Hallo Brigitte,
über Acer negundo hatte ich ja schon kurz etwas in einem anderen Thema geschrieben. Die Art besitzt ein riesiges natürliches Areal, das, wenn ich mich recht erinnere vom südlichen Kanada bis Mexiko reicht, also mehrere Klimazonen übergreift. Schon dies zeigt m. E. ihre Anpassungsfähigkeit und Konkurrenzkraft unter verschiedenen Bedingungen. Ich selbst beobachte die Ausbreitung des Eschen-Ahorns in Flussauen seit vielen Jahren. In Sachsen-Anhalt glaube ich einen guten Überblick über die Auen von Saale, Mulde und Elbe zu haben. Wenn umfangreiche Bestände von Mutterbäumen vorhanden sind, lässt sich regelmäßig eine sehr starke Vermehrung beobachten, die teilweise explosionsartig einsetzt und dann nicht mehr aufzuhalten ist. In einem Hartholz-Auenwald-Altbestand in unserer Nähe hat der Eschen-Ahorn die Verjüngung komplett übernommen, die Folgegenereation der Bäume wird von der Art gebildet werden. Aber auch auf natürlichen Standorten von Weichholzauen ist die Art ausgesprochen konkurrenzstark weil hochgradig überflutungstolerant. Gleichzeitig wurzelt der Eschen-Ahorn auf Standorten mit sommers hohem Grundwasserstand nur flach, wird als Starkbaum bei Hochwasser leicht entwurzelt und stell deshalb eine erhebliche Gefährdung der Flussufer wie auch der Sicherungsbauwerke im Hochwasserfall dar.
Auch auf nährstoffreichen Brachflächen mit ausreichender Wasserversorgung kann er sich stark ausbreiten. Selbst in den äußerst konkurrenzstarken nitrophilen Staudenfluren (z. B. Brennesselfluren) und ruderalen Queckenrasen kann er sich erfolgreich etablieren und erstarken. Er verträt als Jungpflanze sowohl recht tiefen Schatten als auch volle Sonne, limitiert wird sein Aufkommen m. E. nur durch den Stickstoffgehalt des Bodens und das verfügbare Wasser.
Von heimischen Tieren wird er nicht oder bestenfalls kaum befressen: Rehe mögen ihn nicht, Hasen oder Kaninschen schälen ihn nicht oder erst, wenn sie am Verhungern sind und kein anderes Gehölz in der Nähe zu finden ist, selbst die Biber lassen ihn in Ruhe. Seine Blätter fressende Insekten habe ich noch nie beobachtet, er ernährt also auch Vögel nicht. Gegen mechanische Beschädigungen ist er äußerst widerstandsfähig, wie ich bei dem Versuch, einige Exemplare durch Ringeln zum Ableben zu bewegen, feststellen musste. Im Gegensatz zum Vogelgrippevirus hat er damit aus meiner Sicht das Potenzial zum Killer, nämlich zum Killer heimischer Zönosen, die er vollständig verdrängen kann, wie ich schon am flächenhaften Beispiel erfahren durfte.
Bei invasiven Arten ist es ja oft so, dass es einen zeitlichen Versatz zwischen Einführung und unkontrollierter Ausbreitung gibt ( in der Fachliteratur als "time lag" bezeichnet). So wure Robinia pseudoacacia beispielsweise 1623/1635 eingeführt, Nachweise einer spontanen Ausbreitung gibt es in Brandenburg seit 1824 (Kowarik, I. [1992]: Einführung und Ausbreitung nichteinheimischer Gehölzarten in Berlin und Brandenbug.- Verh. Bot. Ver. Berlin Brandenburg, Beiheft 3. 188 S.). Für Padus/Prunus serotina wird die Einfuhr mit 1623 angegeben, der erste Nachweis spontanen aufkommens auf 1825 datiert. Beide Arten sind heute auf zusagenden Standorten hochgradig aggressive neophyten, die auf den von ihnen besiedelten Standorten heimische Zönosen weitestgehend verdrängen. Der Eschen-Ahorn wurde nach Kowarik (l. c.) 1688 eingeführt, der Erste Nachweis spontanen Aufkommens datiert auf 1919 im Bundesland Brandenburg bzw.1945 in Berlin. Meines Erachtesn ist gegenwärtig erst der Beginn seiner Ausbreitung in Mitteleuropa zu beobachten.
Das Bild unserer Auenwälder wird der Eschen-Ahorn vermutlich noch drastisch verändern und in suburbanen Regionen vermutlich auch sukzessive landschaftprägend werden. Auch auf Industriebrachflächen, im Umland von Mülldeponien, nährstoffreichen langjährigen Landwirtschaftsbrachen sind Jungpflanzen des eschen-ahorns ja jetzt schon in Massen anzutreffen, selbst wenn nur einzelne Mutterbäume ind er Nähe stehen.
Die Balsam-Pappel ist wenigstens ein schnell vorübergehendes Übel, der Eschen-Ahorn aber bleibt, wo mensch ihn einmal hingebracht hat.