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News: Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt. (Gotthold Ephraim Lessing)
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12. Juni 2024, 23:45:54
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News: Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt. (Gotthold Ephraim Lessing)

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|2|6|Wer sich an das Absurde gewöhnt hat, findet sich in unserer Zeit gut zurecht. (Eugène Ionesco)

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Autor Thema: Schweizer Verbot von invasiven Neophyten: keine Kirschlorbeerhecken mehr  (Gelesen 5025 mal)

lerchenzorn

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Kanadische und Riesen-Goldrute wächst hier in der Gegend auch in zeitweise nassen Mooren mit Streuwiesenarten. Iris sibirica hält auf ehemaligen Pfeifengraswiesen auch dann noch aus, wenn der Grundwasserstand um mehrere Meter gefallen ist. Stimmt, es ist deutlich trockener geworden.

Für den Süden weiß ich es nicht, aber in der nordmitteleuropäischen Ebene sind die Steppen- und Wiesenarten nicht mit dem Menschen eingewandert. Die meisten licht- und wärmeliebenden Arten haben ihre Areale im Zuge der allgemeinen nacheiszeitlichen Landschaftsentwicklung hierher ausgedehnt. Einige haben sich in Refugien selbst über die Eiszeiten hinweg im Gebiet gehalten. Und dann gibt es noch eine kleinere, aber gar nicht so kleine Gruppe, die vermutlich hier als eigenständige Arten entstanden sind, während der Eiszeiten und danach. Dass der Mensch in allen (spät- und nacheiszeitlichen) Phasen bis zum 18. Jahrhundert diese Artenspektren auf die eine oder andere Weise begünstigt hatte, ist eine andere Frage.
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hobab

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Wunderbar zusammengefasst!
Zur Iris sibirica - wenn sie nicht eine recht hohe Toleranz bei den Wasseransprüchen hätte, wäre sie nicht eine so beliebte Gartenpflanze bei uns geworden Aber natürlich wird es auch kein Zufall gewesen sein, das sie grade in den letzten, so trockenen Jahren stark zurückgegangen ist. Dass die Schweiz bei der Neophytenproblematik so viel aktiver ist, könnte auch daran liegen, dass es sie einfach, weil weiter südlich gelegen, schon stärker getroffen hat. Kirschlorbeer war noch vor vier Jahren bei uns gar kein Problem, Sämlinge hab ich nie gefunden - auf einmal sind die überall. Das selbe mit Buddleja:  die Schweiz hat einen Palmen Problem! Das wird uns früher oder später wohl auch erreichen…
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lerchenzorn

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... Iris sibirica - wenn sie nicht eine recht hohe Toleranz bei den Wasseransprüchen hätte, wäre sie nicht eine so beliebte Gartenpflanze bei uns geworden ...

Ist sie nicht.  ;) In unseren Garten-Sibirica steckt zum größten Teil die ähnliche, ostasiatisch verbreitete Iris sanguinea.

Es stimmt. Kirschlorbeer ist um Berlin immer häufiger aus Vogelverbreitung verwildert zu finden. Auch andere immer- und wintergrüne Arten, die in der Vergangenheit noch zuverlässig im Winter eingegangen sind oder wenigstens stark geschädigt wurden, nehmen deutlich zu. Im letzten Jahr habe ich zum ersten Mal Viburnum rhytidophyllum außerhalb von Ortslagen verwildert gefunden. Zu den wärmer werdenden Wintern, die das möglich machen, kommt hinzu, dass die dichter schließenden Wälder (vor allem Kiefernforste) ein geschütztes Kleinklima bieten, so dass Sonne und Wind weniger angreifen können.
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frauenschuh

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Und wenn ich ergänzen darf: Für Weidetiere ist der Kirschlorbeer giftig. Im Nachbarort hat das letztes Jahr 2 Ziegen erlegt. Ausgebrochen und an Nachbars Hecke gefressen. Sprich: Ein Einsatz von Weidetieren um diese Pflanze aus sensiblen Flächen zu bekommen... klappt mindestens mit Ziegen nicht. Und derzeit rangel ich mit einem Pferdebesitzer, der seinen Heckenabschnitt bei uns auf die Weide wirft. Da bekomme ich einen dicken Hals! Ich habe wenig Lust auszuprobieren, ob meine Schafe instinktsicher genug sind und das liegen lassen.
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hobab

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Ist sie nicht.  ;) In unseren Garten-Sibirica steckt zum größten Teil die ähnliche, ostasiatisch verbreitete Iris sanguinea.


Stimmt natürlich, aber da sie ähnliche Lebensbereiche besiedelt, ändert das an der Aussage nichts.
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Amur

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Für mich sind das halbherzige Massnahmen die doch sinnlos sind wenn die Pflanze eh schon im ganzen Land verbreitet ist!
Was nützt es Kirschlorbeer im Handel zu verbieten wenn die schon in jedem Ort kilometerlang an den Strassenrändern als Hecke stehen? Wenn dann gehört auch ein Rodungsgebot dazu, das jeder auf seinem Grundstück stehende Pflanzen bis zum Datum xx.xx.xxxx zu entfernen hat, andernfalls wird das von der Behörde auf ihre Kosten durchgeführt. Beim Asiatischen Laubholzbock war man ja auch in der Lage in den Sperrgebieten alle entsprechende Baumarten zu entfernen, egal wem sie gehören. 
Alles andere ist doch wieder so eine Aktion "Hach ich hab was gemacht auch wenns keinen Wert hat".
Dasselbe eben mit kanadischer Goldrute oder indischem Springkraut. Die sind längst so verbreitet dass man das auch laufen lassen kann. Sollen die Gärtner nach neuen Farben für die suchen, das wäre sinnvoller. Denn Ausrotten wird man die bei uns nicht mehr. 
« Letzte Änderung: 06. März 2024, 07:36:56 von Amur »
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zwerggarten

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also ich wäre trotzdem z.b. bei kanadischer goldrute mindestens für ein versamungsverbot. "ab mit dem kopf!" für jede. :P
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"(…) die abstrakten worte, deren sich doch die zunge naturgemäß bedienen muß, um irgend welches urteil an den tag zu geben, zerfielen mir im munde wie modrige pilze." hugo von hofmannsthal – der brief des lord chandos

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lerchenzorn

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Wollen wir dafür eine ganz neue Behörde gründen oder die eine oder andere ordentlich aufpusten? Und für jeden invasiven Neophyten eine ganz neue Behörde oder einfach nur eine eigene Abteilung? Und die Schuldenbremse setzen wir dafür auch aus. Ganz klar. 8)
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Amur

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Nein letztendlich ist der Zug bei solchen bereits als Allerweltspflanzen etablierte Neophyten abgefahren. Da müßte es dann schon ganz massive Gründe geben da staatlich was zu reissen mit all den Kosten und dem Aufwand.
Aber wenn es eh keinen Sinn hat, was soll dann dieses Retro-Verbot?
Dann kann man sich die Drucksachen (mehr ist es dann ja nicht) auch vollends sparen.
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Bursche

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Das Naturschutzproblem ist nicht "heimisch" versus "Neophyt", das Naturschutzproblem sind invasive Neophyten.

Heimische Arten sind halt schon etabliert und angepasst, ein schlagartig explosive Verbreitung ist damit sehr unwahrscheinlich. Anders bei den Neophyten, sie können auf für sie ideale Bedingungen treffen und auf deren Verbreitung hat sich das Ökosystem nicht eingestellt. Wenn man dann bei Pflanzungen verstärkt auf heimische Arten geht, verringert man damit das Problem statistisch. Auch wenn es im Einzelfall je nach Pflanze auch mit einem Neophyt ein gleiches oder sogar besseres Ergebnis erzielt werden würde. Die Praxis zeigt ja, dass sich die Planer, egal ob professionell oder Eigenheimbesitzer (der sich im Baumarkt eindeckt), meistens überhaupt nicht berücksichtigt, wie bzw. ob sich eine Pflanze ausbreitet.

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lerchenzorn

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Deshalb sollen und dürfen Neophyten auch nicht bewusst in die freie Natur ausgebracht werden. Ausser im land- und forstwirtschaftlichen Anbau.
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lerchenzorn

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... Aber wenn es eh keinen Sinn hat, was soll dann dieses Retro-Verbot?
Dann kann man sich die Drucksachen (mehr ist es dann ja nicht) auch vollends sparen.

Diese Haltung muss man sich leisten können. Kann nicht jeder.

Im Einzelfall kann das Gesetz helfen, behördliche Maßnahmen durchzusetzen, auch wenn EigentümerInnen uneinsichtig sind.
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Amur

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Das ist doch noch schlimmer. D. h. die Paulownia im Garten ist ok.
Wenn der Waldbesitzer eine halben Hektar davon pflanzt ist auch OK.
Wenn ich nebendran auf meinem Obstwieschen eine Paula zwischen rein setze damit ne andere Blütenfarbe kommt dann kann die Behördenmaschinerie loslegen.
Ist so wie beim Glyphosat. Den 1% Hobbyanwendern verbietet man es weil man das halt grad kann, während die Grossverbraucher weiter das verwenden dürfen. Und dann wundert man sich warum man so vieles nicht mehr versteht.
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Staudo

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Wollen wir dafür eine ganz neue Behörde gründen oder die eine oder andere ordentlich aufpusten? Und für jeden invasiven Neophyten eine ganz neue Behörde oder einfach nur eine eigene Abteilung?

Das wäre auf alle Fälle leichter als Geld in konkrete Maßnahmen zu stecken und solchen Leuten wie frauenschuh finanzielle Anreize zu geben.  ;)
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„Am Ende entscheidet die Wirklichkeit.“ Robert Habeck

Mediterraneus

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Genau. Bei Behörden und Bürokratie sind wir gut. Besser als die Schweizer ;)

Wir haben die Bundesopiumstelle ja auch behalten, obwohl Cannabis nun frei sein soll. An den Papaver somniferum hat wieder keiner gedacht.

Die Schweizer Verbotsliste enthält nur schweizer Pflanzennamen, oder hab ich die lateinischen Namen verpasst? Dann geht halt kein Japanischer Bambus, aber Phyllostachys darf weiterhin?
Und Neubelgische Aster ist tabu, aber Aster "Karminkuppel" geht.
Respekt, wenn das die schweizer Behörden hinkriegen. Wir könntens (fast garantiert) nicht. 8)
« Letzte Änderung: 06. März 2024, 14:15:45 von Mediterraneus »
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LG aus dem südlichen Main-Viereck
Mediterraneus

Andere haben schließlich auch irgendeine Ahnung
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