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Garten- und Umwelt => Naturfotografie => Thema gestartet von: frida am 29. Juli 2011, 20:52:39

Titel: Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: frida am 29. Juli 2011, 20:52:39
Evi brachte mich kürzlich mit der Frage, was denn meine Bildaussage sei, auf die Idee, diesen Thread zu eröffnen. "Bildaussage", das finde ich schon einen sehr gewichtigen Begriff. Aber dahinter steckt ja die Frage, warum wir etwas fotografieren. Und warum wir Dinge so fotografieren, wie wir sie fotografieren. Einfach ist es, wenn jemand ein somalisches Kind mit riesigen traurigen Augen und leerer Schüssel fotografiert - die Aussage ist dann ziemliche naheliegend: Hier ist Hunger, hier ist Not, habt Mitleid, helft den Menschen!

Was aber ist unsere Aussage, wenn wir Blümchen und Landschaften fotografieren? Oder besser gesagt, was wollen wir mit dem Bild dann zeigen oder erzählen? Überlegt Ihr Euch das vor der Aufnahme und denkt darüber nach, wie Ihr dem Ziel näher kommt? Muss ein Foto eine "Aussage" haben um gut zu sein? Ist das überhaupt ein Thema für Euch? Wo holt Ihr Euch Anregungen dazu?

Mir fällt doch immer wieder auf, dass in Fotoforen und Communities der Austausch über "Aussagen" deutlich hinter dem über technische Fragen zurückfällt.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: netrag am 29. Juli 2011, 21:09:52
Warum soll alles so kompliziert sein?
Kann die Bildaussage nicht einfach in der Schönheit der Dinge liegen?
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: tomatengarten am 29. Juli 2011, 21:21:48
2/3 meiner bilder haben eher dokumentarischen wert.

wenn dann noch "die schoenheit der dinge" dazukommt, ist der ideal-fall erreicht.

ich bin aber auch mit weniger zufrieden.

vielleicht findet man deshalb auch ganz selten fotos von mir in diesem unterforum.

ich habe es bewusst mal so polarierend formuliert - vielleicht als grundlage fuer eine diskussion (schoenes thema, frida :D)
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Paulownia am 29. Juli 2011, 22:16:30
Ein sehr schönes Thema.

Wenn ich Dinge sehe, die ich fotografieren möchte, habe ich schon ein Vorstellung davon was es aussagen soll. Gans selten gelingt es mir momentan noch, aber gerade das ist für mich reizvoll.
Ich betrachte meinen zukünftigen Bildausschnitt und bin in dem Moment voller Emotionen an die ich gerne auch andere teilhaben möchte.
An dem herrlichen Anblick einer Blumenwiese, an eine wunderschöne Landschaft, an einer trüben Stimmung.
Ich möchte schon, das der Betrachter ohne erklärende Worte das selbe oder ähnliches beim Betrachten empfindet.
Doch ich denke dieser Wunsch hat jeder Fotograf. Und ich glaube das ist das allerschwierigste dabei.
So finde ich Aussagen vom Fotografen, was er sich bei dem Bild gedacht hat oder warum er das Motiv so gewählt hat sehr hilfreich.
Man denkt sich anders in das Foto ein. Aus der Sicht des Fotografen und sieht dann manchmal seine Beweggründe und empfindet genauso.

Es ist ein kleinwenig wie in der Malerei. Man kann es rigoros ablehnen, oder man versucht sich in das Bild und den Künstler reinzudenken und entscheidet dann.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Paulownia am 29. Juli 2011, 22:20:24
Kann die Bildaussage nicht einfach in der Schönheit der Dinge liegen?

Natürlich kann sie, aber das muss der Betrachter auch erstmal so sehen.
Was für Dich die Schönheit der Dinge ist, muss es noch lange nicht für andere sein ;)
Von daher, muss das Foto eine Aussage haben.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Casa am 29. Juli 2011, 22:32:14
Von daher, muss das Foto eine Aussage haben.

Für mich nicht. Und meine Bilder müssen auch keine Aussage haben. Die schieße ich sowieso nur für mich – ohne jeden künstlerischen Anspruch. Sondern nur zur Dokumentation. Wenn dann mal eins dabei ist, das ich persönlich gelungen finde, zeige ich es anderen Menschen. Ob die das dann schön finden oder eine Aussage darin sehen, ist mir ziemlich gleichgültig.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Callis am 29. Juli 2011, 22:57:36
Wenn ein Foto (oder Bild) zur öffenlichen Betrachtung freigegeben wird und mehrere Betrachter unabhängig voneinander an'spricht'; 'sagt' es wohl jedem dieser Betrachter etwas. Das wird aber häufig nicht das Gleiche bei jedem sein, sondern auch von der Disposition des Betrachters abhängen. Insofern hat dann ein Foto nicht eine Aussage, sondern lässt mehrere Deutungen zu, was es zu einem besseren Foto macht in meinen Augen (Eindeutigkeit ist immer langweilig.). Die Frage ist, ob die 'bild'nerischen 'Aussagen' eines Fotos unbedingt in 'Worte' übersetzt werden müssen. Sicher kann man gut über die technische/formale Gestaltung eines Fotos/Bildes reden. Aber mit dem Inhalt bzw. der 'Aussage' ist das doch eine oft sehr subjektive Sache, sowohl des Fotografen als auch des Betrachters.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Paulownia am 30. Juli 2011, 07:19:13
Zu den Dokumentarfotos:
Tomatengarten möchte die Tomate Green Zebra auf einem Foto festhalten. Er weiss, wie sie aussieht, wie sie schmeckt.
Nun kann er einmal ohne zu überlegen ein Foto schießen. Er blendet das Umfeld beim betrachten aus. Die Kamera kann das nicht. Nun betrachte ich mir das Foto der mir unbekannten Green Zebra. Eine Tomate mit grünen Streifen halt. Ein Foto mit wenig Aussage über die Tomate für mich.
Beim nächsten Foto achtet er darauf, wie das Licht fällt, wie der Hintergrund ist und wie der Gesamtaufbau des Bildes.
Und siehe da. Super, eine tolle Tomate mit so schönen grünen Streifen, die möchte ich gerne mal probieren. Das Bild hat eine Aussage und diese hat den Betrachter erreicht.

Sicher Casa,
wenn man für sich fotografiert und keinen anderen damit erreichen möchte ist dies unwichtig. Du hast die erlebte Situation immer vor Deinem inneren Auge und das fliest automatisch mit ins Foto ein,wenn Du es betrachtest.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Faulpelz am 30. Juli 2011, 10:32:52
Frida, danke :-*, ein sehr interessanter Thread. Du siehst, er wird gut angenommen und es beteiligen sich auch Leute, von denen wir hier eher nichts zu sehen bekommen. Das freut mich sehr.

Bei mir verhält es sich eher umgekehrt wie bei Tomatengarten: 2/3 meiner Bilder haben keinen dokumentarischen Wert, sondern zielen darauf hin, beim Betrachter ein "Gefühl" hervorzurufen. Ich gehe hier weitgehend mit den Aussagen von Paulownia konform. Mal ein Beispiel: Ich stehe vor einer herrlichen Blumenwiese im ersten Morgenlicht, es duftet, es ist angenehm warm, die letzten Nebelschwaden geben der Stimmung etwas Mystisches. Mir geht das Herz auf beim Betrachten und genau diese Situation will ich einfangen. Das Licht ist für mich wichtigestes Stilmittel. Wenn es mir gelingt, beim Betrachter dieselben Emotionen hervorzurufen, ist mir dies gelungen. In langen kalten Winternächten oder an verregneten Tagen, wenn draußen alles grau in grau ist, hole ich mir dieses Foto hervor und es wärmt mich. Ich gebe zu, fotografisch bin ich ein Romantiker und das spiegelt sich auch in meinen Fotos wider. Ich möchte jetzt aber auf keinen Fall die dokumentarischen Fotos abwerten. Sie haben ebenfalls ihre Berechtigung, setzen ebenso fotografisches Können voraus, haben aber eine andere Zielgruppe.

Lieben Gruß
Evi
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: wollemia am 30. Juli 2011, 10:41:49
Ich mache auch Fotos zu "dokumentarischen" und Erinnerungszwecken. Zu letzteren gehören z. B. auch Urlaubsfotos, auf denen die Mitreisenden an erinnerungswürdigem Ort abgelichtet sind. Da versuche ich Minimalstandards einzuhalten und gut ist.

Wenn ein Foto (oder Bild) zur öffenlichen Betrachtung freigegeben wird und mehrere Betrachter unabhängig voneinander an'spricht'; 'sagt' es wohl jedem dieser Betrachter etwas. Das wird aber häufig nicht das Gleiche bei jedem sein, sondern auch von der Disposition des Betrachters abhängen. Insofern hat dann ein Foto nicht eine Aussage, sondern lässt mehrere Deutungen zu, was es zu einem besseren Foto macht in meinen Augen (Eindeutigkeit ist immer langweilig.). Die Frage ist, ob die 'bild'nerischen 'Aussagen' eines Fotos unbedingt in 'Worte' übersetzt werden müssen. Sicher kann man gut über die technische/formale Gestaltung eines Fotos/Bildes reden. Aber mit dem Inhalt bzw. der 'Aussage' ist das doch eine oft sehr subjektive Sache, sowohl des Fotografen als auch des Betrachters.

Ich schließe mich Callis an. In dem Zusammenhang möchte ich an die Diskussion erinnern, die wir im "Hart aber herzlich-Thread" vor einiger Zeit bei diesem Foto (ab #377) von mir hatten. Dort kommen genau die Aspekte heraus, die Callis hier anspricht.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: birgit.s am 30. Juli 2011, 11:27:39
Für mich gibt es sehr viele unterschiedliche Gründe Bilder zu machen. Mitunter um die Stimmung vor Ort einzufangen oder weil ich etwas sehr schön finde. Weil ich ein Bild als Hintergrund für ein Fotobuch brauche. Weil ich an einem Thema arbeite und ausprobieren will, wie ich damit umgehe usw. usw. Aber egal aus welchem Blickwinkel man es betrachtet, für mich sind Bilder ein dokumentarisches Medium.

Gruß Birgit
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Zausel am 30. Juli 2011, 11:53:59
... die letzten Nebelschwaden geben der Stimmung etwas Mystisches. Mir geht das Herz auf beim Betrachten und genau diese Situation will ich einfangen. Das Licht ist für mich wichtigestes Stilmittel. Wenn es mir gelingt, beim Betrachter dieselben Emotionen hervorzurufen, ist mir dies gelungen.
Einem Betrachter, dessen Glas halbleer ist, geht nicht das Herz auf. Der erkennt im Herbst den Vorboten des schrecklichen Winters.
Wenn es Dir nicht gelingt, beim Betrachter dieselben Emotionen hervorzurufen, muß es nicht unbedingt an Dir liegen, obwohl das Bild gelungen ist.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: sternenzwerg am 30. Juli 2011, 11:55:30
Aus meiner Sicht gesehen (und die ist nun wirklich bei jedem Menschen ganz natürlich wieder etwas anders) bringt es Evi auf den Punkt, den auch ich nur unterstreichen kann.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Paulownia am 30. Juli 2011, 12:17:05
Ich finde das jetzt total spannend wie Ihr das seht.

birgit.s,
aber was nützt Dir das dokumentarische Foto, wenn es für den Betrachter keine Aussage hat. Das hatte ich versucht am Beispiel mit der Tomate zu erklären.

Zausel,
Wenn wir jetzt bei dem Beispielbild von wollémia's Nebelfoto bleiben. Sicher ist es falsch ausgedrückt, daß ein Foto nur eine Aussage haben kann. Für den Optimisten hat es eine andere Aussage als bei einem Pessimisten.
Aber das Ziel Emotionen zu wecken, bzw. durch sein Foto hervorzurufen ist doch erreicht.

Ich meine jedes Foto welches beim Betrachter ankommen soll und sei es nur zur Dokumentation, hat eine Aussage.

Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Faulpelz am 30. Juli 2011, 12:56:06
Der erkennt im Herbst den Vorboten des schrecklichen Winters.
Ich kann´s gar nicht erwarten, bis der fotografisch langweilige Sommer endlich einem interessanten und hoffentlich bunten Herbst weicht und schließlich und endlich einem knackigen Winter mit abwechslungsreichen Eis- und Schneemotiven weicht. Schon bereits hier hat jeder eine andere Sichtweise. Dieser Thread scheint abwechslungsreich zu werden 8) 8) 8) ;)

Noch zur dokumentarischen Fotografie: Ich fotografiere auch Familienangehörige um eine nette Erinnerung zu haben. Vielleicht sind mir diese Fotos irgendwann mehr wert als meine Landschaftsaufnahmen. Wer weiß. Aber momentan hängt an der Landschaftsfotografie mein Herz. Schiele aber immer mehr zu den Stadtfotografen, da gibt es ein paar Fotos, die mich total begeistern. Leider bin ich nicht der Stadtmensch, sondern eine echte Landpomeranze. Somit bedeutet das Fotografieren im Grünen für mich mehr Entspannung als in meiner Freizeit in Großstädten rumzuwusseln.

LG Evi
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Callis am 30. Juli 2011, 14:23:02
Sicher ist es falsch ausgedrückt, daß ein Foto nur eine Aussage haben kann. Für den Optimisten hat es eine andere Aussage als bei einem Pessimisten.
Aber das Ziel Emotionen zu wecken, bzw. durch sein Foto hervorzurufen ist doch erreicht.

Das Ziel Emotionen zu wecken, mag eine Funktion oder ein vom Fotografen intendierter Zweck des Fotos sein, ist aber keine Aussage.

Zitat
Ich meine jedes Foto welches beim Betrachter ankommen soll und sei es nur zur Dokumentation, hat eine Aussage.

Was ist denn genau eine Aussage? Etwas Emotionales, etwas Rationales? Etwas Verbindliches oder Unverbindliches?

Wenn ich eine Taglilienblüte dokumentarisch von oben fotogafiere, hat das Foto von meiner Seite aus keine andere Aussage als z.B.

"So sieht die Blüte einer Starman's Quest aus."

Der Betrachter weiß durch die Unterschrift: "Aha, das ist eine Starman's Quest .

Dass das Foto emotionale Reaktionen auslösen kann (oh, ist die schön; iih, die mag ich aber gar nicht, interessiert mich nicht), ist dabei völlig nachgeordnet und hängt einzig und allein von der Befindlichkeit des Betrachters ab. Diese Reaktionen sind aber keine Aussagen des Fotos.


Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Gartenlady am 30. Juli 2011, 14:30:45
@Callis, Du hast das sehr gut beschrieben ;D ich gestehe, dass ich mit der Fragestellung dieses threads überhaupt nichts anfangen kann, jedenfalls nicht mit dem ersten Teil, warum ich etwas fotografiere ist natürlich leichter zu beantworten.

Mir wurde - wenn ich mich recht erinnere - zu einem Bild von mir auch mal die Frage nach der Aussage gestellt, ich fand die Frage völlig absurd.

P.S. Es gibt natürlich Fotos, die eine starke Aussage haben, ich denke da z.B. an die vor Napalmbomben fliehenden Kinder im Vietnamkrieg. Das ist aber eine andere Ebene der Fotografie, als wir sie hier betreiben.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: riesenweib am 30. Juli 2011, 15:07:34
Für mich gibt es sehr viele unterschiedliche Gründe Bilder zu machen. ... Aber egal aus welchem Blickwinkel man es betrachtet, für mich sind Bilder ein dokumentarisches Medium.

von dieser seite gehe auch ich ans fotografieren heran. Ich dokumentiere meist
ist-zustände, und durch wiederholte momentaufnahmen, abläufe (z.b. durch jahreszeiten).
Dinge und situationen, die mich ansprechen, sei es ästhetisch oder durch komik, was auch immer.
Und ich brauche die bilder als illustration von worten.

Eine aussage (also eine botschaft an den betrachtenden menschen) gewinnen die bilder also erst im kontext, in dem ich sie zeige.

lg, brigitte
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Gartenlady am 30. Juli 2011, 16:30:32

Und ich brauche die bilder als illustration von worten.

Eine aussage (also eine botschaft an den betrachtenden menschen) gewinnen die bilder also erst im kontext, in dem ich sie zeige.



Eine Aussage müsste für sich allein genügen, Deine Bilder dienen aber der Verdeutlichung Deiner Wortaussagen, wenn ich es recht verstehe. Ebenso wie Callis´ Hemerocallisblüten dem Namen der Pflanze ein "Gesicht" geben.

Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: riesenweib am 30. Juli 2011, 17:07:17
das geht wohl sehr ins 'philosophische', ob eine aussage für sich alleine genügt (dies ist eine rose, dies ist keine pfeife etcetc).

ich behalte das anschaungsobjekt Bild einer pflanze/sorte bei. Bildaussage:

ich kann beschreiben, ohne bild, um sie zu vergegenwärtigen. Extremfall: bestimmungsbuch.
ich kann sie malen, ohne worte: vermittlung von gefühlen, auch informationen.
ich kann sie im detail malen, mit einigen worten: botanische malerei, die worte sind kodiert, die, die den code kennen übersetzen ihn in infos/bilder.
usw usf
Sobald Du ein bild kodierst, braucht der betrachter den code als hintergrundinfo, sonst entgeht ihr/ihm ein teil deiner aussage. Anders bei bildern, die auf rein emotionaler ebene aussagen sollen.


Aber um zurückzukommen: ja, ich ergänze bei meinem veröffentlichten fotos oft mit worten, bzw. illustriere die worte mit einem bild für texte.

bei diesem blogpost von Saxon Holt geht es (auch) um bildaussagen: Photo overwhelm.

lg, brigitte
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Allanna am 30. Juli 2011, 17:11:34
Dieser Thread hat mich zuerst verwirrt, und dann zum Nachdenken gebracht. In den meisten Fällen mache ich mir Gedanken darüber wie ich das was ich sehe aufs Foto bekomme. Über eine Bildaussage habe ich mir beim fotografieren noch nie Gedanken gemacht.
Manchmal sehe ich eine Bildaussage, wenn ich nachträglich die Bilder betrachte. Aber meistens sehe ich nur das mehr oder weniger gelungene Produkt meiner Bemühungen einen Anblick festzuhalten.

Bildaussage brachte ich immer mit Kunst und Museumsbesuchen in Verbindung, aber nicht mit meinen Bildern. Aber vielleicht ist meine bisherige Ansicht dabei zu kurzsichtig? Darüber werde ich jetzt beim fotografieren wohl häufiger denken.

lg
Allanna
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Gartenlady am 30. Juli 2011, 17:20:55
@Allana, ich glaube nicht, dass Deine Ansicht zu kurzsichtig ist, wir fotografieren halt nicht fürs Museum.

Zitat
Sobald Du ein bild kodierst, braucht der betrachter den code als hintergrundinfo, sonst entgeht ihr/ihm ein teil deiner aussage.


Ja, stimmt, "man sieht nur was man weiß" hat schon Goethe gewusst ;D d.h. aber auch, das Bild hat keine Aussage, sondern zeigt nur etwas.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Paulownia am 30. Juli 2011, 17:53:31
Wenn ich eine Taglilienblüte dokumentarisch von oben fotogafiere, hat das Foto von meiner Seite aus keine andere Aussage als z.B.

"So sieht die Blüte einer Starman's Quest aus."

Der Betrachter weiß durch die Unterschrift: "Aha, das ist eine Starman's Quest .

Callis,
das ist richtig, aber solche Bilder haben zwar auch eine Aussage aber interessieren mich in der Tat nicht. Ich konnte noch nie nachvollziehen, was am xy Strich im x Grad Winkel so dokumentarisch wertvoll ist.
Mir ist da das gesamte Erscheinungsbild/Eigenschaften der Pflanze, oder was auch immer ich züchte wichtiger. Aber ich bin ja auch kein Züchter.
Doch wäre ich einer, wäre es mir schon wichtig nicht nur den wichtigen Strich, sondern mein Schätzchen optimal zu dokumentieren. Schließlich bin ich ja stolz darauf und von bekannten Sorten gibt es schon zig Fotos, da würde ich meine Blüte außergewöhnlicher darstellen. Ja, halt mit einer möglichst aus dem Einheitsbrei hervorgehobenen Aussage.
 
Schau mal Frida’s Gemüsefotos. Sie könnte das Radieschen auch einfach nur so ablichten. Ist eben ein Radieschen. Doch möchte ich das Interesse wecken, dann sollte das Radieschen schon ansprechend fotografiert sein.

Worauf ich hinaus will, dass erstmal alle Bilder eine Aussage haben. Und wenn es denn nur der xy Strich im x Grad Winkel ist.

Inwieweit ich dann Emotionen mit meinem Bild wecken will, ist eine andere Sache.
Dies kann ich bewußt durch überlegtes Fotografieren machen, oder es geschieht zufällig.

Spannend, spannend..
Gartenlady, gerade bei Dir und Deinen Fotos hätte ich wetten können, daß Du Dir sehr viel bei Deinen meisten Fotos denkst, bzw. auslösen möchtest.

 

Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Gartenlady am 30. Juli 2011, 18:04:10
Wenn ich etwas - z.B. Emotionen - auslösen möchte, dann ist das für mich immer noch keine Aussage des Bildes, sondern es ist meine Absicht ein Motiv so zu fotografieren wie ich es fotografiere, damit es den Betrachter (vor allem mich) anspricht.

Aber was sagt so ein Bild aus? Für mich nichts, es zeigt nur das Motiv in einer mir zusagenden Art und Weise.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Paulownia am 30. Juli 2011, 18:29:19
Gartenlady, ich glaube wir definieren den Begriff Aussage hier komplett verschieden. :-\

Natürlich sollte es einen selbst in erster Linie ansprechen.
Es ist schon erstaunlich, dass Deine Bilder Dir selbst nur das Motiv in einer Dir ansprechenden Weise zeigen.

Einige Deiner Bilder sagen eine Menge aus, wie zum Beispiel:
es ist ein wunderschöner Sommermorgen, die ersten Lichtstrahlen brechen sich in den feinen Blütenblättern. Ich fühle mich beim betrachten Deines Bildes wohl und bilde mir ein die Stimmung dieses morgens durch Dein Bild erfassen zu können. Ganz sicher denke ich nicht daran ob Du auf dem Bau durchs morgenfeuchte Gras gerobbt bist, wie viel vergebliche Versuche Du schon hattest usw.
Stelle hier mal ein Foto von Dir rein und ich sage Dir was es für mich aussagt. ;)
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: frida am 30. Juli 2011, 18:48:34
"Bildaussage" ist in der Tat ein sperriger Begriff - "Bildaussage brachte ich immer mit Kunst und Museumsbesuchen in Verbindung, aber nicht mit meinen Bildern."


Aber wenn man den Begriff mal auflöst, dann geht es darum, was sagt mir ein Bild. Oder aus der Perspektive des Fotografen: Was will ich mit dem Bild zeigen oder erzählen? Und so wird für mich auf jeden Fall ein Schuh draus.

Wenn ich eine Pflanze für ein Bestimmungsbuch fotografieren möchte, sollte ich idealerweise ablenkenden Bildinhalte ausschließen (vielleicht sogar vor weißem Hintergrund freigestellt fotografieren) und charakteristische Merkmal der Pflanze betonen. Das gelingt in Zeichnungen manchmal sogar noch besser.

Wenn ich aber anderen davon erzählen möchte, dass ich diese oder jene Pflanze/Blüte sehr schön finde und es mir Freude macht, sie anzusehen, dann gehe ich ganz anders ans Bild heran. Ich warte auf besonderes Licht. Wenn ich die Form besonders interessant und schön finde, mache ich vielleicht sogar eine Schwarzweißaufnahme, um die Konzentration darauf zu lenken. Wenn ich die Farben faszinierend finde, kombiniere ich vielleicht mit Komplementärfarben, um das noch zu betonen. Oder aber ich bringe andere ähnliche Töne mit ins Bild, um die Blüte in einer harmonischen Umgebung zu zeigen.

"Dokumentarische" Fotos, wo Reisende sich vor eine Sehenswürdigkeit stellen und dann auf den Auflöser drücken, habe die Absicht zu erzählen: Wir waren hier!!! Um dem Betrachter glaubhaft zu machen, dass es dort auch interessant, schön, aufregend, romantisch oder sonstwas war, muss man sich aber schon mehr überlegen.

Nun könnte man sagen, ich versuche eine Landschaft so schön wie möglich abzubilden, weil ich sie schön finde und das auch zeigen/erzählen möchte. Aber was ist schön? Warum finde ich etwas schön? Bringt das Foto das rüber oder mag ich es nur, weil ich mir die Atmosphäre eines schönen Abends, den Wind an der Ostsee oder die heiße Sonne auf der Haut dazudenke - was die Betrachter eben nicht können?

In diesem Sinne meint "Bildaussage" - was erzählt das Bild?

Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Gartenlady am 30. Juli 2011, 18:54:05
@Paulownia, Du hast sicher recht, solche Stimmungen versuche ich mit auf das Foto zu bekommen, sie machen das Motiv lebendig. Du hältst diese Stimmungen für eine Aussage des Bildes? Mhm, der Gedanke wäre mir nie gekommen.

Was sagt mein Colour-Key-Foto der Wanze von gestern aus? Mein Kommentar dazu liefert die Erklärung: Meine Bemerkung zu dem Bild ist völliger Quasch, bezieht sich aber auch auf die vorangegangene Diskussion über tote Insekten oder sonstwie nicht natürliche Bilder von Insekten. Die Aussage ist, dass es ein nicht ernst gemeinter Kommentar zu dem Ganzen ist. Aber ist diese Aussage ohne meine Bemerkung und ohne den Kontext der vorangegangenen Diskussion selbsterklärend?

Eigentlich wollte ich nur die so wunderbar grafisch aussehenden Mohnkapseln fotografieren, erst der Blick durch mein Makroobjektiv zeigte mir die Wanze.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Paulownia am 30. Juli 2011, 19:49:29
In diesem Sinne meint "Bildaussage" - was erzählt das Bild
Ja, so verstehe ich es auch.

Gartenlady,
Dein Colour-Key-Foto.
Ich habe es mir betrachtet, ohne zu lesen was Du dazu geschrieben hast. Meine Reaktion: Diese schwarz-weiß und dann die Wanze wie sie einen ins Auge springt. Tolle Idee und schöne Kombination, die eine gewöhnliche Wanze zu einem Star des Tages macht. Wanzen können sehr schön sein.
Danach habe ich Deinen Text gelesen und ich musste lachen, weil Dein Witz dem Bild eine andere Aussage gab wie ich sie gesehen habe.

Das war, was ich in meinem 1.Post schrieb: ‚ So finde ich Aussagen vom Fotografen, was er sich bei dem Bild gedacht hat oder warum er das Motiv so gewählt hat sehr hilfreich.
Man denkt sich anders in das Foto ein. Aus der Sicht des Fotografen und sieht dann manchmal seine Beweggründe und empfindet genauso.’
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: _felicia am 30. Juli 2011, 20:45:41
.. oder mal anders herum - was sagt ein Bild aus - und ist es das, was ich gesehen habe und aufs Bild bringen wollte?

Ich möchte das was ich sehe, anderen zeigen. Meine Liebe zu Pflanzen und Tieren weitergeben. Mit den Makro-Aufnahmen vom Cloungesicht einer Schwebfliege kann man eine Schwebfliege lieb gewinnen. Wenn es mir gelingt, das herüberzubringen, dann stimmt die Bildaussage mit meiner Intention überein. Das ist dann Gefühl und Dokumentation gleichzeitig.

Viele Grüße _felicia
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Thomas am 30. Juli 2011, 23:07:11
Was will der Künstler uns damit sagen, heißt eine berühmte Frage in dem Zusammenhang.

Und die sicher ebenso berühmte Antwort:
"Hätte es es sagen wollen, hätte er es gesagt So hat er aber ein Bild gemalt."

Dokumentarische Fotografie ist eben 'nur' das, nicht mehr dahinter. Da gibt's dann technische Fragen, unter Gestaltungsaspekten eher nachgeordnet. Auch die meisten 'mal herzeigen'-Fotos sind eben 'nur das'. Das ist mal per se nichts schlechtes, hilft aber im Bezug auf die Frage des Threads nicht weiter.

Darum ist für mich Fotografie etwas mehr als nur dokumentarisch.

U.a. eine Frage ist interessant: Ob 'ambitionierte' Fotos wirken / funktionieren, ist oft zweífelhaft und bisweilen sicher diskussionswürdig. Um so mehr, wenn aktuelle Fotos ins Spiel kommen.

Mich interessiert dabei, wie 'Manipulationen' des Fotografen, Lichtführung, Perspektive, Ausschnitt ... und dann Nachbearbeitung eine Aussage unterstützen (oder übertreiben) können.

LIebe Grüße
Thomas
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Faulpelz am 31. Juli 2011, 21:15:24

Darum ist für mich Fotografie etwas mehr als nur dokumentarisch.


Das sehe ich ähnlich bzw. ich unterscheide zwischen dokumentarischer Fotografie und künstlerischer (mir fällt gerade kein besseres Wort ein) Fotografie. Möchte es mal so ausdrücken: Die dokumentarische Fotografie hat in meinen Augen etwas mit Beruf, die ambitionierte/künstlerische Fotografie etwas mit Berufung zu tun. Dokumentarische Fotos zielen darauf ab, etwas sachlich richtig abzulichten, sei es für die eigene Homepage, für Werbezwecke, eben mehr oder weniger für berufliche Zwecke oder einfach als kleine Erinnung. Ambitionierte Fotografie versucht, etwas hervorzuheben, sei es Schönheit oder Hässlichkeit, Angst oder Freude usw. Sie ist gefühlsbetonter, emotionaler, meist nicht so sachlich und erfordert neben dem technischen Knowhow ein Gespür für Farben, Formen, Stimmungen usw. Wobei ich nach wie vor die Meinung vertrete, ein Maler braucht mehr Talent als ein Fotograf. Hoffentlich setzte ich mich mit der letzten Aussage nicht in die Nesseln.

LG Evi
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: riesenweib am 31. Juli 2011, 22:29:16
ich bin mir nicht sicher, ob fotos für eine homepage oder werbung sachlich-dkomentarisch sind. Gerade die wollen wollen ja eine -verstärkte- aussage transportieren, um beim rezipienten etwas zu bewirken.

Für mich z.b. dokumentiere ich auch stimmungen gestaltungen tönungen - und achte eigentlich immer auf den bildausschnitt. Und ich kenne mittlerweile viele menschen, die an ihre fotos 'nur' den anspruch des dokumentarischen stellen, die dies ganz offensichtlich trotzdem auch tun.

Von daher gesehen möchte ich einspruch erheben, dass ein dokumentarfoto kein gespür für farbe form und stimmung bräuchte, oder keine aussage hätte. Es ist nur keine künstlerisch motivierte.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Katrin am 31. Juli 2011, 23:08:47
Ich bin mir bei euren vielen Aussagen zu diesem Thema nie sicher, ob ihr Bildaussage (mein Bild soll beim Beitrachter xy bewirken) oder Bildmotivation (hach ist es hier schön/grauslich/furchterregend, das will ich festhalten!) meint. In meiner Beschreibung klingt es jetzt irgendwie ähnlich, aber in der Praxis unterscheide ich schon danach und fotografiere meist nach spontaner Motivation. Ich denke mir bei beim Fotografieren immer nur, was ich sehe und nie, was andere eventuell erkennen könnten. Erst wenn ich die Bilder danach sichte, überlege ich, welche ich herzeigen möchte und warum. Meist, weil ich sie selbst schön finde und wissen möchte, was andere davon halten.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Faulpelz am 01. August 2011, 12:29:02
Von daher gesehen möchte ich einspruch erheben, dass ein dokumentarfoto kein gespür für farbe form und stimmung bräuchte, oder keine aussage hätte. Es ist nur keine künstlerisch motivierte.
Ja Brigitte, ich stimme dir zu. Hab mich wohl ein bisschen unglücklich ausgedrückt. Auch ein gutes Doku-Foto braucht eine gute Bildgestaltung und der Doku-Fotograf ein Gespür für Farben und Formen. Ich meine jedoch, dass sich der künstlerisch ambionierte Fotograf darüber hinaus noch etwas mehr Gedanken macht. Ich habe jetzt zum Beispiel gerade einen Pflanzenführer aus einem namhaften, deutschen Verlag in der Hand. Hier wurden Pflanzen so abgelichtet, dass der Naturfreund das Blümchen in der freien Natur gut bestimmen kann. Mehr aber auch nicht. Der Fotograf hat sich zum Beispiel keinerlei Gedanken über ein gelungenes Bokeh gemacht. Hier waren die Farben, die Schärfe und vielleicht noch der natürliche Lebensraum ein wichtiges Kriterium. Bei der künstlerischen Fotografie spielen noch wesentlich mehr Faktoren eine Rolle. Der künstlerische Fotograf hat ein Bild im Kopf wie eine innere Stimme und versucht, diese zu interpretieren.

LG Evi
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: riesenweib am 01. August 2011, 13:25:34
sehr interessant. Ein gelungenes bokeh ist, m.e., bei einem pflanzenbestimmungsbild für laien eher hinderlich, so wichtig es für ein pretty picture / soloportrait auch ist.

Die bildaussage ist in dem fall: "ich bin ein bild, an hand dessen ein botanischer laie die pflanze mit den gelben blüten erkennt, weil die blende so gewählt wurde, dass ausser der blüte selbst auch die blätter und der stängel hinreichend genau erkennbar sind. Des weiteren ist genug von der lebensgemeinschaft zu erkennen, dass die betrachterin die reale situation, in der sie die blume gerade sieht, wieder erkennen kann."

Idealerweise hat die/der fotograf(in) das soweit bedacht, dass sie/er an einem leicht bedeckten tag, oder sehr früh/spät fotografiert hat, und keine störenden sonnenreflexe die bildaussage reduzieren.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: riesenweib am 01. August 2011, 13:30:06
soweit ich das, nach 6 jahren doch recht intensiver beschäftigung mit garten- und pflanzenfotografie in netz und print verstanden habe, ist ein durch und durch gelungenes dokumentarfoto so selten wie ein wirklich bewegendes künstlerisches foto.

aber das hat mit der fragestellung, so wie ich sie verstanden habe, null zu tun.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Eva am 01. August 2011, 13:59:39
Ich wäre ja schon hochzufrieden, wenn man auf meinen Fotos das sehen würde, was ich beim Fotografieren im Auge (wohl eher: im Kopf) hatte. Denn ich sehe nicht sehr bildlich, sondern fokussiere auf das, was mich gerade interessiert. Oft ist das aber mangels Bildkomposition ein Detail unter vielen, die alle miteinander aufs Foto geklatscht sind und sticht nicht hervor.

Zitat
was ich beim Fotografieren im Auge (wohl eher: im Kopf) hatte
Also z.B.:
"wie filigran doch die Clematisblüte ist".
"schön, dass Hund und Katze so viel Spaß miteinander haben"
"tolle Brombeerernte habe ich heuer".

Auf dem Bild ist dann:
Jede Menge Grünzeug und eine Clematisblüte, die sich vom Hintergrund nicht abhebt
Eine verwackelte Katze, ein glücklicher Hund, drumrum Teppich und unordentliches, zerkautes Spielzeug.
Unspektakuläre Brombeeren, denen man kein bisschen ansieht, dass sie herrlich schmecken...
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Paulownia am 01. August 2011, 19:48:29
soweit ich das, nach 6 jahren doch recht intensiver beschäftigung mit garten- und pflanzenfotografie in netz und print verstanden habe, ist ein durch und durch gelungenes dokumentarfoto so selten wie ein wirklich bewegendes künstlerisches foto.

Das ist interessant. Ich meine das fällt dann schon in die Rubrik 'Produktfotografie'. Da muss man ja auch sehr viel beachten.

Vor längerer Zeit bin ich beim surfen auf eine interessante Seite gestossen. Dort stellten Leute ihre Fotos ein, erzählten welche Wirkung/Idee sie beabsichtigt hatte im Foto zu verwirklichen und bekamen hilfreiche Rückmeldungen. Das fand ich sehr spannend.

 
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: Thomas am 01. August 2011, 19:51:57
Eva, das sind wunderbare Beispiele!

Wenn man so etwas ins Bild setzen möchte, was du da genannt hast, dann fängt Fotografie an interessant zu werden (für mich jedenfalls).

Man braucht eine Bildidee.

D.h. man muss überlegen, wie fotografiere ich die Clematisblüte, dass ihre Filigranität ins Auge sticht - erstmal: wie fällt das Licht? Wäre eine andere Tageszeit vielleicht geeigneter? Dann: welche Brennweite, wie nah dran, ist der Hintergrund scharf oder unscharf ...

Aber es geht auch andersrum. Man geht 'im Fotografiermodus' ;) durch den Garten / eine Landschaft und sieht Motive: "Wie toll die Clematis da im Streiflicht: So schön filigran!" Da ergreift man dann die Gelegenheit beim Schopfe und fotografiert das, sollte aber zumindest ein Gefühl für Bildaufbau, Lichtführung etc. pp. haben, sonst gibt es neben seltenen Zufallstreffern viele Enttäuschungen.

So verstanden, wäre eine Bildaussage eben das: "Schaut her, wie filigran meine Clematis ist!" , oder: "Ich freue mich an meiner tollen filigranen Clematis!" - Das ist was anderes als das dokumentarische "Clematis 'pipapo' sieht so-und-so aus".

Liebe Grüße
Thomas
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: frida am 01. August 2011, 20:36:28

So verstanden, wäre eine Bildaussage eben das: "Schaut her, wie filigran meine Clematis ist!" , oder: "Ich freue mich an meiner tollen filigranen Clematis!" - Das ist was anderes als das dokumentarische "Clematis 'pipapo' sieht so-und-so aus".



Genau, dann "erzählt" das Bild einem etwas.
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: toto am 07. August 2011, 12:27:39
Ein Bild kann in seiner Aussage auch eine Entdeckung sein von etwas, was man zuvor nicht so sah... also eine Überraschung, ein Zugewinn an Informationen ect. , ect.
Die Reduzierung des Raumes auf Zweidimensionalität des Bildes ( inkl. Ausschnitt!) zeigt Dinge oft in einem ganz anderen Licht.... und ist ein wesentlicher Bestandteil der sogenannten "Bildaussage".
 
Titel: Re:Bildaussage oder Warum wir was fotografieren
Beitrag von: toto am 12. August 2011, 16:19:38
...also um sichtbar zu machen, was wir sonst nicht sehen würden... und um haltbar zu machen, was wir anders nicht mitteilen können...