Vermutlich liegt in Apfelbäuerin ganz richtig: Viele finden Welkes einfach hässlich, weil es mit Vergehen, Kaputtgehen, Sterben gleichgesetzt wird. Und auch wenn ich pearls diesbezügliche Ausführungen dazu immer recht creepy fand, vielleicht hat das schon auch mit dem Perfektheitsanspruch unserer Gesellschaft zu tun. Und da sind Zugeständnisse auf den ersten Blick bahnbrechend, auf den zweiten aber maximal marginal (Schauspieler, die ausehen wie du und ich? Aber nur mit perfekt weißen Zähnen und umwerfender Frisur. Gärten im Winter? Gerne, aber mit möglichst vielen immergrünen Stauden und Gehölzen und mit Struktur).
Ich dagegen finde, im Winter darf es ruhig auch mal grau und matschig, braun und schon direkt nach dem Folgeprodukt, nämlich Kompost, aussehen. Woher kommt der Anspruch, im Winter soll es auch gut aussehen? Wer hat denn Zeit, im Winter bei Tageslicht den Garten ob seiner Trübseligkeit zu bedauern? Ich bin folglich auch dem inflationärem Einsatz von wintergrünen Stauden gegenüber sehr skeptisch eingestellt: Wir verfolgen damit ein Ziel, das komplett fern der Realität liegt (Ja, das tun Gärten sowieso. Aber ich finde, hier noch mehr als sonst.).
Aber zum Thema: Ich mag bei Stauden im Winter die schönen Brauntöne, die subtilen Kontraste: Schwarze Rudbeckia-Köpfe zu silber-weißen Stängeln von Perovskia, wollige Veronia zu Gerippen von Eupatorium, Wolken aus Gypsophila zu Kerzen von Agastachen. Und ja, dann kippt das alles auch mal um... es darf, im Frühling treibt es dann ja eh wieder geordnet aus. Und wo Frühlingsblüher kommen, schneide ich natürlich auch jetzt schon weg! Für mich ist Staudenschnitt kein Dogma, sondern Gartenrealität, die ich selber bestimme.