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Pflanzenwelt => Obst-Forum => Thema gestartet von: Landfrau am 09. Oktober 2008, 12:15:20

Titel: Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Landfrau am 09. Oktober 2008, 12:15:20
Hallo,

welche (rote) Keltertraube mag sich für den Anbau in Norddeutschland (Mittelweser) eignen?

Nachdem wir bisher nicht sortenreinen Wein aus diversen Tafel- und Keltertrauben mit gut genießbarem Erfolg hergestellt und den Platz zur Anlage einer kleinen Rebfläche haben, würden wir gern eine geeignete Traubensorte ausfindig machen.

danke für Hinweise - Landfrau
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Dietmar am 09. Oktober 2008, 14:22:38
@Landfrau

Vielleicht wäre das was:

Léon Millot
 
Ältere Züchtung aus dem Elsaß. Mittelgroße, dichtbeerige Trauben mit eher kleinen Beeren. Nicht gerade eine Tafeltraube aber ideal zur Saft- und Weinbereitung. Der Wuchs ist aufrecht und mittelstark. Durch die sehr frühe Reife können Hobbywinzer auch in eher ungünstigen Klimaten hohe Öchslegrade (Mostgewichte) erreichen.

Reife: mittelfrüh
Frosthärte: gut
Pilzfestigkeit: sehr gut

Die Sorte Marechal Foch ist auch nicht schlecht, aber blühempfindlich.

Bei weißen Sorten könnte man an:

- Solaris
- Seyval blanc

denken.
 
Für sehr ungünstige Lagen gibt es noch Rebschulen in Schweden, Finnland und Norwegen, aber die Erträge sind eher gering und Erfahrungen in Deutschland gibt es kaum. Nicht empfehlen kann ich amerikanische bzw. kanadische Sorten mit Foxton-Aroma.
 
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Dietmar am 09. Oktober 2008, 14:28:34
Ergänzung:

In Ostdeutschland war früher Mitschurinski sehr verbreitet, da sehr früh und frostfest. Es ist zwar eine Tafeltraube, aber damals wurde von vielen auch Wein gekeltert.

Auch pilztolerate Reben sind nicht völlig pilzfest und benötigen ein minimales Spritzprogramm. Allerdings reichen in der Regel Spritzmittel, die auch im biologischen Weinbau zugelassen sind, z.B. Netzschwefel, diverse Kupfermittel. --> unbedingt dazu informieren!
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Landfrau am 10. Oktober 2008, 14:34:51
Dietmar,

eigentlich hätte ich mit "Regent" als Empfehlung gerechnet..... ;-).

Warum nicht statt Marechal Foch eine "deutsche" Sorte, Roter Gutedel z. B. ? oder bei den weißen Gewürztraminer oder Silvaner? Das sind Sorten die ich noch aus der Zeit kenne, bevor der Kaiserstuhl per Bagger umgeschaufelt wurde zu riesigen Weinbau-Mondhalden. Die schmeckten mir damals richtig gut. Seither sind fast 35 JAhre vergangen und angeblich das Klima wärmer geworden. Ob man es mit diesen mal versuchen könnte zwischen Hannover und Bremen? Auch wenn hier kein Vulkanboden und keine Hanglage zu haben sind.

Einen Riesling würd ich nicht wagen...... .

Übrigens kann man auch aus Amerikanotrauben recht guten Wein machen, jedenfalls besser, als der Foxton und die glubberige Beerensubstanz vermuten lässt und besser als käuflicher Wein. Der Trick ist, den Wein nach dem Öffnen der Flasche einen tag offen stehen zu lassen. Dabei verschwindet der Foxton.

Landfrau
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Dietmar am 10. Oktober 2008, 16:58:16
@Landfrau

Bei der Sortenempfehlung habe ich mich von folgenden Kriterien leiten lassen:

- außerhalb des Weinbaugebietes, nicht so heiße Sommer
- Sorten mit gewisser Pilzfestigkeit, damit nur minimales Spritzprogramm erforderlich
- keine allzu große Verrieselungsgefahr und damit jährlich sicherer Ertrag

Die von Dir aufgeführten Sorten sind klassische Europäersorten, wie diese in Weinbaugebieten Deutschlands angebaut werden. Diese besitzen praktisch keinerlei Pilztoleranz, d.h. diese Sorten sind dem echten und falschen Mehltau hilflos ausgeliefert. Um diese Rebsorten gesund zu halten, muss je nach Befallsdruck alle 1 bis 2 Wochen (vorbeugend) gespritzt werden und zwar mit recht "harten" Mitteln. Diese bekommst Du ohne speziellen Lehrgang und außerhalb der Weinbaugebiete gar nicht zu kaufen. Die Spritzmittel aus dem Bau- und Gartenmarkt sind für die reinen Europäersorten nicht ausreichend.

Manche Sorten, z.B. Riesling, brauchen eine hohe Wärmesumme (SAT) und sind selbst in Weinbaugebieten sehr spät, d.h. sie reifen außerhalb der Weinbaugebiete nicht sicher aus.

Auch Regent benötigt einen recht warmen Standort. Regent ist zudem nicht so pilzfest, wie die Anbieter glauben machen wollen. In Norddeutschland ist aufgrund der recht kühlen Sommer die Wärmesumme nicht allzu groß. Deshalb habe ich recht frühe Sorten empfohlen, die mit Sicherheit ausreifen und in der Regel auch einen höheren Oechsle-Wert bringen als viele klassische Europäerreben in den Weinbaugebieten. Dadurch brauchst Du nicht so viel aufzuckern und es ist kein kompliziertes Säuremanagement (z.B. Doppelsalzfällung) erforderlich.

Falls Du mit Ecxel umgehen kannst und die ühe nicht scheust, dann kannst Du Dir für Deinen Standort den durchschnittlichen SAT-Wert ausrechnen. Mit Kenntnis dieses Wertes kann man die Sortenwahl etwas wissenschaftlicher untermauern. Bei Interesse teile ich Dir den Berechnungsmodus mit.

Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Siebenstein am 10. Oktober 2008, 21:03:36
Ich kann mich da der Meinung von Dietmar nur anschließen! Mit Leon Millot oder Marechal foch fährst Du auf jeden Fall wesentlich besser als mit Regent. Die Gründe hierfür hat Dietmar schon ausführlich aufgeführt, so dass ich mir das ersparen kann.
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: trauben-freund am 11. Oktober 2008, 10:47:41
ich habe im elsaß auch resistente keltersorten probiert, war reinbold, soultz, marechal foch, heckmann , bianca, usw.

es war entweder reinbold oder foch die richtig nach blaubeeren und brombeeren oder so schmeckte, sehr süß (frühreif) und guter ertrag.

wenn du es etwas unkonventioneller möchtest kann ich dir die äußerst frühe sorte ischia empfehlen, war anfang september bereits von vögeln abgeerntet trotz netze.perle von csaba ist später reif!! ist ein extrem früher pinot noir klon der aber nicht resistent ist.tolle herbstfärbung,

auch medina, eine alte resistente ungarische sorte wäre eine möglichkeit aber es gibt inzwischen bessere sorten.

bei den hellen führt wohl nichts an solaris vorbei. bianca, hecker, seyval usw. sind alle mittel oder später reif.zudem ist solaris viel aromatischer und süßer mit ordentlichen trauben aber sehr kleinen beeren mit großen kernen.
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Rhodo am 04. Januar 2009, 19:28:28
Ergänzung:

In Ostdeutschland war früher Mitschurinski sehr verbreitet, da sehr früh und frostfest. Es ist zwar eine Tafeltraube, aber damals wurde von vielen auch Wein gekeltert.


@ Mitschurinski!

Ja - auf diese Sorte schwört mein Schwager!
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Dietmar am 04. Januar 2009, 21:42:36
@Rhodo

M. ist recht süß und aromatisch (Muskatton), aber so viel ich weiß, wird der Wein nicht so tiefrot wie bei blauen Keltertrauben. Wer also tiefroten Wein machen will, kommt an richtigen blauen Keltertrauben nicht vorbei.

Übrigens, in der Schweiz wird auch aus Muskat Bleu Wein gekeltert.

positiv: sehr aromatisch (Muskatton), sehr pilzfest

negativ: recht blühempfindlich (Verrieselung)

Ein nicht so blühempfindlicher Muskat Bleu-Klon ist Muskat Garnier von der Rebschule Jäger (kein Online-Shop, versendet aber, sehr preiswert).

Muskat Bleu/Garnier ist auch eine hervorragende Tafeltraube, allerdings mit recht störenden Kernen.
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Giaco85 am 04. Januar 2009, 22:04:49
Muscat bleu solo gibt auch recht hellrote Weine, die angenehm fruchtig schmecken, ohne das man den Muskatton der Trauben wiederfindet.
Ich komme ansonsten mit Rondo recht gut zurecht, obwohl er ab und zu als Keltertraube in Kritik steht. (Er soll blau schimmende Weine erzeugen. Was ich so nicht bestätigen kann.)
Im Frühjahr werde ich als Test 3 Stöcke Frühburgunder pflanzen. Mal sehen, ob unter meinen Bedingungen sich ein brauchbarer Amateurwein keltern läßt.

VG
Giaco
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Dietmar am 04. Januar 2009, 22:27:27
Hallo Giaco - alter Dünenwinzer!

Ich freue mich, mal wieder etwas von Dir zu hören.

Wenn Du für Deinen Frühburgunder einen guten Standort findest, bin ich optimistisch, was die Reifung betrifft. Ich war damals überrascht, welch hohe SAT-Werte Du so knapp unterm Polarkreis hast. ;D

Allerdings musst Du mit der Giftspritze im Anschlag stehen, da Frühburgunder nicht pilzfest ist. Deshalb ist diese Sorte mehr etwas für Profis wie Dich.
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Giaco85 am 04. Januar 2009, 22:34:28
@Dietmar
Richtig, Frühburgunder ist nicht pilzfest, aber soll in normalen Jahren mit dem prophylaktischem Spritzprogramm Kupfer, Schwefel gesund zu halten sein. Da wir hier immer ein wenig Luftbewegung haben, wirkt das auch noch unterstützend. Schaun mer mal.
VG
Giaco

PS.
Wer macht denn nun den (die) neuen Threads für 2009 auf?
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Dietmar am 04. Januar 2009, 22:39:08
@Giaco85

Zitat
Wer macht denn nun den (die) neuen Threads für 2009 auf?

Ich wollte Trauben-Freund dazu animieren, aber im Moment scheint er vergnatzt zu sein und so guckt er nur ab und an mal klammheimlich ins Forum, macht aber ansonsten Mäuschen.

Hast Du mal etwas gehört, wie sich Salzluft auf Oidium und Pero auswirkt?
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Giaco85 am 04. Januar 2009, 22:50:34
Salzluft?
Ernsthaft kann ich das nicht beurteilen, da ich von der See doch ein Stückchen weg bin und so der Einfluß wenn überhaupt nur marginal sein kann.
In Bezug auf die Pilzkrankheiten wirkt sich ein Lüftchen immer gut aus.

Ich glaube da wäre Apfelfreund der kompetentere Ansprechpartner.
Auch hat die Nordsee einen höheren Salzgehalt.

Wie kommt Ihr mit den vorhergesagten "sibirischen" Kältegraden zurecht ;). Ich bin froh wenns von Montag auf Dienstag hier mal unter - 5 ° kommt.

Schade das Traubenfreund sich zurückgezogen hat.
Der Thread war über die 2 Jahre schön frei von persönlichen Eitelkeiten. Es hätt von mir aus so weitergehen können.

VG
Giaco
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Dreizehn am 05. Januar 2009, 11:59:22
An mir scheint ja ein rotes Tuch gehangen zu haben - nur, ich kann es beim besten Willen nicht finden und bin deshalb ratlos, was zu tun wäre.

Dietmar, Regent sehe ich nicht ganz so problematisch wie Du, wobei ich aber keinesfalls ausschließen will, dass es für Norddeutschland blaue Sorten mit besserer Anbaueignung geben kann. Ob einem der daraus gekelterte Wein (und darum geht es Landfrau ja) dann auch schmeckt, steht auf einem anderen Blatt (und das würde den Geschmack von Regentwein ja ebenso betreffen). 2 Eigenschaften des Regent hier in meinem Garten (am Teutoburger Wald) gefallen mir nicht: die auch im 8. Standjahr immer noch gezeigten Magnesium-Mangelsymptome und seine Empfindlichkeit gegen Schwarzflecken (Phomopsis viticola). Da ich aber mittlerweile gegen den Magnesiummangel mit bestem Erfolg 3 bis 4 mal Falnet spritze, erledige ich die SF-Bekämpfung durch gleichzeitige Zugabe von Schwefel, gelegentlich auch Mittel wie Antracol, gleich mit (und bekämpfe damit auch ggfls. Oidium und Pero).

Grüße
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Dietmar am 05. Januar 2009, 18:35:25
@giaco85

Zitat
Wie kommt Ihr mit den vorhergesagten "sibirischen" Kältegraden zurecht . Ich bin froh wenns von Montag auf Dienstag hier mal unter - 5 ° kommt.

Bis jetzt war es um den Gefrierpunkt, aber ab heute Nacht soll es einen Temperatursturz auf bis zu -20 °C geben. Frostschutzmaßnahmen haben sich aber erledigt, da es mehr als 2 Tage fast durchgehend geschneit hat und jetzt etwa 25 ... 30 cm Schnee liegt. Der schützt genug und ab nächstes Jahr sind die neugepflanzten Reben hoffentlich robust genug, um ohne Winterschutz auszukommen.

Aber wie das so ist - die ganze Zeit wird über die globale Erwärmung lamentiert, aber wenn man sie mal braucht, ist sie nicht da. ;D

Zitat
Salzluft?
Ernsthaft kann ich das nicht beurteilen, da ich von der See doch ein Stückchen weg bin und so der Einfluß wenn überhaupt nur marginal sein kann.

Und ich dachte, Du wohnst gleich hinter der Düne und Deine Reben stehen zwischen dem Strandhafer. ;)

@Dreizehn

Zitat
Ob einem der daraus gekelterte Wein (und darum geht es Landfrau ja) dann auch schmeckt, steht auf einem anderen Blatt (und das würde den Geschmack von Regentwein ja ebenso betreffen).

Regent hat den Vorteil, dass in fast in jeder Kaufhalle Wein zu kaufen gibt. Da kann man vor dem Rebenkauf testen, wie der Wein schmecken könnte. Bei anderen Sorten dürfte so ein Geschmackstest vorab nicht so einfach sein.

Was ich an Regent nicht so schätze, ist die ungenügende Pilzfestigkeit. Ein erfahrener Winzer kommt damit zurecht, aber ein beginnender Hobbywinzer kennt sich mit dem Pflanzenschutz nicht so aus.
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Giaco85 am 05. Januar 2009, 20:54:29
@ Dietmar
Geschmacklich hat der Wein aus der Kaufhalle als Massenware durchaus nicht immer Referenzcharakter für den Wein, den auch ein Amateurwinzer aus Regent keltern kann.
Wenn Referenz dann diese aus deiner weiteren Heimat:
2007er Regent QbA, rot, trocken, Seußlitzer Heinrichsburg
http://www.weingut-jan-ulrich.de/shop/bestform.php5
Frage ihn mal, ob er vom 2006 ér noch was hat.
Gönn dir und deiner Frau das Tröpfchen.
Von mangelnder Pilzfestigkeit von Regent habe ich erst im Internet gelesen, nicht aber bei meinen wenn auch nur 8 Stöcken festgestellt.
Regent ist meiner Meinung auch für Anfänger nicht die schlechteste Empfehlung.

VG
Giaco




Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Dietmar am 05. Januar 2009, 22:53:35
@giaco85

Ja, die besten Weine kommen aus Sachsen, nur wissen bzw. glauben das viele nicht, weil sie nur die einfachen Landweine aus den anderen Weinbaugebieten kennen - oder sich die edlen sächsischen Tropfen nicht leisten können. ;D

Übrigens, das sächsische Weinbaugebiet ist heuer schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, da die Eisweinernte dieses Jahr weitgehend ausfallen musste wegen eines bösartigen Angriffs von Oidium und Botrytis, so dass die Trauben nicht so lange hängen bleiben konnten. :'(

Wenn ich mal klamm bin, dann weiche ich zumeist auf Frankenweine aus, aber die gibt es hier bei mir kaum und meine mitgebrachten Vorräte von meiner Herbstinspektion vergangenes Jahr sind leider fast aufgebraucht. Die besten Frankenweine bekommt man eben nur vor Ort. Zum nächsten Tafeltraubentag muss ich mich etwas reichlicher vor Ort eindecken.

@Flammeri

Manches Unglück birgt manchmal auch ein Körnchen Positives. In Pirna östlich von Dresden hat gestern ein Daimler bei Glätte das Geländer einer größeren Bücke durchbrochen und ist 8 m in die Tiefe gestürzt. Da Dein Auto sicher in der Werkstatt stand, ist Dir das erspart geblieben. Außerdem ist ein Auto auf der Alm nicht jahreszeitgemäß. Eine Troika wäre sicherlich besser. Oder Du borgst Dir den Rentierschlitten aus Lappland. Der wird dieses Jahr nicht mehr gebraucht und Rudolf braucht noch etwas Auslauf.
 ;)
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Dreizehn am 06. Januar 2009, 11:11:36
Geschmacklich hat der Wein aus der Kaufhalle als Massenware durchaus nicht immer Referenzcharakter für den Wein, den auch ein Amateurwinzer aus Regent keltern kann.

Schön, dass Du diese Meinung vertrittst. Ich schließe mich an.

Von mangelnder Pilzfestigkeit von Regent habe ich erst im Internet gelesen, nicht aber bei meinen wenn auch nur 8 Stöcken festgestellt.
Regent ist meiner Meinung auch für Anfänger nicht die schlechteste Empfehlung.

Auch hier schließe ich mich an, wenn es auch Sorten mit höherer Pilztoleranz geben dürfte. Letztlich kommt es aber doch auf die Summe der Eigenschaften an (manchmal vielleicht auch nur auf eine, die man persönlich für besonders wichtig hält).

Die nicht sehr ausgeprägte Pilzfestigkeit zeigt sich vermutlich an manchen Standorten gar nicht.

Grüße, Dreizehn
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Dietmar am 15. Januar 2009, 22:00:47
Soviel ich weiß, klagt man vor allem in den Weinbaugebieten über die schnell nachgelassene Pilzfestigkeit von Regent. Wie bekannt ist, gibt es verschiedene "Mechanismen" einer erhöhten Pilzfestigkeit und der von Regent gehört offensichtlich zu jenen, auf die sich die Schadpilze schnell einstellen konnten.

Nun kann es natürlich sein, dass der Befallsdruck an der Küste erheblich niedriger ist, als in einem Weinbaugebiet. Darüber hinaus verfügt giaco über eine sehr aggressive biologische Bekämpfungsmethode für Oidium und Pero. ;D
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Dietmar am 16. Januar 2009, 22:46:16
Hier ein Link zu Problemen der Pilzfestigkeit von Piwis, darunter auch zu Regent:

http://www.reben.ch/Untersuchungen_Resistenzen_de.htm
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: demeterwinzer am 10. Februar 2009, 18:28:25
Soviel ich weiß, klagt man vor allem in den Weinbaugebieten über die schnell nachgelassene Pilzfestigkeit von Regent. Wie bekannt ist, gibt es verschiedene "Mechanismen" einer erhöhten Pilzfestigkeit und der von Regent gehört offensichtlich zu jenen, auf die sich die Schadpilze schnell einstellen konnten.

Nun kann es natürlich sein, dass der Befallsdruck an der Küste erheblich niedriger ist, als in einem Weinbaugebiet. Darüber hinaus verfügt giaco über eine sehr aggressive biologische Bekämpfungsmethode für Oidium und Pero. ;D
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: demeterwinzer am 10. Februar 2009, 18:33:47
Hallo liebe Weinfreunde, bin mal wieder hier unterwegs und möchte kurz bemerken, dass Regent bei uns nach einigen Jahren Ertragsanbau immer noch nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wird. Ich weiss aber von Kollegen, dass die Toleranz gegenüber Schadpilzen bei höheren Erträgen ziemlich in den Keller gehen kann und dann auch behandelt werden muss.
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Siebenstein am 10. Februar 2009, 19:30:42
Hallo Demeterwinzer, war gerade mal auf Deiner interessanten Homepage. Was machst Du da für nen Rebschnitt?? Kordonarm auf dem obersten Draht? Und dann die Triebe runterhängen lassen? Gibt das dann unter dem Laub nicht starke "Pilzglocken"? Hab sowas ähnliches letztes Jahr mal bei uns in der Nähe gesehen - is glaub' ich auch ein Bio-Winzer.
Titel: Re:Welche Keltertraube für Niedersachsen?
Beitrag von: Novalis68 am 11. März 2009, 10:15:51
Hallo,

welche (rote) Keltertraube mag sich für den Anbau in Norddeutschland (Mittelweser) eignen?

Nachdem wir bisher nicht sortenreinen Wein aus diversen Tafel- und Keltertrauben mit gut genießbarem Erfolg hergestellt und den Platz zur Anlage einer kleinen Rebfläche haben, würden wir gern eine geeignete Traubensorte ausfindig machen.

danke für Hinweise - Landfrau


Hallo liebe Landfrau! :)

ich lebe auch in Niedersachsen, südlicher von Dir.
Leider war ich längere Zeit nicht im Forum.

Regent ist nicht schlecht, aber nach meinen Erfahrungen
doch nicht so perfekt für Anfänger, da die Sorte gerade
als Jungpflanze zu viel "zickt"
Dreizehn hat hier aber völlig Recht mit seiner Kritik. Ich
hätte auch nie gedacht das der "Regent" gerade als
Jungpflanze so viel Mangelerscheinungen (Mangesiummangel,
etc) zeigt. Das kann bis zu zum vertrocknen der seltsam
verfärbten Blätter gehen.

Was die Resistenz betrifft, so darf ich glaub ich in meinen
permanenten "Feuchtgebiet" etwas mitreden, da der
Befallsdruck hier besonders stark ist.
Erstaunilicherweise war dies beim Regent kaum ein Problem,
allerdings ist bei mir "nur" der Echte Mehltau ein extremes
Problem.
"Falschen Mehltau" habe ich nicht beobachtet.
Die Resisitenz gegen den "Falschen Mehltau" soll ja auch
bedeutend weniger stark ausgeprägt sein, das habe ich
zumindest auf ein Pfälzer Forum so gelesen.

Wenn Du "weisse" Sorten auch akzeptieren kannst, dann
kann ich "Solaris" empfehlen. Die ist von allen bekannten
Sorten, diejenige, welche die beste Resistenz aufbietet.