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Garten- und Umwelt => Atelier => Thema gestartet von: troll13 am 03. Januar 2013, 22:57:42

Titel: Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: troll13 am 03. Januar 2013, 22:57:42
... geht das zusammen? ???

Ich habe einmal die Stichworte "Bauhaus", "Architektur" und "Garten" bei Google eingegeben. Das Ergebnis war dieses. ???

Die interessantesten Ergebnisse sind noch dies ;D und jenes ::).

Können moderne Architekten und Bauherren einfach nicht mehr "Grün" oder muss das so sein???
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: zwerggarten am 03. Januar 2013, 23:21:52
damals gab es durchaus konzepte. ;)
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Landpomeranze † am 03. Januar 2013, 23:55:13
... ein etwas neueres Beispiel

(Bauhaus-Ära ist ja inzwischen auch schon lange her)
In irgendeinem Ordner auf meinem Tablet versteckt sich Literatur zur Haus- und Gartengestaltung der 20er und 30er Jahre...
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Gartenplaner am 04. Januar 2013, 00:11:05
Hmm....beim Bauhaus ging es darum:
"Ein Leitbild des Bauhauses war, die Architektur als Gesamtkunstwerk mit den anderen Künsten zu verbinden." (Quelle: wikipedia-Artikel zu Bauhaus, interessant der Abschnitt "Grundgedanke")
Allerdings war das sehr architektur-zentriert.
Ein sehr wichtiger Aspekt war immer die großzügige Öffnung des Innenraums zum Außenraum durch große Glasflächen, hab heute noch einen Artikel über Mies van der Rohe gelesen, kein Bauhäusler, aber ebenso ein Architekt der "Moderne", dem dies auch sehr wichtig war.
Ich weiß allerdings nicht, ob es von den Architekten des Bauhaus Aussagen zur Gestaltung der Flächen um ihre Bauten herum gibt.
Wenn mich die Erinnerungen an die Vorlesung zur Geschichte der Landschafts- und Gartenarchitektur nicht trügt, waren die Konzepte aus der Epoche Bauhaus eher stadtplanerischer Art - also großräumig für Stadtplanung, die Gartenstadt-Konzepte wurden auch in der Zeit entwickelt.

Die deutschen Hausgärten der 20er Jahre orientierten sich noch an Arts and Crafts-Vorbildern aus England, die 30er waren dann sehr "heimat-tümmelnd" - die Nazis lehnten Bauhaus und die Moderne ja ab und alle wichtigen Köpfe gingen ins Exil.

Ich glaube, die Landschaftsarchitektur hatte vor Ort in Deutschland, durch die kurze Blüte des Bauhauses, keine wirkliche Chance einer fruchtbaren Auseinandersetzung mit dieser völlig neuen Form des Bauens - die ja gerade dazu prädestiniert ist, von durchdachter "Gartenlandschaft" umgeben zu werden - angesichts der großflächigen Öffnung des Innenraumes zur Umgebung.

Wie die Gärten aus dem verlinkten Buch aussehen, würde mich schon interessieren, ich glaube nicht so recht, dass die Gartenarchitekten jener Zeit zwischen 1925 und 1930 schon wirklich gute Antworten zu der Architektur parat hatten - vielleicht von Ausnahmen oder späteren, auf die Häuser abgestimmten Überplanungen abgesehen.

Erst in den 50er Jahren kam die "Moderne" im Hausgarten an.
Als eine Art Wendepunkt gilt "Der Garten des Poeten", 1959 von Ernst F. Cramer, einem schweizer Gartenarchitekten für die erste schweizerische Gartenbauaustellung in Zürich als temporäre Installation geplant.
Und da ist es fast schon ein Übergang zur "Land Art" 8)
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: pearl am 04. Januar 2013, 02:49:13
freitagsfish hatte mal gefragt nach dem Gartenstil der 30er Jahre. Ich hatte da mal was zusammengetragen. Unter anderem über die Wohnkultur der 30er Jahre eines der in der Reihe Blaue Bücher erschienen.

Im übrigen war der Garten meines Großvaters aus der Zeit und ähnliche Gärten habe ich auch hier gesehen. Alle mit den Grundelementen, die auch im Foerstergarten zu finden sind.

Darüber hinaus gibt es Bilder von Architekturausstellungen des Bauhauses. Gebäude auf weitläufigem Gelände, das landschaftsgestalterisch geformt ist. Täler und Hügel mit Flächen dazwischen, die Sportanlagen dienen. Sporthochschule oder Sportinternat, irgendsowas war es.

Dass in der Zeit hier nix los gewesen sein soll auf dem Gebiet, das halte ich für eine Fehlinformation.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Staudo am 04. Januar 2013, 07:34:32
(Bauhaus-Ära ist ja inzwischen auch schon lange her)

Eben. Das werden bald 100 Jahre. Der Kleidungsstil von damals wird zwar auch alle paar Jahre mal wieder aufgegriffen, aber modern ist am Bauhaus nur, dass es immer noch moderner wirkt als mancher Neubau. ;D

In der aktuellen „Gartenpraxis“ ist ein Artikel über den Garten Hagen Engelmanns aus Schorbus bei Cottbus. Ich kenne den Artikel noch nicht, aber Garten und Haus. Letzteres ist modern und der Garten dazu traumhaft.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Mediterraneus am 04. Januar 2013, 08:00:11
Können moderne Architekten und Bauherren einfach nicht mehr "Grün" oder muss das so sein???

Moderne Architekten und Bauherren brauchen halt auch moderne Gartenplaner mit Lust aufs Neue und Unbekannte ;)

Meins wärs nicht, aber bei anderen finde ich solche pflanzentechnisch minimalistischen Gärten durchaus mal passend.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: troll13 am 04. Januar 2013, 08:49:42
Hmm....beim Bauhaus ging es darum:
"Ein Leitbild des Bauhauses war, die Architektur als Gesamtkunstwerk mit den anderen Künsten zu verbinden." (Quelle: wikipedia-Artikel zu Bauhaus, interessant der Abschnitt "Grundgedanke")

...
Ich glaube, die Landschaftsarchitektur hatte vor Ort in Deutschland, durch die kurze Blüte des Bauhauses, keine wirkliche Chance einer fruchtbaren Auseinandersetzung mit dieser völlig neuen Form des Bauens - die ja gerade dazu prädestiniert ist, von durchdachter "Gartenlandschaft" umgeben zu werden - angesichts der großflächigen Öffnung des Innenraumes zur Umgebung.

...

Viel passiert scheint seit dem Bauhaus jedoch wirklich nicht zu sein. So kommen mir moderne ökologische und gleichzeitig minmalistische Architekturansätze immer wie "Ufos" in der umgebenden Landschaft vor (Bitte die Referenzobjekte anklicken).

Ich finde, diese Bauten haben einerseits schon eine besondere Ästhetik. Andererseits ist es schon etwas irritierend, wenn das ökologische Konzept an der Außenhaut des Baukörpers endet.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Staudo am 04. Januar 2013, 08:54:28
Hochbauarchitekten sind halt keine Gartenarchitekten.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Anke02 am 04. Januar 2013, 08:55:29
Aber ganz ehrlich - so ein Vogelhaus im modernen Stil von dem Link oben finde ich klasse! Warum sollte man zu einem modernen Haus nicht auch passend ins vorhandene Grün (und das kann auch da reichlich vorhanden sein) ein modernes Vogelhaus stellen? So ein "Bauernhäusle" passt da einfach nicht so gut dazu, auch, wenn mir grundsätzlich die bunten Häuschen auch sehr gut gefallen!
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: sarastro am 04. Januar 2013, 09:02:27
Ich kenne einige Architektenhäuser im Bauhausstil. Die Besitzersgattinnen sind begeisterte Pflanzensammlerinnen und haben durchwegs einen naturalistischen, verspielten, sehr artenreichen Gartenstil durchgezogen, welcher sich hervorragend und gelungen vom doch eher strengen Bauhausstil abhebt. Es muss nicht zwangsläufig minimalistisch sein.

Mir fällt jetzt der Name des Objektes nicht ein, aber in den USA ist in den 20er-Jahren ein Haus über einem Wasserfall gebaut worden, inmittten einer natürlichen Umgebung. Dies kann als sehr gelungen bezeichnet werden.

Mir gefallen Gegensätze immer besonders gut!
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: zwerggarten am 04. Januar 2013, 09:04:41
@ troll: findest du wirklich, dass sich "nicht-moderne" architektur und garten besser verbinden?
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Zwiebeltom am 04. Januar 2013, 09:07:44
Mir fällt jetzt der Name des Objektes nicht ein, aber in den USA ist in den 20er-Jahren ein Haus über einem Wasserfall gebaut worden, inmittten einer natürlichen Umgebung. Dies kann als sehr gelungen bezeichnet werden.

Das Haus heißt Fallingwater von Frank Lloyd Wright. Wunderschön, wie ich finde! :D
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: troll13 am 04. Januar 2013, 09:21:02
@ troll: findest du wirklich, dass sich "nicht-moderne" architektur und garten besser verbinden?

Eigentlich nicht! Ich habe einfach nur Fragen.

Muss sich der ökogische Ansatz nicht auch im Außenbereich fortsetzen? Interessanterweise sind auf den Bildern des Architekturbüros fast immer Autos dargestellt. Der Garten besteht jedoch ausschließlich aus einem Alibibaum.

Nur welche Formensprache passt zu solchen Objekten?

Oder soll Garten grundsätzlich der Individualität der Hauseigentümer vorbehalten bleiben?
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: sarastro am 04. Januar 2013, 09:28:12
Letzteres! Dies verhält sich ähnlich Religion und politischer Einstellung. Alles sehr private Dinge. Allerdings: ein wenig Traditionsbewusstsein sei der Umgebung zugestanden.

(Danke, Zwiebeltom! Manchmal hat man einen Namen nicht gleich parat)
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Mediterraneus am 04. Januar 2013, 10:27:13
@ troll: findest du wirklich, dass sich "nicht-moderne" architektur und garten besser verbinden?

Ist manchmal schwierig. Welcher Garten passt zu einem typischen Einfamilienhaus der 70er auf dem Lande ?
Weiß gar nicht, ob das überhaupt ein bestimmter Baustil ist. Damals gabs Koniferen ohne Ende. War halt so. Aber passen Koniferen grundsätzlich zum schwarzgestrichenen Jodelbalkon? Oder geht Jodelbalkon neuredings auch mit "Gravel Garden"?

Oftmals werden Haus und Garten zu unterschiedlichen Zeiten angelegt.

Wo beides gleichzeitig geschieht, passt es oft: Siedlungshäuschen der 50er mit Rosen, Blaufichte und Pampasgras. Warum nicht.

Altes Bauernhaus mit Holzzaun und Bauerngarten. Auch schön.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: fars am 04. Januar 2013, 10:28:53
Allerdings: ein wenig Traditionsbewusstsein sei der Umgebung zugestanden.

Leider wird das in meinen Augen zu wenig beachtet.
Ich bedaure immer, wenn ich durch das Frankfurter Westend mit seinen prachtvollen Villen aus der Gründerzeit streife, dass die Gartengestaltung sehr oft "modern" (oder eher modisch?) ist. Zu selten sieht man Vorgärten im Parterre-Stil.
Ganz schlimm wird es, wenn die Gärten "pflegeleicht" gestaltet werden, mit viel Kies und Verbundpflaster und ab und zu einem Alibi-Strauch/Baum.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Lehm am 04. Januar 2013, 10:31:53
mit viel Kies und Verbundpflaster

Dass es von beidem verschiedenfarbige Varianten gibt ist dir aber bewusst?!
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Treasure-Jo am 04. Januar 2013, 11:02:27
....
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Treasure-Jo am 04. Januar 2013, 11:07:39
...alles klar ;D
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Mediterraneus am 04. Januar 2013, 11:11:24
Kennen wir doch schon alles, Jo! Sind doch Experten! 8)



..wie man auch schon in Post 1 und 2 dieses Threads sehen konnte ;)
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Treasure-Jo am 04. Januar 2013, 11:24:59
damals gab es durchaus konzepte. ;)

Kennt / hat jemand von Euch dieses Buch? Ist es empfehlenswert?
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Gartenplaner am 04. Januar 2013, 11:33:04
@pearl: Das hast du aber jetzt falsch verstanden - ich habe nicht geschrieben, dass in der Zeit gartenarchitektonisch in Deutschland "nix" los war, genau lesen bittte.

Der "Hausgarten", als Gestaltungsobjekt, Statussymbol, Selbstverwirklichung etc. ist wirklich noch recht neu kann man sagen - bis zum 20. Jh. gab es entweder die "Parks" der Großkopferten, sei es ein Versailles oder ein Rousham, den Bauerngarten auf dem Land und ähnliche Gärten seltener mal in den Städten, die meist auch der Selbstversorgung dienten und Versatzstücke der Gestaltungsideen der Parks der Adeligen aufnahmen.
Mit der Industriealisierung folgte eine Umwälzung der Bevölkerungsstruktur, die Städte wuchsen rasant.
Die Gartenarchitektur überlegte an Konzepten zur Gesundheitsförderung in der Stadt, Stichwort Volkspark.
Zur gleichen Zeit gab es in England mit Gertrude Jekyll und Edwin Lutyens erste Schritte in Richtung des geplant gestalteten Hausgartens, auch wenn das noch eher Häuser von Reichen waren.

Karl Foerster war natürlich von diesen Vorbildern beeinflusst, allerdings war er auch mehr Gärtner als Gartenarchitekt, Gartenarchitekten aus seinem Umfeld haben die Gestaltungen jener Zeit dann mit seiner neuartigen Pflanzenverwendung umgesetzt, hier werden vor allem Gottfried Kühn, Hermann Mattern (erwähnt wird die Erstellung eines Konzeptes für den Garten der Villa Müller (Müllerova vila, Haus Müller)), Walter Funcke und Herta Hammerbacher genannt (die den Garten zum Haus Schminke entwarf - auch ein moderner Bau, aber zur "organischen Architektur" zählend, eine paralelle Strömung zum Bauhaus)

Die politische Situation in Deutschland allerdings, welches erst nach der Reichsgründung 1871 wirklich zu einer Nation geworden war, war sehr von Identitätsfindung und der Auseinandersetzung mit "Heimat" geprägt - hab hier eine interessante Abhandlung über die Wurzeln des "Naturgartens" Anfang des 20. Jh. in Deutschland gefunden:
http://hup.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2009/92/chapter/HamburgUP_LASH96_Ordnung_Wolschke_Bulmahn.pdf
Lustigerweise ist der Autor der Dozent meiner "Geschichte der Gartenkunst"-Vorlesung in Hannover gewesen - das 20Jh ist sein Steckenpferd

Willy Lange, ein Gartenarchitekt, der Foerster beeinflusste, entwickelte ab 1900 ein Naturgartenkonzept,

 "...dies vereinte – und das machte es für den Nationalsozialismus so attraktiv – auf besondere Weise naturwissenschaftlich orientierte Gestaltungsvorstellungen
mit nationalistischen und rassistischen Ideen über die
angeblich enge Bindung des deutschen Volkes an Natur und Landschaft....
Die Langes Naturgärten zugrunde liegenden Motive sind vielfältig.
Dazu gehörte unter anderem ein Interesse vieler Gartenarchitekten, durch
ein dezidiertes Gartenkonzept, das große Pflanzenkenntnis erforderte,
professionelles Terrain von den Architekten zurückzuerobern. Denn Architekten
hatten der im späten 19. Jahrhundert noch dominierenden landschaftlichen
Gartenmode eine formale Gestaltung entgegengesetzt, der
zufolge der Garten in Fortsetzung der Räume des Hauses in entsprechende
Gartenräume untergliedert war. Architekten wie Hermann Muthesius
(1861–1927),51 Peter Behrens (1868–1940) und andere erhoben den Anspruch,
besser qualifiziert für die Gestaltung von Gärten zu sein, da der
Garten nun als Erweiterung des Hauses, als erweiterter Wohnraum interpretiert
wurde.
Diese formalen Gestaltungstendenzen in der Gartenarchitektur gingen
von England aus...."

Auch in England enstand mit William Robinson 1870 veröffentlichtem Buch "Wild Garden" eine ähnliche Strömung, die Lange auch zitiert.

"...Die Naturgartenideologie, in Deutschland lange Zeit hauptsächlich von
Lange vertreten, bekam in der Vorphase zum Nationalsozialismus neue
Impulse durch den Gartenarchitekten Alwin Seifert. Seifert, ein fanatischer
Antisemit, führte den Begriff des „bodenständigen“ Gartens in die Diskussion
um die Gestaltung von Gärten ein. Er bekannte sich 1930 ausdrücklich
dazu, mit seiner Gartenkunst auch politischen Einfluss ausüben zu wollen.
Wie für Lange war auch für Seifert Gartengestaltung eine Frage der Weltanschauung;
und wie Lange lehnte er entschieden internationale Einflüsse
auf die deutsche Gartenkultur ab....."

Das Bauhaus wollte gesellschaftliche Unterschiede beseitigen und zum Verständnis zwischen den Völkern beitragen - und war deswegen den Nazis zu "internationalistisch" bzw. "kommunistisch".

Als das Bauhaus seinen Siegeszug antrat, war es in Deutschland schon nicht mehr wirklich willkommen, und Gartenarchitekten der Zeit geprägt bis gedrängt, entweder formal zu gestalten, oder auf den "Naturgartenideologie"-Zug aufzuspringen - um im Geschäft zu bleiben.
Für Experimente und kreative Auseinandersetzung mit Neuerungen war keine Luft mehr.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: fars am 04. Januar 2013, 11:41:59

Der "Hausgarten", als Gestaltungsobjekt, Statussymbol, Selbstverwirklichung etc. ist wirklich noch recht neu kann man sagen -

Erklärt sich auch aus dem Wohlstandsgefälle. Erst das aufkommende, wohlhabendere Bürgertum konnte sich Ziergärten leisten. Vor allem innerhalb von Stadtmauern, wo Grund und Boden immer schon sehr kostbar und teuer waren.

In England war die die Entwicklung des Cottage-Gardens m.W. sehr stark durch den Adel beeinflusst (Nachahmungseffekte). Der Garten sollte neben der Eigenversorgung auch der Zierde des Eigentums dienen.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: troll13 am 04. Januar 2013, 13:44:08
@ troll: findest du wirklich, dass sich "nicht-moderne" architektur und garten besser verbinden?

Ist manchmal schwierig. Welcher Garten passt zu einem typischen Einfamilienhaus der 70er auf dem Lande ?
Weiß gar nicht, ob das überhaupt ein bestimmter Baustil ist. Damals gabs Koniferen ohne Ende. War halt so. Aber passen Koniferen grundsätzlich zum schwarzgestrichenen Jodelbalkon? Oder geht Jodelbalkon neuredings auch mit "Gravel Garden"?

Oftmals werden Haus und Garten zu unterschiedlichen Zeiten angelegt.

Wo beides gleichzeitig geschieht, passt es oft: Siedlungshäuschen der 50er mit Rosen, Blaufichte und Pampasgras. Warum nicht.

Altes Bauernhaus mit Holzzaun und Bauerngarten. Auch schön.

Gibt es überhaupt den "einen" Gartenstil, der zu einer bestimmten Architekturrichtung passt? Einen Garten auf einem Grundstück mit einem älteren Haus anzulegen, ist für mich schon von daher einfacher, weil hier in der Regel ein etwas größerer Gartenraum vorhanden ist.

Zu Bauhaus, Moderne und Postmoderne kann ich mir durchaus Gärten wie Fallingwater aber auch Prairie- und Gräsergärten wie bei Oehme und van Sveden vorstellen. Nur dies als "das Modell" für Gärten im mitteleuropäischen Raum zu postulieren, halte ich für illusionär, wenn nicht sogar elitär.

Die Verhältnisse in den Speckgürteln unser Großstädte, wo wohl die meisten dieser Gebäude entstehen, sind doch viel zu beengt für solche Gärten.

Zudem scheint für mich moderne Architektur heute untrennbar mit ökologischem Bauen verbunden zu sein. Neben kleinen Grundstücksparzellen, die auch dem Prinzip der Minimierung des Flächenverbrauchs Rechnung tragen, kommen dann auch noch technische Probleme dazu. Gehölze dürfen keine Photovoltaikanlagen beschatten. Auf Flächen, die Wärmetauscheranlagen für Geothermie beherbergen, lässt sich eh nur wenig verwirklichen und so weiter.

Wenn hier "Grün in der Stadt" aber auch der Anspruch auf anspruchsvolle private Gartenräume noch Platz haben sollen, sind für mich doch erst einmal die Stadtplaner und Architekten gefragt.

Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Landpomeranze † am 04. Januar 2013, 15:23:02
Die (Hochbau-)Architekten haben sich nach Möglichkeit immer schon der Landschaftsarchitekten und Gartengestalter bedient, sofern der Auftraggeber genug Geld hatte.

Ein Text des Instituts für Landschaftsarchitektur der Wiener Boku zur Geschichte der L-Architektur und Gartengestaltung zwischen 1912 und 1945 zeigt das recht genau, es gibt auch noch einen ergänzenden Artikel zu den damals aktiven Gartenbauerinnen, den ich aber erst suchen muss...
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Gartenplaner am 04. Januar 2013, 17:17:13
Sehr interessante Text-Sammlung!
Danke dafür :)

Gibt es überhaupt den "einen" Gartenstil, der zu einer bestimmten Architekturrichtung passt?

Sagen wir mal so - es gab und gibt immer wieder die Bemühung, Haus und Garten miteinander in irgendeiner Form in Beziehung zu setzen.
Zu Bauhaus, Moderne und Postmoderne kann ich mir durchaus Gärten wie Fallingwater aber auch Prairie- und Gräsergärten wie bei Oehme und van Sveden vorstellen. Nur dies als "das Modell" für Gärten im mitteleuropäischen Raum zu postulieren, halte ich für illusionär, wenn nicht sogar elitär.

Die Ikonen von Bauhaus, Moderne und Postmoderne waren aber auch oftmals "Villen" - also Häuser des neuen Geldadels, Industrielle z.B., die sich Raum für ihre Anlagen leisten konnten und sehr auf konsequentes Design - wiederum als Statussymbol - bedacht waren.
Diese Anlagen sind elitär.

Und ein Bauhaus-Würfel, der dramatisch über einem Rasenhang thront, welcher wiederum von altehrwürdigen Bäumen begrenzt wird, hat ein anderes Format als ein Einfamilienhaus mit Handtuchgarten - auch wenn es die Formensprache der Moderne nutzt.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Starking007 am 04. Januar 2013, 18:09:57
Die Formensprache der Moderne - klingt gut.

Realität ist der tausendfach kopierte Muster-Fertighaus-Katalog-Garten, der von den Eigentümern als individuell empfunden wird, blos weil in Sichtweite keiner so einen hat.
Ich bin da richtig deprimiert, weil ich das beruflich mache (gottseidank umsatzunabhängig).
Ich wünsche mir manchmal die Zeiten von Waschbeton, Jägerzaun und Blautanne zurück, im Vergleich zu heute war das noch richtig individuell.
Und man war stolz drauf.
Heute ist der Bauherr sauer, weil er sich nicht die polierte Edelstahlvariante des Hofpflasters mit NanoTec leisten kann.
Beim Popelbäumchen entsprechend...........

Übertrieben:
Garten- und Hausathmospäre zwischen Schlachthaus, Gerichtsanatomie und Aussegnungshallenvorplatz...............
Auch für All-Inclusive Marriage-Events zu mieten.............


Jetzt ist mir wohler!
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: sarastro am 04. Januar 2013, 18:12:54
Die Formensprache der Moderne - klingt gut.

Realität ist der tausendfach kopierte Muster-Fertighaus-Katalog-Garten, der von den Eigentümern als individuell empfunden wird, blos weil in Sichtweite keiner so einen hat.
Ich bin da richtig deprimiert, weil ich das beruflich mache (gottseidank umsatzunabhängig).
Ich wünsche mir manchmal die Zeiten von Waschbeton, Jägerzaun und Blautanne zurück, im Vergleich zu heute war das noch richtig individuell.
Und man war stolz drauf.
Heute ist der Bauherr sauer, weil er sich nicht die polierte Edelstahlvariante des Hofpflasters mit NanoTec leisten kann.
Beim Popelbäumchen entsprechend...........

Übertrieben:
Garten- und Hausathmospäre zwischen Schlachthaus, Gerichtsanatomie und Aussegnungshallenvorplatz...............
Auch für All-Inclusive Marriage-Events zu mieten.............
Jetzt ist mir wohler!

Kann ich dir nur uneingeschränkt beipflichten! ;)
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Gartenplaner am 04. Januar 2013, 18:22:19
Von der radikal neuen Designidee zur industriellen Massenware ist der Weg sehr viel kürzer geworden.... :-\
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Santolina1 am 04. Januar 2013, 20:56:22
Ich kenne einige Architektenhäuser im Bauhausstil. Die Besitzersgattinnen sind begeisterte Pflanzensammlerinnen und haben durchwegs einen naturalistischen, verspielten, sehr artenreichen Gartenstil durchgezogen, welcher sich hervorragend und gelungen vom doch eher strengen Bauhausstil abhebt. Es muss nicht zwangsläufig minimalistisch sein.

Mir gefallen Gegensätze immer besonders gut!

Wir haben ein 'Architektenhaus im Bauhausstil' mitten in der Stadt und habe meine Idee von Garten auch bei diesem Haus durchgezogen. Einen naturalistischen, artenreichen Garten mit vielen Rosen ;) Mir gefällt der Gegensatz, weißer, fast quadratischer Würfel umgeben von Wildhecken, Rosenecken, Nutzgarten etc. Den Spaziergängern gefällt es auch, die bleiben oft stehen und rätseln welche Pflanzen denn das nun wieder sein könnten ;) Rundherum sind Architektenhäuser mit minimalistischer Bepflanzung. Buchskugeln und Kies soweit mein Auge reicht (ich frage mich was sie nächstes Jahr pflanzen, denn der Buchsbaumzünsler hat auch uns erreicht). Jeder so wie er will.

Als wir gebaut hatten, stand dem Architekten auch eine Gartenbaufirma zur Seite. Interessehalber hörte ich mir den Vorschlag an. Ein paar Bonsais, viel Kies, sei alles pflegeleicht, weil wir ja beide berufstätig sind. Gemüsegarten passt nicht zum minimalistischen Stil, was wollen Sie denn mit einem Gemüsegarten? Diese Arbeit möchten Sie sich doch nicht antun? Rosen, um Gottes Willen, vielleicht ein oder zwei Solitärsträucher, aber die sind auch schon wieder zu unordentlich. Diese Firma ist für mich ein rotes Tuch seither ::)

Letzten Herbst hatte ich auch einen Gartenarchitekten hier weil ich meine 'Rosenecke' und meine Wildhecke verbreitern wollte und ich einfach ein paar Ideen gebraucht hätte. Fazit von diesem einen Gespräch: alles platt machen, alle Sträucher weg, alles viel zu unordentlich, passt nicht zum Stil vom Haus. Rosen naja, wenn Sie eine Rosenliebhaberin sind, dann könnten wir schon ein paar unterbringen ... Gemüsegarten benötigen Sie nicht, es gibt eh schon alles zum Kaufen. Es blieb bei dem einen Gespräch!

Irgendwie scheint bei den Gartengestaltern, Gartenarchitekten der Wurm drin zu sein. Haus im Bauhausstil verlangt eine minimalistische Gestaltung, Bauernhaus oder Haus im ländlichen Stil verlangt einen naturnahen Garten. Wieviele enthusiastische Gärtner gibts denn wirklich? Bzw. wieviele Mutige gibt es? Man findet doch oft genug in den Gartenbüchern, der Stil des Hauses sollte sich im Garten fortsetzen. Wie oft habe ich während des Baus alle möglichen Gartenbücher gewälzt um 'meinen Stil bzw. Sammelleidenschaft' mit dem Stil des Hauses in Einklang zu bringen. Ich wurde nicht fündig. Schlussendlich zog ich 'meinen Stil' durch. Naturnaher Garten mit vielen Pflanzen. Auch meine 'altmodischen' Vogelhäuschen passen nicht zu dem Stil, konnte aber Gott sei Dank wieder Vögel hier ansiedeln.



Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Mediterraneus am 06. Januar 2013, 11:55:47
Garten ist eben individuell. :D

Nur wer keine eigenen Ideen hat, muss kopieren. Vom Nachbarn, vom Gartenheft, vom vorgegebenen Gartenstil.

Gartenstile sind alle mal aus einem Trendsetter entstanden. Zumindest die modernen. Also kann jeder für sich zum neuen Trendsetter werden. Jeder wie es ihm gefällt ;D
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: BuckarooBanzai am 09. Januar 2013, 17:00:27
Ich bin schon der Meinung das die kubische Architektur eines Bauhausstiles mit seinen strengen Formen im Garten fortgeführt werden sollte. Oder wird eher die Strenge Form des Gartens in der Architektur des Hauses weitergeführt. Als erstes steht das Haus und danach der Garten. Aber als erstes sieht man den Garten und dann das Haus.

Ich bin jedoch der Meinung das strenge Formen der Rasenflächen, Beete oder Terassen nicht minimalistisch in der Pflanzenauswahl sein sollten oder müssen. Man kann ein Beet oder eine Hecke mit strenger Abgrenzung zur Rasenfläche einfassen. Die Beetfläche selber kann doch explodieren wie sie möchte. Auch ein Gartenteich, kann eckig, genauso einer großen Pflanzen und Tierwelt Unterschlupf bieten. Er muss dafür nicht rund oder nierenförmig sein.

Die Höchstminimalistische gärtnerische Ausstattung vieler Neubauten hängt damit nur mit der Faulheit des Eigentümers zusammen. Und am besten noch den Mähroboter.

Sehen wir uns doch andere Neubauten von jungen Famillien an. Hecke, Rasen Schluß. Bei den standard Schlüsselfertighaus sogar noch unansehnlicher wie beim Bauhausstil da dort die architektonische Leitlinie stärker verwischt wird.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Treasure-Jo am 09. Januar 2013, 17:15:44
Im Idealfall gibt es zwischen Haus und Garten eine gestalterische Verbindung. In der Regel dominiert bei kleineren Gärten die Architektur des Hauses, die der Gartengestalter in irgendeiner, aber angemessenen Form aufgreifen und beantworten sollte. Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass sich Haus und Garten stilistisch gleich oder ähnlich sind. Auch ein sehr nüchternes, geradliniges Haus kann einen überbordenden Staudengarten haben. Denn starke Kontraste können sehr spannend sein (müssen aber nicht ;) ). Persönlich würde ich den Garten eines Gebäudes im Bauhaus-Stil nicht gerade als Cottage-Garten oder Barockgarten anlegen, oder doch? :D Einen wilden, naturhaften Garten kann ich mir aber sehr gut vorstellen. Wagemut, Feingefühl, Können, Experimentierlust sind da gefragt. Der Grat zwischen totalem Fehlgriff und gelungener Avantgarde ist da oft sehr schmal.

LG

Jo
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Gartenplaner am 09. Januar 2013, 18:46:34

...Ich bin jedoch der Meinung das strenge Formen der Rasenflächen, Beete oder Terassen nicht minimalistisch in der Pflanzenauswahl sein sollten oder müssen. Man kann ein Beet oder eine Hecke mit strenger Abgrenzung zur Rasenfläche einfassen. Die Beetfläche selber kann doch explodieren wie sie möchte. Auch ein Gartenteich, kann eckig, genauso einer großen Pflanzen und Tierwelt Unterschlupf bieten. Er muss dafür nicht rund oder nierenförmig sein.....


Moderne und Naturhaftigkeit, das erinnert mich an was....
Ich hatte im Rahmen eines Praktikums bei einem Naturschutzverband die Aufgabe zugeteilt bekommen, für einen mitten durch städtisches Gebiet verlaufenden Fahrradweg von mehreren Kilometern auf der Trasse einer ehemaligen Eisenerz-Transportbahn einen Plan für die Pflanzung von freiwachsenden einheimischen Heckengehölzen zu erstellen.

Mein erster Vorschlag war, angesichts der städtischen Situation und der schnellen Bewegung der Fahrradfahrer, die Gehölze in großen, einheitlichen Blöcken zu pflanzen, also 15m Holunder, 15m Weißdorn, 15m Pfaffenhütchen usw. um ein interessantes Erlebnis"bild" für die Nutzer in der Stadt zu schaffen - meiner Meinung nach wäre der naturschützerischer Nutzen durch die Entmischung auf diesem Standort nicht stark minimiert worden und die Gefahr von Vermüllung, weil die Leute denken, dass da eh nur ungepflegter Wildwuchs hochschiesst dadurch geringer.
Ich empfands als moderne naturschützerische Antwort auf eine städtische Situation.

Schlußendlich waren auf dem Plan die Gehölze doch bunt gemischt, nach Höhe gestaffelt und in vor- und zurückspringenden Beeten eingezeichnet :-\ ;D

Ich finde , dass sich strenge Formensprache, die eine klare Gestaltung anzeigt auch mit naturhaften Pflanzungen verwirklichen lässt :)
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: RosaRot am 09. Januar 2013, 19:05:44
Ich bin schon der Meinung das die kubische Architektur eines Bauhausstiles mit seinen strengen Formen im Garten fortgeführt werden sollte. Oder wird eher die Strenge Form des Gartens in der Architektur des Hauses weitergeführt. Als erstes steht das Haus und danach der Garten. Aber als erstes sieht man den Garten und dann das Haus.


Vielleicht gilt das für öffentliche Anlagen, wo Aspekte der Pflege ebenso wie Aspekte einer "allgemein annehmbaren Attraktivität" eine Rolle spielen.

Hausgärten sollten die Paradiese ihrer Besitzer sein und eben deshalb individuell nach Gusto gestaltet sein - oder eben auch nicht. S
ie sollten Spielplatz und Erprobungsort für eigene Erkundungen in/mit der Pflanzenwelt sein und nicht unbedingt in erster Linie Designobjekt. Wichtig ist mir, dass in einem Garten eine Seele zu spüren ist. (Das ist in Santolinas Garten sicher so...). Diese findet man manchmal in ganz profanen altmodischen Gemüsegärten mehr als in einem Designergarten.
Die Gärten hier ringsum, die zu neu gebauten Häusern geplant wurden, sind allesamt einfach schauerlich (die Häuser allerdings auch...)- ganz deutlich ist zu sehen, dass die Besitzer aber auch nicht den geringsten Sinn dafür haben, was ein Garten sein könnte.
Neben so einem Grundstück bearbeitet einer seit Jahrzehnten einen Garten mit kleinem alten Häuschen: was da alles blüht und wächst ist eine Freude - das Meiste ist essbar oder um Sträuße zu schneiden. Die Gestaltung ist schlicht und eben deswegen überzeugt dieser Garten viel mehr.
So einen Garten könnte ich mir genauso gut für einen Neubau vorstellen.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: troll13 am 09. Januar 2013, 20:26:00
Manchmal findet man doch noch Beispiele außer dem bereits genannten Beispiel "Fallingwater", wo man vielleicht aus selbst einziehen möchte.

Hier Haus und Garten von James van Sveden . :D
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: troll13 am 09. Januar 2013, 20:27:53
Hier werden offenbar noch einige Fotos gezeigt.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: RosaRot am 09. Januar 2013, 20:51:29
Danke, sehr schön, sehr interessant.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: pearl am 09. Januar 2013, 21:53:58
genau so! Und so! Und so! Wie troll es auch verlinkt hat! :D

Alles andere ist eine üble Mischung des feudalen europäischen mit dem feudalen japanischen Gartenstil. >:(
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: RosaRot am 09. Januar 2013, 21:58:14
Worauf genau beziehst Du letzteres?
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: oile am 09. Januar 2013, 22:16:42
so ganz unfeudal kommt mir das häuschen auch nicht vor. 8)
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: pearl am 09. Januar 2013, 22:26:40
Worauf genau beziehst Du letzteres?

na, darauf! ;D

oile, ich fasse den Begriff Feudalismus historisch auf und den Begriff Moderne eben kunsthistorisch und politisch. Die Moderne begann mit der Demokratie in Deutschland, hielt sich aber nicht lange. ;) ;D
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Frank am 09. Januar 2013, 22:34:02
Ich finde die Diskussion sehr interessant! :D

Meiner Meinung nach kommt immer dann eine Einheit zwischen Haus u d Garten heraus, wenn die Bauherren eindeutig wissen was sie zu Haus und Garten wollen (und was nicht)!

Da sich insbesondere im Garten immer etwas ändert im Laufe der Jahre, muss man sich "nur" darauf einlassen und Mut zur Veraenderung haben!

Auch das "Bauhaus" und die Moderne sind im Museum, unbenommen wer darin leben/darauf schauen will!

Insofern ist halbwegs alles erlaubt was gefaellt und gereift ist.

Frank
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: RosaRot am 09. Januar 2013, 22:44:15
'Darauf' mag ich gar nicht schauen. Das ist alles irgendwie 'Mein schöner Garten' + 'Häuser' +'Living at home' gwürzt mit ein bißchen 'Art'.... ;)

Wenn wir heute keine Moderne mehr haben, was dann? Denn Begriff 'Postmoderne' finde ich auch ziemlich dämlich. Klingt so, als wäre man nicht in seiner Zeit.
'Modern' heißt ja eigentlich nicht mehr als 'zeitgemäß'.

Was also ist die zeitgemäße Interpretation von Architektur und Garten?Vorzugsweise interessiert mich hier in D?
Die ganzen 'Aus-der-Schublade-Bauten' samt den (un) passenden Gärten dazu, die zu Massen die Eigenheimsiedlungen verunzieren können dies doch nicht sein.

Warum nicht auch mal Reihenhaussiedlungen mit dazu geplanten vielfältig nutzbaren Grünanlagen größeren Ausmasses, die auch Nutzgärten enthalten können, für den, der es möchte?
Ökologisch sicher sinnvoller als diese Kleinpalazzi die so herumstehen.
Mir fallen gerade gar keine Projekte dieser Art ein. Die letzten in unserer Gegend stammen aus den 50ern. Danach wurde es dünn, obwohl auch einige Plattenbausiedlungen z.T. recht nette großzügige und gepflegte Grünanlagen haben.

Moderne Architektur ist ja nicht immer nur der repräsentative Einzelbau.

Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Henning am 09. Januar 2013, 22:59:27
Ein Architekturstudent war in der Wohnung seines Professoers.
Der verließ kurz den Raum, um ein Buch zu holen.
Als er zurück kam, sah er, wie der Student einen Briefumschlag aus der Tasche zog
und da hinein die Asche seiner Zigarette träufelte.
Der Professor wies ihn auf den Aschenbecher hin, der doch auf dem Tisch stand.
"Aber Herr Professoor" antwortete der Student,
"der Ascher ist so hervorragend plaziert, den werde ich doch nicht entweihen".

Viele der gezeigten Architekturen sind repräsentative und fotogene moderne Mittelstandsschlösser,
gekonnt gestaltet, aber in den Fotos möchte man keine hingelümmelte Person haben,
es sei denn, vom Fotografen stilsicher arrangiert.
Und Kinder würde der Fotograf auch aus dem Bild vertreiben, weil sie doch die Optik stören.

Zum Thema (Behauptung von mir):
Zu fast jeder Architektur kann im Prinzip fast jeder Garten'typ' dazu kommen,
es ist immer nur eine Frage der Qualität der Gestaltung,
nicht so sehr das Was als das Wie.

Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Gartenplaner am 09. Januar 2013, 23:08:16

Zu fast jeder Architektur kann im Prinzip fast jeder Garten'typ' dazu kommen,
es ist immer nur eine Frage der Qualität der Gestaltung,
nicht so sehr das Was als das Wie.



Das ist der wesentliche Punkt!
Ein qualitativ hochwertig gestaltetes Haus - egal welcher Epoche - kann durch einen unüberlegt zusammengewürfelten Garten sehr an Wirkung einbüßen - und umgekehrt!
Schlechte Gestaltung bei einem mindert die gute Gestaltung beim andern.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Gartenplaner am 09. Januar 2013, 23:12:15
Ich finde übrigens persönlich das Van Sweden-Haus ziemlich hässlich :-X

Van Sweden Haus

Es wirkt ein bisschen so auf mich, als ob es einen auf modern versuchen wollte, sich dann aber doch nicht ganz traut....ein Quader - aber dann mit ganz viel Holz wieder abgepuffert - und Betonsichtziegel im Bad um ein "modernes Material" zu zeigen?? - uaahhh

Ich mein, DIESEN Blick aus dem Küchen- und Wohnzimmerfenster zerhackt man doch nicht durch unzählige Fensterstreben???
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: maigrün am 09. Januar 2013, 23:28:19
Zu fast jeder Architektur kann im Prinzip fast jeder Garten'typ' dazu kommen,
es ist immer nur eine Frage der Qualität der Gestaltung,
nicht so sehr das Was als das Wie.

ich denke, es ist nicht nur eine frage der qualität, da oft die voraussetzungen gar nicht gegeben sind. ich sehe bei vielen neubauten ein krasses missverhältnis zwischen der größe des hauses und der des grundstücks. es ist platz für terrasse / wege ums haus / mülltonnen und sichtschutz. wo soll da der garten hin?
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: pearl am 09. Januar 2013, 23:37:55

Warum nicht auch mal Reihenhaussiedlungen mit dazu geplanten vielfältig nutzbaren Grünanlagen größeren Ausmasses, die auch Nutzgärten enthalten können, für den, der es möchte?
Ökologisch sicher sinnvoller als diese Kleinpalazzi die so herumstehen.
Mir fallen gerade gar keine Projekte dieser Art ein. Die letzten in unserer Gegend stammen aus den 50ern.


genau! Gartenstädte und Reformsiedlungen gab es nur in den 30er Jahren.

Ich finde über zeitgemäßes Wohnen, möglicherweise generationenübergreifend und gesellschaftsgemischt mit großzügigem öffentlichem begehbaren Raum, in dem auch Kultur und Kommunikation stattfindet, nachzudenken, das wäre doch mal was!

Aber wir sind nicht in Italien und nicht in Afrika. In Deutschland ist jeder lieber für sich und baut und bastelt an seinem sicheren Leben zu dem er keine Zeit hat.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: hymenocallis am 10. Januar 2013, 07:25:33
genau so! Und so! Und so! Wie troll es auch verlinkt hat! :D

Alles andere ist eine üble Mischung des feudalen europäischen mit dem feudalen japanischen Gartenstil. >:(

Gerade die gezeigten Beispiele hier finde ich äußerst unharmonisch. Das Haus wirkt wie ein vergessener Fremdkörper in der Gartenanlage.
Ungepflegt wirkende 'Gstettn' als bewußter Kontrast zu extrem korrektem Baustil ist warum empfehlenswert?

Wenn es nur um den Kontrast geht, wäre doch ein Barockgarten davor genauso unpassend. Warum ist das eine wünschenswert und das andere igitt?

Zu jedem Baustil gibt es stimmige Gartenlösungen und solche, die durch Disharmonien glänzen - die ersteren ziehe ich vor.

LG
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Staudo am 10. Januar 2013, 07:41:09
Ganz abgesehen davon kommen solche weitläufigen Anwesen im urbanen Bereich wohl kaum in Frage. Da finde ich flächige Pflanzungen mit Gräsern und Stauden ganz passend. Auch wenn diese kaum die Prädikate „nachhaltig“ oder „naturnah“ verdienen.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: hymenocallis am 10. Januar 2013, 08:09:13
Schlichte schörkellose Häuser entsprechen dem Geschmack ihrer Besitzer - daß sie dazu einen ebensolchen Garten kombiniere, ist für mich nur stimmig.

Abgesehen davon werden viele dieser Häuser gebaut, weil sich ehemalige Wohnungsbewohner in 'grüneren' familienfreundlicheren Wohnvierteln ansiedeln. Wichtig ist für sie ein schickes Haus - das Grundstück rundherum muß wohl oder übel irgendwie gestaltet werden und pflegeleichte, ebenso 'coole' Gärten erscheinen ihnen passen. Hier in der Nachbarschaft gibt es genügend Beispiele.

Interesse am Garten selbst hat diese Klientel in der Regel nicht - benötigt werden ein Pool, eine große Terrasse mit Beschattung, Sichtschutz, ein Gasgriller und eine Wiese zum in der Sonne liegen (ev. noch eine Ecke als Kinderspielplatz). Heckenschnitt und Rasenmähen sind die einzigen Gartenarbeiten, die in diesen Gärten vorgenommen werden - Beete sind kein Thema, weil sie Arbeit machen und man Know-How und Zeit für die Pflege der Pflanzen brauchen würde.

Im Vergleich dazu sind formal gestaltete moderne Gärten immer noch eine Augenweide.

Wer sich ein 'modernes' Haus einreden läßt, obwohl er eigentlich in einem Cottage samt passendem Cottage Garden leben möchte, hat schlechte Karten - umgekehrt ist es nicht besser; diese Kombis sind nicht wirklich stimmig hinzubekommen.

LG
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: sarastro am 10. Januar 2013, 08:27:33
Viele Zeitgenossen empfinden beispielsweise Präriegärten, Einsaaten, wenig gepflegte Staudenmischpflanzungen oder naturbelassene Gärten als "Gstettn" (auf Normaldeutsch Wildnis), gerade im Öffentlichen Bereich und haben wenig Verständnis dafür . Ich kenne dies von der Verkehrsinselbegrünung. Ich finde allerdings, jeder soll tun wie er will. Wir als Gärtner und Gartengestalter sind aber auch dazu angehalten, diese Formen der Bepflanzung als e i n e Alternative zu verbreiten, allerdings nicht als die einzige!

Ein durchgestylter Garten mit riesigen Grasflächen a la Oehme muss nicht zwingend mit einem modernen Gebäude in Einklang stehen. Ich wehre mich auch dagegen, diesen etwas ominösen "New German Style" als das einzig Wahrhaftige zu verbreiten.

Man sollte in der Pflanzenverwendung behutsam vorgehen, auf Kunden, Zeit und Umfeld Rücksicht nehmen. Nicht jeder will gleich einen Sammlergarten, aber den Garten auf langweilige Pflegeleichtigkeit zu reduzieren, käme einer Verballhornung der gesamten Gartenkultur gleich. Über diesen Prozess sind wir doch schon hinaus, oder? Daher sind Kiesflächen mit Kugelbux und Freilandbonsai für mich ein rotes Tuch!

Ich finde es auch zutiefst beschämend, wenn in einer reichen Touristenstadt wie Freiburg kein Geld mehr für Blumenschmuck da ist. Und dies ausgerechnet bei einem grünen Oberbürgermeister! Im nahen Elsass dagegen quellen die Ortschaften über vor lauter kreativer Bepflanzung! Auch dieser Gegensatz gehört offenbar zur Gartenkultur.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: hymenocallis am 10. Januar 2013, 08:42:00
Man sollte in der Pflanzenverwendung behutsam vorgehen, auf Kunden, Zeit und Umfeld Rücksicht nehmen. Nicht jeder will gleich einen Sammlergarten, aber den Garten auf langweilige Pflegeleichtigkeit zu reduzieren, käme einer Verballhornung der gesamten Gartenkultur gleich. Über diesen Prozess sind wir doch schon hinaus, oder? Daher sind Kiesflächen mit Kugelbux und Freilandbonsai für mich ein rotes Tuch!

Kunden lieben Trends - auch die 'naturnahe Gstettn' ist - ebenso wie der 'Kies+Bonsai-Style' lediglich eine Variante.

Die Problem mit dem Umfeld sind in der Regel allerdings vorprogrammiert, wenn man eine solche Gestaltung im kleinräumigen Privatbereich umsetzt. Bei großen Flächen und Freiland drumherum kann man sich eher erlauben, diesem Trend zu folgen (dort ist er aber nicht wirklich nötig, weil das Freiland meist naturnah genug ist).

LG
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: fars am 10. Januar 2013, 08:46:14
Im nahen Elsass dagegen quellen die Ortschaften über vor lauter kreativer Bepflanzung! Auch dieser Gegensatz gehört offenbar zur Gartenkultur.

Zweifellos hängt das mit dem Anspruch der Bevölkerung zusammen. Wenn die Bürger mit "Wenig" zufrieden sind, besteht aus meist äußerst knappen Budgetgründen kaum Anlass, mehr als das unbedingt Notwendige zu tun.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: hymenocallis am 10. Januar 2013, 08:49:56
Hier wurde die Wechselflorbepflanzung auf vielen öffentlichen Flächen aus Budgetgründen aufgelassen und stattdessen in eine gemischte ausdauernde Staudenpflanzung investiert. Das hat sich die letzten 10 Jahre sehr erfreulich ausgewirkt.

LG
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: fars am 10. Januar 2013, 08:55:28
Die Stadt Frankfurt hingegen hat auf dem zentral gelegenen Goetheplatz einen einstmals zauberhaft wirkenden Rosengarten (klar, Geschmacksache) einer Tiefgarage mit deckelndem Kopfsteinpflaster geopfert. Grün kostet!
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: sarastro am 10. Januar 2013, 08:56:11
Ich habe mich immer dagegen gewehrt, Natur 1:1 zu kopieren. Natur ist Natur und soll möglichst so bleiben. Und Garten ist nun mal menschgemacht und kann sich aus diversen Gründen nicht der Sukzession unterziehen. Sich an der Natur Beispiele zu holen, in der Pflanzenverwendung sich an der Natur zu orientieren ist etwas völlig anderes. Wenn dies die Landschaftsgärtner mehr beherzigen würden, dann kämen wir in Richtung Pflegeleichtigkeit, gepaart mit Artenvielfalt.

Kurz noch zum Blumenschmuck im urbanen Bereich. Es liegt nicht immer nur am Budget, sondern in erster Linie am Willen der verantwortlichen Personen und deren Freiheiten, ihre Vorstellungen auch umsetzen zu dürfen. Hiervon gibt es in Deutschland eine ganze Reihe sehr positiver Beispiele. Und ich möchte die Bevölkerung einer Stadt sehen, die kreative Bepflanzungen nicht für gut heißt und positiv aufnimmt!
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: BuckarooBanzai am 10. Januar 2013, 09:28:18
Ich habe mich immer dagegen gewehrt, Natur 1:1 zu kopieren. Natur ist Natur und soll möglichst so bleiben. Und Garten ist nun mal menschgemacht und kann sich aus diversen Gründen nicht der Sukzession unterziehen. Sich an der Natur Beispiele zu holen, in der Pflanzenverwendung sich an der Natur zu orientieren ist etwas völlig anderes. Wenn dies die Landschaftsgärtner mehr beherzigen würden, dann kämen wir in Richtung Pflegeleichtigkeit, gepaart mit Artenvielfalt.


Ich rechne meinen Kunden immer vor das ein Gut angelegtes Staudenbeet weniger Arbeit macht als eine Rasenfläche. Man ist jedoch bei der Auswahl der Pflanzen auch stark an Kundenwünsche gebunden und muss auch den Willen und Können des Kunden im Auge haben. Es lohnt ncht einem Kunden eine komplexe Staudenpflanzung aufzuschwatzen wenn er sich darum nicht kümmern möchte oder will, so reichen manchmal schon 4 Wochen um einen das Herz zu brechen, wenn man zufälligerweise an dem Garten oder dem Beet vorbeikommt. Zum Glück kommt die Pflanzung zum Schluß und man hat genug Zeit den Kunden kennenzulernen und abzugleichen ob der Wunsch mit den Anforderungen übereinstimmt.

Sich als Landschaftsarchitekt in einem Garten einer Pflanzen- und Gartenliebhaberin zu stellen und diese mit einer Überforderten Hausfrau zu verwechseln und das Sammelsurium der Pflanzen für ungewollten Wildwuchs zu halten, kann sicherlich passieren war hier aber der Kopfsprung ins Fettnäpfchen.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: hymenocallis am 10. Januar 2013, 09:36:33
Ich rechne meinen Kunden immer vor das ein Gut angelegtes Staudenbeet weniger Arbeit macht als eine Rasenfläche. Man ist jedoch bei der Auswahl der Pflanzen auch stark an Kundenwünsche gebunden und muss auch den Willen und Können des Kunden im Auge haben. Es lohnt ncht einem Kunden eine komplexe Staudenpflanzung aufzuschwatzen wenn er sich darum nicht kümmern möchte oder will, so reichen manchmal schon 4 Wochen um einen das Herz zu brechen, wenn man zufälligerweise an dem Garten oder dem Beet vorbeikommt.
Schön gesagt - der Großteil der professionell angelegten Pflanzungen verschwindet hier, weil Staude und Unkraut nicht außeinandergehalten werden, gießen, düngen und das im Zaum halten wuchsfreudiger Stauden zu aufwändig sind, etc.
Gehölze werden mit dem Hausmeisterschnitt verunstaltet und Geschenke von Freunden lieblos und unpassend dazwischengepflanzt und schon ist die Anlage im Eimer - schade um die Arbeit und das Geld.

Da sind flächige Staudenpflanzungen in formalen modernen Gärten sicher eine gangbare Alternative - auch Laien können da Unkräuter einfacher identifizieren und bei geschickter Pflanzenwahl ist die Pflegeanleitung auch nicht zu komplex.

LG

PS: Auch ein gut angelegtes Staudenbeet mach nicht immer weniger Arbeit als eine Rasenfläche - die macht hier nämlich so gut wie keine - bloß 2 x pro Jahr düngen (automatische Bewässerung, Robotermäher). In den Staudenbeeten muß ich Unkraut jäten, düngen, und einmal pro Jahr abschneiden.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: sarastro am 10. Januar 2013, 10:21:51
Ich habe mich immer dagegen gewehrt, Natur 1:1 zu kopieren. Natur ist Natur und soll möglichst so bleiben. Und Garten ist nun mal menschgemacht und kann sich aus diversen Gründen nicht der Sukzession unterziehen. Sich an der Natur Beispiele zu holen, in der Pflanzenverwendung sich an der Natur zu orientieren ist etwas völlig anderes. Wenn dies die Landschaftsgärtner mehr beherzigen würden, dann kämen wir in Richtung Pflegeleichtigkeit, gepaart mit Artenvielfalt.


Ich rechne meinen Kunden immer vor das ein Gut angelegtes Staudenbeet weniger Arbeit macht als eine Rasenfläche. Man ist jedoch bei der Auswahl der Pflanzen auch stark an Kundenwünsche gebunden und muss auch den Willen und Können des Kunden im Auge haben. Es lohnt ncht einem Kunden eine komplexe Staudenpflanzung aufzuschwatzen wenn er sich darum nicht kümmern möchte oder will, so reichen manchmal schon 4 Wochen um einen das Herz zu brechen, wenn man zufälligerweise an dem Garten oder dem Beet vorbeikommt. Zum Glück kommt die Pflanzung zum Schluß und man hat genug Zeit den Kunden kennenzulernen und abzugleichen ob der Wunsch mit den Anforderungen übereinstimmt.

Ganz meiner Meinung! Der Landschaftsgärtner oder - architekt sollte deshalb eine gehörige Portion Menschenkenntnis mitbringen und Erfahrung im Umgang mit einer vielschichtigen Kundenstruktur haben, was nicht immer leicht ist. Ich für meinen Teil bewundere diese Kollegen immer sehr, die solcherart Geduld aufbringen, die hätte ich niemals. Es ist viel leichter, ein Staudenbeet xy hier in der Gärtnerei aus dem Ärmel zu schütteln und dem Kunden die Details zu verklickern, als womöglich zig Mal zum Kunden zu fahren und jedes Mal alles über den Haufen zu schmeißen.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Treasure-Jo am 10. Januar 2013, 10:23:01
Ich habe mich immer dagegen gewehrt, Natur 1:1 zu kopieren. Natur ist Natur und soll möglichst so bleiben. Und Garten ist nun mal menschgemacht und kann sich aus diversen Gründen nicht der Sukzession unterziehen. Sich an der Natur Beispiele zu holen, in der Pflanzenverwendung sich an der Natur zu orientieren ist etwas völlig anderes. Wenn dies die Landschaftsgärtner mehr beherzigen würden, dann kämen wir in Richtung Pflegeleichtigkeit, gepaart mit Artenvielfalt.



Ich rechne meinen Kunden immer vor das ein Gut angelegtes Staudenbeet weniger Arbeit macht als eine Rasenfläche. Man ist jedoch bei der Auswahl der Pflanzen auch stark an Kundenwünsche gebunden und muss auch den Willen und Können des Kunden im Auge haben. Es lohnt ncht einem Kunden eine komplexe Staudenpflanzung aufzuschwatzen wenn er sich darum nicht kümmern möchte oder will, so reichen manchmal schon 4 Wochen um einen das Herz zu brechen, wenn man zufälligerweise an dem Garten oder dem Beet vorbeikommt. Zum Glück kommt die Pflanzung zum Schluß und man hat genug Zeit den Kunden kennenzulernen und abzugleichen ob der Wunsch mit den Anforderungen übereinstimmt.

Sich als Landschaftsarchitekt in einem Garten einer Pflanzen- und Gartenliebhaberin zu stellen und diese mit einer Überforderten Hausfrau zu verwechseln und das Sammelsurium der Pflanzen für ungewollten Wildwuchs zu halten, kann sicherlich passieren war hier aber der Kopfsprung ins Fettnäpfchen.


Da sprichst Du mir auch aus der Seele!
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: sarastro am 10. Januar 2013, 10:26:41
Auch wenn dies vielleicht nicht dem professionellen Trend entspricht, so sind alle herkömmlichen Beetstaudensituationen auch für den Laien wesentlich pflegeleichter als differenziertere, naturnahe Pflanzungen. Hier braucht der Laie wie der Fachmann viel mehr Vorbildung und Erfahrung, um Unkraut und Staude überhaupt auseinanderhalten zu können.

Nachträglich eingepflanzte Stauden können den Charakter einer Pflanzung gehörig durcheinander bringen. Trotzdem würde ich ihr den Vorzug geben, denn nur so geschieht der Prozess "Learning by doing". Außerdem sind Fehler bei Stauden schnell ausgemerzt. Bei Gehölzen ist dies nicht unbedingt schnell korrigierbar.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: hymenocallis am 10. Januar 2013, 11:12:08
Auch wenn dies vielleicht nicht dem professionellen Trend entspricht, so sind alle herkömmlichen Beetstaudensituationen auch für den Laien wesentlich pflegeleichter als differenziertere, naturnahe Pflanzungen. Hier braucht der Laie wie der Fachmann viel mehr Vorbildung und Erfahrung, um Unkraut und Staude überhaupt auseinanderhalten zu können.
Die Erfahrung hab ich auch schon machen müssen. Was man schon von der Oma kennt, reißt man nicht so rasch aus.

Naturnahe Pflanzungen mit 'wilderen' Stauden sind obenrein noch aufwändiger im Zaum zu halten, weil die Pflanzen häufig sehr wüchsig sind.

lg
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Mediterraneus am 10. Januar 2013, 11:20:58
Auch wenn dies vielleicht nicht dem professionellen Trend entspricht, so sind alle herkömmlichen Beetstaudensituationen auch für den Laien wesentlich pflegeleichter als differenziertere, naturnahe Pflanzungen. Hier braucht der Laie wie der Fachmann viel mehr Vorbildung und Erfahrung, um Unkraut und Staude überhaupt auseinanderhalten zu können.
Die Erfahrung hab ich auch schon machen müssen. Was man schon von der Oma kennt, reißt man nicht so rasch aus.

Naturnahe Pflanzungen mit 'wilderen' Stauden sind obenrein noch aufwändiger im Zaum zu halten, weil die Pflanzen häufig sehr wüchsig sind.

lg

Vielleicht sollte man als Fachmann/Planer den Kunden auch etwas aufklären über die Bepflanzung, und was man sich dabei gedacht hat. Zudem kann man sowohl in der wilderen Bepflanzung als auch in geordneteren Staudenbeeten die Pflanzen nach ihrer Wüchsigkeit und nach ihrem Standort anpassen (also nicht Wucherer neben Mimose planen)
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: hymenocallis am 10. Januar 2013, 11:25:19
Vielleicht sollte man als Fachmann/Planer den Kunden auch etwas aufklären über die Bepflanzung, und was man sich dabei gedacht hat.
Man erklärt es der Frau und der Mann reißt es aus oder schneidet es ab. Oder man erklärt es und es geht beim einen Ohr rein und beim anderen wieder raus. Oder ...
Eigentlich müßte man den Kunden vor Ort eine Saison einschulen, damit er mit der Pflanzung zu recht kommt ;).

Zudem kann man sowohl in der wilderen Bepflanzung als auch in geordneteren Staudenbeeten die Pflanzen nach ihrer Wüchsigkeit und nach ihrem Standort anpassen (also nicht Wucherer neben Mimose planen)
Leider halten sich viele Pflanzen an vielen Standorten nicht unbedingt an die verfügbaren Pflanzenbeschreibungen - Mimosen werden in der Regel ohnehin nicht verwendet (außer der Kunde ist Pflanzenliebhaber und besteht darauf).

LG
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Mediterraneus am 11. Januar 2013, 10:30:21
Schon klar, manche sind einfach beratungsresistent ;)

Im Idealfall stell ich mir eine Pflanzenplanung ja so vor, dass der Planer das plant, was der Kunde haben will (auch wenns der Planer nicht haben will ;) ) und man sich auch über eine mögliche Pflege Gedanken macht.
Dann kann man doch auch Pflanzengesellschaften planen, die wirklich dauerhaft sind und deshalb auch wenig Pflege brauchen.

Und diese Pflege ist dann oft einfacher als rasenmähen :D
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: BuckarooBanzai am 11. Januar 2013, 11:34:48
Schon klar, manche sind einfach beratungsresistent ;)

Im Idealfall stell ich mir eine Pflanzenplanung ja so vor, dass der Planer das plant, was der Kunde haben will (auch wenns der Planer nicht haben will ;) ) und man sich auch über eine mögliche Pflege Gedanken macht.
Dann kann man doch auch Pflanzengesellschaften planen, die wirklich dauerhaft sind und deshalb auch wenig Pflege brauchen.

Und diese Pflege ist dann oft einfacher als rasenmähen :D

Unterschrieben...

Wenn der Kunde selber weiß was er haben will ::) :P
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: maculatum am 11. Januar 2013, 16:04:43

Im Idealfall stell ich mir eine Pflanzenplanung ja so vor, dass der Planer das plant, was der Kunde haben will (auch wenns der Planer nicht haben will ;) ) und man sich auch über eine mögliche Pflege Gedanken macht.
Dann kann man doch auch Pflanzengesellschaften planen, die wirklich dauerhaft sind und deshalb auch wenig Pflege brauchen.

Wenn der Kunde selber weiß was er haben will ::) :P

Viele Kunden, die wissen, was sie wollen, wissen aber gar nicht einmal, was sie wollen könnten ! Das macht die Angelegenheit noch heikler. Soll man ihren Anfangswillen erst mal erschüttern? Das sollte doch die Chance auf ein gutes Ergebnis erhöhen...

In der Praxis resignieren die Kunden dann erst einmal. :-\
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: maigrün am 11. Januar 2013, 16:26:48
In der Praxis resignieren die Kunden dann erst einmal. :-\

dass es auch anders gehen kann, habe ich bei einem workshop zu gartenplanung bei frau pape (KGA berlin) erfahren. einige (viele) stunden der vorbereitung: ausmessen, photgraphieren etc. und - anhand dieses materials und den richtigen fragen - den garten wirklich kennenlernen und sich auch klar werden, was wichtig ist. (ich habe an mehreren kursen teilgenommen, nicht immer hat es sich gelohnt, aber dieser kurs war super.)



Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: martina 2 am 11. Januar 2013, 18:02:45
Um zum Thema zurückzukehren ;) Nachdem ich hier ein wenig mitgelesen habe, fällt mir beim Blättern im häuslichen Fundus erstmals auf, daß auf Fotos von Bauhausarchitektur kaum jemals Gärten zu sehen sind, bestenfalls ein paar Bäume und Sträucher, Rasen- und Kiesflächen. Oder es wird, wenn ein Haus mitten in der Landschaft steht, im Text ausführlich, aber auschließlich auf diese jeweils spezielle Situation Bezug genommen.

Bei meiner Suche nach Erklärungen habe ich eine nicht unkritische Rezension zu dem Buch Die Gärten des Bauhauses gefunden, das einige Fragen dazu beantwortet. Minimalistische Ästhetik war Anspruch der Architekten der 20er und 30er Jahre offensichtlich auch in Hinblick auf Gartengestaltung, als Reaktion auf überbordenden Gründerzeitkitsch und wohl auch als Ausdruck einer schlechten Zeit, in der ein kleiner Garten in erster Linie die Menschen zu ernähren hatte. Die Bewohner dürften das allerdings nicht so eng gesehen haben ;D :

"Dass die minimalistischen Intentionen von Gropius von den Mietern nicht nachvollzogen wurden, beweisen die Abbildungen der Dessauer Meisterhäuser. Die Bewohner Kandinsky, Klee, Feininger und Schlemmer betätigten sich gärtnerisch und legten Rabatten an, pflanzten Flieder und Rosen oder bepflanzten Balkonkästen. Schuf der Minimalismus der Gestaltung von Gropius einen Freiraum für individuelle gärtnerische Selbstverwirklichung? Ist Leere für das Individuum schwer zu ertragen und muss durch Gestaltung gefüllt werden? Als gärtnerischer Rückzugsraum wurde die uneinsehbare Dachterrasse genutzt, denn die Kiefernlandschaft bot keinen Sichtschutz. Ein Dilemma der Moderne?"

Ernst A. Plischke hat zusammen mit seiner Frau Anna, einer Gartenarchitektin, Häuser mit Gärten entworfen. Leider finden sich im Netz weder Fotos davon, noch von ihrem üppigen Garten in Wellington/Neuseeland, wohin sie 1939 emigriert waren; auch nicht ihr Artikel A garden for Pleasure, in dem sie dessen Werden beschreibt.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: maigrün am 11. Januar 2013, 18:08:09
gib mal "ernst plischke" in die googlesuche ein und gehe dann auf "Bilder". da kommt einiges.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: fars am 11. Januar 2013, 18:13:55
Viele Kunden, die wissen, was sie wollen, wissen aber gar nicht einmal, was sie wollen könnten ! Das macht die Angelegenheit noch heikler.

Dazu bedarf es der Fantasie eines doch etwas erfahreneren Gartenliebhabers. Das Problem jeden "Planers" besteht darin, in dem Auftraggeber ein Bild dessen zu erzeugen, was die Planung erreichen soll. Bei einem Garten gar nicht so einfach.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: pearl am 11. Januar 2013, 18:17:04
Die Gärten des Bauhauses

ah, danke für den link, da tauchen auch die Freiübungen und Sportplätze um die Bauhausbauten auf. Ich glaube das Thema gebricht an einem Sachverhalt, den das Bauhaus damals nicht wissen konnte. Die Häuslebauer. Wüstenroth. Ich glaube es war dem damaligen reformerischen antibürgerlichen und demokratischen Verständnis zuwieder. Millionenfaches my home is my castle. Alle möglichen Künste und körperlichen Ertüchtigungen wurden ins Visier der Planer genommen, aber das auf privatem Grund und Boden in der Erde buddeln gehörte einer anderen Zeit an und war für die Zukunft in so großem Stil nicht vorgesehen.

Die Ideologie der Nazis dagegen, da lebte alles kleinbürgerliche gemütliche, Heim, Heimat, Familie und Boden wieder auf.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: martina 2 am 11. Januar 2013, 18:17:13
gib mal "ernst plischke" in die googlesuche ein und gehe dann auf "Bilder". da kommt einiges.

Schon schon, aber keine Gärten!
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Zwiebeltom am 11. Januar 2013, 18:27:25
Ernst A. Plischke hat zusammen mit seiner Frau Anna, einer Gartenarchitektin, Häuser mit Gärten entworfen. Leider finden sich im Netz weder Fotos davon, noch von ihrem üppigen Garten in Wellington/Neuseeland, wohin sie 1939 emigriert waren; auch nicht ihr Artikel A garden for Pleasure, in dem sie dessen Werden beschreibt.

Hier gibt's wenigstens eine Leseprobe + Bilder (oder ist es sogar der vollständige Artikel?) aus "A garden for pleasure". :D
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Gartenplaner am 11. Januar 2013, 18:59:22
Ich glaube es war dem damaligen reformerischen antibürgerlichen und demokratischen Verständnis zuwieder. Millionenfaches my home is my castle. Alle möglichen Künste und körperlichen Ertüchtigungen wurden ins Visier der Planer genommen, aber das auf privatem Grund und Boden in der Erde buddeln gehörte einer anderen Zeit an und war für die Zukunft in so großem Stil nicht vorgesehen.

Die Ideologie der Nazis dagegen, da lebte alles kleinbürgerliche gemütliche, Heim, Heimat, Familie und Boden wieder auf.

Wie ich in #22 schon schrieb:

Das Bauhaus wollte gesellschaftliche Unterschiede beseitigen und zum Verständnis zwischen den Völkern beitragen - und war deswegen den Nazis zu "internationalistisch" bzw. "kommunistisch".

Als das Bauhaus seinen Siegeszug antrat, war es in Deutschland schon nicht mehr wirklich willkommen, und Gartenarchitekten der Zeit geprägt bis gedrängt, entweder formal zu gestalten, oder auf den "Naturgartenideologie"-Zug aufzuspringen - um im Geschäft zu bleiben.
Für Experimente und kreative Auseinandersetzung mit Neuerungen war keine Luft mehr.

Vielleicht noch ergänzt um die Info aus Die Gärten des Bauhauses :
"Von den Architekten der klassischen Moderne wurde der Anspruch erhoben, dass ein Bauwerk für sich selbst zu stehen habe und von allen Seiten an- und einsehbar sein solle. Sie verzichteten bewusst auf geschichtliche Bezüge der Architektursprache und traten für ein neues kommunikatives Bezugssystem von Körper und Raum ein. Mit dem Festlegen des funktionalen Baukörpers in einem Raum kam der Architekt aber nicht umhin, sich zum Außenraum zu äußern. Was geschieht mit dem Außenraum des Bauwerkes? Was geschieht mit der Leere zwischen zwei Häusern? Wenn der Architekt beginnt, sich dieses Problems anzunehmen, so muss er sich zwangsläufig entscheiden und gestalten.[2] Die Reduktion eines Gartens auf Rasen, Bäume und Kieswege, die mit einer kniehohen Barriere umfasst sind, ist eine gestalterische Entscheidung des Architekten."

Also gab es Überlegungen zur Notwendigkeit einer Gestaltung der Leere zwischen zwei Häusern - spiegelt sich auch in den in der Rezension genannten Bestrebungen, Gartenarchitektur in den Ausbildungsumfang des Bauhauses aufzunehmen wieder - aber es kam nicht mehr dazu.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: martina 2 am 11. Januar 2013, 18:59:59
Gratulation, Tom, was hab ich gesucht :D! Ja, es ist der komplette Text!
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Landpomeranze † am 11. Januar 2013, 21:37:35
Vielleicht sollten wir den Thread-Titel erweitern auf "Gartengestaltung während der Bauhaus-Epoche?

Ich habe hier einen Katalog der Firma Christoph & Unmack liegen, die in der Zwischenkriegszeit Holz-Fertigteilhäuser baute, aber auch ganze Siedlungen anlegte. Die Häuser decken so ziemlich jeden Stil ab, von funktioneller Schuhschachtel bis Pseudo-Dornröschen war alles dabei. Einer der Architekten war Konrad Wachsmann, der nach seiner Emigration in die USA ua mit Gropius arbeitete.

Eines seiner Häuser - samt Gartenanlage - plante er für Albert Einstein in der Nähe von Potsdam. Der Garten war als Ziergarten angelegt und wurde von einem Gärtner gepflegt - es gab also nicht nur Pflasterweg und Kiefern.

Link gefunden:
www.einstein-website.de/z_biography/caputh.html
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: fars am 11. Januar 2013, 22:12:11

Die Ideologie der Nazis dagegen, da lebte alles kleinbürgerliche gemütliche, Heim, Heimat, Familie und Boden wieder auf.

Das wird der damaligen Architektur nicht gerecht. Die war unter den Nazis betont schlicht und zweckmäßig, durchaus auch stark vom Bauhausstil inspiriert. Im Gegensatz zu den öffentlichen Bauten, die den bekannten monumentalen Baustil mit antiken Elementen (Speer) widerspiegelten.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Gartenplaner am 11. Januar 2013, 23:26:37
Ich glaube, in dieser schon weiter oben genannten Textsammlung Ein Text des Instituts für Landschaftsarchitektur der Wiener Boku gab es den Hinweis, dass auch unter den Nazis noch moderne Strömungen weiterbestanden und es um und nach der Machtergreifung noch keine so klare Linie gegenüber "der Moderne" gab.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: pearl am 12. Januar 2013, 00:26:22

Die Ideologie der Nazis dagegen, da lebte alles kleinbürgerliche gemütliche, Heim, Heimat, Familie und Boden wieder auf.

Das wird der damaligen Architektur nicht gerecht. Die war unter den Nazis betont schlicht und zweckmäßig, durchaus auch stark vom Bauhausstil inspiriert. Im Gegensatz zu den öffentlichen Bauten, die den bekannten monumentalen Baustil mit antiken Elementen (Speer) widerspiegelten.

ja, exemplarisch kann man das am ersten gestalteten Geschirr sehen. Arzberg Form 1382 von Hermann Gretsch. Erst hatte der Gestalter Kontakt zu Bauhaus, dann genehmigte er das Blaublütendekor. Das ist keineswegs im Sinne guten Designs. Gretsch machte dann auch diese typischen kleinbürgerlich soliden Möbel für die teutsche Idealfamilie. Von WK.

Die Möbel habe ich nicht geerbt und bei der Blaublüte überlege ich schwer, ob ich die verkaufe. Form 1382 ohne Dekor reicht mir und ist korrekt.
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: maigrün am 12. Januar 2013, 20:33:06
Inken hatte mal auf dieses buch (eine dissertation) hingewiesen:

Swantje Duthweiler:
Neue Pflanzen für neue Gärten
Entwicklung des Farbsortiments von Stauden und Blumenzwiebeln und ihre Verwendung in Gartenanlagen zwischen 1900 und 1945 in Deutschland
Grüne Reihe - Quellen und Forschungen zur Gartenkunst
Band 31
ISBN-10: 3-88462-312-5 | ISBN-13: 978-3-88462-312-1
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: maigrün am 12. Januar 2013, 21:21:05
da fällt mir grad noch etwas anderes ein, mal weg von individuellem wohnen und seinen gärten:

ich war und bin sehr begeistert von "the high line" in new york. dieser ort ist für mich rundherum gelungen. und dass er überhaupt und in dieser form realisiert wurde, finde ich großartig. (für mich ist es eher ein öffentlicher garten als ein park.)
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: martina 2 am 12. Januar 2013, 23:06:35
Ich glaube, in dieser schon weiter oben genannten Textsammlung Ein Text des Instituts für Landschaftsarchitektur der Wiener Boku gab es den Hinweis, dass auch unter den Nazis noch moderne Strömungen weiterbestanden und es um und nach der Machtergreifung noch keine so klare Linie gegenüber "der Moderne" gab.

"2.7. Diskussion Entwicklung der Profession

... dass es bei den Nationalsozialisten nicht nur eine ‚Blut und Boden’-Ideologie, sondern auch moderne Strömungen gab und nicht alles nur schwarz-weiß zu sehen sei. Die Frage der Modernität im Nationalsozialismus sei sehr komplex." Und "... dass es 1933 noch nicht unbedingt absehbar gewesen sei, dass sich das ‚Bodenständige’ durchsetzen würde. Es gab damals auch noch andere Tendenzen."

Auf Seite 9 wird übrigens Anna Plischke erwähnt und auf S. 29 ihr Mann Ernst. A. Ein Zitat aus dessen Buch Ernst A. Plischke. Ein Leben mit Architektur:

"Der Antagonismus innerhalb des Werkbundes war bei der Jubiläumsausstellung bereits 1930 klar erkennbar. ... Das beste Ausstellungsobjekt war damals der Pavillon für den östereichischen Fremdenverkehr von Ernst Lichtblau, ein leichter Stahlskelettbau, weiß gestrichen. Dem setzte Holzmeister demonstrativ seinen massiven alpenländischen Blockbau gegenüber, ganz in dunkelbraunem Karbolineum imprägniert. Hinter den kleinen Sprossenfenstern spielte eine Bauernkapelle auf."

Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: pearl am 13. Januar 2013, 16:13:29
der nächste und letzte Bauabschnitt des high line park hat begonnen. Queens wird auch verschönert!
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: proletinchen am 14. Januar 2013, 07:19:55
Hi zu allen Gartengestaltung Fans :) Hier habe ich mehrere interessante Ideen f[r Gartengestaltung und Ordnung gefunden. Sie haben praktisch alles für Anfänger wie mich - von Gartenarbeit und Pflege, über Möbel bis aus den Garten in den unterschiedlichen Jahreszeiten. Vielleicht hilft das noch?


Anfang der Zyklopenmauer

http://www.onlinewahn.de/ende.htm
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Staudo am 14. Januar 2013, 07:25:53
Man macht sich in Foren äußerst unbeliebt, wenn man Werbelinks zu setzt. ;)
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: Lisa15 am 03. September 2014, 21:26:31
Mit dem nötigen Kleingeld lässt sich "Gartenkultur" an ungewöhnlichen Orten erfahren. Selbst ultramoderne "Vorgärten" müssen nicht unbedingt einfallslos sein.

Spiegelnder Zaun (USA) + hier + hier

Shäng-Pfui-"Vorgarten" mal ohne Pfui - nur regnen darf es nicht zu oft... ;D

Wem der Begriff "Tapisserie" noch geläufig ist, wird hier fündig... ;)

Kitsch der etwas anderen Art... :o 8)

Wer es gediegener mag, kann sich hier entspannen und dem "Garten" doch nicht fern sein.... :D

Ein puristischer Sitzplatz im wahrsten Sinne des Wortes.... ;)

... und "Wildnis-Bewuchs", wo man ihn nicht erwarten würde... :D

 :)
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: potz am 04. September 2014, 08:19:59
Interessante Fotos. Danke für die Zusammenstellung :D
Titel: Re:Moderne Architektur und Garten
Beitrag von: maigrün am 04. September 2014, 08:39:40
lisa15, deine art der verlinkung scheint mir problematisch zu sein. besser, du verlinkst auf die seiten, auf denen sich die fotos eigentlich befinden.