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Autor Thema: "klassisch-englischer" Gartenstil  (Gelesen 9896 mal)

celli

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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #30 am: 28. Februar 2018, 09:37:24 »

die einfach nur "schön" sind, aber nicht aufregend.

Schön reicht, schön ist gut, Aufregung hab ich an anderer Stelle genug.  ;D

Geschmäcker sind zum Glück verschieden, es wäre ja auch schlimm, wenn jeder nach dem gleichen Stil gärtnern würde. Ich mag Rasen, ich mag klare Strukturen, so ein englischer Garten ist genau mein Fall. Wobei ich sowieso so meine Probleme habe mit den Definitionen von nostalgisch, antiquarisch oder zeitgemäß. Im Garten wohlgemerkt.  ;)

@hemerocallis: Im Großen und Ganzen hast Du das nochmals gesagt, was ich auch gesagt habe. Diese Art des Repräsentierens braucht eine bestimmte Gesellschaftsstruktur. Es geht dann auch darum, sich über den Garten von anderen Gesellschaftsschichten abzugrenzen. In einer Gesellschaft, in der das weniger wichtig erscheint, verliert diese Art des Gärtnerns dann eine wichtige Funktion. Daher das Gefühl, der Garten wirke nostalgisch oder antiquarisch. Ich sehe da also keinen Widerspruch zu dem von mir Gesagten. Wenn ich diesen Stil als "nostalgisch" bezeichne, dann meine ich, dass er uns in eine andere Zeit entführt. Die Begleitgefühle wären dann eher melancholischer Natur. Dagegen ist natürlich überhaupt nichts zu sagen. Melancholie kann wunderbar sein.

Und so sehe ich das mit diesem "typisch" englischen Stil, der in tausend Büchern als das Non-plus-ultra bezeichnet wird. Er sagt etwas über seine Zeit aus. Mir sagt er wenig.

Jo genau, was für die "niedere" Gesellschaftsstruktur fehlt, ist der Selbstversorgergarten. :-X Mag sein, dass das früher so war, das der "Zier-"Garten als Abgrenzung gegen das niedere Volk verstanden sein sollte, heute doch wohl eher nicht mehr.
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Witteke

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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #31 am: 28. Februar 2018, 09:38:23 »

Ich würde einen Unterschied machen in "finde ich super" und "möchte ich selbst haben".

Im richtigen Kontext kann ich ganz vielen Gartenstilen etwas abgewinnen. Den oft leicht skurrilen Hang zur Traditionspflege in England finde ich sehr sympathisch. Ich kann auch sogar (da bin ich wohl eine Minderheit hier) an modernen Bauten mit Präriebeeten drum rum etwas finden.

Für meinen eigenen Garten wurde ich aber weder von dem einen noch von dem anderen etwas übernehmen wollen.

Es schleißt sich nur die Frage an, was man dann selbst macht. Ein stimmiger Garten zum englischen Landschloss ist sicher eine große Kunst, aber es ist sehr offensichtlich, welche Stilrichtung da grundsätzlich passend ist. Aber was passt zu einem Siedlungsgebiet aus den späten 70ern am Rande eines Dorfes in Norddeutschland? "Traditionell" wären da dann wohl Jägerzaun, strubbeliger Rasen und vor sich hin kümmernde Koniferen angesagt. Und wenn man das nicht will?!? Irgendwie bleibt dann ja nur der Stilmix nach dem persönlichen Geschmack fern ab von jeder hohen Gartenkultur.
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RosaRot

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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #32 am: 28. Februar 2018, 09:51:55 »

Es schleißt sich nur die Frage an, was man dann selbst macht. Ein stimmiger Garten zum englischen Landschloss ist sicher eine große Kunst, aber es ist sehr offensichtlich, welche Stilrichtung da grundsätzlich passend ist. Aber was passt zu einem Siedlungsgebiet aus den späten 70ern am Rande eines Dorfes in Norddeutschland? "Traditionell" wären da dann wohl Jägerzaun, strubbeliger Rasen und vor sich hin kümmernde Koniferen angesagt. Und wenn man das nicht will?!? Irgendwie bleibt dann ja nur der Stilmix nach dem persönlichen Geschmack fern ab von jeder hohen Gartenkultur.

Was bleibt ist die Gestaltung nach den ganz eigenen Vorstellungen unabhängig von irgendwelchen Moden. Der Mut sich zu befreien von dem was in Gartenzeitschriften, Büchern, Foren usw. zu lesen und zu sehen ist... ;) ohne jedoch das Wesentliche- nämlich die Proportionen der Dinge und Pflanzen zueinander entsprechend den jeweiligen Gegebenheiten, zu vernachlässigen.

Das Verwenden von Traditionellem wenn es passt und gefällt, auch wenn es nicht modern ist (Jägerzaun z.B. anstelle von Gabionen...).

Von Coton Manor habe ich sehr viele Detailfotos gemacht, weil ich viele Einzelsituationen sehr inspirierend fand und Anregung für den eigenen Garten, (der nichts, aber auch gar nichts mit englischen Gärten gemein hat...).

Das ist überhaupt das Wesentliche was aus anderen Gärten mitzunehmen ist: Inspiration für eigenes Tun!!!
(Die gab es in allen besuchten englischen Gärten überreichlich.)
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Katrin

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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #33 am: 28. Februar 2018, 10:02:19 »

Ich würde einen Unterschied machen in "finde ich super" und "möchte ich selbst haben".

Absolut!

Relevant ist auch, auf welchen Eindruck hin der eigene Garten gestaltet wird und welches Ideal man dabei verfolgt. Meine Gartensozialisierung erfolgte in der Natur, daher sind für mich Präriegärten und Flächenpflanzungen sowie wilde, überbordende Beete ohne offensichtliche menschliche Eingriffe das Ziel, das ich anstrebe. Alles, was menschlichen Einfluss in den Mittelpunkt stellt (Gartendeko, Topiary) stört mich daher.

Dass beides Idealen folgt und eine Scheinwelt herstellt, ist mir klar - wollte ich reine Natur, bräuchte ich keine Pflanzen zu setzen, sondern einfach zu warten. Piet Oudolf, und nicht, weil er grad modern ist, bringt diese Ansichtsweise immer wieder zum Ausdruck: dass Gärten Kunsträume wären, in denen die Illusion von Natur geschaffen würde. So ist auch meine Gartenabsicht.

Um es mit einem "Bild" zu illustrieren, das aus einer Welt stammt, die mir sehr fremd ist: Mein Garten ist wie ein Model, bei dem mit viel Aufwand stundenlang eine Frisur kreiert wird, die wir frisch aus dem Beet aufgestanden aussieht. Diese Illusion - die Anstrengung, die mit Zufall kokettiert und dabei keinen Aufwand scheut -, das ist der Gartenstil, den ich liebe, gerne betrachte und anstrebe.
« Letzte Änderung: 28. Februar 2018, 10:09:44 von Katrin »
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celli

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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #34 am: 28. Februar 2018, 10:04:41 »

Mir ging es mit diesem Thread darum, über ein "Oh, wie schön!" hinaus, einmal über die beschriebene Art des Gärtnerns ins Gespräch zu kommen. Es kann ja sein, dass ich mich irre und Coton Manors für einige von uns hochaktuell ist.

Das ist er. Das wäre aber ebenso der Renaissance- oder Barockgarten, wenn ich mich darin wohl fühlen würde. Im Grunde muss ein Garten einen ansprechen und da ist es eben wie angesprochen die Frage des Geschmackes. Der eine braucht Platz und Sichtweite, der andere dschungelartige "Verstecke". Für den einen ist ein gerader Weg eine Zumutung, für den anderen, wenn er aufpassen muss, wo er hintritt. Möchte ich einen möglichst naturnahen Garten oder darf er auch schön sein? (Achtung, persönlicher Geschmack!! ;D Und nicht ganz ernst gemeint. ;))
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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #35 am: 28. Februar 2018, 10:07:35 »

Das was hier als "klassisch-englisch" diskutiert wird, ist der Nachklang der "Arts & Crafts"-Gärten von Gertrude Jekyll und Nachfolgern ab 1890 - unterschiedliche Gartenräume, durch Trennungen (Hecken, Mauern) definiert, mit "mixed borders" und Rasenflächen ausgestattet, Blickbeziehungen.
Diese Art englische Gärten kennt man zuhauf aus tausenden Coffetable-Büchern, einerseits, der eine oder andere hat sich wahrscheinlich müde dran gesehen, ist es doch schlußendlich die tausendfache Variation des gleichen Themas, mal ketzerisch gesagt  ;D
Andererseits hat die Staudenverwendung sich seitdem verändert, es gab Foerster, die Staudenverwendung nach Lebensbereichen von Hansen-Stahl, Verwendung von Wildstauden durch Henk Gerrits, daraus resultierten zu einem Gutteil New German Style oder Dutch-Wave-Stil - auch als Gegenbewegung zur sehr pflegeintensiven Beetstaudenrabatte der Arts & Crafts-Gärten, denn viele dieser Pflanzungen brauchen wesentlich weniger Pflege als mixed borders - einmal im Jahr abmähen, um es mal auf die Spitze zu treiben.

Insofern denke ich, das das Thema hier eine Mischung ist aus eigenem Geschmack, dem "Alter" des Stils und der Veränderung, wie Pflanzen in Gärten eingesetzt werden heute.
Ich bin mit der Begeisterung für den Arts & Crafts-Garten großgeworden und hab in meinem Garten sehr viele Elemente übernommen, die ich als sehr wertvoll für Gartengestaltung insgesamt finde, Gartenräume, Überraschungsmomente, Blickbeziehungen und vor allem, zugrundeliegende Ideen, Konzepte, die man im Garten umsetzen möchte, abgesehen von der reinen Freude an Pflanzen.

Diese Eckpunkte lassen sich fast in jedem Garten, ob Handtuch oder Park anpassen und umsetzen.
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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #36 am: 28. Februar 2018, 10:09:55 »

Die Schale auf dem Foto ist falsch proportioniert - sie ist für den Gesamtraum viel zu klein, hätte sie die für den Raum richtige Größe, wäre sie viel zu wuchtig für den Rasenstreifen.
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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #37 am: 28. Februar 2018, 10:14:22 »

Wer die Gartengestaltungen der letzten 30 Jahre in England anhand von Publikationen verfolgt hat, kann erkennen, dass in dieser Zeit auch New German Style oder Dutch-Wave Eingang in englische Gärten gefunden haben - eben englisch interpretiert  :)
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MarkusG

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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #38 am: 28. Februar 2018, 10:21:29 »

Ich konnte jetzt nur mal kurz Eure Beiträge anlesen, finde aber ganz spannend, wie gerade diskutiert wird. Ich freue mich schon auf heute Abend, wenn ich das alles mal durchlesen kann.
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RosaRot

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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #39 am: 28. Februar 2018, 10:23:06 »

Der Garten ist wie er ist, ein Ausdruck der Vorstellungen seiner Besitzer. In Natura fand ich die Schale weder zu klein noch zu groß und sehr zurückhaltend mit Sedum bepflanzt.
Es standen sehr viele Töpfe im hausnahen Bereich, alle unterschiedlich und mit viel Gespür für die Situationen angeordnet. Ganz deutlich war, dass die Gärtnerin(?) offenbar Töpfe sammelte...

Gartenplaner, mir scheint gerade Dir hätte einiges in diesem Garten sehr gefallen, wenn nicht der ganze Garten... ;D (Waldbereich, Anordnung von Skulpturen, die morbide Gärtnerei...)
« Letzte Änderung: 28. Februar 2018, 10:25:18 von RosaRot »
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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #40 am: 28. Februar 2018, 10:29:59 »

Ohja, das denke ich auch  ;D

Nochmal zur Schale - zu dem Bereich, den man auf dem Foto sehen kann ist die Schale nach Proportionsregeln viel zu klein.
Wenn einen das nicht stört, ist es völlig ok, mich würde es sehr stören, andere haben es ja auch zumindest gemerkt.
Und ich hab das Problem auch immer wieder bei mir, weil ich sehr große Gartenräume habe, da muss ein Blickpunkt die richtige Proportion haben, sonst macht es mich kirre.
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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #41 am: 28. Februar 2018, 10:32:23 »

aber es hat für mich etwas langweiliges. Leider auch andere Stellen in diesem Garten, die einfach nur "schön" sind, aber nicht aufregend.

Geht es anderen ähnlich?


geht mir genau so. Natürlich haben wir in den 90er Jahren Penelope Hobhouse gelesen und alles über Sissinghurst verschlungen. Der Landhausstil war in den 80er und 90er Jahren en vogue. Wir saßen zum Tee zusammen und haben Scones mit Clotted cream oder Crème double gegessen, über Hochglanzbilder gebeugt. Bis ich aus Unbehagen über all diese klebrig süßen glänzend schreienden Sachen aufsprang und in den Garten der Gastgeberin, vor allem an die frische Luft wollte. Die Gastgeberin begleitete mich und wir beugten uns über Pflanzen, hockten vor Lungenkraut 'Sissinghurst White', schlenderten in ihrem Knotengarten und zwischen ihren historischen Hochstammrosen.

So habe ich nie gegärtnert. Mir war das zu eng. Sobald Pflanzungen in den Magazinen auftauchten, die mehr Weite, mehr Freiheit, mehr Vielfalt und mehr grenzüberschreitenden Horizont zuließen, fühlte ich mich wohler. Der Hermannshof prägte mich sehr, die Pflanzenverwendung in der Tradition Lutz, Walser und schließlich Schmidt. Im Grunde hatte ich das im alten Garten am Neckar von Anfang an so gemacht, nach Lebensbereichen Pflanzengesellschaften gestaltet.

Für mich ist das heute stimmig. Wir leben nicht mehr in feudalherrschaftlichen Zeiten. Seit der Französischen Revolution wurden die Gärten in Europa anders, es gab Alternativen zum Repräsentationswunsch, Kontrollzwang und zur Prachtentfaltung. Die Volksgärten in Frankreich und Deutschland entstanden. Demokratie und Gräser und Farne zogen in die Gärten ein.

In England reizen mich nur drei Gärten. Great Dixter, Prospect Cottage und Beth Chatto Gardens.

Auf Gartenmärkten sieht man, dass der Landhausstil der 80er und der entsprechende Tinnef nicht überwunden ist. Die Leute wollen angeben. Gärtnerinnen wollen bewundert werden. Gärten sollen nach was aussehen und vor allem ordentlich! Rasen ist Männersache, warum aber dann so kurz? Als ob die Kleinen Leute, die, die sich heute die Bürgerlichen nennen, von denselben Motiven erfüllt sind wie einer der französischen Ludwigkönige, der die teure Prachtentfaltung in Versailles damit begründete, dass er seine Feinde einschüchtern wolle.

Jedenfalls ist dieses Gefühl in dem Mischmasch vorhanden, was ich erlebe, wenn ich solchen Gärten ausgesetzt bin. Ich fühle mich gezwungen den Gärtner zu bewundern, zu loben, ich fühle mich eingeschüchtert von dem Arbeits- und Geldvolumen, das diese Pracht zur Voraussetzung hat, eingeschnürt von dem maßlosen Kontrollbedürfnis des Gärtners und sehe ihn pausenlos Natur bekämpfen. Motorisiert, lupifiziert, armiert. Bewaffnet mit Gift und mit lebensfeindlichem selbstschädigendem Aufwand. An dem Punkt breche ich in der Regel ab um nicht innerlich zusammenzubrechen.

Wohl fühle ich mich in Gärten, die all das nicht sind. In dem ein Austausch möglich ist, die Großzügigkeit auch in Bezug auf Spontanvegetation ausstrahlen, die Grenzen des Gewohnten überschreiten, die Ausblicke gewähren, die entspannte Gartenbesitzer haben. So einen Garten versuche ich auch zu machen. Nix Repräsentatives, nix Überhöhtes, nix für Bürgerliche. Vor allem nix, was sich an anderen orientiert. Anderer Leute Gartenstil, anderer Leute Label für Gartenstile.

So Gärten gibts bei einigen Purlern, die ich besuchen durfte. Gärten, die Ausdruck der Beziehung zwischen den Gegebenheiten des Ortes und den Bemühungen des Gärtners sind. Wo es gelungen ist, die Ressourcen (an Zeit und Geld) des Gärtner, der Pflanzen (an Ansprüchen des Standortes und der Pflege) und des Ortes (an Boden, Wasser und Licht) in ein Gleichgewicht zu bringen. Das ist Harmonie.
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RosaRot

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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #42 am: 28. Februar 2018, 10:34:19 »

Ohja, das denke ich auch  ;D

Nochmal zur Schale - zu dem Bereich, den man auf dem Foto sehen kann ist die Schale nach Proportionsregeln viel zu klein.
Wenn einen das nicht stört, ist es völlig ok, mich würde es sehr stören, andere haben es ja auch zumindest gemerkt.
Und ich hab das Problem auch immer wieder bei mir, weil ich sehr große Gartenräume habe, da muss ein Blickpunkt die richtige Proportion haben, sonst macht es mich kirre.

Ich hänge mal ein Foto mit weniger langer Perspektive an, hab sie gefunden...
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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #43 am: 28. Februar 2018, 10:38:45 »

Die Schale ist wunderschön - aber zu klein  8)
Hätte der Raum, in dem sie steht, die Größe des Rasens von der Schale bis zur Mauer hinten, also den Ausschnitt, den du auf dem Foto zeigst, ohne daß es nach links noch weitergeht, würde sie wahrscheinlich in der Mitte dieser Rasenfläche genau stimmig wirken.
Vielleicht müsste der Raum sogar noch ein bisschen kleiner sein.
« Letzte Änderung: 28. Februar 2018, 10:42:19 von Gartenplaner »
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Waldmeisterin

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Re: "klassisch-englischer" Gartenstil
« Antwort #44 am: 28. Februar 2018, 10:45:01 »

Mich nervt dieses Gejammer, die Deutschen hätten keine Gartenkultur mehr.
Kultur ist ja bekanntlich etwas, was von Generation zu Generation weitergegeben wird. Damit wächst man auf. Schlösser, Museen, Musik, das sind bestenfalls Dinge, die einen von Kindesbeinen an umgeben, die die Vorstellung von dem, was gut und richtig ist, prägen. Aber Gärten?. Der einzige (angelegte) Garten, den ich als Kind besuchte, war das Blühende Barock in Ludwigsburg, den fand ich unglaublich öde. Meine Vorfahren lebten seit Generationen in Städten, das Maximum an Garten war der Gemüsegarten hinterm Zechenhäuschen.
Aber auch wenn sie mir als Kind kaum begegnet ist, was wäre den deutsche Gartenkultur gewesen?
Mir würden spontan Kloster- und Bauerngärten einfallen. Beides ausgesprochen zweckmäßige Gartengestaltungen, da wird das Schöne mit dem nützlichen verbunden, sehr deutsch.

Lange Rede, worauf ich hinaus will: Ich zumindest musste mir (und tue das immer noch), lang und mühsam eine Vorstellung davon entwickeln, was (für mich) ein schöner Garten eigentlich ist. Das geht bedingt durch ausprobieren, aber hauptsächlich, in dem ich mir andere Gärten angeguckt habe. Und ja, englische Gärten sind toll, ich kann da viel lernen und auch entdecken, aber in ihrer reinen Ausprägung (also wie auf dem Bild, das Markus zitiert), sind die mir zu stylish, ein perfektes Kunstwerk, aber nicht so, wie mein eigener Garten sein soll.

Und ja, mein Garten ist Stückwerk, es gibt Elemente moderner Gartenstile (die ja gerne als Mode abgetan werden), die mir gefallen und die ich deshalb übernommen habe. Das kann man Eklektizismus schimpfen, aber legte ich einen stilechten englischen Garten an, wäre das wiederum nur die Kopie einer Kultur, die nicht meine eigene ist.

Was die vielgeschmähten Reihenhausgärten angeht: viele Leute haben einfach keine Zeit und Lust, sich intensiv mit Gärten, Gartengestaltung und Pflanzen zu beschäftigen. Sie wollen es einfach schön haben, wie im Haus, wo erschreckend oft auch einfach weiße Rauhfaser an der Wand klebt. Und dann wird’s halt so gemacht, wie im Pflanzplan von "mein schöner Garten."

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Und plötzlich ist man alt und sieht aus wie der grausige Fund in der Schlagzeile "Spaziergänger machten grausigen Fund".
Max Goldt
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