Hallo,
ich kann Günther nur zustimmen, echte Wild- oder Holzäpfel sind tatsächlich sehr selten, was nicht zuletzt an der allgemeinen Verbreitung des Kulturapfels liegt, dessen zur Blütezeit allgegenwärtiger Pollen dazu führt, dass eine permanente Einkreuzung von Kultursorten in die letzten Wildpopulationen des heimischen Apfels stattfindet. Um zur Erhaltung des Wild- oder Holzapfels beizutragen, ziehen wir regelmäßig Bäume aus kontrolliert geerntetem Saatgut an, die zur Pflanzung in der freien Landschaft dienen und auch unsere eigene Streuobstwiese bereichern. Den Gerbstoffgehalt empfinde ich sogar als positiv, wenn man die Früchte anderem Apfelsaft/-most nur beimischt. Schließlich setzt man in Süddeutschland ja auch Speierling des Gerbstoffgehalts wegen dem Apfelmost zu, wenn man diesen etwas herber haben möchte. Wie Günther im Grunde schon geschrieben hat, ist nicht jeder "Kleinstapfel" ein Wild-Apfel. Meist handelt es sich nur um Wildlinge von Kultursorten, die teils genetisch bedingt, teils durch überreichen Fruchtbehang nur kleine Früchte ausbilden. Ein sehr gutes Merkmal junger Pflanzen des Wild-Apfels ist, dass sie sehr dornig sind. Wenn wir sie roden, ist dicke Schutzkleidung nötig, ebenso bei den Wild-Birnen deren Dornen wesentlich unangenehmer sind als diejenigen der Wildlinge von Kulturbirnen.
Hier zeigt sich übrigens ein interessantes Dilemma des Naturschutzes: Die Anlage und Pflege von Streuobstwiesen wird wegen ihres Wertes als Lebensraum für zahlreiche Tierarten allgemein gefördert, auch in Vorkommensgebieten der letzten Restpopulationen von Wildobstarten. Im Grunde trägt man damit zum weiteren Rückgang dieser Arten bei, wenn nicht sogar regional zu ihrem Aussterben.
Der Begriff "Lederäpfel" ist ein Synonym für die Gruppe der Grauen Renetten, also einer Gruppe von Kultursorten. Sie zeichnen sich durch eine stark berostete, trockene Schale aus und sind meist an Zucker wie auch Säure sehr inhaltsstoffreich. Beispeile dafür sind z. B. die Graue Herbstrenette, die Kanadarenette und die Graue Französische Renette.
Grüße
Urs