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Garten- und Umwelt => Atelier => Thema gestartet von: Knusperhäuschen am 24. Mai 2013, 17:41:22

Titel: Der letzte Garten
Beitrag von: Knusperhäuschen am 24. Mai 2013, 17:41:22
Gerade ergab es sich in einem andern thread so, dass ich drüber nachdenken musste, wo ich denn irgenwann mal in ewiger Ruhe liegen möchte.
Spinnerte Ideen an den herrlichsten Orten der Welt sind uns natürlich auch schon gekommen ;) .

Ich komme aus dem Münsterland, da wird man als guter Katholik eher nicht verbrannt, alle meine Angehörigen liegen in großen Gruften, gärtnerisch schon eher anspruchsvoll, der Friedhof gleicht einem wirklich sehr schönen Park, ich hab mich dort sowohl als Kind bei den alltäglichen Besuchen, als auch später immer sehr wohl gefühlt, immer nette Nachbarn auf ein Schwätzchen dort, man durfte auch mit dem Fahrrad drüberdüsen, die Gießkanne an der Hacke, Hundchen waren auch nie ein Problem und irgendwie war es immer, wie in einem Schrebergarten (die es dort nicht gibt), Angst hab ich dort nie gehabt, mich immer nur gefragt, ob Mama, Oma und Uroma auch noch ihre Freude an den vielen Blümchen hätten und ob ich es ihnen denn auch Recht mache.
Jahrzehnte hab ich dort die Gruften der Verwandtschaft gepflegt und das auch gerne gemacht.
Aber nun, da ich mittlerweile viele hunderte Kilometer entfernt wohne und die Pflege unserem Dorfgärtnern übertragen habe, überlege ich, was denn mal mit meiner Asche wird, wir haben zwar eine große Familie, aber keine eigenen Kinder.
Hier in Hessen haben sie so merkwürdig kleine Parzellen auf der grünen Wiese, da ist entweder sowieso eine Steinplatte drauf oder Kies, maximal ein paar Saisonblumen. Mhh, viel besser gefällt mir da die Idee des Friedwaldes (gibts hier im Nachbarort, wo wir sehr gerne wandern gehen).
Ich könnte mir gut vorstellen, dort mal zu liegen, klar, letztendlich ist das mir ja egal, aber da hat keiner mehr die Grabpflege zu zahlen und ich würde mich da wohler fühlen, als auf irgeneinem städtischen Friedhof in der anonymen Wiese.
Im Nachbarort, im Wald, fände ich gut. Naja, müsste ich halt nochmal durchs Feuer gehen, dafür würd ichs tun.
Was würdet ihr euch als letzten Garten wünschen?
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Martina777 am 24. Mai 2013, 17:49:35
Was würdet ihr euch als letzten Garten wünschen?

Den Wienerwald. Es gibt einen Ort, wo es mir recht wäre, wenn man meine Asche dort in den Wind streut.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Jule69 am 24. Mai 2013, 17:54:26
Wir haben uns aufgrund mehrerer Vorkommnisse auch schon Gedanken gemacht... Grab und Grabpflege kommen für uns nicht in Frage. Romantisch fände ich schon ein Verstreuen " z.B. an meinem Liebslingsort Chiemsee", doch ich glaube nicht, dass man das realisieren kann. Sicher ist für mich/uns die Verbrennung, ich hätte auch nichts gegen eine Urne, die ich ganz persönlich aufbewahren könnte. Eine Bestattung in einem unserer Wälder wäre auch noch zu diskutieren, so im Wald zu liegen fände ich auch toll. Aber feste Vorsätze haben wir jetzt noch nicht, evtl. ändern sich ja auch noch mal Gesetze und man kann irgendwann tatsächlich auch die Urne mit nach Hause nehmen...Ich finde, das ist ein ganz heikles Thema, da sollte jeder für sich entscheiden können.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Knusperhäuschen am 24. Mai 2013, 17:56:13
Ja, da in den Wind streuen hab ich mir auch schon an einigen unglaublich schönen Orten der Welt vorstellen können.
Aber irgendwie nur dort, wo meine Lieben, die dann die Asche streuen würden, eine gemeinsame Erfahrung mit mir hätten, den Ort also als "Streuer" gemeinsam mit mir, zu würdigen wüssten. Ich würde da einige Orte kennen...
Könnte man denn tatsächlich in D-Land die Urne ausgehändigt bekommen, als Angehöriger?
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: uliginosa am 24. Mai 2013, 18:06:04
Meine Mutter hat sich mit ein paar Freundinnen zusammen einen Baum in einem Friedwald reservieren lassen. :)

Und ich hoffe, dass sie ihren Platz dort noch lange nicht brauchen wird. :-X
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Knusperhäuschen am 24. Mai 2013, 18:14:57
Wir haben den Friedwald hier schon öfter beim Wandern durchstreift, es rührt, die Plaketten mit den Namen an den Bäumen zu sehen, aber es stimmt einen auch sehr friedvoll und die Athmosphäre gefällt mir gut. Alle Besucher benehmen sich hier auch sehr respektvoll.

Ich hätte aber gerne für mich und GG einen schönen Baum ganz allein für uns, vielleicht kann ich den sogar noch pflanzen, oje, schon wieder eine Frage fürs Forum, womöglich einen Speierling, den mag ich besonders!?


Wenn jemand naturverbunden war und den Wald liebte, ist das allemal besser, als unter im Leben verhassten Eisbegonien zu liegen :-X
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Jule69 am 24. Mai 2013, 18:16:15
Ich meine gelesen zu haben, dass das in Deutschland zur Zeit noch nicht geht, aber die Bestattungsgesetze ändern sich im Augenblick. Da lohnt es sich schon, hin und wieder mal reinzulesen....Zumindest können wir hier in D-Land inzwischen bestimmen, dass unsere Toten in in den NL verbrannt werden, da wäre es interessant auszufinden, was dann mit der Urne passiert, evlt. kann man die mitnehmen und was man dann damit macht...Privatsache....
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Gartenplaner am 24. Mai 2013, 18:40:41
Ich wünsch mir, dass meine asche in meinem garten verstreut wird :)
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Nina am 24. Mai 2013, 18:45:29
Das wünsche ich mir auch. ;)
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: gartenfreak † am 24. Mai 2013, 18:51:23
Das wünsche ich mir einerseits für mich auch, ist aber nicht erlaubt. Und in unserer Familiengrabstätte, die seit 1884 besteht, sind schon meine Urgroßeltern, meine Großeltern, meine Eltern, mein Mann und meine Schwägerin begraben, da werde ich mich auch heimisch fühlen.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Christina am 24. Mai 2013, 18:55:20
GG und ich wünschen sich, daß unsere Asche zum Diamenten gepreßt wird. Ich finde es eine sehr schöne Vorstellung, wir 2 irgendwann vereint in einem kleinen Kästchen.

Hier in Hessen ergeht es mir wie Knusperhäuschen, die Friedhöfe sind einfach nicht heimelig genug. Aus dem Schwäbischen kenne ich es anders. Da in meiner Heimatstadt keine näheren Verwandten mehr wohnen, kommt eine Beerdigung dort nicht mehr in Frage.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: hostalilli am 24. Mai 2013, 19:05:45
Ich stimme auch mit Knusperhäuschen überein. Die Friedhöfe in den Dörfern wirken auf mich richtig herzlos. Meistens wurden größere Bäume gefällt (die machen nur Dreck) und alljährlich im Frühling werden Massen von Sommerblumen gepflanzt und alle Gräber sehen ziemlich gleich aus. Auf Gartenschauen finde ich die Teile, die von Friedhofsgärtnern gestaltet wurden, die interessantesten und oft auch die schönsten. Nur leider sieht man solche Gestaltungen sehr selten auf unseren Friedhöfen. Die großstädtischen Friedhöfe wie in Frankfurt oder Wiesbaden sind sehr schön parkähnlich. Dort fühle ich mich auch wohl und gehe gern spazieren.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: enaira am 24. Mai 2013, 19:14:50
Ich empfinde die Auswahl des Ortes als schwierig. Meine Eltern sind ganz kurz nacheinander verstorben, innerhalb von 11 Tagen. Für meine Mutter war es selbstverständlich, dass mein Vater in ihrem Wohnort beerdigt wurde. Er wollte nicht verbrannt werden, und sie wollte natürlich das Grab besuchen können.
Als sie 11 Tage später verstarb, haben wir ihre Urne logischerweise im Grab meines Vaters beisetzen lassen. Das Problem ist jetzt nur, dass weder meine Schwester noch ich mehr in dem Ort wohnen. Ich müsste jedes Mal 4 Stunden mit dem Auto fahren, um nach dem Rechten zu sehen. Meine Schwester ist zwar deutlich dichter dran, aber ideal ist das auch nicht.
Als ich vor eineinhalb Jahren schwer erkrankte und mich zwangsweise mit der Thematik auseinandersetzen musste, habe ich mir vorgenommen, dass meinen Kindern zumindest die Problematik der Grabpflege erspart bleiben sollte. Und als Garten- und Naturfreak könnte ich mir deshalb eine Urnenbeisetzung in einem Friedwald sehr gut vorstellen. Vielleicht kann ich auch GG noch überzeugen. Der möchte bisher, als Nordlicht, seine Asche ins Meer streuen lassen.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Rozenn am 24. Mai 2013, 22:47:49
Hier in Frankreich möchte ich auch auf keinem Friedhof bestattet werden - nur Betongruften, wo die Särge übereinandergestapelt werden! Drauf eine Marmorplatte und künstliche Blumen, religiöser Kitsch etc. Kein Baum, kein Strauch weit und breit, nicht mal richtige Erde. Weiter sind meine Gedanken bzw. Erkundigungen, was möglich ist, bisher nicht geschweift, aber zumindest weiss ich schon mal, was ich nicht will.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: lonicera 66 am 24. Mai 2013, 23:52:30
Da ich eine zeitlang bei einem Bestatter gearbeitet habe, war es nur natürlich, sich auch mit dem eigenen Ableben zu beschäftigen.

Eine Erdbestattung kam nicht in Frage, wir haben keine Kinder, wer soll das Grab pflegen???

Ausserdem bin ich so eine verfrorene Liese, daß ich mich für eine Feuerbestattung entschieden habe. Dann ist mir wenigstens einmal ausreichend warm... ;)

Friedwälder habe ich mir, schon aus beruflichen Gründen, hier in der Umgebung angesehen und mich dort sofort wohlgefühlt. Auch Männe fand die Idee sehr ansprechend.

Er nimmt eine Eiche, ich eine Birke. Am besten nebeneinander...

Übrigens sind die Kosten für eine Feuerbestattung im Friedwald etwas höher, als eine "normale" Urnenbestattung. Insgesamt sollte man schon mit ca. 3000€ rechnen.

@Knusperhäuschen

Die Asche mit nach Hause nehmen - ja es geht auch in Deutschland.

Entweder hier einäschern und einen Antrag auf Überführung zur Bestattung nach Holland beantragen, oder direkt die Einäscherung dort veranlassen, was aufgrund der Überführungskosten erheblich teurer sein wird.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: potz am 25. Mai 2013, 12:43:04
Die Asche mit nach Hause nehmen - ja es geht auch in Deutschland.
??? ist mir neu. Wo hast du die Info her ?
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: lonicera 66 am 25. Mai 2013, 16:20:04
Die Asche mit nach Hause nehmen - ja es geht auch in Deutschland.
??? ist mir neu. Wo hast du die Info her ?

Ich schrieb bereits, daß ich beim Bestatter gearbeitet habe - also eine Info aus erster Hand.

Weiter schrieb ich schon, wie es geht - es ist zwar nicht offitziell, aber eine Möglichkeit. ;)
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: potz am 25. Mai 2013, 18:46:31
Ich las es bereits ... aber konnt's nit glauben ;)
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Lisa15 am 26. Mai 2013, 22:16:21
...... Mhh, viel besser gefällt mir da die Idee des Friedwaldes (gibts hier im Nachbarort, wo wir sehr gerne wandern gehen)....

Vor vier Monaten, im Januar, habe ich meine Mutter in diesem Friedwald (ich vermute, Du meinst Friedwald Weilrod-Altweilnau ;) ...) beigesetzt. Ich hatte ihr von dieser Art der Beisetzung noch letzten Sommer erzählt und sie war begeistert. Ursprünglich wollte sie ihre Asche im Indischen Ozean (wo sie 7x in jüngeren Jahren in Urlaub war) verstreuen lassen. Dafür hätte ich die Urne mit auf Reisen nehmen müssen.... ::) Als wir erfuhren, dass das nicht geht, war sie mit der Friedwald-Option einverstanden. Nun liegt sie unter einer alten Buche, mit einem Vogelhäuschen, in einer kleinen Lichtung, auf einem leichten Hang, begleitet von zauberhaftem Vogelgezwitscher.... :) Im Januar bei der Beisetzung war es kalt und unwirtlich, trotzdem habe ich mich hingekniet und die große Urne (aus Flüssigholz, biologisch schnell abbaubar) selbst herab gelassen. Neben die Urne haben wir Muscheln beigegeben, die sie von ihren Reisen immer wieder mitgebrachte. Jetzt im Frühjahr ist der Wald wie verwandelt, eine sagenhaft heimelige, lichtdurchflutete, märchenhafte Atmosphäre. Ich bin nicht zuletzt auch deswegen oft da. Unter einer anderen Buche, ca. 5 Meter weiter, ein reservierter Familienbaum (Namensschildchen ist schon da, aber alle leben noch), habe ich Buschwindröschen entdeckt. Nach Rücksprache mit dem Förster, wäre es erlaubt, auch mal ein Schneeglöckchenzwiebelchen "beiläufig" fallen zu lassen. Ansonsten ist Grabschmuck nicht erlaubt, was ich gut finde. Da ich leider auch keine Kinder habe und diesen Wald hier in meiner Gegend wunderschön finde, habe ich mit dem Förster einen Baumauswahltermin für Ende Juni ausgemacht - wir suchen dann einen noch jungen Baum für mich in der Nähe der alten Buche meiner Mutter. Denn, was ich leider nicht wußte, als ich den Platz für meine Mutter kaufte, diese Buche hatte nur noch Platz für meine Mutter, alle anderen Plätze waren schon vergeben. Auch die Bäume in der unmittelbaren Nachbarschaft sind schon "vergeben". Der Wald ist, nach meinem Empfinden, riesig - ich hätte nie geglaubt, dass es irgendwann "Platzmangel" geben wird. Aber offensichtlich sind viele Menschen von dieser Form der letzten Ruhestätte überzeugt - und es sind auch viele, die aus den umliegenden Großstädten kommen (Bad Homburg, Frankfurt, Wiesbaden, Hanau, Limburg, etc.) und sich hier beisetzen lassen. Der "Andrang" scheint also groß zu sein. Wen wundert's, der Wald liegt wunderschön auf einer Anhöhe mit einer Rundumsicht auf den Taunus.
Auf die Idee brachte mich ein Nachbar, der schon vor Jahren einen Baum für seine Familie reserviert hat. Unser Dorffriedhof platzt aus allen Nähten und ist unschön, alles in Reih' und Glied, denn Ordnung muss wohl selbst im Jenseits sein, die Pacht endet nach 30 Jahren. Den Beisetzungsplatz meiner Mutter kann ich nun bis 2105, ohne Reih' und Glied, in einem sich stetig wandelnden Wald, jedes Mal auf der Suche nach dem einen Baum mit dem Vogelhäuschen, besuchen - theoretisch. ;)
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: enaira am 26. Mai 2013, 22:28:35
Liebe Lisa,
ja, Abschied nehmen ist schwer, aber wenn man als Naturfreund einen solchen Art der Besinnung hat, lässt es sich schon ein wenig leichter akzeptieren.
Der Friedhof, auf dem meine Eltern beigesetzt sind (Bremen, Riensberger Friedhof), hat eigentlich auch eine tolle Stimmung. Ein Park mit riesigen alten Bäumen, Wasser, Wege, er wird von Spaziergängern und Radfahrern (nur Hauptwege) auch gerne genutzt. Ich bin gerne dort, aber leider ist es viel zu weit weg von hier. Und meine Eltern waren auch mehr für einen natürlichen, bunten Garten. Deshalb haben wir auch den größten Teil des Grabes mit Stauden bepflanzt. (Was die pflegende Gärtnerei vermutlich nicht unbedingt erfreut.)
Meine eigene Familie ist leider fast überhaupt nicht an Garten interessiert. Sie schauen sich gerne an, was ich so mache, GG übernimmt auch willig größere Arbeiten/Aktionen, aber die Liebe ist einfach nicht da. Deshalb kann ich mir auch schwer vorstellen, dass sie mein Grab so gestalten und pflegen würden, wie ich es mir wünschte. Und unser Dorffriedhof gefällt mir auch nicht gerade.
Deshalb wäre für mich so ein Friedwald auch die Lösung. Muss mich mal erkundigen, wo es hier in der Nähe so etwas gibt, und wie frühzeitig man reservieren muss.....
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Lisa15 am 26. Mai 2013, 23:07:10
@ enaira

In Nassau an der Lahn ist ein schöner Friedwald :)
Nicht nur das plötzliche Ableben meiner Mutter war schwer zu verkraften, auch das "Loslassen" aus unseren so wohl organisierten Lebens- und Sterbensumständen. Denn ein Friedwald ist tatsächlich etwas völlig anderes als ein Friedhof, in dem man seine Parzelle hat, auf der man "werkeln" kann. Ich muss mich daran gewöhnen, ohne Blumenschmuck die Ruhestätte zu besuchen, was schon komisch und ungewohnt ist. Auch die Vorstellung, dass allein die wechselnden Jahreszeiten den Anblick auf die Beisetzungsstelle ändern und keine Vasen, Steine, Stauden oder Kerzen dem Ruhenden eine zusätzliche Freude bereiten, ist gewöhnungsbedürftig. Andererseits frage ich mich, ob die Verstorbenen überhaupt darauf Wert legen, dass wir ihre Gräber pflegen. ::) Letztendlich muss man die Trost spendende Tätigkeit der Grabpflege anderweitig kompensieren, wenn man im Wald vor einem Baum steht und mit diesem spricht. Aber den Wald macht nicht dieser eine Baum aus sondern alles, was dort wächst oder liegt, so dass man dort nicht einen einzelnen Baum besucht sondern in eine bestimmte Atmosphäre der Ruhe, des Friedens, der unberührten Natur eintaucht, die Ursprünglichkeit vermittelt - den Beginn des Lebens und sein Ende. Den/die Verstorbenen weiß man nicht mehr unter einem gewissen Grabstein sondern bewahrt ihn im Herzen, in der Seele, denn alles andere - der Wald und seine Bewohner - lassen eine direkte Verbindung zum Verstorbenen wegen der fehlenden Grabmarkierungen nicht zu. Der Ruhende gehört zum Wald, genauso wie die Bäume, die Vögel, das Moos und die restliche Waldvegetation. Er ist Teil davon und der Wald ist kein Beiwerk. Das-hier-ist-meins, Das-dort-ist-Deins... das gibt's im Wald nicht. Bis auf die Schilder an den Bäumen ist nicht erkennbar und auch nicht wahrnehmbar, dass viele, viele Schicksale sich diesem Wald untergeordnet haben. Das meinte ich vorhin mit "Loslassen": Die Behütung des Verstorbenen übernimmt der Wald, nicht mehr wir, die Hinterbliebenen. Damit muss man sich abfinden, wenn man diese Lösung anstrebt.... ;)
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: pearl am 26. Mai 2013, 23:23:25
Lisa, das sind schöne und sehr wertvolle Worte, dank dir dafür! Mir war das gar nicht so ganz klar, dass es ja auch eine Anforderung an die Angehörigen und Freunde bedeutet, die einen ganz gehen lassen müssen. Es ist eine Disziplin und Reife nötig und eine ganz bestimmte Art der Beziehung muss dagewesen sein. Obwohl es noch sehr individuell ist sich so bestatten zu lassen, wird die Individualität durch das Aufgehen in dieser Waldgemeinschaft aufgehoben. Nichts kann zur Schau gestellt werden. Alles bleibt für sich und innen. Die Trauernden haben nichts woran sie sich halten können und ihr Erleben und ihre Erinnerungen ganz für sich. Sie müssen einen anderen Ausdruck dafür finden als Grabschmuck und Grabpflege. Mir gefällt die Idee ganz gut so für meine Kinder nur im Herzen zu sein und keine Pflicht.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Gartenhexe am 27. Mai 2013, 21:48:31
Dieses Thema hat mir und meinem GG lange auf dem Herzen gelegen. Er hat 50 Jahre (jetzt ist er 76) immer Gräber gepflegt von Onkel, Tanten, Großeltern, Eltern usw., so wie es "normal" ist. Wir haben keine Kinder, wer soll das denn machen, wenn wir mal weg sind. Ich halte davon sowieso nichts.

Vor ein paar Jahren wurde in Brandenburg, dicht bei Berlin, ein Friedwald eröffnet und wir sind zur Eröffnung hingegangen. Es war sehr stimmungsvoll und der Förster ging mit einigen Leuten durch den Wald und erklärte alles. Jedes Jahr im Herbst ist dann eine kleine Feier mit Musik, Kaffee und Kuchen und natürlich auch mit liebevollen Worten eine kleine Gedenkfeier für die Verstorbenen.

Wir haben uns dann einen Baum, eine Eiche, nur für uns (und evtl. liebe Menschen) ausgesucht. Dort können 8 Urnen liegen. Mein Vater war von dieser Idee begeistert und wir haben ihn für unseren Baum eintragen lassen. Vor 2 Jahren ist er mit 96 gestorben und wir haben eine wirklich schöne Beisetzung gehabt. Ich bin jetzt ruhiger bei dem Gedanken an meine "Zukunft".

Wer sich für einen Friedwald interessiert, kann sich Infomaterial schicken lassen.
Oder mich anmailen, ich gebe gerne Auskunft.

Henriette
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Knusperhäuschen am 27. Mai 2013, 22:26:31
Lisa, ja :D , genau diesen schönen Ort meine ich, wir können auf einer längeren Tour von zu Hause sogar zu Fuß hingehen.
Bestimmt habt ihr euch da einen ganz besonderen Ort ausgesucht, ich würde mir wünschen, auch meine Eltern dort bei mir zu haben, aber es waren andere Zeiten und sie hatten andere traditionellere Vorstellungen, wie sie es gerne hätten.

Ich für mich habe meine Eltern mitgenommen, als ich aus meinem Heimatort wegzog, weg auch von ihrem Grab, das ich lange gepflegt habe und das für mich der Ort war, an dem ich ihnen nah war. Ich hab sie mitgenommen im Herzen, jetzt sind sie auch hier, bei mir, weit weg vom alten Zuhause, aber sie sind auch bei meiner Schwester, ebenso weit weg in Berlin, wenn man tot ist, ist so etwas möglich.

Und zumindest als Asche in einem schönen Wald zu liegen, ohne Sorgen um die Grabgestaltung und Pflege, wie es meine Oma und Mutter immer hatten, immer noch auch für Fremde, Nachbarn und was die denn denken, wie das Grab aussieht (als würd man gucken, was für Gardinen man vorm fenster hängen hat), das ist schon sehr erleichternd, eine Erleichterung, die ich allen grabpflegenden Angehörigen in der heutigen Zeit wünschen würde, dann hätten sie nämlich mehr Zeit für liebevolle Gedanken statt für teilweise sicher lästige Grabpflege (o.k., die Menschen ausgenommen, die die Grabpflege als tröstliche Beschäftigung sehen, das geht sicher, wenn man ortsnah wohnt immer noch sehr gut).
Sicher muss jeder, wenn er es denn noch kann, diese Entscheidung selber treffen, meine Schwiegermutter erzählte von Angehörigen, die "das Brombeergestrüpp" auf der Ruhestätte der Mutter in einem anderen Friedwald schrecklich fanden, aber den Wunsch des zu Bestattenden sollte man wohl akzeptieren.

Lisa, vielleicht treffen wir uns ja mal irgendwann dort im Geiste, wer weiß. Und dann zeig ich dir den Weg zu einem meiner Lieblingsplätze ganz ans Ende des Friedwaldes, am BayrhofferBrunnen vorbei zur Königskanzel, wo 1900 eine Blaskapelle auf einer Plattform zwischen vier stattlichen Eichen aufspielte und dann schleichen wir uns noch ein ganz kleines bischen über die Friedwaldsgrenze hinweg nach Südwesten zur Schutzhütte der Albertsruhe, von wo aus man vom Felsenhang einen wunderschönen Blick übers Weiltal und Burg und Schloß hat, ein kaum besuchter, verwunschener Ort, zu dem von unten nur der längst teileise verfallene 100-Stufen-Weg führt.

Oh, es ist so schön dort, schon jetzt bin ich da wirklich sehr gerne, ich denke, ich will da irgendwann wirklich hin :) . Wie Henriette schon schrieb, würde mich das beruhigen, zu wissen, dass das dort mein letzter Garten wäre.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Thomas am 27. Mai 2013, 22:38:55
Wo wird einst des Wandermüden
Letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?

Werd ich wo in einer Wüste
Eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh ich an der Küste
Eines Meeres in dem Sand?

Immerhin! Mich wird umgeben
Gottes Himmel, dort wie hier,
Und als Totenlampen schweben
Nachts die Sterne über mir.

Heinrich Heine
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Jayfox am 27. Mai 2013, 22:51:32
Ich falle wohl aus dem Rahmen: Ich überlege, meinen Körper nach meinem Tod dem Anatomischen Institut der nächstgelegenen Universität zur Verfügung zu stellen (wenn der dann noch dafür infrage kommt).
D.h., dass etwa 1 - 3 Jahre nach meinem Tod die "Überreste" nach Feuerbestattung in einer Urne auf dem Friedhof der Stadt beigesetzt würden.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Knusperhäuschen am 27. Mai 2013, 22:53:41
Hast du Angehörige?
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Jayfox am 27. Mai 2013, 22:55:57
Derzeit?
Ja.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Knusperhäuschen am 27. Mai 2013, 23:01:39
Jeder so, wie er mag! Aber du sprichst es mit dem Anhang ab, ja? Dann wär das o.k., denke ich.
Aber bei diesem Scharlatan Hagens will ich dich nicht sehen ;) !
edit: der heißt auch noch "von" ::) !
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Silvia am 27. Mai 2013, 23:30:12
Irgendwo konnte man sich auch der Forschung zur Verfügung stellen. Dann wir man auf einem nicht öffentlichen Grundstück abgelegt und ab und zu kommt einer vorbei und guckt, was von einem noch übrig ist. Das fände ich gut, also weder eingraben noch verbrennen, sondern oberirdisch in der freien Natur. Am liebsten wäre mir ein Kirschen- oder Apfelbaum.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Venga am 27. Mai 2013, 23:35:04
Im Nachbarort gibt es auch einen sehr schönen Friedwald.

Aber mein Mann und ich wünschen uns eine Seebestattung.
Außerdem möchten wir Pappsärge. Das ist wesendlich ökologischer und preiswerter. Wir haben ohnehin nichts davon, wenn wir in einem teuren Holzsarg liegen, womöglich noch mit Rüschen und Kissen und Decke.

Bei einer Seebestattung sind unsere Töchter auch nicht an einen Ort gebunden.
Wenn sie das Verlangen haben uns Blümchen zu bringen, können sie sie an einem beliebigen Strand an der Ostsee ins Meer werfen.
Wir haben das mit unseren Töchtern schon besprochen, damit sie sich damit "anfreunden" können und für den Fall, dass wir ganz plötzlich das Zeitliche segnen und uns nicht mehr selbst darum kümmern können.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: pearl am 27. Mai 2013, 23:38:02
Venga, dass über diese Angelegenheit nicht pietätvoll geschwiegen wird wie in der älteren Generation, sondern heute offen mit den eigenen Kindern geredet, das ist das revolutionärste überhaupt. Richtig gut ist das und eine große Erleichterung für alle.

Ich falle wohl aus dem Rahmen: Ich überlege, meinen Körper nach meinem Tod dem Anatomischen Institut der nächstgelegenen Universität zur Verfügung zu stellen (wenn der dann noch dafür infrage kommt).
D.h., dass etwa 1 - 3 Jahre nach meinem Tod die "Überreste" nach Feuerbestattung in einer Urne auf dem Friedhof der Stadt beigesetzt würden.

ja, einen Orgenspendeausweis habe ich auch und warum sollte man keine Wahl haben wo dann die Urne hinkommt?
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Venga am 27. Mai 2013, 23:59:39
Venga, dass über diese Angelegenheit nicht pietätvoll geschwiegen wird wie in der älteren Generation, sondern heute offen mit den eigenen Kindern geredet, das ist das revolutionärste überhaupt. Richtig gut ist das und eine große Erleichterung für alle.
Wie wichtig es ist, darüber zu reden, habe ich erst vor kurzem bei meiner Schwiegermutter gemerkt.
Sie ist in ein Seniorenheim gezogen. Dort wurde uA. in den Papieren vermerkt, welches Bestattungsinstitut, im Falle ihres Ablebens, benachrichtigt werden soll.
Mama hatte sich bisher um das Grab von meinem Schwiegerpapa gekümmert. Das kann sie jetzt nicht mehr.
Sie wollte niemandem zur Last fallen und sprach von einer anonymen Bestattung, da das Grab von Papa demächst auch abläuft.
Wir haben energisch widersprochen und entschieden, dass sie bei Papa beerdigt wird.
Man konnte ihr ansehen, wie erleichtert sie war.

Ich finde es auch okay, wenn man seinen Körper spendet - ob jetzt die Organe für einen Kranken oder den ganzen Körper für ein Institut zum Forschen.
Wir sind auch bereit Organe zu spenden, wenn die dann noch brauchbar sein sollten.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Klio am 28. Mai 2013, 00:01:58
Irgendwo konnte man sich auch der Forschung zur Verfügung stellen. Dann wird man auf einem nicht öffentlichen Grundstück abgelegt und ab und zu kommt einer vorbei...

Das klingt für mich dann doch ziemlich gruslig nach Body Farm. :-\ Da gefällt mir der Wald besser. :)
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Gartenplaner am 28. Mai 2013, 00:59:31
 :)
Das ist es auch, aber es ist genauso wichtig für wissenschaftliche Forschung - unter anderem für wichtige Eckdaten der Rechtsmedizin (z.B. wie lange liegt ein Mordopfer verscharrt - oder eben auch nicht verscharrt - irgendwo, wenn ein bestimmter Typ Maden hauptsächlich zu finden ist ;D ) - wie beim Anatomischen Institut, wo Medizinstudenten lernen, wie denn ein menschlicher Körper wirklich von Innen auschaut, bevor sie auf lebende Patienten losgelassen werden.

Aber es stimmt, diese Varianten sind schon eher speziellere Varianten der Bestattungsvorsorge ;)
 
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Rozenn am 28. Mai 2013, 16:30:52
Aber selbst nach deiner Clean Up Party dort musst du irgendwo bleiben mit deinen alten Knochen. Da stellt sich die Frage dann von Neuem...

Ein bei einem Angelunfall verunglückter Verwandter von mir bekam eine Seebestattung in der Ostsee. Da er eine ganz besondere Beziehung zum Meer hatte, war das sehr passend. Jeder, der ihn "besuchen" und mit ihm Zwiesprache halten will, braucht sich nur an den Strand zu setzen.

Mir gefällt der Gedanke an etwas Gartenähnliches auch am besten. Es gibt da im "Gespenst von Canterville" eine schöne Stelle, wo von "in der braunen Erde ruhen" die Rede ist. Ein blühender Busch darüber - mehr braucht's gar nicht. Wenn ich das haben könnte, wäre mir der Gedanke, nicht in heimatlicher Erde begraben zu werden, schon erträglicher.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Gänselieschen am 28. Mai 2013, 16:48:23
Habe eben das erste Mal von einem Friedwald gelesen - ich finde die Idee gut - habe es aber noch nicht ganz kapiert - im Nuthetal zwischen Berlin und Potsdam gibt es auch einen Friedwald. Der Baum um 3000 Euro - die Beisetzung fest 275. Und den Baum muss man schon lange vorher auswählen, oder kann, oder wie auch immer.

nachdenkliche Grüße
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Lehm am 28. Mai 2013, 16:49:55
Da es m.E. erwiesen ist, dass es mich nach meinem Tod nicht mehr gibt, mache ich mir darüber wenig Gedanken. Weder mir noch Frau Lehm liegt nach dem Tod des jeweils andern was an seinem Körper. Die Körper haben dannzumal weder mit mir noch mit ihr noch was zu tun. Darüber sind wir uns einig. Wichtig finden wir immerhin, dass unsere Körper umweltgerecht entsorgt werden. Recycling dürfte ja ausgeschlossen sein. Aber irgendwelche Fantasien von Asche im Garten, auf hoher See, im Amazonas, an unserem Lieblingsstrand, im Koloseum, in der Tate Gallery, neben Angelina Jollies Urlaubsvilla oder weiss der Teufel wo zu verstreuen sind uns fremd. Das muss man irgendwann einsehen, also dass das Leben mit dem Tod zu Ende ist. Tote sind tot. Mausetot!
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Jayfox am 28. Mai 2013, 16:55:26
Jeder so, wie er mag! Aber du sprichst es mit dem Anhang ab, ja? Dann wär das o.k., denke ich.
Aber bei diesem Scharlatan Hagens will ich dich nicht sehen ;) !
edit: der heißt auch noch "von" ::) !

Ich sprach vom Anatomischen Institut einer Universität, nicht von Plastination zu Ausstellungszwecken.

Obwohl: Ihr könntet mich dann mit Schusterpalme, Kuddel, Tutnix, Sofa den ganzen sonstigen Devotionalien, die sich im Café angesammelt haben, auf ewig mit rumschleppen.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Gänselieschen am 28. Mai 2013, 16:57:58
o.k. Lehm,soviel ist klar - aber ich finde es wichtig für die Hinterbliebenen und in dem Sinne auch für einen selbst, Regelungen zu treffen. Je klarer, desto leichter wird dann allen, die damit zu tun haben, der Rest fallen.
Ich z.B. habe überhaupt keine Ahnung, wie meine Eltern sich das mal vorstellen. Das ich von Gräbern und Grabpflege nichts halte - wissen sie. Da müssten sie nun besorgt sein, wenn sie ein Grab wollen, dass sich keiner kümmert - aber sie reden nicht drüber. Einmal so knapp - da ging es um's Grab meiner Oma - die Grabstelle läuft aus - und die beiden Schwestern wollen nicht verlängern. Das Grab gab es nur 20 Jahre - finde ich total wenig. Erst wird gepflanzt und hingepilgert und dann machen die sang- und klanglos nach 20 den Sack zu. Sie schaffen die Grabpflege nicht mehr etc., die Verlängerung sei zu teuer - unglaublich - ich sag' lass und zusammenlegen - das wollen die auch nicht. Dann lieber gleich kein Grab als nur für so eine kurze Zeit - das ist doch Selbstbetrug.

So ein Baum für 99 Jahre - so dass zumindest die Kinder immer noch einen Ort haben und auch ggf. noch verlängern können - so wie früher ne Gruft oder so - finde ich gut.

L.G.

BC - geht klar ;D


Das ist aber nicht Atelier sondern menschelt und zwar recht sehr 8)
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Lehm am 28. Mai 2013, 17:10:14
Bei mir hinterbleibt niemand. Die wissen, dass ich tot bin. Und um das zu begreifen, brauchen die weder einen sich zersetzenden, noch einen eingeäscherten Lehm. Das muss bei denen im Kopf klick machen, dass ich nicht mehr da bin. Und darauf können sich die vorbereiten, seit Jahren, und hoffentlich noch Jahre. Soviel wird man doch von des Denkens fähigen Menschen erwarten dürfen, also dass sie auch ohne Baum damit zurechtkommen.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: July am 28. Mai 2013, 19:30:49
Ich möchte, daß meine Asche im Revier meines Vaters wo ich aufgewachsen bin und eine schöne Kindheit erlebt habe verstreut wird. Ich will verbrannt werden, da ist es jedenfalls schön warm, da ich immer friere. Ich will kein gekauftes Seidenkissen und Decke und den ganzen Tingeltangel, ich will, wenn es sein muss, meine Bettdecke und Kissen von zuhause.
Wenn die Asche nicht verstreut werden darf soll die Urne mit der Asche nicht vergraben werden.

Als unser Onkel starb wurde ein Teil der Asche auf See bestattet (er war Kapitän) und einen Teil hat unsere Tante in einer Urne im Wohnzimmer stehen.

Mein im Februar verstorbener Schwiegervater wurde verbrannt und die Urne ist auf einem Rasen vergraben, sein Name steht an soeiner Säule wo viele Namen dran stehen, das war sein Wunsch.

Mein Vater wurde nach alter Tradition beerdigt......SCHRECKLICH!!! Der ganze Körper rein in die eiskalte Erde Ende Oktober, allein der Gedanke :( :(
Aber wir haben es damals schon abgelehnt Decken für den Sarg zu kaufen, wir haben uns durchgesetzt und er durfte seine Decken von zuhause bekommen......obwohl der Henker....äh Bestatter das SEHR komisch von uns fand......weil ja dann nicht soviel zu verdienen war....

Ja so hat jeder Mensch seine Wünsche......
LG von July
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Krümel am 29. Mai 2013, 20:20:59
Diesen Thread hab ich heute Morgen gelesen und die Gedanken darüber begleiteten meinen Tag.
Eine wirklich gute Frage.

Ich halt's an sich wie Lehm. Ich möchte verbrannt werden und dann ist es mir wurscht, was mit der Asche geschieht.
Sollten aber evtl. Zurückgebliebene Wert auf ein Ritual legen, dann käm ich doch ganz gern auf meinen Lieblingskompost, genannt "Krümel". Das fänd ich noch sinnig.

Interessanterweise kamen die Leute, die ich heute dazu fragte (ja, der Thread wirkte deutlich nach), auf ähnliche Antworten. Nicht die Sache mit dem Kompost, aber das "Egal" und die Bereitschaft, den evtl. Zurückgebliebenen doch ein Ritual zu ermöglichen.

In der Schweiz ist es übrigens möglich, die Asche zu Hause aufzubewahren. Oder aber zu verbuddeln (sofern die Urne Öko und verrottbar ist), wo man möchte. Oder aber die Asche (und Knochen, die bei der Verbrennung üblicherweise übrig bleiben) zu verstreuen. Ich finde das schön und angemessen. Letztlich soll es den Hinterbliebenen möglich sein, darüber zu entscheiden, was mit den sterblichen Überresten zu geschehen hat.
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: pearl am 29. Mai 2013, 20:26:56
Kompost - ein gutes Stichwort.

Anfang letzten Jahres als die Familie hier noch versammelt war, ging es um das, was aus der Küche auf den Kompost kommt. Ich pflege mich in dieser Frage sehr zu engagieren.

Große Tochter: Mama! Wenn du tot bist, dann streu ich deine Asche auf den Kompost!

Das geht nicht, das ist in Deutschland verboten. In Holland ist das erlaubt.

Kleiner Sohn: Wenn ich tot bin, dann fahre ich nach Holland und lass mich da einäschern.

Schallendes großes Familiengelächter! ;D ;D ;D
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: Gänselieschen am 30. Mai 2013, 16:15:11
Oh pearl - das ist herrlich!

@ Krümel - das ist genau der Punkt - einem selbst kann es eigentlich egal sein, aber man muss den Zurückgebliebenen die Möglichkeit geben, sich zu verabschieden, zu erinnern, wie auch immer sie am Besten damit klar kommen. Was mit mir selsbt passiert ist mir auch nicht ganz so wichtig - dass die nach mir klarkommen, das ist wichtiger.

In meinem Umfeld gab es vor einigen Tagen einen Suizid - so etwas finde ich mehr oder weniger schlimm - vor allem eben für die Hinterbliebenen - der Mann war auch noch so feinsinnig, es am 14 Geburtstag seines Sohnes zu tun. Nun kann der Sohn sein ganzes Leben am Geburtstag an den Selbstmord seines Vaters denken - eine tolle Hinterlassenschaft.
Egal wie krank man ist - das ist egoistisch.

Und zurück zum Begräbnis - in diesem Sinne - für die Hinterbliebenen sollte es sein - und deshalb sollten wir auch vorher solche Sachen bereden. Um wem es wichtig ist, was mit ihm danach passiert - wird es sowieso tun.

Auf den Kompost - hm - bin ich unsicher ;)
Titel: Re:Der letzte Garten
Beitrag von: pearl am 30. Mai 2013, 20:11:48
nein, natürlich nicht. ;) Die Familie hat sich für den Wald entschieden. Keiner von uns möchte konventionelle Grabpflege machen, zum Repräsentieren brauchen wir keinen Obelisken. Ein informelles Begräbnis ohne Gedöhns ist allen wichtig. Wir sind alle nicht in irgendeiner Kirche.

Das mit dem Selbstmord in deinem Umfeld ist bitter.