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Pflanzenwelt => Obst-Forum => Thema gestartet von: alun am 05. Oktober 2016, 19:20:09

Titel: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 05. Oktober 2016, 19:20:09
Hallo zusammen,

ich lese jetzt seit längerem mit, und habe nun zum ersten Mal selber den Platz für ein paar Obstbäume!
Falls meine Fragen zu ungenau bzw. laienhaft sind, werde ich mich natürlich um Präzisierung bemühen.

Ich suche für Äpfel und Birnen jeweils den gleichen Sorten-Typ:

- geeignet für das bergische Klima; ein wenig kühler als die Kölner Bucht, aber mit den gleichen oft regenreichen und luftfeuchten Sommern und ebenfalls oft regnerischen Wintern
- schwerer, nicht kalkarmer Boden ohne Probleme mit der Wasserversorgung
- leichte Hanglage, aber nicht genug, um Spätfrostrisiko zu vermindern
- eine standfeste Unterlage; dabei alles unterhalb einer starkwachsenden; quasi die jeweils stärkste Buschbaum-Unterlage für meine Bedingungen bzw. die Sorte
- Sorten, die sich in erster Linie zum Versaften eignen, bei denen es sich aber gleichtzeitig auch lohnt, die madenfreien Exemplare zum Frischverzehr zu pflücken


Die Früchte dürfen am Ende so hübsch oder hässlich sein wie sie wollen, solange sie ungespritzt angebaut werden können.

Ich hoffe sehr, daß Ihr mir ein paar Kombinationen vorschlagen könnt!
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 05. Oktober 2016, 20:01:08
Mittelstarkwachsende Unterlagen wie MM111, gute Universaläpfel wie z.B. Renetten, die das regenreiche Klima gut nutzen können.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 05. Oktober 2016, 20:08:02
Danke! - nur MM111? Und bei Birnen - Quitte BA 29 vielleicht?
Renetten...ich bin halt Laie, hättest Du für Äpfel und Birnen ein paar Sortennamen, die den Regen mögen?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Secret Garden am 05. Oktober 2016, 20:30:32
hallo alun.
mein absoluter lieblingsapfel ist die 'biesterfelder renette': süß-sauer-saftig und lecker direkt vom baum.  :D
gedeiht im kalten regnerischen sauerland gut, ist nicht lange lagerbar.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 05. Oktober 2016, 20:43:29
Klingt gut, danke! Machst Du Saft draus?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Secret Garden am 05. Oktober 2016, 20:53:00
nein. apfelkompott, -kuchen und frisch essen.
die äpfel reifen schon etwa mitte september - es sind nicht mehr viele da. :D
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 05. Oktober 2016, 20:54:04
MM111 oder Ähnliche, z.B. M7. Das Problem ist mehr, die gewünschte Sorte auf der gewünschten Unterlage zu bekommen.

Die meisten Renetten wollen feuchte Standorte. Beispiele: Graue Französische Renette, Berlepsch, Ananasrenette, Harberts, Zuccalmaglios Renette...

Für Birnen würde ich arteigene Unterlagen nehmen, Pyrodwarf, OHF-Unterlagen. Die willst du wirklich versaften? Gut ist dafür z.B. die schweizer Wasserbirne Ich würde aber eine richige Tafelsorte bevorzugen.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 05. Oktober 2016, 21:43:12
Ja, versaften - makellos soll bei mir nur das Gemüse aussehn; beim Obst soll der Most im Vordergrund stehn :)
Die Biesterfelder auf MM111 ist schonmal zu bekommen; mal sehn, wie es mit den anderen steht.
Die ist triploid; sind die anderen Renetten das auch, und welche Sorten könnte ich wohl noch dazusetzen?

Okay, Pyrodwarf oder OHF. Schweizer Wasserbirne - auch auf einer der beiden Unterlagen? Ich hab beim Lesen im Netz nicht beurteilen können, ob entweder keine Mostbirne auf etwas anderem als einer starkwachsenden Unterlage wachsen will, oder ob diese Kombination einfach so selten nachgefragt wird, daß es einfach niemand anbietet.
Und eine passende Tafelsorte; an welche denkst Du da z.B.?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Isatis blau am 05. Oktober 2016, 22:05:34
Meine Lieblingsapfelsaftsorte ist die Gewürzluike, die auch zum so essen gut ist.

Als Tafelbirnensorte, die für Wein geeignet ist, habe ich die Tongern gepflanzt, weil sie in einem Obstsortenbuch für den Zweck empfohlen wurde. Trotz Sämlingsunterlage ist der Baum aber so klein und die Birnen sind so gut, dass sie immer so gegessen werden ;).
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 05. Oktober 2016, 22:36:39
Wenn irgendwo in der Umgebung (500m Radius) noch andere Äpfel stehen, ist sicher ein guter Befruchter dabei, dann brauchst du keinen eigenen Befruchter, ansonsten eine sicher diploide Sorte dazusetzen. Es gibt diverse Listen, was triploid ist, z.B. hier.

Gewürzluiken brauchen mehr Wärme.

Mostbirnen sind keine Essbirnen. Mostbirnen enthalten mehr oder weniger Gerbstoffe und sind nicht haltbar. Die würde ich auf eine OHF-Unterlage setzen. Wird wohl kaum lieferbar sein, sowas wird auf Kirchensaller Sämling gepflanzt wenn nachgefragt. Aber Süssmost, also Saft kann man aus Essbirnen machen. Wird eben mangels Säure sehr süss, ein Zuckerwasser. Vorsicht beim Mischen mit Äpfeln, nicht dass man am Ende ein klebriges, schnell sättigendes Getränk erhält, das einem schnell über ist. Für Most zum Verschnitt mit Äpfeln würde ich  reine Mostbirnen setzen und eine Tafelbirne extra. Am Besten eine etwas lagerfähige Sorte. Die Sommer- und viele Herbstsorten sind so kurz haltbar, dass das Vergnügen sehr begrenzt ist, die sollte man nur auf noch schwächer wachsende Unterlagen setzen wenn man nur Eigenbedarf will.

In Frage kommen z.B. Nordhäuser Winterforellenbirne, gute Graue, köstliche aus Charneux.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Tara2 am 05. Oktober 2016, 23:58:34
Für luftfeuchte Lagen ist auch der ebenfalls zu den Renetten gehörende Ribston Pepping (Englische Granatrenette) sehr gut geeignet.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Mediterraneus am 06. Oktober 2016, 08:03:19
Ja, versaften - makellos soll bei mir nur das Gemüse aussehn; beim Obst soll der Most im Vordergrund stehn :)


Also nur Saft, keinen Wein? (Most ist hier nämlich der Apfelwein).
Für Saft im allgemeinen und für Wein im besonderen brauchst du nämlich eine gute Mischung an Äpfeln. Die heute verpönten "Mostäpfel" sind dazu besonders geeignet, sie enthalten Gerbstoffe und Bitterstoffe, die in Kombination mit anderen Äpfeln dem Saft erst eine gewisse Komplexität geben. Noch dazu tragen sie meist jedes Jahr reichlich, denn früher war man auf den Most ja angewiesen, da musste Substanz da sein. ( z.B. der Rote Trierer Weinapfel).

Vielleicht wäre bei dir ja überlegenswert, auf einen Baum verschiedene Sorten zu veredeln, so kannst du deine Apfelvielfalt noch erhöhen.

Gut im Saft macht sich auch noch die Deutsche Mispel oder die Quitte. Beides sehr malerische und kleine Bäume. Zumindest die Mispel verträgts auch feucht.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 06. Oktober 2016, 09:19:48
Gut, Befruchter sollten also genug vorhanden sein (auch wenn sie meist nicht mehr gut gepflegt zu werden scheinen).

Mostbirnen auf schwächerer Unterlage zu bekommen, scheint eine Frage des Glücks zu sein...

Gegen süße Säfte hab ich generell nichts, auch wenn ich zusätzlich geen Most produzieren möchte - könnte z.B. die Kombination aus robusten, feuerbrand-unempfindlichen und Feuchte bevorzugenden Tafelbirnen mit herberen Äpfeln, Quitte (wird morgen gepflanzt) und anderem ordentlich runde Moste ergeben?
Sind Mostäpfel auf MM111 einfacher zu bekommen?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Sternrenette am 06. Oktober 2016, 09:44:25
Ausprobieren. Hier gibt der Winterglockenapfel dem Most einen prima Geschmack. Ich weiss nicht ob der bei Dir ideal gedeiht, es wäre aber einen Versuch wert.

Grundsätzlich machts die Mischung.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 06. Oktober 2016, 10:09:34
Die guten Mostobstsorten sind praktisch nur auf starkwachsenden Unterlagen erhältlich. Was ist "geen Most"? Gärmost? Da würde ich Tafelbirnen raus lassen. Du erhöhst damit nur den Alkoholgehalt, nicht das Aroma. Da wirft man nur die fürs essen zu unschönen Früchte dazu. Guter Gärmost hat Säure, ein bisschen Gerbstoffe, Fruchtaroma. Das war mal ein ganz grosses Thema für sich und auch im Forum steht einiges dazu.

Bei Äpfel gibts wie schon im Thread erwähnt eine gute Schnittmenge (die aus vorwiegend alten Sorten besteht), die mal "universal" verwenden kann. Essen, trocknen, backen, versaften, vergären. Da hast du kein Problem. Bei Birnen ist diese Schnittmenge kleiner und schlechter. Es gilt vielmehr: Entweder, sie sind gut zum essen oder sind sind gut als Gärmostzutat. Oder manche Sorten auch reinsortig.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 06. Oktober 2016, 10:23:54
geen= gern, vertippt :)

Mein Ziel ist ja ein bescheidenes:
Von den Sorten die nicht madig gewordenen Exemplare frisch verwerten und den Rest im kleinen Rahmen ohne Kühlraum bzw. geeigneten Keller haltbar machen zu können.
Ich werde mich um Nährstoffversorgung und Schnitt bemühen, brauche aber Sorten, die ohne Spritzen auskommen. Alkoholgrade etc. sind nicht wichtig.

Wenn Du Dich an meiner Stelle für 4 Bäume Platz hättest, welche würdest Du nehmen?
Finden sich vielleicht 3 Äpfel mit vielfältigem Aroma und eine Birne, die dazu verwendbar wäre?
Oder 2 und 2 mit Tafelbirnen, wenn Hochprozentiges nicht das Ziel ist?
(Universalsorten auch zum Trocknen und Backen natürlich liebend gern!)
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 06. Oktober 2016, 10:33:57
Bei vier Bäumen würde ich mich aufs essen konzentrieren und die Mostbirne weglassen. Eine Birne der bereits in Nr. 9 genannten Sorten auf einer Birnenunterlage, drei Äpfel. Ein früher Apfel plus zwei Wintersorten, z.B. unter den erwähnten Renetten. Auf standfester, mittelstarkwachsender Unterlage. Oder Hochstämme auf Bittenfelderunterlage, wenn du deinen Enkeln was vermachen willst und eine Wiese hast.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 06. Oktober 2016, 10:50:07
Danke Dir/Euch!
Puh, jetzt lichtet sich der Nebel, und ich muß nur noch die Bezugsquellen vergleichen  :D
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Mediterraneus am 06. Oktober 2016, 13:51:31
Naja, und die Bezugsquellen müssen auch liefern können ;)

Prinzipiell bekommt man Alte Sorten am ehesten als Hoch/Halbstamm auf Sämlingsunterlage. Das sind dann die "richtigen" Obstbäume (langlebig, standfest, maximales Biotop).
Kann aber sein, dass dir eine Obstbaumschule auch auf schwächeren Unterlagen veredeltes anbieten kann (Ritthaler z.B.?)
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 06. Oktober 2016, 14:52:45
Wenn man eine Baumschule in der Nähe hat, die ihr Handwerk nicht nur als Container aus Osteuropa auspacken versteht, kann man die auch veredeln lassen. Hab ich auch schon gemacht. Das ist das Rundum-Sorglos-Paket. Gewünschte Unterlage (MM111) hatten sie, Sorten rausgesucht, für eine Sorte selber Edelreiser gebracht, im Herbst hatte ich die Bäume. Gar nicht teuer.

Birnen sind etwas leichter. Pyrodwarf ist verbreitet, OHF333 gibts auch gelegentlich. Letztere vermindert auch die Feuerbandanfälligkeit sowie Birnenverfall und wird seit Jahrzehnten von Delbard in Europa für den kommerziellen Anbau verbreitet. Das Problem in Deutschland waren nur unsere Superminibäume, nirgendwo sonst auf der Welt sollen die Baumformen im Kommerzanbau so klein sein. Für solche Bäume wächst sie zu stark, aber für den pflegeleichten Eigenanbau ist sie ideal. Die ganzen Klimmzüge mit Zwischenveredelung wegen Unverträglichkeiten, frost- und Kalkempfindlichkeit sind damit auch erledigt, sind arteigene Unterlagen.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Mediterraneus am 06. Oktober 2016, 14:55:45
Um OHF 333 hatte ich mich auch mal bemüht. Hier war die absolut unbekannt. Vielleicht hat sich das ja gebessert.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 07. Oktober 2016, 19:39:58
Die OHF scheint sich nicht wirklich bewährt zu haben...
Wenn ich mir den Katalog einer bekannten Biobaumschule angucke, die auf MM106 und (laut Auskunft) Pyrodwarf veredelt, sind da eigentlich Mengen von Sorten auf Buschbaumunterlage verfügbar (und wenn dieses Jahr nicht mehr, dann im nächsten).

Wie klingt denn schon mal 'Gravensteiner (hoffentlich der richtige), gefolgt von Biesterfelder Renette, gefolgt von Berlepsch'? (Nicht, daß die nicht noch viel mehr Renetten hätten...)

Und 'Gute Graue bzw. Stuttgarter Geißhirtle, gefolgt von Charneux'?


Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 07. Oktober 2016, 21:25:21
OHF wird manchmal als ertragsschwach abgekanzelt. Ist sie auch - am Anfang. Mit den schwächerwachsenden Unterlagen kann und soll sie aber gar nicht konkurrieren. Sieh dir die längerlaufenden Versuche an mit den Ertragszahlen. Dass es in der Baumschule auf Pyrodwarf rausläuft, war zu erwarten.

Gravensteiner ist gut - wenn möglich, nicht den "roten". Die Anderen sind auch gute Universaläpfel. Und doch Platz für zwei Birnen? Geißhirtle ist ne herrliche Sorte, Naschwerk, aber eben nicht haltbar, gute Graue auch nicht. Charneux, gut.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 07. Oktober 2016, 21:44:53
Ich werde mich dem Feuerzwerg beugen :)
Die 4 Bäume sind mein verzweifeltes Ringen darum, nicht gleich alles auf einmal pflanzen zu müssen...aber wenn's passt, nehm ich auch alle drei 8)


Ein anderer Gedanke:
Wenn ich heuer einen Schritt in Richtung Zaun mache, sehe ich eine ungeschnittene, ungespritzte, ungedüngte Rote Sternenette, die trotzdem problemlos ihren Ertrag bringt.
Dann kommt mir wieder der Vortrag von Herrn Bannier in den Sinn und seine Auflistung von (gegenwärtig) problemlos chemiefrei anzubauenden Apfelsorten:

Edelborsdorfer (ausgeklammert wg. Herkunftsquerelen)   
Gelber Münsterländer Borsdorfer
Kardinal Bea
Finkenwerder Herbstprinz
Batullenapfel
Prinzenapfel
(Rote Sternrenette)
Prinz Albrecht von Preußen
Discovery
Alkmene
Seestermüher Zitronenapfel
Martens Sämling
Notarisapfel
Strauwalds Parmäne


Und ich lese von Krebs und Blattläusen bei Berlepsch.
Verfügbar sind die o.g. Sorten auch alle - welche wären denn von denen die empfehlenswertesten; kann die Liste erweitert werden?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: JörgHSK am 07. Oktober 2016, 22:28:07
Gelber Münsterländer Borsdorfer, wenns ein Tafelapfel sein soll,so gut ist der auch nicht..
Beim Edelborsdorfer gibt es ja Uneinigkeiten wegen seiner Echtheit, im Moment kann ich Fromms Goldrenette empfehlen die  ich früher als Edelborsdorfer kannte.
Empfehlen kann ich Finkenwerder Prinzenapfel, Prinzenapfel und Prinz Albrecht v. Preußen.

Notarisapfel kenne ich aus dem Sauerland, ungepflegter Jungbaum, schöne Früchte. Vielfach anstatt Dülmener geliefert. aber gut..

Was ist mit Birnen?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 07. Oktober 2016, 22:53:46
Es gibt hunderte Sorten, die man ohne Pflanzenschutz anbauen kann. Ich würde jetzt mal statt weitere Sortenexplosion betreiben das pflanzen, was sicher ist und dann prüfen, was mir eigentlich schmeckt. das hilft bei der Auswahl besser als Listen und blumige Beschreibungen.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 07. Oktober 2016, 23:01:20
Aber was ist denn sicher?
Bei Bannier weiß ich, daß die Sorten in einem ähnlichen Klima wie meinem (eher noch etwas kühler) unter hohem Krankheitsdruck seit Jahren auf MM106 gesund wachsen.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 07. Oktober 2016, 23:29:02
Sicher ist gar nix. Etwas Ausfall wirst du immer haben und besondere Situationen können auch mal zu Komplettausfällen führen. Wetterextreme haben wir ja leider immer mehr und unser ach so wichtiger rasend schnelle Handel über Kontinente hinweg schaufelt uns ständig neue Krankheiten ins Land. Auch bei Äpfeln. So schlägt z.B. der Import von Marssonina Coronaria ausgerechnet bei den schorffesten Apfelsorten zu. Auch Feuerbrand ist so ein Import.

Da du ja auch Saft oder Gärmost machen willst, bist du ohnehin in der komfortablen Situation, weniger schönes Obst genausogut verwerten zu können. Hat man früher auch so gemacht. Klasse 1 für den Markt, den Rest für Saft und Vieh. Ein bisschen Schorf, Wicklerbefall, Vorfruchtfall sind also nicht tragisch. Wenn du wirklich schweren Boden hast, kannst du krebsanfällige Sorten meiden, aber auch das ist selten ein Problem. Ausprobieren kann man alles und wenn es partout nicht geht, na, dann pflanzt man halt was Neues. Erfahrungsgemäss ärgert einen das Wetter mehr. Blütenfrost, Hagel...
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 07. Oktober 2016, 23:48:08
Gut, dann könnte ich es ja bei oben genannten Sorten belassen, und den krebsanfälligen Berlepsch ersetzen durch...? Gibt's einen guten späten Kandidaten? Jörg :) ?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Zuccalmaglio am 08. Oktober 2016, 00:18:58
Ich hatte schon lange keinen Winterrambour mehr gegessen, da ich das entsprechende Areal verpachtet habe. Aber Vorgestern beim Spaziergang an der Ahr ist mir die Vergangenheit mit ihm wieder positiv hochgekommen. Der mäßige Schorf ist tolerierbar und das bischen Krebs auf schwerem, staunassem Boden hat ihn jahrzehntelang begleitet, aber nicht wesentlich in seiner Gesamtvitalität beeinträchtigt. Sehr nachteilig ist aber die starke Alternanz, zumindest auf Sämling. Aber das ist ja bei vielen Sorten so.

Ansonsten fällt mir für alun noch Luxemburger Triumph/L-Renette ein. Oder, etwas herber, der Rhein. Krummstiel. Mit beiden bzw. allen drei Sorten solltest du auch im Bergischen wenig Probleme bekommen.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Tara2 am 08. Oktober 2016, 08:55:39
Gut, dann könnte ich es ja bei oben genannten Sorten belassen, und den krebsanfälligen Berlepsch ersetzen durch...? Gibt's einen guten späten Kandidaten? Jörg :) ?
Ich hätte da noch einen: Königlicher Kurzstiel. Der trägt bei mir jedes Jahr und hat bei mir noch nie irgend einen Anflug von Stippe, Schorf oder Krebs gezeigt! Über die Verfügbarkeit kann ich da jetzt aber nichts sagen, aber ich meine Ritthaler hätte ihn.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: JörgHSK am 08. Oktober 2016, 08:59:11
ja, Luxemburger Triumph kann man nur empfehlen.

puh, etwas ähnliches wie Berlepsch, aber nicht so krankheitsanfällig? Finkenwerder, hatten wir schon, Coulon Renette?, Blenheim?, können aber auch Krebs bekommen... vielleicht Holsteiner Cox, da kenne ich einen Baum auf 470m im Sauerland..
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 08. Oktober 2016, 09:30:04
Vielleicht sollte ich nochmal präzisieren, daß ich Mostsorten suche (übrigens: wenn einer 3 andere Renetten weiß, die passend nacheinander reifen, nur zu!), die nicht erst ins Lager müssen, da ich wie erwähnt die Katakomben dafür nicht habe :)

Der Kurzstiel ist eine "reine" Tafelsorte, oder?
In dem Katalog findet sich Luxemburger Renette; damit wären wir wieder bei einer Diskussion, die ihr offenbar vor ein paar Jahren schon hattet :)
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Tara2 am 08. Oktober 2016, 09:46:33
Laut meiner Information ist er ein Winter Tafel und Wirtschaftsapfel und soll 1565 in Stuttgart gezüchtet worden sein.
Hier http://www.kob-bavendorf.de/arbeitsbereiche/streuobst/kernobst/koeniglicher-kurzstiel hats Bilder von ihm.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Tara2 am 08. Oktober 2016, 09:54:20
Laut dieser Seite: http://www.meinobst.com/onsale/koniglicher-kurzstiel-apfel-hochstamm.html
Soll er zu fast allem geeignet sein und der Baum soll:
Zitat: Robust und unempfindlich, insbesondere gegen Krebs, Schorf und Mehltau. Eine der robustesten Apfelsorten.  sein.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Rib-isel am 08. Oktober 2016, 10:42:54
was ist mit dem Boskoop? er ist eine Renette, man kann mit ihm fast alles machen und ist robust.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 08. Oktober 2016, 10:49:16
Der Kurzstiel ist eine "reine" Tafelsorte, oder?

Nein, der geht für alles, Ausbeute für Saft ist nur nicht so gut. Dann lieber sowas wie Adams Parmäne, alterniert auch kaum.

Boskoop (Vorsicht, auch triploid) würde sicher gehen, vorzugsweise mit einem der alten stärker berosteten Klone. Meiner eigenen Erfahrung nach ist der für Saft aber zweite Wahl. Als reinsortiger Saft verliert er schnell an Aroma, hat eine unharmonische Säurestruktur. Es gibt soviele ähnliche Renetten, die besser sind wenn man so schön feuchten Boden hat, dass Boskoop da etwas nach hinten rutscht.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 08. Oktober 2016, 12:15:47
Gut, also nur harmonische Renetten! Die Mostqualität ist das wichtigste Kriterium.
Gravensteiner punktet da ja bestimmt, und ist der frühe.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: hunsbuckler am 08. Oktober 2016, 13:08:10
also ich schwöre immer noch auf den Gelben Edelapfel als Saftapfel...sortenrein...einfach nur sauer aber angenehm fruchtig sauer...man muss es mögen.Alle die ihn bisher probiert hatten lobten ihn anschliessend.
Desweiteren empfehlenswert für mich Kaiser Wilhelm als absolut robuster Universalapfel....für feuchte Böden auch nicht schlecht:Boikenapfel...hab ich selbst nicht,soll aber sehr lange haltbar,robust sein und vor allem nicht alternieren.
Was ist eigentlich mit der Kasseler Renette?Hat den jemand?Im Buch Rosenapfel und Goldparmäne wird der als vorzüglicher Saftapfel erwähnt.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 08. Oktober 2016, 14:50:55
Den gelben Edelapfel sollte er probieren, bevor er ihn pflanzt. Da muss man schon mit der Säure klarkommen. Ich finde den super für Saft, wenn man einen Säureträger braucht um moderne Tafeläpfel zu verschneiden, die sonst für sich nur klebriges Zeug ergeben. Zum backen ist er auch gut, erspart einem die Zugabe von Zitronensaft :-)
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 08. Oktober 2016, 15:37:55
Also, eine interessante Säure wäre was; ist der denn frisch gänzlich ungenießar?
Wäre der Seestermüher Zitronenapfel da besser?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 08. Oktober 2016, 19:12:53
Naja, Geschmackssache. Der Seestermüher Zitronenapfel hat jedenfalls mehr Zucker. Zitronenäpfel heissen die alle wegen der Farbe, nicht wegen zitronigem Geschmack. Es sind sind unreif grüne, reif gelbe und glatte Äpfel.

Jetzt ist die richtige Jahreszeit, um mal Sorten zu probieren.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 08. Oktober 2016, 19:22:36
Ja, ich war auch eher nach der Bannier-Empfehlung und dem "süß-säuerlichen Geschmack" bzw. Granny Smith-Vergleichen (...) gegangen  8)
Zu den drei Birnen würde ja zum Mischen so eine Sorte gut passen.
Meine örtlichen Apfelfeste hab ich wegen Arbeit leider verpasst :-\
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: b-hoernchen am 08. Oktober 2016, 19:58:14
.. Der Seestermüher Zitronenapfel hat jedenfalls mehr Zucker. Zitronenäpfel heissen die alle wegen der Farbe, nicht wegen zitronigem Geschmack. Es sind sind unreif grüne, reif gelbe und glatte Äpfel.
Ich finde schon, dass der Seestermüher eine Zitronennote im Geschmack hat. Meine saftigsten Apfel habe ich bisher von der Firma L....a gegessen . Die haben aber meist auch viel Zucker... .

Welche Sorten werden denn für Calvados angebaut?

Ansonsten Brettacher - das Klima wird sowieso immer wärmer... .
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 08. Oktober 2016, 20:13:33
Brettacher ist halt wieder ein Lagerapfel - auch wenn ich natürlich die Palmer'schen Worte zu seiner Qualität in den Ohren habe :)
Der Klimawandel beschert meiner Gegend bislang verregnete Sommer und schwül-heiße Herbste mit hoher Luftfeuchtigkeit, kombiniert mit wochenlanger Niederschlagsfreiheit.
Aber selbst wenn der Regen wie jetzt gerade ungefähr einen Monat lang praktisch komplett ausbleibt, verdorrt bei mir, übertrieben formuliert, kein einziger Grashalm.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Sternrenette am 08. Oktober 2016, 20:23:35
Ich mag den Brettacher auch frisch :D

Immer zuverlässig im Ertrag  :)
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: b-hoernchen am 08. Oktober 2016, 20:28:16
Brettacher ist halt wieder ein Lagerapfel - auch wenn ich natürlich die Palmer'schen Worte zu seiner Qualität in den Ohren habe :)
Den Herrn Palmer kenn' ich nicht und genausowenig seine Worte... .
Dafür gibt's jetzt bei mir jetzt zum Nachtisch "Liberty" - einen total spritzig-saftigen, kräftig herb-säuerlichen Apfel, der mir tausendmal lieber ist als Brettacher.
Der Liberty trägt seit drei Jahren bei mir regelmäßig so viel, dass ich mich frage, wie der kleine Baum das schafft - total gesund (wurde angeblich als einer der resistentesten Äpfel gezüchtet). Lagerbar ist er bei mir vielleicht bis Dezember, aber er steht sicherlich auf einer sehr schwachen Unterlage und nicht auf MM111, als auf der stehend ihn ein gewisser Gartenshop angeboten und mir verkauft hat... .
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 08. Oktober 2016, 20:29:16
Bleibt die Sonnenhungrigkeit bzw. Krebsanfälligkeit bei ungenügender Wärme. Ich schau halt als erstes darauf, daß eine Sorte mit den Wassermengen von oben und unten umgehen kann; atlantisches Klima läßt grüßen.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: b-hoernchen am 08. Oktober 2016, 20:33:44
Auf welche Sorte beziehst du dich jetzt - den Brettacher oder den Liberty?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Sternrenette am 08. Oktober 2016, 20:35:14
Hier ist das Klima rauh, Krebs hat er bei meinen Eltern auf magerem Sand,  hier nicht.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 08. Oktober 2016, 20:48:15
Hab grad nochmal nachgelesen: Ich hab den Brettacher mit dem Bittenfelder verwechselt...Palmer beschreibt ihn als die Nässe scheuend und vom Saft her mittelmäßig. Stimmt das bei Dir alles nicht?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Sternrenette am 08. Oktober 2016, 20:55:15
Brettacher?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 08. Oktober 2016, 21:17:22
Bittenfelder ist der König der Mostäpfel. Bei dem kann man den Trester nochmal mit Wasser ansetzen und ein zweites Mal pressen, das schmeckt immer noch. Ich habs ausprobiert. Aber er braucht Wärme. Es ist auch bei grösster Liebe kein Tafelapfel, hart, zäh, hoher Polyphenolgehalt. Der ist nix für dein Apfelwunschprofil.

Wenn sich ein Apfel lange lagern lässt ist das nicht schlimm. Die Lagerdauer korrespondiert nicht immer mit dem Eintritt der Genussreife. Eine Zabergäu Renette kannst du ab Baum essen und trotzdem bis März lagern. Andere Äpfel sind viel früher essreif wie angegeben, wenn man sie ganz am Baum ausreifen lässt. Das will man normalerweise nicht, weil lange Lagerdauer erwünscht ist, aber wenn du kein Lager hast und ohnehin nur frisch geniessen willst kannst du sie auch länger hängen lassen und dafür früher essen.

Als Brettacher-Fan könnte ich dir diverse Loblieder über den trällern :-) Bei zu geringen Wärmesummen bleibt er trotzdem grasig und leer. Über 400 Höhenmeter würde ich ihn nicht anbauen. Natürlich wird er da trotzdem was, aber das Risiko steigt deutlich an, dass ein Jahr geringere Wärmesumme hat und dann hast du Baumrüben. Das mit dem mittelmässigen Saft kommt von seinen Zuckerwerten. Es ist ein grosser, zwar sehr knackig aber doch lockerer Apfel, der bezogen aufs Gewicht nur mittelmässig Zucker aufweist. Das Zucker-Säureverhältnis ist aber optimal, für Süssmost gibts nichts besseres. Seine schnittige, weinige Art haben nicht viele Äpfel. Rieslingtrinker lieben auch Brettacher. Auch seine beiden Elternsorten, Champagner Renette und Bohnapfel sind erstklassige Saftäpfel. Der Bohnapfel wird auch bei dir was, er war lange Jahre in der Saftverarbeitung ein gesuchter Aromaträger.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Sternrenette am 08. Oktober 2016, 21:21:05
(Bei uns wächst der Brettacher auf 450 bzw 500 m, allerdings wirds hier im Sommer schon mal heiss.)
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 08. Oktober 2016, 22:22:12
Ich bin bei knapp 250m und mindestens 9° Durchschnittstemperatur. Ist der Rheinische Bohnapfel dem Finkenwerder Herbstprinzen denn von der Qualität her überlegen, wenn er ganz ausreifen darf (sofern das am Baum hängend klappt)?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 09. Oktober 2016, 13:57:47
Okay, nachdem ich jetzt mehr als 30 von Euch vorgeschlagene Sorten nachgeschlagen habe, hier mal das vom Erntefenster so gut es ging zueinander passende und hoffentlich endgültige Ergebnis  8):

Gravensteiner-Gelber Edelapfel-Prinzenapfel

Stuttgarter Geißhirtle-Gute Graue-Köstliche aus Charneux
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Sternrenette am 09. Oktober 2016, 14:04:39
 ;D

Das ist erst der Anfang. Als nächstes pachtest Du einen Schrebergarten, und dann tauschst Du das alles gegen ein Rittergut mit grossem Garten ein  8)
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 09. Oktober 2016, 14:22:55
Ich fürchte, die Schrebergarten-Phase hab ich direkt übersprungen, und bin bereits im Adelsstand  8)
Die sechs sind ab diesem Herbst in guter Gesellschaft, und ein biiiisschen mehr Platz ist auch noch :-X
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Sternrenette am 09. Oktober 2016, 14:35:16
 :D Glückspilz  :)
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 09. Oktober 2016, 21:56:12
Im Augenblick eher Pechvogel...

Von den Birnen ist nur Charneux tatsächlich verfügbar; ich zähle mal die anderen Pyrodwarf-Sorten auf:

Clairgeaus Butterbirne Lager nötig (?)
Gräfin von Paris   Feuchtigkeit und Empfindlichkeit
Vereinsdechant  Lager nötig (?)
Volkmarser
Condora Säule
und Williams bzw. Rote Williams[/s] Empfindlichkeit

Gibt es darunter Sorten, die das Geißhirtle bzw. die Gute Graue ersetzen könnten?

Antwort: Ja, eine 8)
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 09. Oktober 2016, 23:05:38
Clairgeaus Butterbirne - ungeeignet für dein Klima, auf Pyrodwarf viel zu schwach
Gräfin von Paris - ungeeignet für dein Klima, auch für Pyrodwarf nichts
Vereinsdechant - ungeeignet für dein Klima, wird nicht reif.
Diese Drei sind Weinbaulagenbirnen. Sie wachsen und fruchten auch in kühleren Lagen, da steigt aber das Risiko dass du in immer mehr Jahren nur griessige, harte Rüben bekommst.

Volkmarser - nanu, eine Seltenheit. Süsse Sommerbirne. Offenbar willst du bei der Baumschule Pflanzlust kaufen.
Condora - einer dieser langweiligen für den Kommerzbanbau gezüchteten Conference-Abkömmlinge. Entbehrlich.
und Williams bzw. Rote Williams - Williams, gut, geht, würde passen. "rote Williams" ist vergleichsweise schwächer.

Zitat
Gibt es darunter Sorten, die das Geißhirtle bzw. die Gute Graue ersetzen könnten?

Wie du siehst, bleiben zwei Sommerbirnen, eine Herbstbirne fehlt. Da es aber mehrere Baumschulen gibt, die die "gute Graue" führen, würde ich eben bei zwei Lieferanten kaufen statt bei einem und das Problem ist gelöst.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 09. Oktober 2016, 23:27:20
Mit Volkmarser und Charneux hätte ich ja eine frühe und eine spätere; gibt es bei den ganz späten (siehe meinen geänderten letzten Eintrag) denn welche, die vom Baum weg verwertet werden können, oder ist ja immer Lager angesagt?

Du hast recht, nach der Grauen auf Pyrodwarf werd ich auf jeden Fall suchen.

Wenn ich jetzt allerdings z.B. bei einer anderen Biobaumschule zu genau hinschauen würde, und Dinge wie Marzipanbirne und Petersbirne und Purzelbirne und Regentin und Bunte Julibirne entdecken würde, KÖNNTEN die Dinge doch noch aus dem Ruder laufen...
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 10. Oktober 2016, 11:44:20
Gräfin von Paris muss gelagert werden. Wenn sie ausreifen, sind Vereinsdechant und Clairgeaus Butterbirne ohne grosse Lagerung bald geniessbar. Aber wie schwierig das ist, sieht man auch dieses Jahr wieder. Vereinsdechant ist auch in meiner klimatisch bevorzugten guten Weinbaulage auf 200m noch nicht sehr weit, jetzt ist es kalt und trübe, sie wird dieses Jahr nicht die volle Qualität erreichen. Der heisse August war zu wenig, die Gesamtwärmesummen reichen wegen des kühlen Juni und Juli nicht. Oben auf den Hügeln auf 300m kann man es dieses Jahr bereits ganz vergessen. Wenn dann die Bäume noch alternieren und irgendein Unglücksfall (typisch: Hagel, Blütenfrost) dazwischenfunkt, hat man alle paar Jubeljahre mal gute Winterbirnen.

Das ist okay, wenn man ein paar Prozent seiner Bäume als Bonus betrachtet und auch eine solide Basis hat, die öfters was bringt. Bei nur wenigen Bäume sollte man sich aber überlegen, ob man nicht auf sicherem Grund bleibt.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 10. Oktober 2016, 16:16:44
Gut. Die Williams Christ ist bei mir sicher auch noch irgendwo als Drapeau am Zaun unterzubringen. Kennst Du denn die erwähnte Bunte Julibirne?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 10. Oktober 2016, 16:38:26
Bunte Juli ist halt früh, deswegen hat man sie, extrem kurz haltbar, guter Pflückzeitpunkt wichtig.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 10. Oktober 2016, 16:59:54
Laut Baumschule ist der Ertragseintritt sehr früh, und Sämling auch bei kleineren Formen empfohlen. Dann dürfte sich ein Halb- bzw. Hochstamm doch größenmäßig zwischen meine MM106-Halbstämme einfügen, oder?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 10. Oktober 2016, 18:08:36
Kommt drauf an. Dein Boden könnte sich als recht wuchskräftig erweisen. Andererseits ist zurückschneiden einfacher wie stärkeres Wachstum erzeugen :-)
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 10. Oktober 2016, 18:16:20
Ich verzweifle gerade etwas an den Birnen...am Ende nehm ich nur die Julibirne und verschiebe den Rest auf nächstes Jahr :-\

Edit: Danke Euch allen, es ist bestellt/angerichtet 8)
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 21. Februar 2017, 22:14:55
So, nachdem jetzt bei allem im Herbst Gesetztem sich schon langsam der Frühling zeigt, hab ich TATSÄCHLICH noch ein paar dringend zu besetzende Plätzchen gefunden  :D

Es sollen zwei Brennkirschen werden, die einander befruchten können. Da hab ich Dollenseppler und Wölflisteiner gefunden. Die scheinen auch einigermassen gleichzeitig reif zu werden, was ich naiverweise als Vorteil (ein Aufwasch; mehr Chancen, daß die Vögel was übriglassen) ansehen würde...
Die beiden Sorten scheinen gut regenfest zu sein, was ein Muß ist, und auf starker Unterlage dürften sie auch mit dem Boden zurechtkommen.
Fällt Euch vielleicht eine andere/noch bessere Kombination ein?
Zu Brennkirschen finde ich kaum genauere Angaben.

Und das zweite wäre eine passende Pflaume (bzw. Verwandtes), die möglichst gut zum Dörren geeignet ist.
Angaben, was das Backen angeht, findet man ja leicht, aber Trocknen...
Gilt da süß=besser?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 21. Februar 2017, 23:10:26
Am besten zum dörren sind weiche, überreife Früchte. Die meisten neuen Sorten sind zu fest, weil sie transportfähig und lange Lebensdauer im Laden haben sollen. Gut sind z.B. überreife Hauszwetschgen, Kirkespflaume, Zimmers... auch die Verwandten sind sehr gut fürs dörren, Reineclauden, Mirabellen.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 22. Februar 2017, 09:27:10
Gut. Dann würde ich zunächst das Dream-Team 'Große Grüne' und 'M.v. Nancy' als Halbstämme setzen, wenn die zum Standort passen.
Da ich ringsum keine Pflaumen o.ä. kenne, müsste ich zur Befruchtung auf meine Kirschpflaumen vertrauen - befruchten die alle Sorten?

Die Kirschen muß ich dann wohl einfach versuchen und schaun...und schütteln  :)
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Waldgärtner am 22. Februar 2017, 09:59:13
Gut. Dann würde ich zunächst das Dream-Team 'Große Grüne' und 'M.v. Nancy' als Halbstämme setzen, wenn die zum Standort passen.
Da ich ringsum keine Pflaumen o.ä. kenne, müsste ich zur Befruchtung auf meine Kirschpflaumen vertrauen - befruchten die alle Sorten?


Nancy ist sogar selbstfruchtbar. Laut Lit. blühen die beiden Sorten ungefähr zeitgleich (beide mittelspät), könnte also hinhauen, dass die sich gegenseitig befruchten.
Kirschpflaumen blühen nach meiner Beobachtung i.d.R. früher als Nancy, da würde ich mich nicht drauf verlassen.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 22. Februar 2017, 10:01:01
Die grosse Grüne Reineclaude ist auch ganz gut selbstfruchtbar. Kirschpflaumen können sehr unterschiedlich ausfallen, manchmal passt die Blütezeit, manchmal nicht.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 22. Februar 2017, 10:08:07
Ich hab mich da falsch ausgedrückt: Ich meinte die Kirschpflaumen als Befruchter zukünftiger Pflaumen-/Zwetschgensorten.
Da müsste ich dann vermutlich eine auswählen, die scharkaresistent, zum Dörren geeignet und vom Vorhandenen zu befruchten ist.
Oder zwei Sorten...wie das dann so zugeht, wenn man sich bescheiden möchte :)
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Waldgärtner am 22. Februar 2017, 10:56:51
Ich verstehe deine Frage ehrlich gesagt nicht ganz.
Nancy und große grüne werden jetzt doch nicht gepflanzt?

So oder so:
Auch bei zukünftigen Zwetschgensorten muss der Blühzeitpunkt mit dem der Kirschpflaumen übereinstimmen, damit das mit der Befruchtung hinhaut.
Und das hängt halt von der Sorte ab, daher lässt sich das nicht pauschal sagen.
Aber wenn du eh zwei Sorten pflanzen willst, kannst du ja auch einfach drauf achten, dass die sich gegenseitig befruchten.
Dafür gibt es Befruchtungstabellen.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 22. Februar 2017, 11:14:16
Da müsste ich dann vermutlich eine auswählen, die scharkaresistent, zum Dörren geeignet und vom Vorhandenen zu befruchten ist.

Das mit der Kirschpflaume würde ich lassen. Reineclaude und Mirabelle sind gute Befruchter und auch andere Kulturpflaumen können das leisten. Da kriegst du noch gut verwertbare Früchte dazu, was bei einer Kirschpflaume doch ziemlich Geschmackssache ist.

Versuche, die Bäume auf Docera 6 zu bekommen, ist gut gegen Scharka.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 22. Februar 2017, 14:26:56
Die Kirschpflaumen stehen schon als Hecke da und stören nicht :)
Docera 6 scheint bislang nur selten im Handel aufzutauchen, und dann nur bei neueren Sorten.
Bei der Kirkespflaume wäre ja schonmal Widerstandsfähigkeit gegen Scharka und Befruchtung durch die Große Grüne (laut einigen Quellen) gegeben.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: b-hoernchen am 22. Februar 2017, 20:27:09
Kiefer Obstwelt hat Pflaumen auf Docera 6 im Angebot.
Auf Kirschpflaumen als Befruchter würde ich mich nicht verlassen, der Blütezeitpunkt ist doch wesentlich früher als bei Kulturpflaumen. Dagegen müsste die Nancy ganz passabel als Befruchter für die Große Grüne passen - hoffe ich zumindest, nachdem meine "falsche Aprimira" (OT: weiß jemand, welche Sorte da verkauft wurde?) rausgeflogen ist - die war sicherlich auch ein guter Befruchter.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: dmks am 22. Februar 2017, 21:05:28
Docera 6 garantiert zwar daß kein Scharka-Virus die Unterlage befällt - während der Anzucht des Gehölzes. Danach hat sie ja im allgemeinen keine Blätter mehr, es kann dann aber eine Infektion über die Sorte erfolgen. Macht eigentlich nur Sinn im Zusammenhang mit Scharka-resistenter Sorte.

Docera6 ist hypersensibel - das bedeutet, daß befallene Blätter abfallen bevor der Virus die Pflanze infiziert. Dadurch entsteht der Schutz - betrifft aber eben nur die Blätter der Unterlage. Die Übertragung auf die Sorte durch Blattläuse oder schon durch infizierte Reiser ist möglich.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 23. Februar 2017, 19:44:10
Und wenn ich die Wahl zwischen GF655/2 und St.Julien A habe?
GF655/2 soll ja gut für schweren dichten Boden (wie meinen) sein, aber besser als St.Julien A?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: dmks am 23. Februar 2017, 22:43:03
gf655/2 ergibt nach Züchterangaben einen etwas schwächeren Wuchs, persönliche Erfahrungen hab ich selbst nicht damit.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Elro am 23. Februar 2017, 23:09:31
 GF655/2 macht Ausläufer ohne Ende
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Wild Obst am 24. Februar 2017, 08:52:10
GF655/2 macht Ausläufer ohne Ende
Kann ich bestätigen. Ich habe unwissentlich einen Baum auf GF655/2 gekauft, früher, als ich noch nicht so auf Unterlagen geachtet habe. Auf der Wiese geht es ja noch auch wenn es lästig ist, aber im Garten würde ich so was nicht haben wollen.

Deswegen habe ich meine neuen Bäume alle auf St.Julien A veredelt, weil die keine Ausläufer treiben soll. Ein übersicht über die "klassischen Pflaumenunterlagen" gibt es zum Beispiel hier.
Die hier viel erwähnte Docera 6 ist da leider nicht erwähnt.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 24. Februar 2017, 09:24:51
Mähen kann ich die Ausläufer schon; sind halt immer unnötige Verletzungen des Baumes.
Dann werde ich also St.Julien nehmen; danke!
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: cydorian am 24. Februar 2017, 10:18:58
GF655/2 ist typischer Plantagenkram, Hauptsache früh im Ertrag und ansonsten poltert man mit dem grossen Mähwerk durch die Gassen, hält die Stammzone mit Glyphosat frei. Wurzelschosser sind bei dieser Bewirtschaftung irrelevant.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 30. März 2017, 13:38:51
Welche von den beiden wird auf gleicher Unterlage wohl mehr Platz benötigen, Große Grüne Reneklode oder Mirabelle von Nancy?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Rib-isel am 30. März 2017, 14:20:50
ich tippe auf Reneklode
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: lord waldemoor am 30. März 2017, 14:33:57
bin laie bei 0bstbaum, aber ich erkannte dass meine 7 williams christ,die ich am we gepflanzt habe, 2 unterlagen haben
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: carot am 30. März 2017, 14:44:55
Von Baum zu Baum verschieden oder jeweils 2 Unterlagen? Im letzteren Falle handelt es sich um eine Zwischenveredelung. Dann ist ganz unten Quitte ;-).
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: lord waldemoor am 30. März 2017, 14:50:58
ja alle gleicher hersteller, sind alle zwischenveredelt, eine war butterbirne, da habe ich nicht drauf geachtet
verliert man dabei nicht 1 jahr als hersteller?
danke
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: carot am 30. März 2017, 14:55:50
verliert man dabei nicht 1 jahr als hersteller?

Es geht halt bei einigen Sorten nicht ohne Zwischenveredelung, weil sie mit Quitte nicht kompatibel sind. Deshalb wird eine kompatible Sorte zwischengeschaltet.

Die Baumschulen ziehen die Unterlagen ja meist nicht selbst, sondern kaufen sie beim Spezialisten. Es geht sogar Zwischenveredlung und Hauptveredelung gleichzeitig zu machen. Man hat dann 2 Veredelungsstellen, die gleichzeitig verwachsen. Wenn nacheinander veredelt wird, dauert es in der Tat etwas länger bis der Baum verkaufsfertig ist.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: lord waldemoor am 30. März 2017, 15:00:03
die narben sehen bei beiden veredelungen gleich aus, tippe daher auf gleichzeitig
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Rib-isel am 30. März 2017, 16:07:17
ich habe eine clapps liebling gekauft. die ist mit quitte auch nicht kompatibel. man kann nur eine veredelungsstelle sehen (Okulierung). Solange es sich wirklich um Clapps liebling handelt, muss die Unterlage durch Nicolation veredelt worden sein. Dabei wird bei der Okulation ein Stück Rindenholz einer mit Quitte und Edelsorte verträglichen Sorte zwischen Unterlage und Edelauge geschoben. So hat man "nur eine" Veredelungsstelle.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 30. März 2017, 18:05:32
Ich dachte nur, weil bei der Mirabelle stets starkes Wachstum erwähnt wird, bei der Reneklode.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Rib-isel am 30. März 2017, 18:58:07
"starkes Wachstum" bezieht sich nicht auf die Höhe. letztlich ist es egal wer höher wächst, da die Pflanzen oft auf schwächeren Unterlagen veredelt werden um den Ertragsbegin zu verfrühen und die Höhe zu senken.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 30. März 2017, 20:54:46
Richtig; beide scheinen dabei halt auch noch eher breitkronig zu wachsen.
Dann geb ich der Reneklode den etwas größeren Abschnitt.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 16. September 2020, 16:29:03
Gesagt, getan. Und nach ein paar Jahren hat sich doch ein bisschen was verändert :):
Mirabelle und Reneklode haben sich nicht bewährt (Spätfrost; in der Hitze lediglich sehr süß, ohne Aroma), und die Kirkespflaume ist so schüchtern im Wuchs, daß ich noch eine zweite veredeln werde, weil sie einfach wunderbar schmeckt.

Am meisten hab ich mit dem Spätfrost zu tun. Ich habe jetzt eine junge Kirschpflaumen-Hecke, auf die ich gern 7 verschiedene Pflaumen-Sorten aufveredeln würde, um den anstehenden Test möglichst breit anzulegen. (Wurzelausläufer nehme ich in Kauf.)
Eine Sorte wird Kirke's sein, bleiben 6.

Bedingungen:
Möglichst einen Tick robuster bei Frost, aber vor allem bestens geignet zum Dörren.
Dann würde ich auch frostempfindlichere Sorten ausprobieren.

Ich brauche natürlich nicht-patentierte, damit Reiser verfügbar sind.

Was meint Ihr, welche könnte ich versuchen? Gibt es überhaupt eine Sorte, die beide Bedingungen erfüllt?
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Wild Obst am 16. September 2020, 17:44:56
Mirabelle und Reneklode haben sich nicht bewährt (Spätfrost; in der Hitze lediglich sehr süß, ohne Aroma),
Bedingungen:
Möglichst einen Tick robuster bei Frost, aber vor allem bestens geignet zum Dörren.
Dann würde ich auch frostempfindlichere Sorten ausprobieren.

Hm, schwierig und du hast eigentlich schon schlechte Erfahrungen damit, aber die Mirabelle aus Nancy ist bei mir die beste Pflaume zum Trocknen, gefolgt von ganz normalen Hauszwetschgen.

Was ich mir vorstellen könnte, aber aus Mangel an Erntemenge bisher noch nicht ausprobiert habe, wären Spillinge (die werden hier im Forum Allgemein als seltene und frühe Pflaume sehr gelobt).
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 16. September 2020, 19:47:05
Ich bin halt davon ausgegangen, daß würzige Pflaumen/Zwetschgen sich auch in der Hitze noch mehr Tiefgang erhalten als Mirabellen und Renekloden.
Da immer nur einzelne Exemplare and den mittlerweile großen Bäumen hingen, habe ich sie auch noch nicht gedörrt.
Ich könnte natürlich die Mirabelle als eine der 7 Sorten veredeln und hoffen, daß sie an dem neuen (geringfügig schattigeren) Standort wenigstens ein paar Früchte mehr trägt.
Wie ist das denn mit den klassischen französischen Sorten, sind die bei uns frosthart?
Ich wäre durchaus bereit, für den allerbesten Geschmack was zu riskieren; die Unterlage treibt ja jederzeit wieder aus.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Wild Obst am 16. September 2020, 20:05:21
Wo gärtnerst du denn? Winterfrosthärte der üblichen Mirabellensorten (Nancy, Metzer, ...) sollte eigentlich kein Problem sein. Spätfröste können natürlich immer ein Problem sein. Mein Grundstücksnachbar hat etwa 10 (ungepflegte) Mirabellenbäume und die tragen üblicherweise jedes zweite Jahr sehr gut (50-100l+/Baum) und im jeweils folgenden Jahr weniger aber immernoch etwa 5-20l/Baum.

Ich finde Mirabellen sind meiner Meinung nach einfach das beste Trockenobst, das Aroma konzentriert sich beim Trocknen richtig auf und die getrockneten Mirabellen machen süchtig.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 16. September 2020, 20:13:24
Meinen Standort findest Du im Profil :)
Und ein paar hundert Meter weiter gibt es hier mit Sicherheit ähnlich voll hängende Mirabellen; eine versaut immer einen Fußweg auf dem Weg zur Verwandtschaft mit ungenutzen Früchten. Meine Mirabelle hatte letztes Jahr 1 Frucht, dieses Jahr 0 Frucht...

Bei mir ist keine Pflaumen-Lage, weshalb den Platz der großen Bäume jetzt Äpfel einnehmen werden.
Winterhärte bezieht sich nur darauf, keine allzu mediterranen Sorten pflanzen zu wollen; bin nicht auf'm Berggipfel.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Wild Obst am 16. September 2020, 20:22:27
Von was ich dieses Jahr auch die erste richtige Ernte hatte (aber auch noch nicht genug für Dörrversuche) waren Biricoccolo (Aprikosen-Kirschpflaumenhybriden). Deutlich robuster als Aprikosen (sind bei mir, BaWü, knapp 600m, Schwarzwaldrand, alle nach den ersten Blüten oder früher eingegangen) und die Früchte sind doch recht ähnlich. Veredeln sich sehr gut auf Kirschpflaumen. Allerdings haben alle Sorten, die ich habe, den Nachteil, das der Kern nicht sauber löst, das ist dann fürs Dörren nicht ganz so gut.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 16. September 2020, 20:43:11
Klingt gut, aber ich hab für Frischobst nicht wirklich Verwendung; von Trockenobst ernähr ich mich das ganze Jahr.
Ich glaube, ich hab bei den "französischen Sorten" zu schnell gelesen; die gibt's in der Form nicht.
Vielleicht sollte ich den Faden in 'Rangliste beste Trockenpflaumen' umbenennen?
Titel: Pflaumen/Blüte/Dörren
Beitrag von: alun am 19. September 2020, 08:32:26
Dann würde ich einfach mit Anna Späth, Kirkes, Wangenheims, Ontario und Valjevka anfangen und mich überraschen lassen, was funktioniert, und was dann am Ende als Dörrobst auch noch schmeckt.
Falls noch jemand einen anderen Vorschlag hat, nur zu!
Titel: Re: Pflaumen/Blüte/Dörren
Beitrag von: mime7 am 19. September 2020, 23:51:57
Dann würde ich einfach .... Wangenheims, ...  anfangen.
Falls noch jemand einen anderen Vorschlag hat, nur zu!
Wangenheim hab ich gerodet, weil sie bei mir absolut nicht steinlöslich war. Das nervt mich schon, wenn ich nur 1 kg für einen Kuchen benötige, trocknen würd ich die daher nie...
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: Asinella am 20. September 2020, 09:13:55
Super Dörrzwetschgen gibt Fellenbach/Italiener, süß-aromatisch mit etwas Säure. Geht auch noch zügig, weil recht groß. Die ist aber sonst recht empfindlich, zieht alles pilzige an, ist Scharka empfindlich und kommt spät in Ertrag.
Titel: Re: Obstbaum-Nischen-Frage
Beitrag von: alun am 20. September 2020, 10:41:52
Gut zu wissen, mime, danke. Hättest Du welche, die Du stattdessen setzen würdest?

Asinella, ich weiß nicht, ob Scharka hier mal relevant werden wird. Nachdem ich gestern Mirabelle und Reneklode gerodet hab, wäre mir aber eher nach was Scharkatolerantem...