Eine ganze Weile denk ich nun schon über diese Sache nach (und hab dabei immer die Bilder im Kopf), mit den unterschiedlichsten Empfindungen - viel Wesentliches ist ja schon gesagt worden, auf sachlicher wie auf emotionaler Ebene. Ich kann Pearl insofern gut verstehen, als ich auf der etwa zweistündigen Fahrt ins Waldviertel seit Jahrzehnten jeden Garten an der Straße im Jahresverlauf kenne, jede Rose, jeden Flieder, da die dunkelpinke Pfingstrose, dort immer die ersten Narzissen... Aber eben auch die Veränderungen über eine so lange Zeit beobachtet habe, Generationenwechsel und damit Änderungen der Arbeitsbedingungen und Wohngewohnheiten der ländlichen Bevölkerung, die schon lange und zuallererst die Vorgärten betroffen hat. Und zwischen schönen alten Häusern unsägliche Neubauten auf Kieswüsten... Jeder Verlust von derart wie selbstverständlich Gewohntem trifft mich ins Herz wie eine persönliche Beleidigung. Und da geht es keineswegs um botanische Kostbarkeiten.
Aber es hilft nichts, wir stehen an einer - auch diesbezüglich kulturellen - Wende, die nicht aufzuhalten ist. Häuser und Gärten wie das Gezeigte werden kaum noch von Privatpersonen bewohnt, sie sind zu aufwendig in der Erhaltung und erfordern Personal für Haus und Garten, eventuelle Erben tun sich das nicht mehr an und verkaufen - meist an Großinvestoren, Immobilienfirmen etc., nicht zu vergessen ausländische Potentaten. Dafür gibt es in Wien jede Menge Beispiele für wahre (tw. historische) Schätze, die man so lange verfallen läßt, bis sie dem unvermeidlichen Untergang geweiht sind, und das Denkmalamt schaut zu. Sanieren ist immer um ein Vielfaches teurer als neu bauen bzw. oft gar nicht mehr möglich.
Das von Pearl gezeigte Haus dürfte in den 1960er Jahren gebaut worden sein, und ich muß gestehen, daß ich es als ziemlich düster empfinde. Und ich mag auch Rhodos nur begrenzt und nicht unbedingt in derart großer und bunter Ansammlung (Das ist natürlich subjektiv, im Botanischen Garten in Schönbrunn sieht es ähnlich aus, dort hat sich diese Abneigung begründet

). Als Ensemble hat das Ganze wohl hauptsächlich wegen des wunderbar eingewachsenen Gartens einen gewissen, vielleicht sogar gartenhistorischen Wert, an dem man sich im Vorüberfahren erfreut, aber möchte man darin tatsächlich wohnen?
Ich möchte damit keineswegs gegen die allgemeine Empörung und Pearls Trauer über das "Nichts" anreden, die ich durchaus nachvollziehen kann, sondern einen kleinen Anstoß für eine andere Betrachtungsweise geben.