Die Antwort fällt etwas länger aus. Denn solche Pauschalangaben wie "hält -22 ° aus" sind aus diversen Gründen allenfalls eine grobe Richtschnur.
1. Weißt Du, wo einerseits die -22 ° gemessen wurden und andererseits die Pflanzen standen?
Selten wird das Thermometer dort stehen, wo die Pflanzen stehen. Es kann durchaus sein, dass auf freier Fläche, wo eine meteorologische Messstation steht, erheblich niedrigere Temperaturen herrschen als am kleinklimatisch begünstigten Standort der Pflanze. Selbst bei ähnlichen Temperaturverhältnissen können große und u.U. entscheidende Unterschiede hinsichtlich Windschutz und Besonnung bestehen.
Ein Beispiel: Hier in unserer Gegend werden in der Wettervorhersage regional oft die Daten des nächstgelegenen Flugplatzes (Basel) verwendet. Dort in freier Ebene ist es winters merklich kälter als hier bei mir im Garten. Nun könnte ich schreiben, meine Pflanze xyz hätte locker -15 ° weggesteckt, die die "Flughafendaten" angeben. Dieselbe Art, dort ausgepflanzt, hätte dort aber mit hoher Wahrscheinlichkeit Schaden genommen.
2. Die Frosthärte einer Pflanze ist keine Konstante, sie ist nicht nur von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich, sondern auch bei einer Einzelpflanze selbst. Frostverträgliche Pflanzen durchlaufen zum Winter hin einen Prozess der Abhärtung, der sie dann Temperaturen überstehen lässt, die sie vorher umbringen würden. Im Frühjahr geht diese Abhärtung dann wieder verloren. Allerdings reagieren manche Pflanzenarten (und innerhalb einer Art manche Individuen) schon auf kurzfristige Phasen wärmeren Wetters im Winter mit einer beginnenden Enthärtung, sie "denken", es würde schon Frühling, und bei der nächsten Kälte nehmen sie Schaden.
3. Eine Pflanze ist nicht bei -21 ° am Leben und bei -22 ° tot. Wenn Winterschäden auftreten - sei es durch den Frost selbst oder durch Frosttrocknis - so werden unterschiedliche Organe unterschiedlich geschädigt. Je nach Art können die Pflanzen Schäden mehr oder weniger gut ausgleichen: Ist bei einer Palme der einzige Vegetationspunkt an der Stammspitze geschädigt, ist finito, während ein Strauch mit vielen schlafenden Augen keinen nennenswerten Schaden erleidet.
U.U. überlebt eine Pflanze auch mehrfach erhebliche Frostschäden, aber ob sie dann noch ein schöner Anblick ist, den man im Garten haben möchte?
4. Ein letzter Punkt, der mit der Frostverträglichkeit wenig zu tun hat, aber gerade säulenförmig wachsende Pflanzen betrifft: Häufig werden solche Pflanzen durch Schnee auseinandergerissen und erreichen danach nicht mehr ihre alte Schönheit. Das kann allerdings auch mal Säulenzypressen im nördlichen Mittelmeerraum passieren.