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Garten- und Umwelt => Quer durch den Garten => Thema gestartet von: Herr Dingens am 18. Januar 2014, 13:14:40

Titel: Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 18. Januar 2014, 13:14:40
Es gibt ja dieses Grünlandumbruchverbot, zumindest in bestimmten Bundesländern. Das wird damit begründet, dass dann, wenn eine Fläche lange genug Grünland war, sich im Boden große Mengen Stickstoff angereichert haben, die sich bei einem Umbruch lösen und als Nitrat ins Grundwasser gelangen. Oder so ähnlich ;D.

Wenn nun durch Mulchen die Grassode abstirbt, was geschieht dann mit dem Stickstoff im Boden? Ist der weiterhin vorhanden?
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Gartenplaner am 18. Januar 2014, 13:32:02
Wenn ich mich recht an Vorlesungen erinnere, ist Stickstoff insgesamt sehr mobil, auch wenn er an Tonkomplexe in lehmigen Böden gebunden wird.
Der meiste Stickstoff ist in der Pflanze und abgestorbenen pflanzlichen Resten.
Wenn umgebrochen wird, sterben die Gräser ab und werden von Bodenorganismen mineralisiert.
Dabei wird Stickstoff freigesetzt - und wenn nicht durch angesäte Pflanzen gleich wieder eingebaut, wird er zügig ausgewaschen und zum Teil an die Atmosphäre abgegeben.

Wenn du mulchst und das Gras abstirbt, wäre es am sinnvollsten, wenn gleich üppige Vegetation hinterherkommt um den frei werdenden Stickstoff wieder zu nutzen.

Viel im Boden gespeichert wird - je nach deiner Bodenart - nicht bleiben :-\
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: partisanengärtner am 18. Januar 2014, 14:22:35
Auf meinem Lehmboden und mit ringsum kräftig wachsenden Stauden, bei stickstoffarmem Mulchmaterial (Holz, Laub etc.) ist die Ausschwemmung wohl zu vernachlässigen.
Du wirst ja wohl Deinen Rasen nicht totmulchen um dann die nackte Erde zu bewundern?
Entscheidend ist wohl das Du Deinen Humus fütterst das er sich vermehrt. Der speichert ja wohl ganz gut.
Es wird vielleicht helfen wenn Substanzen die Wasser und Nährstoffe speichern vor allem bei leichten Böden zugesetzt werden.
Gerade Rohhumusauflagen auf Holzhäckselbasis schlucken eine Menge Stickstoff. Den sie dann über lange Zeit abgeben.
Schau Dir mal Den Waldgarten von Knorbs und anderen Könnern an.

Gerade die Bodenorganismen sind ein guter Stickstoffspeicher, solange sie gut gefüttert werden ;). Leichen geben den wieder ab.

Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: kudzu am 18. Januar 2014, 14:42:38
"Gerade Rohhumusauflagen auf Holzhäckselbasis schlucken eine Menge Stickstoff Den sie dann über lange Zeit abgeben."

so, und jetzt nochmal bitte fuer Mechaniker und Schreibtischtaeter,
nicht Gaertner und Chemiker - Danke

heisst das, schon weitgehend vergammelte Hackschnitzel sind gut und habenswert? wo einzusetzen?
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Gartenplaner am 18. Januar 2014, 15:19:21
Bei Holzhäcksel oder auch Rindenmulch "verbrauchen" die Bodenorganismen, die das Zeug in Humus verwandeln Stickstoff.
Deshalb wird immer angeraten, zusammen mit Holzhäcksel oder Rindenmulch einen Stickstoffdünger gleich mit zu verteilen, z.B. Hornspäne.
Hängt wahrscheinlich auch vom Bodentyp ab, auf meinem Lehm hab ich das nie gemacht, aber auch noch keinen Stickstoffmangel erkennen können ;)

Schon zersetzte Hackschnitzel sind Humus und sehr gut für die Bodenstruktur und den Nährstoffhaushalt des Bodens.
Gut für alle Pflanzen, die einen lockeren, nährstoffreichen Boden brauchen, das kann man überall als Bodenverbesserung verteilen und einarbeiten.
Noch besser für Waldstauden, dann eher sogar pur verwendet.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 18. Januar 2014, 17:20:02
Gartenplaner,

es geht mir nicht darum, frei werdenden N zu nutzen. Mir geht es wirklich nur um eines: was geschieht mit dem N, wenn ich Graslandfläche mulche?
Verändert sich was am N-Gehalt im Boden?
Wenn ja, wie?
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 18. Januar 2014, 17:25:38
Partisanengärtner,

es gibt hier keinen Rasen. Es geht um Grünland = Wiesenflächen. Was passiert mit dem angeblich in Massen vorhandenen N im Boden, wenn ich z.B. zwei Jahre lang mit Holzhäcksel mulche?

Wenn ich mehr Input kriege, kann ich das Ganze ja auflösen.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Gartenplaner am 18. Januar 2014, 17:27:53
Nach und nach, je nach Schnelligkeit der Zersetzung von Gras und Mulch, wird der Stickstoff freigesetzt.
Zum Teil wohl schon währenddem als NO2
Und wenn er nicht wieder von Pflanzen aufgenommen und eingebaut wird, wird er zum Teil im Boden, je nach Bodenart, gebunden an Ton- und Humuskomplexe, der andere Teil wird ausgewaschen.
Aber was wie genau, da müssen die Experten hier ran, das ist schon zu lange her, da weiß ich die Details nicht mehr.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 18. Januar 2014, 17:34:11
Ahja, der N wird freigesetzt. Wenn es keine andere Pflanzen gibt, die ihn aufnehmen können, wird er z.T. ausgewaschen und z.T. im Boden gebunden.

Naja, vielen Dank erst mal, schaun mer mal, ob noch Experten kommen ;D
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Staudo am 18. Januar 2014, 17:48:45
Wiesen speichern Stickstoff in der ober- und vor allem in der unterirdischen organischen Substanz, also in Wurzeln und Humus. Bei einem Umbruch gelangt viel Sauerstoff an die organische Substanz und diese beginnt sich durch Mikroorganismen zu zersetzen. Der Stickstoff wird dabei frei und kann ausgewaschen werden.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 18. Januar 2014, 18:02:47
Ja, aber was geschieht, wenn ich die Wiese mulche? Gar nix?
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: kpc am 18. Januar 2014, 20:34:21
es gibt hier keinen Rasen. Es geht um Grünland = Wiesenflächen. Was passiert mit dem angeblich in Massen vorhandenen N im Boden, wenn ich z.B. zwei Jahre lang mit Holzhäcksel mulche?

Genau sagen kann ich das natürlich nicht, aber ich rate mal.

In den ersten Jahren wird der N-Gehalt des Bodens vermutlich steigen.
1. bringst du mit dem Holzhäcksel (wenn auch eine geringe Menge) Stickstoff aus.
2. werden die sich entwickelnden holzabbauenden Pilze über ihr Myzel verfügbaren Stickstoff aufnehmen.
( der kann dann nicht mehr ausgewaschen werden )
3. wird der Pilz auch den Stickstoff, den der Regen mitbringt, fixieren.

Wenn das Holz umgesetzt ist, wird sich der Prozess umkehren.
Die Humusschicht zerfällt, ein Teil des N entweicht gasförmig, der Teil der sonst von Pflanze genutzt wird, wird ausgewaschen.

Was mich brennend interessiert, ist die Frage, wie man praktisch eine Wiese mit Holzhäcksel mulcht.
Wenn man von einer Fläche von nur 5000m² ausgeht und eine nur 10cm dicke Schicht Mulch ausbringen will,
( das ist eigentlich zu wenig, das Gras wird durchwachsen )
würde man 50m³ Häcksel benötigen. Ziemlich viel, oder ?

Klaus-Peter
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: kudzu am 18. Januar 2014, 21:04:52
[quote author=kpc link=board=35;threadid=50987;start=0#msg2084685 date=1390073661Wenn man von einer Fläche von nur 5000m² ausgeht und eine nur 10cm dicke Schicht Mulch ausbringen will,
würde man 50m³ Häcksel benötigen. Ziemlich viel, oder ?
Zitat

wie immer:
alles relativ
wenn Du 50 Kubik Hackschnitzel mit einem Haushaltshaechsler selber schnitzeln willst ist es fuerchterlich viel

wenn Du 50 Kubik allein schon fuer den Hauptweg zum Gemuesegarten verteilt hast und immer so um die 50 Kubik rumliegen, dann ist das nicht besonders viel
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: partisanengärtner am 18. Januar 2014, 21:07:48
Kudzu
Eine dicke (10 cm und mehr) Auflage an den Stellen wo Du Schatten/Halbschatten hast. Beste Pflanzsituation für sehr viele Waldpflanzungen.
Ansonsten mail mal Knorbs an der hat das perfektioniert. Für Spezialisten hat er noch viele mineralische Mischungen die er damit abwechselt oder auch mischt.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 18. Januar 2014, 21:16:44
kpc,

es ist so, dass ich hier einen Acker vor langem als Ackerfläche an einen Landwirt verpachtet habe. Der hat Getreide und Mais kultiviert.

Irgendwann wurde der Acker Wassereinzugsgebiet (bei uns so gut wie dasselbe wie Wasserschutzgebiet), woraufhin der Landwirt den Acker die letzten vielleicht 15 Jahre als Wiesenfläche (drei Mahden pro Jahr) genutzt hat. Letztes oder vorletztes Jahr wurde hier mit Kretschmann das Grünlandumbruchverbot durchgesetzt, was bedeutet, dass jedes Grünland, das in den letzten 5 Jahren vor Erlass des Gesetzes Grünland war, nun dauerhaft Grünland bleiben muss.
Es gibt zwar Ausnahmen von diesem Grünlandumbruchverbot, aber nicht für mich, weil dieses Grünland auch noch im Wasserschutzgebiet liegt.

Ich habe Land als Ackerland verpachtet, und kriege es als unbrauchbares Weideland zurück. Normalerweise ist mir der Landwirt zum Schadenersatz verpflichtet, aber darauf lasse ich mich nicht ein, weil mir die gute Nachbarschaft wichtiger ist als Schadenersatz.

Ich darf also nicht umbrechen. Im Moment bin ich dabei, die Staudengärtnerei auszuweiten, auf Schnittgehölze. Diese will ich zunächst auf einem kleinen Teil des ehemaligen Ackers, jetzt Grünland, kultivieren.
Der zuständige Mann beim Landwirtschaftsamt hat mir gesagt, ich kann auf dem Grünland alles machen, ich darf nur nicht umbrechen - was für sich betrachtet schon mal die reine Dummheit ist. Das heißt, ich kann alles kultivieren, was ich z.B. in Pflanzlöcher setzen kann. Alles, was in Beeten kultiviert wird (z.B. Helianthus annuus, ...) geht nicht.

Zum einen suche ich Möglichkeiten, wie ich letztlich doch umbrechen kann (evtl. eben indem ich den N vorher aus dem Boden kriege und dann nachweisen kann, dass in dem Boden keine hohen N-Vorkommen lagern).

Zum anderen pflanze ich jetzt dann in Reihenkultur diverse Gehölze, u.a. zum Beispiel Hagebutten, wo ich zwischen den Reihen keine Wiese, auch keine kurz geschnittene Wiese, haben will. Es ist mir einfach zu viel Arbeit, da laufend mähen zu müssen.

Deswegen eben die Frage, was ist eigentlich, wenn ich die Scheißwiese umbringe? Wenn kein Grünland mehr da ist, gilt vielleicht auch kein Grünlandumbruchverbot.

Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: partisanengärtner am 18. Januar 2014, 21:26:04
Wenn Du sie totmulchst hast Du sie nicht umgebrochen. Du kannst dann nach wenigen Monaten deine Stauden Pflanzen.
Darum brauchst Du den wertvollen Stickstoff doch nicht loswerden?

Einfach den Wiesenschnitt der ganzen Wiese auf einem Streifen konzentrieren. Nach 2 Monaten sind nur der Löwenzahn und die anderen Wurzelkräuter übrig.
Bester Anpflanzboden für Stauden aller Art.
Wenn Du öfter Schneidest ist die Wiese wohl in einem Jahr erledigt. Besonders wenn Du noch vergammeltes Hackschnitzelmaterial bekommst.
Das mußt Du natürlich dann auf dem nächsten Streifen ablagern, wenn Du pflanzt. 8)
Ich würde das mit Film dokumentieren. Kein Umbruch.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: lerchenzorn am 18. Januar 2014, 21:32:40
Gibt es dazu eine Verwaltungsvorschrift oder andere Vollzugsvorgaben?
Der konkrete Nachweis, dass Du keine außerordentlichen N-Mengen freisetzt, wird Dir nichts nützen, wenn dieser Punkt nur als einer unter anderen die allgemeine Begründung des Verbotes liefert. Ein solcher konkreter Nachweis müsste also schon als Ausnahmegrund festgesetzt sein, was ich mir nicht wirklich vorstellen kann. Grünlandumbruchverbote sind aus der übergeordneten Zielsetzung erlassen, dass der Grünlandanteil in D insgesamt zu stark sinkt.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: lerchenzorn am 18. Januar 2014, 21:36:04
Wenn Du sie totmulchst hast Du sie nicht umgebrochen.

In der Logik wurde das Problem in unserer Gegend auch schon mal mit Roundup erledigt. Das Landwirtschaftsamt hat tatsächlich nicht den A... gehabt, dagegen vorzugehen. Inzwischen könnten die Landesgesetzgeber schlauer geworden sein und auch solchen Tricksereien einen Riegel vorgeschoben haben. Ich würde erst genau nachlesen, was das Verbot sagt.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 18. Januar 2014, 21:38:25
Ja, so irgendwie stell ich mir das vor. Die Sesselpupser mit ihren eigenen Waffen schlagen. Kalte Enteignung.

Sagt mir die Kafka-Figur doch glatt, ich könnte ja jwd einen Acker pachten.

Ich darf alles machen, nur keinen Umbruch. Hab ich mir extra so bestätigen lassen.
Holzhäcksel hab ich.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: lerchenzorn am 18. Januar 2014, 21:41:05
... und die ganz Schlauen machen aus der Gleichung "Dauergrünland + Totalherbizid + (Mais = Gras) - Pflug" auch aus der artenreichsten Wiese einen Maisacker, den sie "Wiese" nennen.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: lerchenzorn am 18. Januar 2014, 21:45:21
Nun denn. Ich wollte meine posts nicht als Empfehlung verstanden wissen. Ich halte das tatsächlich für Tricksereien, die eine aus guten Gründen erlassene Regelung untergraben. Wenn die für die Einhaltung zuständigen Stellen dabei noch Schützenhilfe geben, braucht man sich über die nächstfolgenden Verschärfungen nicht wundern. Über den nicht mehr ganz so guten Ruf der Landwirtschaft auch nicht.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 18. Januar 2014, 21:46:29
Wenn Du sie totmulchst hast Du sie nicht umgebrochen.

In der Logik wurde das Problem in unserer Gegend auch schon mal mit Roundup erledigt. Das Landwirtschaftsamt hat tatsächlich nicht den A... gehabt, dagegen vorzugehen. Inzwischen könnten die Landesgesetzgeber schlauer geworden sein und auch solchen Tricksereien einen Riegel vorgeschoben haben. Ich würde erst genau nachlesen, was das Verbot sagt.

Mit Roundup muss ich hier vorsichtig sein, da wie gesagt Wasserschutzgebiet. Warum soll ich ein Rounduprisiko eingehen, wenn ich dasselbe mit Mulchen erreichen kann und dabei noch das Bodenleben zum Explodieren bringe? ;D
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 18. Januar 2014, 21:48:19
Nun denn. Ich wollte meine posts nicht als Empfehlung verstanden wissen. Ich halte das tatsächlich für Tricksereien, die eine aus guten Gründen erlassene Regelung untergraben. Wenn die für die Einhaltung zuständigen Stellen dabei noch Schützenhilfe geben, braucht man sich über die nächstfolgenden Verschärfungen nicht wundern. Über den nicht mehr ganz so guten Ruf der Landwirtschaft auch nicht.

Ja genau, ich bin selbst schuld, dass der Landwirt es vergessen hat, die 5-Jahres-Frist zu unterbrechen ;D

Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: lerchenzorn am 18. Januar 2014, 22:03:08
Musst Du wohl so sehen, in diesem Fall, ja.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: lerchenzorn am 19. Januar 2014, 13:11:09
Bevor Du loslegst, könntest Du auch noch einmal in eine eventuell vorhandene Verordnung über das Wasserschutzgebiet schauen. Da ist manchmal Strengeres enthalten als das allgemeine Umbruchverbot, je nach Bundesland. Zum Beispiel steht dort mitunter ein Verbot der "Umwidmung" von Dauergrünland.

Vielleicht machen Dir die für gartenbauliche Sondernutzung geforderten Bedingungen und Auflagen insgesamt so zu schaffen, dass Du sie nicht auf Dauer erfüllen kannst oder möchtest.

Nur so. Bevor Du Dich zu größeren Heldentaten aufraffst.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Floris am 19. Januar 2014, 14:36:53
Ich würde erst genau nachlesen, was das Verbot sagt.
Bei uns gibt es noch kein generelles "Umbruchverbot" sondern nur eines für definierte Situationen.
Und auch da heißt es nicht "Umbruchverbot", sondern es ist verboten "Grünland in Ackerland umzuwandeln".
Dann ist es nämlich völlig egal ob du einen Pflug verwendest oder das Grünland totspritzt oder es ersticken läßt. Sobald du anfängst Stauden anzubauen hast du die Umwandlung in Acker vollzogen. Säst du nach dem Umbruch wieder Gras an, war es keine Umwandlung.
Ja, du solltest auf jeden Fall mal die Wasserschutzgebietsverodnung lesen. Es gibt auch welche bei denen für bestimmte Bereiche der Anbau von Gartenbaukulturen nicht erlaubt ist. Außerdem wird oft die Wahl der Düngemittel eingeschränkt, die Wahl der Pflanzenschutzmittel natürlich auch.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Monaco am 19. Januar 2014, 14:49:47
Es gibt ja dieses Grünlandumbruchverbot, zumindest in bestimmten Bundesländern. Das wird damit begründet, dass dann, wenn eine Fläche lange genug Grünland war, sich im Boden große Mengen Stickstoff angereichert haben, die sich bei einem Umbruch lösen und als Nitrat ins Grundwasser gelangen. Oder so ähnlich ;D.

Im Prinzip läuft das in etwa so:
Stickstoff ist in lebender pflanzlicher Substanz als Eiweiß/Aminosäuren gebunden. Nach dem Absterben der Pflanzen werden diese von Mikroorganismen schlicht aufgefressen und die Eiweiße/Aminosäuren in für Bakterien verwertbare Stickstoffformen aufgespalten = mineralisiert. Der Stickstoffkreislauf kann nun durch bakterielle Tätigkeit von Ammonium/Ammoniak -> Nitrit -> Nitrat zu laufen beginnen.

Für das Maß der zersetzende Aktivität von Mikroorganismen im Boden sind Sauerstoff, Wasser und Temperatur die wesentlichen limitierenden Faktoren. Stirbt nun mehr pflanzliches Material ab, als gleichzeitig von Mikroorganismen umgesetzt werden kann, reichert sich organische Substanz im Boden, z.B. unter Grünland als sog. Humus/Rohhumus an. Durch ungenügendes Vorhandensein von Sauerstoff im Boden, kann dort kaum noch etwas dieser organischen Substanz durch Mikroorganismen umgesetzt/mineralisiert werden.

Bricht man nun das Grünland um, bringt man Sauerstoff in die oberstens Bodenschichten ein, welches zuerst die Umsetzungstätigkeit von Mikroorganismen und u.a. gleichzeitig auch die Aktivität bestimmter aerobes Milieu liebende Bakterien fördert, die Nitrit schließlich zu Nitrat umbauen. Das Endprodukt Nitrat ist die einzig nennenswert von Pflanzen aufnehmbare Stickstoffform, aber auch stark auswaschungsgefährdet. Nitrat wird unter anaeroben Umgebungsbedingungen auch durch denitrifizierende Bakterien in N2O (=Lachgas wenn ich mich nicht irre) umgewandelt und so als "Treibhausgas" an die Atmosphäre abgegeben.

Ich bin kein Chemiker und kann den Prozess folglich nur laienhaft erklären. Hier evtl. anwesende Chemiker sollten deshalb bitte nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen ::)

Wenn nun durch Mulchen die Grassode abstirbt, was geschieht dann mit dem Stickstoff im Boden? Ist der weiterhin vorhanden?

Die organische Substanz wird abhängig von Höhe und Dichte der Mulchauflage langsam aber stetig mineralisiert werden. Rohhumus entstünde erst, wenn die Nachlieferung an organischer Substanz höher ist, als an mineralisierter Substanz. Viele Mulchmaterialen schlucken durch ihr weites C:N Verhältnis übrigens auch erst mal einiges an Stickstoff.

Weshalb diese folgende Aussage hier im Fall von Holzhäcksel so schon mal sicher nicht relevant sein wird ;)
1. bringst du mit dem Holzhäcksel (wenn auch eine geringe Menge) Stickstoff aus.

Wenn man von einer Fläche von nur 5000m² ausgeht und eine nur 10cm dicke Schicht Mulch ausbringen will, würde man 50m³ Häcksel benötigen. Ziemlich viel, oder ?

50m³ sind schon nicht wenig, 10cm auf 5000m² wären aber sogar 500m³ (5000m² x 0,1m) = 500m³ ;D
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Christina am 19. Januar 2014, 14:52:31
In diesem Forum habe ich einen Gesetzesauszug gelesen:

Zitat
Dauergrünland darf demnach nicht mehr in eine andere landwirtschaftliche Nutzung überführt werden. Dies betrifft alle Landwirte, die EU-Direktzahlungen erhalten sowie Zuwendungsempfänger, die an flächenbezogenen Agrarumweltmaßnahmen teilnehmen.

Jetzt ist die Frge, bist du Zuwendungsempfänger?
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Floris am 19. Januar 2014, 15:09:41
Vermutlich nicht, deshalb ist diese Diskussion mit dem Umbruchverbot nach EU-Recht hier vermutlich nicht angebracht.
Sehr wohl aber der letzte Satz des verlinkten Beitrages: "Ein Verstoß gegen bestehende Umbruchverbote nach Naturschutz- beziehungsweise Wasserrecht werden wie bisher zusätzlich ordnungsrechtlich verfolgt."
Das betrifft dann jeden, nicht nur Landwirte die an der Agrarförderung teilnehmen.

Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 19. Januar 2014, 18:07:41
Bevor Du loslegst, könntest Du auch noch einmal in eine eventuell vorhandene Verordnung über das Wasserschutzgebiet schauen. Da ist manchmal Strengeres enthalten als das allgemeine Umbruchverbot, je nach Bundesland. Zum Beispiel steht dort mitunter ein Verbot der "Umwidmung" von Dauergrünland.

Vielleicht machen Dir die für gartenbauliche Sondernutzung geforderten Bedingungen und Auflagen insgesamt so zu schaffen, dass Du sie nicht auf Dauer erfüllen kannst oder möchtest.

Nur so. Bevor Du Dich zu größeren Heldentaten aufraffst.

Der Zuständige beim Landwirtschaftsamt hat auf meine Frage, wo das alles genauer ausgeführt sei, was er mir da erzählt, geantwortet, das stehe alles in der Schalwo. Schalwo sagte der immer wieder. Bis ich ihm gesagt habe, er soll mir das mal buchstabieren, ich verstehe das nicht. Ok, es heißt schALVO.

http://lw.landwirtschaft-bw.de/pb/MLR.Foerderung,Lde/Startseite/Foerderwegweiser/Schutzgebiets_+und+Ausgleichsverordnung+_SchALVO_+fuer+Wasserschutzgebiete

Durchblicken kann ich da bislang nicht, m.E. gehts da in erster Linie um Ausgleichszahlungen, der Landwirtschaft liebstes Thema, wie mir scheint.

Also der Mensch dort sagt mir immer, dass ich die Fläche nutzen kann, wie ich möchte, ich darf sie nur nicht umbrechen und muss die Grenzabstände einhalten, das sei alles.

Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 19. Januar 2014, 18:12:22
Gibt es dazu eine Verwaltungsvorschrift oder andere Vollzugsvorgaben?
Der konkrete Nachweis, dass Du keine außerordentlichen N-Mengen freisetzt, wird Dir nichts nützen, wenn dieser Punkt nur als einer unter anderen die allgemeine Begründung des Verbotes liefert. Ein solcher konkreter Nachweis müsste also schon als Ausnahmegrund festgesetzt sein, was ich mir nicht wirklich vorstellen kann. Grünlandumbruchverbote sind aus der übergeordneten Zielsetzung erlassen, dass der Grünlandanteil in D insgesamt zu stark sinkt.

Keine Ahnung, was es gibt. Wie gesagt, der Mann stützt seine Angaben auf die ominöse schALVO.
Die gibt für mich nix her.
Laut ihm kann ich alles kultivieren, was man in Pflanzlöcher pflanzen kann und wozu man die Grünfläche nicht umbrechen muss.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 19. Januar 2014, 18:17:55
Nun denn. Ich wollte meine posts nicht als Empfehlung verstanden wissen. Ich halte das tatsächlich für Tricksereien, die eine aus guten Gründen erlassene Regelung untergraben. Wenn die für die Einhaltung zuständigen Stellen dabei noch Schützenhilfe geben, braucht man sich über die nächstfolgenden Verschärfungen nicht wundern. Über den nicht mehr ganz so guten Ruf der Landwirtschaft auch nicht.

Welche Schützenhilfe hat mir bislang wer gegeben?
Wer hat denn zugesehen, wie die Landschaft zur Maiswiese geworden ist, wer hat das denn unterstützt?

Wer hat denn in das Gründlandumbruchverbot reingeschrieben: Gilt nicht für Flächen bis zu 20 a. Gilt nicht in geschlossenen Ortschaften?

Wenn ich ihn darauf hinweise, sagt er, für mich gibts keine Ausnahmeregulungen, weil ich im Wassereinzugsgebiet liege. Wassereinzugsgebiet ist für ihn gleichgesetzt mit Wasserschutzgebiet. Komisch nur, dass ein Wasserschutzgebiet z.B. an Straßen mit entsprechenden Schildern gekennzeichnet ist. Hier gibts diese Schilder aber nicht.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Rieke am 19. Januar 2014, 18:25:04
Hier ist ein kurzer Text über das Verbot des Grünlandumbruchs. Danach ist die Regelung bis Ende 2015 befristet. Von Wasserschutz ist in dem Text nicht die Rede.

Die SchALVo wiederum gibt es lt. dieser Seite seit 2001 und die gilt für Wasserschutzgebiete. Hierbei geht es um den Schutz des Trinkwassers vor Nitrat. Nitrat ist indirekt (Umwandlung zu Nitrosaminen) krebserregend und außerdem für Säuglinge problematisch.
 Ich habe mir das Merkblatt zur SchALVo noch nicht weiter durchgelesen.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: kpc am 19. Januar 2014, 18:27:07
50m³ sind schon nicht wenig, 10cm auf 5000m² wären aber sogar 500m³ (5000m² x 0,1m) = 500m³ ;D

Wie peinlich. Gut dass du wenigstens rechnen kannst.
Danke für die Korrektur.
Klaus-Peter
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 19. Januar 2014, 18:34:29
Ich würde erst genau nachlesen, was das Verbot sagt.
Bei uns gibt es noch kein generelles "Umbruchverbot" sondern nur eines für definierte Situationen.
Und auch da heißt es nicht "Umbruchverbot", sondern es ist verboten "Grünland in Ackerland umzuwandeln".
Dann ist es nämlich völlig egal ob du einen Pflug verwendest oder das Grünland totspritzt oder es ersticken läßt. Sobald du anfängst Stauden anzubauen hast du die Umwandlung in Acker vollzogen. Säst du nach dem Umbruch wieder Gras an, war es keine Umwandlung.
Ja, du solltest auf jeden Fall mal die Wasserschutzgebietsverodnung lesen. Es gibt auch welche bei denen für bestimmte Bereiche der Anbau von Gartenbaukulturen nicht erlaubt ist. Außerdem wird oft die Wahl der Düngemittel eingeschränkt, die Wahl der Pflanzenschutzmittel natürlich auch.


Zum einen gehts nicht um Stauden sondern um Annuelle. Aber davon habe ich mich verabschiedet, weil ich keine Beete vorbereiten und anlegen darf. Das Problem hab ich anders gelöst, indem ich Teile des Nachbargrundstücks mit dem Bagger gerodet habe und auf diese Weise genug Fläche für Helianthus ann. und Zierkürbisse geschaffen habe. Der Schaden für die Umwelt ist zwar nun weit größer, als wenn ich den Teil des Gründlands umgebrochen hätte, den ich brauchte.

Der Mann beim Landwirtschaftsamt hat sich geweigert, sich das alles vor Ort anzuschauen, ich wollte ihm zeigen "schau, ich will das umbrechen. Wenn ich das nicht darf, muss ich das dort roden, davon sind dann viele Bäume betroffen, also überlege dir, ob es nicht wirklich vernünftiger ist, wenn ich das Stück Wiese umbreche."
Ne, hat ihn nicht interessiert.

Zum zweiten, "Wasserschutzgebietsverordnung lesen": Wenn ich frage, welches Gesetz, Verordnung oder sonst was meinen Fall regelt, kriege ich nur die Antwort "schALVO". Ich kann bis heute nicht nachprüfen, wieviel Quatsch mir der Mann erzählt.
Ich werde jetzt dann einen offiziellen Antrag auf Umbruch einen Teil des Gründlands stellen, in einer Ablehnung müssen die doch die Gründe angeben. Dann kann ich Rechtsmittel einlegen oder auch nicht.
Lust dazu habe ich keine, denn gegen diese Kafka-Figuren kämpft man vollkommen vergebens.

Nachdem ich ja auf dem Nachbarflurstück gerodet habe, brauche ich dort, wo ich gerne umgebrochen hätte, nur noch Platz für Gehölze. Und dann werde ich alles in Pflanzlöcher pflanzen, und sie Sache hat sich. Zwischen den Reihen werde ich entweder mähen (dazu muss ich mir einen Rasentraktor kaufen) oder die Wiese kaputt mulchen, das weiß ich noch nicht.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 19. Januar 2014, 18:37:31
In diesem Forum habe ich einen Gesetzesauszug gelesen:

Zitat
Dauergrünland darf demnach nicht mehr in eine andere landwirtschaftliche Nutzung überführt werden. Dies betrifft alle Landwirte, die EU-Direktzahlungen erhalten sowie Zuwendungsempfänger, die an flächenbezogenen Agrarumweltmaßnahmen teilnehmen.

Jetzt ist die Frge, bist du Zuwendungsempfänger?

Nein, und echt, bevor ich auch nur einen Euro Zuwendung haben will, erschieße ich mich.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Rieke am 19. Januar 2014, 18:39:53
Karten der Wasserschutzgebiete habe ich auch im Internet gefunden, bei der Landesanstalt für Umwelt, hier der direkte Link.

Zitat
Wenn ich frage, welches Gesetz, Verordnung oder sonst was meinen Fall regelt, kriege ich nur die Antwort "schALVO". Ich kann bis heute nicht nachprüfen, wieviel Quatsch mir der Mann erzählt.

Um das selber Lesen der SchALVo wirst du nicht drum herum kommen. Nach deinen Schilderungen wirkt der Beamte nur mäßig kompetent, was Dich im Konfliktfall nicht schützt.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Floris am 19. Januar 2014, 18:45:13
Ich finde es schwierig die Situation einzuschätzen, da deine Informationen nur immer so kleckerlesweise ankommen... ist die Fläche denn kleiner als 20 ar und liegt sie denn innerorts?

Ich denke inzwischen auch, dass dein Problem nichts mit Stickstofffreisetzung zu tun hat.
Die Ausgleichsverordnung dürfte für dich ohne Belang sein da du kein Emfänger von Agrarsubventionen bis.

Vielleicht bist du beim Landwirtschaftsamt mit deinem Anliegen auch nicht an der richtigen Stelle? Der Begriff des Wassereinzugsgebietes (im Gegensatz zum Wasserschutzgebiet für Wassergewinnungsanlagen) deutet auf die Nähe des Grundstücks zu einem Fließgewässer (umgangssprachlich: Bach) hin. Demnach könnte die Rechtsgrundlage für dein Problem im Bundesnaturschutzgesetz liegen, wo bei grundwasserbeeinflussten Böden die Umwandlung von Grünland in Ackerland als nicht genehmigungsfähiger Eingriff bezeichnet wird, woraus sich ein Verbot der Umnutzung ableiten läßt. Sollte dem so sein, wäre die Untere Naturschutzbehörde dein Ansprechpartner, weil sie auch dafür zuständig sein wird dir auf die Finger zu klopfen für den Fall dass ich recht habe.

(Ich bitte um Nachsicht, falls sich etwas überschneidet, ihr schreibt für mich zu schnell...)






Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 19. Januar 2014, 18:45:23
Monaco, vielen Dank für Deine Ausführungen.
Also gehts um Sauerstoffeintrag in obere Bodenschichten.
Wenn ich die Wiese totmulche, kommt nicht mehr und nicht weniger Sauerstoff in den Boden als wenn sie lebt. Allerdings ändert sich an der N-Menge, die bereits im Boden gespeichert ist, nichts.

Wenn ich das soweit richtig verstanden habe, kann ich mir einfach überlegen, ob ich die Wiese regelmäßig mähen will, um sie kurz zu halten oder ob ich sie totmulche.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: lerchenzorn am 19. Januar 2014, 18:49:29
Ich hab mal ein wenig in Eurem Landesrecht gewühlt. Vielleicht wirst Du aus konkreten Quellen schlauer:

Eure WSG scheinen nicht mit Einzelverordnung gesichert werden. Weiß das jemand genauer?

Vielleicht gilt wirklich "nur" die SchALVO. Die enthält eigentlich alle sonst in Einzel-Verordnungen üblichen Regelungen.

Entscheidend für Dich dürfte § 4 Abs. 3 sein, der tatsächlich fast jede Nutzungsumwandlung untersagt, mit geringen Ausnahmen zum Streuobstanbau und zur Aufforstung.

Dazu gibt es verschiedene Kurzinformationen spezielle Kurzinformationen zu bestimmten Nutzungen, u.a.
- zum Einsatz von Wirtschaftsdünger, auch im Grünland;
- und für Baumschulen - für Dich dann wohl nicht relevant.

Da stehen konkrete Handlungsvorgaben. Sehr viel dreht sich, wie immer im Gewässerschutz, um die möglichst durchgängige Bodenbedeckung mit Deckkulturen.

Hab gerade gelesen, dass Du Derine gartenbaulichen Absichten schon anders verwirklicht hast. Die Baumpflanzungen kannst Du ja auf dem Grünland machen - s.o.
Vieles haben die Vorschreiber hier gerade schon gesagt.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 19. Januar 2014, 18:56:07
Karten der Wasserschutzgebiete habe ich auch im Internet gefunden, bei der Landesanstalt für Umwelt, hier der direkte Link.

Zitat
Wenn ich frage, welches Gesetz, Verordnung oder sonst was meinen Fall regelt, kriege ich nur die Antwort "schALVO". Ich kann bis heute nicht nachprüfen, wieviel Quatsch mir der Mann erzählt.

Um das selber Lesen der SchALVo wirst du nicht drum herum kommen. Nach deinen Schilderungen wirkt der Beamte nur mäßig kompetent, was Dich im Konfliktfall nicht schützt.

Ich finde diese schALVO nicht, nur irgendwelche Kommentare über sie. Kannst Du mir diese schALVO zeigen? Also so linktechnisch meine ich.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Rieke am 19. Januar 2014, 19:02:08
Ich hatte ein Stück weiter oben zu einem Merkblatt über die SchALVo verlinkt.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Floris am 19. Januar 2014, 19:03:16
Sagte der auf dem Amt nicht es sein kein Wasserschutzgebiet sondern ein Wassereinzugsgebiet?
Ich finde den Unterschied wichtig, da die schALVO ja nur für erstere gilt.

Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: lerchenzorn am 19. Januar 2014, 19:03:30
Die SchALVO gilt für Dich, unabhängig davon, ob Du Ausgleichsmittel erhältst. Sowie Du landwirtschaftliche Bodennutzung ausübst, bist Du an die Bestimmungen gebunden. Das Totmulchen ist von § 4 Abs. 3 nicht gedeckt, würde ich denken. Da wäre ich sehr vorsichtig. Im Zweifelsfall legt man Dir das sogar, ohne sich um das weite C/N-Verhältnis der Holzhäcksel zu scheren, als Kompostdüngung aus.

Tabelle 1, Pkt. 7 nennt darüber hinaus klare Anforderungen an die Wiederherstellung der Grünlandnarbe bei mehr als 30-%-igem Ausfall im Dauergrünland.

Ist dann wirklich dumm gelaufen in Deinem Fall :-\ . Ich schätze, dass da nicht einmal ein Antrag auf Umwandlung Aussicht auf Erfolg hat, den man ja immer wegen "nicht beabsichtigter Härte" (§ 10) stellen könnte. Die Härte ist wegen des im Gemeinwohl erforderlichen Gewässerschutzes gewollt und sonst sehe ich keine Ausnahmegründe.

Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: lerchenzorn am 19. Januar 2014, 19:04:06
SchALVO
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: lerchenzorn am 19. Januar 2014, 19:08:44

Wenn Du Dir über die Lage Deiner Fläche im Wasserschutzgebiet nicht sicher bist, kannst Du hier im Kartendienst die Zonierungen einsehen. Ist etwas kompliziert, die Wasserschutzgebiete als Thema zu laden. Wenn es Dir nicht gelingt, frag noch mal nach. Ich versuch´s dann zu beschreiben. Oder Du schreibst mir G..eMaps-Koordinaten per pm.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 19. Januar 2014, 19:08:54
Ich finde es schwierig die Situation einzuschätzen, da deine Informationen nur immer so kleckerlesweise ankommen... ist die Fläche denn kleiner als 20 ar und liegt sie denn innerorts?

Ich denke inzwischen auch, dass dein Problem nichts mit Stickstofffreisetzung zu tun hat.
Die Ausgleichsverordnung dürfte für dich ohne Belang sein da du kein Emfänger von Agrarsubventionen bis.

Vielleicht bist du beim Landwirtschaftsamt mit deinem Anliegen auch nicht an der richtigen Stelle? Der Begriff des Wassereinzugsgebietes (im Gegensatz zum Wasserschutzgebiet für Wassergewinnungsanlagen) deutet auf die Nähe des Grundstücks zu einem Fließgewässer (umgangssprachlich: Bach) hin. Demnach könnte die Rechtsgrundlage für dein Problem im Bundesnaturschutzgesetz liegen, wo bei grundwasserbeeinflussten Böden die Umwandlung von Grünland in Ackerland als nicht genehmigungsfähiger Eingriff bezeichnet wird, woraus sich ein Verbot der Umnutzung ableiten läßt. Sollte dem so sein, wäre die Untere Naturschutzbehörde dein Ansprechpartner, weil sie auch dafür zuständig sein wird dir auf die Finger zu klopfen für den Fall dass ich recht habe.

(Ich bitte um Nachsicht, falls sich etwas überschneidet, ihr schreibt für mich zu schnell...)

Die Fläche beträgt ca. 1,2 ha. Davon will ich nur einen Teil nutzen. Eigentlich dachte ich so an 35 a, bin dann auf 20 a runtergegangen, weil ich dachte, ok, kein Problem, dafür gibts ja diese Ausnahmeregelung.

Ob die Fläche innerorts liegt, kann ich nich so eindeutig sagen. Sie liegt hinter dem Ortsendeschild, aber die Häuser und Grundstücke, die alle auch hinter dem Ortsendeschild liegen, gehören verwaltungsmäßig zur Stadt und nicht zum Landkreis. Ein Grundstück hinter mir, also stadtferner, liegt noch ein Reiterhof, und dann kommt nur noch Wald, der dann eindeutig nicht mehr innerorts liegt.

Mit dem Wassereinzugsgebiet/Wasserschutzgebiet ist es so: ich liege auf einer Anhöhe, erstes Grundstück nördlich dieser Anhöhe. Alles was südlich ist, ist kein Wassereinzugsgebiet, alles was nördlich ist, also auch ich, gehört zum Wassereinzugsgebiet von Bretten. Mein Grundstück ist quasi das erste, das Wassereinzugsgebiet ist.

Der Mensch, mit dem ich mich bislang auseinandergesetzt habe, ist für meine Gegend der Mann, der über die Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen entscheidet. Er sagt, Wasserschutzgebiet, Wassereinzugsgebiet, ... alles eines, nämlich Wasserschutzgebiet, und damit ist bei mir Ausnahmeregelung oder so einfach Essig, weil dann gilt das Wasserschutzrecht und das ist höherrangig als die schALVO.
Also für mich gilt die schALVO, nach der der Gründlandumbruch nicht statthaft ist. Die Ausnahmeregelungen gelten für mich nicht, weil für mich zusätzlich das Wasserschutzrecht gilt.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Rieke am 19. Januar 2014, 19:10:43
Hier ist die SchALVo . Wahrscheinlich sind Anlage 2 und 4 für dich von Bedeutung, möchte aber auch noch mal auf den Einwand von Floris hinweisen.
Zitat
Sagte der auf dem Amt nicht es sein kein Wasserschutzgebiet sondern ein Wassereinzugsgebiet?
Ich finde den Unterschied wichtig, da die schALVO ja nur für erstere gilt.

In der Karte, die ich verlinkt habe, kann man sich auch die Wasserschutzgebiete anzeigen lassen, bei meinem Browser war links noch mal ein Menü mit Verzeichnisbaum, in dem man ganz unten den Punkt "Wasser" anklicken konnte, dann "Wasserschutzgebiet".

Oh, ich sehe gerade, daß Lerchenzorn auch darauf verlinkt hat.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 19. Januar 2014, 19:23:36
Ja, vielen Dank für Eure Links. Ich hab Lerchenzorn nun die Koordinaten geschickt ...
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 19. Januar 2014, 19:29:48

Hab gerade gelesen, dass Du Derine gartenbaulichen Absichten schon anders verwirklicht hast. Die Baumpflanzungen kannst Du ja auf dem Grünland machen - s.o.
Vieles haben die Vorschreiber hier gerade schon gesagt.

Gehölze ist halt mehr als nur Bäume.
Ich will dort in Reihenkultur pflanzen:

Asparagus pseudoscaber

Buxus semperflorens   
Buxus sempervirens   
Buxus microphylla   Faulkner'
   
Callicarpa bodinieri   Profusion'
   
Cotinus coggygria   Royal Purple'
   
Deutzia gracilis   
   
Hydrangea paniculata   Grandiflora'
Hydrangea paniculata   Vanille Fraise'
Hydrangea paniculata   Lime Light'
   
Ilex meserveae   Blue Angel'
Ilex meserveae   Golden Girl'
Ilex meserveae   Heckenfee'
Ilex   Blue Prince'
   
Ligustrum ovalifolium   Argenteum'
Ligustrum ovalifolium   Aureum'
   
Malus   Butterball'
Malus   Evereste'
Malus   Red Sentinel'
Malus   Charlottae'
   
Photinia x fraseri   Red Robin'
   
Picea pungens glauca   Sämling
Picea pungens glauca   Hoopsii'
   
Pinus wallichiana   
Pinus wallichiana   
   
Ribes sanguineum   King Edward VII.'
Ribes sanguineum   White Icicle'
   
Salix erytroflexuosa   
Salix matsudana   Tortuosa'
Salix sachalinensis   Sekka'
   
Skimmia japonica   
Skimmia japonica   Rubella'
   

Dazu Hagebuttenrosen und anderes, was in dieser Tabelle nicht enthalten ist.

Die Formatierung ist ein bisschen blöde, kommt direkt aus Excel.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: lerchenzorn am 19. Januar 2014, 20:06:25
 :-\
Das wird schwierig bei der Rechtslage. Zone III in SchALVO hat ein einheitlich wirksames Umwandlungsverbot.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: Herr Dingens am 19. Januar 2014, 20:20:35
Warum?
Wenn ich alles machen kann außer umbrechen? Er hat gesagt, und ich hab das auch schriftlich, dass ich problemlos in Pflanzlöcher pflanzen kann.
Titel: Re:Stickstoffspeicherung im Grünlandboden, wie ist das genau?
Beitrag von: lerchenzorn am 19. Januar 2014, 20:23:26
Wenn er Dir das auf die konkrete Fläche bezogen betätigt hat? ok