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Pflanzenwelt => Arboretum => Thema gestartet von: BeateR am 02. August 2011, 00:37:50
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Hallo,
ich bin neu hier, weil ich einen traurigen Anlass habe: Unser Sohn hat mit einer Axt oder Ähnlichem unserer 14jährigen Paulownia tiefe Rindenschäden zugefügt. Ringsrum, es treten an einigen Stellen Wassertropfen aus und es hat sich unterhalb der Verletzungen ein neuer Trieb geschoben. Der Baum ist unser ganzer Stolz, ca. 10 Meter hoch und hat einen Stammdurchmesser von gut einem Meter. Außerdem fallen dieses Jahr das erste Mal auch den Sommer über Blätter, gelbe und grüne. Das hat er noch nie gemacht.
Muss ich fürchten, dass der Baum eingeht? Was kann ich tun?
Herzlichen Dank für Eure Mühe
BeateR
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...Was kann ich tun?
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Dem Sohnemann das Beil wegnehmen und ihn vom Baum fernhalten.
Evtl. die Ränder begradigen. Oder doch lieber bleiben lassen und warten bis man sieht wo sich Callus bildet. Das kann man so jetzt nicht nur an diesem Bild sagen. Sofern da noch eine kleine Rindenbrücke zwischen den großen Flächen ist, hilft die enorm bei der Überwallung. Wenn man die dann bei der Begradigung vollends entfernt, ist der Schaden größer als der Nutzen.
Nix draufschmieren (von wegen künstliche Rinde oder so)! Das hilft nicht, sondern hält nur feucht und die Pilze entwickeln sich noch besser.
Und dann heisst es warten. Dass ein paar Blätter runterkommen ist noch nicht so schlimm. Denen fehlt jetzt halt die Versorgung von unten. Solange noch welche oben bleiben ist das OK.
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Ich stimme Amur auf ganzer Linie zu.
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Kann mich der Beruhigung anschliessen. Paulownia ist gut im Überwallen von Rindenverletzungen. Abwarten, wie geraten finde ich gut.
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Euch vielen Dank für die Antworten. Ja, man glaubt nicht, was Jungs so alles einfällt, ohne über die Folgen nachzudenken :-( Jedenfalls hat er das bestimmt das letzte Mal gemacht, er hängt selbst sehr an dem Baum und war entsetzt über die Folgen. Ich glaube, er hat den Baum das erste Mal als Lebewesen wahrgenommen, das man verletzen kann...
Viele Grüße
BeateR
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Hallo, Beate,
zur Rindenverletzung haben die Vorschreiber ja schon guten Rat gegeben.
Nur noch, als Ergänzung, eine Anmerkung zum Blattfall: Der muss nichts Beunruhigendes bedeuten. Bei uns in der Gegend sind mir dieser Tage etliche Laubbäume aufgefallen, die schon jetzt (!) herbsteln. Ich nehme an, dass das eine Folge der allzulangen Dürrephase ist.
Wenn du nicht gerade in einer Gegend wohnst, die in den vergangenen Wochen Wasser satt abbekommen hat, dann könnte auch eure Paulownia von Nachwehen der Trockenheit betroffen sein - unabhängig vom Rindenschaden.
Schöne Grüße und toitoitoi für den Baum
Querkopf
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Hallo Querkopf,
ja, das stimmt, das könnte auch der Grund sein. Wir hatten monatelang fast keinen Regen (Hammelburg ist lt. Kachelmann mit die trockenste Gegend Deutschlands), auch wenn in den letzten Wochen gut was nachkam.
Wir hoffen halt weiterhin und streicheln den Baum und reden ihm gut zu ;-)
Liebe Grüße
Beate
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Wie immer Kachelmann das meint... (grins)
Für ganz schlimme Fälle: das Austriebsvermögen von Paulownia aus Adventivknospen der Wurzeln ist gigantisch! Sollte es schlimmer kommt als zu erwarten - dann halt nochmal von vorn! ;)
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Ja, genau das sehe ich aber auch als Problem. Der Baum ist definitiv an dieser Stelle nicht ausgrabbar - und das Absägen würde nur zu vielen Neutrieben führen, die kaum einen geraden schönen Baum ergeben würde. Da er direkt an unserer Terrasse steht, wäre ein Wildwuchs wirklich nicht attraktiv. Momentan hat er zwei Austriebe im Hang (die ich regelmäßig verschenke gegen Ausgraben) und einen Neutrieb unterhalb der Verletzungsstelle.
Soll ich den eigentlich abmachen? Er wächst seitlich aus dem Baum - er allein würde sicher auch komisch aussehen ...
Liebe Grüße
Beate
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Wenn er direkt neben einer grossen Wunde wächst, würde ich ihn stehen lassen, er hilft bei der Überwallung. Danach auf Astring schneiden.
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Ich hänge mich hier mal dran. Meine Paulownia hat einen ziemlich schweren Stammschaden, der lange unter einem Hauch von Rinde verborgen blieb. Die ließ sich dann recht einfach dünn abnehmen, darunter war nämlich nix mehr. Komplett von totem Material befreit sieht es mächtig Übel aus. Zwar überwallt sie schon, aber bringt das bei dieser Ausprägung etwas, sie weiterwachsen zu lassen? Die andere Frage ist die nachd er möglichen Ursache. Kann ein Pilz so ein Schadbild verursachen?
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Von der Seite. :P
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Das kann Frost sein, Sonnenschaden, Verticillum oder eine Kombination davon. Für mich sieht es so aus, als ob der Baum das überlebt.
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Im Kronenbereich gibt's Äste mit ähnlichem Schadbild. Meine Sorge ist, dass das eine Sollbruchstelle wird.
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Wenns an den Ästen auch ist und man Mangelernährung ausschließen kann, ist es sehr wahrscheinlich - wie Staudo schon sagte - ein Pilz.
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Bei Apfelbäumen habe ich schon oft ähnlich schwere Verbissschäden /Rindenverluste gesehen (bis zu 60 oder gar 70% der Rinde zerstört), die wieder komplett überwallt sind. Das dauert natürlich einige Jahre -in denen wir derart betroffene Bäume etwas stärker schneiden, um sie zu entlasten. Erstens wegen der geringeren Belastbarkeit des Stammes bei Sturm, zweitens wegen der eingeschränkten Versorgung der Krone.
Wegen den Schäden im Kronenbereich würde ich - je nachdem, wo sie sich befinden- überlegen, einen mittleren bis starken Kronenschnitt im frühen Herbst durchzuführen, Paulownia verträgt das sehr gut, nur die Blüte ist für`s nächste Frühjahr verloren.
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Die beiden rindenlosen Stellen sind gegenüber einer Stelle, an der die Rinde schneller gewachsen ist als an der anderen Seite.
Am Fuß wurde wohl mal das junge Pflänzchen eingekürzt (zum verschulen usw), daraufhin ist das etwas krumme/einseitige entstanden. Bei dem Bild in der Krone ist der tote Miniast im Versorgungsschatten vom größeren Seitenast (Saftzieher).
Brandenburg, Streusandbüchse: Hand aufs Herz, wie oft vernachlässigst du das gleichmäßige Feuchthalten von diesem Baum?
Der Versorgungsschatten ist eventuell der Tropfen, der das Fass mit Frost und Sonnenbrand zum überlaufen bringt. Sekundärinfektion mit allerlei Pilzen ist dann immer möglich.
Ist nur ein Versuch der Ursachenklärung, hier im Weinbauklima ist Paulownia nicht für solche Schäden bekannt.
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Wie lange steht der Baum bei Dir ? Transportschaden ?
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Brandenburg, Streusandbüchse: Hand aufs Herz, wie oft vernachlässigst du das gleichmäßige Feuchthalten von diesem Baum?
Ähh.. bitte..?!
Wie lange steht der Baum bei Dir ? Transportschaden ?
Es ist sicher mehr als sechs Jahr her, dass ich ihn als etwa 20 cm hohen Sämling bekam, seitdem steht er dort auch ausgepflanzt und hatte seitdem noch nie einen Frostschaden (abgesehen von einem leichten Spätfrostschaden am Austrieb in diesem Frühjahr. Der Standort ist eher absonnig.
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Hier gibts Stammschäden an diversen Bäumen häufig nach zB. abruptem Wetterwechsel, kühle und bewölkte 23°C, nächster Tag blauer Himmel und 31°C.
Gerade im Frühjahr wenns eher trocken ist, sind solche Tage ein einschneidendes Erlebnis. Wenn man nicht gleich Sonnenbrand an den Blättern oder Früchten sieht, erkennt man erst das was nicht gestimmt hat wenn ein paar Wochen später die Rinde anders aussieht.
erst längere Trockenheit, schleichend warmes Wetter, anschließend Gewitterregen und kühle Wachstumsphase, das ist Stress pur für Bäume.
Kann man nur mildern, wenn man die Trockenphase einschränkt und mit Wasser für ein Minimum an Wachstum sorgt, dass der Übergang später nicht zu krass ist und so die Rinde weniger aushalten muss.
Bäume sind nicht vergleichbar mit zB Rasen, der nach dem erbraunen irgendwann doch wieder grün wird. Die Bäume merken sich das noch eher und kommen nur scheinbar mit Trockenheit gut zurecht.
Deswegen meine Frage, ob mehr oder weniger regelmäßig gewässert wurde.