garten-pur
Pflanzenwelt => Arboretum => Thema gestartet von: luzula am 14. Februar 2005, 15:19:11
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Liebe Leute,
hoffe Ihr könnt raten....
habe heute eine Buche in einem Kindergarten entdeckt, dem rundum ein Streifen (ca 10cm) und verteilt handtellergroße Flächen Rinde fehlt...hatten die Kleinen wohl Spass am Schnitzen/Schälen...
Sieht relativ frisch aus, vielleicht einige Tage alt.
Frage nun...wie ist der zu retten, welchen Wundverschluß/-Verband könnt Ihr empfehlen ?
Dank im Voraus,
Luzula
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rundrum ein streifen? bin kein baumspezialist, aber wenn rundrum, also um den ganzen stammumfang herum ein 10 cm breiter streifen fehlt, also das kambium beseitigt ist und man das splintholz sehen kann, dann ist der saftfluß meiner meinung nach irreparabel unterbrochen.
norbert
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Das mit dem Rindenstreifen hört sich recht übel an, aber eine minimalste Chance besteht noch, daß der Baum in der Lage sein könnte, diese Hürde zu überwallen. Dazu sollte man mit Hilfe von Spaghnum-Moos den Bereich feucht halten. Das Zeug gibt es beim Blumenhändler. Zum Schutz eine Folie rum und hoffen.
Die Feuchtigkeit, die ein Baum von unten nach oben befördert, läuft im Splintholz lang, während in der Kambiumsschicht nur die Assimilationsproduckte nach unten in die Wurzel geschickt werden. Durch entfernen so eines Streifens und mit dem Moosverband kann man auch Bäume vermehren, so begonnen an meiner chin. Ulme im letzten Jahr, doch das §$%&/"$§ Ding hat den Streifen leider anstandslos überwallt statt Wurzeln zu bekommen.
10 cm hören sich gewaltig an, aber bevor man zur Säge greift, kann man es ja mal versuchen. Evtl bildet der Baum dort auch neue Wurzeln und ihr habt aus eins zwei gemacht ;)
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Super, so schnelle Anteilnahme...
Ja, die feuchte Moosidee hatte ich auch, hatte nur Sorge, dass "Gefrierbrand" Schaden anrichten könnte.
dachte vielleicht auch Bastmatte unter einem Verband und dann Baumlack drüber ?
Ohne Quatsch, Honig könnt auch helfen, oder ?
Oder , wenn die Säfte steigen, ne ringförmige Schale oberhalb der Verletzung mit Wasser befüllen ?
Danke erst mal an euch zwei, vielleicht kommen ja noch mehr tipps...handeln will aber bald...is zwar nich mein Baum, abers rührt mich doch.
LG,
luzula
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Durch entfernen so eines Streifens und mit dem Moosverband kann man auch Bäume vermehren, so begonnen an meiner chin. Ulme im letzten Jahr,
Das sog. Abmoosen funktioniert aber nur dann, wenn die Rinde nur z.T. entfernt - oder besser - nur angeschnitten wurde. Die übrige Rinde muss derweil den abzumoosenden Zweig weiter versorgen. Das Spaghnum kann die Saftbahnen in der Rinde bei Unterbrechung nicht versorgen.
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hab noch vergessen zu erwähnen...der ring ist bei ca 120 cm höhe, und ja...nacktes Splintholz liegt rundum un in flächen frei.
...bei feuchtem Verband friert doch fix das paket an, meinste nich ?
Wie kann ich die Wunde denn so abisoliern, dass nix fault/schimmelt ?
Nuja, bei der kommenden Weidenbauaktion in oe Kiga noch ein grund mehr, Naturnachmittage anzubieten, bei denen die Kids mal die Idee bekommen, dass sowas kein Spass ist.
Eigentlich hatte ich ja gehofft, einer von euch kennt das frostsichere Wundermittel, das og Stoffe transportiert und Überwallung trotz Ruhephase fördert...oder gibs das nich :'( ?
LG,
luzula
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Ich weiss leider nicht, wie stark die Ausschlagkraft von Buchen ist.
Diverse Baeume wuerden unter einer durchgehenden tiefen Ringelung aber neu ausstreiben, das wurde frueher sogar gezielt bei der Brennholzproduktion eingesetzt("Plentern").
Meine Esche hat so reagiert.
Also kann man hoffen, selbst wenn die Abdeckung mit Moos nicht hilft. Die Schoenheit waere natuerlich erstmal hin.
Gruesse
Cornelia
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Wenn komplett (!) geringelt, Rinde + Kambium, und nur mehr das - im Prinzip tote - Holz rundherum freiliegt, hab ich wenig bis gar keine Hoffnung mehr.
Hypothetisch kann man Saftbrücken durch Einpfropfen von ausreichend starken Ästen von unterhalb der Ringelung auf oberhalb eine Rettung versuchen, klappen wird das kaum.
Holz transportiert nix mehr, auch Abdecken udgl. nutzt nix.
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Rinde des Stamms in Höhe von 1,20 zirkulär unterbrochen? Und wenn du von handtellergroßen entrindeten Flächen sprichst, hat der Stamm doch mindestens einen Durchmesser von 10, 12 oder mehr Zentimetern? Wie hoch ist die Buche denn? Wenn's eine Hainbuche wäre, könntest du sie bei 1,20 absägen und neu austreiben lassen.
Ansonsten halte ich's eher mit knorbs und Hortu... :'(
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Ach herje, wie hieß noch dieser ungläubige Mensch ... Thomas? ;)
Hier Bilder von meiner Kirsche. Das funktioniert eben nur, wenn alles durchtrennt ist.
http://forum.planten.de/index.php?action=gallery&include=view_album.php&set_albumName=AnjaM
Ansonsten hier Beitäge von Kollegen von mir zu diesem Thema (Links im letzten Posting):
http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopic.php?p=25883#25883
Diese Technik ist unter Bonsaianern sehr geläufig
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das abmoosen von zweigen ist mir ja bekannt und du zeigst das ja sehr anschaulich auf den fotos in deiner galerie. wenn ich das richtig verstehe, so wie anja das beschreibt und ich auch mal im web gelesen habe, wird der zweig über das splintholz noch mit flüssigkeit versorgt.
wenn ich das posting von luzula aber richtig verstehe, dann ist doch hier der ganze baum betroffen, weil das kambium auf ~10cm breite entfernt wurde. ich hege zweifel, ob ein abmoosen eines ganzen baumes gelingen kann. im ergebnis müßte bei erfolg dann der ganze baum abgeschnitten und neu gepflanzt werden :o .
@luzula
wie groß ist denn der baum in etwa?
norbert
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...nee,is keine Hainbuche, sondern ne simple fagus sylvatica. Stammdurchmesser schon fast 30 cm, geschätzte höhe...tja...vielleicht 10 - 12 m
-aber supergrosses Danke für die rege Anteilnahme, bin seltsam schockiert nach Haus gefahren.
Sehr seltsam.
Nix machen geht nich, aber ich möcht Fehler vermeiden.(Gefrierbrand, Fäulnis, Pilze)
Der angerufenen Baumchirurg sagte "...Fällen, mit Genehmigung, und zwar sofort...".
Mag dem Rat nicht folgen, und so schnell stirbts doch nicht, oder ?
LG,
luzula
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Hallo Luzulla,
zum einen hat dieses Moos eine desinfizierende Wirkung und zum anderen könnte ich mir vorstellen, daß der Ansturm der Assimilate eines ganzen Baumes vielleicht! zu einem Überwallen der 10cm führen können.
Wie gesagt, meine &%$§ Ulme (16,5mm dick) hat 2,5cm überwunden und die war mit sicher auf dieser Breite ganz ohne Kambium und lebt heut nach einem Jahr noch bzw ich hab jetzt die Prozedur mit einen 3cm Ring wiederholt.
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Ihr Lieben,
ich sehe da riebenrabenschwarz für die Buche. Aber was solls. Sphagnum kostet nicht viel, und ne elastische Küchenfolie auch nicht. Vielleicht sollte man ein kleines Schläuchlein mit 'nem passenden Trichter drauf mit einwickeln, um Moos und Wunde immer gut feucht halten zu können.
Und wenn der Baum es doch nicht schafft: Adresse rüberkommenlassen und ich schicke euch ein Paket mit dem superschnellwüchsigsten Efeu, mit dem ihr den Baum dann von außen begrünen könnt!
Heiner :)
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Für diese Baum wird es wohl nicht sehr gut aussehen. :'(
Bin einigermassen schockiert, was da in einem Kindergarten möglich ist. Wo haben bloss die Tanten hingeschaut, während die Kinder das Werk vollbracht haben? Wieso dürfen Kindergartenkinder mit Messern herumschnitzen? Mich gruselt es.
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Nanana,
erstmal langsam: das Kambium selbst transportiert gar nix, es ist ein Meristem. Das Phloem, die Schicht zw. Kambium und Borke, transportiert die Assimilate z.B. zur Wurzel hin, der Holzteil (Xylem), davon nur das Splintholz, transportiert das Wasser und die Nährstoffe von unten nach oben.
Ist "nur" die Borke samt Phloem weg, gibt es einen Assimilatestau an oberhalb der Wunde. Ist zwar nicht gut für den Baum, aber noch nicht tödlich, solange noch Kambium da ist, das wieder neues Phloem nach außen produzieren kann. Problem ist: das Kambium ist eine ganz dünne Schicht und ich denke, die zumindest zum Teil ist auch weg.
Ich würde das einem Baumpfleger zeigen, der kann das besser beurteilen, als wir mit einer Ferndiagnose. Auf keinen Fall würde ich feuchtes Moos o.ä. nehmen, da sich Pilze nur noch so freuen werden. Ein Fungizid wäre eine erste Behandlungsmöglichkeit, sofern überhaupt noch was zu retten ist. Dann Jute-Wickel o.ä. zum Schutz drum.
Früher hat man (leider) Obstbäume geringelt, damit sie (mehr) Blüten ansetzen, was den Bäumen schadete, aber sie noch nicht getötet hat.
Nebenbei würde ich den Kindern aber erklären (lassen), warum sie das schleunigst zu unterlassen haben.
Grüsse,
Sepp
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...nee,is keine Hainbuche, sondern ne simple fagus sylvatica. Stammdurchmesser schon fast 30 cm, geschätzte höhe...tja...vielleicht 10 - 12 m
Entweder habe ich hier irgendetwas falsch verstanden, oder hier leiden einige unter Realitätsverlust.
1. Einen Buche von 30 cm Durchmesser kannst du nicht 'abmoosen'.
2. Wenn das ganze schon ein paar Tage her ist, dann bringt auch irgendein 'Wundverschluss' nichts mehr. Die oberen Zellschichten sind sowieso mittlerweile vertrocknet, und Pilzsporen sind auch mehr als genug da, um unter einem Wundverschluss wilde Parties zu feiern.
3. Honig??? Ja, klar. Gute Idee. Der Buche dürfte es zwar egal sein, aber so haben vielleicht noch ein paar weitere Pilze eine kleine Starthilfe durch die zusätzlichen leicht verfügbaren Kohlenhydrate.
Ich würde aber lieber dafür sorgen, daß es die richtigen sind. Vielleicht ein paar Shiitake-Kulturen besorgen...?
4. 'Überwallen'? Meint ihr, der Baum läßt einfach von oben und unten Holz drüberwachsen, um die unterbrochenen Leiterbahnen zu schließen, oder wie?
Nix machen geht nich, aber ich möcht Fehler vermeiden.(Gefrierbrand, Fäulnis, Pilze)
Der angerufenen Baumchirurg sagte "...Fällen, mit Genehmigung, und zwar sofort...".
Wenn es überhaupt eine Hoffnung gibt, dann besteht die darin, daß du den Schaden überschätzt hast. Wenn es wirklich so wäre wie behauptet (Rundum mehrere Zentimeter bis zum Splintholz weg), dann kann das nicht 'verheilen'. Vielleicht könnter ein echter Könner mit ganz vielen Überbrückungspfropfungen etwas erreichen, wie Günther vorschlägt, aber das wird an dem Standort niemand machen oder dulden.
Mag dem Rat nicht folgen, und so schnell stirbts doch nicht, oder ?
Wieso nicht? Wenn die Leitungen wirklich so tief und so breit durchtrennt sind wie behauptet, dann ist Schluss.
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Luzula, vielleicht kannst du uns ein Foto machen, damit man besser sieht, wie dick die Schicht ist, die entfernt wurde und wie groß der Schaden ist.
LG Silvia
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Moin,
"erstmaleine lanzebrech fürexperimentierfreudigekidsundtantendieauchnichtüberallseinkönnen"
jaaa, foto..öhm..."kannichnichundhabichnich" sorry
eigentlich staune ich eher darüber, dass mir dieser Fall erst nach fast 20 Jahren das erste Mal unterkommt.
War öfter mal selbst die Tante, die Schnitzmesserversuche an Bäumen beendet hat und fürchte, dass eher die Erzieherinnen keinen Schimmer haben...ohne Vorwurf...mit 19 ...
Also, werde ohne viel Hoffnung einfach mal einen Jutewickel machen und mit den Kindern vorher eine Begehung machen, ein Infoschild malen und dann zuwarten.
Soweit ich nun bin, muß einfach klar sein, dass wegen der Jahreszeit (Frost/Vegetationsruhe) eh keine "Massnahme sofort Wirkung zeigen kann. Vielleicht ist gerade das die Rettung, dass die Verletzung während der ruhe passierte.
Ein Lob nochmal an diese bunte Forumsgemeinschaft...für Interesse und kontroverse Ansätze !
Berichte weiter...man staunt ja oft, was Pflanzen alles überleben.
LG
luzula
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1. Einen Buche von 30 cm Durchmesser kannst du nicht 'abmoosen'.
Ich denke mal schon, dass das machbar wäre, theoretisch jedenfalls. Das Problem ist ja hier nicht der Durchmesser, sondern eher die Höhe, und die damit verbundenen Probleme beim Abtrennen und wieder Einpflanzen. Da bräuchte man schon einen Kran ;) .
4. 'Überwallen'? Meint ihr, der Baum läßt einfach von oben und unten Holz drüberwachsen, um die unterbrochenen Leiterbahnen zu schließen, oder wie?
Das kann schon passieren, wenn noch lebendiges Kambium vorhanden ist. Das Kambium ist ja für die Bildung der Zellen "verantwortlich" (um es mal populärwissenschaftlich auszudrücken :) ). Es wird also versuchen die Wunde mit Borke zu verschließen (das passiert ja auch bei anderen Verletzungen).
Aber wie so oft sind Theorie und Praxis nur in der Theorie das gleiche ;D
So einen Schaden sollte man wirklich von einem Baumpfleger begutachten lassen, vielleicht auch von einem zweiten, um sicherzugehen, dass nicht vorschnell abgeholzt wird.
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Ich denke mal schon, dass das machbar wäre, theoretisch jedenfalls.
Theoretisch wirst du vielleicht aus dem Buchenstamm irgendwelche Würzelchen bekommen, notfalls mit Hilfe von Wuchsstoffen. Trotzdem kannst du einen 30 cm starken Baum nicht 'abmoosen', auch nicht mit Kran, auch nicht theoretisch, weil: der Stamm innen reinfaulen würde nach dem Einpflanzen, weil die Wurzeln keine Standsicherheit vermitteln könnten, und ich bezweifle auch, daß sie in der Lage wären, die Baumkrone zu versorgen. Und mehrere Jahre Zeit hat man auch nicht, weil die Original-Wurzeln nicht mehr versorgt werden und vorher absterben. Im Gegensatz zu einer Topfpflanze kann sich aber eine Buche nicht für die Übergangszeit aus einer Packung Moos versorgen.
Das kann schon passieren, wenn noch lebendiges Kambium vorhanden ist. Das Kambium ist ja für die Bildung der Zellen
Der Beschreibung nach ist der Stamm 'bis zum Splintholz' abgeschält, rundum. Und meine Aussaagen bezogen sich ausdrücklich auf die Beschreibung, ohne ihren Wahrheitsgehalt prüfen zu können.
"verantwortlich" (um es mal populärwissenschaftlich auszudrücken :) ). Es wird also versuchen die Wunde mit Borke zu verschließen (das passiert ja auch bei anderen Verletzungen).
Ich habe noch keinen großen Baum gesehen, der großfläche und tiefer als nur die Borke/Rinde betreffend reichende Wunden wieder verschließt. Gehört oder gelesen habe davon auch nicht.
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@Re-Mark: Sorry, wenn wir uns missverstanden haben. :-[
Ich bin absolut nicht der Meinung, dass es in diesem konkreten Fall überhaupt sinnvoll wäre, hier einen riesen Aufwand zu betreiben. Ausserdem sehe ich das genau so wie Du, dass es hier für solche Aktionen eh zu spät wäre, wenn hätte sofort was passieren müssen.
Deswegen sagte ich ja auch, dass Theorie und Praxis eben immer nur in der Theorie das selbe sind.
Viele Grüße
Christoph
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Theorie ist, wenn man alles weiß und nix funktioniert.
Praxis ist, wenn alles funktioniert und kein Mensch weiß warum. 8)