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News: Ein ganzes Kilo Obst und Gemüse macht nicht näherungsweise so zufrieden wie 100 Gramm Schokolade. (Staudo)



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Autor Thema: Schnittzeitpunkt  (Gelesen 4632 mal)

thuja thujon

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Schnittzeitpunkt
« am: 08. März 2018, 22:48:11 »

Hallo,
mir sind demletzt 2 Artikel begegnet, die für meinen Geschmack recht gut geschrieben sind und mit denen ich als interessierter Laie und hobbyhaftem Praktiker inhaltlich auch größtenteils d´accord gehe.

Es geht um die Frage, wann ein Schnitteingriff am wenigsten schädlich ist bzw Sinn machen kann. In der Gartenwelt wohl ein noch `heißeres´ Thema als in der professionellen Baumpflege.
Wer sich dafür interessiert, hier die Links:
Teil 1
Teil 2

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Wühlmaus

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #1 am: 09. März 2018, 12:34:13 »

Hab in den Links gelesen. Danke für´s Einstellen.
Bin dann noch dieser Weiterführung gefolgt.
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WühlmausGrüße

"Das Schiff ist sicherer, wenn es im Hafen liegt. Aber dafür wurde es nicht gebaut." Paulo Coelho

thuja thujon

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #2 am: 09. März 2018, 22:29:39 »

Ja, da gibts noch mehr, was sich rentiert zu lesen.

Ist vielleicht nicht immer sehr konkret für Leute die vorm Baum stehen und wissen wollen wo sie die Schere ansetzen, dafür kommt aber mal wieder das Hirn zum rattern und man hat mal die Gelegenheit zu hinterfragen, wie man das mit dem Baumschnitt überhaupt so handhabt. Eher Schlächter oder doch Chirurg?

Wenn jemand Lust hat ausführlich drüber zu diksutieren, gerne, ich bin dabei. Dazu sollten wie hier ein paar Zitate in den Starng ziehen und zerpflücken.
Am besten mit Fotos aus dem Garten, von der Wiese oder vom Park dazu.
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Rieke

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #3 am: 15. März 2018, 22:39:00 »

Interessante Texte. Ich habe die Links gleich an GG weitergeleitet, der ist bei uns für den Baumschnitt zuständig.
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Wo bleibt der Regen?

thuja thujon

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #4 am: 17. März 2018, 18:58:30 »

Ich will mal ein paar Beispiele mit Verstümmelungen aus der Praxis zeigen.
Es wird oft behauptet, dass Amputationen im Sommer besser vertragen werden bzw die Wundüberwallung besser ist als bei Schnitten im Winter.
Dass diese Behauptung faktisch unhaltbar ist, wird im Text ja erklärt.

Man sieht auf dieser fast überwallten Amputationstselle noch die Umrisse der Sägestelle an der Rinde: 


am selben Tag, wohl eines schönen Dezember/Januartages, wurde am selben Ast etwas weiter vorne eine fast genauso große Amputation durchgeführt. Die Überwallung könnte unterschiedlicher kaum sein.

Eine schnelle Überwallung muss also auch andere Gründe als den Schnittzeitpunkt haben.

An diesem Ast am selben Baum, ebenfalls am gleichen Tag geschnitten, ist alles schief gelaufen:


Da sind zwar ein bzw zwei kräftige und vitale Äste, aber weit und breit kein `Zieher´ in der Nähe der Schnittstelle. Dieser Stummel wird um die vitalen Schichten des äußeren Holzes keilförmig bis weit ins innere faulen.

Süßkirsche, bekannt für Probleme bei Eingriffen ins dicke Holz. Auch hier wurde im Dezember/Januar geschnitten, man sieht an der schlecht überwallenden Wunde den deutlichen Einfluss des Steiltriebes als Saftzieher, auf der Seite überwallts deutlich besser. Die flachen Triebe haben fast keinen Einfluss, unabhängig von der Dicke.


Diese Amputation ist fast komplett überwallt, steile, wüchsige Triebe in unmittelbarer Nachbarschaft, da ist was los an der Stelle. Der Zapfen links ist ein `Versuch´.


Man sollte wohl auch mal darüber nachdenken, wo Holz eigentlich genau nachwächst und was eine 10cm breite Schnittfläche von einer 10cm breiten Schnittfläche unterscheidet.
Dazu gibts tolle Fotos von aufgesägten Schnittflächen, der Querschnitt verrät recht schnell recht viel.
Hier als Beispiel ein Querschnitt einer Weinrebe:
https://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fcdn.agrarverlag.at%2Fimgsrv%2Fto%2Fmmedia%2Fimage%2F%2F2017.12.11%2F151298978763_1.jpg%3F_%3D1512990007&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.der-winzer.at%2F%3F%2BWundarmer%2BSanfter%2BRebschnitt%2B%26id%3D2500%252C5562190%252C%252C%252CY2Q9MTg%253D&docid=UvWdhqyj4ZWDRM&tbnid=5GMttfN1E-AoQM%3A&vet=1&w=382&h=448&bih=933&biw=1920&ved=2ahUKEwifh5r49fPZAhUH_aQKHVCxDIQQxiAoAnoECAAQEw&iact=c&ictx=1

Wenn man das helle, wachsende Holz und das dunkle, tote betrachtet, ist verständlich, warum die Wunden oben auf den Fotos des Apfels und der Kirsche so aussehen wie sie aussehen. Das helle kann nie bis obenhin zur Wunde wachsen um sie zu überwallen, Vergleich mit dem dritten Foto!
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Floris

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #5 am: 18. März 2018, 11:06:16 »

Eine schnelle Überwallung muss also auch andere Gründe als den Schnittzeitpunkt haben.
Eine Binsenweisheit, und auf keinen Fall neu. Der Autor der verlinkten Artikel meint das bloß.

Ich habe mir die beiden Artikel jetzt doch mal in Ruhe durchgelesen. Erst wollte ich nicht, die sind mir viel zu reisserisch aufgemacht und das Auskeilen nach allen Seiten halte ich überwiegend für ungerechtfertigt und nicht hilfreich.

Die Ausführungen zur Stoffwechselgeschehen im Laufe eines Jahres sind weitgehend in Ordnung. Und das der jeweilige Zustand der Pflanze die Reaktion nach einem Schnitt beeinflusst, ebenfalls. Das Ganze ist nun aber wirklich nicht neu. Die Zeit zu der ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe liegt deutlich vor dem Erscheinungsdatum dieser Beiträge. Die fachlichen Inhalte waren damals schon wohl bekannt. Ist ja schön, dass er im Rahmen seiner praktischen Tätigkeit zu ähnlichen Ergebnissen kommt.
Es muß also vorher schon irgendwo veröffentlich worden sein, dass er die Quellen nicht kennt gereicht eher ihm zum Nachteil.

Ebenso bei der Wertung der Arbeiten über die Wundheilung: Er bezieht sich auf eine einzige Veröffentlichung, die allerdings nicht das Thema allgemein, sondern nur einen speziellen Aspekt daraus behandelt. Auf dieser schmalen Grundlage die gesamte, über viele Jahre verlaufene Versuchstätigkeit zum Thema Wundheilung derart abzuwerten, finde ich schon arg fragwürdig.

Ich behaupte mal, dass sich der brauchbare Inhalt dieser beiden Artikel auf drei Seiten darstellen läßt. Das wäre dann durchaus eine interessante Zusammenfassung zur Auswirkung des Schnitttermins auf Gehölze. Aber eben nur die physiologische Grundlage, bei den praktischen Folgerungen verweist er ja in beiden Artikeln auf eine später von ihm zu erfolgende Veröffentlichung. Hat davon irgendjemand was mitgekriegt? Wäre sicherlich interessant, und die Ankündigung ist ja schon ein paar Jahre her.
Und bei den praktischen Folgerungen wäre natürlich auch wieder mit anderen Einflussgrößen abzuwägen, d. h. es wäre auch wieder nur ein Kapitel einer Anleitung zum Gehölzschnitt.

Ich stimme allerdings auch seiner Bewertung der alltäglich zu beobachtenden Praxis des Gehölzschnitts zu: teilweise gruselig. Auch mir kommt bei der Betrachtung bei der Arbeit sogenannter Pflegefirmen oft der Gedanke, die Fachkenntnis sei etwas unterentwickelt. Nicht nur bei denen, deren Haupttätigkeitsfeld eigentlich die Hausentrümpelungen sind ebenso wie bei etlichen die sich hier im Forum zum Gehölzschnitt äußern, sondern auch bei solchen, die Großaufträge im öffentlichen Bereich durchführen.
Und wenn in dieser Handreichung zur Baumpflege tatsächlich nur ein Satz zum Schnitttermin steht, ist das natürlich auch völlig unzureichend.
Daraus aber pauschal zu folgern, die Kenntnisse seien nicht verfügbar oder würden nicht gelehrt, scheint mir ungerechtfertigt. Ist auch schon länger her als die Artikel alt sind, dass ich mich mit einem Baumpfleger mal darüber unterhalten habe, warum er die eine oder andere Maßnahme durchführt, wäre doch fachlich nicht richtig. Der kannte die Grundlagen durchaus und hätte manches aus seiner Sicht auch anders gemacht, aber: "Die Kunden wollen das so".
Auch hier wieder die Erscheinung, dass der Endverbraucher seine Wünsche durchdrückt, fachliche Einwände ihn nicht wirklich interessieren und der Unternehmer dann seinen Betriebserfolg über die Berufsehre stellt.

Ach ja, noch zu der Wunde im dritten Bild: Es zeigt einen Schnitt, den ich aus anderen Gründen nie durchführen oder empfehlen würde, wenn man auf das Weiterbestehen des Baumes wert legt. Für so etwas gibt es keine Zeit im Jahresverlauf, zu der die Chance besteht, dass das verheilt. Die Bemerkung "ist alles schief gelaufen" würde ich um das Wort "erwartungsgemäß" ergänzen.






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pearl

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #6 am: 18. März 2018, 11:57:48 »

danke Floris!
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pearl

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #7 am: 18. März 2018, 12:06:54 »

Ich will mal ein paar Beispiele mit Verstümmelungen aus der Praxis zeigen.


was für gruselige Bilder! Wer macht denn sowas und warum? Gehölze klein halten? Falsches Gehölz für zu kleinen Garten? Zu nah am Haus gepflanzt? Gehölz stört die Sicht?
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enaira

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #8 am: 18. März 2018, 12:16:00 »

Ich behaupte mal, dass sich der brauchbare Inhalt dieser beiden Artikel auf drei Seiten darstellen läßt.

Den Eindruck hatte ich auch. Fand die Lektüre recht anstrengend....

Ich hatte auf Hilfe in Bezug auf den Schnitt unseres Apfeldorns gehofft.
Da müssen wir jetzt definitiv ganz bald ran, größere LKW bleiben immer wieder dran hängen.
Und zwar auf jeden Fall aufasten, d.h. es müssen 2-3 schon recht dicke Äste komplett entfernt werden.
Wie dicht am Stamm sollten die abgesägt werden?
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Dunkleborus

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #9 am: 18. März 2018, 12:19:30 »

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enaira

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #10 am: 18. März 2018, 12:36:44 »

Was bedeutet das in diesem Fall konkret?
Der rechte untere Ast muss auf jeden Fall weg...

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Dunkleborus

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #11 am: 18. März 2018, 12:56:42 »

Puh, der ist gross.
Ich würde ihn so schneiden, dass die Rinde, die zum Stamm gehört, dranbleibt. Und ich würds im Frühling machen, wenn das Laub da ist. Soweit ich weiss, kann sich der Baum im Sommer besser gegen Pilze zur Wehr setzen.
Aber ich bin kein Profi.
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pearl

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #12 am: 18. März 2018, 13:10:43 »

ich würde jetzt schneiden, Pilze sind bei hohen Temperaturen bei ausreichend Feuchtigkeit sehr aktiv. Die Resilienz des Gehölzes ist im Frühjahr, wenn der Austrieb der Blüten und Blätter und im Frühsommer, wenn das Wachstum neuer Triebe erfolgt, am höchsten.
« Letzte Änderung: 18. März 2018, 13:12:18 von pearl »
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Wild Obst

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #13 am: 18. März 2018, 13:44:48 »

Ich würde den Ast ähnlich schneiden wie pearl, aber mit ein paar kleinen Änderungen:

  • erst etwas weiter außen den Ast absägen (1), um das meiste Gewicht zu entfernen. Das verhindert, dass beim Absägen der Ast reißt und eine Teil des zu Erhaltenden Baumstamms oder zumindest der Rinde mit abreißt.
  • den Stummel dann bei (2) absägen, oben etwas näher am Stamm als pearl eingezeichnet hat.

Man sollte wie Dunkleborus geschrieben hat, den Astkragen (auch Astring genannt) auf jeden Fall stehen und unbeschädigt lassen. Diesen kann man oft als eine Art Rindenwulst, Grenzzone in der RIndenstruktur oder eine leichte Dickenänderung sehen. Optimal ist der Schnitt genau außerhalb dieser "Grenze", zur Sicherheit kann man aber auch 2-3 mm weiter außen schneiden.

Ich habe diese Grenzflächen einmal gelb gepunktet für drei Äste eingezeichnet, soweit ich die auf dem Foto erkennen kann. In dem Fall des rechten Asts ist diese jedoch in der Seitenansicht eher ein Dreieck, deswegen sollte dort nicht an der "Grenze" geschnitten werden, sondern entlang der imaginären 3. Seite des Dreiecks.

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partisanengärtner

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Re: Schnittzeitpunkt
« Antwort #14 am: 18. März 2018, 13:45:21 »

Wenn es in ein zwei Wochen warm genug ist und auch trockenes Wetter herrscht ist ein günstiger Termin.
Auf Astring schneiden heisst den Wulst am Ansatz zu belassen. Bei jüngeren Ästen ist das deutlicher zu sehen. Auf jeden Fall nicht glatt am Stamm, diese Wunden brauchen wesentlich länger zum zuheilen. Der Ring ist die aktivste Zone am Holz in Bezug auf Überwallung. Bei glattem Schnitt muß er erst so eine Zone neu initieren.

Allerdings scheint dieser Baum vor Kraft zu strotzen und da wäre wohl ein späterer Zeitpunkt oder wenigstens eine Nachbehandlung im Sommer anzuraten.
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Wer zuviel jätet raubt sich manche Überraschung.

Axel
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