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Garten- und Umwelt => Pflanzengesundheit => Thema gestartet von: Martina777 am 05. August 2016, 14:50:31
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Eines meiner diesjährigen Experimente sind Honigmelonen, und ich stelle folgendes Schadbild fest:



Weiss jemand, was hier die Ursache ist?
Danke im voraus für Info - liebe Grüße!
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Eindeutig falscher Mehltau. Der ist die absolute Pest dieses Jahr bei Melonen und Gurken. Hier gibts Gärtner, die hatten schon Mitte Juli Totalschaden.
Hauptproblem war die permanent hohe Luftfeuchtigkeit. Wer morgens in den Garten gegangen ist, konnte Tag für Tag feststellen, dass an allen bodennahen Pflanzen Tau war. Immer. Es gab keine drei zusammenhängenden lufttrockenen Nächte. Das hat falschen Mehltau extrem begünstigt. Ich habe testweise ein paar Pflanzen mal mit Azoxystrobin behandelt und keine Wirkung mehr damit erzielt. Das bringt nur was in den ganz frühen Befallsstadien und die übersieht man meistens. Nächstes Jahr teste ich einen Blattdünger mit Phosphonsäure, so wie es beim Weinbau gegen falschen Mehltau ganz gut funktioniert. Muss man eben mühevoll früh und oft anwenden.
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Danke, Ihr beiden - dieses Jahr erweitere auch ich meine Kompetenzen in Sachen Pilzkrankheiten. >:(
3 Pflanzen sind schon hinüber (in dem Fall Gurken). Ich habe alle beschädigten Teile abgeschnitten und versuchsweise gespritzt - nachdem ich dank Euch wußte, wogegen. Mal sehen, welchen Effekt das hat. Vermutlich wenig, die Krankheit ist ja schon da.
Wenn "man" solches Wetter hat, als Gärtner ... und Gurken und Melonen ernten will: Sollte man dann vorsorglich spritzen, und wie umfänglich wirkt diese Phosphorsäure?
PS: Am Wein hab ichs natürlich auch. Nicht an allen Sorten, aber an einzelnen. Wobei ich da auch den Echten Mehltau vorgefunden habe. Ein Profi hat mir geraten, abwechselnd mit Schwefel und Kupfer zu spritzen. Schwefel hab ich schon durch, nun also auch noch Kupfer. Passt mir so gar nicht, wird aber wohl unumgänglich sein :P Wobei dieses Jahr weintechnisch schon übel begonnen hat, mit Milben.
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Bei den Phosphonsäuredüngern interessiert mich die Anwendung. Bei Gurken / Melonen. Beim Wein habe ich das schon probiert, aber Melonen? Dasselbe?
- Dosierung, Konzentrationen? Phosfik enthält 27% Phosphorpentoxid und wird mit 0,2 - 0,25% Konzentation empfohlen (also gut 0,06% P2O5), was mir etwas wenig erscheint.
- Ist es gar nicht systemisch oder wenigstens teilsystemisch? Muss jedes Blatt erwischt werden, von beiden Seiten?
Dass es jetzt nichts mehr nutzt, war nicht die Frage, im Stadium der grossen Blattnekrosen nutzt überhaupt nichts mehr. Bei Einlegegurken ist es ebenfalls entbehrlich, wenigstens gibts da sehr tolerante Sorten (Diamant & Co). Aber bei Melonen geht halt alles unterschiedlos gleichzeitig drauf.
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@ Daniel: "Vorsorglich spritzen" - das würde fürs nächste Jahr gelten. Nu hab ichs ja schon, was soll ich da noch vorsorgen?
Mich würde interessieren: Was kann ich zur Vorsorge spritzen, und wann?
wg. Wein: Was tu ich jetzt noch? Schwefel ist schon drauf, kein weiterer echter Mehltau seither (1 Woche her) - aber den falschen hab ich immer noch, man sieht es v.a. an den neuen Austrieben.
Ist Schadensbegrenzung noch möglich, und wenn ja: Wie? (Und einen Plan fürs nächste Jahr brauch ich wohl auch noch. Bislang liefs ohne Probleme ... ich muss da erst reinwachsen.)
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Hm. Ich will Eure Fachsimpelei nicht stören, aber 8) ...
Ich fange mal anders an: Ich hab mit Duaxo guten Erfolg bei Birnen und Pfirsichen (vorbeugend natürlich, zum richtigen Zeitpunkt und mit vorgeschriebenen Empfehlungen).
Gibts einen ähnlich leichten Königsweg bei Wein und Gurken/Melonen? Vielleicht gleich für alle Pilze?
Und: Dieses Jahr - vergesst die Gurken/Melonen, denen ist eh nicht wirklich zu helfen - was mache ich beim Wein weiter?
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Mir fehlen wie gesagt die eigenen Erfahrungen bei Gurken / Melonen und Phosphonsäure (nicht Phosphorsäure). Ich werds mal nächstes Jahr ab Mitte Juni (da geht normalerweise das Längenwachstum los) wöchentlich probieren, anfangs vielleicht mit 0,25% um zu sehen ob das die Cucurbitae auch vertragen. Von oben auf die Blätter gesprüht, Abends direkt nach Ende der direkten Sonnenstrahlung.
Duaxo ist Difenoconazol, das ist gegen falschen Mehltau ohne Wirkung. Für Rost, Schorf und echten Mehltau gut.
Beim Wein habe ich eine für Peronosphora anfällige Sorte, die anderen haben selbst in diesem sehr schwierigen Jahr nur toleriarbaren Befall. Anwendung: max. 5ml Phosfik oder Lebosol Nutriplant pro Liter Wasser nehmen, also max. 0,5%. Wichtig ist, früh loszulegen, schon nach dem Austrieb. Nach einigen Behandlungen stellt sich ein ganz guter Schutz ein, der ausreichend lange anhält. Im Juli ist eh Schluss, in ältere Blätter dringt Phosphonsäure wohl einerseits schlecht ein, andererseits sind die auch weniger anfällig für die Pilze.
Beim Wein findest du auch massenhaft Informationen im Internet darüber, Beispiel: http://www.lvwo-bw.de/pb/,Lde/Startseite/Fachinformationen/Phosphorige+Saeure+_Wirkstoff+gegen+Peronospora+auch+in+Blattduengern?LISTPAGE=669250 - das ist recht gut beschrieben.
Interessanter wirds bei Phosphonsäure gegen Braunfäule und eben den Cucurbitae / flascher Mehltau, da ist mehr zu lernen und zu gewinnen. Melonen sind eben wie schon erwähnt durchweg sehr anfällig, während bei Tafeltrauben viele gute Sorten mit geringer natürlicher Anfälligkeit zur Verfügung stehen. Da muss man sich nicht zwangsläufig mit solchen Mitteln auseinandersetzen.
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Ok, cydorian ... diese Phosphonsäure muss also schon beim Austrieb angewendet werden, verstehe. (Dieses Jahr habe ich auch Austriebsspritzungen beim Wein gebraucht, aber eben gegen Milben. 2 x Schmierseifenlösung mit 7 Tagen Abstand haben hier gut geholfen.)
Nächstes Jahr werde ich das also probieren. Erscheint mir angenehmer zu verwenden, da zu dieser Zeit noch keine dichten Blätterwände da sind. Dazu habe ich ausgerechnet grad eben diesen Artikel gefunden:
http://derstandard.at/2000042486601/Deutsche-Oekowinzer-rechnen-mit-Totalausfaellen
Noch eine vertiefende Frage zu Wein: Muss ich JETZT noch etwas tun, um den Befall zu vermindern? Wenn ich weiter alle befallenen Blätter absammle, stehen einzelne Reben bald nackt da. Ich hab Sorge, die zu verlieren - berechtigt?
In dem oben Dir, @ cydorian, verlinkten Artikel über phosphonhältigen Blattdünger wird auch geschrieben:
"Interessant ist der Einsatz dieser Blattdünger im Pflanzjahr und in Rebschulen. In diesen Spezialfällen ist eine Mangelsituation, z. B. bei Magnesium, in vielen Fällen gegeben. Durch die systemische und kurative Wirkung wird mit der Nährstoffversorgung ein sehr guter Schutz der Jungreben vor Peronospora in der Phase des stärksten Wachstums im August und September erreicht."
Also kann man nun auch noch mit damit arbeiten? Zumindest die Neuaustriebe wären dann etwas geschützt ...
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Also kann man nun auch noch mit damit arbeiten? Zumindest die Neuaustriebe wären dann etwas geschützt ...
An alten Reben gibts jetzt nicht mehr viele Neutriebe. Ob der Phosphor-Blattdünger noch etwas bringt, weiss ich nicht, aber den Versuch kannst du ja machen. An Jungreben ohne Früchte, die viel wachsen und Holz zulegen sollen, wirds wohl noch am meisten bringen.
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Phosfik beziehe ich mal in meine Überlegungen fürs nächste Jahr dringend mit ein. Das ist ohnehin ein langfristigeres Projekt, da ich einen Landwirt brauche, für die Bestellung. Gut, dass ich passende Freunde hab :)
Bild ich mirs bloß ein, oder macht man es dem Verbraucher hier extra schwer? Ich will vorsorglich was tun, möglichst biologisch, um später keine unnötigen Schwermetalle im Garten zu haben, und an allen Stellen wird man blockiert? :P
Habt Ihr einen derartigen Faden, wo man Eure Überlegungen - Phosphonsäure betreffend - nachlesen kann?
Und zuletzt: Spritz ich den Wein jetzt noch mit Kupfer oder tu ichs nicht?
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Lebosol-Nutriplant-AktiPhos oder Lebosol Magphos sollte man eigentlich bekommen, die Frage ist eher, wo man kleinere Mengen davon bekommt. Als Pflanzenschutzmittel wird dieser Blattdünger schliesslich nicht verkauft. Nur wenn Ammoniumnitrat drin ist, fallen sie unter die Gefahrstoffverordnung. FCS Veriphos gibts dagegen nur mit Sachkundenachweis, denn es enthält Kaliumphosphonat (KH2PO3 und K2HPO3) und Mittel damit sind seit 2013 als Pflanzenschutzmittel zugelassen. Davor waren es "Pflanzenstärkungsmittel und Dünger" und somit für jeden käuflich. So leicht wird von einem Tag auf den anderen ein gut erforschter Stoff vom Dünger zum verbotenen Gift. Einstweilen kannst du Fosetyl-Aluminium (Aliette Plus) anwenden, wie schon im Thread genannt. Nicht billig, aber erhältlich.
Ein grosser Versuch mit Phosphor läuft auch noch:
http://www.add.rlp.de/Aktuelles/Kaliumphosphonat-Grossversuch/
https://www.lwg.bayern.de/weinbau/rebe_weinberg/138011/index.php
Darin wird bestätigt, was hier schon geschrieben wurde: "Die Wirkung von Kaliumphosphonat ist in jungen wachsenden Geweben am besten. In ausgewachsenen Blättern und Trauben ab Schrotkorngröße nimmt die Wirkung ab."
In der Presse wird unverdrossen unsachlich über Phosphonat herumgelabert: http://www.taz.de/!5313318/
"Bio-Winzer wollen Pestizid", heisst es. Verbotenes Pestizid.
Veriphos mit Kaliumphosphonat wäre eigentlich das Mittel der Wahl und davon Kleinmengen für Privatleute wären sehr wünschenswert. Hier wäre §36 Abs. 2 Pflanzenschutzgesetz anwendbar. Die Diskussion über diese drei vorgeschalteten Engstellen (EU-Recht, das deutsche Pflanzenschutzgesetz sowie dessen praktische Anwendung) aus Sicht engagierter Selbstversorger wäre zwar dringend nötig, aber hier offtopic. Das interessiert auch niemand in den Ausschüssen, in denen die Regelungen ausbaldowert werden. Wir existieren nicht für die. Wir sind alle "Verbraucher", sollen gefälligst kaufen, haben Null Ahnung und bepflanzen höchstens mal 4qm Vorgarten zwischen zwei Doppelgaragen.
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cydorian, danke für Deine Mühe! Ich wühle mich da durch, die Phosphonsäure scheint mir ein guter Ansatz zu sein, was den Wein betrifft. Und ja: Kleinmengen der Spritzmittel wären sehr wünschenswert!
Eine vorsorgliche Behandlung der Gurke/Melone könnte ich im nächsten Jahr ausprobieren - einige Pflanzen bekommen diesen Blattdünger, den Rest nicht. Kippen die Versuchspflanzen nicht sofort um und sehen auch weiterhin gesund aus, kann man ja auch die bislang unversorgten in die nächste Behandlung einbeziehen.
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Ich mach mich da schlau, Daniel, danke. Die am wenigsten aufwendige Einkaufsmöglichkeit wirds werden ... so bald ich abschätzen kann, wieviel ich brauche bzw. wie lange haltbar Phosfik bzw das - ich glaube, ohnehin von Dir - empfohlene Alternativprodukt ist.
Ich hatte übrigens heute ein sehr interessantes Gespräch mit jemandem, der sich beruflich mit Nützlingen beschäftigt und aus dem Erwerbsgartenbau kommt, der Eure sehr positive Sicht der Anwendung von Phosphonsäure teilt. (Sie leider aber nicht vertreibt - ich sitze hier in Ö, muss mich erst umschauen, wo ichs krieg).
Interessant für mich war auch, dass Phosphonsäure den Raubmilben nicht schadet, die ich im Winter vorsorglich gegen die Milbenplage einsetzen möchte.
Phosphonsäureeinsatz ist bei anderen Obstkulturen (Erdbeeren, Brombeeren) erprobt, grundsätzliche Bedenken bei Gurkenkulturen sah mein Gesprächspartner nicht, ohne Gemüsebaufachmann zu sein. Alles unter dem Vorbehalt, dass dieses Gespräch hypothetisch ist, da ich als Privatperson dieses Mittel offenbar nicht einsetzen kann, weil mir es hier niemand verkaufen darf. Aber es war ja mal anders ... :-X (Jap, die Leute, die das alles entscheiden ... sind mir nichtmal mehr einen Touretteanfall wert)
Danke für die Diskussion und die wertvollen Tipps!
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Es bleiben eben lange nachweisbare Rückstände in den Pflanzen. Ob und wenn ja, welche Folgen auf den Organismus diese anorganische Phosphorverbindung haben kann, sollte erforschbar sein.
Beim Wein sind Rückstände im Oktober nachweisbar, wenn Behandlungen noch im Juli stattfinden. Bei Cucurbitae, wo die Ernte viel früher beginnt, wird das noch stärker der Fall sein. Wäre gut zu wissen, was diese Rückstände bewirken können. Optimal wäre die Antwort "Nichts" :-)
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Azoxystrobin war, Zulassung hin oder her, noch nie besonders stark gegen falschen Mehltau. Wirksam allenfalls vorbeugend und dann mit entsprechendem (hohem) Resistenzrisiko wie bei allen Strobilurinen.
In Gurken ist Aliette mit gutem Erfolg einsetzbar, im Prinzip ein Phosphonat nur an Aluminium gebunden.
Ne Kleingartenzulassung hat offenbar auch Previcur Energy (Propamocarbfosethlyat) ne Kombination aus Aliette und Previcur N ohne Aluminium und Chlorid. Die Wirkung ist top, im Kleingarten bringt es leider keiner auf den Markt....
Daran kannst du sehen, dass die Phosphonsäuredünger (Phos 60, Lebosol, Phosfik etc) sehr gute Ergebnisse liefern, gerade gegen falschen Mehltau die besten im Vergleich zu Alternativen und das Ganze bei einem extrem geringen Resistenzrisiko. Aliette wird seit ca. 40 Jahren eingesetzt ohne bekanntes Resistenzrisiko.
Aber auch Phosphonate sind keine Wundermittel! Im Stadium deiner Melone kurieren die auch nichts mehr, zumindest nicht unter 0,5% Anwendungskonzentration.....
Zum Wein: Schwefel ist gegen echtrn Mehltau seit Jahrhunderten bewährt und wirksam. Praktischerweise mit relativ guter Nebenwirkung auf Rebenpocken- und Spinnmilben.
Kupfer ist toll gegen falschen Mehltau, Blattflecken etc. aber nur vorbeugend! Kupferoktanoat killt den echten Mehltau praktischerweise gleich mit.
Allerdings hat Kupfer im Übermaß unschöne und langwierige Auswirkungen auf das Bodenleben....
Außer Kupfer und Phosphonsäure (in Form von Aliette) (und den schon genannten Strobinen) sind in Haus- und Kleingarten noch ein paar mehr Stoffe zugelassen gegen Falsche Mehltaupilze und/oder Phytophthora (beide zählen zu den Oomyceten, nicht zu den Echten Pilzen, deshalb wirken nicht alle Fungizide auch gegen Oomyceten).
Z. B. Propamocarb + Fluopicolide (Infinito) oder Propamocarb + Fosetyl (Previcur Energy), Mancozeb (Dithane) und Metiram (Polyram) sowie Fosetyl + Fenamidone (Fenomenal).
Ihr könnt dazu in der Datenbank "Verzeichnis zugelassener PSM": https://apps2.bvl.bund.de/psm/jsp/ recherchieren.
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Es bleiben eben lange nachweisbare Rückstände in den Pflanzen. Ob und wenn ja, welche Folgen auf den Organismus diese anorganische Phosphorverbindung haben kann, sollte erforschbar sein.
Beim Wein sind Rückstände im Oktober nachweisbar, wenn Behandlungen noch im Juli stattfinden. Bei Cucurbitae, wo die Ernte viel früher beginnt, wird das noch stärker der Fall sein. Wäre gut zu wissen, was diese Rückstände bewirken können. Optimal wäre die Antwort "Nichts" :-)
Ich habe mal kurz bei der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA nach Stellungnahmen und Bewertungen recherchiert, und zwar zu
Kaliumphosphonat (erschienen 2012): http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2012.2963/pdf
Dinatriumphosphonat (2013): http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2013.3213/pdf
Fosetyl (2005): http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2006.54r/pdf
Bei Kaliumphosphonat wird unter Ökotoxikologie angemerkt: "A high long-term risk to insectivorous birds was indicated on the basis of the available data." Das ist einerseits bemerkenswert, weil Ökowinzer und -bauern lauthals beklagen, dass dieser Stoff im Ökolandbau nicht mehr zugelassen ist, und die Wiederzulassung fordern.
Andererseits muss man dazu sagen, dass diese Einschätzung eher dadurch zustande kommt, dass man angesichts fehlender experimenteller Daten mit sehr vorsichtigen Standardannahmen rechnet, und bei denen kommt eben erstmal raus, dass man nicht automatisch Entwarnung geben kann. Es bedeutet nicht, dass irgendwelche Belege dazu vorlegen, dass Vögel tatsächlich durch das Mittel geschädigt würden.
(Ich kann's mir nicht verkneifen: Bevor nicht der leiseste Zweifel an jeglicher Unschädlichkeit endgültig ausgeräumt ist, soll das Mittel im Ökolandbau eingesetzt werden dürfen??? Da könnte man glatt auf die Idee, das besser untersuchte Glyphosat auch :-X Oder etwa nicht?)
Was die Toxizität für den Menschen angeht, so zitiere ich mal die Zusammenfassung aus der Bewertung zu Dinatriumphosphonat (in die Daten zu anderen Phosphonaten ink. Fosetyl mit eingingen):
"No data gaps or areas of concern were identified in the area of mammalian toxicology and the risk assessment was finalised...
Disodium phosphonate is not acutely toxic via the oral, dermal or inhalation route. It is not a skin or eye irritant, nor a skin sensitiser. The relevant No Observed Adverse Effect Level (NOAEL) for short-term toxicity is bridged from a study performed with phosphonic acid in rat and is 400 mg/kg bw per day, based on soft faeces, increased water intake, and increased urinary sodium and calcium excretion. The NOAEL for long-term toxicity in dogs is 298 mg/kg bw per day based on testes changes (study with fosetyl-Al) and is 390 mg/kg bw per day in rats (combined sexes) based on clinical findings and reduced body weight (study with monosodium phosphonate). Disodium phosphonate is considered not to have genotoxic or carcinogenic potential. Disodium phosphonate did not show any reproductive potential (the relevant maternal NOAEL being >1782 mg/kg bw per day and the offspring and reproductive NOAELs being >1997 mg/kg bw per day, in a study with fosetyl-Al). In developmental toxicity studies the relevant maternal and developmental NOAELs are 275 mg/kg bw per day (rabbit).
The Acceptable Daily Intake (ADI), expressed as phosphonic acid, is 2.25 mg/kg bw per day based on the 2-year rat study with monosodium phosphonate, and applying an uncertainty factor (UF) of 100 (EFSA, 2005). The Acceptable Operator Exposure Level (AOEL) for disodium phosphonate is 2 mg/kg bw per day based on the developmental toxicity study in rabbits, applying an UF of 100 and a correction for oral absorption of 70%..."
Und zu Fosetyl:
"Phosphonic acid is the major metabolite in plants and in in vivo experimental studies. Acute toxicity is
low. It is not a skin irritant while it is a slight eye irritant. It does not show any genotoxic potential. An
ADI for the metabolite phosphonic acid was set at 2.25 mg/kg bw per day."
Und weiter:
"The risk assessment demonstrated that consumers, including the most vulnerable ones, are exposed to
residues well below the ADI."
Soweit sich das also auf die Schnelle sagen lässt:
Wäre gut zu wissen, was diese Rückstände bewirken können. Optimal wäre die Antwort "Nichts" :-)
Das trifft zu.
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Bristlecone, danke für die vielen Infos! Das Ergebnis freut mich auch sehr.
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Daniel: Die Raubmilben werden im Winter vom Schnittmaterial aus Bioanbauflächen geerntet und - wie auch immer - kultiviert und dann versandt und in den Rebflächen ausgebracht. Sie stehen leider bei Blattaustrieb nicht mehr zur Verfügung ... ich finds auch irritierend, muss hier aber den Experten vertrauen.
Diese Milben sollen dann nachhaltig sein, sprich: Wenn man sie nicht umbringt (etwa durch Schmierseifenspritzungen) bleiben sie im Garten, so lange Futter da ist. Grad bei schädlichen Milben beobachte ich eine Zunahme im Garten, hätte also gerne eine längerfristige und bevorzugt eine "natürliche" Lösung.
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Z. B. Propamocarb + Fluopicolide (Infinito) oder Propamocarb + Fosetyl (Previcur Energy), Mancozeb (Dithane) und Metiram (Polyram) sowie Fosetyl + Fenamidone (Fenomenal).
Bristlecone da muss ich dich leider etwas korrigieren bzw. ergänzen. :(
Infinito fällt für den Kleingarten noch dieses Jahr raus.
Schade, denn die Wirkung ist top! Ich hab's dieses Jahr mit bestem Erfolg eingesetzt sowohl in Gurken wie in Kartoffeln.
Die Zulassung in Gurken und Tomaten wurde im Erwerbsgartenbau übrigens vor einigen Jahren widerrufen wegen möglicher Geschmacksbeeinträchtigungen, im Kleingarten darf man noch. Ich habe übrigens keine Geschmacksbeeinträchtigungen festgestellt.
Interessant, danke für die Info. In der Datenbank steht nämlich: Zulassungsende 31.12.20.
Previcur Energy in Kleinmenge gibts bei ebay - von ausländischen Anbietern, somit ohne deutsche Zulassung.
Fenomenal (Fosetyl + Fenamidone) hat gemäß der genannten Datenbank eine HuK-Zulassung gegen Flasche Mehltaupilze und gegen Phytophthora, Zulassungsende 31.12.2021.
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Previcur Energy hat zwar, wie oben geschrieben, eine Kleingartenzulassung, aber keiner bringt es als Kleinpackung auf den Markt. Sehr ärgerlich, es wäre DAS Topprodukt gegen falschen Mehltau!
Bei eBay verkauft es einer aus Litauen, also EU. Das Produkt ist gemäss Packungsgrösse dort eindeutig für den Kleingarten auf den Markt gebracht worden, es sind nur 15ml - Fläschchen. Professionell aufgemacht, offenbar nicht nur selbst abgefüllt aus einem grösseren Gebinde. Verkauf in Kleinmengen lohnt sich in Litauen offenbar für Bayer mehr wie hier.
Wie war das mit EU, Binnenmarkt, keine Grenzen, freier Warenverkehr und das ganze Dauer-Politikergezitscher? Wenn es in D doch zugelassen ist, nur nicht käuflich erwerbbar, dann könnte es doch vielleicht woanders gekauft werden und hier eingesetzt? Die Verwendung hängt ja nicht am Kaufort, sondern an der Zulassung, die ja in D durchaus besteht.
So oder so spielen für mich auch die Kosten eine Rolle. Die Dünger wie Lebosol & Co sind bezogen auf die benötigten Mengen um eine ganze Klasse billiger wie Al-Fosetyl und seine Variationen. Der wesentlich höhere Preis muss mit wesentlichen zusätzlichen Vorteilen verbunden sein, sonst lohnt sich das nicht. Wenn aber schon der Dünger hinreichend wirkt, die nötige Anwedungshäufigkeit nicht um eine Klasse höher ist, dann stellt sich die Frage, ob es 360 EUR / l sein müssen statt ca. 4-24 EUR / l. Selbst wenn die Konzentrationen anders sind.
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Daniel, nach der Art der Milben hab ich nicht gefragt, leider. Als Alternative wurde mir geraten, doch selbst Schnittmaterial aus dem Bioweinbau zu erbetteln, so könnte man die Milben natürlich auch ansiedeln. Ich sah nur damals keine irgendwie geartete Lücke in meinem Zeitbudget, die mir diese Wallfahrt an bisher unbekannte Orte ermöglicht hätte ... Winzer kenn ich einige, Biowinzer keine.
Da ich am Wein die Probleme hatte: Milben, Echter und Falscher Mehltau, und mir die Wirkung von Schwefel auf die Milben bekannt war, hab ich mit dem Schwefel begonnen, dann zuletzt noch Kupfer. Wiederholen kann ich, glaub ich, keine der Spritzungen, da die ersten Trauben in ca. 14 - 21 Tagen reif werden.
Und, um zum Anfang zu kommen: Natürlich kann ich, setze ich Raubmilben ein, im kommenden Jahr weder Schmierseife, noch Rapsöl oder Schwefel verwenden, deshalb suche ich nach sinnvollen Alternativen. Abgesehen davon, dass der Schwefelgeruch im Hausgarten auch nicht prickelnd ist, und ich, so es irgend möglich ist, auf derartige Spritzmittel verzichten will.
Die von Euch ins Spiel gebrachten phosphonsäurehältigen Mitteln sind für Raubmilben und Nützlinge ungefährlich. Wenn Phosfik so lange hält, ist das schon mal gut ... aber 10 Liter ist für ein Kleingärtnerlein wie mich natürlich immer noch viel.
Allerdings: Ich würde nie über A.a.on derartiges kaufen. Ich kenne Untersuchungen über technische Produkte, die Fälschungsquote dort ist horrend hoch. Was in einem Geschäftsfeld ist, ist im nächsten auch wahrscheinlich .... Pauschale Verdächtigungen sind natürlich nie fein, aber ich will dieses Risiko für mich komplett ausschließen. Egal, obs verboten ist oder nicht. Und Litauen ... woher soll ich wissen, wer der Verkäufer ist? Da gehe ich schon lieber einem landwirtschaftlichem Freund auf die Nerven und kaufs mit seiner Hilfe hier in Ö.
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Die Suche nach "Phosfik" fördert mehrere Anbieter zutage, darunter ganz normale Anbieter von Agrarprodukten, die auch den Hobby-, Haus- und Kleingartenbereich beliefern.
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Eine unserer Gurken hat komplett vernichtet. Können die Überreste auf den Kompost oder besser in den Hausmüll?
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ups. [Redundantes Posting]
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Kompost. Das Zeug zerbröselt sowieso schon, bevor man es wegtragen kann.
An Gurken habe ich noch Phosphonsäure angewendet. Ergebnis ist, dass nur eine wirklich frühe Behandlung was nutzt. Blätter, die schon die typischen Flecken haben, sind nicht mehr zu retten. Blätter, die ein paar Tage vor dem Fleckenstadium stehen auch nicht. Nur was noch nicht infiziert ist, bleibt gesund. Auch Neutriebe, die erst nach der Behandlung wachsen.
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Nachdem letztes Jahr spätestens Ende Juli Totalschaden einsetzte, d.h. die Infektion mit falschem Mehltau an Melonen und Gurken bereits Anfang Juli stattfinden konnte möchte ich dieses Jahr mal was Neues probieren. Melonen und Gurken habe ich wie immer im Haus vorgezogen, sie stehen in den üblichen Töpfchen mit Pflanzerde. Wegen des saukalten Winters, der wie die letzten Jahre wieder mal im April stattfindet bleiben die auch noch eine Weile drin.
Und nun der Gedanke: Könnte man schon jetzt gelegentlich Spurennährstoffdünger mit dem gewissen "Plus", mit Phosphonsäure ins Giesswasser geben (später wirds ja auf Blätter gesprüht), um später gegen falschen Mehltau besser gerüstet zu sein? Sie soll sich ja besonders in die jungen Triebe hineinbewegen und dort Resistenz gegen Peronosporomycetes induzieren. Im Weinbau hält die Wirkung erstaunlich lange an. Klar ist, dass man zur Hauptwachstumszeit sicher auch noch mal "düngen" sollte, dann aufs Blatt.
Hat das schon jemand ausprobiert? Geht das übers Giesswasser? Sind Risiken zu befürchten?
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Das frühzeitige zusammenbrechen der Gurken kann man durch extrem luftigen Stand etwas herauszögern.
Am 9.8.16 waren erst 2 Sorten direkt vorm Exitus (die beiden links), die Ernte ging bei mir bis September. Tanja (die Pflanze ganz rechts) war mit am robustesten.
(http://up.picr.de/29009961tv.jpg)
Am 15.4. habe ich die diesjährigen gesäht, die Keimblätter sind mittlerweile bei vielen fast voll entfaltet und wurzeln gerade aus den Jiffys raus. Vor 2 Tagen habe ich ihnen 2ml/L Phosphor-Amino-Kalium gegönnt (428g/L PO3). Erdbeeren taucht man vor dem Pflanzen darin, auch sonst gibts viele Anwendungen zum giessen. Es gibt viele böse Bodenpilze. Ich halte mich da etwas an die ausgeschriebenen Verwendungen für Fosethyl.
Ist bei mir ein erster Versuch, habe meinen Kanister erst seit ein paar Tagen.
Risiken: bei Phosphatmangel soll PO3 die Mangelsymptome verstärken, wie das bei Kältebedingtem Phosphatmangel ist, weiss ich nicht.
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Die Phosphorversorgung ist ok, Dank Hühnerhinterlassenschaften und Fledermausguano (hier gibts eine grosse Fledermaus-Schlafstube, die Hinterlassenschaften muss man regelmässig abräumen) eher ein Problem mit Überdüngungsrisiko. Mir gings um Phosphonate. Die sind weniger ein Pflanzennährstoff, sondern haben gewisse "Nebenwirkungen" auf die Pflanzen, die den Peronosporomycetes nicht so gefallen, wie im Thread diskutiert.
Fosetyl-aluminium gehört auch dazu, wird ja sogar auch als Beize für die Aussaat verwendet. Baut sich schnell im Boden zu Phosphonsäure ab. Die tut das:
"Phosphonsäure wird sehr leicht von der Pflanze aufgenommen und wird systemisch (akropetal) in der Pflanze verteilt. Der Transport erfolgt in die oberen Organe (Triebspitze, junge Blätter, Blüten, Fruchtstände) besonders gut in der Wachstumsphase einer Pflanze."
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Schon klar, mit PO3 meine ich Phosphonat, das mit dem angeblichen Naturstoffcharakter.
Phosphor-Amino-Kalium (Intrachem) enthält kein Phosphat, nur Phosphonat. War das was sie eben im Laden hatten und preislich ok war.
Ich hatte das mit der Phosphormangelverstärkung der Vollständigkeit halber geschrieben. Phosphatmangel im Garten sollte eigentlich nicht vorkommen. Ausser er ist eben Kältebedingt, und das kann bei Jungpflanzen, wenn auch nicht unbedingt bei Gurken, mit denen man eher zu lange wartet mit dem pflanzen, dann doch mal vorkommen. Mehr zum Thema als der knappe Hinweis in der ein oder anderen Schrift habe ich noch nicht erfahren.
Denke aber das wächst sich auch wieder aus ohne bleibende Störungen.