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Garten- und Umwelt => Quer durch den Garten => Thema gestartet von: Luna am 09. September 2011, 20:42:13

Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Luna am 09. September 2011, 20:42:13
Bei uns in der Ostschweiz darf man in den ersten 10 Tagen keine Pilze sammeln, es hat: Pfifferlinge, Parasol, Semmelstoppel, Herbsttrompeten, Steinpilze, Birkenröhrlinge, Blutreizker.

Ich darf morgen zu Zweit von 7 bis 12 Uhr verdächtige Waldspaziergänger kontrollieren.

Diesen Steinpilz habe ich gestern gesehen, heute ist er bestimmt schon madig

(http://666kb.com/i/bwt4mw49rd944wz34.jpg)
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: partisanengärtner am 09. September 2011, 20:51:25
Gerade in der Schweiz haben sie Versuche gemacht ob die Sammeltätigkeit Einfluß auf die Menge der Pilze in den Folgejahren hat. Meines Wissens hat man keinen Zusammenhang gefunden.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: RosaRot am 09. September 2011, 20:52:06
Warum ist das so? Damit die Pilze besser wachsen können? Du bist also so eine Art Pilzwehr?



Edith hat noch ein B geliefert... ::)
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Frank am 09. September 2011, 20:57:44
In unseren eifelanischen Wäldern hat eher der "Überfall" auf Pilzsammler :o ::) :'( und die gewaltsame Abnahme der Körbchen Schule gemacht - man geht hier lieber zu zweit um die "Beute" auch nach Hause zu bekommen ;)! Umso schöner, wenn man ein paar Stein- und Birkenpilze auf dem eigenen Grundstück finden kann! 8) :D

LG Frank
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Luna am 09. September 2011, 21:05:30
axel, das ist so, ob der Pilz gepflückt wird oder von den Maden gefressen wird hat keinen sichtbaren Einfluss auf das Pilzvorkommen gezeigt.

Der einzige Vorteil, den ich darin sehen kann, ist dass die Wildtiere in der Zeit weniger gestört werden.

RosaRot, ja ich bin ab und zu als Pilzschutzkontrolle in den Wäldern unterwegs.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Luna am 09. September 2011, 21:14:15
Frank, ich/wir "überfallen" auch die Pilzfinder, wir dürfen die Pilze jedoch nicht behalten, der Finder bekommt ein schriftliches Protokoll mit der gewogenen Menge und wir müssen die Pilze abgeben, die kommen in die Gastronomie.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: RosaRot am 09. September 2011, 21:18:28
Das ist ja sehr seltsam. Da werden private Pilzsammler also zu einer Art "Pilzwilderern"...
die Gastronomen freut's ganz sicher...Sind denn für die Gastronomie auch Profisammler unterwegs oder gilt die Sammelsperre für alle?
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: netrag am 09. September 2011, 21:21:09
Bei uns in der Ostschweiz darf man in den ersten 10 Tagen keine Pilze sammeln, ...

Wie ist denn das zu verstehen?


Hier gibt es Pfifferlinge in Massen.Heute Nachmittag bei einem halbstündigen Waldspaziergang gemeinsam mit der Frau 1 kg Pfifferlinge gefunden aber nur am Wegesrand oder mitten auf dem Weg. Die wenigen Steinpilze und Maronen die es bisher gibt sind so belebt, daß sie umfallen,weil die Statik grundlegend gestört ist.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Luna am 09. September 2011, 21:21:32
Die Sperre von 10 Tagen und die Beschränkung von 2 Kilo pro Person und Tag gilt für alle.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Luna am 09. September 2011, 21:23:22

Wie ist denn das zu verstehen?


ohh, ich habe mich ungenau ausgedrückt, gemeint sind die ersten 10 Tage jeden Monats.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: wandersfranz am 09. September 2011, 23:15:24
Frank, ich/wir "überfallen" auch die Pilzfinder, wir dürfen die Pilze jedoch nicht behalten, der Finder bekommt ein schriftliches Protokoll mit der gewogenen Menge und wir müssen die Pilze abgeben, die kommen in die Gastronomie.

Das finde ich, mit Verlaub gesagt, völlig bescheuert.
Tschuldigung, da fällt mir echt nix besseres dazu ein :P :P :P

In unseren eifelanischen Wäldern hat eher der "Überfall" auf Pilzsammler :o ::) :'( und die gewaltsame Abnahme der Körbchen Schule gemacht - man geht hier lieber zu zweit um die "Beute" auch nach Hause zu bekommen ;)! Umso schöner, wenn man ein paar Stein- und Birkenpilze auf dem eigenen Grundstück finden kann! 8) :D

LG Frank

Und da fehlen mir absolut die Worte..........................................................................................................................................................................................................
.....................................................................................................................................................................................................................

Ich geh jetzt ins Bett, das gelesene reicht mir gerade wieder für heute :P :P :P
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: zwerggarten am 10. September 2011, 00:37:44
ehrlich gesagt, verstehen kann ich das auch nicht - wieso die ersten zehn tage in jedem monat? was hat die natur und was haben die pilze davon? und wieso werden illegal gesammelte pilze nicht zerhackt im wald verstreut, sondern an die gastronomie abgegeben, das ist ja dann völlig daneben, wenn es um natur- bzw. pilzschutz geht? ???
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: brennnessel am 10. September 2011, 05:13:41
Zitat
Das finde ich, mit Verlaub gesagt, völlig bescheuert.
schließe mich wandersfranz und den anderen, die sich darüber empören, an!
ebenso bescheuert finde ich, dass sich jemand privater findet, so ein blödes gesetz freiwillig zu vollstrecken! das wäre hier, wo vernaderer ganz unten an der beliebtheitsskala rangieren, ziemlich unmöglich!


Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Luna am 10. September 2011, 06:05:49
ebenso bescheuert finde ich, dass sich jemand privater findet, so ein blödes gesetz freiwillig zu vollstrecken!

Wie kommst du darauf, dass das Privatpersonen sind?

Pilzkontrolleure sind Beamte wie ein Steuerfahnder oder ein Polizist.


.. und jetzt bitte zurück zu den Pilzen 2011
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: July am 10. September 2011, 07:44:08
Bei meinem Vater in der Revierförsterei gabs früher Pilzsammelscheine für wenig Geld.....danach durften die Menschen los und sammeln. Es wurden auch Kontrollen durchgeführt und Leute ohne Sammelschein bekamen eine Verwarnung.
Jetzt braucht keiner mehr einen Pilzsammelschein und wenn die Medien noch Reklame machen und es viele Pilze gibt sind die Wälder voller Menschen, oft schwärmen sie laut durch den Bestand.....fürs Wild weniger gut :(
LG July
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: lonicera 66 am 10. September 2011, 09:29:55
Die diesjährige Pilzsaison in der Lüneburger Heide ist zwar nicht so vielseitig wie letztes Jahr, aber annehmbar.

Im Juni/Juli viele Semmelpilze(heissen hier auch Brötchenpilz/Perlpilz)
Seit Mitte August sporadisch Paralsol und Safranschirmlinge.

Sehr viele Gallenröhrlinge, und echte Maronen und Steinpilze.

In der Südheide Massen an Pfifferlingen, wir könnten alle 2 Tage hinfahren und körbeweise sammeln, es kommen ständig neue nach...

Vereinzelt finden wir auch um´s Haus herum Edelreizker, jedoch nicht in solch Mengen wie letztes Jahr.

Letzte Woche fanden wir auch wenige Lackporlinge und Flaschenstäublinge, aber auch nicht so häufig, im Vergleich zum Vorjahr.

Im unserem Garten lassen sich die Hallimasch dieses Jahr richtig Zeit-noch keiner zu sehen...
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Knusperhäuschen am 10. September 2011, 10:52:36
Auch hier in Deutschland kann man nicht unbeschränkt Pilze sammeln, es gibt besonders geschützte Arten, geschützte Arten, die nur bedingt gesammelt werden dürfen. Grundsätzlich sowieso nur in "haushaltsüblichen Mengen zum Eigenbedarf", gewerbsmäßig nur mit Ausnahme und die wird wohl erst gar nicht erst erteilt, der Handel mit verschiedenen geschützten Arten ist verboten. In ausgewiesenen Naturschutzgebieten darf man, soweit ich weiß, sowieso überhaupt nichts mitnehmen.

auf die Schnelle hab ich hier ein zugegeben älteres Dokument gefunden, ich denke aber, viel hat sich da nicht geändert:
Pilze sammeln Taunus

Wobei ich mir sicher bin, dass hier im Herbst immer ganze Kolonnen gewerbsmäßiger Sammler unterwegs sind, die die Pilze hinterher verkaufen, aber von Kontrollen hab ich hier noch nichts mitbekommen, da sollte man vielleicht eher mal die Restaurants kontrollieren, ob sie nachweisen können, woher die Ware für die herbstlichen "Pilzwochen" tatsächlich stammt.

Gut, dass man als privater Sammler ja nach einigen Pilzmahlzeiten sowieso keine Pilze mehr sehen kann, ein paar eingefrorene und getrocknete für den Wintervorrat und dann ist ja auch gut, irgendwann mag die hier dann keiner mehr und das Körbchen bleibt daheim.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: lonicera 66 am 10. September 2011, 11:28:10
Hmmm - bei uns sind ganze Familien aus Osteuropa in den Wäldern unterwegs und durchkämmen das Unterholz, sogar in den Naturschutzgebieten...
...unser Förster weiß schon garnicht mehr, wie er das große Gebiet noch überwachen soll. Die Anwohner helfen dann.

@ Knusperhäuschen
also, wir können garnicht genug von den Pilzen kriegen, vor ein paar jahren hatten wir eine Steinpilzschwemme, an einem Standort von vielleicht einem halben Fußballfeld pro halbe Stunde Sammelgang kamen 5 Kilo zusammen.(Ausserhalb des Naturschutzgebietes, natürlich)

Die habe ich sorgfältig getrocknet und wir zehren immer noch davon.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Violatricolor am 10. September 2011, 11:34:31
Zitat
da sollte man vielleicht eher mal die Restaurants kontrollieren, ob sie nachweisen können, woher die Ware für die herbstlichen "Pilzwochen" tatsächlich stammt.

Genau! Denn es ist ja ein grosser Unterschied, ob man nun geschützte Sorten sammelt, oder irgendeinem ahnungslosen Wanderer seine gesammelten Pilze, vielleicht sogar noch mit Strafgeld? ::), entreisst, um sie dann für teure Menüs zu verwerten!
 Jetzt passt nur in der Gartenküche auf, dass da keine Pilz-Delikatessen erscheinen, sonst kommt Ihr noch in falschen Verdacht! 8)
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Tara am 10. September 2011, 11:41:56
Ich möchte doch nochmal auf die Schweiz zurückkommen: Das mit den zehn Tagen/Monat Schonzeit hat mich fasziniert, und so habe ich eben mal gegoogelt. Ich habe unter anderem dies hier gefunden:

"In der Schweiz sind mehr als 5000 Pilzarten bekannt. Von den rund 3000 Arten, bei denen die Kenntnisse für eine Beurteilung ausreichen, sind 32% Prozent mehr oder weniger akut gefährdet." (2007)

"Wie einzelne Studien unlängst gezeigt haben, scheint das Sammeln von Speisepilzen keinen grossen Einfluss auf den jährlichen Fortbestand der Arten zu haben. Das mit dem Pilzsammeln verbundene Betreten des Waldbodens dagegen reduziert die Fruchtkörpermengen nachweislich." (Hervorhebung von mir) ..."In Gebieten, in denen sich Bäume und Pilze nach Ereignissen wie Stürmen oder grösseren Rodungen neu ansiedeln müssen, ist es wichtig, dass die umgebenden Pilzbestände genügend Fruchtkörper bilden können. In stabilen und intakten Wäldern ist das Sammeln weniger bedenklich."

Deswegen gibt es Kantonale Schonfristen und Gewichtsbeschränkungen, um eine ausreichende Sporenbildung und -verbreitung zu gewährleisten,
Koordination dieser Sammelbeschränkungen unter den Kantonen,
Pilzsammelverbot in bestimmten Schutzgebieten,
Schutz und nachhaltige Nutzung der Standorte mit gefährdeten Pilzen, um einzelne gefährdete Populationen gezielt zu erhalten bzw. zu fördern.

Es gibt sogar eine Schweizerische Kommission für die Erhaltung der Pilze, die Mitglied der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften ist.

Ich finde das vorbildlich und wünschte, das wäre hier auch so. Prima, daß Du da mitmachst, Luna!



Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Tara am 10. September 2011, 11:45:23
Zitat
da sollte man vielleicht eher mal die Restaurants kontrollieren, ob sie nachweisen können, woher die Ware für die herbstlichen "Pilzwochen" tatsächlich stammt.

Genau! Denn es ist ja ein grosser Unterschied, ob man nun geschützte Sorten sammelt, oder irgendeinem ahnungslosen Wanderer seine gesammelten Pilze, vielleicht sogar noch mit Strafgeld? ::), entreisst, um sie dann für teure Menüs zu verwerten!

Diese Pilze sind leider bereits gepflückt. Es schadet nicht, wenn sie nun auch verwertet werden. Das ist doch besser, als wenn die Sammler sie behielten und die Gastronomie außerdem noch versucht wäre, sich welche zu besorgen. Mir erscheint das eine pragmatisch kluge Lösung.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: zwerggarten am 10. September 2011, 11:55:46
so gesehen... danke, tara! :D und danke, luna! ;)

aber jetzt bin ich doch verunsichert, ob ich in niedersachsen nun pilze sammeln gehen sollte, oder lieber nicht, und welches die besonders geschützten arten sind... muss ich wohl mal recherchieren...
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Violatricolor am 10. September 2011, 12:05:26
Zitat
Mir erscheint das eine pragmatisch kluge Lösung.

Und mir kommt das sehr unanständig vor. Denn dann kann ja der Sammler seine eigenen Pilze selber verwerten, und die Gastronomie sich ihre Pilze rechtsmässig kaufen.
Oder, wie schon vorgeschlagen, man könnte sie ja einfach wieder auf den Waldboden zurückbefördern. Pilze vermehren sich über Sporen. Wenn wir sie pflücken, ist der Nachschub eventuell schon längst programmiert.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: lonicera 66 am 10. September 2011, 12:32:25

aber jetzt bin ich doch verunsichert, ob ich in niedersachsen nun pilze sammeln gehen sollte, oder lieber nicht, und welches die besonders geschützten arten sind... muss ich wohl mal recherchieren...

Hallo, Nachbar, bei uns halte ich das Sammeln im Naturschutzgebiet für bedenklich, weniger wegen der Dezimierung der Pilzbestände, eher wegen der Störung des Wildes und der Zerstörung der Bodenflora.
Obwohl diese bei uns in den umliegenden Wäldern sowieso aus den verhassten Faulbäum-Sämlingen besteht...

Ich habe mir eine Karte besorgt, da sind alle Naturschutzgebiete markiert, an allen anderen Stellen Sammeln wir.

Nach wie vor heißt es bei uns in Niedersachsen:

Für den Eigenverbrauch max. 1KG/Person.

Ausgesprochen seltene, geschützte Arten haben wir hier meines Wissens sowieso nicht und wenn doch, werden es wohl eher die nicht essbaren Arten sein.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: brennnessel am 10. September 2011, 12:34:13
# 36 tara
Zitat
Das mit dem Pilzsammeln verbundene Betreten des Waldbodens dagegen reduziert die Fruchtkörpermengen nachweislich." (Hervorhebung von mir) .

schweben die amtlichen schwammerlsucherjäger über dem waldboden?

zwerggarten:
Zitat
aber jetzt bin ich doch verunsichert, ob ich in niedersachsen nun pilze sammeln gehen sollte, oder lieber nicht
geh lieber nicht, wenn du unsicher bist!

hier bei uns (oö.alpenvorland) gab es heuer früher als sonst einmal einen schub steinpilze, täublinge, parasolpilze und auch eierschwammerl (pfifferlinge), die ansonsten hier seltener vorkommen.
derzeit nichts los im moos - aber wenn es weiter so mild bleibt, kommt sicher noch einmal was nach, besonders die späten stein- und fliegenpilze, sowie parasole.

es ist auch hier, wie knusperhäuschen sagt: nach ein paarmal schwammerlgerichten hat man wieder genug!
meine schwammerlplätze weiß ich schon von frühester kindheit an und finde eben da zu passender zeit noch immer die eine oder andere mahlzeit.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: lonicera 66 am 10. September 2011, 12:39:18
Zitat
Wenn wir sie pflücken, ist der Nachschub eventuell schon längst programmiert.

Was wir oberirdisch absammeln ist nur der Fruchtkörper, der eigentliche Organismus (das Mycel) ist im Boden, das muss erhalten bleiben, damit es weiter Pilze gibt.

Und Pilze sind da eigen, manchmal finden wir ein paar Jahre lang an einem Platz garnichts und dann, auf einmal sind´s wieder Massen...

Der weltgrößte, lebende Organismus ist übrigens ein Pilzmycel, irgendwo in USA und viele Hektar groß...
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Tara am 10. September 2011, 12:58:53
# 36 tara
Zitat
Das mit dem Pilzsammeln verbundene Betreten des Waldbodens dagegen reduziert die Fruchtkörpermengen nachweislich." (Hervorhebung von mir) .

schweben die amtlichen schwammerlsucherjäger über dem waldboden?

Das ist doch Haarspalterei. ;) Sie dürften zahlenmäßig doch wesentlich weniger ins Gewicht fallen als die Sammler, deren Zahl durch das Verbot gewiß stark reduziert wird. Leider wird es die Kontrolleure geben müssen. In Deutschland müßte man vermutlich einen Kontrolleur für zwei Sammler einsetzen. :-X
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Tara am 10. September 2011, 13:00:47
Zitat
Mir erscheint das eine pragmatisch kluge Lösung.

Und mir kommt das sehr unanständig vor. Denn dann kann ja der Sammler seine eigenen Pilze selber verwerten, und die Gastronomie sich ihre Pilze rechtsmässig kaufen.
Oder, wie schon vorgeschlagen, man könnte sie ja einfach wieder auf den Waldboden zurückbefördern.

Mir ist wirklich absolut unklar, was du meinst. Und warum schreibst Du, als hättest Du kein Gegenargument gelesen?
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: tomatengarten am 10. September 2011, 13:08:31
# 36 tara
Zitat
Das mit dem Pilzsammeln verbundene Betreten des Waldbodens dagegen reduziert die Fruchtkörpermengen nachweislich." (Hervorhebung von mir) .

schweben die amtlichen schwammerlsucherjäger über dem waldboden?


ueberleg dir mal die antwort anhand des folgenden gleichnisses:

wenn man einmal ueber eine wiese geht, hinterlaesst man noch keinen trampelpfad.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Violatricolor am 10. September 2011, 13:14:32
Zitat
aber jetzt bin ich doch verunsichert, ob ich in niedersachsen nun pilze sammeln gehen sollte, oder lieber nicht, und welches die besonders geschützten arten sind... muss ich wohl mal recherchieren...

Das ist doch eigentlich kein Problem, also nicht d a s Problem beim Pilzesammeln. Pass lieber auf, dass Du die giftigen von den essbaren klar und deutlich unterscheiden kannst. Alles andere gehört zur Politik, und da heisst es wieder aufpassen, dass man für die richtigen Leute wählt. ;)
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Tara am 10. September 2011, 13:18:38
Das ist doch eigentlich kein Problem, also nicht d a s Problem beim Pilzesammeln... Alles andere gehört zur Politik, und da heisst es wieder aufpassen, dass man für die richtigen Leute wählt. ;)

Das "andere" in diesem Zusammenhang gehört zu Gesetzen/amtlichen Bestimmungen und sollte m. E. durchaus eingehalten werden; egal, ob man möchte oder nicht. Demokratisch streiten kann man im Vorfeld - dann gilt es, sich nach den Regeln zu richten. Ich habe übrigens noch nie gehört, daß jemand Wahlentscheidungen von der Einstellung der zu Wählenden gegenüber dem Pilzesammeln abhängig macht. ;D
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Windsbraut am 10. September 2011, 14:28:00
Diese Pilze sind leider bereits gepflückt. Es schadet nicht, wenn sie nun auch verwertet werden. Das ist doch besser, als wenn die Sammler sie behielten und die Gastronomie außerdem noch versucht wäre, sich welche zu besorgen. Mir erscheint das eine pragmatisch kluge Lösung.

Ach. Pragmatisch und klug finde ich das nicht. Und auch nicht gerecht.

D. h., der Sammler, der privat Pilze gesammelt hat und sie gerne essen möchte, bekommt sie abgenommen. Er möchte aber immer noch Pilze essen - er soll also nun in das Restaurant gehen und dort die Pilze essen, die er gesammelt hat - und sie bezahlen??

Abgesehen davon hinkt das Argument sowieso - denn m.E. bleibt die Zahl der Menschen, die Pilze essen wollen, ziemlich gleich............ ob sie sie nun selber kochen oder in's Restaurant müssen. Und wo kommen dann die zwangsweise im Restaurant gegessenen Pilze her??

Für mich eine Methode, die nicht dem Naturschutzgedanken, sondern einer absolut kapitalistischen Grundhaltung entspringt. Für private Zwecke darf ich nicht sammeln, aber die von mir gesammelten, jedoch für mich verbotenen Pilze dürfen gewerblich verwertet werden.
Ich sage lieber nicht deutlicher, wie ich das finde.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Tara am 10. September 2011, 14:34:58
Die Einstellung, die manche hier zu gesetzlichen Bestimmungen haben, finde ich schon etwas putzig. Wer beim Stehlen erwischt wird - und eigentlich ist das nichts anderes -, bekommt das Diebesgut auch abgenommen.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: wandersfranz am 10. September 2011, 14:46:15
Na, nachdem ich gestern etwas ausser mir war, bin ich heute morgen beim jäten wieder in mich gegangen und möchte mich, da dieses Thema ja gerade weiter heiß diskutiert wird auch nochmal zu Wort melden.

Vorab gesagt war und ist Pilze sammeln für mich eines der letzten kleinen Abenteuer die man alltagstauglich erleben kann.
Wenn ich daran denke, wie aufregend es damals war, als ich mit meinen Kindern durch den Wald streifte auf der "Jagd" nach Pilzen, dann sind das sehr schöne Erinnerungen die ich nicht missen möchte.

Am meisten entsetzt hat mich eigentlich die Aussage von Frank, das man bei ihnen die Pilze richtiggehend geraubt bekommt. Da war halt die Tatsache , das ich auch noch staatlich kontrolliert meine "Beute" abgejagt bekomme gerade Öl in mein loderndes Feuer und ausserdem wollte ich nicht derjenige sein, der so jemand wie mir die Beute abnehmen will 8) ::)

Aber verstehen kann ich es eigentlich insofern, das es leider auch genug Zeitgenossen gibt, die nicht achtsam durch die Natur gehen und die sich auch gnadenlos bedienen, in diesem Sinne kann ich die Arbeit, die Luna macht dann auch wieder verstehen.

Wir sammeln selten mehr als 500-600gr für zwei Personen, höchstens wir haben mal eine kapitale krause Glucke erlegt und nach 5-10 Mahlzeiten hören wir auf mit dem sammeln und erfreuen uns einfach nur noch an dem Anblick. Wir trocknen oder konservieren auch keine Pilze. Ich habe schon öfters mir anhören müssen wie blöd ich bin, wenn ich mal jemandem erzählt habe, das wir viele Pilze einfach stehen lassen ::)

Gerade im Juni fanden wir völlig ausser Saison Austernsaitlinge an einer umgestürzten alten Buche, da hätte man Kiloweise abmachen können, so übersät war die. Eine ordentliche Portion nahmen wir mit und fertig.

Dies ist wieder eines der Themen wo man endlos streiten kann,aber danach ist mir nicht der Sinn.

Naturschutz finde ich, ohne wenn und aber eine sehr gute Sache und wenn sich jemand dafür einsetzt finde ich das Klasse.

Das es nicht immer nur sinnvolle Entscheidungen gibt wo Menschen am Werk sind ist auch allgemein bekannt.

Und da bei uns geringe Mengen zum Eigenverbrauch erlaubt sind und sowieso nicht der Wald von Jägern und Sammlern überrannt wird erfreue ich mich weiterhin meines "kleinen Abenteuers" :D



Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Windsbraut am 10. September 2011, 14:51:01
Die Einstellung, die manche hier zu gesetzlichen Bestimmungen haben, finde ich schon etwas putzig. Wer beim Stehlen erwischt wird - und eigentlich ist das nichts anderes -, bekommt das Diebesgut auch abgenommen.

OK. Aber das wird dann auch nicht dem Einzelhandel übergeben, damit er damit Geschäfte machen kann.

Das ist es, was ich zu beanstanden finde. Weiterverkauf von Diebesgut nennt man übrigens Hehlerei - ich finde es "putzig", dass du meinst, das wäre "klug und pragmatisch".

Vielleicht kann ein Mod diese Diskussion abtrennen und in die Gartenmenschen verschieben - ist ja hier bei den Pilzen eigentlich arg OT.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Tara am 10. September 2011, 17:28:27
Mir egal, ich habe dazu weiter nichts zu sagen. :)
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Luna am 10. September 2011, 17:55:44

Ich bin wieder zu Hause und noch immer beim lesen, ich bin schockiert.

@ Windsbraut

Die beschlagnahmte Pilze als Diebesgut zu bezeichnen, finde ich schon heftig. Jeder der in den Wald geht um Pilze zu pflücken, kann die Tafeln lesen und weiss was er macht.

Es ist doch das selbe wie am Zoll, das werden Sachen wie Schnaps, Zigaretten, etc. die illegal eingeführt werden auch beschlagnamt.

Die Gastronomen bekommen die Pilze nicht geschenkt, sie kaufen sie zum aktuellen Marktpreis.

Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Windsbraut am 10. September 2011, 18:04:21

Ich bin wieder zu Hause und noch immer beim lesen, ich bin schockiert.

@ Windsbraut

Die beschlagnahmte Pilze als Diebesgut zu bezeichnen, finde ich schon heftig. Jeder der in den Wald geht um Pilze zu pflücken, kann die Tafeln lesen und weiss was er macht.

Das war ich nicht - ich habe nur auf diese - m.E. fragwürdige - Argumentation von Tara reagiert:

Zitat
Die Einstellung, die manche hier zu gesetzlichen Bestimmungen haben, finde ich schon etwas putzig. Wer beim Stehlen erwischt wird - und eigentlich ist das nichts anderes -, bekommt das Diebesgut auch abgenommen.
Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Luna am 10. September 2011, 18:08:38

Das war ich nicht - ich habe nur auf diese - m.E. fragwürdige - Argumentation von Tara reagiert:

Zitat
Die Einstellung, die manche hier zu gesetzlichen Bestimmungen haben, finde ich schon etwas putzig. Wer beim Stehlen erwischt wird - und eigentlich ist das nichts anderes -, bekommt das Diebesgut auch abgenommen.

Windsbraut, ich entschuldige mich, es tut mir leid, da habe ich nicht genau gelesen.

Maggie

Titel: Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Windsbraut am 10. September 2011, 18:11:07

Das war ich nicht - ich habe nur auf diese - m.E. fragwürdige - Argumentation von Tara reagiert:

Zitat
Die Einstellung, die manche hier zu gesetzlichen Bestimmungen haben, finde ich schon etwas putzig. Wer beim Stehlen erwischt wird - und eigentlich ist das nichts anderes -, bekommt das Diebesgut auch abgenommen.

Windsbraut, ich entschuldige mich, es tut mir leid, da habe ich nicht genau gelesen.

Maggie

Kein Problem :) .

Ich glaube, hier gibt's ein paar Missverständnisse, und wir reagieren etwas emotional. Die Diskussion an sich finde ich aber interessant genug, um sie abzutrennen und in die Gartenmenschen zu verschieben.
Titel: Re:Pilzsaison 2011
Beitrag von: Tara am 10. September 2011, 18:18:02
Ich finde den Vergleich mit Diebesgut nach wie vor richtig. Allerdings nur in Bezug auf diejenigen, die die Pilze unrechtmäßig gesammelt haben. Nicht wie Windsbraut in Bezug auf diejenigen, die sie den gesetzlichen Vorgaben nach aufkaufen.

Denn wie ich weiter oben schon angeführt habe, ist es besser, die Pilze werden, nachdem der Schaden schon einmal angerichtet ist, wenigstens genutzt - und die Gastronomie muß nicht zusätzlich welche kaufen. Ich finde die Schweizer Bestimmungen klug.
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: tomatengarten am 10. September 2011, 18:24:04
ich habe diese beitraege aus dem urspruenglichen thread pilzsaison 2011 herausgetrennt, weil sie fuer ein eigenstaendiges thema stehen.

mit der bitte darum, nicht noch weiter ins ot abzugleiten und diverse animositaeten zu lassen.

damit der thread nicht noch in den keller muss. ;)
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: tomatengarten am 10. September 2011, 18:25:56
Ich glaube, hier gibt's ein paar Missverständnisse, und wir reagieren etwas emotional. Die Diskussion an sich finde ich aber interessant genug, um sie abzutrennen und in die Gartenmenschen zu verschieben.

das habe ich erst jetzt gelesen. danke fuer dein einlenken, windsbraut. :D

ich belasse den thread erstmal in "quer durch den garten"; habe aber ein eigenstaendiges thema daraus gemacht ;)
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Luna am 10. September 2011, 20:00:59
Danke tomatengarten.

Es war wie jedesmal ein spannender Tag im Wald. Viel von dem heutigen Sammelgut war madig.

Da leisten wir auch Aufklärung, ich kann dem Sammler zeigen, wie sich ein unmadiger Steinpilz anfühlt und bitte ihn im Zweifelsfall den Pilz vor Ort zu zerschneiden und dann am Fundort zurückzulassen.


Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Windsbraut am 10. September 2011, 20:57:07
Ich finde den Vergleich mit Diebesgut nach wie vor richtig. Allerdings nur in Bezug auf diejenigen, die die Pilze unrechtmäßig gesammelt haben. Nicht wie Windsbraut in Bezug auf diejenigen, die sie den gesetzlichen Vorgaben nach aufkaufen.

Da muss ich noch einmal widersprechen: Ich habe deinen Begriff "Diebesgut" nur aufgegriffen - und ich habe ihn nicht für diejenigen verwendet, die die Pilze kaufen. Das kannst du nirgendwo gelesen haben.

Ich habe nur darauf hingewiesen, dass der Weiterverkauf von "Diebesgut" (wenn man - wie du - die privat gesammelten Pilze so bezeichnet) dann Hehlerei wäre ............ Und dass ich dann deine Auffassung, das Sammeln sei zwar Diebstahl, aber der Weiterverkauf sei in Ordnung, als bedenklich ansehe. Dies vor dem Hintergrund, dass du vorher der Meinung warst, hier hätten einige Leute eine "putzige" Rechtsauffassung.

[size=0]edit: Titel angepasst[/size]
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Tara am 10. September 2011, 21:11:44
Jaja. 8)
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: netrag am 10. September 2011, 22:32:12
Ich kann in der schweizerischen Pilzsammelgesetzgebung keinen rechten Sinn sehen. Hier sprach man auch schon davon, daß der Pfifferling durch Übersammelung vom Aussterben bedroht sei. Nun, nach dem vielen Regen,sieht mancher Quadratmeter Waldboden gelb vor Pfifferlingen aus. Es muß also nur die entsprechende Witterung herrschen, um die Pilze wachsen zu lassen. Ich glaube nicht, daß sich bestimmte Pilzarten durch einfaches Sammeln ausrotten lassen.
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Tara am 10. September 2011, 22:35:34
Wie weiter oben zitiert, geht es nicht um das Sammeln selbst, sondern um das zu häufige Betreten des Waldbodens.
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: wandersfranz am 11. September 2011, 00:46:31
Da leisten wir auch Aufklärung, ich kann dem Sammler zeigen, wie sich ein unmadiger Steinpilz anfühlt und bitte ihn im Zweifelsfall den Pilz vor Ort zu zerschneiden und dann am Fundort zurückzulassen.

Das , Luna, finde ich einen gute Sache. Wenn ich als in die Sammelkörbe so mancher Pilzsammler schaue, dann schauderts mich.

Da wird auf Teufel komm raus mitgenommen was nur geht, Hauptsache es ist groß und macht optisch was her. Vernunft und Sachverstand sind gänzlich unbekannt.

Tausend mal besser wäre es den Pilz da zu lassen wo er hingehört und ihn aussporen zu lassen.


Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: zwerggarten am 11. September 2011, 01:39:37
wurmige pilze, die ich als solche erkenne, lasse ich (ggf. zerschnitten) an ort und stelle liegen - ist das gut so oder geht es noch besser?
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Luna am 11. September 2011, 06:39:35
schweben die amtlichen schwammerlsucherjäger über dem waldboden?

Nein, wir gehen auf den Wanderwegen und warten bis die Pilzsammler aus dem Wald kommen.

Das , Luna, finde ich einen gute Sache. Wenn ich als in die Sammelkörbe so mancher Pilzsammler schaue, dann schauderts mich.

Da wird auf Teufel komm raus mitgenommen was nur geht, Hauptsache es ist groß und macht optisch was her. Vernunft und Sachverstand sind gänzlich unbekannt.


Danke, es ist wirklich unfassbar wie und was gesammelt wird. Die illegalen Sammler sammeln nicht mit auffälligen Körben sondern in Einkaufstüten aus Plastik.
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: irisparadise am 11. September 2011, 08:55:03
Jetzt muss ich doch auch mal ein paar Anmerkungen zum Thema machen.

Ich sammle schon seit fast 50 Jahren Pilze und habe dabei schon einiges erlebt. Auch die Zeit, als bei uns im Schwarzwald Reisebusse aus der ganzen Schweiz bis zu 200 "Sammler" an einen Ort brachten, die dann im Umkreis von mehreren Kilometern alles an Pilzen abgrasten, was da rumstand. Ob der Pilz essbar war, wurde erst beim Buss geklärt. Die Busse waren weg - zurück blieben Berge mit hunderten Kilo Pilzen.

Aus dieser Zeit resultiert die einizige, klar definierte gesetzliche Regelung, die es zum Sammeln von Pilzen gibt - es dürfen nur maximal 1 Kg selbstgesammelte Pilze je Person in die Schweiz ausgeführt werden.

Zum Sammeln innerhalb Deutschland gibt es folgende offizielle Formulierung:

"In der Verwaltungspraxis hat sich hierbei etabliert, dass von einem Kilogramm pro Person und Tag ausgegangen wird."

Dieser Punkt ist kein Gesetz und jederzeit diskutierbar.

Zudem bezieht sich diese Formulierung nur auf gesetzlich geschützte Pilze, welche dennoch für den Eigenbedarf gesammelt werden dürfen:

  Steinpilz
  Pfifferling
  Schweinsohr
  Brätling
  Birkenpilz und Rotkappe
  Morchel

Alle anderen Pilze, die nicht geschützt sind, und davon gibt es reichlich, darf unbegrenzt gesammelt werden. (Champignon, Parasol, Reizker, Täubling, Halimasch, ...)

Im Übrigen liegt es nicht am Sammeln, wenn div. Pilzarten vom Aussterben bedroht sind, sondern am Kahlschlag ganzer Wälder und am brutalen Vorgehen der staatlichen Forstbehörde, welche im Staatsforst mit Planierraupen Schneisen in den Wald reisst, um die gefällten Bäume bequemer abtransportieren zu können.

Von wegen zertrampeln bzw. festtreten des Waldbodens und dadurch Vernichtung der Pilze (Myzels):
Zumindest was Pfifferlinge anbelangt, ist das völliger Blödsinn. Ich stelle immer wieder fest, dass an meinen Sammelstellen die Pfifferlinge am kräftigsten und dichtesten auf Wildwechselpfaden stehen - mögen also festgetretenen Boden.
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: partisanengärtner am 11. September 2011, 08:59:01
Zwerggarten wenn Du es geschickt anstellen willst, keinesfalls am Fundort putzen.
Lieber wenigstens ein paar hundert Meter weiter dann haben es die Sporen leichter neues Terrain zu erobern und Du hast nicht einen Fundort erhöhter Belastung ausgeliefert ;).
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Jepa-Blick am 11. September 2011, 10:15:46
Hier bei uns gibt es wie jedes Jahr hitzige Debatten über die übereifrigen Pilzsammler. Gegen normale Pilzsammler die nur für den privaten Verbrauch Pilze aus dem Wald holen ist doch nichts einzuwenden. Das ist auch geregelt und wer sich dran hält ist keineswegs irgendwie kriminell. http://kaernten.orf.at/stories/449445/
http://public.wuapaa.com/jaegerschaft/2007/files/pilzgesetz.pdf
Kritischer ist die Sache wenn wahllos und in Massen gesammelt wird. Die Waldbesitzer haben meiner Ansicht bei so einem Verhalten ein Recht mitzureden. Anfangs hab ich mich immer gewundert warum so viele Autos am Waldrand parken und die ganze Mautstrasse entlang fast mit Autos zugeparkt ist. Viele mit italienischem Kennzeichen. Bei Kontrollen an der Grenze lag dann neben den Pilzen schon mal ein Reh mit im Kofferraum....
Nachvollziehbar ist dann die Reaktion mancher Waldbesitzer ein Schild aufzustellen "Pilze sammeln verboten".
Wir haben uns auch mal für Pilze interessiert und an einer angebotenen Pilzsammlung (von der Touristenstelle) teil genommen. Wir bekamen die Pilze erklärt. Was mir dabei nicht gefiel ist, wie auch bei den Kräuterwanderungen, dass Pilze oder Pflanzen immer dazu herausgerissen werden. Oft danach dann achtlos weggeworfen werden. >:( Wir hatten am Schluss jedenfalls jede Menge unheimlich aussehender Pilze im Beutel. Die Pilzmahlzeit haben wir auch überlebt. ;D Aber wir sammeln nicht wieder sondern haben jetzt im Garten eine Pilzzucht angelegt.
 

Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: zwerggarten am 11. September 2011, 10:32:40
... wenn Du es geschickt anstellen willst, keinesfalls am Fundort putzen.
Lieber wenigstens ein paar hundert Meter weiter dann haben es die Sporen leichter neues Terrain zu erobern ...

das mache ich sowieso, wenn ich bisher mal im umliegenden wald (kein naturschutz-, aber wohl landschaftsschutzgebiet) gesammelt habe, dann habe ich die putzreste hinterher auf meinem waldgrundstück verteilt. ;)

leider wollen steinpilze da nicht. >:(

es hat nur neben diversen täublingen und anderen blätterpilzen ab und an maronen und immer mal ein paar pfifferlinge - früher hatten wir auch mal krause glucke und unter den birken rotkappe und birkenpilz, das ist leider lange her, obwohl wir sie nicht immer geerntet haben und da auch nicht ständig durchlaufen - vielleicht sind es doch auch noch andere einflüsse, die da wirken...
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Amur am 11. September 2011, 13:32:10
Also ich finde voll pragmatisch, wenn die zur nicht erlaubten Zeit gesammelten und beschlagnahmten Pilze von der Behörde an Gastsätten verkauft werden. Denn abgeschnitten sind die so oder so und damit aus dem Naturkreislauf entnommen.
Wird in D. leider auch für andere Dinge viel zu wenig gemacht und auch immer weniger.

Die Forstwirtschaft ändert sich und damit auch das Spektrum der Pilzarten und die Fundplätze. Aber mir wäre hier nirgends bekannt, dass mit Raupen und Baggern groß was verändert wird. Im Gegenteil, man darf immer weniger mit Fahrzeugen in den Wald und auch nur auf defnierten Schneisen.
Insofern: Alles ist im Fluss und die Plätze an denen ich als Schüler im Unterholz nach Steinpilzen gesucht habe, kann ich heute aufrecht zwischen doch schon recht dicken Stämmen laufen.

Die 10-Tages Regel finde ich nicht schlecht. So ist wenigstens mal ein paar Tage im Herbst etwas Ruhe im Wald.
Bei uns liegen die Wildschweine schon wegen der Unruhe im Wald eher im Mais als im Forst. Da kommt ihnen wenigstens kein Pilzsammler in die Nähe.
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Staudo am 11. September 2011, 13:34:42
Du solltest gezielt Gerüchte über eine gefährliche Wildsau streuen. 8)
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Tara am 11. September 2011, 13:36:37
Was Frank sagte - Pilzsammlern wird in seiner Gegend die Beute abgenommen -, finde ich ungeheuerlich. Ist das schon mehrmals passiert, Frank?
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: wandersfranz am 11. September 2011, 16:10:20
Die Forstwirtschaft ändert sich und damit auch das Spektrum der Pilzarten und die Fundplätze. Aber mir wäre hier nirgends bekannt, dass mit Raupen und Baggern groß was verändert wird. Im Gegenteil, man darf immer weniger mit Fahrzeugen in den Wald und auch nur auf defnierten Schneisen.

Im Pfälzerwald wird seit geraumer Zeit nur noch mit schwerem Gerät Holz geerntet, dem sogennanten Harvester

Am Anfang waren es gummibereifte Fahrzeuge und wie du auf dem Bild siehst wurden mit der Zeit Ketten aufgezogen. Inzwischen sind auch Vollkettenfahrzeuge unterwegs, ähnlich einer Planierraupe

Es ist für den Waldarbeiter nicht nur eine Erleichterung, auch die extrm hohe Unfallgefahr durch herabstürzende Bäume ( häufige Todesursache früher bei Männern), auch lässt sich Holz in "allen Lagen" problemlos ernten und gleichzietig noch entasten. Ähnlich schwere Fahrzeuge können das Holz

Ein Harvester geht mühelos die steilsten Hänge hoch, da der Schwerpunkt extrem tief ist.

Nun wird bei uns hier der Wald in 15m breite Schneisen aufgeteilt, damit der Harvester bequem an jeden Baum kommt. Dadurch wird ein zusammenhängender Wald in kleine Häppchen zerlegt. "Unnützes Todholz" wirft der Arbeiter quer in die Schneise um besseren Halt zu haben beim hoch und runterfahren und den Untergrund nicht so stark zu zerfahren. Das klappt aber nicht immer und überall.

Nur mit Gummi bereift war das ganze noch einigermaßen im Rahmen, auch wenn die Aufteilung in 15m Parzellen nicht das gelbe vom Ei ist.

Ich habe einige Paradebeispiele hier vor Augen, wo der Einsatz von Kettenfahrzeugen an steilen Hängen dermassen Erosion in kürzester Zeit hervorrief, das bei jedem stärkeren Regenfall alle paar Meter kleine bis größere Bäche senkrecht den Hang herunterkommen und alles mitreissen und dabei tiefe Schneisen hinterlassen und in tieferen Lagen läuft dort die ganze Brühe oft noch über intakte Flächen und versandet sie völlig. Mir bekannte, wunderbare Pilzgebiete liegen zur Zeit unter einer ständig anwachsenden Schicht Sand und dadurch fällt es Pflanzen und Pilzen schwer, sich dort wieder anzusiedeln.

Und das wird stillschweigend im Biosphärenreservat Pfälzerwald geduldet, da wirtschaftlich halt absolut Sinnvoll ::)

Ob es mehr nutzt oder schadet ist stark umstritten


Was ich beim Waldgang sehe mit meinen eigenen Augen lässt nichts gutes für den Wald befürchten.

 sogenannter devastierter Wald

Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Amur am 11. September 2011, 19:52:12
Vielleicht sind wir aufgrund des relativ hohen Anteils von Großprivatwald in unserer Gegend (jedes 2. oder 3. Dorf hat ein Schloss mit Adel und zu dem gehören meist ein paar Quadratkilometer Wald) recht fortschrittlich in der Forstwirtschaft, denn das was du beschreibst ist hier schon etliche Jahre gang und gäbe. Allerdings werden die Schneisen üblicherweise auf 25m genommen, denn die neue Generation von Vollerntern schafft schon jetzt 11m Reichweite und bei alten wird dann eben manuell vorgefällt.

Bei Kettenfahrzeugen ist die Bodenverdichtung im Übrigen wesentlich weniger dramatisch als bei Reifen.
Wenn du einen Gartenteich anlegen willst, dann miete einfach Staudos Radlader und der soll ein paar Mal hin und herfahren.
Mit einer Raupe (bei gleichem Gewicht) würde da nicht annährend so viel passieren. Insofern: Raupen sind deutlich schonender als Radfahrzeuge, auch wenn sie beim Lenken übel aussehende Spuren hinterlassen.
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: martina 2 am 13. September 2011, 22:35:03
Habe diesen Thread mit gemischten Gefühlen gelesen. Für mich bleibt trotzdem die Frage offen, ob Übersammlung die Bestände reduziert, denn anders kann ich es mir bei uns im Waldviertel nicht erklären. Vor vielen Jahren war ein wirklicher Schwammerlexperte aus Bonn zu Besuch und meinte, einen derartigen Reichtum an Arten noch nirgends gesehen zu haben. Abgesehen davon, daß heuer überhaupt ein mäßiges Pilzjahr war, sind viele Arten seit Jahren ganz verschwunden, und daß man improvisieren und einen Pullover zum Pilzkorb umfunktionieren muß, weil man unvorbereitet auf ganze Kolonien von Steinpilzen oder Rotkappen stößt, gehört längst der Vergangenheit an. Damals waren da außer uns nur ein paar Einheimische unterwegs, die ausschließlich für den Eigenbedarf sammelten. (Früher mußten sie übrigens die Herrenpilze - daher der Name - bei der Herrschaft abliefern, sonst drohte eine strenge Strafe.)
Inzwischen kann man es z.B. erleben, daß in einem guten Jahr am Waldrand ein Lieferwagen aus Linz steht, davor Steigen mit mindestens 10 Kilo Steinpilzen, die ungeniert geputzt werden. Da wird quasi professionell gesammelt. Und ein entfernter Nachbar liefert die Eierschwammerl/Pfifferlinge bei der nächsten Sammelstelle ab, man trifft ihn bisweilen mit schweren Säcken im Wald.
Wir finden immer noch genug für ein paar Mahlzeiten, aber diese Entwicklung ist nicht erfreulich. Und der Bestand ist fraglos insgesamt stark zurückgegangen, aus welchem Grund auch immer. Der Wald jedenfalls hat sich nicht wesentlich verändert in den letzten Jahrzehnten.
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: partisanengärtner am 13. September 2011, 22:43:32
Was auf jeden Fall sicher ist: Eine Stelle die viele kennen wird für den einzelnen Sammler entsprechend weniger aufweisen. Wenn dann auch noch Professionelle abräumen findet der gelegentliche Hobbysammler kaum noch was.
Wieviele Pilze es dort wirklich gibt kann man dann kaum noch feststellen.
In der Schweiz hat man ja solche Versuche unter kontrollierten Bedingungen gemacht.
Harvesterverwüstete Waldstücke waren allerdings meines Wissens nicht darunter.
Die Kettenteile sind heute deutlich schwerer als die alten Reifenteile und die Tonnenlasten wachsen schnell an. Auf die Bodenfeuchte wird auch immer seltener Rücksicht genommen wenn es mal Wochen oder Monate lang nass ist.
Wirtschaftlichkeit geht nun mal vor. :P Das schwere Gerät gehört meist Wirtschaftunternehmen die nicht mehr als wenige Tage Schlechtwetterpausen machen können. Diese Betriebe arbeiten meist überregional und ihr Interesse am Erhalt des Ökosystems ist eher marginal.
Wenn eventuelle Auswirkungen zum tragen kommen gibt es solche Betriebe eh schon längst nicht mehr, so oder so.
Mit den Wölfen heulen oder gefressen werden. Die Verträge mit den großen Sägewerken bedingen einen kontinuierlichen Nachschub. :-X :P
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: martina 2 am 13. September 2011, 23:03:48
Zitat
Was auf jeden Fall sicher ist: Eine Stelle die viele kennen wird für den einzelnen Sammler entsprechend weniger aufweisen. Wenn dann auch noch Professionelle abräumen findet der gelegentliche Hobbysammler kaum noch was.

Klar. Aber auch in Zeiten, in denen außer uns kaum jemand geht, ist es viel weniger geworden. Und wo sind die Arten alle geblieben?
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: wandersfranz am 13. September 2011, 23:19:28
Klar. Aber auch in Zeiten, in denen außer uns kaum jemand geht, ist es viel weniger geworden. Und wo sind die Arten alle geblieben?

Hier bei uns sammeln zwar nicht sehr viele, aber die Arten sind schon lange stark zurückgegangen. Der Pfälzerwald war viele Jahrzehnte nur noch "Holzproduktionsstätte" und erst seit kurzer Zeit, da jetzt das Ganze ein "Bioshärenreservat" ist besinnt man sich wieder darauf, wie es wohl wäre wenn....zumindest in der Theorie.
Manche Gebiete werden wieder als "Urwälder" rückgeführt, was wiederum andere Probleme aufwirft. Ich kenne den Pfälzerwald als Kind noch in Parzellen aufgeteilt mit Fichten in allen größen, aber da die gepflanzten Schonungen nicht mehr funktionieren, besinnt man sich (hinter vorgehaltener Hand auch aus wirtschaftlichen Gründen) wieder auf den "Urwald" wo alles in einträchtiger Harmonie sich selbst reguliert ::) ::) ::)
Und auf der anderen Seite zerreissen Kettenfahrzeuge sommers wie winters die Hänge :P :P :P

Und ich denke das Umwelteinflüsse noch erschwerend hinzu kommen und dem ganzen den Rest geben...
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: max. am 13. September 2011, 23:30:34
Zitat
...aber die Arten sind schon lange stark zurückgegangen...

das denkt man als pilzsammler zwar sowieso, aber ob das generell stimmt?
ich denke: eher nicht.
das wird aber wohl schwer nachprüfbar sein, mangels daten...

Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Amur am 13. September 2011, 23:42:42
Also hier hat sich der Staatswald stark geändert.
Früher (vor 3 bis 4 Jahrzehnten) fast ein reiner Fichtenforst, verschwindet die Fichte mehr und mehr. Dementsprechend ändern sich die Pilzarten, bzw. das beschauliche Sammeln von Maronen im Altholz gibts nicht mehr. Die Stürme Vivian, Wibke und Lothar haben die Althölzer weggeblasen und der nachwachsende Wald ist ein Mischwald mit viel Unterholz. Die Fichte wird schon aus forstpolitischen Gründen eher aus der Naturverjüngung noch rausgenommen. So entstehen oft ganze Schläge aus Erle und Birke. Was man mit denen in einigen Jahrzehnten machen will weis ich nicht. Vermutlich Energieholz.

In den privaten Wäldern die nach wie vor wirtschaftlich arbeiten wollen und müssen, dominiert die Fichte immer noch. Ihr Anteil ist auf den gut Wasser speichernden, wüchsigen Böden hier zwar etwas reduziert worden, allerdings nicht durch Wildwuchs aller Art, sondern anderen "Wirtschaftsarten" wie Douglasie oder dann auch Buchen oder Eichen.
Was natürlich auch gemacht wird, ist die Althölzer nicht mehr wie einst in einem Zuge abholzen, sondern langsam auflichten, damit die Naturverjüngung drunter hochkommt. Denn das Personal und das Geld zum Aufforsten in Reih und Glied wie das noch vor einer Generation gemacht wurde, hat heute keiner mehr. Der alte Förster hier hatte allein in seinem Revier 19 Waldarbeiter und Pflanzfrauen und einen Rückeschlepper. Heute haben alle 3 Förster zusammen gerade mal 5 Leute und kein schweres Gerät mehr. Der Rest wird als Dienstleistung bezogen (Rücken, Vollernter, kleine Einzelunternehmer beim Einschlag).

Dadurch dass die Staatsforstflächen schlechter zum Sammeln sich eignen konzentrieren sich die Sammelhorden eher auf die Privatwälder.
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: wandersfranz am 14. September 2011, 00:03:23
Zitat
...aber die Arten sind schon lange stark zurückgegangen...

das denkt man als pilzsammler zwar sowieso, aber ob das generell stimmt?
ich denke: eher nicht.
das wird aber wohl schwer nachprüfbar sein, mangels daten...

Die "Augenscheinliche Prüfung" sagt schon einiges aus, viele Arten sind hier nicht mehr zu finden ausser in Pilzbüchern und wenn, und viele Gespräche über Jahrzehnte mit älteren Menschen bestätigen, das hier früher ein Pilzreichtum war, den ich mit jetzt 52 Jahren nicht mehr kennen lernen durfte.
Die Rotkappe z.B. wurde mir schon öfter gesagt, hat man vor 50-60 Jahren hier "Waschkörbeweise" aus dem Wald getragen. Ich kenne eine winzige Stelle. wo ich, wenn ich sie mal wieder besuche, auch mal eine antreffe. Und da ich den Pfälzerwald schon seit vielen Jahrzehnten erwandere und gerade in der Pilzsaison viele Plätze aufsuche, habe ich zumindest meine Kopfdatenbank die für mich schon recht aussagekräftig ist.
Da könnt ich jetzt noch ewig texten zu verschiedenen Arten, es läuft immer darauf raus, das zumindest bei uns, Pilze recht rar geworden sind. Klar gibt es mal wieder einzelne Jahre wo es etwas mehr gibt, aber die Tendenz ist leider abwärts.

@Amur, unter Urwald versteht man hier Buche, eher in Tallagen und Eiche mit Kiefer auf trockeneren Höhenlagen, alle anderen Arten eher unerheblich je nach "natürlicher Neigung" und die von dir erwähnten Stürme haben hier teilweise auch gründlich zugeschlagen.

Der vollständigkeit halber muss man aber auch noch erwähnen, das der Pfälzerwald zum Ende des zweiten Weltkrieges von Frankreich radikal abgeholzt wurde und damals so manches Dorf dafür kämpfte, das nicht auch noch die alte Dorflinde abgeholzt wurde. Deswegen findet man hier auch fast keine richtig alten Bäume mehr.
Danach wurde halt auch schnellschnell mit Fichte aufgeforstet wo es nur ging.
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: max. am 14. September 2011, 00:05:11
danke für den beitrag.
mich freut, daß man hier mal etwas qualifiziertes zum thema "waldbewirtschaftung" lesen kann.
Zitat
...So entstehen oft ganze Schläge aus Erle und Birke....Vermutlich Energieholz.

laienhafte frage:
"energieholz" - muß das denn sein?
beide baumarten liefern doch auch gesuchtes furnierholz.
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: max. am 14. September 2011, 00:18:34
Zitat
...Die Rotkappe z.B. wurde mir schon öfter gesagt, hat man vor 50-60 Jahren hier "Waschkörbeweise" aus dem Wald getragen...

solche sachen sagen alte leute IMMER und EWIG.
die sommer waren heißer, die winter kälter...jedenfalls war früher alles besser.

darauf würde ich keinen deut geben.
für mich ist das pilzaufkommen/artenverteilung dermaßen chaotisch, daß ich keine entwicklung sehen kann.
richtige daten wären schon ganz gut...
wenn jemand näheres weiß, bitte melden.
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: irisparadise am 14. September 2011, 07:04:25
Ich denke, man muss hier auch einige andere Faktoren sehen:

- der Wald verändert sich. Pilze wachsen, wenn sie bestimmte Bedingungen vorfinden. Da die Bäume dummerweise ebenfalls wachsen, verändert sich dadurch das Kleinklima sowie die Bodenverhältnisse.

- es wird insgesamt wärmer. Erkennbar ist dies z.B. am Tintenfischpilz, der im ursprünglichen Threat gezeigt wird. http://forum.garten-pur.de/Quer-durch-den-Garten-35/Pilzsaison-2011-42393_0A.htm Als ich diesen vor ca 25 Jahren das erste mal fand, stand in den Pilzbüchern noch "wächst im sehr milden Mittelmeerklima in Spanien und Italien"

- es gibt immer wieder Jahre mit eine Pilzschwemme. Dieses bleiben im Gedächtnis haften und jedes Jahr aufs Neue verfolgen einem negative Gedanken "Da hab ich doch schon solche Massen gefunden - warum hat's jetzt keine?"
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Staudo am 14. September 2011, 07:34:41
Ich sprach unlängst mit einem Forstwirtschaftler nachdem der Harvester im letzten Herbst die hiesigen Landesforsten verwüstet hat. Seiner Ansicht nach sieht der Wald jetzt chaotisch und unordentlich aus. Für die Natur ist aber gerade dieses Chaos von Vorteil, weil das Biotop vielfältiger wird. Plötzlich bekommt die Krautschicht Licht und die im Bestand verbleibenden Kronenteile der gefällten Bäume bieten Käfern und Pilzen Nahrung. Allerdings sind dies nicht gerade Speisepilze.
Massenvorkommen einer Pilzart setzen größere, gleichmäßige Waldbestände voraus. Diese nehmen zugunsten der ökologischen Vielfalt radikal ab.
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: wandersfranz am 14. September 2011, 08:21:34
Zitat
...Die Rotkappe z.B. wurde mir schon öfter gesagt, hat man vor 50-60 Jahren hier "Waschkörbeweise" aus dem Wald getragen...
richtige daten wären schon ganz gut...

Klar, wenn ich in über 30 Jahren intensiver Beobachtung nur 4-5 Rotkappen fand sind das keine verlässliche Daten, ok, sehe ich ein. Bin halt auch kein Wissenschaftler :-X ::)
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: Tragopogon am 14. September 2011, 08:52:04
Gesammelt wird doch der Fruchtkörper. Der enthält die Sporen, aus denen neue Myzele wachsen, die wiederum Fruchtkörper produzieren. Wenn das so stimmt, hat doch das Sammeln der Fruchtkörper Einfluss auf den Pilznachwuchs?
Titel: Re:Pilzschutz in der Schweiz und Europa
Beitrag von: martina 2 am 14. September 2011, 09:28:37
Zitat
...Die Rotkappe z.B. wurde mir schon öfter gesagt, hat man vor 50-60 Jahren hier "Waschkörbeweise" aus dem Wald getragen...
richtige daten wären schon ganz gut...

Klar, wenn ich in über 30 Jahren intensiver Beobachtung nur 4-5 Rotkappen fand sind das keine verlässliche Daten, ok, sehe ich ein. Bin halt auch kein Wissenschaftler :-X ::)


Mit Beobachtungen von vor 50-60 Jahren kann ich leider nicht dienen ;D, immerhin aber mit etwa zwanzigjährigen. Wir hatten einen kleinen Wald 'Rotkappenstreifen' benannt, weil man dort tatsächlich 'ernten' gehen konnte. Es wurde immer weniger und schließlich ganz aus, wobei die Einheimischen keine Rotkappen nehmen. Der Wald dort ist bis auf das natürliche Wachstum völlig unverändert. Und so könnte ich unzählige Beispiele nennen... Zigeuner- und Maronenkolonien, Reizker, Täublinge, Massen an Herbstpilzen wie grauer Ritterling uvm., also Sorten, die bestimmt nicht übersammelt sind.

Zitat
Gesammelt wird doch der Fruchtkörper. Der enthält die Sporen, aus denen neue Myzele wachsen, die wiederum Fruchtkörper produzieren. Wenn das so stimmt, hat doch das Sammeln der Fruchtkörper Einfluss auf den Pilznachwuchs?

Das dachte ich auch lange, aber z.B. die Eierschwammerl wachsen seit Jahrzehnten auf den allseits bekannten Plätzen, da muß man nur schnell und früh sein.