Gestern sonnige 9°, heute bedeckt, Tmin -1°, aktuell +1°.
Die Vorhersagen für nächste Woche werden immer krasser - inzwischen heisst es für den 27. und 28. Feb -13°C und auch die Tageshöchsttemperaturen sinken immer tiefer!! Solche sogen. 'seltenen Ereignisse' brauche ich nun so ganz und gar nicht und alle 5 Jahre finde ich gar nicht so selten.
Das wird für einige meiner Schätzli knapp, sehr knapp...
Die nächste Woche auftretende Wetterlage ist, wenn ich das richtig verstanden habe, in dieser Ausprägung schon sehr ungewöhnlich.
Würde das früher im Winter, etwa erste Januarhälfte, passieren, und wäre es zuvor in Osteuropa schon kalt und dort eine Schneedecke, hätten wir wohl eine Situation wie Mitte der 1980er Jahre, als die Kälte bis weit nach Italien hinein Schäden an Oliven, Zitrus und Palmen verursachte.
Insofern kommen wir diesmal glimpflich davon.
Wenn man sich z. B. auf Wetter Online die aktuelle Prognose auf den Profikarten anschaut:
https://www.wetteronline.de/profiwetter/europaso sieht man etwas sehr Ungewöhnliches:
Das mächtige Tiefdruckgebiet über Island würde normalerweise gen Osten ziehen und sich dem Hochdruckgebiet über Skandinavien und Osteuropa entgegenstemmen.
Dieses Mal rauscht es aber nach Norden davon, und im Gegenzug bildet sich über dem Atlantik eine Hochdruckzone, die von Sibirien bis westlich Grönland reicht. Südlich davon bilden sich Tiefdruckgebiete überm Mittelmeer bis zu den Azoren.
Vergleicht mal hier:
https://www.wetteronline.de/?pid=p_modell_expert&ireq=true&src=modellb/vermarktung/wom/modell/gfs/0p5/gfs0p5womkarten/2018/02/22/00/euro/pslv/pslv_18022200_18022200.gifUnd hier:
https://www.wetteronline.de/?pid=p_modell_expert&ireq=true&src=modellb/vermarktung/wom/modell/gfs/0p5/gfs0p5womkarten/2018/02/22/00/euro/pslv/pslv_18022706_18022200.gifFolge: Die normale Westwinddrift stoppt nicht bloß, die Windverhältnisse kehren sich um. Damit "flutet" eiskalte Luft aus dem Osten praktisch ganz Mittel- und weite Teile Westeuropas.
(Die Luft strömt auf der Nordhalbkugel immer im Uhrzeigersinn um ein Hochdruckgebiet und gegen den Uhrzeiger um ein Tief.)
Solche Wetterlagen - Hochdruckbrücke von Sibirien bis in den Nordatlantik und Tiefdruck südlich von uns - sind und waren immer die Voraussetzung für extrem kalte Winter. Ich weiß nicht, ob sie so wie dieses Mal immer mit einem vorher erfolgten Polarwirbelsplitt einhergehen. Ich denke schon.
Dazu müsste Volker mehr wissen.
Die anomale Temperaturverteilung über der Nordpolarregion seht ihr hier:
http://pamola.um.maine.edu/wx_frames/gfs/ds/gfs_nh-sat1_gph500_1-day.pngNormalerweise wäre es um den Nordpol herum kalt ("blau") und nach Süden hin wärmer. Aktuell ist es am Nordpol viel wärmer als gewöhnlich, und man sieht statt des einen Kältepols über dem Nordpol zwei Kältepole (Splitt) über Nordkanada und über Ostsibirien (Letzteres hat eher die Form einer 8 und "beschert" uns mit dem westlichen Teil die Kaltluft). Dazwischen klafft ein "Loch", und in dieses wandert das Tiefdruckgebiet vom Atlantik mit seiner vergleichsweise warmen Luft hinein.