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|1|8|Vollkommene Aufrichtigkeit ist der Weg zur Originalität.  Charles Baudelaire

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Autor Thema: Magnolie beschneiden  (Gelesen 51217 mal)

grisu

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Magnolie beschneiden
« am: 10. August 2005, 14:14:04 »

Hallo liebe Leute,
hat jemand von Euch Erfahrung mit Mgnolien? Wir haben ein wunderschönes, sehr altes Exemplar in unserem Garten, das aber ganz verwachsen ist. Unter anderem wachsen viele Zweige auf den Boden und müssen deshalb mal beschnitten werden.
Ich habe schon erfahren, dass jetzt nach der Blüte die beste Zeit ist, dass man Magnolien eigentlich nicht beschneiden soll, außer wenn es nicht anders geht, dass ein Wundmittel auf die Schnittstelle soll, dass aber Magnolien auch keine Krankheiten bekommen (Warum soll man sie dann nicht beschneiden?) und man am besten ganze Äste herausschneidet.
Meine Frage: An welcher Stelle des Astes ist es anzuraten? Eher nah am Stamm oder besser ein Stück stehen lassen?
Herzliche Grüße aus dem Ruhrgebiet
Grisu
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bernhard

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #1 am: 10. August 2005, 17:57:02 »

hallo grisu,

nun, deine frage(n) könnte man mit einem ganzen buch beantworten ;).

aber erstmal drängt sich mir die frage auf, warum du deine magnolie schneiden musst. du schreibst von einem wunderschönen, alten exemplar. verwachsen ist relativ. auch äste "die am boden entlang" wachsen können durchaus malerisch sein.

alles in allem stelle ich mir die von dir beschriebene magnolia zauberhaft verwunschen vor. mein gefühl sagt mir, ich würde so wenig wie möglich und nur so viel wie notwendig schneiden.

ich bin aber auch kein träumender realitätsverkenner, um nicht zu wissen, das in manchen gartensituationen große niedrig wachsende äste ein problem sein können. diese hätte man natürlich schon viel früher, als sie noch geringeren durchmesser hatten schneiden.

und weil ich gerade beim stichwort bin: welchen durchmesser haben die äste, die du schneiden möchtest?

und du hasat recht; magnolien sollte man einfach wachsen lassen. man kann getrost totes holz, sich überkreuzende oder kranke zweige herausschneiden. und bei dünneren ästen ist das auch absolut unproblematisch.

große schnittstellen sind aber für alle gehölze problematisch, denn sie stellen quasi ein einfallstor für pilzsporen dar, die jedenfalls - auf die gesamtlebensdauer des gehölzes bezogen - lebenserwartungvermindernd sind.

wenn es sich nun absolut nicht vermeiden lassen sollte (gehe nochmal in dich ;)), dann lass keinen stummel stehen, mache aber auch keinen stammparallelen schnitt. du solltes den schnitt möglichst genau am astkragen ansetzten. so kann der baum barrirezonen aufbauen und mit der überwallung beginnen bzw. findet er so ideale voraussetzungen dafür. schnittzeitpunkt ist jetzt in der vegetationsperiode mE auch besser, da das gehölz reagieren kann (in den zellen bilden sich chemische barrierezonen, der baum kompartimentiert (ich hoffe, ich erinnere mich korrekt an diesen ausdruck) den absterbenden, verbleibenden astkegel (vom astkragen stammeinwärts). in der ruheperiode kann er das nicht.

aber nochmal: tiefe äste können nicht nur stören, sondern auch malersich wirken. vielleicht kannst du sie mit kosmetischen entfernungen kleinerer äste wirkungsvoll, optisch freilegen und in szene setzte.

dendrophilosophischen gruß,
bernhard
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Bernhard

Sepp

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #2 am: 10. August 2005, 18:06:12 »

bernhard hat ja schon das Wichtigste gesagt, nur zum Schnittzeitpunkt möchte ich anmerken, dass, wenn es möglich ist, der Schnitt auf nächstes Jahr im Mai/Anfang Juni verschoben werden sollte.
Wir sind zwar noch in der Vegetationszeit, die den besten Zeitpunkt darstellt, aber schon ziemlich spät im Jahr. Der Wundverschluss wäre bis zum Winter sicherlich nicht so gut, wie wenn zum angegebenen Zeitpunkt geschnitten würde.

Zum Wundverschluß: der kann schlimmere Folgen haben als keiner, denn wenn sich Risse bilden, können Sporen eindringen und fühlen sich pudelwohl. Deshalb sollte der Verschluß oft kontrolliert und ggf. nachgestrichen werden.

Grüsse,
Sepp
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bernhard

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #3 am: 10. August 2005, 18:21:36 »

noch zwei anmerkungen: bei größeren schnittflächen kann von einem wunderverschluss in der "laufenden vegetationsperiode" ohnehin nicht gesprochen werden. allerdings - völlig richtig von sepp angemerkt - je früher du schneidest, desto mehr zeit bleibt im laufenden jahr für überwallung.

die chemische reaktion kann mitunter sehr schnell von statten gehen. trotzdem aber nicht von jetzt auf 20 uhr ......

außerdem sollte man noch beachten, dass ei fruhjahrschnitt dem austrieb eher förderlich ist. der sommerschnitt - die von sepp vorgeschlagene zeit - hat diesen effekt nicht. wirkt also eher konsolidierend auf das wachstum.

zum wunderverschluss: auch hier stoße ich ins selbe horn wie sepp. eine möglichkeit wäre, bei größeren schnittflächen nur den äußeren ring zu bestreichen, um so das empfindliche kambialgewebe vor austrocknung (im sommer) bzw. frost (im winter) zu schützen .....
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Bernhard

Caracol

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #4 am: 12. August 2005, 22:19:36 »

Ja Grisu, unsere beiden passionierten Arboristen haben ja schon das Wesentliche gesagt. Was mir noch dazu einfaellt, ist etwas was man oft bei alten Baeumen in Parks und Gaerten sehen kann.

Naemlich, dass grosse alte Aeste, die gen Boden tendieren, mit einer Art Kruecke abgestuetzt werden. Ob das bei deinem Baum (noch) moeglich ist, ohne Bruchschaeden zu verursachen, musst du selbst beurteilen. Auch dies kann malerisch aussehen und, je nach dem, wie es geloest ist, dem Baum ein besonderes Flair verleihen. Etwas von Methusalem in der Baumwelt.

Hier zur Veranschaulichung ein Bild einer so gestuetzen uralten Platane.


Baumstuetze an einer Platane

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bernhard

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #5 am: 13. August 2005, 15:00:06 »

super bild zur veranschaulichung, caracol! im konkreten fall auch optisch sehr schön gelöst. ähnliches sieht man auch manchmal bei alten baumriesen, bei denen sich ein starkast über die jahrzehnte unter der last des gewichtes allmählich gesenkt hat ....
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Bernhard

andrea

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #6 am: 13. August 2005, 15:35:07 »

Zitat
ähnliches sieht man auch manchmal bei alten baumriesen, bei denen sich ein starkast über die jahrzehnte unter der last des gewichtes allmählich gesenkt hat ....


Genau dafür dachte ich sind sie, auf den Gedanken so eine Konstruktion zum Sozusagen "Aufästeln" eines Baumes zu nehmen, wäre ich nicht gekommen. Man sieht hier aber recht viele Magnolien (sogar Sternmagnolien) die zu Hochstämmen geschnitten sind, Geschmackssache sicherlich, scheint aber gut zu funktionieren. Wenn ich heute Abend vorbeilaufe knips ich es mal.
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grisu

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #7 am: 14. August 2005, 11:47:54 »

Vielen Dank für die vielen guten Tipps!!! Wir haben uns jetzt für das Schneiden nur kleinerer Äste entschieden und haben mit Wundmittel gestrichen. Das hilft fürs erste jedenfalls dem Rasen und gegens Stolpern unseres Zweijährigen. Im Mai blüht unsere Magnolie erst richtig, scheint ein spätes Exemplar zu sein. Deswegen ist ja das Schneiden dann nicht so günstig, oder? Wisst Ihr, warum die Baumschule empfohlen hat, lieber große Äste heraus zu schneiden?
Seid alle dankbar gegrüßt
Grisu
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andrea

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #8 am: 14. August 2005, 19:09:08 »

So es hat aufgehört zu regnen, die Sternmagnolie ist leider wie der ganze Garten nicht mehr vorhanden und die andere zu weit weg, dabei war der Hochstamm wirklich sehenswert. Hier mal 2 Magnolien die letzes Jahr bis weit in die goßen Äster stark eingekürzt wurden, diese ragte wohl zu weit auf den Gehweg


Magnolie_Ganzkörper


Die Magnolien sind wohl bereits sehr alte Exemplare, nach den Häusern etwa in den 60gern gebaut, die Gehölze auch nicht viel jünger. Hier mal der Stamm


Magnolie_Stamm.jpg


und ein Ast der abgetrennt wurde von der anderen Magnolie, da bin ich halt am besten drangekommen


Magnolie-Ast.jpg


die Folge sind viele Wasserschösser


Magnolie_austrieb.jpg


und eine bis jetzt stattfindene Blüte, die etwa vor einen Monat einsetzte und schon sehr schöne neue Knospenanlagen für das nächste Jahr sind ausgebildet.


Magnolie_bluete.jpg



Man kann über die ästhetische Seite sicher Streiten aber ich war sehr überrascht nachdem ich das Schreckensbild der fast abgeholzten Magnolien letztes Jahr gesehen habe wie schnell sich dort wieder Leben regt. Ob dies nur für Tulpenmagnolie oder für Magnolien im Allgemmeinen gilt kann ich nicht sagen, fand es aber schon erstaunlich. Wundversorgung wurde nicht betrieben.
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Caracol

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #9 am: 14. August 2005, 22:31:34 »

Interessante Dokumentation, Andrea! Ist ja erstaunlich, dass die Bluetenbildung nicht zum Erliegen gekommen ist. Um welche Art von Magnolie handelt es sich denn hier? Es sind wohl Baummagnolien M. campbellii oder so? Die Blaetter auf dem letzten Bild sehen fast nach der immergruenen M. delavayi aus. ???
Ob man daraus etwas fuer den Schnitt von strauchartigen Magnolien ableiten kann, weiss ich allerdings nicht.

Wisst Ihr, warum die Baumschule empfohlen hat, lieber große Äste heraus zu schneiden?
Ja, damit sie euch einen neuen Baum verkaufen koennen. ;D :-[
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andrea

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #10 am: 15. August 2005, 15:19:43 »

Leider kenne ich die Sorten nicht, mal sehen ob ich die Besitzer mal im Garten antreffe ich komme da öfter vorbei dann frag ich ihn/sie.
M. delavayi glaube ich allerdings nicht, die Rinde ist glatt und nicht rissig und die Blüten zu rosa angehaucht, auch hier in Zone 8 dürfte es ihr zu kalt sein. Ich werde aber immer wieder vorbeischleichen und gucken. Ich dachte eher an eine hier sehr oft gepflanzte popelige Magnolia soulangiana die ja auch stattliche Ausmaße annimmt.


magnoliefrühlingswiese_klein.jpg

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bernhard

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #11 am: 15. August 2005, 17:51:23 »

ich denke auch, es ist magnolia soulangiana .... sie ist auch bei uns die am häufigsten gepflanzte ....
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Bernhard

Hortulanus

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #12 am: 15. August 2005, 21:03:43 »

Es sind wohl Baummagnolien M. campbellii oder so?

Die sind hier leider nicht winterhart. Seufz.
Dabei sind sie m.E. die schönsten.
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Caracol

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #13 am: 17. August 2005, 19:32:01 »

M. campbellii
Die sind hier leider nicht winterhart. Seufz.
Dabei sind sie m.E. die schönsten.

Und am riesigsten!
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anis

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Re:Magnolie beschneiden
« Antwort #14 am: 27. Januar 2006, 09:45:44 »

Hallo!
Bitte nicht böse sein, dass ich diesen älteren thread raufgeholt habe. Ich bin nämlich auf der Suche nach Tipps zum Schnitt unseres (wahrscheinlich) alten Magnolia soulangiana-Großstrauchs (ist ca. 6m hoch und 4 m breit).
Ich kann leider kein Bild reinstellen, weil ich 1. keine Digitalkamera und 2. sowieso kein Internet und PC zu Hause habe.

Die Geschichte dazu:
Vorigen Winter hatten wir große Mengen nassen Schnees der ein Drittel der Magnolien-Krone zu Bruch machte :( (die Äste sind zwar biegsam, aber das war ihnen wohl zuviel). Ich habe damals noch im Winter (an einem frostfreien Tag) die gebrochenen bzw. abgeknickten Äste am Ansatz herausgeschnitten. Die Folge davon war eine große Menge dünner Schosser die zum Teil von ganz unten kommen (unser Gehölz hat keinen einzelnen Stamm, sondern wächst mit mehreren Haupttrieben trichterförmig) und kreuz und quer durch die Krone wachsen.
Jetzt im Winter kann man das erst so richtig sehen - und es sieht grauslich aus. Belaubt sieht es zwar nicht so schlimm aus, aber ich möchte die Krone doch wieder etwas formieren, so dass das Gehölz auch im Winter schön aussieht (es steht direkt neben dem Haus).

Wie ich oben gelesen habe, soll man Magnolien nicht unbedingt schneiden - habe ich vor dem Bruch auch noch nie gemacht - aber in diesem Fall... :-\
Also ich soll wohl nach oben Gelesenem auf jeden Fall bis nach der Blüte warten. Soll ich alle störenden Schosser rausschneiden? Das wären über 30 Stück (brauchbar gewachsene gibt es höchstens 5), alle ca. fingerdick und zwischen 1 und 3 Meter lang (der vorige Sommer war bei uns sehr feucht). Oder muss ich dann damit rechnen, dass danach wieder solche Triebe rausschiessen?

Ich bitte um Rat, liebe Grüße anis.
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Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
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