Ich finde, über Gestaltungen zu sprechen oder schreiben sollte immer 2 Ebenen beinhalten:
natürlich der "persönliche Geschmack" bzw. das Berührtsein (oder eben nicht) durch eine Gestaltung/Kunstwerk/Design.....
Ich hab da selbst ein interessantes Aha-Erlebnis gehabt.
Früher dachte ich, ich könne mit Malerei nur etwas bis zum Impressionismus anfangen - alte Meister und so, sozusagen

Dann war ich vor Jahren in Frankfurt in einer Van Gogh-Ausstellung......und es haute mich aus den Socken, wie seine Bilder auf mich wirkten, wie sein plastischer Malstil eine Dreidimensionalität zauberte....ich werde nie das Bild eines Olivenhains vergessen, wo man, wenn man länger draufschaute, den Eindruck hatte, dass die gemalten Schatten der Blätter auf dem Boden im Mistral flirrten!
So war ich auch schockiert, die berühmten MOMA-Van-Goghs in Berlin damals hinter Glas zu sehen - das verhinderte den 3D-Effekt durch die dick aufgetragene Farbe völlig.
Später war ich in einer Rembrandt-Ausstellung, dachte vorher, dass sein Werk mir gut gefallen müsste - es liess mich erstaunlich kalt.
Andererseits sollte man sich über die mehr oder weniger allgemeingültigen Gestaltungsprinzipien - Proportion, Rhythmus, Farbe, Harmonien, Symmetrie - unterhalten, ob und wie sie eingesetzt, verwendet wurden, über die grundsätzliche Qualität.
Gibt es da Mißtöne, wird es schnell schwierig, das Ganze als stimmig zu empfinden, für die Meisten.
(Natürlich kann ein Künstler auch sehr bewußt diese Regeln verletzen, um etwas zu erzielen - läuft aber immer Gefahr, ganz viele Betrachter "aus der Kurve" zu kicken, und um die Regeln zu brechen, muss man sie gut kennen).
Um zum Garten von Coton Manor zurückzukehren, ja sogar nur zu dem Bereich, den das zitierte Foto zeigt, man kann nämlich auch problemlos Teilaspekte eines Kunstwerks auf seine Qualität abklopfen, wobei natürlich eine umfassende Begutachtung auch eine umfassendere Beurteilung erlaubt - wenn man da nach den Gestaltungsprinzipien schaut, stellt man sehr schnell fest, dass sie gekonnt eingesetzt wurden - die Proportionen der Grundrisse der Gartenflächen, Heckenhöhen, der Rhythmus der Farbe in der Rabatte, das Verstecken und Zeigen, um Spannung zu erzeugen.....
Das ist eine qualitativ gute Gestaltung (bis auf den kleinen Makel des "Eierbechers in der Mitte des Ballsaals" mit der Schale

)
Das bedeutet aber nicht, dass sie zwangsläufig jedem gefällt oder jeden berührt

Was völlig ok ist.