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Autor Thema: Wildbienen und Wespen 2020  (Gelesen 25267 mal)

Chica

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Wildbienen und Wespen 2020
« am: 02. Januar 2020, 10:08:29 »

Das Kuratorium "Wildbiene des Jahres" hat die Auen-Schenkelbiene, Macropis europaea zur Wildbiene des Jahres 2020 gewählt. Erst 1976, so Paul Westrich hier, wurde erkannt, dass die Bindung der Schenkelbienen Macropis europaea und Macropis fulvipes an Lysimachia-Arten auf der Nutzung von Pflanzenölen zur Auskleidung der Brutröhre und als Teil der Brutnahrung beruht. Die Nutzung von Pflanzenölen durch diese Arten ist einmalig im Reich der Wildbienen Deutschlands. Häufiger in unseren Gärten, da Nutzer von Lysimachia punctata und Lysimachia nummularia, ist die Wald-Schenkelbiene, Macropis fulvipes, anzutreffen. Ich bin mir gar nicht sicher welcher Gelbfelberich bei mir da hinten steht, vermutlich Lysimachia punctata? Ich werde das untersuchen.

Der "Meister der Wildbienen" hat inzwischen auf seiner Website seine Vortragstermine veröffentlicht, wer da Interesse hat und in der Nähe wohnt. Ich werde ihn zu den Naturgartentagen am 09.02.2020 hören. Seine "Wildbienenbibel" ist am 12.09.2019 bereits in 2. Auflage erschienen. Das Cover ziert nun eine Wollbiene, Anthidium sp. aber auch am Inhalt soll einiges aktualisiert worden sein.

Ich habe inzwischen durch meine Kontakte zu den Entomologen vom NABU, eigentlich über die Lepidopterologen, einen Wildbienenmenschen ganz in meiner Nähe gefunden (der kennt auch Westrich persönlich  :o) und freue mich heute schon riesig auf unsere geplante gemeinsame Erforschung meiner "Insektenwildnis" im nächsten Frühjahr und Sommer.

So, nun noch in Vorfreude auf die ersten Puscheltiere des Jahres einer der ersten Jungs von Osmia cornuta im letzten Jahr.



Irgendwann waren es dann so viele.

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Es genügt nicht, mit den Pflanzen zu sprechen, man muss ihnen auch zuhören. David Bergmann

Chica

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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #1 am: 25. Januar 2020, 09:50:29 »

Durch Zufall bin ich auf die Seite des Deutschen Bauernverlages gekommen und habe dort ein Sonderheft des Deutschen Bienenjournals gefunden: "Wildbienen Spezial" . Es ist auch bei Amazon zu bekommen habe ich eben festgestellt. Ich war ja erst skeptisch, zum Thema Wildbienen ist viel Unwissen im Umlauf aber von diesem Heftchen mit geballtem Wissen und unzähligen sehr guten Fotos für nur 5,90 € bin ich begeistert. Nach erstem Querlesen sind Portraits zu einigen Wildbienenarten der unterschiedlichsten Gattungen zu finden und super spannende Artikel zu Möglichkeiten der Landwirtschaft beim Wildbienenschutz. In einem von diesen kommt unser gemeinsamer Bekannter zu Wort Sandbiene, er wird gefragt, wie denn Osmia adunca mit deutschem Namen hieße. Es fällt ihm nicht ein. Die deutschen Namen seien bedeutungslos, in jedem Buch stünde etwas anderes  :-X ;D.

Die demagogische Werbung des Deutschen Imkerbundes auf dem Einschlag des Heftchens mit dem Kauf von Echtem Deutschen Honig unsere heimische Artenvielfalt zu unterstützen sollte man dann ruhig überlesen  :P.
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Ulla LiestGern

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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #2 am: 25. Januar 2020, 18:12:36 »

Der Link zu den Naturgartentagen ist toll, dort findet man im Downloadbereich jede Menge interessante Texte und Videos aus den Vorjahren.
Vielleicht wird ja auch der Tagungsband 2020 veröffentlicht.  :D
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RosaRot

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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #3 am: 25. Januar 2020, 18:47:27 »

Durch Zufall bin ich auf die Seite des Deutschen Bauernverlages gekommen und habe dort ein Sonderheft des Deutschen Bienenjournals gefunden: "Wildbienen Spezial" . Es ist auch bei Amazon zu bekommen habe ich eben festgestellt. Ich war ja erst skeptisch, zum Thema Wildbienen ist viel Unwissen im Umlauf aber von diesem Heftchen mit geballtem Wissen und unzähligen sehr guten Fotos für nur 5,90 € bin ich begeistert. Nach erstem Querlesen sind Portraits zu einigen Wildbienenarten der unterschiedlichsten Gattungen zu finden und super spannende Artikel zu Möglichkeiten der Landwirtschaft beim Wildbienenschutz. In einem von diesen kommt unser gemeinsamer Bekannter zu Wort Sandbiene, er wird gefragt, wie denn Osmia adunca mit deutschem Namen hieße. Es fällt ihm nicht ein. Die deutschen Namen seien bedeutungslos, in jedem Buch stünde etwas anderes  :-X ;D.

Die demagogische Werbung des Deutschen Imkerbundes auf dem Einschlag des Heftchens mit dem Kauf von Echtem Deutschen Honig unsere heimische Artenvielfalt zu unterstützen sollte man dann ruhig überlesen  :P.

Danke Chica, hab's gleich bestellt (nicht nur einmal).
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Viele Grüße von
RosaRot

Chica

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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #4 am: 22. Februar 2020, 07:44:43 »

Honigbienen wären entbehrlich, in einer idealen, insektenfreundlichen Welt, die wir nicht mehr haben. Der Wunsch nach dieser Welt alleine macht die Honigbienen nicht überflüssig.

Dazu müssten die Äcker auch sehr klein sein. Massentrachten wären grundsätzlich ein Problem, zumal wenn die Kultur in einem Jahr auf Acker X steht und im darauf folgenden Jahr 2 km weiter auf Acker Y. Die Populationen der Spezialisten unter den Wildbienen können sich darauf nicht so schnell einstellen.
Gerade im Ackerbau finde ich die Honigbienen wichtig. Aber ich freue mich, wenn die Ackerränder und Umgebung wildbienenfreundlich gestaltet werden, so dass Wildbienen zumindest den (breiteren) Ackerrand auch nutzen können. Chica hatte ja ja schon mehrfach darauf hingewiesen, dass nistende Wildbienen meist nur einen Radius von 200 m um ihre Niststelle als Nahrungshabitat nutzen.

Zitat
Darüber hinaus finde ich es, wie mehrfach betont, recht wenig zielführend, die Honigbiene pauschal zu verurteilen, weil sie über Imkervereine und die fast nur honigbienenkennende Bevölkerung ein super Türöffner - gedanklich wie ganz real - für sinnvolle Wildbienenschutzprojekte ist.


Da stimme ich Dir voll zu.

Zitat
Honigbienen kreuzen sich untereinander voller Begeisterung, ihnen ist der Rassenbegriff verbohrter Imker und engstirniger  ::) Naturschützer zum Glück vollkommen egal. ...
edit: Rasen und Rassen ausgebessert  :o :-[

 ;D Gerade Rasen mögen Bienen sowieso nicht, wenn dort nichts blüht und der Boden auch zum Nisten nicht geeignet ist. ;) ;D ;D

Nur noch ein paar Gedanken dazu.

Das mit dem enormen Nutzen der Honigbienen für die Landwirtschaft erstaunt mich. Ich habe rund um mich herum, mitten auf dem Land landwirtschaftliche Nutzfläche, Acker an Acker, von Honigbienen keine Spur, ab und an ein vereinzeltes Tier. Es scheint auch niemand nach Honigbienen zu fragen. Wie funktioniert das?

Wenn vom Deutschen Imkerbund e. V. auf dem Rückcover dieses Heftchens steht: "Unterstützen sie auch mit dem Kauf von Echtem Deutschen Honig unsere heimische Artenvielfalt." dann ist das einfach Demagogie, dann bekommt man das Gefühl, da wird mit falschen Karten gespielt.

Herr Dr. Paul Westrich hat in seinem Vortrag zu Wildbienen in Heidelberg bei den Naturgartentagen auf eine Frage zur Konkurrenz zwischen Wild- und Honigbienen geantwortet er möchte keine Biene gegen die andere ausspielen.

In meinem neuesten Buch "Wildbienenschutz - von der Wissenschaft zur Praxis" wird als Ergebis der Auswertung von 40 wissenschaftlichen Arbeiten der letzten 50 Jahre zu dem Thema resümiert, dass Wild- und Honigbienen zu einem erheblichem Anteil die gleichen Blütenpflanzen nutzen und dass es bei einem quantitativ und qualitativ zu geringen Angebot an Nektar und Pollen in der Nähe von Honigbienenstöcken zu Bestandseinbussen bei Wildbienen kommen kann. Wir sollten uns dieser Problematik einfach bewusst sein, denn wo ist das qualitative und quantitative Angebot an Nektar und Pollen ausreichend, hier bei mir, von konventionellen Ackerflächen umgeben jedenfalls nicht.
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Chica

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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #5 am: 22. Februar 2020, 08:25:14 »

Ich frage mich, wieviele Pflanzen, z. B. Glockenblumen man anpflanzen muss, damit eine darauf spezialisierte Bienenart am Standort überlebt? Mit einer Pflanze ist es ja sicherlich nicht getan, auch weil wohl unterschiedliche Bienen daran Nektar und Pollen sammeln. Dann stellt sich auch die Frage, ob jemals eine spezialisierte Biene meinen Garten findet, falls davon keine im Umkreis leben? Bei den Glockenblumen wäre ich da optimistisch, weil es davon schon in den Nachbargärten welche gibt.

Bei welchen eher seltenen Bienen besteht denn die Wahrscheinlichkeit, dass diese sich auch im Garten einfinden? Mit welchen Pflanzen und in welcher Stückzahl wären denen am besten geholfen?

Zu Deiner extrem interessanten Frage, Wurzelpit, habe ich in Heidelberg im Vortrag des Bienenpapstes die erste konkrete Antwort bekommen. Herr Dr. Paul Westrich führte in seinem Vortrag zu Andrena hattorfiana, der Knautien-Sandbiene aus, dass diese zur Verproviantisierung nur einer einzigen Brutzelle (sie baut 20-30 ihrem kurzen Leben) den Pollen von 12!! Blüten, also etwa 2 Pflanzen von Knautia arvensis benötigt. Ein Nest mit 6 Brutzellen wird mit dem Pollen von 72 Blütenständen gefüllt, das sind etwa 11 Pflanzen. Ein Bestand von 10 Weibchen benötigt um die 1.000 Blütenstände von etwa 156 Pflanzen. Wo aber gibt es solche Bestände  :o :o?

Ähnlich erschreckende Zahlen sind im o. g. Praxisbuch zum Wildbienenschutz zu finden. Osmia adunca, die Natternkopf-Mauerbiene benötigt zur Versorgung einer einzelnen! Brutzelle 140 Blüten, was bei Echium vulgare etwa 0,4 Pflanzen entspricht. Chelostoma rapunculi, die Glockenblumen-Scherenbiene benötigt für eine einzelne Brutzelle 37 Blüten, das sind etwa 9,2 Pflanzen von Campanula rotundifolia. Chelostoma florisomne, die Hahnenfuss-Scherenbiene liegt bei 10 Blüten (2 Pflanzen) von Ranunculus acris. Macropis fulvipes, die Wald-Schenkelbiene benötigt 460 Blütenstände von Lysimachia punctata für eine Brutzelle.

Bei diesen Zahlen befällt mich das erste mal seitdem ich mich mit Wildbienenschutz beschäftige Zweifel. Ist das zu schaffen, können wir mit unseren Gärten etwas ausrichten? Von der geringen Fortpflanzungsrate der Wildbienen, aus 30 Brutzellen entstehen im besten Falle 5? Weibchen, und der Konkurrenz durch Honigbienen einmal ganz abgesehen. Auch darauf hat die wissenschaftliche Arbeit, der Aufbau des Buches erinnert an eine Doktorarbeit, eine Antwort. Netzwerke aus blüten- und kleinstrukturreichen Arealen in Gärten, Parks und Industriebrachen sind eine effiziente Möglichkeit die Artenvielfalt und Zahl an Wildbienen zu erhöhen. Da schließt sich der Kreis zum Gedanken des Naturgarten e. V.. Nur müssen sich dessen möglichst viele Menschen bewusst werden.
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Chica

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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #6 am: 22. Februar 2020, 09:02:40 »

Putzt ihr Eure Staudenbeete jetzt schon durch? Manchmal wäre es witterungsmäßig schon möglich und im Frühjahr ist ja eh immer so viel zu tun...… Aber andererseits will ich kein Bienchen vernichten oder zu früh raus treiben .... 

Wenn es Dir um Bienen geht, ist es völlig egal, wann Du die Stauden zurückschneidest. Ca. ein Drittel der Wildbienenarten nistet oberirdisch, also nicht im (mehr oder weniger flachen) Boden. Von diesen Wildbienenarten nisten einige Arten in Pflanzenstengeln. Die Stengel müssen dafür aber einen gewissen Durchmesser haben und mindestens ein Jahr stabil bei Wind und Wetter bleiben. Mit anderen Worten, nur Pflanzenarten wie z. B. große Doldenblütler, Disteln, Kugeldisteln, aber auch Brombeerranken kommen in Frage. Solange ich nach dem Abschneiden die Stengel einfach nur in einer Ecke des Gartens vorsichtig aufschichte, können auch daraus noch die Bienen schlüpfen. Schreddern wäre natürlich Mist. Aber da die Bienen ziemlich genau ein komplettes Jahr in den Stengeln wohnen, ist es unerheblich, ob die Stengel im Dezember oder März oder irgendwann dazwischen abgeschnitten werden. Jetzt rein aus Bienensicht. ;)

Genau diese Frage kam auch in Heidelberg auf, der Meister beantwortete sie genau wie Du Sandbienchen. Für Wildbienen ist der Abräumzeitpunkt bis auf die senkrechten markhaltigen Stängel irrelevant, für Schmetterlinge aber ist er überlebenswichtig. Beim Thema Wiese wurde für ein Überwintern und erste Mahd Ende März plädiert.
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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #7 am: 22. Februar 2020, 09:32:23 »

Genau diese Frage kam auch in Heidelberg auf, der Meister beantwortete sie genau wie Du Sandbienchen.

Es hätte mich sehr gewundert, wenn nicht. ;)
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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #8 am: 22. Februar 2020, 12:10:42 »

Ich frage mich, wieviele Pflanzen, z. B. Glockenblumen man anpflanzen muss, damit eine darauf spezialisierte Bienenart am Standort überlebt? Mit einer Pflanze ist es ja sicherlich nicht getan, auch weil wohl unterschiedliche Bienen daran Nektar und Pollen sammeln. Dann stellt sich auch die Frage, ob jemals eine spezialisierte Biene meinen Garten findet, falls davon keine im Umkreis leben? Bei den Glockenblumen wäre ich da optimistisch, weil es davon schon in den Nachbargärten welche gibt.

Bei welchen eher seltenen Bienen besteht denn die Wahrscheinlichkeit, dass diese sich auch im Garten einfinden? Mit welchen Pflanzen und in welcher Stückzahl wären denen am besten geholfen?

Zu Deiner extrem interessanten Frage, Wurzelpit, habe ich in Heidelberg im Vortrag des Bienenpapstes die erste konkrete Antwort bekommen. Herr Dr. Paul Westrich führte in seinem Vortrag zu Andrena hattorfiana, der Knautien-Sandbiene aus, dass diese zur Verproviantisierung nur einer einzigen Brutzelle (sie baut 20-30 ihrem kurzen Leben) den Pollen von 12!! Blüten, also etwa 2 Pflanzen von Knautia arvensis benötigt. Ein Nest mit 6 Brutzellen wird mit dem Pollen von 72 Blütenständen gefüllt, das sind etwa 11 Pflanzen. Ein Bestand von 10 Weibchen benötigt um die 1.000 Blütenstände von etwa 156 Pflanzen. Wo aber gibt es solche Bestände  :o :o?
...

Bei mir  ;D



Ok, mal ernsthaft, 156 Pflanzen sind es wohl auch noch nicht, aber 50 plus bestimmt und ich versuche, eine weitere Vermehrung zu befördern, indem ich Sämlinge aus dem Massenbereich in andere Wiesenbereiche, wo noch keine wachsen, verpflanze.

...
Bei diesen Zahlen befällt mich das erste mal seitdem ich mich mit Wildbienenschutz beschäftige Zweifel. Ist das zu schaffen, können wir mit unseren Gärten etwas ausrichten? Von der geringen Fortpflanzungsrate der Wildbienen, aus 30 Brutzellen entstehen im besten Falle 5? Weibchen, und der Konkurrenz durch Honigbienen einmal ganz abgesehen. Auch darauf hat die wissenschaftliche Arbeit, der Aufbau des Buches erinnert an eine Doktorarbeit, eine Antwort. Netzwerke aus blüten- und kleinstrukturreichen Arealen in Gärten, Parks und Industriebrachen sind eine effiziente Möglichkeit die Artenvielfalt und Zahl an Wildbienen zu erhöhen. Da schließt sich der Kreis zum Gedanken des Naturgarten e. V.. Nur müssen sich dessen möglichst viele Menschen bewusst werden.
Vielleicht resultiert daraus Mr. Thompsons "Schnell-Schluß" aus den 2000ern, dass Gärten seltenen/spezialisierten Arten wenig nutzen, worüber wir uns ja vor Kurzem stritten, weil die "kritische Masse" in einem oder sogar zwei Gärten normalen Zuschnitts nicht erreichbar ist?

Eine andere Forumlerin, die inzwischen auch sehr aktiv im Wildbienenschutz ist, leider nicht mehr aktiv hier im Forum, versucht, den Leuten Wildblumensamenmischungen für große Pflanzkübel nahe zu bringen.
Ich finde die Idee gut, viele "normale" Gärtner wollen ihren Rasen nicht unbedingt in eine strubbelige Wiese verwandeln - würden aber sowas wahrscheinlich eher machen.
Natürlich sollte man weiterhin auch versuchen, den Leuten Wildblumenwiesenumgestaltungen größerer Rasenflächen nahe zu bringen, so viele punktuelle Angebote wie möglich in so vielen Gärten wie möglich sollte wohl das Ziel sein.

Aus gegebenem Anlass:
Saatgutkonfetti  ;D 8)

Schlußendlich auch von mir noch ne Frage bezüglich des Abräumens, ich hab letztes Jahr zwei größere Pulks Karde stehen lassen, hauptsächlich wegen Samenständen und Distelfinken im Winter - aber könnten da auch sich Wildbienen drin etabliert haben und wann sollte ich die Stängel dann nun abschneiden, dass ich sie auch entsorgen kann?
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Chica

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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #9 am: 22. Februar 2020, 13:47:16 »


Natürlich sollte man weiterhin auch versuchen, den Leuten Wildblumenwiesenumgestaltungen größerer Rasenflächen nahe zu bringen, so viele punktuelle Angebote wie möglich in so vielen Gärten wie möglich sollte wohl das Ziel sein.


Genau das ist der Plan der Naturgartenbewegung, ein Mosaik aus naturnahen Gärten, Gemeindewiesen, Industriebrachen. Solange hier noch Wildbienen fliegen ist nichts verloren!! Es geht ja oben auch um oligolektische Bienen, polylektische nutzen viele Blühpflanzenfamilien quer durch den Garten. Und selbst von den angeführten oligolektischen Arten sind hier bei mir drei nachgewiesen, auf exakt 2.120 qm Wildnis. Mein junger Nachbar ist mit der gleichen Fläche jetzt mit Begeisterung mit im Boot. Wir reichen uns Sämlinge von Wildpflanzen über den Zaun  :D. Es leben die Möhrenschalen  ;D.

Zu Deinen Karden, schau doch nach ob jemand drin woht  8).
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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #10 am: 22. Februar 2020, 13:57:27 »

...
Zu Deinen Karden, schau doch nach ob jemand drin woht  8).
Öhm....Frau Expertin - wonach muss ich denn da schauen, wie sieht das aus?  :)
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Wurzelpit

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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #11 am: 22. Februar 2020, 17:10:43 »


Ähnlich erschreckende Zahlen sind im o. g. Praxisbuch zum Wildbienenschutz zu finden. Osmia adunca, die Natternkopf-Mauerbiene benötigt zur Versorgung einer einzelnen! Brutzelle 140 Blüten, was bei Echium vulgare etwa 0,4 Pflanzen entspricht. Chelostoma rapunculi, die Glockenblumen-Scherenbiene benötigt für eine einzelne Brutzelle 37 Blüten, das sind etwa 9,2 Pflanzen von Campanula rotundifolia. Chelostoma florisomne, die Hahnenfuss-Scherenbiene liegt bei 10 Blüten (2 Pflanzen) von Ranunculus acris. Macropis fulvipes, die Wald-Schenkelbiene benötigt 460 Blütenstände von Lysimachia punctata für eine Brutzelle.


Das sind wirklich interessante Zahlen. Von den aufgeführten Arten nistet bei mir nur die Hahnenfuss-Scherenbiene, die wohl auch nicht selten ist. Glockenblumen hab ich zwar recht viele, die reichen aber ganz sicher nicht für eine spezialisierte Wildbiene. Wildbienenschutz geht wirklich nur im Verbund, wenn die Nachbarn mitmachen. Ich hab den Eindruck, dass sich die Gärten in den letzten Jahren gaaanz langsam zum Positiven verändern. Im Viertel kamen keine neuen Schottergärten hinzu, dafür sieht man einige neu gepflanzte Obstbäume, mehr Stauden und auch viele verwilderte Frühblüher. Der Regionalverband hilft auch mit kostenlosem Wildblumen-Samen - das ist zwar nicht die Welt, aber kommt in die Presse und macht die Menschen so auf das Thema aufmerksam. Irgendwie kriegen wir schon die Kurve  ;D
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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #12 am: 22. Februar 2020, 17:47:17 »

...
Zu Deinen Karden, schau doch nach ob jemand drin woht  8).
Öhm....Frau Expertin - wonach muss ich denn da schauen, wie sieht das aus?  :)

Wenn irgendwo ein Loch ist, sind die Chancen gut. Der Lochdurchmesser kann von 2 bis ca. 8 mm betragen. Wenn eine Wildbiene im Pflanzenstängel nistet, ist das Loch von außen nicht glatt. Mhh, vielleicht kannst Du es auf diesen Bildern erkennen, was ich meine. Wenn ein Stängel abgebrochen ist, könnte es so aussehen (etwas herunterscrollen).
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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #13 am: 22. Februar 2020, 17:57:42 »

Danke!
Da muss ich ja die neu erworbene "Lesehilfe" mit raus nehmen!  8) ;D
Und wann darf ich die Stängel wenn denn nun abschneiden, aber dass ich sie auch entsorgen kann?
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Sandbiene

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Re: Wildbienen und Wespen 2020
« Antwort #14 am: 22. Februar 2020, 18:03:06 »

Wenn jemand drin wohnt nie. Irgendwann zerfallen die Stängel ja von selber. ;)  Du kannst die Stängel aber bodennah abschneiden/sägen und an den Zaun hängen.
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