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Pflanzenwelt => Arboretum => Thema gestartet von: Danilo am 21. Dezember 2009, 23:50:18
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Diese und andere Meerträubel-Arten scheinen ja recht robust zu sein, daher will ich ein Exemplar entsprechend der Herkunft mit anderen mediterranen Gehölzen vergesellschaften. Angeblich ist der Strauch in der Lage, an Baumstämmen hochzuklettern. Kultiviert jemand erfolgreich diese Art?
Vermutlich ist die Borke von Tamarisken zu wenig strukturiert für diese Art Bewuchs, aber auch kriechend ist sie ja vielseitig einsetzbar und in der Rutensträucher-Sparte wirklich eine Alternative zu Ginster & Co, wie sarastro schonmal schrieb.
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Ich habe mir erlaubt, den Threadtitel etwas zu erweitern.
Ob E. fragilis irgendwo nördlich der Alpen auf Dauer im Freiland gedeiht, wüsste ich auch gerne. Bärtels gibt Winterhärtezone 8b an, das wäre sehr grenzwertig. Dass die Pflanze da meterhoch in andere Gehölze klettert, glaube ich nicht. Wäre schon viel, wenn sie überhaupt gedeiht. Härter soll E. major sein (Zone 7a), auch aus dem Mittelmeerraum, aber eher strauchig wachsend und um 1 m hoch.
Andere, kleinstrauchige Arten gedeihen durchaus gut. Am häufigsten wird Ephedra gerardiana var. sikkimensis angeboten, die Art ist völlig winterhart und wächst langsam, aber problemlos in sonniger Lage auf humusarmem, durchlässigem Boden. Ebenso E. distachya, die beinahe einheimisch ist: Es gibt im Wallis bei Sion noch Reliktvorkommen aus der postglazialen Wärmezeit, und anhand von Pollenfunden weiß man, dass sie nach der Eiszeit auch weiter nördlich in Mitteleuropa vorkam.
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Schön, dass einmal über Ephedra geschrieben wird! In der letzten Ausgabe der Gartenbotanischen Vereinigung von Karl Heinz Neuwirth ist eine komplette Artenauflistung der gesamten Gattung Ephedra angeführt, inklusive ihrer sehr verworrenen Nomenklatur. Wer Interesse hat, sollte sich bei mir per PM melden, dem teile ich die Adresse der GV mit, wo man gegen 20 Euro Mitglied werden kann und die sehr aufschlussreichen Aussendungen über div. Gattungen 2x im Jahr bekommt.
Bezüglich Ephedra darf ich mitteilen, dass viele der in Spezialbetrieben kultivierten Arten vollkommen winterhart sind und ich nicht verstehe, warum da so viel Skepsis entgegengebracht wird. Man sollte sie allerdings eher in mineralisches Substrat pflanzen. Ich konnte sie im Hohen Atlas sehen, natürlich in Sion und flächendeckend im Transhimalaya, überall an trockenen und unwirtlichen Stellen.
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Ich konnte sie im Hohen Atlas sehen, natürlich in Sion und flächendeckend im Transhimalaya, überall an trockenen und unwirtlichen Stellen.
Ebenso in den White Mountains (Kalifornien/Nevada) bis in ca. 2500 m Höhe E. viridis und in Bolivien im Altiplano auf fast 4000 m E. americana.
Sarastro, hast Du Bezugsquellen für Ephedra? Eggert hatte ich schon verlinkt, ansonsten kenne ich noch den Arktisch-Alpinen Garten der Walter-Meusel-Stiftung in Chemnitz, die bieten unter diversen Raritäten auch E. monosperma an.
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Ich habe versucht Ephedra abzustecken und tatsächlich scheint es in einem Fall geklappt zu haben :D . Die Gattung interessiert mich ohnehin und ich werde im nächsten Jahr versuchen Gartentaugliche Pflanzen zu bekommen . Welche Arten sind denn empfehlenswert für unser hiesiges Kontinentalklima ?
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Kontinentalklima ist gut, da die meisten Arten aus Steppengebieten mit trockenem Klima stammen.
Der Boden sollte wie gesagt durchlässig und humusarm sein.
Die genannten E. gerardiana und E. distachya sind nach meinen eigenen Erfahrungen auf solchem Boden völlig problemlos, im Garten meiner Eltern in Kiel (wahrlich kein Kontinentalklima) steht seit über 30 Jahren E. gerardiana. Sie hat alle Winter ohne jeden Schaden weggesteckt.
Andere Arten sind nach meinen Erfahrungen schwer zu kriegen. Im Botanischen Garten in Kiel wächst (wuchs?, war lange nicht mehr da) E. pachyclada aus Pakistan.
Ich habe mal Stecklinge bekommen, leider waren die schlecht bewurzelt und sind nicht weitergewachsen.
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Ohne jetzt Schleichwerbung machen zu wollen, aber wir haben
Ephedra minima
" maxima
" gerardiana
" monosperma
" fedschenkoana
" equisetina
im Sortiment.
Es bestehen jedoch zwischen einzelnen Arten sehr wenig Unterschied, bzw. die wahren Unterschiede treten erst im Laufe der Jahre zutage, wenn die Pflanzen ausgewachsen sind.
Stecklinge sind vielfach gar nicht nötig, man kann sehr leicht Risslinge machen.
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Na, diese "Schleichwerbung" ist doch mal was.
Ich denke, zum Frühjahr hörst du von mir. :D
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Wie so oft spielen also weniger die Frosthärte, sondern geeignete winterliche Bodenverhältnisse die entscheidende Rolle. Was E. fragilis betrifft, gedeiht diese zumindest in Berlin auf kargen steinigen Böden und ohne Winterschutz, ist also sicher 8a/7b-tauglich.
Hier werden Ephedra-Arten aber wenn überhaupt als kriechendes Vordergrundgehölz verwendet, daher meine Frage zur Klettertauglichkeit.
Auf Malta wuchsen Massenbestände, aber in baumloser Steppe. Zumindest scheint E. fragilis aber hüfthohe Steinmauern ohne menschliches Zutun zu erklimmen.
Ich werd mich mal mit den genannten Alternativen beschäftigen und zusätzlich E. fragilis auf gut Glück an etwas vertikal Strebendes mit guter Drainage setzen und abwarten was passiert. :)
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Unter anderem im Botanischen Garten Berlin und Halle/Saale habe ich div. buschig wachsend Ephedra gesehen und hin und wieder Photos gemacht. Wie sarastro sagt, viele sehen sich recht ähnlich. Ich krame mal nach Weihnachten im Archiv ...
Ephedra fedtschenkoi, Bodendecker, habe ich von Sarastro und breitet sich aus ... :D
Ephedra nevadensis habe ich ausgesät. Mal schaun wie sich die Pflänzlein in den Töpfchen entwickeln ...
Insgesamt zwar eine Bereicherung im Beet, aber für den Kleingärtner dann doch eher wenig aufregend. Ein Ginster blüht ja wenigstens noch schön ... ;D
VG
Andreas
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Ich finde es gerade interessant, daß sie eben nicht wie Ginster blühen, was man ja auf den ersten Blick erwarten würde :D
Ich hab in unseren Breiten noch nicht bewußt auf blühende Exemplare geachtet, aber ich muß sagen, daß eine voll erblühte Ephedra in Südeuropa den Ginstern in nichts nachsteht. Bemerkenswert finde ich auch den häufig zu beobachtenden Farbwechsel von Gelb hin zu verschiedenen Rottönen.
Dazu müßte man schon zwei verschiedenfarbige Ginsterauslesen pflanzen, man spart also effektiv sogar Platz und hat eine längere Blütezeit ;)
Die Exemplare im BoGa Berlin sind mir neulich auch aufgefallen, obwohl die in der Vegetationszeit sicher noch ansprechender sind, aber auch als Strukturgeber im Winter nicht zu verachten.
Sowohl echte Ginster als auch Cytisus sehen bei mir nach strengen Wintern manchmal etwas mitgenommen aus, vielleicht sind Meerträubel sogar noch robuster.
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hab grad bei den stauden den wunsch nach mehr meerträubel gelesen...
da wollt ich diese prunkstücke präsentieren - (natürlich gleich da wo sie hingehören):
im sommer im orto botanico von padua porträtiert - echte prachtexemplare
zuerst die graulaubige Ephedra procera Fisch. & Mey.
die vom balkan bs zum himalaya vorkommt
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und von der anderen seite..
im hintergrund teile der kreisrunden steinmauer des ältesten botanischen gartens der welt!
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Bis die so groß sind, vergehen Jahre!
Ich stehe echt in einem Dilemma, da die Nachfrage sehr gestiegen ist, weniger als Gestaltungselement oder weil sie wie der Ginkgo zum pflanzlichen "Urgestein" gehören, oder als Kiesgartenpflanze begehrt sind, sondern schlicht wegen des "Zaubertrankes" und deswegen, weil sie fast nirgends angeboten werden. Ich habe nun massenhaft Stecklinge gemacht, in der Hoffnung, dass sie über Winter bewurzeln. Risslinge waren bisher ausreichend. Bisher waren Ephedra reinste Ladenhüter, bis vor rund 2 Jahren die Nachfrage drastisch anstieg.
In Berlin-Dahlem stehen wirklich wunderschöne Prachtexemplare einiger Arten wie E. equisetina (Wie lange noch... ::)) Die von Beindl gezeigte E. procera ist auch bei uns gut hart. Normalerweise wachsen Meerträubel in unwirtlichen Gegenden, so sah ich sie in Nepal nahe der tibetischen Grenze in puren Schotterfeldern und in Felswänden auf etwa 3.000 m.
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Hallo allerseits,
hallo Sarastro,
welche Ephedra wächst denn aufrecht und etwas höher und hält Winter in 7b/a zuverlässig aus?
Ich überlege ja schon eine Weile, Ephedra als weiteres "lebendes Fossil" zu meiner Koniferensammlung zu gesellen, hab aber noch keinen Pflanzplatz dafür - wahrscheinlich wäre es am sinnvollsten, eine Lastwagenladung Schotter abzukippen und da rein zu pflanzen??
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Also hier stehen einige Ephedra in moderatem, mit Sand abgemagertem Boden und fühlen sich prächtigst. Allerdings stehen sie erst etwa 5 Jahre und sind derweil noch nicht höher als 50 cm. Es sind dies E. sikkimensis, E. glauca, E. sinica und E. gerardiana. E. monosperma und E. helvetica habe ich leider nicht ausgepflanzt, da reiße ich die Töpfe immer wieder auseinander. Es gibt einen Locus classicus von E. helvetica, ein ganzer Burgberg davon! Dieser befindet sich in....Lieber nicht verraten, sonst ist der ganze Berg im Nu leergefegt. ::) >:( :-X
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nochmals aus dem orto botanico...
links Ephedra distachya-Gemeines Meertraeubel und
der kleine daneben Ephedra fragilis
sie sind wirklich kletterpflanzen wenn sie alt werden ::)
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und von der anderen seite..
im hintergrund teile der kreisrunden steinmauer des ältesten botanischen gartens der welt!
Ja, das ist ein ganz besonderes Botanischer Garten. :D
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christian - so ne ephedra procera haste :P auch?
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Hm...da hab ich mir ja wieder mal ne Pflanze rausgesucht...
scheint auch ziemliche Namensverwirrung mal wieder zu herrschen, bei hortipedia habe ich folgende Angabe gefunden:
Ephedra major (= Ephedra major, Ephedra equisetiformis, Ephedra nebrodensis, Ephedra scoparia),
Ephedra major ssp. procera (= Ephedra procera)
Soll immerhin irgendwann bis 2m hoch werden - die reine major wahrscheinlich - da würde es dann auch in meiner Wiese nicht untergehen, wenn ich es bis dahin immer gut freihalte - aber erst mal den Schotter-Erde-Berg dafür aufschütten....bzw. überhaupt erst einmal die Pflanze käuflich zu erwerben finden ???
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Ich habe die Ephedra procera als E. gigantea bekommen. Diese sieht wiederum E. gerardiana zum Verwechseln ähnlich. E. gigantea war wohl ein N.N.
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Ephedra distachya ssp. helvetica: Nur aus Zwergenperspektive beeindruckend ;)
Ist aber eine tolle Pflanze fürs Steppenbeet, Kiesgarten etc.
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Sie steht bei mir in einem "Thymianwald" mit Monstersedum "Angelina" ;D
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Ephedra major aus ungarischer Quelle, Anfang Mai erhalten, größter Zuwachs von der Pflanze rechts außen 35cm, die links immerhin 23cm :D
Hoffentlich hält sie dieses Tempo bei! ;D
(http://up.picr.de/15588811jm.jpg)
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willst du sie nicht auspflanzen? Dann geht das sicher schneller mit dem Wachstum.
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Doch, irgendwann schon.....Zum Mesophytikum-Hain :D
Da steh ich ja immer vor einem Dilemma:
Ausgepflanzt wächst es schneller, ist aber den Unbillen meiner Wiesenwildnis ausgeliefert und von meiner Mutter nicht mehr so leicht zu "pflegen" wenn ich 2 wochen oder länger nicht da bin....
Die Töpfe auf der Terrasse vergisst sie nicht so schnell und da kippt auch kein wucherndes Gras drauf ;D
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Ich hab ja nur die helvetische Mini-Ephedra, die wird bei mir sogar vom Thymian überwuchert ;D
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Deswegen hab ich ja auch bei dieser E. major zugegriffen - soll immerhin bis 2m hoch werden, und wenn sie nach wurzelnacktem Versand Anfang Mai, provisorischem Eintopfen und dann nach 3 Wochen dem definitiven Eintopfen schon 35cm zuwachs schafft, bin ich guter Hoffnung, dass die wirklich etwas höher werden könnte :D
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Die Ephedra "major" haben letztes Jahr ein wenig geschwächelt, sind dieses Jahr aber nach einer Düngegabe wieder durchgestartet :D