, gerne säuerlich, mit möglichst viel Aroma und sehr gerne auch berostet. 
Bei mir ist bei Temperaturen >35°C Sonnenbrand das große Thema. Viele Sorten,z. B. Piros und Alkmene "verkochen" (verbräunen innerlich) am Baum.
Auch Boskoop bekommt Sonnenbrand, sogar Golden Delicious.
Ohne Sonnenbrand blieb bei mir der Patte de Loup. Wie der mit deinen Boden und Feuchtigkeitsverhältnissen klar kommt, weiß ich allerdings nicht.
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Cum tacent, consentiunt.

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Aethiopicum

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Re: Apfelsorten für Weinbauklima
« Antwort #18 am: 17. November 2019, 17:50:54 »

Wow, so viele Rückmeldungen - vielen Dank! Ich werde mir die genannten Sorten alle mal in Ruhe ansehen. Das der Standort an sich für Äpfel nicht optimal ist, weiß ich leider auch - ich habe nur keinen anderen und hätte trotzdem gerne Äpfel ;)

@cydorian: Danke für die vielen Tipps. Wie ich am Anfang geschrieben habe, hab ich ja schon einiges an "Exoten" gepflanzt - dazu habe ich jetzt einfach mal Quitten und Mispeln gezählt. Quitten stehen auf meiner Liste sogar ganz oben, finde ich toll und habe ich auch schon gepflanzt. Der einzige "Altbaum" auf meinem Grundstück ist eine knorzige Quitte auf Weißdorn, die jedes Jahr zuverlässig trägt, aber leider nicht mehr lange leben wird. Und die Quitten werden -wie du ja auch schreibst - bei dem Klima eben richtig reif und süß. Hab dieses Jahr erstmals Saft gepresst - sehr lecker! 

Zur Mispel: Ich habe mir vor ein paar Jahren eine Mispel veredelt, mit Reisern hier aus dem Forum (vll. sogar von dir?). Ist der einzige Baum auf dem Weinberg, der selbst im Sommer 2018 keine Trockenheitsschäden gezeigt hat und bisher ohne jegliche Bewässerung ausgekommen ist. Top!

@Aromasüß Ja, was Apfelsorten angeht, werde ich mich wohl besser in Richtung Südosten als nach Norddeutschland oder England orientieren - danke für die Sortennamen. Ist "Carpentin" (scheint hier in Hessen auch mal lokal verbreitet gewesen zu sein) denn das selbe wie Damasonrenette? Auf manchen Seiten wird das als Synonym genannt. Die Kasseler Renette wurde mir auch von einem örtlichen Pomologen empfohlen, werde ich mir auch überlegen.
« Letzte Änderung: 17. November 2019, 17:55:24 von Aethiopicum »
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cydorian

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Re: Apfelsorten für Weinbauklima
« Antwort #19 am: 17. November 2019, 18:11:22 »

Vorsicht vor "Carpentin", es werden je nach Gegend verschiedene Sorten unter diesem Namen geführt. Damit kann alles mögliche gemeint sein. Ich hatte mal einen "Carpentin" von Ritthaler, der ist früh eingegangen auf meiner trockenen Wiese. Von der Kasseler Renette hätte ich vielleicht Reiser, muss mir mal den Zuwachs von meiner ansehen ob der brauchbar ist. Apropos Zuwachs, von meinen in #1 genannten Sorten hatte übrigens der Rote Bellefleur den stärksten Zuwachs in den letzten beiden Trockenjahren. War nicht bewässert!

Alle Bäume stehen auf Bittenfelder, teilweise Zwischenveredelung mit Maunzen.
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Aromasüß

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Re: Apfelsorten für Weinbauklima
« Antwort #20 am: 25. November 2019, 06:13:11 »

1 Tipp zu den grauen Renetten bleibt noch:
Grauer Kurzstiel - die einzige weitere starkwüchsige Sorte der Lederäpfel, die ziemlich geringe Ansprüche an Klima und Boden stellt: Eine wohl definierte Sorte (schon um 1500 bei den Pariser Kartäuser-Mönchen, ab 1857 auf der Reichsobstsortenliste des Pomologenvereins), das heißt, ihre Sortenechtheit sollte (anders als beim Carpentin?) in den Baumschulen erhalten sein? Heute selten: Wie sich der Graue Kurzstiel wirklich in heißen Lagen verhält, bleibt auszuprobieren.

Vorsicht vor "Carpentin", es werden je nach Gegend verschiedene Sorten unter diesem Namen geführt. Damit kann alles mögliche gemeint sein.

Das war mir nicht klar, dass der Carpentin (zumindest momentan) nicht sicher sortenecht zu erhalten ist. (Aus einer anderen Baumschule pflanze ich selber gerade eine andere[?] Herkunft dieser Sorte.)

Ist "Carpentin" (scheint hier in Hessen auch mal lokal verbreitet gewesen zu sein) denn dasselbe wie Damasonrenette? Auf manchen Seiten wird das als Synonym genannt.

Immerhin gibt es von der Damasonrenette eine definierte Herkunft "Damasonrenette (Kessler)". Das unterscheidet sie vom Carpentin!

Mir war das neu: Die definierte Herkunft der Damason aus der Schweiz gilt als Referenz auch in Deutschland (Beispiel).
Diese Herkunft Damason (Kessler) geht zurück auf Hans Kessler, ein Pomologe der Obst-Forschungsanstalt Wädenswil/Zürich (Buch "Apfelsorten der Schweiz" 1947 - frei zugänglich im Netz steht nur seine französischsprachige Pomologie von 1949).
In der Schweiz wurden die Lederäpfel hoch geschätzt, beizeiten erforscht und gesichert, einschließlich einiger Schweizer Regionalsorten (z. B. Eierlederapfel).

Der Carpetin hatte das Pech, dass er eine Regionalsorte aus Deutschland ist (am Rhein ungefähr zwischen Basel und Koblenz seit ca. 1750 zuhause gewesen). Und weil unser Agrobusiness/unsere Obstbauforschung so sind wie sie sind, kam der Carpetin unter die Räder, anders als die Schweizer Lederäpfel, - und hat heute anscheinend keine definierte Herkunft, keinen Referenzbaum mehr?

Schade!


These 1: In der Schweiz wird heute behauptet, die Damason und der Carpentin seien dasselbe. Umstritten ist aber, wer mit wem synonym ist (wer "Original" und wer Mutante ist) und welche genau die Sorteneigenschaften sind: Das lässt sich z. B. hier auf der Website eines Schweizer Obstbauern nachlesen, der die Identität beider Sorten bezweifelt.

Der Pomologe Adrian Diel konnte beide Sorten um 1800 klar voneinander unterscheiden:
Nachdem es mit der über Jahrhunderte andauernden Beliebtheit der Lederäpfel in Deutschland seit den 1930er Jahren zuende ging (Stichwort "Boskoop"), schwanden die Kenntnisse, die Herkünfte und die Referenzbäume.

Der Pomologe Sickler, der mit Diel zusammenarbeitete, beschrieb den Carpentin als erster (1798 in Der Teutsche Obstgärtner, Bd. 9, S. 414):
  • "für diejenigen, die mehr sauer als süß lieben, muss er sehr anziehend sein"
  • "das mattweiche Fleisch und der einschneidende scharfsäuerliche Geschmack, so daß die Zunge eine erquickende zusammenziehende Empfindung hat, machen diesen Apfel ganz auszeichnend kenntlich."
  • "Ich kenne große Apfelliebhaber, die diesen Apfel allen anderen vorziehen, zumal nach Tische, wo er den Geschmack von allen anderen Speisen nimmt."

Übrigens gilt für beide Sorten: vorzüglich für Apfelwein oder Cidre (hohe und harmonische Säure- und Zuckergehalte)


These 2: Inzwischen wurde entdeckt, die Damason und die Graue Französische Renette seien genetisch identisch. Da die letztere Sorte bereits 700 Jahre alt ist (Obstanbau in Klöstern), gilt die erstere (400 Jahre alt, nicht-kirchlich) als ihre "Mutante".

Tatsächlich handelt es sich um 2 Sorten (die Genetik ist "neu" und mit Forschungsgeldern verwöhnt, aber sie ist nicht allwissend!):

Der Damasonrenette wurde in weiten Teilen Deutschlands der Vorzug gegeben, sie weist offenbar besondere Merkmale auf. Tatsächlich ist die Graue Französische Renette, obwohl durch die "Normalsortimente" empfohlen, von der Damason weitgehend abgelöst worden: "Als oft empfohlene Standardsorte wurde sie [Damasonrenette] bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts sehr stark verbreitet."
Für Franken, Brandenburg und sicherlich weitere Regionen gilt: "Heute findet man noch häufiger Altbäume der schon lange nicht mehr gepflanzten Sorte." (Wolfgang Subal) Im kontinentalen Klima stellten die Pomologen (bei der Obstsortenzählung und Fruchtschorfbonitur in Ost-Brandenburg 1994-98, mit Werner Schuricht) fest, dass die Damason-Altbestände den gesündesten Zustand aller aufgefundenen Sorten aufweisen.


Was Apfelsorten angeht, werde ich mich wohl besser in Richtung Südosten als nach Norddeutschland oder England orientieren.

Es geht weniger um Nord- oder Süddeutschland, sondern darum, dass Sortenempfehlungen viel zu selten die Standortbedingungen Trockenheit und Hitze berücksichtigen. Das heißt: Was sich in heißen Lagen z. B. des kontinentalen Klimas bewährt, sollte auch auf Deinem Standort ein Chance haben.
 
Ebenfalls Beachtung finden die trockeneren Standorte in der neuen "Streuobst-Sortenempfehlungsliste für Rheinland-Pfalz" (2018): Zwei starkwüchsige Pfälzer Lokalsorten, mehrere Birnen und die Bühler Frühzwetschge sind darin für trockenere Standorte empfohlen. Schau sie Dir an.
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Rasen macht mich rasend (Karl Foerster)
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