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Garten- und Umwelt => Quer durch den Garten => Thema gestartet von: dmks am 23. Juli 2017, 19:42:22

Titel: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Juli 2017, 19:42:22
Okay. jetzt hab ich mich doch entschlossen mal den Anfang zu machen einen Diskussionsfaden über Fragen; Probleme; Meinungen zum Thema Landwirtschaft zu öffnen.
Klar geht es uns alle an, und da es in vielen anderen Themen immer wieder vom Thema ablenkt ist es den Versuch wert. Zumal es in diesem Forum ein paar Mitglieder gibt die da durchaus Fachwissen beisteuern können.
Ausgehend vom Glyphosat-Thema will ich den letzten Part nochmal aufgreifen: Was gehören eigentlich für Berufe in diesen Sektor?
Brenner (m/w)
Fachkraft Agrarservice (m/w)
Fischwirt (m/w)
Forstwirt (m/w)
Gärtner (m/w)
Hauswirtschafter (m/w)
Landwirt (m/w)
Milchtechnologe (m/w)
Milchwirtschaftlicher Laborant (m/w)
Pferdewirt (m/w)
Pflanzentechnologe (m/w)
Revierjäger (m/w)
Tierwirt (m/w)
Winzer (m/w)

Obwohl es wahrscheinlich des Öfteren um die Themen Feldbau und Nutztierhaltung gehen wird.

Also: Willkommen alle, sie diskutieren möchten, Fragen haben, Sorgen oder Nöte im Blick auf Landwirtschaft bzw. sich auch mal sachlich Luft machen möchten über Probleme oder gar erfreuliches zu diesem Thema!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 23. Juli 2017, 20:19:16
Vielleicht paßt auch hier hinein: Grenzflächen/Grenzprobleme - Anrainer und Landwirtschaft.

Wir leben in einem ursprünglich nur landwirtschaftlich genutzten Areal, das zunehmend von der heranwachsenden Stadt (Flächenfraß im Umland) bedroht und vereinnahmt wird. In den Neubausiedlungen (umgeben von Acker- und Weideflächen) leben Städter, die im grünen im eigenen Haus wohnen wollen und es kommt laufend zu Konflikten.

Wir sehen die landwirtschaftliche Nutzung an zwei unserer Grundgrenzen prinzipiell positiv, halten auch unseren Baumbestand so im Zaum, daß er mit dem Mähdrescher nicht in Konflikt kommt (die Nachbarschaft nicht, es gibt immer wieder Beschädigungen und verärgerte Jung-Hausbesitzer), auch die Bewirtschaftung der Flächen innerhalb der Ruhezeiten (Landwirte sind davon ausgenommen) finden wir unproblematisch, aber da sind wir wohl die einzigen auf weiter Flur.

Einziger wirklicher Nachteil: nebenan wird Mais angebaut - nicht im Bio-Anbau - und die Belastung mit Herbiziden/Insektiziden ist für unsere angrenzende Gartenfläche nicht auszuschließen (obwohl wir 1,5 m über dem Feldboden liegen (Betonzaundfundament fängt Böschung ab). Besser als eine Reihenhaussiedlung ist das große Maisfeld aber allemal - finden nicht nur wir, sondern auch Feldhasen, Fasane und Stockenten - und natürlich die im Feld jagenden Katzen.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 23. Juli 2017, 20:31:19
das ist jetzt aber irgendwie nicht schwarz/weiß genug. :( ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Juli 2017, 20:41:59
das ist jetzt aber irgendwie nicht schwarz/weiß genug. :( ;)

Warum? Diese Problematik kann ganz unterschiedlich verlaufen! Mit der freundlichen Genehmigung im Herbst Laub und ähnliches auf den Acker schaffen zu dürfen - oder mit Klagen und Streit vor Gericht! Alles beides ist hier in der Region aktuell existent.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 23. Juli 2017, 20:47:24
Hemerocalis, steht dort jedes Jahr Mais drauf? Wenn nicht, was in den anderen Jahren?

Werden die Nachbarflächen unter den Bauern getauscht/ausgeliehen im Sinne von einer braucht mal Mais und auf den Acker passts wegen der Fruchtfolge und dafür bekommt der Eigentümer einen anderen Schlag für das, worauf er sich spezialisiert hat?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 23. Juli 2017, 21:20:32
Ich finde es schlimm, wenn im Winter/ Herbst immer noch Gülle auf die Felder, Wiesen ausgebracht wird. Da es fast immer Westwind gibt, habe ich auch was davon. Und der Boden und seine Lebewesen sind sicher auch nicht begeistert.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 23. Juli 2017, 21:26:44
wohin möchtest du die gülle sonst haben?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Juli 2017, 21:37:52
Der Geruch (Stank) von Gülle ist durchaus ein Problem! Bisherige Maßnahmen wie bodennahe Ausbringung (Schleppschläuche, Einschlitzen) oder Injektoren verringern es zwar, sind gesetzlich aber erst ab 2020 vorgeschrieben. Die Geräte kosten gebraucht so etwa ab 10.000 Euro und neu zwischen 20.000 und gut über 30.000 Euro. Förderungsmöglichkeiten sind gegeben bis max. 20%. Wird also noch eine Weile ungünstige Verfahren geben - bis auch der letzte Bauer so ein Gerät haben muß.
Der Umweg über die Biogasanlage bringt da noch einige Vorteile (Energiegewinnung, Verwertbarkeit der Nährstoffe und relativ geringe Geruchsbelastung).
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 23. Juli 2017, 21:40:09
z.B in die Biogasanlage damit
oder ich gönne den Schweinen ein dickes Strohbett, dann entsteht nicht soviel flüssiger Mist.
Die Betreiber von Biogasanlagen bezahlen für den Mist...da freut sich der Bauer doch.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 23. Juli 2017, 21:47:04
Ich weiss nicht ob der Düngewert nicht mehr wert ist als das Geld was man von der Biogasanlage dafür bekommt.

Im Garten mache ich aus Hühnermist flüssige Jauche, weil die gegossen besser verteilt wird als fest.

Was kostet ein Kompost/Festmiststreuer?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hargrand am 23. Juli 2017, 21:53:31
Der Geruch (Stank) von Gülle ist durchaus ein Problem! Bisherige Maßnahmen wie bodennahe Ausbringung (Schleppschläuche, Einschlitzen) oder Injektoren verringern es zwar, sind gesetzlich aber erst ab 2020 vorgeschrieben. Die Geräte kosten gebraucht so etwa ab 10.000 Euro und neu zwischen 20.000 und gut über 30.000 Euro. Förderungsmöglichkeiten sind gegeben bis max. 20%. Wird also noch eine Weile ungünstige Verfahren geben - bis auch der letzte Bauer so ein Gerät haben muß.

Was letztendlich wieder einigen Familienbetrieben die Existenz kostet.
Was ist besser?
Umwelt"schutz" oder Schutz der kleinstrukturierten Familienbetriebe vor Überbürokratisierung?
Lohnt sich darüber nachzudenken.
Wenn man davon betroffen ist sieht man so manche Bevormundung  sicherlich noch etwas kritischer.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Ruby am 23. Juli 2017, 22:05:33
Den Gestank von Gülle finde ich nicht das Problem, dauert max. 1 Tag und man riecht nichts mehr.

Viel problematischer finde ich dass für das Ausreifen von Soja und Erbsen Glyphosat gespritzt wird. Das wusste ich bis vor kurzem nicht und finde das eigentlich einen Wahnsinn  ::)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Juli 2017, 22:07:36
Der Geruch (Stank) von Gülle ist durchaus ein Problem! Bisherige Maßnahmen wie bodennahe Ausbringung (Schleppschläuche, Einschlitzen) oder Injektoren verringern es zwar, sind gesetzlich aber erst ab 2020 vorgeschrieben. Die Geräte kosten gebraucht so etwa ab 10.000 Euro und neu zwischen 20.000 und gut über 30.000 Euro. Förderungsmöglichkeiten sind gegeben bis max. 20%. Wird also noch eine Weile ungünstige Verfahren geben - bis auch der letzte Bauer so ein Gerät haben muß.

Was letztendlich wieder einigen Familienbetrieben die Existenz kostet.
Was ist besser?
Umwelt"schutz" oder Schutz der kleinstrukturierten Familienbetriebe vor Überbürokratisierung?
Lohnt sich darüber nachzudenken.
Wenn man davon betroffen ist sieht man so manche Bevormundung  sicherlich noch etwas kritischer.
Natürlich - doch es geht auch in der Landwirtschaft um einen stetigen Wandel. Zu meiner Lehrzeit waren beispielsweise Gülleregner (jaja, über die normale Beregnungsleitung) üblich.
Gülle ist ein wertvoller Dünger - wurde aber in den letzten Jahrzehnten zum Überschuß-Abfallprodukt; bis die Düngemittelverordnung entsprechende Flächenbeprobungen und auch den Einbezug der Gülle als Düngemittel vorschrieb. Für die Felddüngung gibt es eine vorgeschriebene maximale Menge an Stickstoff/Phosphor/Kali... woher die kommt spielt dabei nicht die Rolle und muß jeder Landwirt selbst entscheiden was für ihn besser ist.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Juli 2017, 22:16:48
Viel problematischer finde ich dass für das Ausreifen von Soja und Erbsen Glyphosat gespritzt wird. Das wusste ich bis vor kurzem nicht und finde das eigentlich einen Wahnsinn  ::)

Seit 2014 ist das Verfahren der Sikkation (Unkrautbekämfung in erntereifen Beständen) nur noch in Getreide und nur in Ausnahmefällen zulässig:

"sofern eine Beerntung ohne Unkrautbekämpfung nicht möglich ist“, erläuterte das Bundesamt. Entsprechend sei eine Anwendung zur Sikkation nur dort erlaubt, wo „das Getreide ungleichmäßig abreift und eine Beerntung ohne Behandlung nicht möglich ist, nicht jedoch zur Steuerung des Erntetermins oder Optimierung des Drusches“.

Quelle: http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Pflanze/Glyphosat-zur-Sikkation-nur-noch-in-Ausnahmen-zugelassen_article1401108736.html

Dieses Thema ist zumindest teilweise vom Tisch - auch wenn ich die Sikkation bei Getreide kritisch sehe. Wird auch noch verschwinden - sobald es eine Alternative gibt. Glyphosat ist derzeit meines Wissens das einzige dafür zugelassene Mittel. Alternative ohne G ist bei Durchwachsen der Unkräuter derzeit nur die Vernichtung des Bestandes.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Sandbiene am 23. Juli 2017, 22:18:52
Zu meiner Lehrzeit waren beispielsweise Gülleregner (jaja, über die normale Beregnungsleitung) üblich.
Gülle ist ein wertvoller Dünger - wurde aber in den letzten Jahrzehnten zum Überschuß-Abfallprodukt; ...

Während meiner Lehrzeit hieß es in bezug auf Gülle nicht Düngung, sondern "schadlose Beseitigung".  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Juli 2017, 22:27:16

oder ich gönne den Schweinen ein dickes Strohbett, dann entsteht nicht soviel flüssiger Mist.
Die Betreiber von Biogasanlagen bezahlen für den Mist...da freut sich der Bauer doch.
Klar sind mir Schweine so auch lieber!
 Aber das ist "individuelle Kleinhaltung" oder halt kleine Familienbetriebe. Die sind reihenweise pleite gegangen...eine verfehlte Agrarpolitik bei der so einige verdienten, die nie eine  Mistgabel aus der Nähe gesehen haben.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 23. Juli 2017, 22:39:02
Solche Tierhaltung muß gefördert werden, die EU-töpfe müssen dringend anders verteilt werden.
In wenigen Wochen ist die Bundestagswahl,
man könnte den Abgeordneten ja mal auf die "Füße treten".
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Juli 2017, 22:40:19
Kannst Du das bitte mal auf ein großes Plakat drucken!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 23. Juli 2017, 22:41:27

oder ich gönne den Schweinen ein dickes Strohbett, dann entsteht nicht soviel flüssiger Mist.
Die Betreiber von Biogasanlagen bezahlen für den Mist...da freut sich der Bauer doch.
Klar sind mir Schweine so auch lieber!
 Aber das ist "individuelle Kleinhaltung" oder halt kleine Familienbetriebe. Die sind reihenweise pleite gegangen...eine verfehlte Agrarpolitik bei der so einige verdienten, die nie eine  Mistgabel aus der Nähe gesehen haben.
da hat der Bauer aber auch mit Stroh gespart, ein Strohbett sieht anders aus.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Juli 2017, 22:45:49
Ist frisch ausgemistet (Täglich) und wird abends nochmals nahgestreut, die laufen (und scheißen) ja viel rum am Tag, lernen aber schnell das im ungestreuten Bereich zu erledigen.
Hier sieht man das Stroh in der Ruhezone besser:
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 23. Juli 2017, 22:47:59
Kannst Du das bitte mal auf ein großes Plakat drucken!
gute Idee,
vielleicht werde ich auf meine alten Tage noch politisch aktiv.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rib-isel am 23. Juli 2017, 22:51:52
Die Sikkation hat viele Vorteile für den Landwirt. Da die Behörden es nicht hin bekommen, ob die Greeningangaben des Landwirts stimmen, wie will man dann kontrollieren, ob die Sikkationberechtigung des Getreidefelds auch​ eingehalten wird. Kartoffeln werden gerade wegen des Marktes stark sikkatiert. Man will kleine Kartoffeln mit dünner Schale.

In Sachen Düngung haben deutsche Landwirte noch zu lernen. Nicht umsonst droht Deutschland Strafen aus Brüssel, wegen zu hohen Nitratwerten im Wasser. Da spielt aber die Konsumverhalten der Deutschen eine große Rolle. Das billige Fleisch muss durch Massentierhaltung erzeugt werden. Der dabei entstehende Mist muss wohin. Gasanlagen werden nach der neuen Förderung der Kohlekraftwerke nicht mehr so gebraucht.
Die Beschwerden über Gerüche und den damit geforderten neuen Düngetechniken, kann ich nicht nachvollziehen, Der Geruch verschwindet wirklich schnell.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 23. Juli 2017, 23:02:24
Das ist ein extrem wichtiger Faktor, keine Gülleseen auf dem Acker zu entsorgen, Nitrat im Trinkwasser, geht gar nicht.
Massentierhaltung und ihre Folgen, gehört mit Abgaben versehen. Dann gibt es kein Kotelett für 3,50€ pro Kilo mehr.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rib-isel am 23. Juli 2017, 23:07:59
Aber solch Forderungen kennt man. Vor der Kammera wird dem Reporter gesagt, dass man fürs Fleisch fünf Euro mehr bezahlen würde und dann wird dennoch der Aldi fürs Grillfleisch aufgesucht. Die Tierhaltung lohnt sich für alle zu gut.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 23. Juli 2017, 23:16:55
Jeder ist verantwortlich für sein Tun.
Es gibt so leckeres Essen ohne Fleisch.
Und wenn ich nur 2 mal die Woche Fleisch esse, freut man sich viel mehr darauf.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rib-isel am 23. Juli 2017, 23:40:52
Jeder ist verantwortlich für sein Tun.

Philosophisch. Hat man einen freien Willen oder ist man Wille der Umstände. leider ist das Kleinhirn mächtiger als das Großhirn und Fleisch Kalorien reicher als Bohnen. Neid spielt auch eine wichtige, nicht kontllierbare, unterschwällige Rolle.  Wieso soll man freiwillig an Karotten nagen, wenn der Nachbar das Mettbrötchen isst. Wenn es erreichbar ist, ist es auch begehrent.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Juli 2017, 23:43:42
Das baut mir nochmal die Brücke zu den Schweinchen sicher haben sie hier extrem viel Platz - laut Verordnung würden diesen 10 Tieren 1,5m² also etwa die Fläche von anderthalb Europaletten zustehen.
Ein Bauer ist ein Unternehmer und rechnet doch auch mit jedem Quadratmeter! Wenn er für entsprechend aufgeweitete Bestände auch entsprechende Erlöse erzielen kann wird er das tun. Es liegt an und wo wieviel und was wir kaufen. Wer nur billig Hackfleisch kaufen will muß sich nicht wundern wenn es auch so gehalten wird.

PS: War eigentlich die Antwort zu Dornröschens Beitrag - paßt aber zufällig auch verspätet :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 23. Juli 2017, 23:52:46
Ist frisch ausgemistet (Täglich) und wird abends nochmals nahgestreut ...
die haben ja gar keine tapete und keine vorhänge und keine veganen deko-objekte und insgesamt sieht das ja total krass guantanamo-mäßig aus... die haben ja überhaupt gar keine privatsphäre! :o :-\
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 23. Juli 2017, 23:55:42
mal Ironie an: ich habe noch keinen Bauern verhungern sehen. Ironie aus.

Vielleicht einfach weniger Fleisch essen=keine Massentierhaltung mehr usw. ... neuerdings gibt es eine Werbung für "Leberwurst" ohne Fleisch - bitte warum heißt die dann Leberwurst ???

Mich stört - inmitten von Feldern wohnend - , dass z.B. Raps, der letztlich an der Tanke landet, wenigstens 5x besprüht wird gegen irgendetwas, wahrscheinlich Rapsglanzkäfer... dafür gibt es kaum noch Bienen.
Das Stroh wird hier untergepflügt. Klar, schwerer Lehmboden. Ein anderer Bauer baut Roggen an - für Biogas...
Schon eine merkwürdige Welt, wenn Nahrung auf diese Weise verwertet wird.

Ich gebe zu, dass ich nicht viel von der Landwirtschaft verstehe und eben nur beobachte und zeitweise auch betroffen war, wenn Düngeperlen über den ganzen Hof flogen..

Wir haben ein Schilfbeet zur Klärung des Abwassers, wird jährlich chemisch überprüft aufs genauste. Allerdings die Reste vom Dünger oder Spritzmittel landen trotzdem auf den Grundstücken... alles etwas schräg.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Juli 2017, 00:09:28
Ich bin mal kurz böse - weil Mitternacht ist ;D
Biogas macht Strom - ohne Strom könntest Du Dich hier nicht darüber beschweren 8)

Und jetzt wieder ernst: Es gibt ja sogar "veganes Mett" und solche Sachen. Manchmal müssen wir alle wohl unser schlechtes Gewissen betrügen. Aber eigentlich ist's eklig oder?
Biosprit war auch ein Kohrkrepierer - weil Raps und Co in Deutschland viel zu teuer sind als Rohstoff kam sehr schnell Äthanol aus Ölpalmen inclusive neuer Plantagen mit Regenwaldrodung auf den Markt. Immer schön global denken!

Es ist gut solche Fehlentwicklungen kritisch zu sehen. Gegen unsachgemäße Ausbringung (Dünger oder PSM) kannst Du den Landwirt ansprechen oder - wenn das und der normale Menschenverstand nicht mehr hilft auch eine Anzeige beim Umweltamt oder de Landwirtschaftskammer machen.

PS: Für heute gehe ich in die (selbst gerupften und damit völlig unglobalen) Federn!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 00:28:36
Mit ansprechen gings ja auch, zumindest was den Düngerwurf anbetraf. Gegen das Giftgesprühe kann man kaum etwas tun - das muss man wohl dulden. Anzeige würde ich eher nicht wagen - so dicht am Acker ginge es dann Auge um Auge...

Allerdings dass die Dorfstraße kaputt gefahren wird mit schwerem Gerät - obgleich der Acker zugänglich ist vom Ackerweg... das wird wohl noch ein Problem werden, spätestens wenn Anwohner zur Kasse gebeten werden für eine neue Straße...

Apropos Strom: Als es noch kein Biogas gab, hatten wir auch Strom  :D
Ich habe einfach etwas dagegen, dass Essen im Tank landet oder für Strom verbrannt wird. Ich kann das nicht verstehen, echt nicht. Für mich hat das eine Alibifunktion betr. Förderung usw.

Wessen Gewissen soll denn betrogen werden? Entweder ich esse Wurst oder ich esse Gemüse, ist doch eigentlich sehr einfach.
Ich habe seit Jahren meinen Fleischbedarf auf ein Minimum reduziert, Wurst schon mal gar nicht, Fleisch nur extrem selten 1x im halben Jahr oder so. Und ich bin kein "autonomer Veganer/Vegetarier" oder ähnliches.  Es hat andere Gründe: ich hatte einen Auftrag auf einem supermodernen Schlachthof incl. Verarbeitung zu fotografieren, was ich nicht weiter beschreiben möchte. Die Bilder reichten mir persönlich aus, vermutlich lebenslang. Ich esse nur noch meine eigenen glücklichen, chemiefreien Hähnchen.


Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rib-isel am 24. Juli 2017, 01:24:02
Ich denke die Sache von mit dem Biosprit, war ein Flop, da Autobaufirmen sagten, dass ihre Autos Biosprit vertragen würden und diese es zum Teil nicht konnten. So wussten viele auch nicht, ob ihr Auto offiziell Biobenzin-verträglich ist. Dann wurde immer wieder gemeint, dass der Kraftstoffverbrauch gleich bleiben würde, obwohl es nicht der Fall ist.

Biodiesel wird immer noch in Deutschland gebraucht, um in einem Militärfall unabhängig vom Ausland zu sein. Die Panzer müssen eben rollen können.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 01:42:05
... um in einem Militärfall unabhängig vom Ausland zu sein. Die Panzer müssen eben rollen können.

Prima, das beruhigt doch ungemein ::) 8) :o
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 24. Juli 2017, 11:42:45
Das baut mir nochmal die Brücke zu den Schweinchen sicher haben sie hier extrem viel Platz - laut Verordnung würden diesen 10 Tieren 1,5m² also etwa die Fläche von anderthalb Europaletten zustehen.
Ein Bauer ist ein Unternehmer und rechnet doch auch mit jedem Quadratmeter! Wenn er für entsprechend aufgeweitete Bestände auch entsprechende Erlöse erzielen kann wird er das tun. Es liegt an und wo wieviel und was wir kaufen. Wer nur billig Hackfleisch kaufen will muß sich nicht wundern wenn es auch so gehalten wird.

PS: War eigentlich die Antwort zu Dornröschens Beitrag - paßt aber zufällig auch verspätet :D
Wir entscheiden an der Theke, wie die Tiere leben, die wir essen.
Der einzige Weg ist, weniger Fleisch zu essen und auf Qualität zu achten.
Es gibt heute die Möglichkeit Rindfleisch zu kaufen, wo die Rinder ihr ganzes Leben draußen in der Natur verbracht haben und kein Mastfutter gefressen haben.
Legebatterien, sind auch verschwunden, aber erst als sie verboten wurden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 24. Juli 2017, 11:50:36
Wenn wir in Zukunft elektrisch unterwegs sind, ist das Problem mit dem Biodiesel auch gegessen. ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rib-isel am 24. Juli 2017, 11:55:41
Das leider auch nicht. Es hat schon genügend Beispiele gegeben, Wo Bio eben nicht Bio war. Als die große Bio-welle anfing, landeten sehr schnell Tonnen von Bio-Möhren aus China in den Regalen.

Vor kurzem wurde auch ein Bio-hühnerhof gezeigt, der nicht das war, war er vorgab zu sein.


Es gibt nach meiner Meinung zu viel Biofleisch in den Theken und ich sehe kaum Tiere auf Feldern oder moderne, luftige Schweineställe.  Der Begriff wird frei ausgelegt, da auch viel Geld zu verdienen ist.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rib-isel am 24. Juli 2017, 11:58:50
Wie gesagt Biodiesel ist fürs Militär. Man keine Panzer mit Strom betreiben, ohne ihn um Tonnen zu beschweren, damit er zehn Kilometer weit kommt. Auch die Gewinne beim Rapsanbau sind nicht die schlechtesten
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rib-isel am 24. Juli 2017, 12:00:35
... um in einem Militärfall unabhängig vom Ausland zu sein. Die Panzer müssen eben rollen können.

Prima, das beruhigt doch ungemein ::) 8) :o

Das ist aus dem kalten Krieg schon so.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 12:21:40
... um in einem Militärfall unabhängig vom Ausland zu sein. Die Panzer müssen eben rollen können.

Prima, das beruhigt doch ungemein ::) 8) :o

Das ist aus dem kalten Krieg schon so.

Wo ist der Lerneffekt ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 12:29:03
Der einzige Weg ist, weniger Fleisch zu essen und auf Qualität zu achten.

Absolut wahr.
88 kg Fleisch pro Kopf per Jahr (statistisch nach wiki, also Babys usw. mit eingerechnet) - und "meine" 88 kg, die ich nicht esse, obendrauf...
...sind schlappe 1,6 kg per Woche pro Person...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 12:32:20
ohne Fleisch aus dem Garten - unglaublich lecker, man braucht einfach keinen Speck dazu... man vermisst absolut nichts bei jungen Bohnen mit Pellkartoffeln pur

(http://up.picr.de/29882925zq.jpg)
(http://up.picr.de/29882926ew.jpg)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 24. Juli 2017, 12:45:03
Wenn ich das Fleisch beim Bauern direkt einkaufe, bekommt der Bauer mehr und ich kann mir die Haltung der Tiere ansehen und dementsprechend Erzeuger aussuchen.
Bei mir gibt es die Variante,
Pellkartoffeln mit Kräuterquark, oder mit Spargel in der Saison.
Spagetti mit Tomatensauce(homemade) mit viel Basilikum und Parmesan.
Was haltet ihr davon eine entsprechende Seite mit vegetarischen Gerichten zu gestalten?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 24. Juli 2017, 12:48:54
Der einzige Weg ist, weniger Fleisch zu essen und auf Qualität zu achten.

Absolut wahr.
88 kg Fleisch pro Kopf per Jahr (statistisch nach wiki, also Babys usw. mit eingerechnet) - und "meine" 88 kg, die ich nicht esse, obendrauf...
...sind schlappe 1,6 kg per Woche pro Person...
1,6 kg Fleisch pro Woche, (plus die 1,6 von Kindern und Nichtessern)
das ist das tägliche Schnitzel plus Wurstbrot.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 24. Juli 2017, 12:51:10
man vermisst absolut nichts bei jungen Bohnen mit Pellkartoffeln pur
Wenn ich da Röstaromen dabei haben will könnte ich sie in einer Pfanne mit Rapsöl oder Butter anbraten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 24. Juli 2017, 12:55:01
Oder man macht gebratenen fetten Speck dazu.  :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rib-isel am 24. Juli 2017, 13:13:59
Und gut gebratene Zwiebeln :D Es ist Mittag, man merkts
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 13:23:56
Hemerocalis, steht dort jedes Jahr Mais drauf? Wenn nicht, was in den anderen Jahren?
Es steht meistens Mais dort - wir hatten bisher in 10 Saisonen 2 x etwas anderes - es wird fleißig mit Kunstdünger gedüngt.

Werden die Nachbarflächen unter den Bauern getauscht/ausgeliehen im Sinne von einer braucht mal Mais und auf den Acker passts wegen der Fruchtfolge und dafür bekommt der Eigentümer einen anderen Schlag für das, worauf er sich spezialisiert hat?
Hier nicht - Mais wächst in der Wärme hier wesentlich besser als in vielen Regionen Österreichs und wird für die Schweinemast benötigt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 13:25:50
Der Geruch (Stank) von Gülle ist durchaus ein Problem! Bisherige Maßnahmen wie bodennahe Ausbringung (Schleppschläuche, Einschlitzen) oder Injektoren verringern es zwar, sind gesetzlich aber erst ab 2020 vorgeschrieben. Die Geräte kosten gebraucht so etwa ab 10.000 Euro und neu zwischen 20.000 und gut über 30.000 Euro. Förderungsmöglichkeiten sind gegeben bis max. 20%. Wird also noch eine Weile ungünstige Verfahren geben - bis auch der letzte Bauer so ein Gerät haben muß.
Der Umweg über die Biogasanlage bringt da noch einige Vorteile (Energiegewinnung, Verwertbarkeit der Nährstoffe und relativ geringe Geruchsbelastung).

Hier und vor allem südlich von uns wurde über Jahrzehnte Gülle in extrem großen Mengen ausgebracht - mit der Folge, daß das Grundwasser ungenießbar wurde (zu hohe Nitratbelastung). Wir leben im Wasserschutzgebiet, daher sind die Güllemengen vergleichsweise gering - weiter südlich wurde angeblich etwas dagegen unternommen, das Trinkwasser darf nun wieder zur Zubereitung von Babynahrung verwendet werden (aber ich weiß nichts Genaueres).
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 13:37:27
Weniger Fleisch zu essen ist dann sinnvoll, wenn man aktuell zuviel davon isst.
Leider ist vernünftiger Fleischkonsum eher die Ausnahme - Unter- oder Überversorgung sind die Regel.

Wären wir alle plötzlich Veganer - was würde mit den ganzen Nutztieren passieren - alle notschlachten? Alle kastrieren und mit Gnadenbrot zu Tode füttern?
Wovon leben Landwirte, wenn die Region nur zur Viehzucht geeignet ist?

Hier in Österreich hört man aktuell gerade gruselige Aufrufe im Radio - es werten Freiwillige gesucht, um die Almen zu erhalten. Weil die Beweidung so abgenommen hat, verbuschen die touristisch so wertvollen Almen und werden sich in wenigen Jahrzehnten wieder in Hochwald verwandeln. Ohjeh! Ist ebenso skurril wie die Heidepflege in Norddeutschland, weil diese alte Kulturlandschaft ebenfalls nicht mehr ausreichend beweidet wird.

Bei Konsumenten und Produzenten ist Umdenken dringend nötig. Bei meinem letzten Besuch in Norddeutschland hab ich mich gewundert, daß keine hübschen schwarz-weiß gefleckten Kühe mehr auf den Weiden zu sehen sind. Auf meine Nachfrage hin bekam ich erklärt, daß die jetzt alle ganzjährig im Stall stehen und die Weiden zur Futterproduktion genutzt werden.  ::) ::) ::)




Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 24. Juli 2017, 13:41:50
Ja, das ist auch hier inzwischen die Ausnahme, daß Kühe auf der Weide stehen.
Die Rindermast findet bei moderner Landwirtschaft im Offenlaufstall statt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rib-isel am 24. Juli 2017, 13:44:37
Bei Konsumenten und Produzenten ist Umdenken dringend nötig. Bei meinem letzten Besuch in Norddeutschland hab ich mich gewundert, daß keine hübschen schwarz-weiß gefleckten Kühe mehr auf den Weiden zu sehen sind. Auf meine Nachfrage hin bekam ich erklärt, daß die jetzt alle ganzjährig im Stall stehen und die Weiden zur Futterproduktion genutzt werden.  ::) ::) ::)

Wie ich es sage. Darunter werden Biobetriebe sein. Aber wo ist dort das Tierwohl? Bio ist oft nur Augenwischerrei und ein Kostenfaktor für den Verbraucher und ein umsatzgewinn für die Zwischenhändler.
Natürlich hat sich etwas verbessert, aber das ist nicht nur wegen der Labels passiert.
Ich ziehe immernoch eine Linie zwischen Tierwohl und Bio.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 24. Juli 2017, 13:45:18


Wären wir alle plötzlich Veganer - was würde mit den ganzen Nutztieren passieren - alle notschlachten? Alle kastrieren und mit Gnadenbrot zu Tode füttern?
Das wird nie passieren.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 24. Juli 2017, 13:46:56
Kaufe beim Landwirt deines Vertrauens.
Dann gibt es keinen Zwischenhandel.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 13:49:12
Bei Konsumenten und Produzenten ist Umdenken dringend nötig. Bei meinem letzten Besuch in Norddeutschland hab ich mich gewundert, daß keine hübschen schwarz-weiß gefleckten Kühe mehr auf den Weiden zu sehen sind. Auf meine Nachfrage hin bekam ich erklärt, daß die jetzt alle ganzjährig im Stall stehen und die Weiden zur Futterproduktion genutzt werden.  ::) ::) ::)

Wie ich es sage. Darunter werden Biobetriebe sein. Aber wo ist dort das Tierwohl? Bio ist oft nur Augenwischerrei und ein Kostenfaktor für den Verbraucher und ein umsatzgewinn für die Zwischenhändler.

Ich ziehe immernoch eine Linie zwischen Tierwohl und Bio.
Bio in Österreich sieht alleine schon aufgrund der geringen Betriebsgrößen völlig anders aus. Auch Bio-Soja ist gentechnisch verändert bzw. kontaminiert (wird gerne verfüttert, ist bei österr. Biofleisch-Produktion nicht erlaubt).
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 13:50:01


Wären wir alle plötzlich Veganer - was würde mit den ganzen Nutztieren passieren - alle notschlachten? Alle kastrieren und mit Gnadenbrot zu Tode füttern?
Das wird nie passieren.
Ich hoffe es.
Es würde aber das Problem der Überbevölkerung positiv beeinflussen - die Fruchtbarkeit sinkt meßbar  ;D ;D ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rib-isel am 24. Juli 2017, 13:54:48
Mir persönlich ist der Zwischenhändler egal. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn der Zwischenhändler soviel Umsatz e für sich einnimmt, ohne die Bauern dafür zu entlohnen. Die Gesamtsituation ändert sich nicht wesentlich wenn eine Handvoll Leute direkt zum Produzenten gehen.

Die Umsatzproblematik zwingt jetzt schon die Landwirte dazu, mehr Direktvermarktung zu machen; siehe Eierstöpselautomat und Co.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 24. Juli 2017, 14:05:19
Regionalität der Produkte ist ein Thema, welches Zukunft hat, trotz der Discounter.
Und Direktvermarktung auch.
Hier bekommt der Milcherzeuger (nicht die Kuh ;D) für ein Liter Milch,
€ 1,25,
für 500g Joghurt, 1,15€
auf dem Land etwa 1 €
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 24. Juli 2017, 14:09:29
Mir persönlich ist der Zwischenhändler egal. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn der Zwischenhändler soviel Umsatz e für sich einnimmt, ohne die Bauern dafür zu entlohnen. Die Gesamtsituation ändert sich nicht wesentlich wenn eine Handvoll Leute direkt zum Produzenten gehen.

Die Umsatzproblematik zwingt jetzt schon die Landwirte dazu, mehr Direktvermarktung zu machen; siehe Eierstöpselautomat und Co.
das ist doch das Problem,
der Handel verdient zuviel und der Bauer geht leer aus.
Er wird viel zu gering entlohnt und kann nicht mehr wirtschaftlich produzieren.
Und dann kommen Leute auf die Idee einen Milchbetrieb mit 5000! Kühen aufzuziehen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 14:12:42
Die Rindermast findet bei moderner Landwirtschaft im Offenlaufstall statt.

Man nannte es zu DDR-Zeiten "Rinderoffenstall", das ist etwa 50 Jahre her!... bis die Tiere eines Tages im Winter erkrankten usw., muss ich nicht nochmal aufwärmen, ... es gab TÄe, die den Freitod  wählten, weil mit Maßnahmen zu rechnen war dafür, dass sie sich weigerten, Mastschweine zum x. Mal gegen Seuchen zu impfen...

Sehr einfach: weniger ist mehr.

Ich kann auch nicht einen Beruf wählen, in dem es nichts zu tun gibt und dann auf Fördermittel hoffen oder auf sonstige Stützen.
Wenn es - wie es anklingt - zu viel von allem gibt - ok, dann reduzieren und Preise höher ... oder einen anderen Beruf wählen, sowie es alle anderen auch müssen.

Dornröschen: "Regionalität der Produkte ist ein Thema, welches Zukunft hat, trotz der Discounter.
Und Direktvermarktung auch.
Hier bekommt der Milcherzeuger (nicht die Kuh ;D) für ein Liter Milch,
€ 1,25,
für 500g Joghurt, 1,15€
auf dem Land etwa 1 €"

DAS halte ich für sehr, sehr sinnvoll... ein Bekannter kauft gerade in Israel Tomaten aus D...


Im Übrigen: ich würde sehr gerne Milch kaufen vom Bauern, die ich mir dann hinstellen kann zum sauer werden. Und: ich möchte das selbst machen und NICHT gesäuerte oder sonstwas Fertigprodukte kaufen müssen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 14:17:18
Oder man macht gebratenen fetten Speck dazu.  :D

Absolut kontraproduktiv.
Wenn man Bohnen und frische Kartoffeln schmecken will und genießen kann, verdirbt der Speck den Geschmack komplett.

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 14:21:04
man vermisst absolut nichts bei jungen Bohnen mit Pellkartoffeln pur
Wenn ich da Röstaromen dabei haben will könnte ich sie in einer Pfanne mit Rapsöl oder Butter anbraten.

Ich habe mir kürzlich Bohnen auf frischen Kartoffeln gemacht und das Bratfett vom Ei (nach Belieben, ich nehme Butter) über die Bohnen getan. Wenn man was besonderes will, kann man Mandelsplitter dazu anbraten und drüber tun, das ist schon fast 5 Sterne...

Das z.B. ist auch regional: Äpfel und Birnen, Minze und Eis ... ein Restaurant, was ausschließlich mit regionalen Spezialitäten aufwartet... und es geht:
(http://up.picr.de/29884139xn.jpg)

Wie die die Birnenscheiben a la Parmaschinken schneiden können, ist mir ein Rätsel
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Crambe am 24. Juli 2017, 14:56:13
Das hört sich zwar interessant an, hat aber mit dem Thema wohl nicht direkt zu tun, oder?

Macht doch den "Vegetarische-Gerichte"-Thread in der Küchenabteilung auf!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: steinwald am 24. Juli 2017, 15:43:05
Zitat von: Crambe link=topic=[b
Link entfernt!1[/b]2919362#msg2919362 date=1500900973]
Das hört sich zwar interessant an, hat aber mit dem Thema wohl nicht direkt zu tun, oder?

Macht doch den "Vegetarische-Gerichte"-Thread in der Küchenabteilung auf!

Ja, irgendwie ist der Faden woanders gelandet. Dabei finde ich das Thema interessant, weil unser neues Grundstück von zwei Seiten an landwirtschaftlich genutzte Flächen grenzt und ich neugierig bin, womit man Landwirte ärgern würde (Pfaffenhütchen?)  und womit nicht. Als wenig Ahnung habendes künftiges Landei möchte ich ungern Wildblumen ausstreuen und den Zorn eines Landwirts auf mich ziehen, falls es irgendwelche invasiven Blümchen sind.

Was das Fleischessen bzw. nicht-Fleischessen angeht: ich esse Fleisch und daran wird keine grüne Bohne an Röstkartoffeln viel ändern (obwohl ich auch das gerne esse). Müßig, darüber zu diskutieren, die meisten Fleischesser mögen Fleisch nicht nur, weil ihnen Gemüse nicht schmeckt.
1min. Beitragsanzahl noch nicht erreicht
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 15:45:09
M.E. geht es hier nicht um vegetarische Gerichte (ich bin weder Vegetarier noch Veganer noch sonst dgl.), sondern Landwirtschaft, die unweigerlich etwas mit unserem Verbrauch zu tun hat.
Wenn sie viel düngen oder das Grundwasser nitratbelastet ist oder die Gülle von viel zu viel Vieh auf die Äcker kommt und uns als Nachbarn das stört, kommt das daher, dass wir - die Verbraucher - zu viel von allem fordern: 50 verschiedene Brotsorten oder, oder, oder... Erdbeeren zu Weihnachten.

Letztlich wird das produziert, was der Verbraucher will oder es wird das produziert, was gefördert wird - unabhängig der Kollateralschäden.

Wir "beschweren" uns über die Landwirtschaft als Nachbarn... andererseits sind wir im mehrfachen Sinne selbst daran beteiligt.
Das und nur das will ich damit sagen. Ich kann gar keinen vegetarischen thread aufmachen, weil ich kein Vegetarier bin.


Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 15:47:30
Ja, irgendwie ist der Faden woanders gelandet. Dabei finde ich das Thema interessant, weil unser neues Grundstück von zwei Seiten an landwirtschaftlich genutzte Flächen grenzt und ich neugierig bin, womit man Landwirte ärgern würde (Pfaffenhütchen?)  und womit nicht. Als wenig Ahnung habendes künftiges Landei möchte ich ungern Wildblumen ausstreuen und den Zorn eines Landwirts auf mich ziehen, falls es irgendwelche invasiven Blümchen sind.

Was das Fleischessen bzw. nicht-Fleischessen angeht: ich esse Fleisch und daran wird keine grüne Bohne an Röstkartoffeln viel ändern (obwohl ich auch das gerne esse). Müßig, darüber zu diskutieren, die meisten Fleischesser mögen Fleisch nicht nur, weil ihnen Gemüse nicht schmeckt.
1min. Beitragsanzahl noch nicht erreicht

Fleisch und Gemüse werden per Landwirtschaft produziert - um wieder zurück zum Thema zu kommen  ;)

Als Anrainer von einem konventionell bewirtschaftetem Feld und einer Weide kann ich nur berichten, daß die Tierhaltung nebenan weniger negative Effekte auf meinen Garten hat als der Getreideanbau. Die Tiere werden nicht 'gespritzt'  ;D

PS: Ausstreuen von Wildblumen ist sinnlos - die frisch gekeimten werden per Herbizid sofort wieder eliminiert (schon mit Klatschmohn am Feldrand probiert)  :-\
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: steinwald am 24. Juli 2017, 15:54:20
Oh, das wäre schade. Die Region bewirbt sich als "Öko-Modellregion", was genau damit gemeint ist habe ich aber noch nicht herausgefunden. Vielleicht habe ich ja Glück und dort werden keine Herbizide verstreut.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Juli 2017, 16:10:53
PS: Ausstreuen von Wildblumen ist sinnlos - die frisch gekeimten werden per Herbizid sofort wieder eliminiert (schon mit Klatschmohn am Feldrand probiert)  :-\

Das kommt nun aber doch darauf an, wo man wohnt und wie die dortigen Landwirte Spritzen das handhaben. Hier gibt es beides: Feldraine voller Wildblumen und solche mit weniger.
Und es gibt Felder die ringsum einen Streifen mit Mohn, Kornblumen usw haben (also innerhalb des Feldes.)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 16:31:03
Unser Feldrand ist kahl auf Kante. Also Straße bzw. Ackerweg, 50 cm Gras, z.T. gelb/abgespritzt - dann Korn, Saubohnen oder Raps. Nix Feldblume - a b e r  an den neuen Autobahnen wachsen Wildblumen ohne Zahl, zauberhaft!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 16:39:39
Hier sind die Wildblumen an den Weiderändern (auf der Weide werden sie weggefressen), am Straßenrand und am Auwaldsaum zu finden - am Feldrain nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Juli 2017, 16:40:11
Toto, sehr bedauerlich.
Hier freue ich mich sehr an den Feldrändern. Letztes Jahr habe ich da verschiedenste Samen geerntet.
Es gab erstmals in diesem Jahr etliche Landwirte in der Umgebung, die Phacelia und andere Bienenpflanzen auf kleineren Flächen angebaut haben, da standen dann Bienen. Und zur Blütezeit sah es herrlich aus. Bodenpflege ist es noch dazu.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 24. Juli 2017, 16:41:16
Vielleicht sind die großen Felder Ostdeutschlands auch ein Segen. Die werden mit großer Technik bearbeitet und die Technik verursacht breitere Feldraine.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 16:43:42
Vielleicht sind die großen Felder Ostdeutschlands auch ein Segen. Die werden mit großer Technik bearbeitet und die Technik verursacht breitere Feldraine.

Hast Du aber ne Ahnung, sorry. Gerade diese Technik ermöglicht es auf den cm zu mähen - nix mit breiten Feldrainen. Da kann man nicht mal zwischen zwei Feldern gehen... früher war da Wiese, ca. 1-2m... heute auf Kante.
Es haben viele Bauern aus den alten Ländern hier Flächen gepachtet/gekauft, weil ihre Flächen klein waren. Nun erfreuen sie sich an den graden Kanten ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 24. Juli 2017, 16:44:31
Bei uns ist das anders.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 16:48:22
Einer der zugewanderten Bauern mäht grundsätzlich nur nachts, auch nicht ganz lustig. Nachfragen ergaben: Sondergenehmigung. Ok, muss man dann mit leben - 3-5 Nächte im Stück oder länger Mähdrescherpiepen oder Pflug quitschen... (übrigens wetterunabhängig - auch wenn es wochenlang trocken ist und alle anderen schon fertig sind mit ernten, mäht er seit Jahren nachts...) Er beginnt um 21 Uhr und zieht durch bis 4 Uhr morgens...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Juli 2017, 17:00:13
Das machen die meisten hier auch so. Früh ist die Feuchtigkeit des Korns zu hoch, also fangen sie erst nachmittags an und mähen bis nach Mitternach oder eben vom späten Abend bis in die Frühe, ja nach Feldgröße und Trockenheitsgrad. Die Computer der Mäher messen das aufs Feinste aus.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 17:05:03
Ok, das leuchtet ein. Dann ist es eben so... sind nur ein paar Nächte. Schlecht ist es nur, wenn man morgens früh raus muss.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Juli 2017, 17:12:40
Ja. Außerdem gibt es Menschen, die auf den nun mal entstehenden Staub allergisch reagieren. Kann sehr unangenehm sein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 17:48:36
Ja. Außerdem gibt es Menschen, die auf den nun mal entstehenden Staub allergisch reagieren. Kann sehr unangenehm sein.

vermutlich aber doch nachts noch mehr  ??? Bei uns ist das Fenster nachts offen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: biene100 am 24. Juli 2017, 18:55:04
Der Geruch (Stank) von Gülle ist durchaus ein Problem! Bisherige Maßnahmen wie bodennahe Ausbringung (Schleppschläuche, Einschlitzen) oder Injektoren verringern es zwar, sind gesetzlich aber erst ab 2020 vorgeschrieben. Die Geräte kosten gebraucht so etwa ab 10.000 Euro und neu zwischen 20.000 und gut über 30.000 Euro. Förderungsmöglichkeiten sind gegeben bis max. 20%. Wird also noch eine Weile ungünstige Verfahren geben - bis auch der letzte Bauer so ein Gerät haben muß.

Was letztendlich wieder einigen Familienbetrieben die Existenz kostet.
Was ist besser?
Umwelt"schutz" oder Schutz der kleinstrukturierten Familienbetriebe vor Überbürokratisierung?
Lohnt sich darüber nachzudenken.
Wenn man davon betroffen ist sieht man so manche Bevormundung  sicherlich noch etwas kritischer.

Als kleine Milchbäuerin freue ich mich über deine Zeilen, Hargrand. Es gibt nicht nur große Betriebe. Und die Kleinen leiden doppelt unter Preisverfall und Bevormundung. :-\ >:(

Toto, dein unmöglicher erster Satz "ich habe noch keinen Bauern verhungern sehen" ist dagegen eine gedankenlose Frechheit.
Aber du hast ja auch Recht. Ich lebe ja auch noch, Obwohl wir im Jahr 2016 um 26,8% für unsere Milch weniger bekommen haben als 2014. Die beiden Jahre 2015 und 16 zusammen hatten wir einen Verlust von 20.000,-- beim Erlös für die Milch. Aber wir kleinen Bauern haben sparen und Bescheidenheit gelernt. Und so sind wir Gsd nicht verhungert. :P :-X
Was würdest du sagen wenn du mehr als ein viertel weniger verdienen würdest? Urlaub nur alle fünf Jahre mal eine Woche und jeden Morgen um 5 raus seit 36 Jahren. Dazu noch Bevormundungen, Kontrollen, Besserwisserei von Leuten die wenige Ahnung haben und am Bürosessel kleben.
Es ist kein Wunder dass immer weniger werden, die Almen werden zu einem guten Teil zuwachsen. Dann können wenigstens Wolf, Luchs, Bär und Goldschakal fröhliche Urständ feiern.  >:(

Übrigens, unsere Kühe sind den Sommer über auf der Weide, wir haben keinen modernen Laufstall weil wir uns den einfach nicht leisten können, unsere Felder werden wechselhaft bebaut. Mais, Getreide, dann wieder ein paar jahre Wiese usw.

Ich frage mich immer wieder: warum lebt jemand am Land wenn er Gülle, Staub, etc. nicht verträgt?



Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 19:03:53
Übrigens, unsere Kühe sind den Sommer über auf der Weide, wir haben keinen modernen Laufstall weil wir uns den einfach nicht leisten können, unsere Felder werden wechselhaft bebaut. Mais, Getreide, dann wieder ein paar jahre Wiese usw.
Betriebe wie Deiner sollten gefördert werden - sie erhalten die Kulturlandschaft anstatt sie zu zerstören, wie es Großbetriebe mit Intensivhaltung oder -anbau machen.

Ich frage mich immer wieder: warum lebt jemand am Land wenn er Gülle, Staub, etc. nicht verträgt?
Häufig sind es Städter, die eine Art 'bäuerlicher Romantik' suchen, die es so nie gegeben hat. Am Land hat es ruhig und lieblich zu sein - voller Blumenwiesen und lustiger Bauern und Bäuerinnen, die in Tracht jodelnd melken oder mit der Sense mähen.

Blöderweise stinkt es öfter kräftig am Land und es ist auch immer wieder mal ordentlich laut und die Arbeitszeiten werden von der Notwendigkeit und nicht der Uhr bestimmt. Das war schon früher so und hat sich im Wesentlichen auch nicht geändert, selbst wenn die technischen Entwicklungen des letzten Jahrhunderts für mehr Maschinen- und weniger Menschenarbeit (und somit weniger Arbeitsplätze) gesorgt haben.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 19:16:36
Toto, dein unmöglicher erster Satz "ich habe noch keinen Bauern verhungern sehen" ist dagegen eine gedankenlose Frechheit.
Soweit ich erinnere und es ist auch nachzulesen, hatte ich - wohlbemerkt! - diesen Satz als Ironie gemeint.

So aus dem Zusammenhang gerissen ist er natürlich nicht unbedingt sinnvoll. Wenn Du ihn dennoch falsch verstanden hast, bitte ich in aller Form um Entschuldigung.

Ansonsten: ich kann mich nicht mal erinnern an meinen "letzten Urlaub", solche Sprüche sind auch nicht gerade fein gegenüber Menschen, die ebenfalls (nicht nur Bauern!) von morgens um 6 bis abends oder nachts arbeiten. Als Freiberufler hat man selten bis keinen Urlaub. Aber nun gut - das kann man als allgemeines Wissen vermutlich nicht voraussetzen, insofern sei es drum. Fiktive Verluste... klar, die gibt es auch bei Freiberuflern: Verdienste, die man geplant hat und die nicht kommen. Die gibt es bei jedem. Sind das dann reale Verluste?
Wenn ich Fotografien/Bücher oder was weiß ich, verkaufe oder AG wegfallen... oder die Preise sinken - sind es dann Verluste? Ich finde nicht - ich muss es einkalkulieren. Nichts ist sicher.

"Bescheiden" müssen wir uns alle, nicht nur Kleinunternehmen oder Bauern. Die allgemeine Situation wird nicht besser. Je eher man es lernt, umso besser.

Warum Städter aufs Land ziehen... nun ja. Hier gibt es auch solche Menschen, oft jüngere - sie haben genauso das Recht, ihre Erfahrungen zu machen. Was man ihnen vorab sagt, wird eh nicht gehört. Wenn sie es so furchtbar finden, ziehen sie eh wieder weg.

Was die Milchpreise anbetrifft - das ist nicht in Ordnung. Ich würde gern Milch teurer bezahlen als Dauermilchtrinker, ich hätte damit kein Problem. Die Preise werden aber nicht vom Verbraucher gemacht, sondern wohl von den konkurrierenden Ketten, oder?

Übrigens, unsere Kühe sind den Sommer über auf der Weide, wir haben keinen modernen Laufstall weil wir uns den einfach nicht leisten können, unsere Felder werden wechselhaft bebaut. Mais, Getreide, dann wieder ein paar jahre Wiese usw.

Das finde ich toll und es ist sicherlich auch Mehrarbeit. Allerdings: man schmeckt es auch an der Milch und genau darum sollte sie dann auch ihren entsprechenden Preis haben.
Ich hatte schon Milch auf dem Tisch, die nach Silage roch - ekelhaft.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 19:22:05
Ansonsten: ich kann mich nicht mal erinnern an meinen "letzten Urlaub", solche Sprüche sind auch nicht gerade fein gegenüber Menschen, die ebenfalls (nicht nur Bauern!) von morgens um 6 bis abends oder nachts arbeiten. Als Freiberufler hat man selten bis keinen Urlaub. Aber nun gut - das kann man als allgemeines Wissen vermutlich nicht voraussetzen, insofern sei es drum. Fiktive Verluste... klar, die gibt es auch bei Freiberuflern: Verdienste, die man geplant hat und die nicht kommen. Die gibt es bei jedem. Sind das dann reale Verluste?
Wenn ich Fotografien/Bücher oder was weiß ich, verkaufe oder AG wegfallen... oder die Preise sinken - sind es dann Verluste? Ich finde nicht - ich muss es einkalkulieren. Nichts ist sicher.
Die Produktion von Lebensmitteln mit 'freiberuflicher Tätigkeit' in einen Topf zu werfen, halte ich für völlig unangemessen.

Ohne die Arbeit der Bauern hat niemand zu essen und die Kulturlandschaft geht unter - stirbt diese Berufsgruppe, hat das völlig andere und wesentlich weitreichendere Folgen als die persönlichen, die einen Freiberufler treffen, der sich verkalkuliert hat.

(meine Eltern waren selbständig, mein Mann ist es - ich weiß, wovon ich schreibe)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 19:30:06
stirbt diese Berufsgruppe...

Warum sollte sie denn sterben?
Das halte ich jetzt aber wirklich für übertrieben. Bäuerliche Familienbetriebe oder auch Großbetriebe dieser Art hat es immer gegeben... schließlich ist der Mensch durch Anbau von Korn etc. seßhaft geworden... oder wie war das noch gleich ??? Insofern... ist das wirklich jetzt etwas übertrieben.

Es ging doch um Landwirtschaft als Nachbarn, oder?

Und ganz ehrlich: ich finde, jede Berufsgruppe hat ihre Berechtigung. Ich möchte keine über eine andere erheben.
Ohne Ärzte wären auch schon alle tot... also bitte...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Juli 2017, 19:37:23


Was die Milchpreise anbetrifft - das ist nicht in Ordnung. Ich würde gern Milch teurer bezahlen als Dauermilchtrinker, ich hätte damit kein Problem. Die Preise werden aber nicht vom Verbraucher gemacht, sondern wohl von den konkurrierenden Ketten, oder?

In erster Linie von den Molkereien. Jedenfalls die Abnahmepreise. Ihre Gewinne werden dann von den Handelsketten bestimmt.
Aufgabe: man nehme sich mal die bunte Werbung von drei oder vier Handelsketten - vom gleichen Tag aus der Wochenendzeitung: die Milch- und Butterpreise der nächsten Woche sind oftmals identisch 8)
Zweiter Punkt: Molkereien kaufen ihre Milch wo sie wollen, und sind wo sie wollen, egal was nachher draufsteht (Sachsenmilch, Alpenmilchschoko, oder Mark Brandenburg)
Neuerdings wird damit geworben, daß die Marke "Mark Brandenburg" jetzt wieder aus Brandenburg kommt.
Es geht zumindestens vorwärts :-\

http://www.maz-online.de/Brandenburg/Mark-Brandenburg-kommt-wieder-aus-Brandenburg
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Juli 2017, 19:38:45
Ich frage mich immer wieder: warum lebt jemand am Land wenn er Gülle, Staub, etc. nicht verträgt?
Ich lebe auf dem Land bzw. gegenüber von Feldern, weil ich da nun eben mal lebe, seit Langem ;) Auf Getreidestaub reagiere ich seit ca. 30 Jahren stark allergisch. Allergieauslöser sind nicht die Stäube an sich, sondern darin enthaltene Sporen bestimmter überall vorkommender Schimmelpilze (etwas ganz Alltägliches, das mit der Qualität des Getreides überhaupt nichts zu tun hat.)
Die Maßnahmen , die ich in solchen Fällen ergreife, wirken nicht so ganz bei der Menge von Staub, der beim Mähen anfällt. Ich muss also das geschlossene Haus hüten oder an die See fahren. Da es aber noch andere Berufe gibt, in denen das Einkommen gering ist und Urlaub selten, tendiert es meist zur ersten Maßnahme. ;)

Güllegeruch stört, aber darüber rege ich mich nicht auf, das gehört nun mal dazu.

Im vorigen Jahr sind hier die Wiesen vertrocknet und Bio-Landwirte, die ausschließlich auf Weidefütterung bzw.Heu gesetzt haben, hatten echte Probleme. Einige haben daraufhin aufgegeben - die Trockenheit war dann der letzte Tropfen auf den eh' schon heißen Stein.
Für die Stallhaltung gelten gerade im Biobereich extrem hohe Auflagen, der Vorteil ist aber, dass die Fütterung anders geregelt werden kann, das ist in Trockenzeiten ein Vorteil.
Sowohl konventionelle Milchbauern  als auch die Biobauern setzen zunehmend auf Hofvermarktung. Momentan kaufe ich Quark, Fleisch usw. von einem konventionellen Milchbauern im Hofladen (mehrer Angestellte ausschließlich dafür), Qualität ist hervorragend, der Laden wird von weit her besucht. Die Preise sind angemessen, noch bezahlbar. Die Produkte in einem Hofladen (Bio) weiter weg sind sehr hoch, es ist abzusehen, dass sich dieser Laden nicht halten wird, da auch die geografische Lage schwierig ist
Im Kommen sind vermutlich auf den Höfen "Tankstellen" aus denen man sich in Selbstbedienung versorgen kann, nicht jeder kann mehrere Angestellte für einen Laden bezahlen oder diesen selbst besorgen. Auch macht die Zusammenarbeit mit den Molkereien nicht unbedingt Spaß. Auch nicht im Biobereich.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: biene100 am 24. Juli 2017, 19:42:45
dmks,-ganz genau, es hat doch jemand Ahnung, das tut gut.

Unsere Molkerei die sich brüstet den Bauern zu gehören macht auf unsere Kosten satte Gewinne. Jetzt musste sie doch tatsächlich die ziemlich neue Molkerei modernisieren und zubauen. :P Das ist jedoch nicht genug, uns wird erzählt dass der Preis so niedrig ist weil zuviel da ist, gleichzeitig wird aus Slowenien eingeführt. Die Fahrer erzählen... Zum Kotzen ist das. Ich bin so froh dass die Pension in Sicht ist und bete dass Junior die Stalltür dann zusperrt. Sie werden erst kapieren was sie verlieren wenn zuwenig das ist.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: biene100 am 24. Juli 2017, 19:46:01
stirbt diese Berufsgruppe...

Warum sollte sie denn sterben?
Das halte ich jetzt aber wirklich für übertrieben.

Ich nicht. Die Bauern sind nicht so blöd dass sie endlos den Trottel abgeben. irgendwann reichts einfach. Und wenn die Stalltür mal zu ist dann bleibt sies in der Regel auch. 

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: biene100 am 24. Juli 2017, 19:50:45
Ach Rosa Rot,-
unser nächster Nachbar ist allergisch auf Gräser, und muss seine Wiese trotzdem mähen. Macht ihm auch keinen Spass. In der nächsten Ortschaft ist einer der sitzt mit der Gasmaske am Traktor wegen seiner Allergie.  Ist wohl noch etwas problematischer wenn das dann der Arbeitsplatz ist, oder?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Conni am 24. Juli 2017, 20:06:24
In Dresden gibt es die Verbrauchergemeinschaft, eine Genossenschaft mit mittlerweile rund 10.000 Mitgliedern. Die VG kauft bei Bioerzeugern im Umkreis von 150km (also regional) die Waren ein. Für die Erzeuger ist das ein langfristig sicherer Absatzweg mit fairen Preisen, die Mitglieder zahlen einen monatlichen Grundbeitrag und bekommen dafür frische Bioware aus der ganzen Region (die, weil es keinen "Handelsaufschlag" gibt, deutlich günstiger ist als in "normalen" Bioläden). Für uns als in der Stadt Lebende ist das die ideale Möglichkeit, (fast) direkt vom Erzeuger kaufen zu können, ohne zu jedem einzelnen Milchvieh- oder Ziegenhalter hinfahren zu müssen.

Gerade bei den Milcherzeugern ist der beidseitige Gewinn besonders deutlich: Die Erzeuger (Hof Mahlitzsch, Pfarrgut Taubenheim, Hofgut Pulsitz) müssen sich keine Sorgen ums Überleben mehr machen. Und die Verbraucher bekommen Milchprodukte in einer Qualität, wie ich sie (hier in der Stadt) nirgendwo sonst kaufen könnte.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 20:09:28
Gerade bei den Milcherzeugern ist der beidseitige Gewinn besonders deutlich: Die Erzeuger (Hof Mahlitzsch, Pfarrgut Taubenheim, Hofgut Pulsitz) müssen sich keine Sorgen ums Überleben mehr machen. Und die Verbraucher bekommen Milchprodukte in einer Qualität, wie ich sie (hier in der Stadt) nirgendwo sonst kaufen könnte.

Das ist eine tolle idee und sie funktioniert ja, wie Du schreibst. Die Höfe haben ihren sicheren Absatz, müssen keine Stalltüren schließen für immer... und die Kunden sind zufrieden. Geht doch! ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Crambe am 24. Juli 2017, 20:18:25
. Geht doch! ;)

Das finde ich überheblich!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Juli 2017, 20:27:24


Zitat
Ach Rosa Rot,-
unser nächster Nachbar ist allergisch auf Gräser, und muss seine Wiese trotzdem mähen. Macht ihm auch keinen Spass. In der nächsten Ortschaft ist einer der sitzt mit der Gasmaske am Traktor wegen seiner Allergie.  Ist wohl noch etwas problematischer wenn das dann der Arbeitsplatz ist, oder?
Beides ist problematisch Biene 100.
Übrigens war meine Bemerkung über die Allergie keine Meckerei über die Landwirtschaft an sich sondern eine Feststellung der Tatsache, das eine Getreidestauballergie sehr störend sein kann,( egal, wer davon betroffen ist). (Btw.: Arbeiten mit Schutzmaske ist generell ziemlich nervig - es gibt Berufe in denen das aus anderen Gründen  angeraten ist - ).
Nicht nur der Allergien wegen, sondern überhaupt von Vorteil für die Bauern ist ja, dass die modernen Mähdrescher eine sehr feine Klimatisierung samt Staubschutz haben, kein Vergleich mit  den Dingern, die früher hier herumfuhren.

Hier gibt es engagierte junge Bauern, die etwas aus diesem Beruf machen wollen und bereit sind, andere Wege zu gehen. Conni erwähnt im Dresdener Umland bestehende Strukturen, hier sind passende Vermarktungsstrukturen im Aufbau. So muss das sein - das Vorrecht der Jungen ist es sich anders zu verhalten, "als die Alten sungen". Ich beobachte dies mit großem Interesse.

Ein sehr heißes Thema, gerade im Osten sind übrigens Landkäufe, die Politik der BVVG etc. etc....
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 20:30:16
stirbt diese Berufsgruppe...

Warum sollte sie denn sterben?
Das halte ich jetzt aber wirklich für übertrieben. Bäuerliche Familienbetriebe oder auch Großbetriebe dieser Art hat es immer gegeben... schließlich ist der Mensch durch Anbau von Korn etc. seßhaft geworden... oder wie war das noch gleich ??? Insofern... ist das wirklich jetzt etwas übertrieben.
Hier geben jedes Jahr mehr Landwirte auf - der Beschäftigungsrückgang in dieser Berufsgruppe ist deutlich höher als in jeder anderen.
Was der Mensch als Spezies zu Beginn der Entwicklung von Zivilisation gemacht hat, ist dabei nicht relevant. Es reicht, wenn die einheimischen Bauern aufgeben und nur noch genetisch modifizierter Kram aus Billigpreisländern eingeführt wird. Wenn sich die Produktion von Lebensmitteln in Europa nicht mehr rechnet, wird sie hier niemand mehr produzieren. Billiges Palmöl und Soja ersetzen schon heute viel von dem, was früher regional angebaut wurde. 

Es ging doch um Landwirtschaft als Nachbarn, oder?
Es geht in dem Kontext auch darum, daß die Landwirtschaft in der Nachbarschaft vielleicht die nächsten Jahrzehnte nicht überleben kann. Was hat man dann als Nachbarn?


Und ganz ehrlich: ich finde, jede Berufsgruppe hat ihre Berechtigung. Ich möchte keine über eine andere erheben.
Ohne Ärzte wären auch schon alle tot... also bitte...
Nein - ohne Ärzte wären nicht schon alle tot. Unsere Spezies hat sich ganz ohne Ärzte hervorragend entwickelt und über den Erdball verteilt - die natürliche Reproduktionsrate reicht locker aus, um den Ausfall von 80% des Nachwuchses zu kompensieren. Ohne den Anbau von Kulturpflanzen und ohne Nutztierhaltung säßen wir wohl noch als vereinzelte Horden in ein paar Höhlen oder würden als Jäger und Sammler in einigen wenigen Steppen umherziehen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 20:33:36
Gerade bei den Milcherzeugern ist der beidseitige Gewinn besonders deutlich: Die Erzeuger (Hof Mahlitzsch, Pfarrgut Taubenheim, Hofgut Pulsitz) müssen sich keine Sorgen ums Überleben mehr machen. Und die Verbraucher bekommen Milchprodukte in einer Qualität, wie ich sie (hier in der Stadt) nirgendwo sonst kaufen könnte.

Das ist eine tolle idee und sie funktioniert ja, wie Du schreibst. Die Höfe haben ihren sicheren Absatz, müssen keine Stalltüren schließen für immer... und die Kunden sind zufrieden. Geht doch! ;)

Das geht nur für einige wenige, weil sie spezielle Nischen bedienen. Es gibt nur nicht für jeden Hof die passende originelle Nische und ausreichend Kunden. Wenn jeder Sonnenschweine hält oder Bio-Dinkel produziert, hilft das niemandem weiter. Die hohen Preise für diese Nischenprodukte will oder kann Otto-Normalverbraucher in der Regel nicht zahlen. Wir haben hier auch einen kreativen Milchbauern, der mit seiner Biomilch viele Schulen beliefert (Schulmilch ist in Österreich immer noch gefragter Pausendrink). Ein zweiter würde mit der Idee bereits nicht mehr erfolgreich sein können - die Nachfrage reicht dafür nicht aus.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Crambe am 24. Juli 2017, 20:34:19
Das Problem hier in Baden-Württemberg ist eher die Realteilung. Sie führte zu vielen Feierabendbauern, weil die Landwirtschaft selbst zum Überleben nicht reichte. ( Toto, das war die Lösung, um nicht zu verhungern!)
Und nun ist es ein Problem, gegen die Großbauern im Norden konkurrenzfähig zu sein, was nahezu unmöglich ist.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Katrin am 24. Juli 2017, 20:44:54
Geht doch! ;)

Gilt das Zwinkern den Bauern, bei denen das eben nicht geht und die aufgeben? In Österreich sind die Zahlen recht eindrücklich:

1999: 217 508 Land- und Forstwirtschaftliche Betriebe
2010: 173 317 Land- und Forstwirtschaftliche Betriebe
2013: 166 317 Land- und Forstwirtschaftliche Betriebe

Da die bearbeitete Fläche zwar auch sinkt, aber weniger, bedeutet das größere Betriebsflächen (1999: 34,6ha --> 2013: 44,2ha). Das bedeutet, dass die nur geringfügig kleinere Fläche von weniger Personen bearbeitet werden muss, was zu erhöhter Effizienz zwingt und zur Folge hat, was hier im Forum allerorts bedauert wird: Größere Felder, kleine Strukturen gehen verloren, Felder werden zusammengelegt, Magerwiesen aufgeforstet, Düngen, damit alles einheitlich wächst und, egal welcher Untergrund, zur gleichen Zeit gewinnbringend geerntet/gemäht werden kann, eine Erhöhung der Tierzahlen, weil ja nun mehr Grund und mehr Nahrung da ist. Damit verbunden: Überproduktion, weiter sinkende Preise, weitere Landwirtschaften, die aufgegeben werden und wieder an Nachbarn verpachtet werden, die weiterwachsen (trotz obenstehender Zahlen ist die Milchlieferleistung und auch die Zahl der Milchkühe leicht angestiegen).

Momentan werden leider Großbauern gefördert, kleinere Betriebe erhalten im Verhältnis (und auch tatsächlich) geringere Leistungen. Damit wird großflächiger Anbau achtsamer, kleinteiliger Viehwirtschaft, im alpinen Raum oft Mischviehhaltung, der Vorzug gegeben und Bauern bleiben eigentlich nur drei Optionen: aufhören, vergrößern/intensivieren oder auf Bio umsteigen. In Österreich ist der letzte Punkt leichter umsetzbar als in unseren Nachbarländern, aber auch nicht für jeden Bauern eine einfache Option.

Schön dazu auch die Preisentwicklung agrarischer Produkte in den vergangenen 6 Jahren (seit 2013 in fast allen Bereichen Rückgänge).

Es ist widerlich, in diesem Zusammenhang Phrasen zu dreschen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 24. Juli 2017, 20:45:02
Irgendwie versteh ich's nicht: Ihr singt alle das hohe Lied des Privateigentums, der Marktwirtschaft und der Freiheit jedes Einzelnen.
Und in der Landwirtschaft soll das auf einmal nicht gelten?

In Deutschland sind in den letzten Jahrzehnten diverse Industrie- und Berufszweige den Bach runtergegangen:
der Kohlebergbau
die Textilwirtschaft
die Fotoindustrie
die Reedereien
große Teile der Pharmaindustrie
und und und

Städte sind per definitionem darauf angewiesen, dass Nahrungsmittel (und andere Güter) von außen importiert werden.
Die gesamt Gesellschaft ist arbeitsteilig, und die Globalisierung schreitet voran. Industriestaaten exportieren Güter und importieren Güter. Ohne Öl, Erdgas und Rohstoffe wäre nicht bloß die deutsche Wirtschaft im Eimer, wir alle könnten uns fragen, wie wir zurechtkommen.

Mit all dem haben wir uns arrangiert, und wir profitieren nicht bloß davon - die Mehrheit findet das ganz in Ordnung.

Aber wenn immer mehr Kleinbauern aufgeben müssen, weil sie der Konkurrenz nicht mehr gewachsen sind, dann sollen wir uns plötzlich mit ihnen solidarisch erklären und es ganz furchtbar schlimm finden, wenn die Sicherstellung unserer Lebensmittelversorgung auf andere Weise gewährleistet wird?

Da komm ich nicht mehr mit: "Make the farmer great again?"
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Katrin am 24. Juli 2017, 20:49:27
Aber wenn immer mehr Kleinbauern aufgeben müssen, weil sie der Konkurrenz nicht mehr gewachsen sind, dann sollen wir uns plötzlich mit ihnen solidarisch erklären und es ganz furchtbar schlimm finden, wenn die Sicherstellung unserer Lebensmittelversorgung auf andere Weise gewährleistet wird?

Wenn man das Verschwinden von Schmetterlingen bedauert, dem Umweltschutz gegenüber positiv eingestellt ist und sich auch sonst ein paar "Aufregerperlen" rauspickt, sollte man das ganz dringend tun. Ansonsten wärs fein, insgesamt die Klappe zu halten Aber wie viele jammern über Artenschwund und "hast du heuer auch so wenig Bienen?" und kaufen Billigmilch. Klar sind die Probleme und ihre Ursachen komplexer und selten schwarz-weiß, aber wenn ich einfachste Zusammenhänge nicht kapiere und für mich selbst keine Prinzipien ableite, dann sehe ich für alles, was einfache Ursache-Wirkung-Systeme übersteigt, komplett schwarz.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 20:53:00
Aber wenn immer mehr Kleinbauern aufgeben müssen, weil sie der Konkurrenz nicht mehr gewachsen sind, dann sollen wir uns plötzlich mit ihnen solidarisch erklären und es ganz furchtbar schlimm finden, wenn die Sicherstellung unserer Lebensmittelversorgung auf andere Weise gewährleistet wird?

Da komm ich nicht mehr mit
Ich befürchte, daß sich jeder in die Tasche lügt, der behauptet, daß unsere Lebensmittelversorgung gewährleistet wird.

Kalorien in minderer Qualität kann man billig am Weltmarkt kaufen (für deren Produktion werden nicht nur Menschen in ärmeren Ländern ausgebeutet, es wird auch deren Trinkwasser zur Bewässerung verbraucht, deren Umwelt mit Pestiziden verseucht).

Die Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln ist schon heute hier für Wenig-Verdiener ein Problem. Im Vergleich zu Deutschland leben wir hier noch auf einer Insel der Seligen was die Qualität der Produkte betrifft - dafür sind sie aber nicht so billig wie in unserem Nachbarland.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Juli 2017, 20:53:07
Zitat
Das Problem hier in Baden-Württemberg ist eher die Realteilung. Sie führte zu vielen Feierabendbauern, weil die Landwirtschaft selbst zum Überleben nicht reichte. ( Toto, das war die Lösung, um nicht zu verhungern!)
Und nun ist es ein Problem, gegen die Großbauern im Norden konkurrenzfähig zu sein, was nahezu unmöglich ist.

Das ist ein interessanter Aspekt, Crambe. 
Hier sind durch die verschiedenen Kollektivierungsphasen zu DDR-Zeiten Großbetriebe mit großen Flächen entstanden, die heute in anderer Weise weiter existieren - die Flächen wurden nicht verkleinert, nur anders verteilt nach der Wende. Feierabenbauern gab es aber auch bis in die 80er Jahre hinein. Alle Nachbarn hier herum waren solche.
Die Betriebe sind hier aber bedingt durch die Historie in der Regel größer, auch die Biobetriebe. Kleinbetriebe sind  von Anfang darauf ausgelegt eine Nische zu bedienen, weil mit Neueinrichtung eines Betriebes nach der Wende auch geklärt werden musste, wie die Produkte vermarktet werden können.
Es gibt hier also z.B. kleinere Betriebe, die spezielle regionale Rinderrassen halten und die Produkte daraus selbst vermarkten oder Ziegenbauern z.B. die auf den Wochenmärkten und in sogenannten "Regionalläden" verkaufen (lassen). Entwickeln werden sich sicher auch andere Vermarktungsgemeinschaften in bestimmten Regionen, je nach den dortigen Möglichkeiten, Genossenschaften wie in Sachsen oder Ähnliches. Überlegungen dazu gibt es bereits.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 24. Juli 2017, 20:56:32
@Katrin: Wenn's so einfach wäre: Die Vielfalt an Lebensräumen in Mitteleuropa beruht - was anthropogen beeinflusste Lebensräume angeht - auf diversen Wirtschaftsformen, die es nicht mehr gibt oder bald nicht mehr geben wird, und die auch bei der Entwicklung der Landwirtschaft bzw. generell der Landnutzung nicht wiederkommen werden.

Wäre es nicht einfach ehrlicher, das einzugestehen und dann zu sehen, wie wir damit umgehen?

Eine Möglichkeit könnte sein, dass wir Biotopmanagement betreiben und zumindest einen kleinen Teil der Flächen so bewirtschaften, dass sie im Sinne einer vielfältigen "Kulturlandschaft" bestehen bleiben - ohne dass dabei die Produktion von Nahrungspflanzen zu betriebswirtschaftlich rentablen Konditionen im Vordergrund steht. Das kostest Geld - Steuergeld - hätte aber gesamtgesellschaftlichen Nutzen.

Vielleicht wären das bloß große "Freilichtmuseeen" - wäre das so schlimm?
 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Juli 2017, 20:58:01
Die Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln ist schon heute hier für Wenig-Verdiener ein Problem. Im Vergleich zu Deutschland leben wir hier noch auf einer Insel der Seligen was die Qualität der Produkte betrifft - dafür sind sie aber nicht so billig wie in unserem Nachbarland.

Das sehe ich (als Deutsche) nicht so. Auch hier kann man sich mit wenig Geld vernünftig ernähren.  Das ist eine Frage der Einstellung und des Wissens (mittlerweile auch).
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Conni am 24. Juli 2017, 20:58:10

Gerade bei den Milcherzeugern ist der beidseitige Gewinn besonders deutlich: Die Erzeuger (Hof Mahlitzsch, Pfarrgut Taubenheim, Hofgut Pulsitz) müssen sich keine Sorgen ums Überleben mehr machen. Und die Verbraucher bekommen Milchprodukte in einer Qualität, wie ich sie (hier in der Stadt) nirgendwo sonst kaufen könnte.

Das geht nur für einige wenige, weil sie spezielle Nischen bedienen. Es gibt nur nicht für jeden Hof die passende originelle Nische und ausreichend Kunden. Wenn jeder Sonnenschweine hält oder Bio-Dinkel produziert, hilft das niemandem weiter.

 ??? Hast Du Dir den Link mit der Lieferantenliste angeschaut? Da ist von Getreide über Gemüse bis Milchprodukte, Backwaren, Fleisch etc. so ziemlich alles dabei, was angebaut, erzeugt und verbraucht werden kann.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 21:00:08
@Katrin: Wenn's so einfach wäre: Die Vielfalt an Lebensräumen in Mitteleuropa beruht - was anthropogen beeinflusste Lebensräume angeht - auf diversen Wirtschaftsformen, die es nicht mehr gibt oder bald nicht mehr geben wird, und die auch bei der Entwicklung der Landwirtschaft bzw. generell der Landnutzung nicht wiederkommen werden.

Wäre es nicht einfach ehrlicher, das einzugestehen und dann zu sehen, wie wir damit umgehen?

Eine Möglichkeit könnte sein, dass wir Biotopmanagement betreiben und zumindest einen kleinen Teil der Flächen so bewirtschaften, dass sie im Sinne einer vielfältigen "Kulturlandschaft" bestehen bleiben - ohne dass dabei die Produktion von Nahrungspflanzen zu betriebswirtschaftlich rentablen Konditionen im Vordergrund steht. Das kostest Geld - Steuergeld - hätte aber gesamtgesellschaftlichen Nutzen.

Vielleicht wären das bloß große "Freilichtmuseeen" - wäre das so schlimm?
Das wäre schlimm, weil dann die überwiegende Mehrzahl der Menschen in Mitteleuropa nur Zugang zu qualitativ minderwertiger Nahrung hätte.

Findest Du das wünschenswert? Ernährst Du Dich rund ums Jahr von 'Lebensmitteln' aus Massenproduktion und schmeckt Dir das?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 24. Juli 2017, 21:01:21
Ja.

Ich kaufe mein Gemüse und mein Obst auf dem hiesigen Markt oder im Supermarkt. Produziert wird es von Landwirten vor Ort, in der Region, in Deutschland oder - seltener - anderswo in Europa, die mittels Traktoren, Düngemitteln und PSM auf - aus ihrer Sicht möglichst großen - Feldern Kartoffeln, Möhren, Bohnen, Kohl etc. anbauen.
Oder in moderner Obstbaukultur Äpfel, Pfirsiche etc.
Und: Oh ja, ich kaufe Obst und -saft aus Streuobstwiesen, aber deren Produktion reicht nicht entfernt aus, um den Markt zu bedienen.

Ich kaufe Fleisch beim Metzger vor Ort - der kauft es hauptsächlich in der Region - aber machen wir uns nichts vor: Die Tiere stehen dort bei den Landwirten im Stall und bekommen ihr Futter zugeteilt. Und, ja, ich kaufe Fleisch auch mal im Supermarkt, wenn es mir qualitativ zusagt. Fisch und Meeresfrüchte dito. Tropenfrüchte übrigens auch, von Bananen über Mangos bis Durian.

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 21:03:07

Gerade bei den Milcherzeugern ist der beidseitige Gewinn besonders deutlich: Die Erzeuger (Hof Mahlitzsch, Pfarrgut Taubenheim, Hofgut Pulsitz) müssen sich keine Sorgen ums Überleben mehr machen. Und die Verbraucher bekommen Milchprodukte in einer Qualität, wie ich sie (hier in der Stadt) nirgendwo sonst kaufen könnte.

Das geht nur für einige wenige, weil sie spezielle Nischen bedienen. Es gibt nur nicht für jeden Hof die passende originelle Nische und ausreichend Kunden. Wenn jeder Sonnenschweine hält oder Bio-Dinkel produziert, hilft das niemandem weiter.

 ??? Hast Du Dir den Link mit der Lieferantenliste angeschaut? Da ist von Getreide über Gemüse bis Milchprodukte, Backwaren, Fleisch etc. so ziemlich alles dabei, was angebaut, erzeugt und verbraucht werden kann.

Offenbar habe ich mich mißverständlich ausgedrückt - diese Konzepte sind regional mit sehr viel Engagement möglich, aber sie sind kein Allheilmittel, weil sie immer nur einen Bruchteil der Konsumenten ansprechen bzw. erreichen können. Die Ausschaltung des Einzelhandels funktioniert nur im Nischenbereich, dabei kann die Nische das Produkt aber auch der Kundenkreis sein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 21:04:21
Ja.
Selbst schuld! Mahlzeit  ::)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 24. Juli 2017, 21:05:41
Die Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln ist schon heute hier für Wenig-Verdiener ein Problem. Im Vergleich zu Deutschland leben wir hier noch auf einer Insel der Seligen was die Qualität der Produkte betrifft - dafür sind sie aber nicht so billig wie in unserem Nachbarland.

Das sehe ich (als Deutsche) nicht so. Auch hier kann man sich mit wenig Geld vernünftig ernähren.  Das ist eine Frage der Einstellung und des Wissens (mittlerweile auch).
Vergleiche bitte mal die Durchschnittseinkommen in Deutschland und Österreich und die Preise für Lebensmittel in beiden Ländern.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Katrin am 24. Juli 2017, 21:06:15
Zitat
Vielleicht wären das bloß große "Freilichtmuseeen" - wäre das so schlimm?

Das wäre die letzte Chance und das wird hier auch (unter anderem von mir) praktiziert: Das spätere Mähen von Wiesen erhält so Lebensräume. Im Alpenraum lässt sich diese Bearbeitung auch leichter in bestehende Betriebe integrieren (in Österreich gibt es neben Initiativen der Bundesländer das ÖPUL-Programm) und muss daher nicht alleine als "Museum" (und damit veraltet und unzeitgemäß) verstanden werden. Dass das in anderen Regionen Europas nicht funktioniert, ist mir auch klar: Aber Bemühungen in Regionen, wo noch sinnvoll (und vor allem nutzenbringend) behutsam Landwirtschaft betrieben werden kann, unterstütze ich gerne.

Sonst geht es uns wie in den 70ern, wo man im Rahmen der EG Rodungsprämien für alle Hochstammobstbäume gezahlt hat, hunderttausende Obstbäume und selbstvermehrte Sorten alleine in meinen beiden Heimatbezirken verschwanden (man wollte EG-weit auf ca. 20 Erwerbssorten zurückschrauben) und nun vermehrt man wieder mühsam Regionalsorten aus den gerade an Altersschwäche sterbenden Streuobstwiesen damals renitenter (und belächelter! "Der verzichtet auf die Prämie, der Depp, für ein paar dürre Bäume!") Altbauern.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Juli 2017, 21:24:07
Irgendwie versteh ich's nicht: Ihr singt alle das hohe Lied des Privateigentums, der Marktwirtschaft und der Freiheit jedes Einzelnen.
Und in der Landwirtschaft soll das auf einmal nicht gelten?

In Deutschland sind in den letzten Jahrzehnten diverse Industrie- und Berufszweige den Bach runtergegangen:
der Kohlebergbau
die Textilwirtschaft
die Fotoindustrie
die Reedereien
große Teile der Pharmaindustrie
und und und

Städte sind per definitionem darauf angewiesen, das Nahrungsmittel (und andere Güter) von außen importiert werden.
Die gesamt Gesellschaft ist arbeitsteilig, und die Globalisierung schreitet voran. Industriestaaten exportieren Güter und importieren Güter. Ohne Öl, Erdgas und Rohstoffe wäre nicht bloß die deutsche Wirtschaft im Eimer, wir alle könnten uns fragen, wie wir zurechtkommen.

Mit all dem haben wir uns arrangiert, und wir profitieren nicht bloß davon - die Mehrheit findet das ganz in Ordnung.

Aber wenn immer mehr Kleinbauern aufgeben müssen, weil sie der Konkurrenz nicht mehr gewachsen sind, dann sollen wir uns plötzlich mit ihnen solidarisch erklären und es ganz furchtbar schlimm finden, wenn die Sicherstellung unserer Lebensmittelversorgung auf andere Weise gewährleistet wird?

Da komm ich nicht mehr mit: "Make the farmer great again?"

Rein vom Grundansatz soll es hier auch nicht darum gehen, sondern um Interesse, darum daß viele von uns einfach zu wenig wissen um dies alles einzuordnen; vielleicht mal darüber ins Gespräch kommen und auch ihre Meinung dazu in einem extra Thread diskutieren können ohne andere Themen zu blockieren. Um Zusammenhänge und Irrtümer genauso wie um Schönmalerei. Und um Pro und Contra.
Einen Faden in dem Kritiker und Vertreter der Landwirtschaft miteinander auf Augenhöhe reden können.
Gerade wenn es um Lebensmittel, Gifte, Ökonomie und Ökologie geht werden Beiträge von dir sicher sehr ernst genommen. Doch auch die Sichtweise auf eben diese unterschiedlichen Vorstellungen über Landwirtschaft und die Tatsache, daß es in Deutschland eine Fläche von 184.332 km² - also mehr als der Hälfte des Landes (plus Wald auf 109.515 km²) betrifft sollten hier ihren Platz haben.
Und ich denke diese Größenordnung geht dann doch irgendwie jeden etwas an.
(sorry, Beitrag mehrmals nachgebessert)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Juli 2017, 21:33:19
Sorry, Quelle:
http://www.umweltbundesamt.de/daten/flaechennutzung/struktur-der-flaechennutzung#textpart-1
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 24. Juli 2017, 21:41:49
... es in Deutschland eine Fläche von 184.332 km² - also mehr als der Hälfte des Landes (plus Wald auf 109.515 km²) betrifft sollen hier ihren Platz haben.

Vielleicht könnte man darüber diskutieren, für den Anfang 5 % (um mal eine Zahl zunennen) dieser landwirtschaftlichen Fläche komplett aus jeder Form einer betriebswirtschaftlich hinterlegten Nutzung herauszunehmen und stattdessen ausschließlich nach Kriterien des Landschafts- und Naturschutzes zu pflegen?
Bzw. darüber diskutieren, ob das Geld dafür den Aufwand und das Ergebnis wert sind?

Notwendig im Sinne einer ausreichend Ernährung der Bevölkerung wäre dieser Flächenanteil ganz sicher nicht.
Wir hätten dann das besagte "Freilichtmuseum" mit Äckern, die nicht zur Produktion von Nahrungsmitteln dienen, Weiden, die nicht unter dem Gesichtspunkt der Viehwirtschaft genutzt werden, und Wiesen, die nicht zur Produktion von Wasweißich dienen - sondern zum Erhalt einer offenen Landschaft, die nicht primär ökonomischen Zwängen unterworfen ist.

So wie Bannwälder, in denen es nicht primär um Holznutzung geht (Ja, das ist einfacher, da muss man einfach "nichts" tun).
Finanziell leisten könnten wir uns das vermutlich - aber ob wir uns das leisten wollen - mithin so etwas politisch durchsetzbar wäre???
Es wäre aber zumindest ehrlich.
 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 21:45:15
Irgendwie versteh ich's nicht: Ihr singt alle das hohe Lied des Privateigentums, der Marktwirtschaft und der Freiheit jedes Einzelnen.
Und in der Landwirtschaft soll das auf einmal nicht gelten?

Geht mir ähnlich.


. Geht doch! ;)

Das finde ich überheblich!

Das allerdings ist beleidigend und unsachlich.

Hier gibt es engagierte junge Bauern, die etwas aus diesem Beruf machen wollen und bereit sind, andere Wege zu gehen. Conni erwähnt im Dresdener Umland bestehende Strukturen, hier sind passende Vermarktungsstrukturen im Aufbau. So muss das sein - das Vorrecht der Jungen ist es sich anders zu verhalten, "als die Alten sungen". Ich beobachte dies mit großem Interesse.

Genau das war mein Ansatz.

Die Betriebe sind hier aber bedingt durch die Historie in der Regel größer, auch die Biobetriebe. Kleinbetriebe sind  von Anfang darauf ausgelegt eine Nische zu bedienen, weil mit Neueinrichtung eines Betriebes nach der Wende auch geklärt werden musste, wie die Produkte vermarktet werden können.
Es gibt hier also z.B. kleinere Betriebe, die spezielle regionale Rinderrassen halten und die Produkte daraus selbst vermarkten oder Ziegenbauern z.B. die auf den Wochenmärkten und in sogenannten "Regionalläden" verkaufen (lassen). Entwickeln werden sich sicher auch andere Vermarktungsgemeinschaften in bestimmten Regionen, je nach den dortigen Möglichkeiten, Genossenschaften wie in Sachsen oder Ähnliches. Überlegungen dazu gibt es bereits.

...und das mein Ausgangspunkt.

Nix mit überheblich.

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 24. Juli 2017, 21:52:05
Das z.B. ist auch regional: Äpfel und Birnen, Minze und Eis ... ein Restaurant, was ausschließlich mit regionalen Spezialitäten aufwartet... und es geht:
(http://up.picr.de/29884139xn.jpg)

Wie die die Birnenscheiben a la Parmaschinken schneiden können, ist mir ein Rätsel
das geht mit einer Mandoline oder einem Trüffelhobel von Rösle.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Juli 2017, 21:55:11
Vielleicht könnte man darüber diskutieren, für den Anfang 5 % (um mal eine Zahl zunennen) dieser landwirtschaftlichen Fläche komplett aus jeder Form einer betriebswirtschaftlich hinterlegten Nutzung herauszunehmen und stattdessen ausschließlich nach Kriterien des Landschafts- und Naturschutzes zu pflegen?
Bzw. darüber diskutieren, ob das Geld dafür den Aufwand und das Ergebnis wert sind?

Notwendig im Sinne einer ausreichend Ernährung der Bevölkerung wäre dieser Flächenanteil ganz sicher nicht.
Wir hätten dann das besagte "Freilichtmuseum" mit Äckern, die nicht zur Produktion von Nahrungsmitteln dienen, Weiden, die nicht unter dem Gesichtspunkt der Viehwirtschaft genutzt werden, und Wiesen, die nicht zur Produktion von Wasweißich dienen - sondern zum Erhalt einer offenen Landschaft, die nicht primär ökonomischen Zwängen unterworfen ist.

So wie Bannwälder, in denen es nicht primär um Holznutzung geht (Ja, das ist einfacher, da muss man einfach "nichts" tun).
Finanziell leisten könnten wir uns das vermutlich - aber ob wir uns das leisten wollen - mithin so etwas politisch durchsetzbar wäre???
Es wäre aber zumindest ehrlich.
 
Klar sind auch solche Ansätze möglich! Würde wahrscheinlich auch in sich betrachtet ökologisch partiell Vorteile bringen. Und gibt es das schon (Beispiel Naturpark unteres Oderland - lohnt sich mal zu googeln)
Jetzt kommt der Gegengedanke: Wer finanziert das Ganze? Das Export-Zugpferd der BRD: Die Auto - Stahl- und Schwerindustrie? Das Dienstleistungsgewerbe? Energiekonzerne - so richtig viel ökologischer sind die auch nicht.
Die Sache ist die: Wenn der Landwirt nicht davon leben kann wird er's nicht tun. Wie also kommen wir dahin? Rein mit Geld von irgendwoher kann es nicht sein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Crambe am 24. Juli 2017, 21:56:20


. Geht doch! ;)

Das finde ich überheblich!

Das allerdings ist beleidigend und unsachlich.


Nix mit überheblich.

Ich bleibe bei meiner Aussage!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 21:57:06
das geht mit einer Mandoline oder einem Trüffelhobel von Rösl.
OT: Danke! - probiere ich aus.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 21:57:47


. Geht doch! ;)

Das finde ich überheblich!

Das allerdings ist beleidigend und unsachlich.


Nix mit überheblich.

Ich bleibe bei meiner Aussage!

Meinetwegen, Gedanken sind (noch) frei.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 24. Juli 2017, 22:09:29
Danke dmks fürs klarstellen, worum es hier eigentlich geht. Jetzt hat wohl jeder genug Luft über seinen Nachbarn abgelassen, jetzt wollen wir mal bei ihm klingeln und ihn kennenlernen.

Vielleicht könnte man darüber diskutieren, für den Anfang 5 % (um mal eine Zahl zunennen) dieser landwirtschaftlichen Fläche komplett aus jeder Form einer betriebswirtschaftlich hinterlegten Nutzung herauszunehmen und stattdessen ausschließlich nach Kriterien des Landschafts- und Naturschutzes zu pflegen?
Bzw. darüber diskutieren, ob das Geld dafür den Aufwand und das Ergebnis wert sind?
Gibt es noch kompetente Ansprechpartner was Landschafts- und Naturschutz angeht?
Das Rad muss ja neu erfunden werden, die Bedienungen haben sich ja geändert. Für den Nebeneffekt der Plaggenwirtschaft ist zuviel Stickstoff da.
Die Bauern konnten die Entwicklung in der Landschaft ja verfolgen, kennen die Zusammenhänge, Yuppie-Naturschützer haben diese Kompetenz meist nicht, die anderen sind oftmals zu akademisch und haben enorme Nachwuchsprobleme. 

Wieviel wird eigentlich an Naturschutzverbände gespendet und würde dieses Geld ausreichen, um Großbetriebe dafür zu entlohnen?
Mit Kleinbetrieben würde ich ungern langfristig planen. 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Crambe am 24. Juli 2017, 22:11:04


. Geht doch! ;)


Das finde ich überheblich!

Das allerdings ist beleidigend und unsachlich.


Nix mit überheblich.

Ich bleibe bei meiner Aussage!

Meinetwegen, Gedanken sind (noch) frei.
Wer sollte sie beschränken?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 24. Juli 2017, 22:16:27
...

Vielleicht könnte man darüber diskutieren, für den Anfang 5 % (um mal eine Zahl zunennen) dieser landwirtschaftlichen Fläche komplett aus jeder Form einer betriebswirtschaftlich hinterlegten Nutzung herauszunehmen und stattdessen ausschließlich nach Kriterien des Landschafts- und Naturschutzes zu pflegen?
Bzw. darüber diskutieren, ob das Geld dafür den Aufwand und das Ergebnis wert sind?
Gibt es noch kompetente Ansprechpartner was Landschafts- und Naturschutz angeht?
Das Rad muss ja neu erfunden werden, die Bedienungen haben sich ja geändert. Für den Nebeneffekt der Plaggenwirtschaft ist zuviel Stickstoff da.
Die Bauern konnten die Entwicklung in der Landschaft ja verfolgen, kennen die Zusammenhänge, Yuppie-Naturschützer haben diese Kompetenz meist nicht, die anderen sind oftmals zu akademisch ...

Das ist genau der Kübel voll Klischees, mit denen im Kopf Du Deinen Naturschutznachbarn nicht näher kennenlernen wirst. Du glaubst ja, schon alles über ihn zu wissen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Katrin am 24. Juli 2017, 22:16:43
...und würde dieses Geld ausreichen, um Großbetriebe dafür zu entlohnen?

Ich kenne nur die Daten für existierende Projekte: Die offizielle Landesförderung für "wertvolle Flächen" bei passender Bearbeitung (Bedingungen hier) liegt bei uns bei maximal € 872 / Jahr und Hektar.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 24. Juli 2017, 22:18:56
Die EU-Agrarsubventionen an Deutschland beliefen sich 2016 auf etwa 6,5 Milliarden Euro. Davon 5 % wären gut 300 Millionen Euro - ich vermute, der (behördliche) Naturschutz wäre froh, über solche Summen zu verfügen.

...

Vielleicht könnte man darüber diskutieren, für den Anfang 5 % (um mal eine Zahl zunennen) dieser landwirtschaftlichen Fläche komplett aus jeder Form einer betriebswirtschaftlich hinterlegten Nutzung herauszunehmen und stattdessen ausschließlich nach Kriterien des Landschafts- und Naturschutzes zu pflegen?
Bzw. darüber diskutieren, ob das Geld dafür den Aufwand und das Ergebnis wert sind?
Gibt es noch kompetente Ansprechpartner was Landschafts- und Naturschutz angeht?
Das Rad muss ja neu erfunden werden, die Bedienungen haben sich ja geändert. Für den Nebeneffekt der Plaggenwirtschaft ist zuviel Stickstoff da.
Die Bauern konnten die Entwicklung in der Landschaft ja verfolgen, kennen die Zusammenhänge, Yuppie-Naturschützer haben diese Kompetenz meist nicht, die anderen sind oftmals zu akademisch ...

Das ist genau der Kübel voll Klischees, mit denen im Kopf Du Deinen Naturschutznachbarn nicht näher kennenlernen wirst. Du glaubst ja, schon alles über ihn zu wissen.

*Sucht einen zustimmend nickenden Smiley.*

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 24. Juli 2017, 22:23:54
Ich denke, Geld ist da, es muß nur anders verteilt werden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 24. Juli 2017, 22:26:14
Lerchenzorn, ich bin durchaus im nicht behördlichen Naturschutz aktiv. Ich kenne zumindest die regionalen hier bzw die akademischen mit einem weiteren Wirkungskreis.
Ich habe da mMn genug Luft geschnuppert um grob beurteilen zu können.

In der Regel werden die auch von denen, die Fleischverzicht usw predigen/leben leider öfters belächelt. Wen interessiert schon die Blaue Ödlandschrecke und wer würde dafür auf wieviel verzichten?

Naturschutz hat nichts mit Anti-Kleinbäuerlicher-Landwirtschaftskampagnen zu tun.

Katrin, sind wir mit dem Ergebnis zufrieden? Sind das nicht die Flächen mit dem vielen Jakobskreuzkraut, mal ketzerisch gesprochen?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 22:26:39
Ich denke, Geld ist da, es muß nur anders verteilt werden.

Dazu müsste es diese geben:
Hier gibt es engagierte junge Bauern, die etwas aus diesem Beruf machen wollen und bereit sind, andere Wege zu gehen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Katrin am 24. Juli 2017, 22:34:42
Katrin, sind wir mit dem Ergebnis zufrieden? Sind das nicht die Flächen mit dem vielen Jakobskreuzkraut, mal ketzerisch gesprochen?

Ich kenne hier nur die Bergwiesen, da klappt das bestens (Homepage unseres Vereins).

Wer astronomisch hohe Direktzahlungen der EU an Landwirte rausfinden will, kann das übrigens einfach tun:
Empfänger EU-Agrarfonds (Deutschland)
Empfänger Österreich (einfachere Bedienung der Homepage)

Einfach eigenen Ort eingeben, Namen oder auch nur "<" 500 000 € eingeben und staunen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Juli 2017, 22:39:42

Dazu müsste es diese geben:
Hier gibt es engagierte junge Bauern, die etwas aus diesem Beruf machen wollen und bereit sind, andere Wege zu gehen.
Es gibt auch alteingesessene Betriebe, die dazu bereit sind.
Beispiel Energieholz nicht als Plantage, sondern in Zusammenarbeit mit der Uni als als Forschungsprojekt in Erosionsschutzstreifen auf den Feldern.

http://agroforst-info.de/portfolio-item/agrargenossenschaft-forst/
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 24. Juli 2017, 22:42:55
in Zusammenarbeit mit der Uni als als Forschungsprojekt in Erosionsschutzstreifen auf den Feldern.

http://agroforst-info.de/portfolio-item/agrargenossenschaft-forst/

Das sieht richtig gut aus :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Selene10 am 24. Juli 2017, 22:49:07
In Mals im Vinschgau hat die örtliche Bevölkerung darüber abgestimmt, ob weiterhin Pestizide auf dem Areal der Gemeinde ausgebracht werden sollen oder nicht.
75% der Stimmberechtigten haben sich dagegen ausgesprochen, siehe z.B. Artikel im der Zürcher Zeitung "Biolandwirtschat im Südtirol - ein Dorf kämpft gegen die Agrochemie" (kann keinen Link setzen)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Juli 2017, 22:50:36
in Zusammenarbeit mit der Uni als als Forschungsprojekt in Erosionsschutzstreifen auf den Feldern.

http://agroforst-info.de/portfolio-item/agrargenossenschaft-forst/

Das sieht richtig gut aus :D
Diese Gehölzstreifen haben auch noch einen Wildkräuterbelassenen Randstreifen und sind Ruhezone fürs Rehwild. Inzwischen stehen sie bald zum zweiten Schnitt an. im unteren grün hinterlegten Teil ist die Landschaft großflächig zu sehen...was da im Hintergrund Wolken macht ist Verbrennung von Tagebaukohle in einem konventionellen Kraftwerk. Den Bauern hier geht es durchaus um mehr! Die Tagebaue "fressen" ihre Produktionsflächen. Nur für Strom - da sind mir Holzanbau oder Mais durchaus lieber.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 24. Juli 2017, 22:53:10
In Mals im Vinschgau hat die örtliche Bevölkerung darüber abgestimmt, ob weiterhin Pestizide auf dem Areal der Gemeinde ausgebracht werden sollen oder nicht.
75% der Stimmberechtigten haben sich dagegen ausgesprochen, siehe z.B. Artikel im der Zürcher Zeitung "Biolandwirtschat im Südtirol - ein Dorf kämpft gegen die Agrochemie" (kann keinen Link setzen)

Hat der Verstand abgestimmt oder das Bauchgefühl?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 24. Juli 2017, 22:53:48
5000€ Greeningprämie für meine Postleitzahl.

Tolle Bergwiesen unterhält ihr.
Hier im Ort kann man eher diverse Brombeerarten auf den `Große Naturschutzorganisation-Flächen´ bestimmen. Außerhalb ist diese Exkursion allerdings spannender. Es fehlen die Pfleger, das ist dann doch was anderes als finanziell unterstützen.

Die Pflanzenschutzindustrie hat hier diverse Varianten von Blühstreifen/Wiesen als Demo für die vielen Spaziergänger angelegt. Toll fürs Auge, für den Naturschutz nicht das gelbe vom Ei.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 24. Juli 2017, 22:54:53
In Mals im Vinschgau hat die örtliche Bevölkerung darüber abgestimmt, ob weiterhin Pestizide auf dem Areal der Gemeinde ausgebracht werden sollen oder nicht.
75% der Stimmberechtigten haben sich dagegen ausgesprochen, siehe z.B. Artikel im der Zürcher Zeitung "Biolandwirtschat im Südtirol - ein Dorf kämpft gegen die Agrochemie" (kann keinen Link setzen)

Hat der Verstand abgestimmt oder das Bauchgefühl?
Mich würde es interessieren, was der Ortsvorsteher nach 3 Jahren darüber berichten kann. Im Schwimmbad unter Eichenprozessionsspinnern Sonne baden ist nicht lustig.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Selene10 am 24. Juli 2017, 23:10:22

[/quote]Mich würde es interessieren, was der Ortsvorsteher nach 3 Jahren darüber berichten kann. Im Schwimmbad unter Eichenprozessionsspinnern Sonne baden ist nicht lustig.
[/ quote]
Der Eichenprozessiosspinner wird im Vinschgau mit dem Bacillus thuringensis bekämpft.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 24. Juli 2017, 23:30:17
Wohl auch ein amtlich geprüftes Pestizid der Agrarindustrie.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Juli 2017, 23:55:07
Biologischer Pflanzenschutz. (Hab mal 'ne Weile Gemüsebau gemacht) ;)
Raubmilben, Bacillus thuringensis , Marienkäfer, Schwebfliegenlarven und noch viele weitere sind da ganz stark im Einsatz.
Ohne chemische Mittel geht es dennoch nicht. Wobei Nützligsschonung im Interesse des Betreibers liegt. Ist dann immer ein Drahtseilakt/ eine Frage der Schadschwelle.

Zur Bestäubung im Gewächshaus werden Hummelvölker eingesetzt - mit dem positiven Nebeneffekt, daß sie nach getaner Arbeit in die Umgebung entweichen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Selene10 am 25. Juli 2017, 05:37:26
In Mals im Vinschgau hat die örtliche Bevölkerung darüber abgestimmt, ob weiterhin Pestizide auf dem Areal der Gemeinde ausgebracht werden sollen oder nicht.
75% der Stimmberechtigten haben sich dagegen ausgesprochen, siehe z.B. Artikel im der Zürcher Zeitung "Biolandwirtschat im Südtirol - ein Dorf kämpft gegen die Agrochemie" (kann keinen Link setzen)


Hat der Verstand abgestimmt oder das Bauchgefühl?

Ich denke, sowohl konventionell arbeitende Bauern als auch Biobauern haben sich vor der Abstimmung ins Zeug gelegt, um ihre Mitbürger zu informieren.
Ich finde diese Initiative bemerkenswert, unabhängig davon, wie sie ausgegangen ist, weil die Bewohner entschieden haben, was auf ihrem Terrirorium gemacht bzw. unterlassen werden soll.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 25. Juli 2017, 08:15:30
Ich finde derartige Abstimmungen populistisch.
Man könnte auch darüber abstimmen, ob man im Winter auf Streusalz auf Straßen und Gehwegen verzichtet, hierzulande wird munter gestreut, von privat und von Gemeinde und Landkreis - in der Oberrheinebene, wohlgemerkt, nicht im Gebirge.
Ich bin mir aber recht sicher, wie die Abstimmung ausfiele.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: partisanengärtner am 25. Juli 2017, 08:20:49
Biologischer Pflanzenschutz. (Hab mal 'ne Weile Gemüsebau gemacht) ;)
Raubmilben, Bacillus thuringensis , Marienkäfer, Schwebfliegenlarven und noch viele weitere sind da ganz stark im Einsatz.
Ohne chemische Mittel geht es dennoch nicht. Wobei Nützligsschonung im Interesse des Betreibers liegt. Ist dann immer ein Drahtseilakt/ eine Frage der Schadschwelle.

Zur Bestäubung im Gewächshaus werden Hummelvölker eingesetzt - mit dem positiven Nebeneffekt, daß sie nach getaner Arbeit in die Umgebung entweichen.

Das Entweichen ist leider eine Gefahr für die natürlichen Bestände. Krankheiten und genetische Fehlanpassungen durch die Zuchtbedingungen  haben da ähnliche Auswirkungen wie Farmlachse auf die natürlichen Bestände.
Sie sind nun mal genetisch viel weniger divers und verdrängen vermutlich auch seltnere Arten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 25. Juli 2017, 18:55:34
Eine Wiese am Waldrand, 25 m breit 150 lang, inmitten seit 30 Jahren eine sehr tiefe, unübersehbare Senke mit Wasserstand bis zu 50 cm (10 m breit/50 m lang). Das letzte, einzige Jahr gab es kein Wasser dort. Die Wiese wurde in den 30 Jahren einmal p.a. gemäht. Seit 2 Jahren hat man dort auch einen Hochstand errichtet für die Freizeit/Urlaubsjäger.

In diesem Jahr wurde dort Mais angebaut - warum, frage ich mich. Mittlerweile ist der Mais logischerweise abgesoffen.
Warum müssen solche Miniflächen bewirtschaftet werden... und dann noch voraussehbar komplett uneffektiv?, wenn eh von allem zu viel da ist und die Preise fallen, den Lohn nicht mehr decken? Fördergelder für Unwetterschäden bei Ernte? Geht sowas nach Fläche?

Das ist eine echte Frage... ich will niemanden provozieren. Sowas allerdings leuchtet nicht ein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 25. Juli 2017, 21:14:22


Das Entweichen ist leider eine Gefahr für die natürlichen Bestände. Krankheiten und genetische Fehlanpassungen durch die Zuchtbedingungen  haben da ähnliche Auswirkungen wie Farmlachse auf die natürlichen Bestände.
Sie sind nun mal genetisch viel weniger divers und verdrängen vermutlich auch seltnere Arten.


Verwendet wird Bombus magnus - Große Erdhummel. Weit verbreitetes heimisches Insekt. Solche Hummelvölker werden auch gern von Biobetrieben und alternativen Kleingärtnern gekauft.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rüttelplatte am 25. Juli 2017, 21:18:34
Eine Wiese am Waldrand, 25 m breit 150 lang, inmitten seit 30 Jahren eine sehr tiefe, unübersehbare Senke mit Wasserstand bis zu 50 cm (10 m breit/50 m lang). Das letzte, einzige Jahr gab es kein Wasser dort. Die Wiese wurde in den 30 Jahren einmal p.a. gemäht. Seit 2 Jahren hat man dort auch einen Hochstand errichtet für die Freizeit/Urlaubsjäger.

In diesem Jahr wurde dort Mais angebaut - warum, frage ich mich. Mittlerweile ist der Mais logischerweise abgesoffen.
Warum müssen solche Miniflächen bewirtschaftet werden... und dann noch voraussehbar komplett uneffektiv?, wenn eh von allem zu viel da ist und die Preise fallen, den Lohn nicht mehr decken? Fördergelder für Unwetterschäden bei Ernte? Geht sowas nach Fläche?

Das ist eine echte Frage... ich will niemanden provozieren. Sowas allerdings leuchtet nicht ein.
Ich vermute mal das der Mais als Lockfutter für Wildschweine angebaut wurde.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 25. Juli 2017, 21:20:46
Eine Wiese am Waldrand, 25 m breit 150 lang, inmitten seit 30 Jahren eine sehr tiefe, unübersehbare Senke mit Wasserstand bis zu 50 cm (10 m breit/50 m lang). Das letzte, einzige Jahr gab es kein Wasser dort. Die Wiese wurde in den 30 Jahren einmal p.a. gemäht. Seit 2 Jahren hat man dort auch einen Hochstand errichtet für die Freizeit/Urlaubsjäger.

In diesem Jahr wurde dort Mais angebaut - warum, frage ich mich. Mittlerweile ist der Mais logischerweise abgesoffen.
Warum müssen solche Miniflächen bewirtschaftet werden... und dann noch voraussehbar komplett uneffektiv?, wenn eh von allem zu viel da ist und die Preise fallen, den Lohn nicht mehr decken? Fördergelder für Unwetterschäden bei Ernte? Geht sowas nach Fläche?

Das ist eine echte Frage... ich will niemanden provozieren. Sowas allerdings leuchtet nicht ein.

Es gibt eine "Greening-Verpflichtung", dadurch ist geregelt daß  Dauergrünland nicht umgepflügt werden darf.
Ausgenommen von diesem Gesetz sind Betriebe die keine Förderung erhalten ...und Ökolandbaubetriebe 8)
Wer also konventionell arbeitet oder Förderungen in Anspruch nimmt darf das beispielsweise nicht.
Der Sinn dieser Ausnahmen - daß gerade Ökolandbau es darf bleibt mir verschlossen.

Achja - natürlich die Quelle:
http://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/gruenlandumbruch#textpart-1
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 25. Juli 2017, 22:18:32
Das ist eine echte Frage... ich will niemanden provozieren. Sowas allerdings leuchtet nicht ein.
Ich vermute mal das der Mais als Lockfutter für Wildschweine angebaut wurde.
[/quote]

Na prima, bis jetzt waren die Biester noch nicht im Dorf.
Tolle Einladung 8) ;D ;D ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 25. Juli 2017, 22:21:23
Es gibt eine "Greening-Verpflichtung", dadurch ist geregelt daß  Dauergrünland nicht umgepflügt werden darf.

Es könnte allerdings sein, dass die Fläche zum privaten Wald daneben gehört. Dann darf der Besitzer vermutlich damit machen, was er will. Mais dann als Lockmittel, damit die Urlaubsjäger auch nen Braten haben  :D... kennt man irgendwoher.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 25. Juli 2017, 22:30:30
Auch Wildfütterungsflächen unterliegen gesetzlichen Bestimmungen, in denen Worte wie "wahrscheinlich", "vermutlich", "kann sein" nicht vorkommen ;)
Darüber hinaus ist entsprechend vorgeschrieben womit zur Wildfütterung begrünt werden darf.

Mal Beispiele typischer Mischungen:
http://meiners-saaten.de/files/ym-1120rsp-bp-files/ym-1120rsp-bp-content/downloads/BGruen%202017/Bl%C3%BCh-%20und%20Wildacker-%20Mischungen.pdf
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Quendula am 25. Juli 2017, 22:43:40
OT:
damit die Urlaubsjäger auch nen Braten haben  :D...

__ :D__
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 25. Juli 2017, 23:50:38
Hier in Brandenburg gibt es so viele Wildschweine daß Frischlinge, Überläufer und Keiler ganzjährig bejagt werden. Lediglich Bachen genießen eine etwas mehr als sechsmonatige Schonzeit.
Die Jäger geben sich alle Mühe (über 70.000 erlegte Tiere im letzten Jahr) - aber dieser Schweinemassen werden sie nicht Her und so gibt es Wildschweinfleisch direkt vom Jäger zu sehr günstigen Preisen.  :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 25. Juli 2017, 23:53:04
Hier in Brandenburg gibt es so viele Wildschweine daß Frischlinge, Überläufer und Keiler ganzjährig bejagt werden. Lediglich Bachen genießen eine etwas mehr als sechsmonatige Schonzeit.
Die Jäger geben sich alle Mühe (über 70.000 erlegte Tiere im letzten Jahr) - aber dieser Schweinemassen werden sie nicht Her und so gibt es Wildschweinfleisch direkt vom Jäger zu sehr günstigen Preisen.  :D

Hier auch, ich habe mindestens 6 Schweineschädel auf dem Grundstück als Deko - von "unseren" Wildschweinen am Spieß gedreht über offenem Feuer.
Warum müssen diese Massen dann noch zusätzlich angefüttert werden?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 25. Juli 2017, 23:58:55
An speziellen Plätzen - um dort schießen zu können. Für Schäden an den Feldbeständen der Landwirte zahlen die Jagdvereine. Sie arbeiten gut zusammen - insbesondere bei der Ernte, wenn beispielsweise Mais abgeerntet wird sind auch die Jäger da.
Nur 8) so ein Schwein ist nicht dumm! Und daher der ganze Aufwand oftmals vergeblich...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 26. Juli 2017, 00:00:05
Danke!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 26. Juli 2017, 00:09:33
Aber so ist es doch auch ganz hübsch :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Amur am 26. Juli 2017, 06:58:44
Jagdvereine dürfen in D meines Wissens keine Jagd pachten, das war mal zu DDR Zeiten. Heut nur "richtige" Personen. D. h. da muss einer ganz persönlich für den entstandenen Schaden einstehen.

Um bessere Gelegenheiten zu bekommen ab und zu mal eine zu erwischen mögen manche etwas Mais anpflanzen und stehen lassen und dort im Winter dann ansitzen und eine Wildsau zu schiessen.
Wobei das bei vorhandenen Maisfeldern mit Schäden meist überflüssig ist. Die Schadensflächen sind durch den untergepflügten Mais den der Häcksler/Drescher nicht mehr erreichen konnte den ganzen Winter über interessant und werden von den Wildschweinen heimgesucht. Die darauf angebaute Folgefrucht dadurch oft nochmal stark geschädigt und die Bearbeitung durch den Landwirt durch die oft tiefen Krater deutlich erschwert.

Wobei zumindest bei uns Jagden die fast nur aus landwirtschaftlicher Fläche bestehen, kaum mehr zu verpachten sind, da es da nur Wildschaden durch Wildschweine gibt ohne wirklich gut Jagen zu können.
Die kommen nur bei Dunkelheit aus den angrenzenden Wälder oder liegen tagsüber in den Maisäckern oder Rapsäckern und sind so für den Jäger nicht erreichbar.
Ist halt reine Schädlingsbekämpfung mit dem Risiko dass man eine Menge für die Schäden der Schädlinge zahlen muß.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 26. Juli 2017, 10:26:38
Auch Wildfütterungsflächen unterliegen gesetzlichen Bestimmungen, in denen Worte wie "wahrscheinlich", "vermutlich", "kann sein" nicht vorkommen ;)

Es ist nicht klar, ob dies eine Wildfütterungsfläche ist. In jedem Fall war diese Fläche 30 Jahre oder wesentlich länger eine Wiese mit tiefer Senke und Wasser drin, im Winter für Kinder zum Eislaufen o.ä. Jetzt wird sie bewirtschaftet mit Mais, der fast komplett abgesoffen ist am Waldrand. Da macht man sich eben seine Gedanken.
Ich wollte eben mal interessehalber im Amt anrufen - Mittwoch geschlossen.
Gerade erinnere ich, dass es in diesem kleinen Gewässer auch in MV stark bedrohte Arten wie Laubfrosch und Kammmolch gab.
Insofern sollte ich wirklich mal entsprechende Behörden kontaktieren.
Hieße: Kammmolch vs. Wildschweinfütterung oder uneffektiver Maisernte ::)
 
Die Ländereien im Umfeld sind bestimmten Jägern/Förstern aus dem Umland zugeteilt. Und es werden Gäste eingeladen, auch aus anderen europäischen Ländern zum Jagen - eben in deren Urlaub.

Ich weiß nicht, ob Fischer auch zur "Landwirtschaft" gehören. Der See bzw. das Moor (Naturschutzgebiet für Vögel hauptsächlich) - auch der wurde nie "bewirtschaftet", bis nun ein Fischer dort arbeitet ( selten physisch sichtbar..., dafür tiefe Allradspuren am See ). Immerhin kann man dann im Winter durch das Eis sehen, dass er seine vollen Netze vergessen hat... und die Fische darin tot sind.
Auch darüber macht man sich so seine Gedanken - betrifft eben auch Kulturlandschaft/Schutzgebiete/angrenzende Nachbarn etc. etc.

("In den Seen bestehen Beeinträchtigungen durch die Reusenfischerei, die ohne Vorrichtungen zum Otterschutz
eingesetzt werden („C“). Nach Aussage des Fischereibetriebes traten hierdurch bisher keine Fischotterverluste
auf." zit. aus Managementplan fur das FFH-Gebiet DE 2234-302 )
...wers glaubt...



Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 26. Juli 2017, 21:50:50
[Ich weiß nicht, ob Fischer auch zur "Landwirtschaft" gehören. Der See bzw. das Moor (Naturschutzgebiet für Vögel hauptsächlich) - auch der wurde nie "bewirtschaftet", bis nun ein Fischer dort arbeitet ( selten physisch sichtbar..., dafür tiefe Allradspuren am See ).

Binnenfischerei und Aquakulturen unterstehen dem Landwirtschaftsministerium.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 27. Juli 2017, 08:37:33
Hühnerkram
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 27. Juli 2017, 19:15:26
Hühnerkram

Kann man den Text irgendwie lesbar machen ohne sich zu registrieren?

Ich bin ein Fan dieser Haltungsart! Neben ökologischen Faktoren spielen da soviele geniale Ideen - von Ruhe- und Legebereich im Ober- und Scharraum für Schlechtwetter im Untergeschoß bis Kotband (sozusagen ein ganzflächiges Förderband) zum Ausmisten.
Und die Möglichkeit Weideflächen auch im etwas größeren Umfang zu pflegen. (nutze selbst die Hühner winters dafür die Wiesenfläche zu bearbeiten - das ist allerdings ein etwas kleineres "Feld". Macht sich aber unheimlich bemerkbar! Sie fressen bzw zerscharren Weideunkräuter und fressen jede Menge Schädlinge, gegen die sonst auf Weiden chemisch oder teuer per Nematoden vorgegangen werden muß.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 27. Juli 2017, 21:58:56
Hab dann dochmal eingeloggt und gelesen - Es lohnt sich!
Aber was mir als erstes dazu einfällt ist ein Link den der Staudo hier mal unter einem anderen Thema 'reingesetzt hat:

http://gutenberg.spiegel.de/buch/matthias-claudius-gedichte-5209/32


Wobei das hier eigentlich genehmigungsfrei ist (ob in allen Bundesländern weiß ich nicht - Text-Beispiel aus Niedersachsen):

"Gebäude mit nicht mehr als 100 m² Grundfläche und 5 m Höhe, die keine Feuerstätte
haben und einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb oder einem Betrieb der gartenbaulichen
Erzeugung dienen und nur zum vorübergehenden Schutz von Tieren oder zur
Unterbringung von Erzeugnissen dieser Betriebe bestimmt sind,"
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 28. Juli 2017, 22:01:12
Hier rollen gerade die Mähdrescher (Raps), nachdem sie den ganzen Tag gespritzt hatten. Ein Sikkationsmittel nehme ich mal an, Glyphosat möglicherweise?
Freundlicherweise fingen sie um 20 Uhr an, da war ich gerade aus dem Garten herein. Ich hoffe sehr, dass sie über Nacht fertig werden (jedenfalls hier in Siedlungsnähe).
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 28. Juli 2017, 22:02:43
Am Tag gespritzt und am Abend gemäht ??? Was soll das?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hargrand am 28. Juli 2017, 22:06:23
Es heißt dreschen. Dreschen!! ;D

Das kann doch nicht so schwer sein!  ;)

Das wundert mich Rosarot. Wenns wirklich am gleichen Tag auf dem gleichen Acker war gibt das eigentlich keinen Sinn. ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 28. Juli 2017, 22:09:48
Es heißt dreschen. Dreschen!! ;D

Vor dem Dreschen wird gemäht!  >:(
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 28. Juli 2017, 22:11:05
Das haben wir uns auch sehr verblüfft gefragt eben am Abendbrotstisch.
Der Bauer unseres Vertrauens ist leider gerade weit weg und nicht erreichbar, sonst hätte ich den gefragt.

Ah, die Jäger sind auch da... (hoffentlich nicht gerade das Bambi, was bei uns wohnt...und eben unten herumspazierte...)...gestern gruzten hier unten noch sehr muntere Schweinchen, außerdem
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 28. Juli 2017, 22:13:30
Es heißt dreschen. Dreschen!! ;D

Vor dem Dreschen wird gemäht!  >:(

Nein - geschnitten!  ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 28. Juli 2017, 22:15:11
Die Wartezeiten bei der Sikkation betragen zwischen 5 bis 14 Tage.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 28. Juli 2017, 22:19:25
Hier sagt man jedenfalls mähen und meint damit den Vorgang der Ernte.

Ja, nochmal, heute vormittag gespritzt, ab 11 Uhr und ab 20 Uhr gemäht. mit den Mähdreschern drüber, wobei seltsamerweise keine Trecker (mit Anhänger) fahren. Die bunkern offenbar alles in der Claasse Bauch. Es ist mir absolut schleierhaft was da passiert. Bis gestern hats ja hier noch geregnet, gestern abend noch mal 2 mm. Oder geben sie gerade die ganze Ernte auf???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 28. Juli 2017, 22:19:59
Bei uns liegt der Weizen flach und wird grad schwarz - da ist es wohl fast egal, ob gemäht, geschnitten oder gepflügt ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 28. Juli 2017, 22:22:51
Es könnte sein, daß er das Ganze einfach nur "hinten raus bläst" um den Acker möglichst schnell neu zu bestellen, da die Ernte hin ist. :-\
Solche Bestände nennt man "nicht erntewürdig" - heißt jegliche Einbringung, und sei es in Biogasanlagen wäre teurer als einfach auf dem Feld zu Schreddern.

Bei uns liegt der Weizen flach und wird grad schwarz - da ist es wohl fast egal, ob gemäht, geschnitten oder gepflügt ;D

Für den Landwirt ist's ein Unterschied von ein paar (zehn)Tausendern....
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 28. Juli 2017, 22:25:45
Vermutlich, es kommt nämlich hinten sehr viel raus, unüblich viel. Nur was haben sie dann heute früh drauf gehauen???
(Auf dem Schlag hier sind drei Äcker. Zwei davon sehen immer gut aus, einer nicht... :P, drei verschiedene Bauern.)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 28. Juli 2017, 22:29:57
Vielleicht haben sie doch noch Glyphosat gespritzt, in der Hoffnung, dass das Mittel bis zur Mahd in den Wurzeln ist. So richtig sinnvoll erscheint mir das trotzdem nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 28. Juli 2017, 22:34:09
Wäre in dem Fall nach der Aktion jedenfalls sinnvoller. Ausserdem muss es ja nicht Glyphosat gewesen sein. Ich denke mal das wirkt viel zu langsam.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 28. Juli 2017, 22:39:09
Nein, es kann natürlich auch etwas anderes gewesen sein, aber alle (Sikkations)Mittel verlangen eine Wartezeit.

Eben ist doch noch ein Trecker aufgetaucht mit Hängern- also wird nicht für die Katz gedroschen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Natternkopf am 28. Juli 2017, 22:39:24
Die haben doch EM gespritzt.  ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 29. Juli 2017, 09:03:15
Vielleicht haben sie ihn auch nur angefeuchtet? - weil Raps wenn er zu trocken ist "wegspringt".
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 29. Juli 2017, 09:30:46
Das könnte es sein!

Es heißt dreschen. Dreschen!! ;D

Vor dem Dreschen wird gemäht!  >:(

Eben - schließlich heißt das Teil ja auch Mähdrescher.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: partisanengärtner am 29. Juli 2017, 19:42:51


Das Entweichen ist leider eine Gefahr für die natürlichen Bestände. Krankheiten und genetische Fehlanpassungen durch die Zuchtbedingungen  haben da ähnliche Auswirkungen wie Farmlachse auf die natürlichen Bestände.
Sie sind nun mal genetisch viel weniger divers und verdrängen vermutlich auch seltnere Arten.


Verwendet wird Bombus magnus - Große Erdhummel. Weit verbreitetes heimisches Insekt. Solche Hummelvölker werden auch gern von Biobetrieben und alternativen Kleingärtnern gekauft.

http://www.das-hummelhaus.de/warum-keine-hummelvoelker-kaufen

Das ist gut gemeint aber wie jeder weiss eben als großtechnische Geschichte ähnlich sinnvoll wie wiele andere tolle Lösungen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: neo am 29. Juli 2017, 21:43:13
großtechnische Geschichte

Ich nehme das Stichwort von meinem Vorschreiber weil es grade zu diesem Artikel passt.
Milchwirtschaft in den beschriebenen Dimensionen kenne ich nicht und bin mir auch bewusst, dass nicht alle Milchwirtschaftsbetriebe in Deutschland so funktionieren. Aber Teil der heutigen Landwirschaft (in D) scheinen sie zu sein.
http://www.geo.de/natur/tierwelt/2338-rtkl-landwirtschaft-das-system-kuh
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 29. Juli 2017, 21:58:25
großtechnische Geschichte

Ich nehme das Stichwort von meinem Vorschreiber weil es grade zu diesem Artikel passt.
Milchwirtschaft in den beschriebenen Dimensionen kenne ich nicht und bin mir auch bewusst, dass nicht alle Milchwirtschaftsbetriebe in Deutschland so funktionieren. Aber Teil der heutigen Landwirschaft (in D) scheinen sie zu sein.
http://www.geo.de/natur/tierwelt/2338-rtkl-landwirtschaft-das-system-kuh

Es braucht Kunden, die so produziertes 'Zeug' kaufen und trinken - offenbar ist das vielen in Deutschland völlig gleichgültig (siehe auch 'deutsches Masthähnchen'). Den Geschmack qualitativ hochwertiger Milch kennt man anscheinend nicht - daher wird nicht verglichen und gekauft, was billig ist.

Mir graust immer, wenn ich die Zutatenliste auf den Produkten des deutschen Milchprodukte-Produzenten D...a...n... etc. lese - weshalb isst man so etwas überhaupt? Es wird verdickt, stabilisiert, gefärbt und aromatisiert was das Zeug hält, wohl weil die bescheidene Qualität kaschiert werden muß?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 29. Juli 2017, 22:15:17
Was die Lebensmittelindustrie aus den natürlichen Nahrungsmitteln der Landwirte macht hat mit Landwirtschaft eigentlich nichts zu tun. Das ist Lebensmitteltechnologie.
Die Zutatenliste ist doch recht eindeutig lesbar, wer Wert auf Zutaten legt, kann doch frei einkaufen.

Was mir nicht klar wird beim Milchartikel auf geo ist, was er aussagen soll.
Das Managment wird komplizierter, je weniger Ressourcen dafür verschwendet werden? Deswegen brauchts eine noch bessere Ausbildung/Spezialisierung?
So wie auch Weizenfelder mit N-Blatt-Sensor gedüngt werden?
Wer immer lauter nach Nachhaltigkeit schreit, darf sich nicht wundern, wenn die Technik immer komplexer wird und man als Aussenstehender mit einem Blick nicht mehr viel davon versteht.

Die Vergangenheit lehrt uns doch, dass je mehr Verbraucherschutz und Umweltschutz gefordert wurde, desto weniger Kleinbauern gabs.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 29. Juli 2017, 22:20:00
Hier gibt es einen Einblick in die Landwirtschaft Ostdeutschlands. Der vorgestellte Betrieb ist mit seinen 5900 Hektar übrigens der größte im Landkreis, nicht alle sind so riesig.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 29. Juli 2017, 22:29:39
Danke für den Einblick.
Frage wegen Düngeverordnung und zum hohen Proteingehalt im Backweizen:

fordern den die Abnehmer, also Bäcker, weil sie bei geringen Eiweißgehalten mit ihren Maschinen nicht mehr klarkommen und mehr Handwerk für sie zu teuer wäre?

Oder gehts da mehr ums Bestehen auf dem Weltmarkt, Qualitätsweizen für den Export aus der gemäßigten Zone Mitteleuropas, einem Gebiet der Erde, wo Qualitätsweizen wachsen kann?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 29. Juli 2017, 22:35:21
Für Brotweizen gibt es deutlich mehr Geld als für Futterweizen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 29. Juli 2017, 22:41:28


Das Entweichen ist leider eine Gefahr für die natürlichen Bestände. Krankheiten und genetische Fehlanpassungen durch die Zuchtbedingungen  haben da ähnliche Auswirkungen wie Farmlachse auf die natürlichen Bestände.
Sie sind nun mal genetisch viel weniger divers und verdrängen vermutlich auch seltnere Arten.


Verwendet wird Bombus magnus - Große Erdhummel. Weit verbreitetes heimisches Insekt. Solche Hummelvölker werden auch gern von Biobetrieben und alternativen Kleingärtnern gekauft.

http://www.das-hummelhaus.de/warum-keine-hummelvoelker-kaufen

Das ist gut gemeint aber wie jeder weiss eben als großtechnische Geschichte ähnlich sinnvoll wie wiele andere tolle Lösungen.

Ich muß nochmal kurz unterbrechen - und auf das alte Thema zurück: Die Hummeln werden nicht aus gutem Willen oder falsch verstandenem Naturschutz eingesetzt, und natürlich kann man jede Technologie kleinreden... Fakt bleibt aber, daß ich beispielsweise Tomaten im Gewächshaus irgendwie bestäuben muß!
Und da ist mir ein heimisches Insekt doch viel lieber als weltweit kreuz und quer verschickte Arten, wie das im biologischen Pflanzenschutz beispielsweise üblich ist! (asiatische Marienkäfer, Nematoden und Milben aus Israel....) Oder Honigbienen - die funktionieren nur in insektendicht gemachten Häusern (sonst fliegen sie halt raus und sammeln wo es mehr lohnt - die Hummel hat kein Futtergedächtnis und sucht jeden Tag aufs neue vom Nest aus...) Solche abgedichteten Häuser werden beispielsweise für Saatguterzeugung genutzt, und hier auch kurzzeitig Honigbienen eingesetzt; was aber sehr viele tote Bienen bedeutet weil sie sich an den Scheiben totsuchen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rüttelplatte am 29. Juli 2017, 22:44:48
Ich bin auch auf einem Hof groß geworden, obwohl kein Landwirt, mein Vater war Melker und hat sich um die Tiere auf dem Hof gekümmert. Das war vor ca 55-60 Jahren und ich muss feststellen das der Umgang mit den Mitgeschöpfen zu meiner Zeit etwas respektvoller war, obwohl sie Nutztiere waren und jedes seiner Bestimmung nach kommen musste. Kühe wurden gemolken teilweise in den Anfangsjahren noch von Hand und wenn sie nach 5-6 Jahren zu wenig Milch gaben wurden sie auch dem Schlachter zu geführt. Schweine waren so wieso zum Fett füttern und dann wurden sie, meist in Hausschlachtung, zu Braten und Wurst verarbeitet. Auch Hühner und Kaninchen sowie Enten und Gänse gabs auf dem Hof. Heute hat selbiger Hof nur noch ca 60Ha Land unter Pflug, Tiere gibt's keine mehr und alles wird von einer Person gehandelt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: neo am 29. Juli 2017, 22:46:08
Ich gehe nur ganz kurz dazwischen. (ihr schreibt hier schneller als ich denken kann.)

Zitat
Was mir nicht klar wird beim Milchartikel auf geo ist, was er aussagen soll.

Ich möchte in so einem volltechnisierten Betrieb keine Kuh sein, das sagt er mir. Und das Tierhaltung solcher Art nicht über alle Zweifel erhaben ist. (Ich finde es abstossend, aber ich versteh`ja eh` nichts von Landwirtschaft @thuja. ;))

Ja, das stimmt, als Konsument hat man die Wahl.
Danke für den ostdeutschen Einblick. ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 29. Juli 2017, 22:47:54
Heute hat selbiger Hof nur noch ca 60Ha Land unter Pflug, Tiere gibt's keine mehr und alles wird von einer Person gehandelt.

Im Ort gibt es noch einen "kleinen" Bauern. Der hat um die 40 Mutterkühe und knapp 500 Hektar. Die bewirtschaftet er allein mit seinem Sohn ...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rüttelplatte am 29. Juli 2017, 22:52:03
Wenn du 500 Hektar als klein ansiehst da gibt's in meiner Umgebung nur Kleinstbauern. Hier kommt außer einem keiner über 40-50 Hektar. Der eine hat in den letzten Jahren alle Ländereien von Bauern die aufgaben gepachtet oder gekauft und jetzt bewirtschaftet er so ca 600 Hektar. Macht er allerdings auch mit einem Helfer allein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 29. Juli 2017, 22:57:02
Für Brotweizen gibt es deutlich mehr Geld als für Futterweizen.

So, und damit nun nochmal zum Weizen ;) Der teuren Version davon.
Weiß jemand, wie hoch der Preis des Getreides in einem handelsüblichen Brötchen ist? Also der Geld-Anteil für den benötigten Weizen den der Bauer erzielt?

Hab gerade (Börse online) den Weizenpreis nachgeschaut und runtergerechnet (den Rechenweg kann ich gern nachreichen)
Es sind tagaktuell  0,85 Cent - also 0,0085€!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 29. Juli 2017, 23:04:35
Ich möchte in so einem volltechnisierten Betrieb keine Kuh sein, das sagt er mir. Und das Tierhaltung solcher Art nicht über alle Zweifel erhaben ist. (Ich finde es abstossend, aber ich versteh`ja eh` nichts von Landwirtschaft @thuja. ;))
Ich verstehe auch nichts davon und ich denke es gibt Bereiche, da verstehen auch landwirte nichts von landwirtschaft. Ein maisbauer braucht keine Kenntnisse über Radieschenanbau.
Ich meine das keine Ahnung nicht abwertend.

PS: ich möchte auch keine Kuh sein, auch nicht vor 50 Jahren und ich möchte auch kein Salatkopf oder Apfelbaum sein.

@Weizen: ich habe noch ~170€ die Tonne im Kopf. Als Mehl gemahlen sinds dann 1000€ für mich als Discounterkunde.
Für 50kg Futterweizen im Sack zahle ich meist um 24€. Unabhängig vom Börsenpreis.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. Juli 2017, 23:14:07
Fakt bleibt aber, daß ich beispielsweise Tomaten im Gewächshaus irgendwie bestäuben muß!
Einmal täglich schütteln reicht aus ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: neo am 29. Juli 2017, 23:15:54
PS: ich möchte auch keine Kuh sein, auch nicht vor 50 Jahren und ich möchte auch kein Salatkopf oder Apfelbaum sein.

Du negierst irgendwie. Und ausserdem wärst du ein Stier...wenn. ;D Gute Nacht! (Habe ich auch gedacht bei solch einer Milchwirtschaft...)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. Juli 2017, 23:16:02
Für 50kg Futterweizen im Sack zahle ich meist um 24€. Unabhängig vom Börsenpreis.

40 kg Futterweizen für Hühner=10€
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Amur am 29. Juli 2017, 23:17:59
Na ja, früher bei den kleinen Höfen gab es auch solche und solche. Die einen behandelten ihr Vieh gut und relativ rücksichtsvoll, die anderen setzten die Knüppel kräftig und wegen jeder Kleinigkeit ein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 29. Juli 2017, 23:20:28
Deswegen wollte ich auch da kein Stier sein. Ist bei Haustieren ähnlich, findet wohl keiner toll, bevormundet zu werden.
Deswegen finde ich die Aussage ich wollte dort keine Kuh sein, recht wenig aussagekräftig. Es ist auch kein Lösungsvorschlag oder besonders informativ. Der Geoartikel ersetzt kein Praktikum in dem Betrieb. Nicht persönlich nehmen, bitte.

@toto: direkt vom Bauern? Ja, ich werde beim nächsten mal hinfahren und den Handel umgehen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 29. Juli 2017, 23:37:17
Ja, ich werde beim nächsten mal hinfahren und den Handel umgehen.

Das ist ein guter Ansatz. Da haben beide Seiten was von! ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. Juli 2017, 00:11:07
@toto: direkt vom Bauern? Ja, ich werde beim nächsten mal hinfahren und den Handel umgehen.
Ja, direkt vom Bauern. Im Handel 2 km weiter zahlt man für 20 kg 14€... weil wahrscheinlich "handverlesen, vergoldet und einzeln gezupft"  ;D ;D ;D


Das ist ein guter Ansatz. Da haben beide Seiten was von! ;)

Stimmt, ich darf auf dessen Acker auch jederzeit fährten mit dem Hund. Nie Probleme. Wenn er sprüht, sagt er mir das.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. Juli 2017, 00:32:24
Hier liegt der Preis pro Zentner (50kg) Selbstabholung bei 10 bis 12 Euro - also 200 bis 240 Euro die Tonne.
Ein echter Unterschied - sowohl für den Bauern (im Schnitt sonst max. um die 160€) als auch für den Kunden.
Und mal ehrlich - auf dem Hof selber holen ist doch auch was anderes als im Baumarkt ;)
Das Zeug in der Tüte ist letztendlich genau das selbe...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. Juli 2017, 00:51:10
Das Zeug in der Tüte ist letztendlich genau das selbe...

...eben "marktveredelt, einzeln gezählt" -ob das die Hühner merken ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Amur am 30. Juli 2017, 07:36:06
Heute hat selbiger Hof nur noch ca 60Ha Land unter Pflug, Tiere gibt's keine mehr und alles wird von einer Person gehandelt.

Im Ort gibt es noch einen "kleinen" Bauern. Der hat um die 40 Mutterkühe und knapp 500 Hektar. Die bewirtschaftet er allein mit seinem Sohn ...

Wenn ich deine Zahlen sehe, dann ist das eine andere Welt wie bei uns.
Unsere komplette Ortsfläche hat etwa 600 Ha. Davon gehen dann die bebaute Fläche sowie etwas Wald ab so dass etwa 500Ha als freie Fläche bleiben.
Früher waren es im Ort 66 landwirtschaftliche Betriebe (allerdings schon weit über 100 Jahre her). Das läßt sich an den Berechtigungen an der Allmende erkennen die dann in eine Gemeinschaft überführt wurde an der es 66 Beteiligte gab. Dazu kamen noch einige ärmere die nur sehr kleine Flächen hatten und nicht an der Allmende beteiligt waren.
Heute hat es noch zwei Betriebe bei dem ausschließlich von der Landwirtschaft gelebt wird,  zwei oder drei weitere bei dem die Lawi die Haupt-Einkommensquelle ist. Dazu  noch eine handvoll Feierabend-Bauern bei denen wohl die Hauptintention eher die Wartezeit nach der Hofüberschreibung ist bis der Hof vollends aufgelöst werden kann ohne dass die Fläche (bzw. das Betriebsvermögen) an Geschwister verteilt werden muß oder noch der Altbauer weiter rumschustert bis der vom Traktor fällt.
D. h. einer hat wohl eine dreistellige Ha Fläche der REst ist drunter. Felder mit über 10 Ha sind schon die Ausnahme.

Wenn ich davon ausgehe dass im Osten auch pro Ha 200€/ha Flächenförderung bezahlt werden ist das bei 5900ha ein durchaus erklecklicher Betrag.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. Juli 2017, 21:12:09
Das sind hier etwa 120 ha, auf Kante, wie ich schrieb. Nur der Weizen liegt. Nur an den Treckerspuren steht er noch - klar, da läuft das Wasser ab. Hinterm Weizen steht der Raps noch.
(http://up.picr.de/29945111cr.jpg)

(http://up.picr.de/29945113vl.jpg)

(http://up.picr.de/29945115cs.jpg)

(http://up.picr.de/29945241ws.jpg)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 30. Juli 2017, 22:59:11
Ihr seit ganz schön hintendran von der Entwicklung im Vergelich zum Oberrheingraben.

10cm Rand von dem Acker, das wäre mehr Fläche als mein ganzer Garten.

Vor ein paar Tagen hat der Imker hier den Bienen Zuckerwasser gegeben, weils Ablegervölker sind und die Tracht gerade nicht viel hergibt (kleinstrukturierte Landschaft, viele Hecken, Säume, Wildareale.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. Juli 2017, 23:07:18
10cm Rand von dem Acker, das wäre mehr Fläche als mein ganzer Garten.
heißt, Du hast keine Garten?

Vor ein paar Tagen hat der Imker hier den Bienen Zuckerwasser gegeben, weils Ablegervölker sind und die Tracht gerade nicht viel hergibt (kleinstrukturierte Landschaft, viele Hecken, Säume, Wildareale.

Das allerdings ist ziemlich traurig. Ich erinnere meine Großmutter, die mit 70 Völkern Wanderwagen am Rapsfeld stand... lange her. Heute sieht man kaum noch Wanderwagen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 30. Juli 2017, 23:21:02
10cm mal einen Kilometer Länge sind schon 100m².

Mein Garten hat 284. Dazu kommen ein paar Randbereiche von der Gartenanlage, ein gut 4900m² Spielgelände/Park, ein paar Quadratmeter Balkon, Fensterbank oder Kunstlicht im Keller. Alles in allem keine Fläche.

Ob das mit dem Bienen füttern fachlich richtig ist, kann ich nicht beurteilen. Ich sehe hier noch regelmäßig Wildbienen/Wespen an den Blüten und der Imker ist mehr die Sorte, die ihre Völker woanders unterbringen möchte, weil sie durch die Oberleitungen darüber und damit verbundenen Elektrosmog/Magnetfeld ihre Stöcke nicht mehr finden würden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. Juli 2017, 23:23:51
Impressionen
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. Juli 2017, 23:25:57
vom
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. Juli 2017, 23:26:45
Ackerrand :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. Juli 2017, 23:27:20
Sowas gibt es in der Gegend hier manchmal auch... muss man aber suchen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. Juli 2017, 23:29:21
Eigentlich habe ich das hier gesucht, aber nur an einem einzigen Ackerschlag gefunden:
Einen einige Zentimeter breiten Spritzstreifen über den Rand hinaus.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. Juli 2017, 23:31:32
Bin auf einem Acker mal in den "Keller" abgetaucht :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 30. Juli 2017, 23:33:14
Die Ehda-Fläche neben dem über den Weizenbestand hinaus behandelten Acker könnte auch mehr hergeben.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. Juli 2017, 23:33:26
Eigentlich habe ich das hier gesucht, aber nur an einem einzigen Ackerschlag gefunden:
Einen einige Zentimeter breiten Spritzstreifen über den Rand hinaus.
Ja, so sieht es hier auch oft aus.

Gestern sah ich am Straßenrand, halb auf der Straße ein Auto mit einem Schild hinten dran: Hier wird gejagt! Jäger.

Ich konnte leider nicht anhalten für ein Bild, weil an Bundesstraße mit einem Rand auf der Spur... ich weiß ja nicht...
Aber Jäger dürfen das wohl.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. Juli 2017, 23:35:26
Die Ehda-Fläche neben dem über den Weizenbestand hinaus behandelten Acker könnte auch mehr hergeben.

Die wird vom Straßenamt "gepflegt" 8)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 30. Juli 2017, 23:35:54
Nö,
für die (Jäger) gelten die gleichen Regeln.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. Juli 2017, 23:37:34
Nö,
für die (Jäger) gelten die gleichen Regeln.

Ich hätte es knipsen sollen - das glaubt mir eh keiner.
Ist es wirklich nötig, direkt an der Bundesstraße zu halten? Ein paar Meter weiter wäre eine  Einfahrt auf ein Feld gewesen. Es war ja noch nicht mal Waldrand, weit und breit nur Felder.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. Juli 2017, 23:38:40
Rein rechtlich müssen sie warnen, da sich ja beunruhigtes Wild plötzlich auf die Straße begeben könnte. 8)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. Juli 2017, 23:40:50
Die Ehda-Fläche neben dem über den Weizenbestand hinaus behandelten Acker könnte auch mehr hergeben.

Die wird vom Straßenamt "gepflegt" 8)

Wie hier: Nutzfläche - Ehda - Bankett -Straße
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. Juli 2017, 23:56:14
Rein rechtlich müssen sie warnen, da sich ja beunruhigtes Wild plötzlich auf die Straße begeben könnte. 8)

Hat er ja gemacht mit Schild am Auto - aber halb auf der Straße mit durchgängig weißem Seitenstreifen ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. Juli 2017, 23:57:13
Die Ehda-Fläche neben dem über den Weizenbestand hinaus behandelten Acker könnte auch mehr hergeben.

Die wird vom Straßenamt "gepflegt" 8)

Wie hier: Nutzfläche - Ehda - Bankett -Straße

Was ist Ehda?
Das Korn steht ja super, sieht schön aus!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 31. Juli 2017, 00:02:59
Was ist Ehda?

http://eh-da-flaechen.moderne-landwirtschaft.de/
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 31. Juli 2017, 00:06:32
Was ist Ehda?

http://eh-da-flaechen.moderne-landwirtschaft.de/

Davon scheint unser zugereister Landwirt noch nichts gehört zu haben. Hier gab es einst Haubenlerchen und Bachstelzen auf dem Ackerweg, alle weg.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 01. August 2017, 17:13:04
Hab heut nochmal ein schönes Beispiel geknipst.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 01. August 2017, 17:21:25
Und aus einem anderen Blickwinkel (Schattenbereich)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 02. August 2017, 14:34:01
Wunderschön!

Im Gegensatz zu hier. Ich habe nun angefragt, warum eine jahrzehntealte Feuchtwiese mit Kammmolchen, Feldlerchen (Rote Liste!) und Laubfröschen derartig ruiniert wird wie hier auf den Bildern zu sehen. Landwirtschaft? Um anschließend "wg. Regenschäden" abzukassieren? Sorry, das ist natürlich nur eine Vermutung. Aber wofür sonst?

Es erklärt sich nicht, warum eine - und das ist bekannt - solche Wiese, die nicht nur in diesem Sommer nass ist, sondern jeden Sommer! dermaßen unwirtschaftlich "genutzt" wird.

(http://up.picr.de/29970801zz.jpg)

(http://up.picr.de/29970803yb.jpg)

(http://up.picr.de/29970805ad.jpg)

Zu der sichtbaren "Pfütze" muss man in der Größe an der linken Seite noch etwa 50m, an der rechten 20 m dazu rechnen, dann hat man die ganze ehemalige Feuchtwiese. Fürs Foto stehe ich an der Straße, man sieht den Waldrand. Das heißt: etwa 2/3 sind abgesoffen - welch Wunder - es ist eine Feuchtwiese seit zig Jahren, eine sogenannte Kleinfläche.

Ich bin gespannt auf eine Antwort... und vor allem darauf, ob überhaupt geantwortet wird. Da soll es ja viele "schwarze" Löcher geben...
Wenn es z.B. Privatbesitz ist... was ist dann?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 02. August 2017, 17:08:25
Bei wem soll der Bauer Wasserschäden geltend machen? Mir sieht es eher so aus, als ob jemand seine Maisanbaufläche vergrößern wollte und es einfach mal versucht hat. Oder dieser Jemand wollte einer Unterschutzstellung zuvorkommen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 02. August 2017, 17:19:29
Ja, so sieht es aus. Zumal es allgemein bekannt ist, dass diese Wiese unter Wasser steht, mal mehr, mal weniger - aber eben generell. Ich habe keine Ahnung, ob Schäden wg. Wetterunbilden o.ä. in der Landwirtschaft ersetzt/gestützt werden.

Eine andere Ausrede sehe ich noch darin, dass man Wildschweine anlocken will zur Bejagung für die Urlaubsjäger ... was aber auch ziemlicher Unfug ist, denn im angrenzenden Wald sind ausreichend Suhlen über viele km... da kommen die Biester (die bisher auch noch nicht da waren zum Glück) ganz bestimmt nicht auf eine offene Fläche.

Also alles in allem: aus meiner Sicht komplett nonsens.
Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf ein Antwortschreiben.

Mir sieht es eher so aus, als ob jemand seine Maisanbaufläche vergrößern wollte...

Nur wurde hier bisher noch kein Mais angebaut, weil es einfach dichter Lehm ist. Ein paar km weiter ist Sand, dort wächst auch Mais. Ich kenne die Bodenverhältnisse hier ziemlich gut, allein durch das Fährten mit den Hunden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 03. August 2017, 17:28:54
Oder dieser Jemand wollte einer Unterschutzstellung zuvorkommen.

Oder es war halt zu lange Wiese.
Wenn eine Fläche mindestens 5 Jahre nicht Bestandteil der Fruchtfolge ist und zum Anbau von Gras oder anderen Grünfutterpflanzen bzw. als Weide genutzt wird dann wird sie per Verordnung 'Grünland'.
Das eines Tages wieder in Ackerland umzuwandeln ist rechtlich schwierig und an aufwändige Genehmigungsverfahren gebunden.
Die Fläche verliert somit auch deutlich an Verkehrswert/Buchwert/Verkaufspreis.
So blöd es klingt - wenn der Bauer den Acker garnicht braucht, muß er ihn trotzdem aller 5 Jahre pflügen und bestellen damit er nicht automatisch zur (rechtlichen) Wiese wird.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 03. August 2017, 17:51:49
Das stimmt angeblich so nicht, wurde aber selbst von vielen Landwirtschaftsämtern so an die Landwirte herangetragen.  Jeder Nutzer kann solche Flächen, auch über die verpflichtende Greeningfläche hinaus, als prämiensicherndes Greening anmelden. Wurde uns vom hiesigen Förderungszentralgestirn erklärt. Falls ich wiederum alles richtig verstanden habe.  :P

(Und wenn dort nachweislich Laubfrosch oder Kammolch oder andere streng geschützte Arten lebten oder ein Lebensraum mit gesetzlichem Biotopschutz bestand, war der Umbruch ohnehin nicht ohne weiteres zulässig.)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 03. August 2017, 18:28:15
Ich weiß nur so viel, dass die Wiese zumindest die 30 Jahre, die ich hier wohne, eine Wiese, eine sehr, sehr feuchte Wiese, also eine Feuchtwiese war. Sie wurde einmal jährlich gemäht, das wars. Manchmal wurde am Rand auf etwa 50 qm Dünger zwischengelagert an einer trockenen Stelle hin zum Nachbarfeld.
Sie war weder Gras-Ernteland noch Heuwiese noch Weide. Einfach nur ungenutzt.
So konnte sich eben in dieser Senke ein Biotop entwickeln. Jeder hier weiß, dass es dort sehr, sehr viele Laubfrösche gab und eben Molche sowie auch Haubenlerchen, die das hohe Gras brauchen und hier auf der Roten Liste stehen.

Einen "gesetzlichen Schutz" per exakt dieser Fläche gibt es wohl nicht. Allgemein gibt es eine Verordnung für dieses Gebiet rund um das Naturschutzgebiet zur Flächennutzung/Wieder"belebung" angrenzender ungenutzter Flächen. Speziell diese Wiese fand ich nicht. Sie war auch bisher sozusagen "nichts wert" außer für die Tiere.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 03. August 2017, 18:31:14
 :-\
Das stimmt angeblich so nicht,

Artikel 4, Abs. 1 h) Verordnung (EU) Nr. 1307/2013:
"Dauergrünland und Dauerweideland" (zusammen "Dauergrünland") sind Flächen, die durch Einsaat oder auf natürliche Weise (Selbstaussaat) zum Anbau von Gras oder anderen Grünfutterpflanzen genutzt werden und seit mindestens fünf Jahren nicht Bestandteil der Fruchtfolge des landwirtschaftlichen Betriebs sind.

Die Ämter handhaben das sehr unterschiedlich und klar ist es möglich Umwandlungen vorzunehmen oder im Greening Flächen zu tauschen oder zu sichern... Die Anträge sind aber sehr zeitaufwändig und kompliziert und in "Beamtisch" verfasst.
(wenn ich das richtig verstanden habe ;))

Achja, was noch ganz lustig finde: Die zuständigen Behörden sind immer in der Stadt ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 03. August 2017, 19:24:26
@toto

Also rein nach den Fotos - und auch mit der Info über einen langjährigen Bestand der Fläche macht das Ganze was er da getrieben hat überhaupt keinen Sinn! Und naturschutzmäßig wollen wir mal ganz schweigen - da muß man schon ziemlich hart drauf sein!

Ein anderer Aspekt kommt mir noch in den Sinn. Agrarflächen sind immer mehr zum Spekulationsobjekt geworden! Nicht für die Landwirte die sie nutzen - die ernten nach wie vor so viel oder wenig was das Wetter hergibt. Aber nachdem Aktien und Zinsen einfach nix mehr abwerfen giert der Geldmarkt danach. Und manch ein Bodeninhaber könnte auf den Zug aufspringen wollen...
Auch hier bekommen die Landwirte immer mehr Probleme noch Flächen kaufen oder pachten zu können, da deren Besitzer einfach irgendwo Geld wittern.

https://www.agrarheute.com/news/bodenpreise-haben-zwischen-2007-2015-verdoppelt

Wortspiel: Ist aber reine Spekulation!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 03. August 2017, 20:30:55
Also rein nach den Fotos - und auch mit der Info über einen langjährigen Bestand der Fläche macht das Ganze was er da getrieben hat überhaupt keinen Sinn! Und naturschutzmäßig wollen wir mal ganz schweigen - da muß man schon ziemlich hart drauf sein!

So sehe ich das auch. Umso gespannter darf man sein, was die Behörde darauf antworten wird.
Auf die Erklärung kommen wir scheinbar alle nicht 8) ;D

Wir hatten hier ja auch schon im thread: Bauern sind überlebenswichtig usw. - klar, ganz sicher, stehe ich voll dahinter.
Allerdings würde ich so wirtschaften (siehe Bilder) - auf voraussehbar unbrauchbarem Gelände Maschinenpark einsetzen, unbrauchbare Ernte erst ernten, dann Reste schreddern usw. usw. - welch ein Aufwand für nichts .... wäre ich längst pleite.

oder eben Spekulationsobjekt: auch meine Vermutung - nehmen, was man kriegen kann... dann so tun, als ob... und dann wird sich schon irgend´ne Stütze finden. Heute bekommt alles einen Namen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 03. August 2017, 21:09:00

"Dauergrünland und Dauerweideland" (zusammen "Dauergrünland") sind Flächen, die durch Einsaat oder auf natürliche Weise (Selbstaussaat) zum Anbau von Gras oder anderen Grünfutterpflanzen genutzt werden und seit mindestens fünf Jahren nicht Bestandteil der Fruchtfolge des landwirtschaftlichen Betriebs sind.

...
Achja, was noch ganz lustig finde: Die zuständigen Behörden sind immer in der Stadt ;D

Weil sie sich nicht entscheiden können, in welches Dorf sie ziehen sollten.  ;),
fahren die Mitarbeiter eben von ihren Dörfern in die Stadt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 03. August 2017, 22:02:24
Ja, der Sitz der Kreisverwaltung ist ja halt immer auch zentral gelegen ;)
Ich hab es da gut, kann eigentlich mit dem Rad zum Amt (etwa 7km).
Der Gag: Der Landkreis ist vom Grundriß so etwa rechteckig- fast schon quadratisch mit einer jeweiligen Kantenlänge von 40 bis 50km. (1650 km²)
Soweit, so langweilig ;)

Schätzfrage: Wie weit müssen die am weitesten entfernt wohnenden Antragsteller dann fahren um zum Amt zu kommen? Genau! zwischen 40 und 50 km! ;D Weil der Amtssitz direkt an der Grenze liegt...nicht nur vom Kreis, nicht nur vom Bundesland; sondern direkt an der Grenze. aus dem Bürofenster gucken sie ins Nachbarland - nach Polen. :D Weiter "an der Kante" kann eine Verwaltung eigentlich nicht mehr sein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 05. August 2017, 21:49:25
Ein Nachbrenner zu den naturbelassenen Feldrändern - hab da denn auch ungebetene Gäste (Ambrosia artemisiifolia) gefunden, denen gefällt der moderate Einsatz von PSM leider sehr gut. (keimen und blühen sehr spät im Jahr) Eingeschleppt durch verunreinigtes Saatgut Erdarbeiten beim Straßenbau vermehren sie sich an den Feldrändern.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 05. August 2017, 21:56:25
Mhh, Mist.

Gibts Beispiele/Belege für das einschleppen mit Begrünungssaatgut?

Hier im Umkreis kommen sie eher nur an 2 Strassen vor, das ist zu komisch um zu sagen, sie würden sich mit dem Verkehr ausbreiten. Der Fernverkehr fährt auch auf anderen Strassen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 05. August 2017, 22:06:08
Hab einige Jahre Monitoring zum Ambrosia-Atlas gemacht. Hauptsächliche Verbreitung hier waren Erdtransporte/Lagerung/Einbau und dann die Mähwerke am Straßenrand und an den extensiv gemähten Feldrändern (Saatgut klebt am Mähwerk und fällt anderswo wieder ab)
Im Begrünungssaatgut selbst ist es wahrscheinlich selten, in Vogelfutter kommt es häufiger vor. Problem ist aber die enorme Vermehrungsrate dieser Pflanze. Ein solcher Bestand kann durchaus durch vermähte und bei der Bearbeitung verschleppte Saat im Folgejahr aus einer einzigen Pflanze des Vorjahres entstehen.
An den Straßen -die ja an die Ackerflächen grenzen und umgekehrt - ziehen sich viele Befallstandorte über mehrere Kilometer.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Starking007 am 05. August 2017, 22:09:41
Problem ist das Monitoring,
also das intensive Beobachten und dokumentieren der Ausbreitung.
Bekämpft wird nicht.........................
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 05. August 2017, 22:12:51
Kein Geld...
Es reicht gerade mal für das sammeln der Daten: ansonsten weiß wahrscheinlich noch niemand wie mit der (hier schon vorhandenen) flächendeckenden Ausbreitung umzugehen ist. Zumindest hat es zu stärkerer Kontrolle des Saatgutes, Vogelfutters und der Kompostanlagen geführt. Und zu einer Veränderung des Mähens an den befallenen Wegen. (öfter und mit Absaugung statt mulchen)

Mal so gesehen wird schon bekämpft - allerdings durch Eigenmittel der Landwirtschaftsbetriebe, Straßenämter und Kommunen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 06. August 2017, 17:38:11
Ihr seid Teil des dicht besetzten Schwerpunktvorkommens von Ambrosia artemisiifolia in der Niederlausitz. Dort sind seit den 1970er Jahren fest etablierte Massenbestände bekannt. Genug Zeit, um im Wechselspiel von Äckern und Straßenrändern ein mehrere tausend Quadratkilometer großes Gebiet zu besiedeln. Da braucht es keine Neueinschleppung mit verunreinigtem Saatgut.

Anders ist es in Räumen, die bisher keine geschlossenen Vorkommen haben. Hier muss hin und wieder immer noch verunreinigtes Saatgut eingesetzt werden. Egal, wo ich unterwegs bin, ob in Mittelbrandenburg oder in Südwestdeutschland. Es sind immer wieder Sonnenblumenfelder mit Ambrosia zu sehen.

Wirksamste Methode zur Unterdrückung ist ein überwiegender Anbau von Wintergetreide in gut geschlossenem Bestand. Alle "Hack"kulturen und Mais fördern die Art. Passt nur schlecht in den Wirtschaftsplan der Betriebe.
Ich glaube nicht, dass man die noch aus dem Gebiet raus bekommt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 06. August 2017, 20:47:52
Ist flächendeckend vorhanden. Zumindest in einem Radius von hier von ca. 30km. Sowohl auf den Ackerflächen, Straßen, Autobahn, Ruderalflächen, Tagebaurekultivierung und in Wohngebieten von Klein- und Großstadt (hab auch Fotos von Beständen auf Grünanlagen neben der Kita).
An sich nicht problematisch - solang man nicht allergisch ist...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 06. August 2017, 21:45:31
Das Rapsfeld vor der Tür, von dessen Beerntung ich am 28. Juli schrieb, stand bis zum heutigen Tag halb gemäht mit Streifen. Pünktlich zum Sonntagabend tauchten heute die Mähdrescher  wieder auf, (sogar einer mit Kettenfahrwerk), im Gefolge ein weithin rot leuchtendes Jägerlein, dass sich tüchtig einstauben ließ und auf Schweine hoffte. (Die Schweine habe ich letztmalig am 29. Juli gehört). Ziemlich sicher dass kein Schwein so dumm sein würde, hier noch im halb abgemähten Raps zu sitzen (in einer Vollmondnacht), nahm ich das Fernrohr um das Geschehen zu verfolgen und war sehr zufrieden, als der letzte Halm gemäht und der Jäger unverrichteter Dinge wieder abziehen musste (was er auch unverzüglich tat). Die Nachbarn von rechts (Rehe) wollten wie jeden Abend ins Freie treten, drehten aber ab, als sie mich bemerkten. Der allgemeine Frieden der Siedlung hier blieb gewahrt - wieder Stille. :)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 06. August 2017, 22:05:10
Bei uns wird heute der Raps hinterm Grundstück gemäht - seit 18 Uhr bis eben - mit nur EINEM Mähdrescher :o ;D... ca. 140 ha, nun hat er wohl Pause. Immerhin ist er ein/zweimal halb rundherum :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 06. August 2017, 22:05:35
So ein Kettenfahrwerk hätte ich gerne für meinen Rasenmäher.
Es gibt momentan wohl nix bodenschonenderes.


Hier sind die Spätkartoffeln vom Laub her recht weit unten, Gänsefuß, Hirse und andere Samenunkräuter, auf die ich im Garten absolut keine Lust hätte, setzen jetzt fleissig Samen an.

Ist es billiger die stehen zu lassen und in der Folgekultur zu bekämpfen oder was spricht für eine Nichtbekämpfung vor der Ernte?

Ist das willkommener Humus in den humuszehrenden Kartoffeln?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. August 2017, 19:41:31
Kurzer Wortwechsel mit den Mähdreschern Raps:

Und was ist mit der Wiese?
Schulterzucken.
Warum habt Ihr das bestellt?
Schulterzucken und: mussten wir ja.
Warum?
Weil die Obrigkeit das so wollte.
Warum?
Weil das sonst kein Feld mehr ist.
Ist doch seit 30 Jahren kein Feld, sondern Wiese!
Ja, einmal muss ja ...
Und die Tiere?
Ach, die kommen wieder....

 ::) ::) :o ::) ::)
Das wars erst einmal - bis auf die ausstehende Antwort auf mein Schreiben.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. August 2017, 19:42:33
Ach ja, ich fragte, wie sie den See beernten wollen.
Sie hoffen auf einen trocknen September... oder Frost.
Nächstes Jahr soll da wieder "Wiese" sein.

Sowas macht einfach nur stumm. Landwirtschaft, Dein unbekannter Nachbar.

Immerhin weiß ich jetzt, wem es gehört: kein "Privatbauer", sondern ehemalige...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 07. August 2017, 21:57:19
Hier sind die Spätkartoffeln vom Laub her recht weit unten, Gänsefuß, Hirse und andere Samenunkräuter, auf die ich im Garten absolut keine Lust hätte, setzen jetzt fleissig Samen an.

Ist es billiger die stehen zu lassen und in der Folgekultur zu bekämpfen oder was spricht für eine Nichtbekämpfung vor der Ernte? 

Wie kann man die bekämpfen vor der Ernte?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: neo am 07. August 2017, 22:07:47
Jäten? Musste ich mal im Landdienst und ist viele Jahre her. Es war Sommer und sehr, sehr heiss auf dem Kartoffelfeld. :P :P
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 07. August 2017, 22:20:41
Bei kleinen Flächen vielleicht sogar machbar...!
Wenn's mehr wird - der hiesige Agrarbetrieb bestellt beispielsweise 60 Hektar mit Kartoffeln - ich glaube spätestens da ist Schluß mit Jäten :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 09. August 2017, 21:15:29
nach der Rapsernte - Lachmöwen, Sturmmöwen und noch eine Spezies - der Weizen im Hintergrund steht (liegt ;)) noch

(http://up.picr.de/30039580om.jpg)

(http://up.picr.de/30039581kr.jpg)

(http://up.picr.de/30039582ya.jpg)

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: troll13 am 09. August 2017, 22:03:16
Gestern Abend war ich auf dem Geburtstag einer alten Freundin aus Jugendtagen, die in einem bäuerlichen Haushalt geboren wurde und saß zusammen mit den letzten verbliebenen Vollerwerbslandwirten im Dorf an einem Tisch.

Thema waren die Wegeseitenränder, über deren verfrühte Mahd in den letzten Wochen in der Tagespresse berichtet und auch in Leserbriefen diskutiert wurde. Ich habe mich zurückgehalten und mir gedacht: "Halte bloß die Schnauze, sonst bricht hier heute noch ein Krieg aus".

Die Flurbereinigung hat ihnen große, zusammenhängende Ackerflächen beschert und durch die Reduzierung der Wirtschaftswege sind ohnehin ein Großteil dieser wichtigen ökologischen Randsituationen verlorengegangen. Und dann ackert ihr inzwischen auch noch bis auf wenige cm an die inzwischen komplett befestigten Wege. Hier sollten die Katasterämterämter vielleicht einmal nachmessen?

Durch zwei Biogasanlagen im Dorf ist der Maisanteil an der Ackerfläche immer noch extrem hoch, obwohl sie inzwischen wohl selbst festgestellt haben, dass die Dauerkultur doch wohl nicht so ganz optimal ist. Die Wildkrautbekämpfung wird nur noch mittels Glyphosaten durchgeführt, was sicher auch sehr förderlich für die Artenvielfalt der Ackerrandstreifen ist.

Ein Feldhase mit Namen "Horstmann" hat dies wohl inzwischen begriffen und hat mittlerweile Asyl in den Gärten unserer Dorfrandsiedlung gefunden. Den bodenbrütenden Vogelarten dieser Randbiotope kann ich leider kein Asyl gewähren, weil "Lotti" (meine Katze) ihnen wohl nicht sehr viel Bruterfolg gönnen würde.

Ein paar Kilometer weiter gibt es eine Umgehungstraße mit Fahrradweg und Entwässerungsgraben bis zur nächsten ackerbaulichen Nutzung. Hier konnte man in den letzten Wochen beobachten, was an botanischer Artenvielfalt hier möglich wäre. Aber auch hier war die Straßenmeisterei mit dem Mulcher schneller als ich mit dem Fotoapparat. :P
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: troll13 am 09. August 2017, 22:31:57
Nachtrag bevor ich ins Bett gehe...

Ich bin kein "Zugezogener" sondern als Kind eines Landarbeiters (damals nannte man dies hier noch "Heuerling") hier geboren und habe die Entwicklung bzw. Zerstörung einer vielfältigen  und ehemals kleinteiligen Agrarwirtschaft und -landschaft in unserem Dorf seit über 50 Jahren miterlebt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 09. August 2017, 22:43:01
Wann wäre denn der optimale Zeitpunkt für die Mahd?
(Hier ärgert mich das Abraspeln auch immer sehr.)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Natternkopf am 09. August 2017, 22:57:57
Wann wäre denn der optimale Zeitpunkt für die Mahd?
(Hier ärgert mich das Abraspeln auch immer sehr.)

Die Bodenbrütenden Insekten [Wespen (Ach die!) Hummeln ( Jö, aber  d a s  geht nicht!) 🐝 ] sind noch nicht erwähnt, den der Kettenschäger ist gründlich.

Grüsse Natternkopf
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 10. August 2017, 07:41:46
In der Natur geht es um Populationen, nicht um Individuen. Auch Autofahrer bringen Unmassen Insekten um. Hier hat die regelmäßige Mahd der Straßenränder für äußerst üppige Armeria-maritima-Bestände gesorgt. Das wird vielen Insekten gefallen. Die Mähzeitpunkte werden von den Straßenmeistereien festgelegt. Die werden kaum auf Naturschutzbelange Rücksicht nehmen können.
Die Streuobstwiesen mähe ich irgendwann im Juli, wenn die Hauptblüte durch ist. Von der kleinen Obstwiese (2000 m²) holen der Nachbar und ich Kaninchenfutter. Dort entsteht ein wildes Mosaik aus gemähten und nachwachsenden Stellen. Das ist für die Insekten vermutlich ideal. Daneben ist eine große Wiese, die mehrmals im Jahr abgeerntet wird, um Silage zu gewinnen. Dort ist nicht viel los.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 10. August 2017, 13:16:00
Einen "optimalen" Zeitpunkt für die Wiesenmahd gibt es so nicht - wird schon im Juni gemäht, werden Frühblüher- und Aussamer in der Wiese gefördert, Spätblüher eher zurückgedrängt, wird im Juli oder später gemäht, können spätblühende Wiesenblumen sich ausbreiten.
Ich lasse wegen meiner gepflanzten Wiesenorchideen Ende Juli/Anfang August mähen.
Wie Staudo schreibt wäre wirklich ein Mosaik aus gemähten und ungemähten Flächen ideal - die Insekten könnten hin und her ausweichen, die Artenvielfalt an Wiesenblumen würde zunehmen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 10. August 2017, 20:13:07
So etwas könnte ich machen. :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 10. August 2017, 21:37:00
Daneben ist eine große Wiese, die mehrmals im Jahr abgeerntet wird, um Silage zu gewinnen. Dort ist nicht viel los.
Die klassische "Vierschnittwiese"
 :-\ Hat mit Wiese leider nix mehr zu tun, ist eine Fläche zur Grünnutzung aus Hochleistungsgräsern. Von der Artenvielfalt schon eher einem Rasen ähnlich.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 10. August 2017, 21:55:21
So wie bei mir auch alle Wiesen um das Dorf herum....
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lubuli am 10. August 2017, 22:17:42
so wie die felder hier totgespritzt werden, so gibt es hier auch wiesen, die einfach wegen steilhanglage nicht gemäht werden können.dort grasen lediglich kühe.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 11. August 2017, 00:56:47
So wie bei mir auch alle Wiesen um das Dorf herum....
In der Stadt hier hat sich Industrie angesiedelt. Daraufhin haben Neubaugebiete für die Arbeiter die Fläche fürs Gemüse aufgefressen. Was bleibt sind Ausgleichsflächen.
(http://up.picr.de/30048768po.jpg)

Die werden jetzt von Hunden vollgeschissen und wenns nicht so trocken hier wäre, würden die ein oder anderen Wiesenkräuter wegen dem vielen Stickstoff auch von Gras überwuchert werden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Brigitte12 am 14. August 2017, 12:59:59
Ich sehe nur noch Mais und nichts weiter der jetzt 3,20 mtr. hoch ist und einen eine Weitsicht total versperrt und dann diese Monokultur ich ertrage das nicht mehr, wie der Bauer Anfang April den Mais ausgesät hat, habe ich gefragt ob er Gerste oder eine andere Kultur aufs Feld bringen kann, er hat mich ausgelacht und gesagt " ich soll mein Grundstück verkaufen " er macht auf seinen Acker was er will.

(http://up.picr.de/30079696ks.jpg)

Voriges Jahr war auch Mais drauf.

Was kann ich unternehmen ? Wie denkt Ihr darüber ?

Gruß Brigitte
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 14. August 2017, 13:05:48
Das ist halt so. Der Mais steht in diesem Jahr extrem gut, wird aber in absehbarer Zeit geerntet.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Brigitte12 am 14. August 2017, 13:13:19
Voriges Jahr wurde er am 6.10.2016 geerntet, wenn es dieses Jahr wieder so spät wird, ich weiß ja nicht !!!

Gruß Brigitte
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 14. August 2017, 13:14:37
Ich sehe nur noch Mais und nichts weiter der jetzt 3,20 mtr. hoch ist und einen eine Weitsicht total versperrt und dann diese Monokultur ich ertrage das nicht mehr, wie der Bauer Anfang April den Mais ausgesät hat, habe ich gefragt ob er Gerste oder eine andere Kultur aufs Feld bringen kann, er hat mich ausgelacht und gesagt " ich soll mein Grundstück verkaufen " er macht auf seinen Acker was er will.

Voriges Jahr
Was kann ich unternehmen ? Wie denkt Ihr darüber ?

Gruß Brigitte


Du kannst nur deine Naturoase für Insekten, Vögel, Igel, etc. optimieren um einen Genpool zu sichern, wenn Wüste um dich herum ist.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Apfelbaeuerin am 14. August 2017, 13:19:45
Naja.. ich finde, es gibt weitaus schlimmere Aussichten. Wir haben genau gegenüber von unserem Haus eine Riesen-Baustelle mit viel Lärm und Dreck, und das schon seit Monaten. Da wär ich um deinen Mais echt super-dankbar und glücklich :)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rieke am 14. August 2017, 14:06:18
Gehört der Randstreifen auch zum Acker? An sich würde es sich ja anbieten, mit vorsichtigem! Guerillagardening den Randstreifen ökologisch aufzuwerten, durch ansäen oder pflanzen von typischen Pflanzen für Ackerrandstreifen. Bei uns wäre das z.B. Rainfarn, Seifenkraut sehe ich auch öfters, an trockenen Stellen Natternkopf. Am besten nimmt man dafür Samen von ähnlichen Standorten in der Umgebung, nicht irgendwelches gekauftes Saatgut oder Gartenpflanzen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Brigitte12 am 14. August 2017, 14:45:35
@ Rieke,

der Randstreifen gehört zum Acker, den der Bauer nicht pflegt, Umwelt interessiert ihm nicht, wenn wir nicht den Streifen mäher würden, hätte ich spätestens nächstes Jahr viele Brennessel im Vorgarten, er gehört auch zu den Bauern die schnell die Giftspritze benutzen, habe vorhin erfahren der Acker bei uns gehört der Kirche, den hat er gepachtet, deshalb interessiert ihm der Randstreifen nicht, dann weiß ich ja an wen ich mich nächstes Jahr halten muß.

Gruß Brigitte
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 14. August 2017, 15:13:12
Dann würde ich vorschlagen den Ackerrandstreifen ökologisch aufzuwerten, vielleicht mit einer Reihe Obstbäume?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 14. August 2017, 15:24:06
Der Bauer hat den ganzen Acker gepachtet, bis zur Grundstücksgrenze.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 14. August 2017, 19:31:54
Auch wenn es eine "Grüne Wand" ist - irgendwie immer noch besser als eine Aussicht wie auf den Fotos von Thuja im Beitrag davor... ;)

Ist aus der anderen Perspektive auch manchmal nicht schön. Ich habe da noch eine Wiese; naturbelassen mit Gehölzsaum an der Seite und einem Streifen Obstbäumen - mit Blick auf die Wohngebiete einer Kleinstadt in der einen Richtung...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 14. August 2017, 19:35:31
...und deren "Versorgung" mittendrüber, inklusive Blick in der anderen Richtung...
Das Ganze ist übrigens (ernsthaft!) ein Landschaftsschutzgebiet ;D, was mir zur Nutzung und Pflege diverse Auflagen bringt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 14. August 2017, 20:02:27
Letztendlich muß man doch aber immer irgendwie miteinander auskommen! 8)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rüttelplatte am 14. August 2017, 20:53:18
Ich sehe nur noch Mais und nichts weiter der jetzt 3,20 mtr. hoch ist und einen eine Weitsicht total versperrt und dann diese Monokultur ich ertrage das nicht mehr, wie der Bauer Anfang April den Mais ausgesät hat, habe ich gefragt ob er Gerste oder eine andere Kultur aufs Feld bringen kann, er hat mich ausgelacht und gesagt " ich soll mein Grundstück verkaufen " er macht auf seinen Acker was er will.

(http://up.picr.de/30079696ks.jpg)

Voriges Jahr war auch Mais drauf.

Was kann ich unternehmen ? Wie denkt Ihr darüber ?

Gruß Brigitte

Hallo Brigitte, ich will dich ja nicht entmutigen, aber wenn du Pech hast dann pflanzt der Bauer die nächsten 5-6 Jahre dort Mais an. Mais verträgt das jahrelang auf dem selben Acker zu wachsen.
Weißt du, ob der Bauer den Mais für seine Tiere als Futter anbaut oder ob der für eine Biogasanlage ist?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Amur am 14. August 2017, 20:58:44
Ich sehe nur noch Mais und nichts weiter der jetzt 3,20 mtr. hoch ist und einen eine Weitsicht total versperrt und dann diese Monokultur ich ertrage das nicht mehr, wie der Bauer Anfang April den Mais ausgesät hat, habe ich gefragt ob er Gerste oder eine andere Kultur aufs Feld bringen kann, er hat mich ausgelacht und gesagt " ich soll mein Grundstück verkaufen " er macht auf seinen Acker was er will.

(http://up.picr.de/30079696ks.jpg)

Voriges Jahr war auch Mais drauf.

Was kann ich unternehmen ? Wie denkt Ihr darüber ?

Gruß Brigitte

Vielleicht verkauft die Kirchengemeinde den Acker. Dann hast du u. U. die Freude dass du da Nachbarn bekommst die eine 3m hohe Thujahecke direkt an die Strasse setzen? Ob das besser wäre?
Aber egal eine landwirtschaftliche Fläche ist Betriebsfläche auf der Ertäge erwirtschaftet werden und nicht Preise für " Unser Acker soll schöner werden" vergeben werden.
Bei all dem gibt es allerdings noch die sogenannte gute fachliche Praxis, bei der auch vorausgesetzt wird das man einen Fruchtwechsel hat. D. h. er kann wohl ab und zu mal dieselbe Frucht anbauen, aber nicht ständig. Aber genaue Infos dazu musst du von einem einholen der sich damit auskennt.
Ich kenne die Problematik von den Maisäckern direkt am Wald. Da meinen manche auch sie müssten Jahr für Jahr Mais bis an die Waldkante setzen und dann über Wildschaden lamentieren.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 14. August 2017, 21:20:39
Gehört der Randstreifen auch zum Acker? An sich würde es sich ja anbieten, mit vorsichtigem! Guerillagardening den Randstreifen ökologisch aufzuwerten, durch ansäen oder pflanzen von typischen Pflanzen für Ackerrandstreifen.

Ich finde den Gedanken gut. ;) (siehe Soda-Flächen)
Und definitiv besser als irgendwas auf den Ackerflächen ansiedeln zu wollen - und sei es noch so gut gemeint. Erstens wird nunmal jedes Unkraut auf der Fläche bekämpft; und zweitens würde es so manchem von uns auch nicht gefallen wenn der Nachbar Klee und Rauke in unseren Rasen sät - weil er den ökologisch aufwerten möchte ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 14. August 2017, 21:53:42
Irgendwie bin ich rausgekickt worden...  :-X - keine Benachrichtigung.
Ok.

Also eine Antwort auf die Anfrage Maisanbau auf Feuchtwiese ist noch nicht gekommen. Vermutlich Sommerferien. Liegt irgendwo.
Zumindest ging aus dem kürzlichen Gespräch mit den Bauern hervor: nächstes Jahr wieder Wiese.

Noch etwas möchte ich loswerden und mich gleichzeitig in aller Form entschuldigen bei den Beteiligten auf Seite 7/8 etwa - auch wenn es jetzt etwas OT ist:

. Geht doch! ;)
Das finde ich überheblich!

Dieser Ausspruch "geht doch" scheint irgendwie ein Negativimage zu haben in irgendwelchen Zusammenhängen. Warum genau - weiß ich nicht.

Ich meinte eigentlich nur, dass neue Ideen durchaus funktionabel sein können, das wollte ich begrüßen.
Falls ich also mit diesem Ausspruch irgendjemand auf die Füße getreten sein sollte: sicherlich nicht mit Absicht und sicherlich nicht mit dem Negativimage dieses Ausdruckes.


Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 14. August 2017, 22:08:08

Das ist eine tolle idee und sie funktioniert ja, wie Du schreibst. Die Höfe haben ihren sicheren Absatz, müssen keine Stalltüren schließen für immer... und die Kunden sind zufrieden. Geht doch! ;)

Ich empfand es in dem Kontext eher als positiv. ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Ahornblatt am 14. August 2017, 22:16:46
Zitat von: Rüttelplatte link=topic=[b
Link entfernt!1[/b]2930890#msg2930890 date=1502736798]wenn du Pech hast dann pflanzt der Bauer die nächsten 5-6 Jahre dort Mais an. Mais verträgt das jahrelang auf dem selben Acker zu wachsen.

Wirklich?
Gibt es da nicht diesen Maiswurzelbohrer??

Einer unserer Nachbarn hat vor Jahren die Bewirtschaftung seiner Flächen aufgegeben und inzwischen wachsen dort lauter Robinien - ausgerechnet südlich von unserem Hanggrundstück, das jetzt nur mehr Schatten bietet. Diese Bäume sind hoooooch!
wäre mir manchmal Mais lieber.  ;)
1min. Beitragsanzahl noch nicht erreicht
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 14. August 2017, 22:29:28
Ich glaube, wenn die Kirche sagen würde, Mais kann als C4-Pflanze am besten Nährstoffe und Wasser nutzen, um in humusarme Böden ordentlich organische Masse zu bringen, was das Bodenleben fördert und die Bodenfruchtbarkeit steigert, hätte Mais kein so negatives Image.

Die Frage bleibt wohl, was die betroffenen Bauern draus machen, Untersaaten, Zwischenfrüchte, es gibt ja durchaus Möglickeiten, Mais auch mal ins positive Licht zu rücken.

Einen Lauch- oder Blumenkohlacker will auch keiner vor der Haustür, die stinken auch mal zum Himmel, eine ganz andere Liga als Sichtversperrender Mais.

Mal was niedriges, die Aussicht dahinter ist auch nicht immer berauschend:
Radieschen
(http://up.picr.de/30084907pt.jpg)

Schlotten
(http://up.picr.de/30084909jb.jpg)

Feldsalat
(http://up.picr.de/30084910ij.jpg)


Die gesunde Ernährung muss ja auch irgendwo wachsen.
Feldsalat bei mir im Beet, auch nicht besser als auf dem Acker.
(http://up.picr.de/30084911bv.jpg)

Es geht wohl mehr um das drumrum als um das wesentliche.

Dazu passt auch die Sendung von Planet.e gestern auf ZDF.
Bayer-Monsanto-Deal, viele Seiten kamen zu Wort.
Die Großen der Chemie/Saatgutindustrie, die kleinen der Saatgutindustrie und die Biolandwirte.
Was nicht zu Wort kam, waren die 90%, die den Job auch jeden Tag machen und 95% der Nahrung produzieren.
Das stimmt mich nachdenklich, warum?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: troll13 am 14. August 2017, 22:34:06
In der Regel gehören diese Randstreifen nicht zum "Acker" sondern sind Wegeseitenraum des befestigten Weges, also Gemeindeland ebenso wie der schmale Streifen vor Brigittes Grundstück. Die Pflege wird den Anliegern übertragen.

Theoretisch unterliegen diese Flächen wenigstens hier in D dem Naturschutzrecht. Aber die Bestimmungen sind hier wohl mehr als weich.

Wenn man es sich endgültig mit den Landwirten verderben will, fragt man bei der Gemeinde nach, wie breit diese Randstreifen wirklich sind. Hier bei uns nutzt der eine oder andere ihn, um ein paar qm Ackerfläche hinzuzugewinnen. ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lonicera 66 am 14. August 2017, 23:00:17
Bezüglich Randstreifein:

in Niedersachsen geregelt (Nachfrage beim Verkehrsamt) :

Randstreifen 2m direkt neben einer öffentlichen Straße gehört dem Land.

Frech fand ich, was einige Bauern in der Lüneburger Heide praktizierten.

Für brach liegende Flächen gab es eine Ausgleichszahlung vom Bund. Dann mußten die Flächen aber auch eine bestimmte Zeit (ich glaube, es waren 5 Jahre) wirklich brach liegen. Es mußten ortsübliche Pflanzenarten gesät werden.

Die Bauern haben die Zahlung kassiert und vor Ablauf der Frist umgebrochen und bewirtschaftet. Interessierte niemanden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 14. August 2017, 23:05:47
Der Bauer hat den ganzen Acker gepachtet, bis zur Grundstücksgrenze.  ;)
Und die endet vermutlich am Grünstreifen. Wie breit der ist, kann bestimmt jemand aus der (Kirchen-)gemeinde beantworten.
Wenn man nett fragt, bekommt man vielleicht eine "nette" Antwort.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lonicera 66 am 14. August 2017, 23:19:01
Ambrosia artemisiifolia
Ich glaube nicht, dass man die noch aus dem Gebiet raus bekommt.

Hier im Harz ist es der chinesische Knöterich...viele Standorte sind bereits von ihm erstickt worden, besonders in den Wäldern und an Flüssen wächst nichts anderes mehr. Sogar die Brombeere ist nicht mehr an solchen Standorten zu sehen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 14. August 2017, 23:59:01
Die Förderung langfristiger Stillegung (>5 Jahre) wurde 1996 - also vor gut 20 Jahren abgeschafft ;)
Was es heut an Vorschriften und nachzuweisenden Ausgleichsflächen braucht um Fördermittel dafür zu bekommen steht beispielsweise hier:

http://www.lissmann.eu/agrarpolitik_15974255.html

(Der grüne Textteil)

Für die Erhaltung von Ackerrandstreifen, Feuchtgebieten oder Tümpeln gibt es durchaus Zuschüsse.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 15. August 2017, 01:26:19
Ich empfand es in dem Kontext eher als positiv. ???

Meinte ich ja auch positiv. Ist aber irgendwie nicht so angekommen.

An Mod.: Bekomme momentan keine Benachrichtigungen... kleines Problem? Ich warte mal ab.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Eva am 15. August 2017, 01:51:26
Zitat
An Mod.: Bekomme momentan keine Benachrichtigungen... kleines Problem? Ich warte mal ab.

Ich glaube, diese Sorte Schluckauf hat das Forum immer mal wieder.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 15. August 2017, 08:10:20
Hier bei uns nutzt der eine oder andere ihn, um ein paar qm Ackerfläche hinzuzugewinnen. ;)

Dank GPS sind ganz moderne Landmaschinen in der Lage, exakt bis zur Grundstücksgrenze zu arbeiten, was schon zur Verlegung von Feldwegen geführt hat. Die können im Lauf der Zeit „verrutschen“.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Amur am 15. August 2017, 12:03:51
Hier bei uns nutzt der eine oder andere ihn, um ein paar qm Ackerfläche hinzuzugewinnen. ;)

Dank GPS sind ganz moderne Landmaschinen in der Lage, exakt bis zur Grundstücksgrenze zu arbeiten, was schon zur Verlegung von Feldwegen geführt hat. Die können im Lauf der Zeit „verrutschen“.

 ;D
So ein Fall hatten wir hier auch. Allerdings bei einem Feldweg. Da hat die andere Seite erst mal "nachgegeben". Aber nachdem das immer mehr wurde hat er mal seine Grenzsteine abgesteckt und ist mit dem Pflug genau auf der Grenze lang. Danach war es nur mehr ein schmaler Fusspfad und die Sache wurde wieder korrigiert.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Natternkopf am 15. August 2017, 20:33:09
Ich denke dieser Artikel passt hier rein.

Tierschutz und böse Tiernutzer – ein Kommentar von Sören Schewe
Landwirte seien doch eh nur auf ihren Vorteil bedacht ... ...
... Etwas mehr Vertrauen in die Landwirte und Landwirtschaft wäre schon angebracht.

🌿 🌸 🐝

Grüsse Natternkopf
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 18. August 2017, 00:35:01
Wenn man mal drüber nachdenkt, liegts eigentlich auf der Hand, dass wenn man Fragen hat, diejenigen frägt, die was davon verstehen.

Es haben aber aktuell wohl nur recht wenige Fragen.

Jeder weiß, dass er `wenn er mal drüber nachdenkt, eigentlich garnix mehr essen darf´.


Man ist gegen die Agrarindustrie, basta.

Ein Artikel zu Agrarinvestoren, die Kommentare sind recht aufschlussreich:
https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Starkoechin-jetzt-auch-Bio-Baeuerin-1713205.html

Ob die andere Entwicklung besser ist, sollte man mal diskutieren:
https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Edeka-kauft-200-ha-Obstanbauflaeche-8440098.html
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 18. August 2017, 07:38:29
Ich stehe der modernen Landwirtschaft durchaus aufgeschlossen gegenüber. Aber manches wird auch mir etwas viel. Die große Wiese nebenan wird zur Silageproduktion genutzt, weshalb sie intensiv gedüngt und ungefähr viermal im Jahr gemäht wird. Die Silage dient der Rinderfütterung und der Ökostromproduktion. Dieser Tage waren Fahrspuren im Gras zu sehen, weshalb ich auf eine erneute Düngung tippte. Dem ist aber nicht so. Es wurde gegen zweikeimblättrige Unkräuter (Ampfer, Galium, Löwenzahn) gespritzt, wie momentan zu sehen ist. Die Bauern bekommen Flächenprämie, Ökostromvergütung und vermutlich zusätzlich einen Zuschuss, weil die in der Biogasanlage anfallende Abwärme im Betrieb genutzt wird. Der Bauer, der die Nachbarwiese (ungefähr 7 Hektar) nutzt, bekommt Geld dafür, dass er diese Wiese extensiv pflegt. Das ist mir sympathischer.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hargrand am 18. August 2017, 08:10:24
Dass schlimme finde ich, dass nicht der Ampfer gezielt sondern  eben auch Löwenzahn und co. Mitbehandelt wird.
Klar, wer hat schon die Zeit jede Einzelpflanze Ampfer zu spritzen.

Ich bin selber am Überlegen ob unsere Wirtschaftsweise gut ist.
Unsere Wiesen werden 5- (meistens) 6 mal im Jahr gemäht, zum einen weil der Nährwert sonst stark abnimmt , zum anderen weil die Tiere älteres Futter ganz einfach links liegen lassen und nicht fressen. Sind auch Feinschmecker.
Pro Mahd kommt aber trotz der häufigen Schnittnutzung einiges an Masse zusammen weil es bei uns eigentlich genug Niederschlag gibt.
Mit der häufig Nutzung nimmt man nun aber eine Verdrängung mancher Arten in Kauf. Hmm. Würde man weniger Oft mähen, müsste man deutlich mehr Kraftfutter einsetzen.
(Wir setzen im Vergleich sehr wenig ein)
Das würde bedeuten Getreideanbau auf anderen Flächen wird ausgeweitet.
Nochmal Hmm.
Es gibt halt doch immer mehr als eine Seite zu betrachten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: biene100 am 18. August 2017, 10:14:04
Natternkopf, was für ein intelligenter Artikel !
Danke fürs herzeigen, ich freu mich sehr darüber. Hab ich doch mittlerweile leider den Eindruck bekommen dass alle anderen besser wissen wie der Bauer zu arbeiten hat. Darum freut mich besonders dieser Satz: "Wenn der Klempner zu Euch kommt, um ein Rohr zu verlegen, dann sagt Ihr dem ja auch nicht, wie das zu laufen hat, oder?"  :)
Tja, genauso denk ich mir auch oft. Also bitte etwas  mehr Vertrauen und Respekt wär nicht schlecht. Die Arbeit wird man gewohnt, sparen sind wir gewohnt, aber diese Geringschätzung, die werd ich nie gewöhnt werden.

Warum will man alle Kleinen eigentlich umbringen? Ich kapiers nicht. In Russland hat man gesehen dass kleinere Bauern besser wirtschaften als die Kolchosen. Im Westen läufts jetzt aber wieder drauf raus solche Imperien zu schaffen.

Hargrand,- wir behandeln den Ampfer noch gezielt. Mit einem Docht werden einige Tropfen Roundup auf die Blätter gestrichen und fertig. Es gibt sie noch, die kleinen die ihr Grünland so pflegen. Aber wie lange noch?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 18. August 2017, 10:30:33
Das doofe ist ja, der Artikel von Natternkopf ist von 2012.

Was ist in den letzten 5 Jahren nicht alles pauschalisiert und verurteilt worden...

An die Ackerbauern hier habe ich mal eine Frage:
ich suche was zum flächigen Unterschneiden der Krume im Gemüsegarten, was die Oberfläche nicht allzufein krümelt. Es geht später eher um grobe Samen wie Mais, Bohnen oder Erdpresstöpfe.
Sauzahn habe ich wegen der eher streifenweissen Bearbeitung nur selten in Gebrauch, ich hätte eher gerne was in Richtung Gänsefußgrubber. Bearbeitungstiefe wird max 10-15cm sein.

Was meint ihr dazu, ist das Nonsens?
 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: biene100 am 18. August 2017, 10:54:26
Genau Thuja, das hab ich erst später gesehen. :-[ Und mich auch gefragt, was er gebracht hat. Leider gar nix.  :P ::)

Ja, pauschalisieren und verurteilen, das geht ziemlich einfach und flott.  >:(
Es ist ein Trauerspiel.

Bei Deiner Werkzeugsuche kann ich dir leider nicht behilflich sein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 18. August 2017, 10:58:14
In Russland hat man gesehen dass kleinere Bauern besser wirtschaften als die Kolchosen.

Die russische Landwirtschaft sollte man wohl besser nicht mit der deutschen vergleichen, in Russland ist doch einiges etwas anders als hier...

Generell gilt aber: ein Großbetrieb kann gut sein, wenn er gut geführt wird, genauso wie ein kleiner. Es hängt doch immer sehr von den Menschen ab, die solch einen Betrieb bewirtschaften.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 18. August 2017, 11:09:54
Das doofe ist ja, der Artikel von Natternkopf ist von 2012.

Was ist in den letzten 5 Jahren nicht alles pauschalisiert und verurteilt worden...

An die Ackerbauern hier habe ich mal eine Frage:
ich suche was zum flächigen Unterschneiden der Krume im Gemüsegarten, was die Oberfläche nicht allzufein krümelt. Es geht später eher um grobe Samen wie Mais, Bohnen oder Erdpresstöpfe.
Sauzahn habe ich wegen der eher streifenweissen Bearbeitung nur selten in Gebrauch, ich hätte eher gerne was in Richtung Gänsefußgrubber. Bearbeitungstiefe wird max 10-15cm sein.

Was meint ihr dazu, ist das Nonsens?

Ein Kartoffelhäufler geht nicht tief genug? Sauzähne gibt es auch mit 5 Zähnen nebeneinander.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Natternkopf am 18. August 2017, 11:15:54
Moin
Das doofe ist ja, der Artikel von Natternkopf ist von 2012.


- 2016
- 2017

Soweit wir weiterhin wenig bezahlen wollen für Lebensmittel, ... ...

Egal. Sonst wird das zu weitläufig.

Grüsse Natternkopf
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 18. August 2017, 21:50:21
Wenn man mal drüber nachdenkt, liegts eigentlich auf der Hand, dass wenn man Fragen hat, diejenigen frägt, die was davon verstehen.

Es haben aber aktuell wohl nur recht wenige Fragen.


Kann nur jeden ermuntern! Immer los, es gibt auch hier im Forum Leute die selbst Landwirtschaft betreiben, oder damit aufgewachsen sind, oder halt in engem Kontakt damit leben. ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 18. August 2017, 22:00:45
... "Wenn der Klempner zu Euch kommt, um ein Rohr zu verlegen, dann sagt Ihr dem ja auch nicht, wie das zu laufen hat, oder?"  :)
Tja, genauso denk ich mir auch oft. Also bitte etwas  mehr Vertrauen und Respekt wär nicht schlecht. ...

Respekt, sicher. Vertrauen gerne, wenn es verdient ist. Aber ich schaue beim Handwerker schon hin ...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hargrand am 18. August 2017, 22:05:41
*räuspert*
Mich würde interessieren was ihr von dem von mir genannten Zwiespalt haltet, bzw. Wie ihr das seht. Bitte ein paar Meinungen!  :)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 18. August 2017, 22:13:39
Was genau ist die Fragestellung?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 18. August 2017, 22:19:06
Dieser Zwiespalt ist immer da. Wenn es Dir selbst auf den Nägeln brennt, die Vielfalt in Deinem Grünland zu steigern, geht das sicher nur über Streckung der Mahdtermine und eine gewisse Aushagerung. Wenn das nicht zum übrigen Betriebskonzept passt, wird es schwierig. Grundsätzlich solten Tierbestand und Futteraufkommen aus der Betriebsfläche im Einklang stehen. - Schreibt einer, des es nicht hinbekommen muss und leicht reden kann.  :-[

Eins lässt sich aber sicher sagen: 5 oder 6 Schnitte im Jahr kommen nicht nur aus dem guten Niederschlag. Da muss schon einiges an Dünger auf die Fläche kommen. Das zusammen kann nur zu recht einförmigen Grasbeständen führen.

Hast Du mal an ein Schnupper-Praktikum in einem (Öko-)Betrieb nachgedacht, der gezielt artenreiches Grünland erhält? Nur, um ein paar Grundsätze und Kniffe  mitzubekommen, nicht, um Deinen Betrieb umzudrehen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hargrand am 18. August 2017, 22:19:19
Dass schlimme finde ich, dass nicht der Ampfer gezielt sondern  eben auch Löwenzahn und co. Mitbehandelt wird.
Klar, wer hat schon die Zeit jede Einzelpflanze Ampfer zu spritzen.

Ich bin selber am Überlegen ob unsere Wirtschaftsweise gut ist.
Unsere Wiesen werden 5- (meistens) 6 mal im Jahr gemäht, zum einen weil der Nährwert sonst stark abnimmt , zum anderen weil die Tiere älteres Futter ganz einfach links liegen lassen und nicht fressen. Sind auch Feinschmecker.
Pro Mahd kommt aber trotz der häufigen Schnittnutzung einiges an Masse zusammen weil es bei uns eigentlich genug Niederschlag gibt.
Mit der häufig Nutzung nimmt man nun aber eine Verdrängung mancher Arten in Kauf. Hmm. Würde man weniger Oft mähen, müsste man deutlich mehr Kraftfutter einsetzen.
(Wir setzen im Vergleich sehr wenig ein)
Das würde bedeuten Getreideanbau auf anderen Flächen wird ausgeweitet.
Nochmal Hmm.
Es gibt halt doch immer mehr als eine Seite zu betrachten.
Die Fragestellung ist eigentlich:
Was ist stärker zu gewichten ?
-geringerer Kraftfutterbedarf und damit weniger Getreideanbau für die Tierhaltung
-sinkende Artenvielfalt auf Grünflächen aufgrund von häufigerer Schnittnutzung von Grünland.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hargrand am 18. August 2017, 22:22:39
Danke für deine Einschätzung, Lerchenzorn. :)
Unser Betrieb biologisch bewirtschaftet, allein schon deswegen wird ausschließlich mit betriebseigenem Wirtschaftsdünger gedüngt. ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 18. August 2017, 22:26:29
@RosaRot: mehrzinkiger Sauzahn, einen Krail habe ich, die letzten Jahre intensiv genutzt. Was mir dabei fehlt ist das flächige, es sind beim betrachten ja doch nur 4 Zinken mit 3 Lücken dazwischen am Grund vom Bearbeitungshorizont. Dazwischen 3 Lücken und viel überlockerte Erde darüber. Zum flüssigen durchziehen zu viel Erde die sich vornedran häufelt, geht man flacher, bin ich zwar mit zufrieden, aber es ist eben nicht das was ich suche.
Wenn ich in die so gelockerte Erde Bohnen drücke, ist das eine Korn gerne mal 10cm tief drin und das übernächste nur 3. Die Reihen sehen danach wie gewollt aber nicht gekonnt aus, einfach nur lückig, nix was zufrieden stellt.

@hargrand:
wenn die den Ampfer und Löwenzahn und Co. alles auf einen Rutsch bekämpfen, vielleicht ists ihnen zu viel.
Ich sehe das hier bei den Hobbygemüsegärtnern, die jäten oft erst Unkraut wenn sichs ausgesamt hat, oder giessen erst wenn schon deutliche Trockenschäden da sind und alles hinterherhinkt. Saubere Arbeit sieht jedenfalls anders aus.
Andere bauen sogar Hochbeete und schmieren Platten in Beton drumrum, weil sie mit echtem Boden garnicht klarkommen.

Vielleicht haben die Bauern bei dir auch zu viel zu tun und werden nicht mehr einig.

Ich bin froh, das ich nix dokumentieren muss. Ich habe heute meinen Rasen fertig gemäht, 2 Minuten bevors geschüttet hat, danach habe ich mich entschlossen, die Äpfel doch erstmal hängen zu lassen, weil der Boden zu nass ist. Morgen abend sieht es vielleicht besser aus. Den gestern gepflanzten Kohl angeguckt, angiessen erstmal nicht nötig. Danach Merlan essen gehen weil Helferfest, morgen früh gut 3000m² Rasen mähen (mit 42cm Schnittbreite, vorher Rasenmäher auf den Fahrradanhänger pascken und durch die Gegend kutschen), wenn ich damit fertig bin, stehen die Leute von der Tanzschule da, Saisonabschluss. Das geht bis Nachmittag und dann kommen die Tomaten dran, die seit 3 Tagen aufs ernten warten.
Wäre ich Bauer, müsste ich das wesentliche noch dokmentieren.
Als Hobbygärtner bin ich froh, dass ich meist nur Aussaat- und Erntetermine aufschreibe.

Im Beruf gäbs dafür Dresche.
Meine Meinung ist, wir sind alle nur Menschen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 18. August 2017, 22:36:36
Speziell zum Löwenzahn, zur Obstblüte blüht bei mir keiner, danach lasse ich ihn eher gewähren und nehm mal was mit fürs Kaninchen.
Rasen habe ich neu angelegt, weil man auf dem verunkrauteten Grünstück vorher das Mulchmaterial nicht mehr für die Gemüsebeete zum mulchen nehmen konnte.

Ein Randstück in der Anlage, wenns wieder trocken ist, werde ich dort evtl die Brennesseln unter den Obsbäumen abmähen, jetzt kann man ja wieder (Glasflüglerzikade).

Prinzipiell versuche ich den ungedüngten Spielplatz in der Gartenanlage so zu mähen, dass Kinder Sträusschen pflücken können, sich auch einiges davon aussamen kann, alles in allem aber immernoch als Kinder-Familientauglich durchgeht und nicht allzuviel Beschwerden von Ordnungsfanatikern kommen. Das Wespennest im Boden bleibt ungestört, Bäume drumrum mit strauchigem Unterholz werden wie Knicks behandelt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 18. August 2017, 22:42:31
Was ist stärker zu gewichten ?
-geringerer Kraftfutterbedarf und damit weniger Getreideanbau für die Tierhaltung
-sinkende Artenvielfalt auf Grünflächen aufgrund von häufigerer Schnittnutzung von Grünland.
Ich persönlich tendiere da eindeutig zu intensiverem Getreideanbau.
Politisch die Zucht und Forschung fördern, privat den Mehrertrag dadurch wenn möglich nicht verhökern, sondern wenn geeignete Flächen da sind, wissenschaftlich begleitet extensivieren, zB als Demobetrieb bzw Forschungsprojekt. Wenn potentiell geeignete Flächen nicht da sind, die Fruchtfolge strecken.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 18. August 2017, 23:38:39
Die Fragestellung ist eigentlich:
Was ist stärker zu gewichten ?
-geringerer Kraftfutterbedarf und damit weniger Getreideanbau für die Tierhaltung
-sinkende Artenvielfalt auf Grünflächen aufgrund von häufigerer Schnittnutzung von Grünland.

Das ist wohl immer eine wirtschaftliche und eine Gewissensentscheidung!
Als Landwirt sind die Flächen der wesentlichste Wirtschaftsfaktor - zum einen sollen sie möglichst viel Ertrag bringen, andererseits das eben auch über einen zukünftigen Zeitraum. Es bringt also nix (wie oftmals vorgeworfen) die Flächen durch Überweidung oder Überdüngung zu ruinieren.
Wie weit man da geht muß jeder selbst mit sich ausmachen und an den örtlichen Gegebenheiten anpassen. Auch auf Nutzwiesen ist ein gewisser Anteil an Kräutern nicht nur notwendig für die Tiergesundheit, sondern gehört auch einfach dazu.

Fazit: Bevor "ans Limit" gemäht oder gedüngt wird lieber prozentual den Einsatz von Getreide oder Futterpflanzen aus dem Feldanbau erhöhen.
 8) Meine Meinung.

Und auf unseren Weiden/Nutzwiesen gibt es nicht nur Löwenzahn als Blühpflanzen ;) Dennoch entsprechen sie natürlich nicht der Vielfalt einer Magerwiese! Und nicht der Artenzusammensetzung meiner Kindheit, da sich auch die Nutzungsgewohnheiten und  andere äußere Bedingungen (Grundwasserspiegel ist auf eine Fläche beispielsweise von -2m auf wenige cm gestiegen, Nährstoffeintrag aus der Luft hat stark abgenommen) sehr verändert haben. Es ist halt immer ein Kompromiss und ein sich verändernder Prozess.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 25. August 2017, 13:05:03
Möchte mal was Positives erwähnen:
Der eine unserer Bauern erlaubt mir zu fährten auf seinem Acker.
Zusätzlich aber darf ich auch Stroh nach der Mahd vom Acker holen. Stroh benutze ich gern zum Einstreu für Hühner. Ich trockne es in diesem Jahr noch nach, weil grad das Stroh in den Treckerspuren sehr dick liegt und z.T. auch noch etwas feucht ist - welch Wunder in diesem Jahr. Der Bauer hatte sogar einen Randstreifen so gemäht, dass längeres Stroh übrig blieb, knochentrocken. Ich nutze aber gern das Kleingehäkselte.
Ich finde das ausgesprochen nett.

Es gibt auch Bauern, die jegliches Betreten des Ackers strikt verbieten.

(http://up.picr.de/30175450vg.jpg)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 01. September 2017, 21:19:09
- bis auf die ausstehende Antwort auf mein Schreiben.

Kam da eigentlich inzwischen eine Antwort aus dem Amt?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 01. September 2017, 21:56:29
Bezüglich erntefähige Kartoffeln auf dem Acker und Spätverunkrautung mit Samenunkräutern drin und auf Kleinflächen wäre jäten evtl noch machbar; ich würde da gerne nochmal drauf zurückkommen.
Bei kleinen Flächen vielleicht sogar machbar...!
Wenn's mehr wird - der hiesige Agrarbetrieb bestellt beispielsweise 60 Hektar mit Kartoffeln - ich glaube spätestens da ist Schluß mit Jäten :D
Hier steht nicht nur auf einem Schlag zwischen dem totem Laub, ob nun sikkiert oder durch Pilz kaputt, erstmal egal, massenweiße Gänsefuß, Amaranth und alles ähnliche was man nicht zur Samenreife kommen lassen möchte. Das steht gut einen Meter hoch, lange nach der Unkrautblüte, das Kartoffellaub schon wenigstens 4 Wochen kaputt, die Knollen von Drahtwürmern und Pilz langsam angegriffen, und da ist weit und breit kein Roder in Sicht.
Tage später, Gänsefuß samt bereits aus, da wird dann mal geerntet.
Jetzt ist hier eine Chio-Chips-Fasbrik nebenan, viele Kleinbauern machen nur die Kartoffelsorten für die, einmal alles verkauft, kein Ärger mit Großmarkt oder einlagern usw.

Also Knolle braucht keine harte Schale zum lagern, Unkraut wächst darüber und setzt Samen an, Knolle wird im Boden von Tag zu Tag nicht besser, gefühlt wenns zu spät ist passiert dann mal was und danach wird zB. im Winterweizen mind. 2 mal behandelt. Kommen Zwiebeln danach, kommen die Jätetrupps nicht nach.

Ich verstehe es wirklich nicht, ich würde im Garten so nicht wirtschaften, ist man dankbar für die Biomasse als Humusquelle und nimmt dafür (behandelbare) Unkrautsamen in Kauf oder ist die Gewinnspanne bei (Verarbeitungs)Kartoffeln so schlecht, dass sich das etwas zeitigere Ernten nicht rechnet, wenn man im dümmsten Fall noch zwischenlagern muss?

Einige betroffene Äcker sind nicht die bestgepflegtesten, aktuell steht Mais drauf, mit gut 3m vom Rand rein Hirse und Co, großer Randstreifen mit null Ertrag und viel Unkrautsamen, weil im Frühjahr die HPPD´s nicht sauber gespritzt worden sind. Da hat der Fahrer mit dem Spritzgestänge gehadert (Vorgewende und auf der anderen Randseite üppige Brombeeren), andere Fehler in anderen Jahren sind auch zu beobachten. 

Was sagt die `gute fachliche Praxis´ bzw Beratung dazu?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 05. September 2017, 22:20:38
Gänsefuß, Melde, Hirse... Ja klar, können durchaus problematisch sein im Kartoffelbestand. Die Bekämpfung ist aber ab einem gewissen Zeitpunkt ebenfalls problematisch - wenn halt keine Rückstände in den Kartoffeln sein sollen und ein erheblicher Kostenfaktor sind Herbizide sowieso.
Dann ist es wahrscheinlich oftmals deutlich günstiger diese Unkräuter mit 'runter zu schlägeln und mit den Folgen zu leben. Ein Großteil dieser Unkrautsaaten läßt sich gut durch Bearbeitung zwischen der Fruchtfolge (Keimung und Dezimierung durch mehrmalige Bearbeitung) oder mit günstigeren Herbiziden handhaben.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. September 2017, 00:12:56
Totes Kartoffellaub sollte eigentlich keine Herbizide mehr aufnehmen. Nennenswerte Rückstände würde ich nicht erwarten. Zu teuer, ok, ein Argument. Wenn die Braunfäuletriebe schon nicht sikkiert werden, dann erst recht kein Unkraut. Kann ich nachvollziehen.

Unkrautsamen schlegeln und mit der Ernte in den Boden sieben, danach falsches Saatbett: Kartoffeln allein sind schon Humuszehrer, 2 mal falsches Saatbett danach frisst noch mehr Substanz vom Acker.

Explizit übertriebenen Humusersatz kann ich in den Fruchtfolgen hier auch nicht erkennen. In den Zuckerrüben steht viel Gänsefuß, Mais wird wie Weizen auch bis fast runter gemäht, als Zwischenfrucht wieder Naturbegrünung und wenn Gemüse drauf steht, jäten sich die Arbeiter halb bucklig.
Ich wollte die Fläche ungern übernehmen.
Nematoden gut, aber Unkrautsamenbank nichts für Gärtner.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 09. September 2017, 00:02:13
- bis auf die ausstehende Antwort auf mein Schreiben.

Kam da eigentlich inzwischen eine Antwort aus dem Amt?

Bis heute null, niente. Ich werde das Email ausdrucken und per Einschreibe/Rückschein am Montag nochmal abschicken. Sorry, aber diese Ignoranz in diesem Bundesland k... mich an. Glaubt mir, es ist nicht vergleichbar mit anderen Bundesländern. Es gibt den Spruch: in Mecklenburg geht die Welt 100 Jahre später unter. Genauso ist es.
Ich bin hier geboren und liebe die Landschaft sehr... aber ansonsten... kriegt ich öfter mal ne Krise, ehrlich.

(Leider keine Benachrichtigungen momentan, ich schaue nicht so oft hier rein - daher meine Antwort so verspätet)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 09. September 2017, 08:01:53
Behörden beantworten E-Mails mitunter nicht. Diese Erfahrung machte ich auch schon.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 09. September 2017, 12:44:21
Behörden beantworten E-Mails mitunter nicht. Diese Erfahrung machte ich auch schon.

Emails sind eigentlich "gerichtstauglich". ... Insofern sollte eine Behörde ein Email gleichwertig wie einen Brief betrachten.
Mahnungen werden ja auch per Email versandt - wers nicht liest, bekommt ein Problem.

Ich verstehe diesen Umgang echt nicht.
Brief ist jedenfalls gedruckt und geht morgen raus.
Das Email war vom 2. Juli! Heute 10. September...

Zusatz: heute, 12.09. abgeschickt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 28. September 2017, 20:50:38
Herbst- Zeit für Zwischenbegrünung/Gründüngung.
Prinzipiell Saatmischungen - hier mit Phacelia als Bienenweide; den Geruch kann ich leider nicht mitliefern!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 28. September 2017, 20:53:37
Oder Ölrettich zur Humus/Massebildung und gegen Erosion:
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 28. September 2017, 20:54:43
....Senf zur Tiefenlockerung...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 28. September 2017, 20:55:37
Am 24.9.2017 erhielt ich den Rückschein des Einschreibens... :(

Obs die Post?... oder die Postannahme...?...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 28. September 2017, 20:56:16
Und (nicht) zuletzt diversen Leguminosen zwecks Stickstoffanreicherung
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 28. September 2017, 20:57:58
Am 24.9.2017 erhielt ich den Rückschein des Einschreibens... :(

Obs die Post?... oder die Postannahme...?...

 ??? Brieftaube wäre unterwegs verhungert...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 28. September 2017, 21:07:43
Am 24.9.2017 erhielt ich den Rückschein des Einschreibens... :(

Obs die Post?... oder die Postannahme...?...

 ??? Brieftaube wäre unterwegs verhungert...

Vermutlich. Finde das aber nicht wirklich lustig. Etwas mehr Bürgernähe wäre mit Sicherheit nicht der falsche Weg.
 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 28. September 2017, 21:10:22
Eine Antwort ist wahrscheinlich inzwischen auch nicht eingegangen oder?
(die Frage ist eigentlich rein rhetorisch... :-\)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 28. September 2017, 21:12:22
Eine Antwort ist wahrscheinlich inzwischen auch nicht eingegangen oder?
(die Frage ist eigentlich rein rhetorisch... :-\)

natürlich noch nix.... :( :( :(
Ich hatte im letzten Satz formuliert: ich möchte die Antwort öffentlich diskutieren können...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 06. Oktober 2017, 22:29:42
Oder Ölrettich zur Humus/Massebildung und gegen Erosion:
Ab wann sollte man den mulchen?

Ich habe aktuell Tagetes in Reinsaat stehen, die ist gerade beim Saat ansetzen.
Ich möchte weder massig Samen einarbeiten noch zu früh und damit zuviel ungenutzten Stickstoff in den Boden bringen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 06. Oktober 2017, 22:42:12
Ist wie bei herkömmlichen Grünsaaten - am besten über Winter stehen lassen!
Die Pflanzenmasse bindet die Nährstoffe, schützt vor Austrocknung und Erosion und die Vögel/Nager/Insekten tun einiges zur Samenvertilgung (okay, bei Tagetes weiß ich nicht ob) und im Frühjahr einfach einarbeiten.
Gründüngepflanzen bringen zwar mitunter eine Menge Samen in den Boden - sind aber im Gegensatz zu so einigen Unkräutern relativ kurzlebig und lassen sich leicht mechanisch bekämpfen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 06. Oktober 2017, 22:48:27
Ok, dann wird nicht mit der Heckenschere geköpft, noch Samen geerntet (so sie nicht bei der aktuellen Feuchtigkeit verschimmeln) und im Frühjahr vorgezogenes Gemüse gepflanzt oder Mais/Bohne gesäht.
Ist noch eine Zwischenkultur möglich, Weinbauklima ab Februar gehts los, Maissaat etwa Mitte April? 

Kopfsalat? Vorziehen in MTP dann ab wann?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 13:39:19
Nun denn - hier einige Bilder von der ehemaligen Wiese... die sinnfrei mit Mais besät wurde.
Eine einzige Matsche.

Die Frage: Antwort?  Natürlich keine Antwort.
Welchen Weg geht man dann weiter? Ich habe nur eine einzige Frage: warum ... als einfacher Anwohner.
Es war weder eine "Eingabe" noch eine "Kritik", sondern nur eine Fragestellung. Text gern zur Verfügung per pn.

Hier die Bilder des Jammers:


(http://up.picr.de/31085694nx.jpg)

(http://up.picr.de/31085695ol.jpg)

(http://up.picr.de/31085696jv.jpg)

(http://up.picr.de/31085697vx.jpg)

(http://up.picr.de/31085698br.jpg)

(http://up.picr.de/31085699gj.jpg)

(http://up.picr.de/31085700vy.jpg)

(http://up.picr.de/31085701ex.jpg)

(http://up.picr.de/31085702rc.jpg)

Wenn ich diese Bilder hier nochmal sehe (und ich fahre täglich daran vorbei), kommen mir die Tränen... ich denke an "Energie", an "Hunger", an "Wildschweine", die hier in unserem Dorf bisher noch nie waren, denn knapp 100 m hinter dem Wald ist die Bundesstraße, und noch nie haben sich binnen der letzten 30 Jahre auf dieser Wiese Wildschweine getummelt, noch nie... (die zwei "Hoch"sitze=Klappergestelle sind nicht mal 100 m entfernt von Wohngebäuden)... an die vertriebenen Haubenlerchen, an Laubfrösche und Molche... "wohin" soll ich denken, ohne wütend zu werden?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: martina 2 am 29. November 2017, 14:20:37
Über die Sinnhaftgkeit sogenannter Ausgleichsflächen gab es letzten Donnerstag einen Beitrag im BR in der Sendung Quer.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 29. November 2017, 14:22:17
Mein 1. Gedanke war, da möchte jemand Wildscheine mästen. Für den Weihnachtsbraten?
Mich macht Naturzerstörung auch wütend.
Da muß ich an das Bahnprojekt denken, ...Eidechsenumsiedlung...
Die Bahn hat einmal geantwortet und ihr tun verteidigt.
Meine erneuten Einwände, alle bis auf 1 Eidechse waren abgewandert, wurden nicht beantwortet.
Das ist ganz klar rechtswidrig, die Mauereidechsen sind streng geschützt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 14:55:26
Über die Sinnhaftgkeit sogenannter Ausgleichsflächen gab es letzten Donnerstag einen Beitrag im BR in der Sendung Quer.

Da fasst man sich an den Kopf.... macht sprachlos.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: obst am 29. November 2017, 15:33:19
Zitat
Mein 1. Gedanke war, da möchte jemand Wildscheine mästen. Für den Weihnachtsbraten?
Mich macht Naturzerstörung auch wütend.

Ich schätze eher, dass es sich um einen wegen der Feuchtigkeit nicht aberntbaren Acker handelt, davon gab es dieses Jahr in vielen Gegenden sehr viele Flächen. Aus Spass lässt wohl kein Landwirt eine Fläche so zurück. Die Landwirte sind die letzten, die Wildschweine unterstützen wollen, da diese ihnen beträchtliche Schäden verursachen. Im übrigen ist nicht nur Mais auf den Flächen geblieben, genauso waren vielfach Kartoffeln und Rüben auch nicht zu ernten wegen der starken Niederschläge.

Dass die Landwirte inzwischen mehr Mais anbauen statt Grünland, darf niemanden verwundern. Der Nährwert einer Maisfläche ist wesentlich höher als der Nährwert einer Weide. Die meisten Landwirte müssen aufgrund der geringen Milchpreise und der gleichzeitig hohen Pachten und hohen Kosten zugekauften Futters sehr genau kalkulieren.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 15:36:42
Zitat
Mein 1. Gedanke war, da möchte jemand Wildscheine mästen. Für den Weihnachtsbraten?
Mich macht Naturzerstörung auch wütend.

Ich schätze eher, dass es sich um einen wegen der Feuchtigkeit nicht aberntbaren Acker handelt, davon gab es dieses Jahr in vielen Gegenden sehr viele Flächen. Aus Spass lässt wohl kein Landwirt eine Fläche so zurück. Die Landwirte sind die letzten, die Wildschweine unterstützen wollen, da diese ihnen beträchtliche Schäden verursachen. Im übrigen ist nicht nur Mais auf den Flächen geblieben, genauso waren vielfach Kartoffeln und Rüben auch nicht zu ernten wegen der starken Niederschläge.

Dass die Landwirte inzwischen mehr Mais anbauen statt Grünland, darf niemanden verwundern. Der Nährwert einer Maisfläche ist wesentlich höher als der Nährwert einer Weide. Die meisten Landwirte müssen aufgrund der geringen Milchpreise und der gleichzeitig hohen Pachten und hohen Kosten zugekauften Futters sehr genau kalkulieren.

Du hast leider nicht mitgelesen: diese Fläche ist seit 30!!! Jahren eine unbearbeitete Feuchtwiese - nur hat sie scheinbar noch keine Taufe bekommen, als solche bezeichnet zu werden. Sie wurde 30 - in Worten dreißig! Jahre nicht bearbeitet.

Der Nährwert von Mais auf einer Fläche, die bekannt für höhere Wasserstände ist, ist gleich NULL.

Wenn ein Landwirt also eine solche "Wasserfläche" bearbeitet, muss das andere Gründe haben - auf meine Frage ans Landwirtschaftsministerium für Natur!!! und Umwelt!!! habe ich bis heute keine Antwort.
Mutmaßungen nutzen also nichts.

Ich würde sehr gerne eine Begründung erfahren... ansonsten kann ich nur denken: dumm.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 29. November 2017, 16:02:35
Eine mögliche Erklärung,
man wollte Mais für eine Biogasanlage anbauen, das gibt zumindest mehr Kohle als eine Feuchtwiese.
Dann wurde leider der viele Regen zum Verhängnis.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 16:06:20
Eine mögliche Erklärung,
man wollte Mais für eine Biogasanlage anbauen, das gibt zumindest mehr Kohle als eine Feuchtwiese.
Dann wurde leider der viele Regen zum Verhängnis.

Es hat NICHTS mit dem Regen in diesem Jahr zu tun! Dort steht seit 30 Jahren Wasser - daher auch die Laubfrösche und Molche. Ansonsten wären die ja wohl nicht da - die Molche brauchen Wasser.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 29. November 2017, 17:10:23
Der einzige Grund, der mir einfällt, sind die Flächenprämien. Vielleicht will der Bauer die Fläche anmelden. Oder sie ist schon seit Jahren angemeldet und drohte bei einer Kontrolle herauszufallen, weil dort kein Ackerbau stattfindet. Unser Bauer hat aus diesem Grund gerade einen "wilden" Weg über eine Wiese abgesperrt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 17:13:44
Staudo, so wird es sein. Es ist die ehemalige LPG... "schön", dass ihnen solch Unfug dann nach 30 Jahren einfällt. Daher erhalte ich auch keine Antwort, weil einerseits die staatlichen Kontrollmechanismen versagten und andererseits die Nachfolgefirma (Agrargemeinschaft irgendwas) der LPG sich unbegründbar nicht kümmerte - ... also Schlamperei zu gut deutsch.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 29. November 2017, 17:20:57
Ich sehe es eher in Gesetzen, die falsche Anreize schaffen. Derzeit laufen zumindest in unserer Gegend umfangreiche Kontrollen, bei denen alle nicht bearbeitbaren Flächen herausgerechnet werden. Früher reichten die Flurkarten, danach Satellitensfotos. Jetzt wird vor Ort kontrolliert.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 17:30:47
Ich sehe es eher in Gesetzen, die falsche Anreize schaffen. Derzeit laufen zumindest in unserer Gegend umfangreiche Kontrollen, bei denen alle nicht bearbeitbaren Flächen herausgerechnet werden. Früher reichten die Flurkarten, danach Satellitensfotos. Jetzt wird vor Ort kontrolliert.

Vorort-Kontrolle finde ich ok. Nur sollten die, die kontrollieren - z.B. auch jetzt aktuell kontrollieren und sich von ihrem Sessel im Büro hoch bewegen, um zu sehen, was die Realität ist.

Falls sie diese brache (Wiese!) Fläche vorher "kontrollierten", hätte ihnen auffallen müssen (oder sind das keine Fachleute?... wenn Otto-Normalverbraucher das schon auffällt?), dass diese Fläche nicht bewirtschaftbar ist.
Die Agrargemeinschaft ist natürlicherweise auf ihren Vorteil bedacht - jetzt allerdings haben sie aus meiner Sicht den Nachteil. Denn ohne Ernte... ... was soll nun mit der runtergewirtschafteten Fläche passieren? Liegenlassen? Ich darf gar nicht dran denken, echt nicht...

Meist sind Gesetze ok. Doch nirgendwo auf der Welt funktionieren Gesetze ohne Kontrolle.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 29. November 2017, 17:34:57
Ich wäre dafür, die gesamten Flächen zu fördern und nicht bearbeitbare Landschaftselemente mit einer Extraprämie zu belohnen. Dann würden plötzlich Strauchgruppen, Wasserlöcher und Feldraine interessant. Im Gegenzug kann man die Grundprämie senken, so dass der finanzielle Rahmen gewahrt bleibt.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Eva am 29. November 2017, 17:44:21
Ja, das klingt gut, Staudo!

Allerdings sind so weit ich weiß gerade die Flächenprämien für extensiv bewirtschaftete Flächen reduziert worden...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 17:48:50
Mit der Förderung wird etwas unterstützt, was nicht ohne "Stütze" existieren kann, irgendwas ist daran "nicht richtig" aus meiner Sicht. Förderungen werden oft missbraucht, da wissen wir alle. Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu Förderungen jeglicher Art, das gebe ich ehrlich und gerne zu.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 29. November 2017, 18:00:57
Ich vermute weiterhin, daß es einfach darum ging eine Umwidmung als Grünland zu vermeiden. Das passiert automatisch, wenn entsprechend lange kein Ackerbau stattfindet - und verringert den Wert der Flächen erheblich. Eine Nutzung des angebauten Getreides (Mais) erfolgte ja nicht. Und zum Wildschweine anlocken geht flacher Bewuchs und Mais im Herbst als Körner ausstreuen viel besser!
Schade drum um das Feuchtbiotop ist es allemal... :-\
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 29. November 2017, 18:14:08
In der Stadt finden sich für solche Flächen manchmal Bürger, denen etwas an der Erhaltung von Biotopen liegt.
Das allerletzte Mittel, sowas zu erhalten, ist dann oft kaufen. Meist gehts auch ohne kaufen. Kooperationen sind ganz gut, wenn Besitzer und Schützer konstruktiv zusammenarbeiten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Alstertalflora am 29. November 2017, 18:24:22
Die Umwidmung in Dauergrünland geschieht doch automatisch schon nach 5 Jahren (wenn ich mich recht erinnere), Toto schrieb aber (siehe Beitrag #330), dass dort seit 30 Jahren eine Wiese gewesen sei. Insofern verwundert mich das doch schon.
Mein Verpächter baut seit 2013 ununterbrochen Mais auf dem Feld neben meiner Weide an. Da muss man sich dann nicht über Schädlinge wie den Maiszünsler - und den daraus resultierenden Einsatz von Spritzmitteln -  wundern. Ein anderes Maisfeld von ihm, das ehemals (feuchtes) Dauergrünland war (und das er noch rechtzeitig umgebrochen hatte, bevor dies verboten wurde), konnte aufgrund der Witterung dieses Jahr nicht abgeerntet werden. Ich hoffe nur, dass er dafür nicht auch noch eine Entschädigung einkassiert.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 18:30:32
es ist MV... und obgleich ich die Landschaft, meine Heimat hier, sehr liebe, stehe ich auf Kriegsfuß mit der ständig anwesenden Ignoranz. Man sagt auch: "In Mecklenburg geht die Welt hundert Jahre später unter." Und leider verhalten sich Behörden und unbelehrbare Landwirtschaft (siehe Ackerrandflächen, wo hier schon zauberhafte blühende Ackerränder gezeigt wurden...) genau so: hundert Jahre später...
Diese Ignoranz macht mich wütend. Selbst wenn ich die Fläche kaufen wollte, würde das vermutlich nicht vor dem Jahr 2050 passieren... (gibt es auch ein smilie für Wut?)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 29. November 2017, 20:11:24
Die Umwidmung in Dauergrünland geschieht doch automatisch schon nach 5 Jahren (wenn ich mich recht erinnere), Toto schrieb aber (siehe Beitrag #330), dass dort seit 30 Jahren eine Wiese gewesen sei. Insofern verwundert mich das doch schon.

Ich kenne auch nur die prinzipielle Rechtslage und da ist es so.
Was ich nicht weiß...wie ist es wenn die Fläche länger unbeachtet und somit 'durch's Kataster gerutscht' ist und mal eben Tatsachen geschaffen werden? Den Versuch ist es dann durchaus wert. Die Umwidmung bedeutet einen Wertverlust von etwa 30% - bei den hiesigen Bodenpreisen sind das je Hektar um die 3000 Euro. (Durchschnittswert Ackerland über 9000 Euro; Grünland etwa 6000 Euro) Oder andersrum: die Umwandlung von Grün- zu Ackerland ergibt einen Zuwachs betriebswirtschaftlich von 50%
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 29. November 2017, 20:17:31
Vielleicht stand die Fläche als Ackerland im Kataster. Mit den einsetzenden Kontrollen fiel auf, dass dort gar kein Acker ist. Also wurde sie kurzerhand wieder (auch nach Jahrzehnten) zum Acker gemacht. Das würde auch das beharrliche Schweigen erklären.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 20:28:18
Vielleicht stand die Fläche als Ackerland im Kataster. Mit den einsetzenden Kontrollen fiel auf, dass dort gar kein Acker ist. Also wurde sie kurzerhand wieder (auch nach Jahrzehnten) zum Acker gemacht. Das würde auch das beharrliche Schweigen erklären.

ja, dem stimme ich vorbehaltlos zu. Der angrenzende Wald ist Privatbesitz, soweit ich weiß. Hier im "Osten" ist es eben so, dass neben der Enteignung vor 89 (oder wie immer man das nennen will - ich will das nicht weiter ausdehnen) es durchaus auch Grundstücke/Flächen gab (und scheinbar noch gibt), deren Besitzer sich nie mehr weiter gekümmert haben, kümmern wollten oder nicht konnten, weil verstorben. Ich weiß das von Häusern, die verfielen usw. Ist wirklich ein anderes Thema.

Aber in diesem Zusammenhang kann ich mir durchaus vorstellen, dass so eine kleine Fläche, ungenutzt usw., einfach mal nie vermessen wurde, nie eingetragen wurde... und nach dem Motto: wer zuerst kommt... sicherlich auch irgendwie unvorstellbar... aber nun ja, passiert eben... und wenn nicht kontrolliert wird... nun ja...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 29. November 2017, 20:33:36
So etwas gibt es in Deutschland nicht.  ;) Irgendjemandem gehört die Fläche, das ist absolut sicher und anhand des Grundbuchs nachvollziehbar. Wie gesagt, ich tippe eher darauf, dass die Fläche laut Kastaster als Acker galt und ganz normal bei den Flächenprämien angemeldet wurde. Damit sie nicht aus der Förderung fällt, wurde kurzerhand der Zustand "Acker" wieder hergestellt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 20:38:02
abgesoffener Acker, der dann gefördert wird - obgleich vorher bekannt?
Nur eine Frage, keine Ironie o.ä.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 29. November 2017, 20:42:29
Auch ohne Fördermittel oder Erträge (im buchhalterischen Sinne)
Welcher Unternehmer würde einen solch enormen Wertverlust eines seiner Hauptproduktionsmittel und des Buchwertes hinnehmen wenn es sich mit einfachen und preiswerten Mitteln vermeiden läßt?
(mal rein wirtschaftlich gedacht - die Verantwortung die wir darüber hinaus für unsere Flächen haben ist ein weiteres Thema)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 29. November 2017, 20:43:02
Ich weiß nicht, wieviele landwirtschaftlich genutzte Grundstücke es in Deutschland gibt. Es werden ein paar Millionen sein. Wenn der Nutzer (Eigentümer oder Pächter) auf dem Grundbuchauszug "Acker" stehen hat, ist das so lange Acker, bis jemand nachgucken geht.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 20:44:52
Ich weiß nicht, wieviele landwirtschaftlich genutzte Grundstücke es in Deutschland gibt. Es werden ein paar Millionen sein. Wenn der Nutzer (Eigentümer oder Pächter) auf dem Grundbuchauszug "Acker" stehen hat, ist das so lange Acker, bis jemand nachgucken geht.  ;)

heißt: ich könnte nochmal den Naturschutz o.ä. informieren, anschreiben... und Anträge stellen, dass es wieder Wiese wird?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 29. November 2017, 20:47:14
Ich denke, wenn es nicht umgewidmet wurde dann war und ist es Acker; mit letztmaliger Bearbeitung/Fruchtanbau 2017.
Wäre aber interessant, wie die Rechtslage wirklich ist!

Ein kompetenter Partner (Naturschutzverein oder so) der zumindest in Zukunft ein Auge drauf hat ist sicher eine Nachfrage wert!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 29. November 2017, 20:52:19
Ich weiß nicht, wieviele landwirtschaftlich genutzte Grundstücke es in Deutschland gibt.

Deutschland ist definitiv grün. :)

(Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/daten/flaeche-boden-land-oekosysteme/flaeche/struktur-der-flaechennutzung)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 21:09:39
Ein kompetenter Partner (Naturschutzverein oder so) der zumindest in Zukunft ein Auge drauf hat ist sicher eine Nachfrage wert!

Wen genau anschreiben? Idee?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 29. November 2017, 21:18:09
BUND, NABU sind die bekanntesten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 29. November 2017, 21:27:39
Die Kletterfelsen im Pfälzer Buntsandsteingebiet sind heute von Wald umgeben, wenn man an den felsfuß möchte, geht man den Berg über Waldwege hoch. Manche ehemals beliebte Felsern vermorscheln, sie vermoosen im Wald und werden brüchig.
Auf alten Postkarten sieht man die Felsen freigestellt inmitten von Getreidefeldern. Am Hang, auf Buntsandsteinverwitterungsböden, dort wo jetzt in manchen Waldlichtungen Flechten auf dem Boden wachsen, weil der Boden zu trocken und zu nährstoffarm für Gräser ist.

Von der Verwaldung profitiert hier meist die Kiefer, Mischwald gibts auch genug, auch mit Kastanien, aber darauf kommts nicht an, die Umtriebzeiten sind oft zu kurz, wirklich alte Habitatbäume findet man eher in Städten als in Wäldern.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/landschaft-in-europa-von-1900-bis-heute-deutlich-mehr-wald-a-1006078.html

@toto: lies dir bitte mal den Artikel im pdf ab Seite 30 durch, bzw im Heft ab Seite 28:
https://www.pollichia.de/images/pdf/kurier_2_%202016.pdf

Vielleicht könnte man sowas als Vision für die Fläche im Hinterkopf behalten.

PS: Mit BUND habe ich nur schlechte Erfahrungen gemacht, Nabu ähnlich, dort vereinzelt aber auch sehr gute.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 21:40:17
Vielleicht könnte man sowas als Vision für die Fläche im Hinterkopf behalten.

als Vision vlt. ... nur müssten da Gemeinde und ok mitziehen. Werden sie aber nicht tun.
Es kommt ja immer auf professionelles Verständnis an, das ist nicht gegeben.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 29. November 2017, 21:53:33
Als erstes könntest Du selbst in Eurem landeseigenen Feldblockkataster nachsehen, als was die Fläche erfasst ist:
Geoportal MV.

Wenn irgendeine Art der Förderung darauf läuft, findest Du mindestens eine Feldblocknummer. Mit der im Schreiben machst Du vielleicht schon etwas mehr Eindruck beim Amt, weil man die als einfacher Bürger ja auch schon mal nach Brüssel schicken kann. Weiterhin sind im Online-Kataster Angaben zur Art der Flächennutzung und bestimmte Schutzkategorien erfasst, die nähere Hinweise geben können. Du musst Dich zwar registrieren, aber für die hier relevanten Daten nur mit Deiner email-Adresse. Dein Klarname ist nicht erforderlich.

Wenn Du Hilfe beim Navigieren durch das Gewirre der Themen brauchst, schreib mir eine PN. Oder: schicke mir Koordinaten aus GoogleMaps und vielleicht einen Screenshot der Fläche. Dann kann ich für Dich nachsehen.

Aber: überlege Dir alles noch einmal in Ruhe und auch, ob der erste und beste Weg nicht zum Bewirtschafter selbst führen sollte. Porzellan ist schnell zerschlagen und manchmal, nicht immer, tut es einem nachher leid, gleich zum Amt gelaufen zu sein, wenn sich die konkreten Umstände und persönlichen Betroffenheiten ganz anders zeigen, als man sich das vorgestellt hatte. Es schadet ja nicht, beim Landwirtschaftsbetrieb Deine ehrliche Empörung über das verlorene Stück Natur zu zeigen und um Klarheit zu bitten, was da gelaufen ist.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 29. November 2017, 22:15:45
Die Umwidmung in Dauergrünland geschieht doch automatisch schon nach 5 Jahren (wenn ich mich recht erinnere), Toto schrieb aber (siehe Beitrag #330), dass dort seit 30 Jahren eine Wiese gewesen sei. Insofern verwundert mich das doch schon.

Ich kenne auch nur die prinzipielle Rechtslage und da ist es so.
Was ich nicht weiß...wie ist es wenn die Fläche länger unbeachtet und somit 'durch's Kataster gerutscht' ist und mal eben Tatsachen geschaffen werden? Den Versuch ist es dann durchaus wert. Die Umwidmung bedeutet einen Wertverlust von etwa 30% - bei den hiesigen Bodenpreisen sind das je Hektar um die 3000 Euro. (Durchschnittswert Ackerland über 9000 Euro; Grünland etwa 6000 Euro) Oder andersrum: die Umwandlung von Grün- zu Ackerland ergibt einen Zuwachs betriebswirtschaftlich von 50%

Jede Ackerfläche mit faktischer Grünlandqualität kann erhalten werden, ohne dass sie im Ackerstatus beschädigt wird, wenn man sie als Brache im Greening führt. Das hat den Nachteil, dass man den jährlichen Aufwuchs zwar mulchen oder ihn (was oft besser wäre) mähen und abfahren muss, ihn aber nicht für die landwirtschaftliche Erzeugung (also z. B. als Futter) verwenden darf. (Klingt widersinnig, ist es in bestimmter Hinsicht auch - aber es haben sich ganz sicher viele Leute viele Gedanken darum gemacht, warum das im Interesse der Kontrollierbarkeit, grundsätzlichen Förderfähigkeit und anderer Ziele so sein muss.)

Hier das leicht gekürzte Zitat aus dem Greening-Merkblatt der Landwirtschaftskammer NRW für 2016, vergleichbar gültig vermutlich auch künftig und in allen Bundesländern:
"Flächen (Brachen ohne Erzeugung ÖVF)  Kennzeichen „10“ in der Spalte 19 des Fl.verz.
Nur brachliegende Flächen auf Ackerland können als ökologische Vorrangflächen in Betracht kommen und werden mit
einem  Gewichtungsfaktor  von  1,0  angerechnet.  ... Die Flächen müssen der Selbstbegrünung überlassen werden oder sind durch eine
gezielte Ansaat bis zum 1. April des Förderjahres zu begrünen. Auf brachliegenden Flächen sind die landwirtschaftliche Erzeugung, die
Beweidung und die Düngung nicht zulässig. Der Aufwuchs der brachliegenden Flächen muss einmal während des Jahres entweder zerkleinert
und ganzflächig verteilt oder gemäht und das Mähgut abgefahren werden. Das Mähgut darf nicht für eine landwirtschaftliche Erzeugung verwendet
 werden . In dem Zeitraum vom 1. April bis zum 30. Juni ist das Mähen oder Merkblätter und Zerkleinern  des  Aufwuchses  sowie  der  Umbruch 
verboten.  Auf  diesen  Flächen  dürfen  keine  Pflanzenschutzmittel angewandt  werden. Soll auf brachliegenden Flächen eine Aussaat oder ein
Pflanzung vorbereitet oder durchgeführt werden, die erst in 2017 zu einer Ernte führt, z.B. die Aussaat von Wintergetreide, darf dies ab dem
1. August 2016 durchgeführt  werden.  Nach  dieser  Aussaat/Pflanzung ist  der  Einsatz  von  Pflanzenschutz-  und  Düngemitteln  wieder
zulässig. Brachliegende Flächen bleiben Ackerland, solange sie als ökologische Vorrangflächen ausgewiesen werden, auch wenn sie in diesem Zeitraum begrünt werden und dadurch mehr als 5 Jahre Gras oder andere Grünfutterpflanzen aufweisen. "

Leider wurde genau das den Betrieben von vielen regionalen Landwirtschaftsämtern über Jahre nicht vermittelt. Oft haben sogar Amtsmitarbeiter die Betriebe regelrecht heiß gemacht, ihre Flächen nur ja schnell umzubrechen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 29. November 2017, 23:01:49
Aber: überlege Dir alles noch einmal in Ruhe und auch, ob der erste und beste Weg nicht zum Bewirtschafter selbst führen sollte.
Ja, das sehe ich auch so.
Ich konnte mir vor ein paar Jahren hier auch nicht vorstellen, dass man in einer Stadt was bewegen kann, aber wenn man die richtigen zuständigen Leute findet, dort nicht nur fordert und kritisiert, sondern konkrete Vorschläge macht, dann rennt man oft offene Türen ein.

Die Flächenbewirtschafter können manchmal erstmal auch nicht anders als sie es tun. Öffnen sich für die neue Möglichkeiten, sieht die Situation oft ganz anders für sie aus.

Man sollte sie halt nicht gleich erschiessen sondern von Mensch zu Mensch miteinander reden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 29. November 2017, 23:11:40
Gespräch mit dem/den Bewirtschaftern gabs doch schon:
Kurzer Wortwechsel mit den Mähdreschern Raps:

Und was ist mit der Wiese?
Schulterzucken.
Warum habt Ihr das bestellt?
Schulterzucken und: mussten wir ja.
Warum?
Weil die Obrigkeit das so wollte.
Warum?
Weil das sonst kein Feld mehr ist.
Ist doch seit 30 Jahren kein Feld, sondern Wiese!
Ja, einmal muss ja ...
Und die Tiere?
Ach, die kommen wieder....

 ::) ::) :o ::) ::)
Das wars erst einmal - bis auf die ausstehende Antwort auf mein Schreiben.

Ach ja, ich fragte, wie sie den See beernten wollen.
Sie hoffen auf einen trocknen September... oder Frost.
Nächstes Jahr soll da wieder "Wiese" sein.

Sowas macht einfach nur stumm. Landwirtschaft, Dein unbekannter Nachbar.

Immerhin weiß ich jetzt, wem es gehört: kein "Privatbauer", sondern ehemalige...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 29. November 2017, 23:25:11
Wenn mich sowas jemand im Garten fragen würde, würde ich das eher als Kritik auffassen.
Wenn auf den Bauern ständig und überall nur rumgehackt wird, was soll man da erwarten, wie die reagieren sollen wenn die halb vom Trecker gezogen werden?

Das ist einfach was anderes, als höflich zu fragen, welche Sämaschine er hat usw, wie die funktioniert und ob man mal kurz mitfahren darf, ob er Zeit hat, was zu zeigen und zu erklären.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. November 2017, 23:28:24
Geplaudert haben wir vorher. Das ist doch normal, wenn die am Gartenrand vorbeifahren oder frühstücken... Ich gab hier nur das wieder, was relevant für den thread ist.

Wenn mich sowas jemand im Garten fragen würde, würde ich das eher als Kritik auffassen.
Wenn auf den Bauern ständig und überall nur rumgehackt wird, was soll man da erwarten, wie die reagieren sollen wenn die halb vom Trecker gezogen werden?

Das ist einfach was anderes, als höflich zu fragen, welche Sämaschine er hat usw, wie die funktioniert und ob man mal kurz mitfahren darf, ob er Zeit hat, was zu zeigen und zu erklären.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 29. November 2017, 23:36:42
Schon klar. Meine nur, dass Leute, die ständig öffentlich diffamiert werden, manchmal sehr willkommen auf auch nur halbwegs gefühltes Verständnis reagieren. Die haben ja auch Diskussionsbedarf, bei denen läuft auch nicht alles rund. Dort brennt auch manches auf der Seele.

Kennt man doch vom Markt, nach Putzabfällen fragen usw.
Ist manchmal was anderes als nur ein Glas neuen Wein über den Zaun reichen.

Das wie entscheidet, Nuancen...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 00:21:12
völlig klar. Der Wortwechsel oben mag auch etwas "kurz angebunden" klingen. Dabei darf man nicht vergessen, dass die echten Mecklenburger, zumal noch Landbewohner, sehr wortkarg sein können. Da bekommt man oft nur ein/zwei Worte als Antwort. Wobei man sich den Mund fusslig redet guten Willens, kommt dann ein: jo... (=ja) ... und das wars. ;)... und das ist dann schon "viel". Kann auch passieren, dass der Mund sich gar nicht öffnet ;D ;D ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 30. November 2017, 07:34:45
Echt?  8) Auf´m Bau, die Äcker gleich bei Dir um die Ecke, war das damals anders, aber da waren wir ja unter uns ... Und da wären solche "Pfützen" einsdreifix trockengelegt worden.  :-X (Zum Ende der 80er waren die Meliorationsingenieure echt schon auf der Suche, wo sich noch ein Drainagerohr in die Erde legen ließ. Hoffen wir, das wenigstens das nicht wieder im großen Stil anfängt.)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 30. November 2017, 09:18:03
Ich denke, wenn es nicht umgewidmet wurde dann war und ist es Acker; mit letztmaliger Bearbeitung/Fruchtanbau 2017.
Wäre aber interessant, wie die Rechtslage wirklich ist!
Ich wundere mich, was in anderen Bundesländern möglich ist.

Bei uns ist die Eintragung der Nutzungsart (z. B. Acker oder Grünland) im Grundbuch ohne Bedeutung, da bei Änderung der Rechtslage die Grundbücher nicht angepaßt werden.

Maßgeblich bei naturschutzrechtlichen oder förderrechtlichen Bewertungen ist die tatsächliche Nutzung der letzten Jahre. Diese wird aus der Förderstatistik erhoben.

Wäre die Fläche, wie behauptet, in den letzten Jahren Grünland gewesen, d. h. so in den Flächen- und Nutzungsnachweisen aufgelistet, gäbe es bei uns für den Maisacker keine Fördergelder sondern ein Bußgeld.

Wäre die Fläche in den letzten Jahren nicht in einem Flächen- und Nutzungsnachweis enthalten, wäre es zunächst eine Brachfläche und bekäme, wenn sie neu in einem sochen Nachweis auftaucht den Vermerk "nichtlandwirtschaftliche Fläche". Der Vermerk wird erst überstimmt, wenn in geeigneter Weise die Art der Nutzung der letzten Jahre nachgewiesen werden kann.
Das geht inzwischen sogar vom Schreibtisch aus über die Auswertung von Luftbildern. Im Abstand vo mehreren Jahren kommt jedes Gebiet mal in die sogenannte "Fernerkundung", d. h. es gibt zu bestimmten Stichtagen Überfliegungen. Aus der Kombination der dabei gemachten Bilder läßt sich die Kulturart erkennen. Ökoligisch wertvolle Feuchtflächen sind außerdem bei der Unteren Naturschutzbehörde erfaßt.


Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 11:33:22
Echt?  8) Auf´m Bau, die Äcker gleich bei Dir um die Ecke, war das damals anders, aber da waren wir ja unter uns ... Und da wären solche "Pfützen" einsdreifix trockengelegt worden.  :-X (Zum Ende der 80er waren die Meliorationsingenieure echt schon auf der Suche, wo sich noch ein Drainagerohr in die Erde legen ließ. Hoffen wir, das wenigstens das nicht wieder im großen Stil anfängt.)

(auf dem Bau ist etwas anderes als auf dem Land/mit den Bauern. Ich habe auf dem Bau (als Fotograf) gearbeitet, das war oft sehr lustig  ;))

tja ;D ;D ;D so war das wohl mit den Entwässerungen, nicht umsonst ;D ;D ;D. Nach der Wende wurden erstmal alle Drainrohre rausgepult oder stillgelegt - weil "John Deere" schafft das doch auch ohne!!! ;D ;D ;D Heute stehen die Felder voller Wasser, teils Seen. Alles abgesoffen.

Das ist hier eben der blanke Lehm, da fließt nix einfach so ab ohne Drainagen. Der private Bauer (wo ich auch fährten darf) kommt von der anderen Seite, hat gepachtet (oder gekauft?) - jedenfalls müht er sich seit Jahren eine tiefer gelegene Stelle trocken zu legen - keine Chance. Er versucht es mit Gräben buddeln usw. ... ich muss dann immer in mich hinein schmunzeln, sorry. Ne, keine Schadenfreude - nur sollte man einfach nicht alles von vorher - hinterher besser wissen.
Aber nun denn: es ist immer noch so (leider), dass jede Generation das Rad neu erfinden muss. Und dann stehen eben die Seen auf dem Acker.

Das beste Beispiel für "alles ist besser"... ist doch die Rostocker AB, die abgesackt ist. Wer durch Moor baut (und Mecklenburg war/ist seit Urzeiten einfach mal Morast, Moor und Lehm), sollte schon einige Grundsätze beachten. Mit Streichhölzern im Boden baut man keine Autobahn ;D.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 11:39:16
Wäre die Fläche, wie behauptet, in den letzten Jahren Grünland gewesen, d. h. so in den Flächen- und Nutzungsnachweisen aufgelistet, gäbe es bei uns für den Maisacker keine Fördergelder sondern ein Bußgeld.

Was heißt hier "wie behauptet" ?
Ich lebe hier seit 30 Jahren und fahre täglich mindesten 6x daran vorbei, weil es der einzige Zugang zum Dorf ist. Dann müsste ich 30 Jahre blind gewesen sein? Die Kinder sind dort Schlittschuh gelaufen, im Sommer spazieren gegangen, Holunderbeeren gepflückt, Gräser bewundert und Kammmolche beobachtet... und dem Quaken der Laubfrösche gelauscht. Ich "behaupte" nicht - es war bis zum Mais die einzige Realität!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 12:17:55
"Untere Naturschutzbehörde" war das Stichwort - Danke! Habe gerade telefoniert.
Das Problem scheint zu sein: es betrifft mehrere Bereiche - Landwirtschaft, Naturschutz usw.usw. Für jeden Bereich ist ein anderer Mitarbeiter zuständig... so wandert mein Schreiben von einem Tisch zum anderen....
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 14:35:18
Um meine Glaubwürdigkeit vlt. etwas zu unterstützen: beiliegendes Foto entstand im Oktober 2008. Im Vordergrund die Wiese, die zwei mal jährlich gemäht wurde. Leider nur ein Handy-Foto. Bei intensiver Suche finde ich sicherlich mehr.
(http://up.picr.de/31093722wt.jpg)

hier einige von den Gräsern - vielleicht wird dann mein Ärger etwas besser verstanden.

(http://up.picr.de/31093726cg.jpg)

(http://up.picr.de/31093727kb.jpg)

(http://up.picr.de/31093728vp.jpg)

(http://up.picr.de/31093729to.jpg)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 30. November 2017, 19:00:34
Landwirtschaft, Naturschutz usw.usw. Für jeden Bereich ist ein anderer Mitarbeiter zuständig... so wandert mein Schreiben von einem Tisch zum anderen....
Auch interessant.
Natürlich ist je nach Status der Fläche mal die eine oder die andere Behörde zuständig. Bei uns kennt man aber die Telefonnummern des jeweils anderen, zumindest die Zuständigkeit ist schnell zu klären.
Nicht alles was grün ist und gemäht wird ist das was in Landwirtschaft und Naturschutz "Grünland" genannt wird. Deshalb schaut man ja in die Nutzungshistorie, bzw die UNB die selbst keinen Zugriff darauf hat, fragt bei Agrarverwaltung.
Die Bilder von 2008 sehen schon nach Grünland aus, da aber das Umbruchsverbot (eigentlich ein Umnutzungsverbot, seit wann gibt es das bei euch?) sich abgezeichnet hat, wurden manche Flächen rechtzeitig umgewidmet. Wenn der Nutzer da geschickt vorging, könnte er tatsächlich rechtlich einen Acker haben.

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 19:28:43
Wenn der Nutzer da geschickt vorging, könnte er tatsächlich rechtlich einen Acker haben.


Was nützt ihm das, wenn die Fläche definitiv nicht bewirtschaftbar ist? Nicht mal Nutztiere mögen auf Dauer im Wasser grasen.

Ok, er kann vermutlich jedes Jahr Entschädigungen erwarten - toll, und die bezahlen wir alle.

PS: da fällt mir ein: er könnte dort Fische züchten... oder Froschschenkel für Delikatessen-Hotels... (als Witz... man muss ja auch mal lachen dürfen ;D)

grad gefunden:
zit. von pd/Katharina Krenn/agrarheute , am Freitag, 18.12.2015 - 10:45 Uhr

Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat der Verlängerung des Dauergrünlanderhaltungsgesetzes zugestimmt. Damit soll das Umbruchverbot für weitere 5 Jahre verlängert werden.

"Wir wollen das vollständige Umbruchverbot für Dauergrünland für weitere 5 Jahre. Denn es ist aufgrund der Bodenpreisentwicklung zu erwarten, dass zukünftig vermehrt versucht wird, Dauergrünland in großem Umfang in Ackerland umzuwandeln", erklärte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus gestern am Rande des Landtages.
Erhalt von Dauergrünland
"Gerade wenn man sich die Beschlüsse von Paris vor Augen hält, ist der Erhalt von Dauergrünland eine wichtige Maßnahme des Natur- und Artenschutzes. Sie hilft, einer Veränderung des Klimas entgegenzuwirken, die Folgen der bereits ausgestoßenen Treibhausgase zu mindern und damit dem Klimawandel zu begegnen. Dauergrünland trägt auch zur Entlastung der Gewässer von weiteren Nährstoffeinträgen bei. Es geht also um den Schutz von Klima, Natur und Arten, Boden und Gewässern", führte Dr. Backhaus aus.


Was bitte heißt das in "Fachsprache"? (Ehrliche Frage!)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 30. November 2017, 20:11:21
Was nützt ihm das, wenn die Fläche definitiv nicht bewirtschaftbar ist?
Das wurde hier (meine ich) auch schon mal erwähnt: Ein Landwirt muß seit einigen Jahren das Äquivalent von 5 % seiner Ackerfläche als ökologische Vorrangflächen ausweisen um weiterhin in den Genuß der Flächenprämie zu kommen.
Eine Fläche die eh nicht gescheit zu bewirtschaften ist nimmt er halt lieber aus der Produktion als einen einträglichen Acker.

Die Regelungen zum Grünlanderhalt wurden getroffen, um, wie im Text beschrieben, der Umwandlung von Grünland in Ackerland entgegen zu wirken. Sie gehen wohl ursächlich auf eine EU-Verordnung zurück. Da der Rückgang des Grünlandanteils in den Bundesländern unterschiedlich stark war, sind die Regelungen nicht einheitlich und auch nicht zeitgleich eingeführt worden. Teilweise ist die Umwandlung von Grünland in Acker verboten, teilweise bedarf sie einer Genehmigung, oft mit der Auflage an anderer Stelle gleich viel Grünland neu anzulegen. Seit dem gibt es auch die Begriffe des "historischen" und des "neuen" Grünlandes, außerdem den des "ökologisch wertvollen" Grünlandes, das noch stärker geschützt ist.
So richtig greift der Grünlandschutz bei uns erst, seit dem dann, wenn im Agrarantrag auf Flächen mit Grünlandstatus eine Ackernutzung auftaucht, automatisch bei der Förderung die Rote Lampe angeht:  "unerlaubter Grünlandumbruch", eine Meldung die zur Kürzung der Fördergelder führt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 20:17:16
Nunja - warum nimmt er sie nicht "aus der Produktion" , sondern "beginnt eine neue Produktion", die ohne Ertrag ist?

Sorry, das ist etwas schwer zu verstehen. Hätte er die Fläche einfach als Grünland gelassen, wäre doch alles gut. Hier hat er aber zig Jahre bestehendes Grünland erstmals umgebrochen... und das, soweit ich das Gesetz verstehe, in einer Zeit, als es schon verboten war - oder?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. November 2017, 20:28:19
Ich versuche mal den Vergleich (schräg aber mir fällt nix besseres ein) zu einem Handwerks- oder Industriebetrieb:
Eine brachliegende betriebliche Lagerfläche ist Bauland oder was auch immer, leider unbefestigt und würde plötzlich deshalb an Wert verlieren oder sogar aus den Status 'Gewerbegebiet' herausfallen und Biotop werden (schmälert das Betriebsvermögen, das Stammkapital, damit die Kreditwürdigkeit etc. und natürlich den Verkaufswert) Mit einer einfachen leichten Schotterschicht ist das Areal wieder fei verfügbar/verkaufbar/planbar.

Was würde wohl ein Immobilienmakler vorschlagen? Und wen würde es wundern?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 20:31:20
Ich versuche mal den Vergleich (schräg aber mir fällt nix besseres ein) zu einem Handwerks- oder Industriebetrieb:
Eine brachliegende betriebliche Lagerfläche ist Bauland oder was auch immer, leider unbefestigt und würde plötzlich deshalb an Wert verlieren oder sogar aus den Status 'Gewerbegebiet' herausfallen und Biotop werden (schmälert das Betriebsvermögen, das Stammkapital, damit die Kreditwürdigkeit etc. und natürlich den Verkaufswert) Mit einer einfachen leichten Schotterschicht ist das Areal wieder fei verfügbar/verkaufbar/planbar.

Was würde wohl ein Immobilienmakler vorschlagen? Und wen würde es wundern?

Also Geld vor Verstand? Sorry, aber ich kann dem nicht wirklich folgen. Es war Grasland, Umbruch ist verboten... und dann steigere ich den Wert gierig für mich persönlich, in dem ich Gesetze verletze? Hä?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. November 2017, 20:38:16
Mal ganz emotionslos - auch ein Landwirt ist ein Wirtschaftsbetrieb, also auch an Gewinn- und Verlustrechnung gebunden. Das Ganze ist auch eine reine Vermutung/Erklärungsversuch.
Wir haben da in der Wirtschaft schon ganz andere Kaliber erlebt!  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 20:39:18
Mal ganz emotionslos - auch ein Landwirt ist ein Wirtschaftsbetrieb, also auch an Gewinn- und Verlustrechnung gebunden. Das Ganze ist auch eine reine Vermutung/Erklärungsversuch.
Wir haben da in der Wirtschaft schon ganz andere Kaliber erlebt!  ;)

Allerdings...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 30. November 2017, 20:44:12
Hätte er die Fläche einfach als Grünland gelassen, wäre doch alles gut.
Eben nicht, da die Fläche um angerechnet zu werden, selbst auch den Ackerstatus braucht.
Vielleicht gabs auch einen Nutzerwechsel und der jetzige hat keine Verwendung für Grünland?

Und zu deinem letzten Satz: Genau das ist ja die Frage: welchen rechtlichen Status hatte die Fläche und was hat er genau wann gemacht. Man kann auch zunächst den Status ändern ohne dass man an der Fläche was verändert, die eigentliche Ackernutzung und damit der reale Eingriff in den vorhandenen Aufwuchs kommt erst später, dann wenn der neue Status bestätigt ist.

Bei uns wurde auch schon vor etlichen Jahren versucht die Grünlandabnahme zu stoppen, die Umgehungstatbestände waren aber so offensichtlich, dass es nichts gebracht hat, außer Verwaltungsaufwand. Seit der neuen Förderperiode ist es besser (s. o.).

Der Druck den Ackerstatus zu erhalten kommt übrigens oft von den Eigentümern: Ackerland pachten und später Grünland zurückgeben stößt auf wenig Verständnis. Der potentielle (Verkaufs)Wert einer Fläche ist keine Nebensache.

Vielleicht ist der neue Nutzer ja Bio-Landwirt? Die bekommen nämlich für Acker höhere Prämien als für Grünland und sind vom Umbruchverbot ausgenommen. Oder der Nutzungsberechtigte ist gar kein Landwirt sondern der Jagdpächter, den die Agrarbestimmungen nicht betreffen und derjenige der auf dem Schlepper sitzt nur ein Lohnarbeiter?









Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. November 2017, 20:48:10
Um meine Glaubwürdigkeit vlt. etwas zu unterstützen: beiliegendes Foto entstand im Oktober 2008. Im Vordergrund die Wiese, die zwei mal jährlich gemäht wurde. Leider nur ein Handy-Foto. Bei intensiver Suche finde ich sicherlich mehr.

Ein schöner Fleck Erde...
Hab' mir auch Deine Umgebung mal per Luftbilder angesehen - eine wirklich gut strukturierte Landschaft! Kann Deinen Unmut verstehen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 30. November 2017, 20:58:21
toto, hast´ne PM

Ich würde noch einmal zum Betrieb gehen und im Sekretariat freundlich fragen, wer Dir Auskunft über die Nutzung der Fläche ab dem nächsten Jahr geben kann. Falls Du jemand kompetenten triffst, frage doch, ob dort im nächsten Jahr wieder eine artenreiche Grünlandfläche entwickelt wird und Du eine Wiederherstellung der artenreichen Lebensräume erwarten kannst.

Sollte das gar nichts bringen, sage einfach, dass Du beim Landkreis und ggf. beim Landesamt nachfragen wirst, wie die Nutzungsumwandlung zustande gekommen ist und wie das mit dem Umbruchverbot für Grünland nach weit mehr als 5 Jahren Bestand vereinbar ist. Sage, dass Du sowohl bei den Landwirtschaftsämtern als auch den Naturschutzbehörden auf beiden Ebenen nachfragen wirst.
Ob Du Dir das dann wirklich antust, kannst Du danach selbst entscheiden. (Es kann sein, dass der Betrieb erhebliche Nachteile hat, wenn der Fall wirklich hochkocht und ein Verstoß gegen Förderregeln oder Gesetze amtlich wird. Andererseits darf es nicht sein, dass unbequeme Anfragen einfach ignoriert werden.)

Falls Du weitermachst, frage beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg nach. Die sind nach Lage der Dinge zuständig. Es gibt bei Euch keinen absoluten Schutz des Dauergrünlandes. Wann ein solcher Umbruch rechtmäßig durchgeführt werden kann, ist im Dauergrünlanderhaltungsgesetz (DGErhG M-V) nachlesbar.

Die Zuständigkeit für Ausnahmegenehmigungen nach diesem Gesetz sind auf der Webseite des Amtes nicht klar benannt. So kannst Du nur beim Abteilungsleiter 2 (Lothar Wolff, gleichzeitig Dezernat 20 - Agrarstruktur, EU-Kontrollbereich, Cross Compliance, Düngeverordnung, ... ) nachfragen.
Frage, ob die Umwandlung des Grünlandes auf dem betreffenden Feldblock rechtmäßig und auf welcher Rechtsgrundlage sie erfolgt ist. Sonst hast Du die Möglichkeit, formelle Anzeige wegen einer vermuteten Ordnungswidrigkeit zu erstatten. Die Anzeige ist bei dem gleichen Amt zu erstatten.
(Die Naturschutzbehörde wird vermutlich nicht zuständig sein. Genau weiß ich das aber nicht. Die Fläche ist kein Teil eines Schutzgebietes und nicht als geschützter Biotop kartiert. Falls ein Laichgewässer von Kammolch und Laubfrosch beeinträchtigt wurde, wäre theoretisch zu untersuchen, ob damit die ortliche Population geschädigt wurde. Das kann man in Eurer Ecke getrost ausschließen, da beide Arten vermutlich in großen und geschlossenen Beständen vorhanden sind. Um, abweichend von bestehenden Kartierungen, ein gesetzlich geschütztes Kleingewässer vor dem Umbruch nachzuweisen, müsstest Du schon eine sehr gute Fotodokumentation haben.)

Ich habe nichts darüber gefunden, ob Du ein zwingendes Auskunftsrecht in all diesen Fragen hast.

Du wirst umso erfolgreicher sein, je dichter Du den Bestand der Fläche über die letzten, mindestens 6 bis 7 Jahre belegen kannst (eigene Fotos mit eindeutiger Lageerkennung, Luftbilder usw.).

Die wenigen Arten, die auf Deinen schönen Bildern erkennbar sind, weisen darauf hin, dass das nicht in zwei, drei Jahren gewachsen ist. Entscheidend ist aber der Beleg des Zustandes in den letzten Jahren. Wenn der gegeben ist, kann der diesjährige Maisanbau rechtmäßig nicht ohne behördliche Regelung nach dem Grünlanderhaltungsgesetz durchgeführt worden sein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 21:23:08
Hätte er die Fläche einfach als Grünland gelassen, wäre doch alles gut.
Eben nicht, da die Fläche um angerechnet zu werden, selbst auch den Ackerstatus braucht.
Vielleicht gabs auch einen Nutzerwechsel und der jetzige hat keine Verwendung für Grünland?

Und zu deinem letzten Satz: Genau das ist ja die Frage: welchen rechtlichen Status hatte die Fläche und was hat er genau wann gemacht. Man kann auch zunächst den Status ändern ohne dass man an der Fläche was verändert, die eigentliche Ackernutzung und damit der reale Eingriff in den vorhandenen Aufwuchs kommt erst später, dann wenn der neue Status bestätigt ist.

Bei uns wurde auch schon vor etlichen Jahren versucht die Grünlandabnahme zu stoppen, die Umgehungstatbestände waren aber so offensichtlich, dass es nichts gebracht hat, außer Verwaltungsaufwand. Seit der neuen Förderperiode ist es besser (s. o.).

Der Druck den Ackerstatus zu erhalten kommt übrigens oft von den Eigentümern: Ackerland pachten und später Grünland zurückgeben stößt auf wenig Verständnis. Der potentielle (Verkaufs)Wert einer Fläche ist keine Nebensache.

Vielleicht ist der neue Nutzer ja Bio-Landwirt? Die bekommen nämlich für Acker höhere Prämien als für Grünland und sind vom Umbruchverbot ausgenommen. Oder der Nutzungsberechtigte ist gar kein Landwirt sondern der Jagdpächter, den die Agrarbestimmungen nicht betreffen und derjenige der auf dem Schlepper sitzt nur ein Lohnarbeiter?

Nein, der "Besitzer", Pächter oder "Übernehmer" der ehemaligen LPG ist immer noch der gleiche. Also der "neue" Chef vor ca. 15 Jahren nach der Wende. Es sind keine Biobauern, im Gegenteil - alles gegen Bio und hätte ich nicht vor ein paar Jahren mal darauf aufmerksam gemacht (wohl bemerkt: freundlich!), dass der Dünger bis vor unsere Haustür fliegt, hätte sich daran nichts geändert. Dieses Dorf hätte man im Osten am liebsten dem Acker gleich gemacht... und so benimmt man sich von der Ex-LPG manchmal noch heute. Leider. Da wird durchs Dorf mit schwerem Gerät gefahren, obgleich der Acker von der Straße erreichbar ist  und, und, und... wie die Axt im Walde.

Wir haben auf Nachbarfeldern einen Biobauern aus den alten Ländern, unseren "Nachtpflüger" ;D und auf der anderen Seite einen, der ne Mischung zw. Bio und konservativ fährt. Der hat allerdings auch noch nichts von der Randbegrünung (wie hier schon sehr schön gezeigt aus der Dresdner Ecke) gehört. Der macht seine Felder haarscharf auf Kante.

Nochmal: selbst wenn es Ackerland ist, so wurde es über zig Jahre NICHT als Ackerland genutzt, demzufolge dürfte es entweder an Status verlieren oder gleichbleiben - da muss man doch nicht plötzlich "es wieder" zu Ackerland machen? Das ist doch nonsens! Zumal diese Ernte der Komplettverlust ist - unnötiger Einsatz von Arbeitskräften, Diesel, Geräten, Material und Zeit - und das VORAB WISSEND! Wäre es meine Firma, würde ich sowas tunlichst vermeiden: ohne zu erwartenden Gewinn - keinen Handschlag. Immer plus und minus. Es sei denn, man kriegt genau für diesen Verlust Stütze und plant das schon vorher ein... das wäre ja noch abartiger.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 21:27:08
Um meine Glaubwürdigkeit vlt. etwas zu unterstützen: beiliegendes Foto entstand im Oktober 2008. Im Vordergrund die Wiese, die zwei mal jährlich gemäht wurde. Leider nur ein Handy-Foto. Bei intensiver Suche finde ich sicherlich mehr.

Ein schöner Fleck Erde...
Hab' mir auch Deine Umgebung mal per Luftbilder angesehen - eine wirklich gut strukturierte Landschaft! Kann Deinen Unmut verstehen.

Darum bin ich hier ;-)
Und sind die Felder rundherum nicht wirklich groß genug mit zig ha in jede erdenkliche Richtung, fast grenzenlos? Kommt es da wirklich auf diese 1,5 ha an, die schon allein wirtschaftlich ne Vollpleite sind?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 30. November 2017, 21:32:14
Wie schon geschrieben: wenn die das als Greeningfläche (Brache) anmelden, können sie es dauerhaft ohne Umbruch führen, ohne dass die grundsätzliche Ackerfähigkeit leidet. Nur den Aufwuchs dürfen sie nicht nutzen.

Falls der Umbruch legal gelaufen ist.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. November 2017, 21:38:31
1,5 Hektar sind bei Umnutzung immerhin rund 4500 Euro Wertverlust! Das läßt sich auch kein Kleinaktionär gefallen. ;)
Trotzdem: Es muß gesprochen werden! Ich würde mit ihm (dem Landwirt) gern mal ein Bier trinken gehen. 8)

@ toto. ...mit Dir sowieso. - das geht aber friedlicher aus! ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 21:48:39
1,5 Hektar sind bei Umnutzung immerhin rund 4500 Euro Wertverlust! Das läßt sich auch kein Kleinaktionär gefallen. ;)
Trotzdem: Es muß gesprochen werden! Ich würde mit ihm (dem Landwirt) gern mal ein Bier trinken gehen. 8)

@ toto. ...mit Dir sowieso. - das geht aber friedlicher aus! ;D

Mit dem Landwirt geht das leider nicht, ein extrem überheblicher Typ, der seine Leute ziemlich widerlich kontrolliert mit Fernglas aus dem Jeep, notfalls rast er über den Acker wie ein Irrer, etwas feudalistisch, als frühkapitalistisch sozusagen.... ne, mit solchen Leuten trinke ich kein Bier.
Ok, mit Dir schon, ich trinke aber kein Bier ;-)... allerhöchstens Schorle  (oder diese Biermischung mit Brause - wie heißt die noch gleich?) ;) - geht das auch?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 21:50:11
1,5 Hektar sind bei Umnutzung immerhin rund 4500 Euro Wertverlust!

Den hätte er ja nicht, hätte er es so gelassen... der Wertverlust hat ja nicht stattgefunden, physisch, höchstens auf dem Papier... dann aber über zig Jahre schon... ich rechne nur mit plus und minus - das ist die bessere Variante, glaubts mir ;-)
Wenn er jetzt ungesetzmäßig gehandelt hat, wirds vlt. teuer...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 30. November 2017, 21:50:53
Vielleicht erbringt er seine Greenig-Verpflichtung auch auf andere Weise. Nach dem Maisanbau kann er jetzt wieder 5 Jahre Futterbau betreiben wie evtl. vorher.
Ist halt mein Gedanke, dass das vorher kein Grünland sondern ein ewiger Futterbau war, der nach der jetzigen Rechtssprechung aber nicht mehr funktioniert. Vielleicht ist das der Hintergrund der Bemerkung, die Behörden würden es verlangen (oder so ähnlich).

War halt irgendwie Pech, dass er ein Jahr mit solch einem nassen Spätsommer erwischt hat, bei uns war die Maisernte auch teilweise eine Schlammschlacht, eher ungewöhnlich.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 30. November 2017, 21:52:32
(oder diese Biermischung mit Brause - wie heißt die noch gleich?) ;) - geht das auch?

Klar!
 heißt mit Cola 'Diesel'; mit gelber Brause 'Alster' oder 'Radler' und mit roter Brause 'Potsdamer'
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 21:53:24
Vielleicht erbringt er seine Greenig-Verpflichtung auch auf andere Weise. Nach dem Maisanbau kann er jetzt wieder 5 Jahre Futterbau betreiben wie evtl. vorher.
Ist halt mein Gedanke, dass das vorher kein Grünland sondern ein ewiger Futterbau war, der nach der jetzigen Rechtssprechung aber nicht mehr funktioniert. Vielleicht ist das der Hintergrund der Bemerkung, die Behörden würden es verlangen (oder so ähnlich).

War halt irgendwie Pech, dass er ein Jahr mit solch einem nassen Spätsommer erwischt hat, bei uns war die Maisernte auch teilweise eine Schlammschlacht, eher ungewöhnlich.

Wie jetzt: Futteranbau? Das gemähte Gras blieb doch liegen!!! Er hatte von diesem Stk. keine Einnahmen... das Gras blieb liegen.

Nochmal zum 5. mal: dort steht IMMER Wasser, nicht nur diesen Sommer, sondern IMMER!
Der Mais ist ja nicht mal aufgegangen... und früher, als noch gemäht wurde, wurde rundherum um das Wasserloch gemäht. Sieht man auch auf googlemaps.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 21:54:25
(oder diese Biermischung mit Brause - wie heißt die noch gleich?) ;) - geht das auch?

Klar!
 heißt mit Cola 'Diesel'; mit gelber Brause 'Alster' oder 'Radler' und mit roter Brause 'Potsdamer'

... na dann mit roter ;D ;D ;D, ich kannte nur Alster.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 22:01:18
@Floris: ich verstehe durchaus, dass Du Argumente  f ü r  den Bauern suchst.

Es gibt jedoch verschiedene Menschen - und Menschen machen Fehler, umgehen Gesetze, sind Opportunisten, suchen sich das Beste raus. Das ist nichts Schlimmes - im Allgemeinen. Nur wenn man anderen mit seinem Verhalten schadet - in diesem Fall Umwelt, Tieren, Natur - dann ist es schlecht. Da helfen nicht die besten Argumente.

Hier wurde eine Wiese - wie immer sie genannt wird, ob Grünland, Feucht- oder Fettwiese -  mit über zig Jahren entwickeltem ökologischen Gleichgewicht zerstört. Das ist der Fakt.
Ob zu Recht oder zu Unrecht, spielt dabei nicht die allergrößte Rolle.

Meine Frage ist nach wie vor: warum? Und bisher habe ich noch keine Antwort, die mich überzeugt.
Die Behörden antworten nicht oder schieben es von einem Tisch zum anderen.
Ich werde weiter nerven, kein Problem in diesem Fall.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 30. November 2017, 22:31:34
Nun, es gibt immer Menschen die aus uns unbekannten Gründen seltsame Dinge tun, und manchmal wird im Vorfeld eine Situation auch mal falsch eingeschätzt.
Ich denke aber nicht, dass er aus Spaß an der Freud da im Sumpf rumfährt. Deshalb die Überlegungen zur aktuellen Rechtslage und den Veränderungen der letzten Jahre. Die haben schon z. T. seltsame Aktionen hervorgerufen, aber nicht an so extremen Standorten wie du es beschreibst.

Der rechtliche Hintergrund interessiert mich schon, sollte die betroffenen Behörden auch interessieren, wenn sie ihren Auftrag das Grünland zu erhalten, ernst nehmen. Und eine erneute Änderung erreichen kann man nur, wenn man eine Anreiz schafft die Fläche rückumzuwandeln oder er eben gegen geltende Bestimmungen verstossen hat.

Wir hatten mal ein Förderprgramm zur 20-jährigen Stilllegung von Ackerflächen in Auen. Ist seit einigen Jahren beendet. Die Teilnehmer hatten aber nach Ablauf des Förderzeitraumes ein Recht zur Ackernutzung zurückzukehren, was sie dann teilweise auch taten. Da hat sich dann mancher gewundert, wenn Flächen inmitten der Aue umgebrochen wurde. An die Nutzungsverteilung von vor 20 Jahren können sich nicht viele konkret erinnern, wenn die Fläche nicht so markant an einem Weg liegt wie bei dir.




 


Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 30. November 2017, 22:49:50
...und manchmal wird im Vorfeld eine Situation auch mal falsch eingeschätzt.

Die Einschätzung müssen andere machen. Ich schätze nicht ein.

Ich halte mich an reale, sichtbare, geschaffene Fakten. Sozusagen: anfaßbar. Ich rede hier nicht von 20 Jahren "Erinnerung", sondern von seit vor 1988 - sind? Genau: 29 Jahre... und noch ein paar mehr, nämlich die Jahre, die ich ein Haus suchte und auch hier in der Gegend herum schlenderte - zu Zeiten, als ich gefragt wurde, ob es hier Wasser- und Stromanschluss gibt...

Wen macht es nicht stutzig, wenn 29 Jahre lang etwas grüne Wiese ist... und dann genau das daliegt und vergammelt, als hätte es einen radioaktiven Einschlag gegeben? Hm?

Wenn es ein plausibles Argument gibt, warum Lebensraum nutzlos zerstört wird - immer her damit. Bis jetzt war keines dabei.

@lerchenzorn: danke für die "Wege"beschreibung. Genau die werde ich in Angriff nehmen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 01. Dezember 2017, 08:54:49
Vielleicht erbringt er seine Greenig-Verpflichtung auch auf andere Weise. Nach dem Maisanbau kann er jetzt wieder 5 Jahre Futterbau betreiben wie evtl. vorher.
Ist halt mein Gedanke, dass das vorher kein Grünland sondern ein ewiger Futterbau war, der nach der jetzigen Rechtssprechung aber nicht mehr funktioniert. Vielleicht ist das der Hintergrund der Bemerkung, die Behörden würden es verlangen (oder so ähnlich). ...

Das Dauergrünlanderhaltungsgesetz MV gilt seit 2012. Die Fläche fällt nach totos Beschreibungen ganz sicher unter das Gesetz, ist aktuell aber als Ackerfläche im Feldblockkataster.
Toto, das St. Amt f. LUW muss auch Daten zum Katasterstatus der Fläche in den Vorjahren haben.

Greeningflächen (Ökologische Vorrangflächen) dürfen von den Betrieben auch über die 5% Flächenanteil hinaus angemeldet werden. Wenn es in erster Linie um den Erhalt der Ackerfähigkeit (Sicherung des Flächenwertes) bei gleichzeitigem Erhalt des wiesenartigen Lebensraums geht, ist alles möglich.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 01. Dezember 2017, 09:00:11
Par. 1 Abs.  2 Dauergrünlanderhaltungsgesetz MV:

Abweichend von Absatz 1 bleiben Flächen Ackerland während des Zeitraumes in dem diese

a) als ökologische Vorrangflächen im Umweltinteresse brachliegen oder

b) im Rahmen einer Agrarumwelt- und Klimamaßnahme brachliegen oder als Grünland genutzt werden.



Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 01. Dezember 2017, 09:02:03
Ich tät da nicht mehr durchblicken und die Fläche im Zweifelsfall umpflügen.  :-X
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 01. Dezember 2017, 09:05:41
Dafür fördern EU und Länder ja auch die landwirtschaftliche Beratung. Es ist kompliziert,  aber nicht komplizierter als die Führung anderer Gewerbebetriebe. Keine Rechtfertigung für Gesetzesverstösse.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 01. Dezember 2017, 09:28:38
Greeningflächen (Ökologische Vorrangflächen) dürfen von den Betrieben auch über die 5% Flächenanteil hinaus angemeldet werden.
Wieder so ein Unterschied zwischen den Bundesländern.
Wer mehr meldet als er muß, vor allem von den Flächen die ohne Greening-Status zu Grünland würden, steht in Verdacht der "künstlichen Herbeiführung von Fördertatbeständen". Auch so ein Umstand der dazu führen könnte, den Ackerstatus durch entsprechenden Anbau zu verdeutlichen um Diskussionen zu vermeiden.

Das kommt aus dem Wunsche des Naturschutzes her, dass Landwirte, die eine Fläche eine gewisse Zeit nicht mit Ackerfrüchten bestellt haben, das Recht zum Umbrechen verlieren. Meist geht auch dieser Schuss nach hinten los. Hier ist dann der Landwirt moralisch auf der sicheren Seite, er wollte ja nicht, aber die Umstände (bzw. das Amt) haben ihn ja gezwungen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 01. Dezember 2017, 09:43:05
Das*) wurde in Brandenburg von der für die Koordinierung und Kontrolle zuständigen Landwirtschaftsreferentin ausdrücklich betont.

Es geht hier ja auch gar nicht um das "Herausschinden" zusätzlicher Fördermittel, weil das Greening ausschließlich der Begründung der Direktzahlungen dient. Es gibt hier keine geförderten Flächengrössen, sondern ein für die Förderberechtigung zu erreichendes Mindestmaß von 5 %.

Das ganze Rumgeeier mit moralischer Rechtfertigung und dem Schuss ins eigene Knie kann man sich doch sparen. Es geht hier um recht klare Tatbestände.

*) Die Zulässigkeit von > 5 % an Greening-Flächenäquivalenten
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 01. Dezember 2017, 10:04:44

Es geht hier um recht klare Tatbestände.
Interessant, wie verschieden man so etwas doch auffassen kann.

Den rechtlichen Hintergrund eines Vorganges finde ich für eine Bewertung von grundlegender Bedeutung.  Genau dieser Hintergrund ist bisher völlig unklar.
Ohne den muss man sich auf die Aussagen beschränken ob einem etwas gefällt oder nicht.

Ich versuche auch nicht irgendwas zu rechtfertigen. Es ging doch um die Frage wie es dazu kommen kann, dass so etwas passiert, und daraus abzuleiten was man tun könnte damit es nicht wieder passiert.
Ist es ein Gesetzesverstoß, geht es dem Landwirt an den Kragen. Hat er geschickt ein Lücke in den Bestimmungen ausgenutzt kann man zwar über ihn schimpfen, Maßnahmen zur Verbesserung wärend dann aber an eine andere Adresse zu richten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 01. Dezember 2017, 10:16:29
Völlig richtig. Den Weg, wie man das im konkreten Fall bei toto klären und vielleicht verbessern kann, habe ich versucht, oben zu beschreiben.

Ich spare mir Spekulationen, ob  und wie Landwirtschaftsämter und -berater die Situation mit verursacht haben  könnten. In Brandenburg mussten  wir da leider schon übles erleben.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Ahornblatt am 01. Dezember 2017, 10:22:01
Ich lese hier sehr interessiert mit. ist ja fast wie ein Krimi! und ich bin auf die Lösung gespannt  8)

Nachdem das ja EU-Recht ist gilt es wohl auch in Österreich?

weiß jemand was mit einer als "landwirtschaftliches Bauland" gewidmeten Fläche passiert, wenn immer nur Heu gemacht wird und wir ein paar Obstbäume dazwischen gesetzt haben. Seit 2 Jahren (also noch vor Ablauf der 5-Jahres-Frist, oder?) haben wir Wiese umgegraben, um Gemüsegarten zu machen.
Wir sind Privatleute, keine Landwirte, aber das Grundstück läuft eben unter "landwirtschaftlich". Ich hab halt vor, unseren neuen Garten ein bisschen zu erweitern und dort mehr  :P Mais anzubaun....
aber nur händisch, eine alte samenfeste Sorte und dass, weil unser anderer Garten zu wenig Sonne hat - also nicht schimpfen!
Bisher haben wir dort oben vor allem Tomaten und Kräuter, aber ich möchte natürlich viiiel mehr anbaun...
ist ja normal, wenn man sich ein Grundstück kauft, dass man es auch irgendwie nutzen will.
Das Gärtle-Vergrößern ist aber legal - bis zu welcher Größe darf man Land umgraben, um Gemüse anzubaun? oder darf man das auch nicht? Gelten diese "Umbruchverbote" nur für Landwirte oder auch für Hobbygärtner?

Abgesehen davon  bilde ich  mir ein, durch unsere gärtnerischen Maßnahmen habe ich die Artenvielfalt sogar erhöht.
Die Wiese wird schon seit immer von einem Landwirt gemäht und das Gras wird weggebracht. Er mäht jetzt halt dort, wo wir Bäume und Garten haben nicht mehr.
Aber was dieser "Status" jetzt gsetzlich bedeutet??
Und - so ist es doch? - solange er nur mäht und das Gras dafür nutzt, uns aber nichts zahlt, bekommt er kein Gewohnheitsrecht auf unsere Wiese? (Also dass wir ihm nicht mehr verbieten können, sie zu nutzen.)

Wir haben auch noch ein kleines Wäldchen mit einer recht großen Lichtung drin. In dieser Lichtung stehen schon seit ewig zwei Schuppen mit Stromanschluss, unser Brunnen... Wir haben noch einen Sandspielplatz und ein kleines Gärtle installiert, wir grillen dort und halten uns eben viel auf.
wurden solche Satelittenfotos gemacht und das Grundstück heißt "Wald", wie das geht versteh ich auch nicht ganz oder sieht man dort echt nur große "Anlagen"?
Deshalb hab ich als erstes gedacht, dass der Landwirt einfach bisher nie kontrolliert worden ist und jetzt Wind bekommen hat, dass demnächst Satelittenfotos gemacht werden?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 01. Dezember 2017, 10:39:25
Ich gehe mal davon aus, dass Ihr dort privat gärtnert? In Deutschland wäre das keine Frage des Landwirtschaftsrechts, sondern des Bauordnungsrechts. Das Umzäunen und einrichten eines Nutzgartens ist eine Nutzungsänderung und in der Regel genehmigungspflichtig. Den Plaungsbegriff "landwirtschaftliches Bauland" kenne ich nicht - vielleicht ist "Anbaufläche" gemeint?

Für die Fläche in totos Fall gibt es eine schöne Reihe von Luftbildern, die in GoogleEarth mit Aufnahmedatum für alle einsehbar sind.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 01. Dezember 2017, 11:23:36
Für die Fläche in totos Fall gibt es eine schöne Reihe von Luftbildern, die in GoogleEarth mit Aufnahmedatum für alle einsehbar sind.

hier die mit Jahreszahl oben links ©googleearth

(http://up.picr.de/31100391kl.jpg)

(http://up.picr.de/31100392wb.jpg)

(http://up.picr.de/31100393iv.jpg)

(http://up.picr.de/31100394fq.jpg)

(http://up.picr.de/31100395vj.jpg)

man sieht auf dem ersten und 2. Bild ganz gut, dass es eine Senke ist und auch beim Mähen rundherum gemäht wurde.
Sowas weiß man als Landwirt, der seine Felder liebt! und bestellt, ganz genau vorab.
Da braucht man keinen Mais zu säen.

Mais besitzt als C4-Pflanze einen vergleichsweise geringen Bedarf an Wasser zur Produktion von pflanzlicher Substanz. (http://www.maiskomitee.de/Produktion/Anbau/Standortanspr%C3%BCche/)

ebenfalls dort: Staunasse verdichtete Böden = ungüstig, weil langsame Erwärmung, eingeschränkte Anbaueignung

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 01. Dezember 2017, 11:44:39
@lerchenzorn: telefoniert - das genannte Amt mit genanntem Ansprechpartner ist bereit (übrigens sehr freundlich!), der Sache nachzugehen, zu prüfen usw. - sehr angenehmes Gespräch. Scheinbar gibt es doch noch verständige Leute... das ist doch was zum Wochenende! Sehr hoffnungsvolle Grüße an Eure Hilfsbereitschaft!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 01. Dezember 2017, 14:20:59
Ich wurde eben (Freitag nachmittag!) angerufen:

Zwischenstand: Der "Landwirt" wurde angeschrieben, er hat Gesetze verletzt, hat eine Strafe zu erwarten und muss den Vorher-Zustand wieder herstellen. Es findet noch ein Vorortgespräch mit dem Verursacher statt, der hat jedoch schon seinen Fehler eingeräumt mit der Begründung: es ging dem "Landwirt" nicht um die Ernte, sondern um die Fördergelder und darum, es als "Acker" zu erhalten. ( bei mindestens 2500 ha Acker Besitz/Pacht... gegen 1,8 ha Wiese... )... und er hätte es doch nicht gewusst ... sowie ich sagte: in MV geht die Welt hundert Jahre später unter...

Diesen Nonsens muss man erst einmal schlucken. Ein Bauer(Was nennt sich heute Bauer ??? ), der auf die Ernte im Voraus verzichtet.... , um irgendwo Kohle abzukassieren. Unglaublich! Väterlicherseits waren meine Vorfahren Bauern, echte Bauern mit vielen ha Land, die sie mit Pferd bestellten... es gab wohl damals keine Subventionen... nun ja.

Ich hoffe so sehr, dass die Molche, Laubfrösche, vor allem die Feldlerchen, Feldhasen und die Rallen besch...  menschliche Fehler verzeihen und zurück kommen. Drückt uns die Daumen!


Noch etwas mit großem Dank an das Forum:
Ohne Eure Hilfe im forumgartenpur in Form von Diskussionen hätte ich es nicht geschafft, mich nochmals aufzuraffen. Andererseits - jeden Tag den Anblick des Verlustes - der war/ist unerträglich.

Dank also an Thomas, Nina und, und, und!!! :D :) :) :)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Alstertalflora am 01. Dezember 2017, 15:36:40
Toto, das ist ja eine super Nachricht, ein schöner Auftakt zum Wochenende  :D!

Bei meinem "Nachbarfeld" tut sich etwas: Da keimt augenscheinlich etwas grasartiges - evtl . Wintergerste? Das würde bedeuten, dass ich im nächsten Jahr tatsächlich mal etwas anders bewundern darf, als seit 5 Jahren immer nur Mais,Mais, Mais. Ich bin gespannt...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Ahornblatt am 01. Dezember 2017, 16:06:51
Den Plaungsbegriff "landwirtschaftliches Bauland" kenne ich nicht - vielleicht ist "Anbaufläche" gemeint?

Für die Fläche in totos Fall gibt es eine schöne Reihe von Luftbildern, die in GoogleEarth mit Aufnahmedatum für alle einsehbar sind.

@lerchenzorn: danke für die Antwort! Google earth klingt lustig - mal schaun, ob ich unser Grundstück dort finde!

Der korrekte Begriff ist "Bauland im Agrargebiet", eigentlich wollten/dürften wir dort bauen, aber mehr als ein Gärtle ist es nicht geworden... Aber einzäunen sollten wir auf Bauland doch dürfen?

@toto: also hats sich ausgezahlt, dass du dahinter geblieben bist! wow...

Die Tiere werden schon zurückkommen, da bin ich optimistisch (und wünsche es euch auf jeden Fall!!)
kann nur auf totale "Teichausräumaktionen" unsererseits verweisen. "mussten" wir, weil total verschlammt und zugewachsen.
Da sind die Tiere danach sogar mehr geworden!  :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 01. Dezember 2017, 16:19:03
Wenn es als „Bauland“ ausgewiesen ist, spielt eine gartenbauliche Nutzungsveränderung keine Rolle, würd ich mal sagen - außer vielleicht eine Cannabis-Plantage  ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 01. Dezember 2017, 17:26:40
Vom österreichischen Bauordnungsrecht habe ich keine Ahnung.

@toto: Das ist schön für die Fläche und freut mich für Dich. Hoffen wir, dass sich möglichst vieles wieder einfindet. Es scheint ja kein Moorboden zu sein, der durch einen solchen Umbruch dauerhaft zugerichtet wäre. Schade, dass es nur mit harten Bandagen geht.

Ich würde trotzdem noch versuchen, jemanden im Betrieb zu finden, mit dem man vernünftig reden kann. Auf lange Sicht ist es immer besser, ein Mindestmaß an gegenseitigem Verständnis zu suchen.
(Aber auch hier hat man manchmal, selten zum Glück, mit Leuten zu tun, die den gröbsten Unsinn nur dann bleiben lassen, wenn sie den Aufpasser ständig im Hacken und Nacken spüren.)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 01. Dezember 2017, 17:39:37
@Toto: Das ist nach dem ganzen Frust, den du da geschildert hast, mal eine gute Nachricht!
Ich hoffe auch, die Fläche wird wieder ähnlich wie vorher.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 01. Dezember 2017, 19:16:54
@toto: Das ist schön für die Fläche und freut mich für Dich. ... Schade, dass es nur mit harten Bandagen geht.
Ich würde trotzdem noch versuchen, jemanden im Betrieb zu finden...
(Aber auch hier hat man manchmal, selten zum Glück, mit Leuten zu tun, die den gröbsten Unsinn nur dann bleiben lassen, wenn sie den Aufpasser ständig im Hacken und Nacken spüren.)

So isses.

Im Allgemeinen bin ich auch mehr für miteinander reden. Mit dem Altbauern und seinem Sohn geht das auch perfekt - die stehen zu ihrem Land, sammeln Steine (Endmoräne) vom Acker, lieben ihren Acker, gehen so oft über ihren Acker und schauen nach den Pflanzen - wie zu alten Zeiten, fast wie ein Gärtner..
Mit den LPG-Nachfolgern ist das leider nicht so. Mit den Angestellten lässt es sich sicher reden, wenn sie pflügen und mähen. Die haben aber nichts zu sagen, führen nur aus.

Nein, so war es schon der richtige Weg. Die Bauern haben letztlich viele Freiheiten... wenn ich an die 5% Grünland denke, die sie einrichten können, wo sie wollen - z.B. am Feldrand als blühenden Randstreifen oder eben unwirtschaftliche Flächen als Grünland berechnen. Sie wissen vorab, wieviel Unterstützung sie von der EU im Dezember bekommen.... welcher private Betrieb kann schon mit solchen Subventionen rechnen? Sie könnten durchaus wirtschaftlich arbeiten, denke ich.

Das Getreide stand in diesem Jahr viel zu lange... und wurde gemäht bei Regen, obgleich eine Woche vorher auch schon reif... und, und, und... mir erzählt da kaum jemand (zumindest hier) etwas von Wirtschaftlichkeit, wirklich nicht.

Ich bin froh, dass es so ausgeht. Rückmeldung bekomme ich noch im Dezember.


Die Molche werden wohl wieder kommen. Bei den Laubfröschen bin ich mir nicht sicher. Die reagieren empfindlich auf solche Einschnitte sowie auch die Haubenlerche, die es eh kaum noch gibt.
Ich werde, nachdem dies durch ist, mich darum bemühen, dass diese Fläche (meinetwegen gegen Entschädigung o.dgl.) als Feuchtwiese oder sekundäres Rückzugsgebiet oder wie auch immer das heißen soll... einen solchen Status jedenfalls erhält. Wir werden sehen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 05. Januar 2018, 07:37:43
Durch Zufall fand sich bei meinen Eltern dieses Buch wieder. Das Buch ist von 1972 und für Kinder von zehn Jahren an. 1972 war ich zehn Jahre alt, dürfte das Buch also auch etwa in dieser Zeit erhalten haben. Was mir zuerst auffiel war, dass die Sprache mit ihren kurzen Sätzen sowohl kindgerecht  als auch anspruchsvoll ist. In diesem Buch aus der DDR gibt es noch das Wort Deutschland und schon das Wort Computer. Es geht um die Viehhaltung vom Altertum bis „morgen“. Vieles, was heute als Massentierhaltung verpönt ist, wird in den höchsten Tönen gelobt. Manches, was heute romantisch verklärt wird, wird im Buch als rückständig, aufwändig, unhygienisch und teuer benannt. Ich musste mehr als einmal schmunzeln. Manche Zukunftsvision hat sich nicht erfüllt wie z.B. Viehhaltung in Mehrgeschossern oder intensive Schafhaltung in Ställen. Manches ist in Deutschland mittlerweile schon wieder abgeschafft wie Hühnerhaltung in Käfigbatterien, manches wird arg rosarot beschrieben, manchmal kam ich ins Grübeln. Letztlich macht der Autor deutlich, dass kleinteilige Landwirtschaft teuer, ineffizient und nicht unbedingt tierfreundlich ist.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 05. Januar 2018, 08:17:22
Zu dieser Zeit passten im Kinderlied auch Naturreichtum und Intensivierung noch ganz wunderbar zusammen:
Lied der jungen Naturforscher.
Dass die großen Niedermoore sich gerade in Kohlendioxid auflösten, dass sich die Artenzahlen des Grünlandes in weniger als 20 Jahren auf ein Zehntel reduzierten und buntes Leben im Acker auf ein paar Quadratmeter im Vorgewende zurückgedrängt wurde, das hatte kaum jemand mitbekommen.

Jede Zeit hat ihre Verklärungen. In den 60er und 70er Jahren war das eine (fast) vorbehaltslose Fortschrittseuphorie. Das funktioniert, solange man Natur als ausreichend einfaches Bild zeichnet. Sowie der junge Naturforscher oder der junge Landwirt sich auf den Weg machen, entdecken sie zwiespältiges. Gut, wenn sie sich auch mal begegnen und ins Gespräch kommen.

 


Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 05. Januar 2018, 08:21:25
Zum Glück ist bei meinem Rechner der Lautsprecher ausgeschaltet.  ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 05. Januar 2018, 08:39:52
 ;) Zum Nachlesen: Unsere Heimat ...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 05. Januar 2018, 08:42:32
Was mir zuerst auffiel war, dass die Sprache mit ihren kurzen Sätzen sowohl kindgerecht  als auch anspruchsvoll ist.
Sowas gibt es zum Glück auch heute noch, man muss aber ein wenig suchen. Meine Frau hat dabei ein gewisses Gespür, zumindest was Kinderbücher zum Thema Literatur, Musik und Natur/Umwelt angeht: Der Buchhändler war so manches Mal begeistert darüber, was er besorgen durfte. Gut möglich, dass diese Bücher auch in der nächsten Generation noch im Schrank stehen werden.

Letztlich macht der Autor deutlich, dass kleinteilige Landwirtschaft teuer, ineffizient und nicht unbedingt tierfreundlich ist.
Dass sich Rastionalisierung auf die Effektivität auswirkt ist wohl in anderen Gewerken ähnlich.
Und zum Tierwohl: Anfang der 90er Jahre führte ich noch Kontrollen nach Tierkennzeichnungsverordnung (hauptsächlich bei Rindern) durch, einer Zeit, in der gleichzeitig sowohl noch sehr "traditionelle" Haltungsformen in alten Gebäuden als auch neue Laufställe (mit deutlich höheren Tierzahlen darin) existierten. Ich fand den Fortschritt in den Haltungsformen damals durchaus begrüßenswert.
Letztes Jahr las ich im Sachkundebuch des hiesigen Gymnsiums mal das Kapitel zur Landwirtschaft durch: Da existiert immer noch die Unterscheidung in die Heile Welt der (nunmehr) ökologischen Landwirtschaft und das Schreckensbild der konventionellen Betriebe, die mit Massentierhaltung gleichgesetzt werden.

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 05. Januar 2018, 08:45:48
Letztes Jahr las ich im Sachkundebuch des hiesigen Gymnsiums mal das Kapitel zur Landwirtschaft durch: Da existiert immer noch die Unterscheidung in die Heile Welt der (nunmehr) ökologischen Landwirtschaft und das Schreckensbild der konventionellen Betriebe, die mit Massentierhaltung gleichgesetzt werden.

Das finde ich erschreckend.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 05. Januar 2018, 08:54:03
Mir fällt dazu diese schon etwas ältere Entscheidung wieder ein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Waldmeisterin am 05. Januar 2018, 08:58:36
als Kind habe ich immer Milch geholt, auf einem Bauernhof mitten im Dorf. Die Milch habe ich als köstlich in Erinnerung, die Kühe taten mir damals, 1975, schon leid. Es gab derer zehn, sie hatten auch alle Namen, standen aber ihr Leben lang angekettet in einem düsteren Stall und haben wahrscheinlich nie die Sonne gesehen. Die Bäuerin war eine herzensgute Frau, sie wäre aber nie auf die Idee gekommen, sich darüber Gedanken zu machen, dass es ziemlich trostlos sein könnte, bei ihr Kuh zu sein  :-\
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 05. Januar 2018, 09:03:40
Bescheuert, diese ältere Entscheidung in Niedersachsen.

Zitat
Letztes Jahr las ich im Sachkundebuch des hiesigen Gymnsiums mal das Kapitel zur Landwirtschaft durch: Da existiert immer noch die Unterscheidung in die Heile Welt der (nunmehr) ökologischen Landwirtschaft und das Schreckensbild der konventionellen Betriebe, die mit Massentierhaltung gleichgesetzt werden.

Ist dann ein Ökobetrieb der über dreihundert Kühe hält* dann nun heile Welt oder Massentierhaltung? Ohne eine gewisse Größe ist (auch) Ökolandbau unwirtschaftlich.

(* in der weiteren Verwandschaft, großzügige Ställe, modernste Technik, eigene Energieversorgung etc., gerade wird weiter umgebaut und modernisiert, Weideflächen direkt am Stall- alles sehr beeindruckend. Die einzuhaltenden Richtlinien sind streng)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 05. Januar 2018, 09:05:15
Das ist allerdings einer der Nachteile des Fortschritts: der nächste Kuhstall ist nicht mehr fußläufig erreichbar.
Damit ist auch die Methode, abens eine Schüssel Milch auf den Schrank zu stellen um am Abend drauf Dickmilch mit Pellkartoffeln essen zu können, dahin.
 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 05. Januar 2018, 09:24:41
Ich grübele immer wieder, warum das mit der Dickmilch vor der Wende mit Milch aus DDR-Massentierhaltung meistens noch funktioniert hat. (Pasteurisierte, aber vermutlich noch nicht homogenisierte Milch)
Wir haben regelmäßig selbst Quark daraus gemacht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 05. Januar 2018, 10:26:37
Das ist allerdings einer der Nachteile des Fortschritts: der nächste Kuhstall ist nicht mehr fußläufig erreichbar.
Damit ist auch die Methode, abens eine Schüssel Milch auf den Schrank zu stellen um am Abend drauf Dickmilch mit Pellkartoffeln essen zu können, dahin.

Genau das ist  m e i n  Problem mit der Milch. Als Kind holte ich (in der Stadt) jeden Tag anderthalb Liter in einer Blechkanne für 1,12 Mark. Dann kamen die Flaschen, später Tüten, später Tetrapack. Mit der Verpackung begann die Tragödie: keine Milch mehr zum aufstellen für dicke Milch... dicke Milch auf dem Teller, ein süßer vergangener Traum!

(Die heute angebotene, Fertig-Dickmilch ist nicht im entferntesten damit vergleichbar! Da fehlt nämlich die Sahneschicht obendrauf, die "Haut", die sich beim aufstellen bildet. Ist alles vermengeliert und "Schrott"... grr...)

Heute wird mir, wenn ich mal im Kuhstall nach frischer Milch frage, erzählt: das geht nicht, da sind Bakterien drin... und es wird mir erklärt, wieviel von welcher Sorte und was mir alles passieren kann... so dass einem echt absolut alles vergeht!
Ich frage mich, wie ich meine Kindheit überlebt habe...

In der Schule gab es 1/4 Liter Milch per Tag in Flaschen. Damals kannte man noch keine Laktoseintoleranz :D . Sowas hatte niemand - warum eigentlich nicht ???

Meine Großmutter (auf dem Land) holte Molke in großen Kannen am Fahrrad für ihre 2 Schweine aus der Molkerei.
Die Molkerei ist jetzt ein "Getränkestützpunkt" und Post.

Das Ergebnis dieser Umstellung auf Industrie erlebe ich täglich an meinem Essen. Zum Glück habe ich noch eigene Kartoffeln und eigenes Gemüse.... ;)... und auf gekauftes Fleisch verzichte ich vor Ekel, das kriegen allenfalls meine Hunde und Katzen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Callis am 05. Januar 2018, 10:33:16
Ich grübele immer wieder, warum das mit der Dickmilch vor der Wende mit Milch aus DDR-Massentierhaltung meistens noch funktioniert hat. (Pasteurisierte, aber vermutlich noch nicht homogenisierte Milch)
Wir haben regelmäßig selbst Quark daraus gemacht.
Ob aus frischer Milch Dickmilch wurde oder nicht, hat sicher nichts mit der Tierhaltung zu tun sondern ausschließlich mit der Behandlung der Milch vor dem Verkauf. Muss ja heute alles länger haltbar sein, und natürlich keimfrei.
Als ich Kind war, wurde die Milch fast ausschließlich vom Bauernhof geholt und wir machten immer selbst Dickmilch und im nächsten Schritt auch manchmal Quark.
1988 erwarb ich ein Häuschen auf einem (westdeutschen) Dorf und holte wieder Milch vom Bauern abends beim Melken. Auch die wurde noch dick. Doch dann gaben im Zuge der BSE-Krise alle Bauern bis auf einen (bis zu dem es mir zu weit war) die Milchwirtschaft auf und ich kaufte die Milch wie auch in der Stadt wieder abgepackt im Supermarkt. Ende der so herrlich schmeckenden selbst produzierten Dickmilch.

toto, du warst schneller. :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 05. Januar 2018, 10:41:35

Als ich Kind war, wurde die Milch fast ausschließlich vom Bauernhof geholt...

Es war aber auch in der Stadt möglich - und die Milch war in großen Metallbehältern und wurde mit der Kelle abgefüllt in meine Kanne... wie war die denn "haltbar" ??? Mindestens doch vom melken bis in den Laden... ???
Und die wurde eben dick.... MIT Sahnehaut!

Speziell dieser Verlust macht mich (leider) oftmals wütend. Denn Dickmilch gehörte für mich zum Leben dazu.

Heutige Milch ist mehr Wasser als Milch.

Und wenn ich mal beim Bauern einen 5 Liter-Kanister Milch bekomme, mache ich Butter draus. Für meine Tiere scheint es der Himmel zu sein! Die "prügeln" sich um solche frische Milch und schlappern die bis zum umfallen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 05. Januar 2018, 11:40:12
...und noch was: falls heute mal eine Flasche (oder Tetrapack) nur  e i n e n  Tag länger im Kühlschrank steht und man dran riecht, ob noch gut: dann riecht man, was die Kuh zu fressen bekam... und  d a s  riecht grausam, entweder nach Kuhstall oder nach Silage oder, oder... und damit keinem der Appetit vergeht, will ich das nicht weiter beschreiben.

Wie konnten wir in der Kindheit frische abgefüllte Milch als Dickmilch aufstellen - o h n e  diese elenden Gerüche ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 05. Januar 2018, 11:52:44
Tja, so unterscheiden sich die Geschmäcker: Ich schätze die Milch mit 1,5 % Fett zum Aufschäumen für Milchkaffee.

Und was frische Milch angeht: In meiner Kindheit kam der Milchmann mit seinem VW-Transporter, darauf ein 1000-l-Stahltank mit frischer Milch, natürlich nicht frisch von der Kuh, aber "nur" pasteurisiert.
Von seinem Start bis zu uns brauchte er etwa zwei Stunden. Man konnte die Dorfstraße etwa einen Kilometer weit überblicken und gucken, ob er in schon in Sichtweite war. Wir sind ihm im Sommer oft mit dem Fahrrad zum Milchholen entgegengefahren, denn bis er bei uns war, hatte die Milch oft schon einen Stich.
Was mir regelmäßig den Appetit auf die frische Milch vergehen ließ, auf die ich mich gefreut hatte.

Mein Vater hingegen freute sich, er aß dann Dickmilch mit Schwarzbrot.

Später, auf Klassenfahrt in der Mittelstufe, erinnere ich mich gut, dass wir immer versuchten, meistens erfolgreich, den Lehrern die für ihren Kaffee  bereitgestellte Milch zu stiebitzen. Die bekamen nämlich "abgepackte" Milch, d.h. pasteurisiert und homogenisiert. Wir Schüler "durften" die andere Milch trinken, die in Kannen angeliefert wurde.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 05. Januar 2018, 12:02:45
Ich las gerade etwas über das Heumilchregulativ der EU.

Diese Milch schmeckt, wie ich finde, deutlich anders als alles andere was angeboten wird.
Das scheinen die meisten Verbraucher aber nicht zu merken oder es interessiert nicht. Es gibt bei uns nur eine Handelskette (und die ist nicht deutschlandweit vertreten) die sowas anbietet.
Dass die "länger haltbare Frischmilch" anders schmeckt, scheint aber durchgedrungen sein.
In vielen Märkten ist die traditionelle, nur pasteurisierte Frischmilch in die Regale zurückgekehrt.

Als Kind kaufte ich die Milch bei "Milchmanns Margrete", die den Milchladen hatte. Die hatte eine Handpumpe, einmal pumpen ergab einen halben Liter in die Kanne.
Die Frau lebt schon lange nicht mehr, ihre Nachkommen tragen immer noch den Dorfnamen "Milchmanns".
Vor dem Haus meiner Großeltern stand einer der Milchböcke, große Holzgestelle, auf die von den Bauern die vollen Kannen gestellt wurden, damit der Milchmann sie leichter auf seinen Wagen laden konnte.
Die Milchböcke waren so groß und stabil, daß man in der Nacht auf den ersten Mai da diverse Kleinwagen (Isetta und Genossen) draufstellen konnte.
So geht mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft auch das ländliche Brauchtum verloren...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 05. Januar 2018, 12:46:43

quote author=lerchenzorn link=topic=61430.msg3004467#msg3004467 date=1515140681  ;)
Als ich Kind war, wurde die Milch fast ausschließlich vom Bauernhof geholt...

Es war aber auch in der Stadt möglich - und die Milch war in großen Metallbehältern und wurde mit der Kelle abgefüllt in meine Kanne... wie war die denn "haltbar" ??? Mindestens doch vom melken bis in den Laden... ???
Und die wurde eben dick.... MIT Sahnehaut!  ...

Also unsere Milch kam damals aus dem beidseits verschweißten Plasteschlauch und wurde doch gute Saure Milch.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Frühling am 05. Januar 2018, 12:49:23
Hier, in Frankreich, bekommt man problemlos im Einkaufsmarkt "lait cru", also Rohmilch.  Im naechsten Ort befindet sich auch ein Milchautomat wo man seine Milchflasche fuellen kann, ebenfalls mit Rohmilch.  Das ist Dirktverkauf vom Bauern und da dieser Automat schon paar Jahre steht, denke ich, er muss sich fuer den Milchproduzenten rentieren.  Persoenlich stehe ich auf Kaese aus Rohmilch und hatte noch nie Probleme mit Bakterien??
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 05. Januar 2018, 12:59:02
Also unsere Milch kam damals aus dem beidseits verschweißten Plasteschlauch und wurde doch gute Saure Milch.

Die war auch nur drei Tage haltbar und daher wohl noch gut mit allerlei Keimen "belastet".
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 05. Januar 2018, 13:12:27
Hier, in Frankreich, bekommt man problemlos im Einkaufsmarkt "lait cru", also Rohmilch.  Im naechsten Ort befindet sich auch ein Milchautomat wo man seine Milchflasche fuellen kann, ebenfalls mit Rohmilch.  Das ist Dirktverkauf vom Bauern und da dieser Automat schon paar Jahre steht, denke ich, er muss sich fuer den Milchproduzenten rentieren.  Persoenlich stehe ich auf Kaese aus Rohmilch und hatte noch nie Probleme mit Bakterien??

Rohmilchkäse esse ich auch sehr gerne.

Was Rohmilch und Vorzugsmilch angeht: http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zum_verzehr_von_rohmilch-197200.html
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Frühling am 05. Januar 2018, 13:27:53

Was Rohmilch und Vorzugsmilch angeht: http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zum_verzehr_von_rohmilch-197200.html

Wir persoenlich moegen keine Milch, selbst nicht im Kaffee, (Kaese aber um so mehr :D)deshalb hab ich nicht aufgepasst, ob auf den Flaschen und Automat eine Warnung zu Rohverzehr steht.  Wahrscheinlich schon.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Secret Garden am 05. Januar 2018, 13:35:47
Es gab derer zehn, sie hatten auch alle Namen, standen aber ihr Leben lang angekettet in einem düsteren Stall und haben wahrscheinlich nie die Sonne gesehen. Die Bäuerin war eine herzensgute Frau, sie wäre aber nie auf die Idee gekommen, sich darüber Gedanken zu machen, dass es ziemlich trostlos sein könnte, bei ihr Kuh zu sein  :-\

Bist Du sicher? Wenn ich als Kind am frühen Abend unsere volle Milchkanne beim Bauern abholte, standen die Kühe auch angebunden im Stall. Zwischen dem Morgen- und Abendmelken hatten sie den Tag auf der Weide verbracht. Gegen 17 Uhr machten die Kühe sich auf den Weg von der Weide zum Stall. Wenn sich der Bauer verspätete, trotteten sie auch schon mal alleine heimwärts. :D

Bauern, die heutzutage Frischmilch in Automaten anbieten, müssen ein Schild anbringen mit dem Hinweis, dass die Milch vor Verzehr abgekocht werden muss.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Frühling am 05. Januar 2018, 13:47:06

 Wenn ich als Kind am frühen Abend unsere volle Milchkanne beim Bauern abholte, standen die Kühe auch angebunden im Stall. Zwischen dem Morgen- und Abendmelken hatten sie den Tag auf der Weide verbracht. Gegen 17 Uhr machten die Kühe sich auf den Weg von der Weide zum Stall. Wenn sich der Bauer verspätete, trotteten sie auch schon mal alleine heimwärts. :D


Auf den Wiesen nebenan, kann ich es genau so, wie du beschreibst, beobachten.  Da stehen etwa eine Haelfte des Jahres 50 Milchkuehe und sie spazieren 2 Mal pro Tag zum Melken. Natuerlich muss das sehr zeitaufwaendig fuer den Bauern sein, denn er wechselt die Weide regelmaessig, muss den Wassertank verstetzen, usw. Glueckliche Kuehe :)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 05. Januar 2018, 14:11:52
...
Zwischen dem Morgen- und Abendmelken hatten sie den Tag auf der Weide verbracht. Gegen 17 Uhr machten die Kühe sich auf den Weg von der Weide zum Stall.
...
So war es in meiner Kindheit auch den Sommer über in unserem Dorf - heutzutage würde es zum Verkehrskollaps führen  ;D
Soweit ich es weiß, blieben die Milchkühe aber den Winter über komplett im Stall.
Führte im Frühling zu begeistertem Galoppieren und Luftsprüngen beim ersten Ausflug auf die Weide direkt am Hof.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Waldmeisterin am 05. Januar 2018, 14:22:15
Es gab derer zehn, sie hatten auch alle Namen, standen aber ihr Leben lang angekettet in einem düsteren Stall und haben wahrscheinlich nie die Sonne gesehen. Die Bäuerin war eine herzensgute Frau, sie wäre aber nie auf die Idee gekommen, sich darüber Gedanken zu machen, dass es ziemlich trostlos sein könnte, bei ihr Kuh zu sein  :-\

Bist Du sicher?

Ja. Der Bauernhof befand sich mitten im Dorf, die hatten gar keine Weide. Ich war mit der Tochter der Bauern befreundet und habe da sehr viel Zeit verbracht. Diese Kühe kamen definitv nie raus.
Auf den Aussiedlerhöfen war das aber anders, die hatten Weiden direkt am Stall und die Kühe sind pünktlich zum Melken nachhause gekommen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 05. Januar 2018, 14:32:58

Auf den Aussiedlerhöfen

Was sind "Aussiedlerhöfe"?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Waldmeisterin am 05. Januar 2018, 14:36:23

Auf den Aussiedlerhöfen

Was sind "Aussiedlerhöfe"?

Bauernhöfe, die sich nicht innerhalb eines Dorfes befinden, sondern in der "freien" Landschaft.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 05. Januar 2018, 14:39:00
Danke.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 05. Januar 2018, 17:19:04
Heutzutage läuft die moderne Milchkuh in großen Ställen frei herum, hat Futter- und Liegeplätze sowie Walzen wie in Autowaschanlagen, um sich den Rücken massieren zu lassen. Wenn's im Euter drückt, geht sie selbständig zum Melkstand.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 05. Januar 2018, 19:34:22
Heutzutage läuft die moderne Milchkuh in großen Ställen frei herum, hat Futter- und Liegeplätze sowie Walzen wie in Autowaschanlagen, um sich den Rücken massieren zu lassen. Wenn's im Euter drückt, geht sie selbständig zum Melkstand.

Würde ich gern mal sehen - gibt es da Videos?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: partisanengärtner am 05. Januar 2018, 19:43:30
Das sollte bei You tube zu finden sein.
Die Bürsten habe ich schon mal gesehen, war aber eher besonders fortschrittlich in dem Film
https://www.youtube.com/watch?v=fSHX4jWnSao
https://www.youtube.com/watch?v=OgYJiVQ9_34
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 05. Januar 2018, 19:52:02
Heutzutage läuft die moderne Milchkuh in großen Ställen frei herum, hat Futter- und Liegeplätze sowie Walzen wie in Autowaschanlagen, um sich den Rücken massieren zu lassen. Wenn's im Euter drückt, geht sie selbständig zum Melkstand.

So sehen die beiden Kuhställe aus, die ich persönlich kenne(einer öko, einer konventionell). In der Mitte Liegeboxen, schön voller Stroh, der Hintern liegt in Richtung Auslauf in dem ständig der automatische Kratzer unterwegs ist, um den Kot zu entfernen. Futter gibt's vom Laufgang her. Lustig ist, dass die Kühe gern mal versuchen den Melkautomaten auszutricksen, weil der nach getaner Melkerei ein schönes Leckerli spendiert ehe er die Kuh aus der Anlage komplimentiert...nur ist der Automat leider völlig unbestechlich...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 05. Januar 2018, 20:05:07
Den hat bestimmt ein Mann programmiert.  :-\
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 05. Januar 2018, 20:16:33
Den hat bestimmt ein Mann programmiert.  :-\

 ;D ;D ;D ;D ;D ;D ;D ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 05. Januar 2018, 21:05:25
Diese rotierenden Bürsten sind bei den Kühen sehr beliebt. Damit alle mal dran sind, laufen die Bürsten eine Weile und machen dann eine Pause. Allerdings gibt es Kühe, die mitbekommen haben, dass sie nur zu warten brauchen.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 05. Januar 2018, 21:06:43
....., dass sie nur zu warten brauchen.  ;)

...wie im richtigen Leben :o ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Waldmeisterin am 05. Januar 2018, 21:28:29
der Bauer auf Island, bei dem ich vor Jahren mal einen Sommer lang gearbeitet habe, hat jede einzelne Kuh (ok, es waren nur zehn) vor dem Melken gestriegelt. Danach waren die wie die Lämmchen.
Lustig war auch der Hofhund, Skotta. Die hatte einen ausgeprägten Hütetrieb, aber nix zu hüten. Deshalb hat sie morgens und abends die Kühe in den Stall getrieben. Also eigentlich kamen die Kühe von alleine, aber Skotta sprang eifrig bellend um sie herum und ich bin mir sicher, dass sie davon überzeugt war, dass ohne sie überhaupt nix liefe  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 06. Januar 2018, 17:43:28
Wenn's im Euter drückt, geht sie selbständig zum Melkstand.
Und das ist in der Regel häufiger als zweimal am Tag der Fall, die automatischen Melkstände entlasten demnach nicht nur den Tierhalter, sondern kommen auch den Befürfnissen der Tiere entgegen.
Das "Leckerchen" ist übrigens nicht in erster Linie ein Lockmittel, sondern die persönliche Ration Kraft- und Mineralfutter, die jedes Tier (abhängig von der momentanen täglichen Milchleistung) gezielt zugewiesen bekommt.
Der Computer der den Melkstand steuert hat nicht nur eine Erwartungshaltung wie häufig jedes Tier kommen sollte und wieviel Milch es zu geben hat, sondern wertet noch weiter "persönliche Daten" jeder Kuh aus, die gläseren Kuh ist damit bereits Realität.
Bei Auffälligkeiten gibt es eine Meldung an den Tierhalter, er möge doch mal dieses oder jenes Tier persönlich in Augenschein nehmen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Secret Garden am 06. Januar 2018, 23:28:27
Das klingt alles sehr tiergerecht und so eine rotierende Bürste für den Rücken hätte ich auch gerne. ;D  Schade dabei ist, dass die Kühe nicht mehr auf die Weide und in die Sonne kommen. Die Zusammensetzung der Milch ist bei Weidetieren wohl auch hochwertiger.

Es hängt mit den skandalös niedrigen Milchpreisen zusammen, dass Milchviehhalter immer größere Herden halten müssen die dann von Automaten betreut werden. In ländlichen Gebieten sind weidende Kühe aus dem Landschaftsbild fast verschwunden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 09:33:14
Keine Abwehrstoffe mehr durch Stallhaltung, Vit. D z.B., (Abwehrstoffe, die natürlicherweise in die Milch gehen - warum gibt es überhaupt Milch?), dafür Antobiotika, die nötig sind bei Massentierhaltung..., usw. usw. ... und dann kommt der Geruch, wenn die Milch im Tetrapack einen Tag länger steht.... :-X

Gerne höhere Milchpreise... das betrifft aber nicht vorrangig den Verbraucher, sondern in der Hauptsache die Lebensmittelindustrie. In fast jedem Fertigprodukt (Cappucino ;-) z.B.) sind Milchteile enthalten. Und die wird sich winden gegen höhere Milchpreise.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 07. Januar 2018, 09:35:33
Man kann natürlich auch Biomilch kaufen.  ;)

Autos werden nicht mehr hergestellt wie vor 100 Jahren, Nahrungsmittel auch nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 07. Januar 2018, 10:07:28
Auch Biokühe stehen zumindest teilweise in Ställen,  die müssen so ausgerüstet sein wie beschrieben bzw. noch besser. Die Tiere gehen auch auf die Weide, aber nicht immer und nicht alle. Die Biomilch vom Hof der Verwandschaft schmeckt hervorragend,  die daraus hergestellten Produkte auch. Das Futter wird auf den eigenen Flächen produziert.
Die Milch des konventionellen Großbauern aus der Nachbarschaft mit ebensolchem modernen Stall schmeckt genauso gut, der Quark ist spitze.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Januar 2018, 10:09:36
Keine Abwehrstoffe mehr durch Stallhaltung, Vit. D z.B., (Abwehrstoffe, die natürlicherweise in die Milch gehen - warum gibt es überhaupt Milch?), dafür Antobiotika, die nötig sind bei Massentierhaltung..., usw. usw. ...
Was ist das denn für ein Spruch?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 07. Januar 2018, 10:40:20
Das übliche halt, reg dich nicht auf.

Bei uns in der Nähe gibt es einen Biobetrieb der zur Uni Gießen gehört, mit Milchviehhaltung.
Schöner großer Stall, Auslauf, netter Betriebsleiter, Hofladen, wie man sich das halt so vorstellt.

Ich war aber schon etwas erschrocken, dass auch in diesem Betrieb die Milchkühe im Durchschnitt nur drei Jahre alt werden, d. h. in der Regel nur zwei Kälber zur Welt bringen. Da im Durchschnitt eines davon ein Bullchen ist, hat der Betrieb Probleme aus eigener Nachzucht die Herde zu erhalten.

Auch aus konventioneller Haltung kannte ich das, dass immer mal wieder Kühe gefeiert wurde, die in ihrem Leben 100 000 Kilo Milch gegeben hatten also 11 oder 12 Jahre alt waren.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 07. Januar 2018, 11:03:24
Keine Abwehrstoffe mehr durch Stallhaltung, Vit. D z.B., (Abwehrstoffe, die natürlicherweise in die Milch gehen - warum gibt es überhaupt Milch?), dafür Antobiotika, die nötig sind bei Massentierhaltung..., usw. usw. ...
Was ist das denn für ein Spruch?

Derzeit scheint die Behauptung "in" zu sein, dass der Geruch der Milch von den Antibiotika herrühre, die die Kühe mit dem Futter bekämen.
Damit kamen in den letzten Tagen bei jedem Treffen mit Freunden und Bekannten mindestens eine(r).

Der größte Viehhof hier im Nachbarort hat übrigens seine Rinder bislang immer noch draußen. Die Tiere kommen nur dann rein, wenn es saukalt wird. Sind aber keine Milchkühe.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Secret Garden am 07. Januar 2018, 14:12:22
Ich kenne einige Bauern, die auf Mutterkuhhaltung umgestiegen sind. Die Tiere haben Weidegang, es entfällt natürlich das aufwändige Melken.

Das Milchvieh im Stall wird hauptsächlich mit Silage gefüttert. Es wird kein Heu mehr auf den Wiesen getrocknet (wie auch, es regnet ja rund ums Jahr ::)), sondern das Mähgut in Silos gefahren. Wenn ich Kuh wäre, wollte ich dann ständig dieses "vergorene Sauerkraut" fressen?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 14:49:06
Keine Abwehrstoffe mehr durch Stallhaltung, Vit. D z.B., (Abwehrstoffe, die natürlicherweise in die Milch gehen - warum gibt es überhaupt Milch?), dafür Antobiotika, die nötig sind bei Massentierhaltung..., usw. usw. ...
Was ist das denn für ein Spruch?

Leider kein Spruch, sondern Realität für den Endverbraucher.
Nicht jeder hat das Glück neben einem Biobauernhof zu wohnen.
Klar ist auch, dass Tiere, die in größeren Ställen zusammen stehen entgegen ihrer Natur, nun mal mit Antibiotika versorgt sind. Völlig unstrittig.

Milch fließt nicht einfach so, sondern ist das, womit der Nachwuchs als erstes versorgt wird: reichhaltig und mit natürlichen Abwehrstoffen, die das Kalb braucht.
Mir wird niemand erzählen, dass eine Milchkuh das zeit ihres Lebens in dieser Qualität - ohne Einschränkungen - "produzieren" kann.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 14:53:53
Derzeit scheint die Behauptung "in" zu sein, dass der Geruch der Milch von den Antibiotika herrühre, ...

Nein, das hat nichts mit "in" zu tun. Und ich denke auch nicht, dass Milch nach AB schmeckt oder riecht - allerdings nach Silage mit Sicherheit... natürlich nur, wenn sie über das Datum hinaus stehen geblieben ist und die Kühe mit Silage gefüttert wurden - frisch natürlich nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Januar 2018, 16:57:41
Nicht jeder hat das Glück neben einem Biobauernhof zu wohnen.
Soll heißen die Biobauern lassen kranke Kühe elendig verrecken statt den Tierarzt zu holen? Das Vieh soll sich bitte gefälligst quälen wenns schon so blöd ist und krank wird?

Mal im Ernst, Antibiotika gibts, wenns nötig ist. Nicht zur Leistungssteigerung wie evtl in USA. Tierschutz sollte auch bei Bio eine Rolle spielen.
Bedenken kann ich verstehen, es gibt Leute mit Haustieren, Hunde oder Katzen etwa, die werden regelmäßig mit Nervengift entwurmt. Oder sollten zumindest oder etwa nicht? Die kacken regelmäßig in den Vorgarten, mit Nervengift drin...
Ist Entwurmung bei Nutztieren ein Aufreger?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 07. Januar 2018, 17:09:40
wie auch, es regnet ja rund ums Jahr ::)

??? Ich holte heute Heu aus der großen Bergescheune des hiesigen Bauerns für meine Kaninchen. Beim Anblick der Heumengen fragte ich mich, wie lange das wohl reichen würde. Das Heu hat übrigens allerbeste Qualität und duftet ganz wunderbar. Das freut sowohl mich als auch die Kaninchen. Der Bauer hat rund 30-40 Mutterkühe einer Fleischrasse. Die Kälber verkauft er an Mastbetriebe. Die Tiere stehen ganzjährig draußen. Nur im Mai/Juni zur Zeit der Frühsommertrockenheit wird es mit der Weide manchmal knapp.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: schober am 07. Januar 2018, 17:26:22
Übrigens:

http://www.heumilch.at/wp-content/uploads/2014/05/Vorteile_Heumilch.pdf

Silage-Wirtschaft ist mNn Wildbienenfeindlich.
Also kommt mir nur noch Heumilchkäse ins Haus.
Den Steril-Gärtner wirds natürlich egal sein ...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 17:31:24
Nicht jeder hat das Glück neben einem Biobauernhof zu wohnen.
Soll heißen die Biobauern lassen kranke Kühe elendig verrecken statt den Tierarzt zu holen? Das Vieh soll sich bitte gefälligst quälen wenns schon so blöd ist und krank wird?

Davon sprach ich nicht.
Ich habe auch niemanden persönlich angesprochen. Man sagt ja so schön: jeder zieht sich den Schuh an, der ihm passt :D.

Übrigens: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/antibiotika-in-der-viehhaltung-milch-von-gedopten-kuehen-1.1704817

Es ist bekannt und Usus, dass Schweine zumindest Antibiotika als Futterzusatz haben. Vlt. ist das bei Kühen in Massenhaltung ja ganz anders - Aufklärung?
Ich habe nichts gegen Antibiose wenn nötig. Übrigens zähle ich mich auch nicht zu den Impfgegnern... ist ja heute auch schon wieder ein Thema für sich ;D ;D ;D

....es gibt Leute mit Haustieren, Hunde oder Katzen etwa, die werden regelmäßig mit Nervengift entwurmt. Oder sollten zumindest oder etwa nicht? Die kacken regelmäßig in den Vorgarten, mit Nervengift drin...
Ist Entwurmung bei Nutztieren ein Aufreger?

Nebenbei: woher dieser Hass auf Entwurmungsmittel? Es gibt ne Menge Möglichkeiten, ohne Gift zu entwurmen. In 40 Jahren Hundehaltung hatte tatsächlich noch nie ein Hund bei mir Würmer. Nervengift gibts bei uns nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 17:34:41
Silage-Wirtschaft ist mNn Wildbienenfeindlich.

absolut Deiner Meinung
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Januar 2018, 17:35:34
Bin jetzt nicht so der klassische Sterilgärtner. Meiner Meinung nach sollten die Milchbauern in Norddeutschland in der aktuellen Lage mit dem nassen Boden statt Lagunen bauen eher die Gülle in den Städten mit Feuerwehrschläuchen an die Hauswände spritzen. Könnte den Kindern mit unterfordertem Immunsystem helfen.

Heumilch finde ich mehr Vermarktungsgag statt Landwirtschaft wie vor 50 Jahren. Die artenreichen Wiesen bringt auch Heumilch nicht zurück und hier im nährstoffreichem Schwämmfächer vom Rhein schon garnicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Januar 2018, 17:37:13
Es ist bekannt und Usus, dass Schweine zumindest Antibiotika als Futterzusatz haben.

Das sind bekannte Fake-News, ja.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 17:40:10
Es ist bekannt und Usus, dass Schweine zumindest Antibiotika als Futterzusatz haben.

Das sind bekannte Fake-News, ja.

Na gut, dann hier: http://www.zeit.de/2017/35/antibiotika-landwirtschaft-tierzucht-bundestagswahl-amt-verbraucherschutz
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Januar 2018, 18:03:09
Nun, man kann den Artikel von dir nicht recht lesen, müsste sich einloggen dazu. Die Überschrift genügt mir nicht.
Auch ein Kommentar statt sauber recherschierter Artikel ist recht wenig.
Hier die Seite vom bmel dazu:
https://www.bmel.de/DE/Tier/Tiergesundheit/Tierarzneimittel/_texte/Antibiotika-Dossier.html;jsessionid=33C62733654734131316602BDFABA3AB.1_cid385?docId=8149440
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 07. Januar 2018, 18:04:18
Bei dieser Schlagzeile läuten bei mir alle Alarmglocken:
Zitat
Neue Zahlen zu Antibiotika im Stall gibt es erst nach der Bundestagswahl. Es liegt der Verdacht nahe, dass das Amt für Verbraucherschutz sie bewusst zurückhält.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 18:05:13
Bei dieser Schlagzeile läuten bei mir alle Alarmglocken:
Zitat
Neue Zahlen zu Antibiotika im Stall gibt es erst nach der Bundestagswahl. Es liegt der Verdacht nahe, dass das Amt für Verbraucherschutz sie bewusst zurückhält.

bei mir auch... :'(
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 07. Januar 2018, 18:05:51
Vermutlich läuten sie aber aus unterschiedlichen Gründen.  ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 18:06:29
Vermutlich läuten sie aber aus unterschiedlichen Gründen.  ;D

nicht unterschätzen bitte ;D ;D ;D oder falsch vermuten ;D
oute Deine Gründe einfach... oder gibt es hier hier garten-pur-family-codes?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 18:08:18
Nun, man kann den Artikel von dir nicht recht lesen, müsste sich einloggen dazu.

Bin nicht eingeloggt, kann man lesen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 07. Januar 2018, 18:12:29
Nein, kann man nicht lesen.  >:(

Vielleicht hast Du die passenden Cookies auf dem Rechner.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 18:17:18
???????? Bin in keiner Zeitung eingeloggt, keine Abos... komisch.
Ich könnte Euch den Text kopieren, falls man das darf ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 07. Januar 2018, 18:20:03
Ja, mach mal!
(mit Quellennachweis - ist ja schon verlinktes Original da sollte - das okay sein)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 18:22:34
Süddeutsche Zeitung, 25. Juni 2013:

Antibiotika in der Viehhaltung
Milch von gedopten Kühen

Edit: Vollzitat durch Link ersetzt
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 18:26:14
Gegendarstellung (oder so ähnlich) hier:

http://www.wir-sind-tierarzt.de/2015/08/kuhdoping-mit-kexxtone/
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 07. Januar 2018, 18:30:10
Vermutlich läuten sie aber aus unterschiedlichen Gründen.  ;D

...zumindest liegt dieser Verdacht nahe... 8)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Januar 2018, 18:34:54
Verlinkste jetzt wirklich nen unleserlichen Zeitartikel, kommst später mit nem Zitat von der Süddeutschen, bei dem die ersten beiden Sätze oder Behauptungen schon weh tun?

Was soll das?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 18:44:59
Verlinkste jetzt wirklich nen unleserlichen Zeitartikel, kommst später mit nem Zitat von der Süddeutschen, bei dem die ersten beiden Sätze oder Behauptungen schon weh tun?

Was soll das?

Nicht Fragen stellen, sondern antworten, aufklären, wenn Du alles so gut weißt.

...wird jetzt unsachlich mit Beschimpfungen.
Bin raus.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 07. Januar 2018, 18:48:40
Also ich kann die Textkopie und die Gegendarstellungen lesen.
Ein Urteil bilden muß sich allerdings jeder selbst...

Eigentlich hätte mich der Artikel zur Schweinemast interessiert!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 18:55:29
Also ich kann die Textkopie und die Gegendarstellungen lesen.
Ein Urteil bilden muß sich allerdings jeder selbst...

Eigentlich hätte mich der Artikel zur Schweinemast interessiert!

Antibiotika in der Landwirtschaft

Artikel aus der ZEIT August 2017

Edit: Vollzitat in Link verwandelt
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: b-hoernchen am 07. Januar 2018, 19:09:34
Der größte Viehhof hier im Nachbarort hat übrigens seine Rinder bislang immer noch draußen. Die Tiere kommen nur dann rein, wenn es saukalt wird. Sind aber keine Milchkühe.
Sind das dann Kühe, die vom Schmalspurauslauf rund um den Laufstall so traurig auf die Weide glotzen, dass einem (zumindest mir) die Milch nicht mehr schmeckt?

Hierzulande wurden früher(!) die Kühe im Sommer täglich auf die Weide getrieben, vom Bauern, seiner Frau, den Kindern - auch quer durch das Dorf, und die Autos auf der Durchgangsstraße mussten dann halt Schritttempo fahren. Heute macht das keiner mehr - Autos haben Vorfahrt. Fragt man die Bauern, "kann" der die Kühe nicht mehr über die Straße auf die Weide treiben... - verlernt?
Auf die Weide darf nur noch in Einzelfällen Jungvieh, eine zu kurze, glückliche Jugend zu genießen. Ansonsten beschränkt sich der Auslauf EU-Normen und "tiergerecht" , ertragsmaximiert auf den Laufstall. Wäre ja noch schöner, die Rindviecher verursachen auf der Wiese so schlimme Weideschäden (taten sie das früher nicht?).

Das Futter kommt übrigens "Fast-Food-like" in den Stall, von den den mehr als 5 x im Jahr gemähten Wiesen. Tja, warum gibt's so wenig Blumen und Insekten? Früher galt es schon als "oft" dreimal im Jahr zu mähen, zweimalige Mahd war "normal".
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Januar 2018, 19:12:32
Danke fürs verlinken.
Sorry mit dem Süddeutscheverlinkungsvorwurf  :o, da bin ich verrutscht, tut mir leid.  :-*

Naja, beim Zeitkommentar, vieles drin so formuliert, das man was falsch verstehen könnte wenn man die Materie nicht kennt.
So lässt sich nicht konstruktiv kritisieren und was verändern.

Ich bleibe dabei:
Es ist bekannt und Usus, dass Schweine zumindest Antibiotika als Futterzusatz haben.

Es sind fake-news. Der Zeitartikel geht auch nichtmal auf Schweine ein und Antibiotika zur Leistungssteigerung sind nun schon seit Jahren in D verboten. Hier redet man von 2 verschiedenen Dingen. Und die Resistenzen entstehen nicht nur im Stall oder im Krankenhaus, sondern überall, wo Antibiotika sind. Also auch zuhause und in der Toilette bzw Kläranlage usw.
Das ist kein Problem, wofür `Massentierhaltrung´, Großställe, IP-Bauern oder Biomäster allein dafür verantwortlich sind. 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 07. Januar 2018, 19:13:14
Antibiotika sind teuer und müssen vom Tierarzt verschrieben werden, zumindest bei Kühen. Bei fachgerechter Haltung braucht man die nur, wenn ein Tier erkrankt, das war der Tenor des heutigen Gesprächs beim Kaffeetrinken mit der Bäuerin aus der Verwandtschaft (sie haben ca. 360 Milchkühe, wie ich jetzt weiß) Fütterung im Winter mit eigener Silage und Heu, im Sommer Weidegang und Heu.
Wer sich moderne Ställe nicht vorstellen kann, sollte einfach mal einen Tag der offenen Tür besuchen, das bieten ja etliche Landwirtschaftsbetriebe inzwischen regelmäßig an. Das ist auch für absolute Laien sehr spannend. Oft haben die Höfe auch noch ältere Ställe herumstehen und es lässt sich ganz gut vergleichen, was sich inzwischen alles geändert hat.
Selber habe ich bisher in verschiedenen Betrieben moderne Schweineställe, Schafställe und Kuhställe gesehen, alles Betriebe mit mehr als 300 Tieren pro Art. Besucht habe ich sowohl konventionelle als auch Biobetriebe. Die Betriebe hier sind so groß, damit das Ganze sich rechnet. Bauern mit wenig Tieren müssen zusätzliche Einnahmequellen erschließen (Torismus etc.). Durch die Dürren in Mitteldeutschland und den damit verbundenen Heumangel mussten in den letzten Jahren etliche Landwirte hier die Tierhaltung völlig aufgeben.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Januar 2018, 19:16:03
Danke RosaRot.

b-hörnchen: ja, da sprichst du ein echtes Problem an. Der Konkurrenzdruck ist einfach Mist. 5 mal mähen kostet.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: b-hoernchen am 07. Januar 2018, 19:17:57
Da wäre es mal interessant den Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft mengenmäßig  mit dem in der Humanmedizin zu vergleichen - weltweit und nach Substanzklassen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: b-hoernchen am 07. Januar 2018, 19:19:55
b-hörnchen: ja, da sprichst du ein echtes Problem an. Der Konkurrenzdruck ist einfach Mist. 5 mal mähen kostet.
Nur 2 x Mähen kostet Ertrag, Liefermengen...  - außerdem bei ganzjähriger Stallhaltung kaum machbar.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 07. Januar 2018, 19:23:56
Nicht jeder hat das Glück neben einem Biobauernhof zu wohnen.
Soll heißen die Biobauern lassen kranke Kühe elendig verrecken statt den Tierarzt zu holen? Das Vieh soll sich bitte gefälligst quälen wenns schon so blöd ist und krank wird?

Warum hast Du es nötig, so etwas zu unterstellen? Du erwartest konstruktives Kritisieren und kommst (des öfteren) mit derart abwegigen Einwürfen?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Januar 2018, 19:29:46
Ja, wenn es darum geht, das pauschal Falschvorwürfe als Fakt hingestellt werden und die Lösung Bio sein soll, weil dort angeblich ja nichts behandelt wird (Antibiotika, PSM).

Das ist einfach mit zu vielen Vorurteilen geschlussfolgert, wird keiner Diksussion und auch keiner Wirtschaftsweise gerecht. Es ist schlicht Nonsens, wie eben mein Vorwurf. Nichtmal Kellerniveau.

Mit solchen Phrasen sollte man sich eigentlich nach über 5 Jahren Diskussion nicht mehr rumschlagen müssen, da brennts mir dann auch mal durch und schieße unsachlich zurück.

War hinterher schön, dass auch eine andere Sprache hier verstanden wird.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 07. Januar 2018, 20:52:30
Leider bringen Deine sarkastischen Textfetzen keine Aufklärung. Sie sind reine Unterstellung. Ein paar sachliche Anmerkungen wären lesbarer und fruchtbarer.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Januar 2018, 21:11:27
@lerchenzorn
Die kamen ja später. Kann man lesen oder auch lassen und sich über was anderes aufregen.

Mal ernsthaft: heute scheint Bio oftmals die Antwort auf alles zu sein. Ist so wunderbar einfach.
Als ich in der Pubertät war, etwa vor 20 Jahren, da lagen die Bioäpfel verschrumpelt und mit Schorfflecken und allem drum und dran in den Auslagen mancher Läden. Die wollte eigentlich fast keiner. 20 Jahre später sehen die Bioäpfel wie geleckt aus und erfreuen sich steigender Beliebtheit.

Nun ists nicht so, dass die Krankheiten ausgerottet wurden, die haben eher zugenommen.
Die Bioapfelproduzenten haben in der Zwischenzeit aber die Intensivanlagen von den Konvis kopiert und den Pflanzenschutz intensiviert. Spritzen jetzt eben soweit wie sie es dürfen und das jeweilige Siegel zulässt. Das Ergebnis sind schöne Früchte, die immer beliebter werden.

Weil viele Leute glauben, Bio sei ungespritzt und für die Natur besser.

Ich will nicht bezweifeln, dass manche Haltung eines Biobauern zu einem bestimmten Thema absolut nachzuahmen ist, aber da ein generelles `Bio ist die Lösung´ draus zu machen und Konvi ist totgespritze wird der Sache nicht gerecht. Die Leute, die sowas noch propagieren, haben die letzten 20 Jahre mehr in der Zeitung gelebt, an denen ist IP völlig sprulos vorübergezogen. Anders kann ich mir solche Aussagen wie hier zu Antibiotika in der Tiermast nicht erklären.

Und nein, es ist kein Witz, man wird nicht wieder gesund wenn man 2 Putensteaks isst. Ich kann da einfach nicht mehr drüber lachen.

Ich meine damit nicht dich persönlich noch jemand anderen, ich mag einfach diese einfache Mainstreammeinung nicht akzeptieren.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Januar 2018, 21:17:54
b-hörnchen: ja, da sprichst du ein echtes Problem an. Der Konkurrenzdruck ist einfach Mist. 5 mal mähen kostet.
Nur 2 x Mähen kostet Ertrag, Liefermengen...  - außerdem bei ganzjähriger Stallhaltung kaum machbar.
Deswegen mein ich ja, es gibt was an der Theke, für fast alle, aber die intensive Pflege und die Nährstoffe auf der Wiese kostet die Artenvielfalt.

@dmks: weil das Vollzitat vom Zeitartikel hier wegen copyright nicht geht und die (technische) Diskussion drumrum hier nicht wirklich hingehört. Vielleicht kann dir den text jemand als PN schicken. Ich sehs ja auch nicht mehr.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Januar 2018, 21:30:59
Da wäre es mal interessant den Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft mengenmäßig  mit dem in der Humanmedizin zu vergleichen - weltweit und nach Substanzklassen.
Mengenmäßig auf kg Nutztier zu kg Mensch oder wieviel kg wiegt und wieviel Antibiotika verbraucht die Durchschnittsnahrung eines einzelnen Menschen?

Auffällig ist, das in der Tiermast mengenmäßig wohl mehr kg Antibiotika eingesetzt werden als in der Humanmedizin (klar, ein Mensch isst übers Jahr mehr kg unverarbeitete kg Schlachtvieh als er selbst wiegt). Das wirklich verblüffende dabei ist, dass in der Tiermast trotz höherer Mengen weniger Antibiotikaresistenzen entstehen. Da könnte sich manch eigenköpfiger Humanbehandelter wohl mal ein Scheibchen abschneiden von den Tieren, die ihre Ration fleissig fertigfuttern.
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/77298/Antibiotika-in-Veterinaer-und-Humanmedizin-erhoehen-Resistenzrisiko
https://www.tieraerzteverband.de/bpt/berufspolitik/Positionen/arzneimittel-einsatz/sorge-um-antibiotika-resistenzen.php
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 07. Januar 2018, 21:34:50
.

@dmks: weil das Vollzitat vom Zeitartikel hier wegen copyright nicht geht und die (technische) Diskussion drumrum hier nicht wirklich hingehört. Vielleicht kann dir den text jemand als PN schicken. Ich sehs ja auch nicht mehr.

okay - ohne Zitat-zusammenhang (und lediglich aus dem Gedächtnisprotokoll):
Schade.
Ich hätte den Beitrag gern gelesen.
 :D Wir auch!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 07. Januar 2018, 21:42:26
Und nochmal schade:
Hab diesen Tread dereinst eröffnet, damit wirklich kontrovers über das Thema Landwirtschaft diskutiert werden kann. Das schließt für mich - als bekennend 'pro LaWi'  auch ein, daß es Möglichkeiten geben sollte eine gegenteilige Meinung mit diversen Zitaten zur Diskussion zu stellen.
Wäre sicher interessant geworden.
Schade.
Schon über die wenigen lesbaren Teile haben sich ja hier Mitglieder einen Kopp gemacht und schon Meinungen geäußert....
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 21:46:35
ok, mit der Streichung der PC-Probleme ist dann dieser Text auch verloren gegangen.
Also auf ein neues: Green Peace Studie mit Quellenangaben, immerhin Juli 2017... zum Thema
Antibiotika und (multi-)resistente Keime in der Tierhaltung 
Fehlentwicklungen und Gefahren für die Humanmedizin

...wers lesen will. Das Thema ist weder veraltet noch zu lange diskutiert, es scheint immer noch ziemlich aktuell - egal welche Presse man zitiert und zwar sind die Zitate o h n e  dass sie einer eigenen Meinung entsprechen, nur mal zur info nebenbei: Der Zitierende ist  n i c h t  der Artikelschreiber/Autor.

OT:Sorry dkms - es war in Kopie im thread, Löschung war schneller
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 07. Januar 2018, 21:50:35
Vergiß es!
Du kannst eine Diskussion von knapp einer Stunde, die zensiert wurde doch nicht einfach mit einem (von mindestens drei) Artikeln einfach wiederholen!
Ich bin jedenfalls 'satt' für heute.

Gute Nacht Deutschland.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 21:51:38
Vergiß es!
Du kannst eine Diskussion von knapp einer Stunde, die zensiert wurde doch nicht einfach mit einem (von mindestens drei) Artikeln einfach wiederholen!
Ich bin jedenfalls 'satt' für heute.

zensiert ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 07. Januar 2018, 21:55:41

zensiert ???
Wenn die Beiträge mehrerer User einfach gestrichen werden - auch wenn sie keine Zitate enthalten?
Egal jetzt welche Position sie vertreten haben - es waren ja auch Meinungen zum Thema - ohne Verwendung der Zitate enthalten.
Bitte löscht in Zukunft unberechtigte Zitate! Das ist okay - aber nicht alles was irgendwie darüber diskutiert...
Wir bringen hier auch uns und unsere Zeit mit ein.
Danke liebe Moderatoren.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 07. Januar 2018, 21:57:54
Vergiß es!
Du kannst eine Diskussion von knapp einer Stunde, die zensiert wurde doch nicht einfach mit einem (von mindestens drei) Artikeln einfach wiederholen!
Ich bin jedenfalls 'satt' für heute.

Gute Nacht Deutschland.

Zensur?

Jetzt komm mal wieder runter!  ::)

(Ich fürchte, Conni bekommt nochmal was zu tun.)

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 07. Januar 2018, 22:04:23
dmks, sein nicht sauer. Ich denke, Conni ging es um das rauslösen der link-technischen Details - das wird sich schon wieder einrenken.

...  Das wirklich verblüffende dabei ist, dass in der Tiermast trotz höherer Mengen weniger Antibiotikaresistenzen entstehen.

Woraus schlussfolgerst Du das? Ich konnte das aus den von Dir verlinkten Beiträgen nicht zwingend herauslesen, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass bei gleicher Kombination von Erreger und eingesetztem Mittel die Resistenzbildung in der Tierbehandlung geringer sei als in der humanmedizinischen Anwendung.

Zitat
Da könnte sich manch eigenköpfiger Humanbehandelter wohl mal ein Scheibchen abschneiden von den Tieren, die ihre Ration fleissig fertigfuttern.
...

Das mit dem "ganz aufessen" wird für Antibiotika inzwischen infrage gestellt:
"Doch nicht immer die ganze Packung?"

edit: Zitatkennz. korrigiert
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 07. Januar 2018, 22:11:04
Bitte nicht alles vermischen. Die Frage, wie lange ein Antibiotikum in der Humanmedizin eingenommen werden sollte, ist ziemlich komplex, u.A. spielt da die Art der Infektion, der gesundheitliche Status des Patienten und einiges andere mehr eine sehr wichtige Rolle.

Lasst uns bei der Landwirtschaft bleiben.

Sauberer, teurer, weniger!

Die große Sauerei

(ZEIT Online, nur der zweite ist ohne Einloggen lesbar)

Antibiotikaeinsatz: Bioland in Erklärungsnot
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Paw paw am 07. Januar 2018, 22:18:09
Bristlecone, beide Links sind nicht lesbar. Beim 1. muss man sich anmelden und beim 2. wurde die Seite nicht gefunden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Januar 2018, 22:18:52
Dann bleibt praktisch die Frage, ob man kranke Nutztiere ärztlich behandlen darf.

Wenn ja, wie ist die Rückstandsproblematik?
Wenn nein, was soll mit den Tieren passieren?

@lerchenzorn: es ging nicht konkret um die Kombi gleiche Mittel und gleiche Erreger, sondern allgemein darum, dass aus der Tiermast weniger Resistenzen kommen als von der Humanmedizin. Für konkrete Einzelfälle wende dich bitte an die praktizierenden Ärzte.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 22:44:23
und hier kann mans lesen...: Green Peace Studie mit Quellenangaben, immerhin Juli 2017... zum Thema
Antibiotika und (multi-)resistente Keime in der Tierhaltung
Fehlentwicklungen und Gefahren für die Humanmedizin - link dazu in #507
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 07. Januar 2018, 23:02:05
Dann bleibt praktisch die Frage, ob man kranke Nutztiere ärztlich behandlen darf.

Wenn ja, wie ist die Rückstandsproblematik?
Wenn nein, was soll mit den Tieren passieren?

Wenn ein Tier - jetzt mal als Beispiel ein Rind geschlachtet wird, dann bekommt es die Freigabe vom Amtstierarzt.
Ich kenne das aus dem Schlachthaus eines Familienmitgliedes ;)
Selbst bei Notschlachtungen gibt es erst die Freigabe durch den Amtstierarzt - dann wird getötet, dann geht das Tier an eine Fleischerei oder zur Tierfutterproduktion; darüber entscheidet aber lediglich der Bedarf/die Marktlage. Beides geht nur mit einwandfreiem Fleisch. Ohne den "Zettel" vom Tierarzt geht absolut garnix!
Alles was nicht da rein paßt (zeitlich oder belastet) geht in die Tierkörperverarbeitung und wird maximal noch Seife oder Kosmetik.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 23:11:24
Wenn man mal den angegebenen Green Peace Artikel (vorurteilsfrei!) lesen würde, wüsste man, wo Rückstände landen, wieviel Tonnen Antibiotika benutzt werden, dass der Verbrauch zurück gegangen ist (immerhin) ... und, und, und... dann brauchte man sich in Diskussionen nicht dauernd wdh. oder im Kreis drehen ;)

Ein Auszug:"...Der Einsatz von Antibiotika zu Zwecken der Leistungssteigerungbei Tieren ist in der EU seit 2006 verboten, ebenso die vorbeugende Gabe (Prophylaxe). Dennoch werden in der Praxis viele nicht erkrankte Tiere behandelt, weil eine Einzeltierbe-handlung im Schweinestall schwierig, im
Geflügelstall praktisch unmöglich ist. Daher werden ganzen Beständen über dasTrinkwasser Antibiotika
verabreicht, auch wenn nur eines von 20 Tieren erkrankt ist. Diese sogenannte Metaphylaxe ist in
Schweineställen gängige Praxis und stei-gert den Antibiotika-Einsatz über das notwendige Maß hinaus." zit.GP
.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 07. Januar 2018, 23:17:37
Greenpeace- Artikel lesen sich deutlich unterhaltsamer wenn man direkt mit dem Gewerbe zu tun hat! ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 23:29:44
Greenpeace- Artikel lesen sich deutlich unterhaltsamer wenn man direkt mit dem Gewerbe zu tun hat! ;)

Leuchtet aber doch ein. Würden meine Hühner geimpft werden, gäbe es das auch ins Wasser, woraus alle trinken - würde ich ein neu gekauftes, bereits geimpftes haben, würde es damit doppelt geimpft.
Bei großen Hühnerställen mit tausenden Hühnern ist die Verabreichung einzeln praktisch unmöglich. Also bekommen nicht kranke das gleiche wie kranke. Nur als hinkendes Beispiel :D, aber so etwa.
Den Maststall mit Schweinen, ca. 5 km Luftlinie - den möchtet Ihr alle nicht sehen. Bestimmt nicht. Die Schweine können nur träumen von Bio und Stroh... im Süden habe ich "Kuschel-Kühe" (braune schöne!) gesehen - da hätte ich jede einzelne mit in die Wohnstube genommen.

Will damit sagen: es gibt sehr große Unterschiede und noch mehr zu tun. Nur Geschimpfe auf die einen "für" und die anderen "gegen" reicht sicherlich nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 07. Januar 2018, 23:33:50
Deine (und meine) Hühner haben allerdings auch keine zwei Ohrmarken, deren Nummern lückenlos von der Trächtigkeit bis zum Messer alles (wirklich alles) in Büchern dokumentieren ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 23:38:18
Deine (und meine) Hühner haben allerdings auch keine zwei Ohrmarken, deren Nummern lückenlos von der Trächtigkeit bis zum Messer alles (wirklich alles) in Büchern dokumentieren ;)

Im besten Fall beringt. Oder Topf.

Du hast durchaus Recht. Moderne Kuhställe sind schon gut durch organisiert, ohne Frage mit IT und allem drum und dran. Neulich fraß grad einer meiner Hunde eine Ohrmarke, die aus einem Bio-Kuhohr nicht entfernt wurde - weil ja Bio... ich habe die gelbe Marke gut aufgehoben  :D

Nur sind das leider nicht alle Ställe in dieser Qualität. In der anderen Richtung Luftlinie - die schwarzbunten, von denen ich öfter Fotos sehe - schmutzig bekleckert, von wegen Streichelbürste - davon träumen die nur.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 07. Januar 2018, 23:50:02
von wegen Streichelbürste - davon träumen die nur.

Ich auch!  :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 07. Januar 2018, 23:51:52
von wegen Streichelbürste - davon träumen die nur.

Ich auch!  :D

Willst Du mein Mitleid?  8)
Vergiß es - meins kriegen nur die Schwarzbunten  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. Januar 2018, 00:13:29
Na denn... zurück zum Thema:
Aufhänger war ja die Behauptung, daß unklar wäre was mit disen Tieren irgendwann passiert. Sie haben ja nicht umsonst (und nein, die sind auch finanziell nicht ganz umsonst) diese Marken! Dazu gehört ein Paß, der ähnlich eines Personalausweises jede Verbringung in einen anderen Betrieb und den Verbleib (Schlachtung oder Entsorgung) mit diversen amtlichen Bestätigungen dokumentiert. Es ist also (außer mit entsprechender krimineller Energie - wie beispielsweise bei Paßfälschung/Falschgeld/ähnliches) nicht möglich irgend ein gemeldetes Tier verschwinden zu lassen oder zu verwursten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 08. Januar 2018, 00:28:59
Dass Ursprung, Weiterverbringung und Ende absolut nachvollziehbar sind, habe zumindest ich nie bezweifelt. Ich kenne das Prozedere von Anfang bis Ende life, also nichts sonderlich neues für mich.
Zum allerletzten Ende landet dann eben so eine kostspielige Ohrmarke im Hundemaul :D hier im Haus.

Ich habe mal im ziemlich größten Schlachthof Norddeutschlands gearbeitet (fotografiert hautnah). Da ging es allerdings am "Fließband". Schuss bis Haut ab trennten nur ca. 5 Meter. Also die Kühe, die noch keinen Bolzenschuss hatten, konnten fast die am Bein hochgezogenen ohne Haut sehen. Die Kühe kamen jedenfalls nicht von der Wiese, sondern aus nem Laster und die Laster rollten dort...
Nun, wenn ich fotografiere, habe ich einen gewissen Abstand. Insofern berührte es mich nicht.

Wenn ich allerdings über diese Art von Industrie nachdenke, sieht das etwas anders aus. Da fragt man sich schon, wie die Tiere lebten und ob das in dieser Masse alles wirklich richtig ist. Diese Gedanken seien bitte gestattet.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. Januar 2018, 00:39:44
Diese Gedanken seien bitte gestattet.
Jo.
Nachdenken und Nachfragen ist niemals verkehrt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Conni am 08. Januar 2018, 08:14:20
Und nochmal schade:
Hab diesen Tread dereinst eröffnet, damit wirklich kontrovers über das Thema Landwirtschaft diskutiert werden kann. Das schließt für mich - als bekennend 'pro LaWi'  auch ein, daß es Möglichkeiten geben sollte eine gegenteilige Meinung mit diversen Zitaten zur Diskussion zu stellen.
Wäre sicher interessant geworden.
Schade.
Schon über die wenigen lesbaren Teile haben sich ja hier Mitglieder einen Kopp gemacht und schon Meinungen geäußert....

Vergiß es!
Du kannst eine Diskussion von knapp einer Stunde, die zensiert wurde doch nicht einfach mit einem (von mindestens drei) Artikeln einfach wiederholen!
Ich bin jedenfalls 'satt' für heute.

Gute Nacht Deutschland.

 ??? Ich habe gestern, nachdem ich gefragt habe, ob das okay sei, die sich auf computertechnische Fragen beziehenden Beiträge aus diesem Thread hier in den Gartenmenschenbereich (hier hin) verschoben. Gelöscht und zensiert wurde gar nichts*).

Ganz nebenbei habe ich Dir, dmks, zwei PM geschickt: Eine, in der ich erkläre warum und wohin ich verschoben habe und eine mit der Volltextversion des ZEIT-Artikels, weil Du ihn ja lesen wolltest. Eine Antwort darauf habe ich nicht bekommen, statt dessen unterstellst Du mir öffentlich, ich würde inhaltlich zensieren und damit Deinen Thread inhaltlich beeinflussen? Jetzt bin ich grad ziemlich satt.

Edit 1: Und noch einmal ganz deutlich: Volltextzitate sind aus urheberrechtlichen Gründen nicht möglich. Dass sie entfernt wurden, hat nichts mit Zensur zu tun, sondern soll Garten-pur vor Abmahnungen, jedermenge Ärger und unnötigen Kosten bewahren.

*) Edit 2: Außer den beiden Volltextzitaten. Dazu siehe Edit 1.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 08. Januar 2018, 09:03:40
gibt die forumssoftware vielleicht die technischen möglichkeiten her, einen post mit der auslagerungsinfo plus link stehen zu lassen, zumindest, wenn längere passagen ins pur-ot zu den gartenmenschen verschoben werden/wurden? wenn threads aus unpassenden unterforen verschoben werden, gibt es das doch auch. ich fände das schön transparent. :)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Conni am 08. Januar 2018, 09:09:37
Ja, Zwerggarten, das gibt die Software her - das war mein Fehler gestern Abend, tut mir leid. Beim nächsten Mal setz ich einen Link.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. Januar 2018, 18:54:04
Ganz nebenbei habe ich Dir, dmks, zwei PM geschickt: Eine, in der ich erkläre warum und wohin ich verschoben habe und eine mit der Volltextversion des ZEIT-Artikels, weil Du ihn ja lesen wolltest. Eine Antwort darauf habe ich nicht bekommen, statt dessen unterstellst Du mir öffentlich, ich würde inhaltlich zensieren und damit Deinen Thread inhaltlich beeinflussen? Jetzt bin ich grad ziemlich satt.

Edit 1: Und noch einmal ganz deutlich: Volltextzitate sind aus urheberrechtlichen Gründen nicht möglich. Dass sie entfernt wurden, hat nichts mit Zensur zu tun, sondern soll Garten-pur vor Abmahnungen, jedermenge Ärger und unnötigen Kosten bewahren.


Ja, hier ist erstmal eine dicke Entschuldigung fällig! An Conni.
Hab's natürlich auch verstanden - ärgern darf man sich doch hoffentlich trotzdem...? 8)
Es war allerdings wirklich weder persönlich gemeint, noch als inhaltliche Zensur zu verstehen.
Die PM's hab ich ja dann auch noch gefunden. Ein Thema auf zwei Threads aufzuteilen, nebenbei die Fakten zu recherchieren da war ich dann aber zu bockig für...
Also - in Zukunft wieder deutlich vorsichtiger mit Kopien....auch wenn die schonmal in der Zeitung standen. Und vielleicht mal lieber erst "an" die Luft gehen - und dann "in". (Im Rahmen meiner Möglichkeiten)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Conni am 09. Januar 2018, 08:05:07
Entschuldigung

Angenommen.

Zitat
Hab's natürlich auch verstanden - ärgern darf man sich doch hoffentlich trotzdem...? 8)

Solange Du nicht mich ärgerst ...  ;)

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 17. Januar 2018, 07:35:55
Man kann davon halten, was man will. Aber Ideen haben sie.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 17. Januar 2018, 09:32:28
A)Ich würde dazu noch vorschlagen, dass die Verfasser des Aufrufes (vor allem solche Verfasser wie Campact, attac etc.) samt potentieller Demonstranten dazu aufrufen bzw. sich freiwillig anbieten mindestens einen Monat ein Praktikum auf einem möglichst (kleinen) ökologisch bewirtschafteten Bauernhof(möglichst nicht einem modernen ökologisch geführtem Betrieb) machen und sich außerdem nur von dem ernähren, was dort produziert wird (also kein Chia, vegane Kokos-Tofu-sonstwas Müslis, Avocado-Meyer-Lemon-Dipps etc.). ;D ;).

B)Außerdem sollten sich Freiwillige melden, die als Schäfer durch die Lande ziehen und die (naturgeschütze) Flächen so beweiden, wie es notwendig ist, zwecks Artenpflege von Flora und Fauna. :D Die dazu benötigten Tiere und die Ausstattung könnten über Crowd-Funding finanziert werden. Als Prämie für Unterstützer gäb's dann Lammbraten... :D

(Hintergrund zu B): aktuelle Diskussion hier um ein bekanntes Naturdenkmal mit Trockenrasen (Natura 2000 Gebiet) und dessen Bewirtschaftung...finanziert durch Förderung werden nämlich nur "händische" Entbuschungsaktionen, aber nicht eine Beweidung, die zu DDR-Zeiten selbstverständlich war.)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 17. Januar 2018, 09:48:38
So geht das natürlich nicht. Die Anderen sollen etwas machen.

Ganz nebenbei: Die Zukunft der Landwirtschaft entscheidet sich nicht auf der Straße sondern an der Ladentheke.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 17. Januar 2018, 10:04:13
Eben desterweeechen wir Wurst, Quark, Kartoffeln und einiges andere im Nachbardorf im Laden eines dort ansässigen konventionellen Bauern kaufen, eine sehr empfehlenswerte Alternative.
Sehr begrüßenswert finde ich auch, das Agrarbetriebe der Umgebend mittlerweile ihre Produkte an extra Regalen oder in Form von Milchautomaten in einigen hiesigen Supermärkten anbieten können, zusätzlich zum eigenen Hofladen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 17. Januar 2018, 10:35:14
Eben desterweeechen wir Wurst, Quark, Kartoffeln und einiges andere im Nachbardorf im Laden eines dort ansässigen konventionellen Bauern kaufen, eine sehr empfehlenswerte Alternative.
Sehr begrüßenswert finde ich auch, das Agrarbetriebe der Umgebend mittlerweile ihre Produkte an extra Regalen oder in Form von Milchautomaten in einigen hiesigen Supermärkten anbieten können, zusätzlich zum eigenen Hofladen.

Wäre das schööön! Dann hätte mein Supermarktgerenne endlich ein Ende!
Leider gibt es hier sowas nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 17. Januar 2018, 10:56:05
Frag' doch mal danach. Vielleicht bringt Nachfrage etwas in Bewegung?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: partisanengärtner am 17. Januar 2018, 11:14:15
Ich hoffe das da ein noch nicht raus kommt. Einfach fragen sit auf jeden Fall eine gute Idee. Ich ahbe damit schon gute Erfahrung gemacht. Auch das regionale Anebot im Supermarkt wäre ein Anfang. Mein Lieblingsbioladen in Bayreuth hat das.

Der Verbraucher solls richten, hat aber selten die Möglichkeit seinem Lebensmittelvermarkter auf die Finger zu sehen. Es ist leider auch mit Bio viel Geld zu verdienen und immer wenn wieder Mal auf dem Gebiet Betrug oder Rückstandsauffälligkeiten vorkommen haben die Verbraucher die sowas nicht kaufen ein leider zutreffendes Argument.

Wir werden ja leider auch zugemüllt mit alternativen Fakten und Sonderregelungen sodaß sich niemand sicher fühlen kann.

Eine praktikable Methode für die Großvermarkter wäre alle Informationen über ihr Sortiment ins Netz zu stellen. Dann muß das Kleingedruckte nicht immer mehr unverständliche Abkürzungen und vor allem immer kleiner werden. Dann reicht die Info lesbar auf dem Preisschild über dem Angebot und mit einem Barcode fürs Wischkästle auf der Ware zu versehen um alle Details auszuführen. Auch die Anzahl der genommenen Proben in dem Jahr und die Auffälligkeiten sollten da genannt werden.

Ich vermute das wäre einigen Lebensmittelriesen nicht so recht das jeder weiss wie die Ware produziert wurde. Solange sind halbinformierte Verbraucher mit Ihren Verschwörungstheorien leicht als Spinner abzutun. In diesen Ruf geraten dann auch die wenigen die Bescheid wissen.

Wir haben auf jeden Fall auffällig wenige Proben die die Lebensmittelqualität sicherstellen sollen. Bei so einem wichtigen Thema ähnlich auffällig wie die geringe Zahl der Steuerfahnder bei uns. Da wären wir wieder bei den Verschwörungstheorien ;) 8)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 17. Januar 2018, 11:28:26
Auch Biobauern müssen leben (und investieren), ohne das Verdienen von Geld geht das nun leider eben nicht.  ;) Reiner Idealismus ernährt kein Volk.

Eine rein ökologische Siedlung wie z.B. diese nützt leider niemandem(außer den Bewohnern).

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 17. Januar 2018, 11:50:02
Ich hoffe das da ein noch nicht raus kommt. Einfach fragen sit auf jeden Fall eine gute Idee. Ich ahbe damit schon gute Erfahrung gemacht. Auch das regionale Anebot im Supermarkt wäre ein Anfang. Mein Lieblingsbioladen in Bayreuth hat das.
Hier in Österreich ist das längst die Regel - regional ist aber leider nicht immer qualitativ hochwertig und schon gar nicht bio.

Ich vermute das wäre einigen Lebensmittelriesen nicht so recht das jeder weiss wie die Ware produziert wurde. Solange sind halbinformierte Verbraucher mit Ihren Verschwörungstheorien leicht als Spinner abzutun. In diesen Ruf geraten dann auch die wenigen die Bescheid wissen.
Seltsamerweise haben die selben Lebensmittelriesen kein Problem damit, österreichische Supermärkte mit regionaler und biologisch produzierter Ware zu beliefern - liegt wohl doch am Kaufverhalten. Hier ist mit Bio und regional offenbar Geld zu verdienen -  in Deutschland scheint billig wichtiger zu sein.  :-\
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 17. Januar 2018, 12:19:28
Nein.
Beispiel: Unser Ort mit ca. 25 000 Einwohnern(Ostdeutschland)) hat zwei Bioläden die gut laufen, eine Demetergärtnerei, 5 oder 6 größere und kleinere Supermärkte / Discounter mit deutlich vorhandenem Bio- und regionalem Angebot, dazu ca. 5 oder mehr Hofläden von Anbietern mit regionalen Produkten im nahen Umland sowie einen Wochenmarkt (zweimal die Woche) mit Anbietern die in den letzten Jahren ihr regionales Angebot deutlich ausgebaut haben, soweit sie nicht sowieso eigene Produkte verkaufen. Alles in allem eine positive Entwicklung.

Andernorts mag das anders aussehen, aber so ganz untypisch scheint mir die hiesige Situation nun auch nicht zu sein. Aber natürlich gibt es jede Menge Leute die billig kaufen und dies vielleicht auch müssen, aus unterschiedlichen Gründen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 17. Januar 2018, 12:30:20
Biolandwirtschaft Österreich: 20%
Biolandwirtschaf Deutschland: 6%

Du scheinst in Deiner Region Glück zu haben  ;)
Es wäre fein, wenn das Angebot in Deutschland flächendeckend so gut wäre.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 17. Januar 2018, 12:37:49
Alles nett gedacht - tolle Ideen.

Aber solange man sich im Lebensmittelbereich noch um die billigste Art von Hygiene kümmern muss (Wolldecken! werden zuerst hinter sich her über den Fußboden geschliffen, um damit das Obst/Gemüse kurz vor Ladenschluss abzudecken... oder keine Gummihandschuhe beim Fleischverkauf... oder die Auskuft im Discount: das Fleisch in den Truhen wird nachts "bestrahlt", bedampft, damit es nächsten Morgen noch rosig aussieht.... oder, oder, oder...) - solange sind wir noch weit entfernt von diesen tollen Ideen, leider.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 17. Januar 2018, 12:52:22
Ist Wolle nicht Bio?

Und was hat Hygiene mit Bio zu tun? Bio bedeuted doch nur, dass man auf künstliche Chemie verzichtet und nur Chemie einsetzt, die irgendwo in der Erde vorkommt oder von Bakterien, Pilzen usw hergestellt wird.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 17. Januar 2018, 13:00:22
Ist Wolle nicht Bio?

Und was hat Hygiene mit Bio zu tun? Bio bedeuted doch nur, dass man auf künstliche Chemie verzichtet und nur Chemie einsetzt, die irgendwo in der Erde vorkommt oder von Bakterien, Pilzen usw hergestellt wird.

Klar, Wolle ist Bio... besonders, wenn sie vorher über den ungereinigten Boden geschleift wird - absolut Bio - Guten Appetit!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 17. Januar 2018, 13:04:20
Alles nett gedacht - tolle Ideen.

Aber solange man sich im Lebensmittelbereich noch um die billigste Art von Hygiene kümmern muss (Wolldecken! werden zuerst hinter sich her über den Fußboden geschliffen, um damit das Obst/Gemüse kurz vor Ladenschluss abzudecken... oder keine Gummihandschuhe beim Fleischverkauf... oder die Auskuft im Discount: das Fleisch in den Truhen wird nachts "bestrahlt", bedampft, damit es nächsten Morgen noch rosig aussieht.... oder, oder, oder...) - solange sind wir noch weit entfernt von diesen tollen Ideen, leider.

Du lebst in einer Gegend die in manchem noch etwas anders ist... ;), der Preis für das Privileg völliger Entlegenheit?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 17. Januar 2018, 13:42:33
...der Preis für das Privileg völliger Entlegenheit?

könnte man so sagen ;)
Neulich fuhr ich an einem Kuhstall vorbei in westliche Richtung... mir ist bald übel geworden, die Tiere taten mir leid... und ich musste unweigerlich an die Wellnes-Kuh-Behandlungen denken... nun, diese Ehre wird nicht allen Kühen zu teil.

Ich kaufte für meine Katzen Rindergulasch, 150 gr einmal in der Woche... in einem exquisiten E....a laden, Großstadt östl. Richtung, Superangebote... wirklich, alles vom Feinsten...

Nur als ich das Gulasch hier zuhause auspackte, kam mir ein säuerlicher Geruch (Silage!) entgegen. Gegrübelt. Eigentlich ist es ja für Menschen, nicht für Katzen.
Dann dachte ich: stell Dich nicht so an, ist ja gutes Fleisch... also kleingeschnitten für die Katzen... und???

Die Katzen gingen ran und machten dann einen riesigen Bogen. Ich ließ es noch gut eine Stunde liegen, es blieb liegen, 3 Katzen verweigerten konsequent, wenngleich sie sich sonst auf das Fleisch stürzen!
... dann bekamen es die Hunde, deren Natur es ist - zu schlingen, egal wie es stinkt.

Das sind so die kleinen "Freuden" des Lebens. Da ich kein Fleisch mehr esse aus genannten Gründen, berührt es mich nicht so sehr - irgendein Tier hier wirds schon fressen.

Ob das jedoch der Sinn ist bei Lebensmittelangeboten ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 17. Januar 2018, 14:02:59
In einer Fernsehsendung wurde die Keimbelastung von verpackter und an der Theke verkaufte Wurst, gleicher Hersteller, untersucht.
Das Ergebnis, die an der Theke gekaufte Wurst, die auch teurer ist, war sehr viel mehr belastet.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 17. Januar 2018, 14:23:14
In einer Fernsehsendung wurde die Keimbelastung von verpackter und an der Theke verkaufte Wurst, gleicher Hersteller, untersucht.
Das Ergebnis, die an der Theke gekaufte Wurst, die auch teurer ist, war sehr viel mehr belastet.

Vorstellbar. Müsste aber m.E. nicht sein.

Andererseits: hier ist es immer noch üblich, eine Scheibe Wurst (die wellt sich oft schon!) zum abdecken der frischen Scheiben Wurst obendrauf zu legen. Wenn Wurst gekauft wird, werden frische Scheiben von unten genommen und die wellige wieder oben drauf gepackt. Eine völlig absurde Handhabung aus meiner Sicht.

Gegen solche Handhabungen ist kein Kraut gewachsen. Fragt man, wird gesagt: das machen wir schon immer so. ... Und bevor man dann Diskussionen anfängt, kauft man eben keine Wurst.

Was ich auch beobachte in letzter Zeit: es wird ja anscheinend nicht mehr so viel Fleisch gekauft, da sehe ich dann oft (auch Lende, Lammlende, schierer Braten und, und, und...) , dass das Fleisch mindestens vom Vortag ist, weil es außen schon dezent "angetrocknet" ist.

Statt der Handel weniger Fleisch einkauft oder auf Bestellung arbeitet, passiert es eben dann so... und dann wird noch weniger gekauft. Schließlich "muss ja immer alles verfügbar sein".... lieber entsorgen.... ich komm da nicht mehr mit, ganz ehrlich.


Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 17. Januar 2018, 15:48:17
... dass das Fleisch mindestens vom Vortag ist, weil es außen schon dezent "angetrocknet" ist. ...

das ist dann dry aged und könnte fünfmal so teuer sein. 8) ;D mal ganz abgesehen davon, dass gutes fleisch eh nicht "von heute" wäre.

und diese perverse plastikhandschuhmacke verstehe ich schon überhaupt gar nicht: wie hast du deine kindheit überlebt, als auch noch die brötchen beim bäcker mit bloßen (!) händen (!) in die tüte gepackt wurden?! :o
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 17. Januar 2018, 16:22:28
Tja, damals konnte man sich Allergien noch nicht leisten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenoma am 17. Januar 2018, 16:34:56
In einer Fernsehsendung wurde die Keimbelastung von verpackter und an der Theke verkaufte Wurst, gleicher Hersteller, untersucht.
Das Ergebnis, die an der Theke gekaufte Wurst, die auch teurer ist, war sehr viel mehr belastet.
Die sollten lieber bei ihren Fernsehsendungen darauf achten, dass die Moderatorinnen nicht dauernd mit offenen Haaren über den Töpfen hängen. Das finde ich eher unappetitlich.

Im übrigen: Früher sagte man "ein Pfund Dreck" muss jeder jährlich zu sicch nehmen, dann bleibt er gesund. Da wurde auch nur einmal pro Woche geschlachtet und wenn das dienstags war, kriegte man am Montag Fleisch, das sechs Tage alt war - gut abgehangen. Wenn man nicht aufgrund von Alter und/oder Krankheit ein reduziertes Immunsystem hat, macht das alles nichts. So bleibt das Immunsystem beschäftigt und muss sich nicht aus Langeweile Allergien ausdenken :-)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 17. Januar 2018, 16:46:01
Woher rührt bloß diese idyllische Verklärung der Vergangenheit?  ::)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 17. Januar 2018, 16:53:14
Früher waren wir jünger.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bufo am 17. Januar 2018, 16:59:56
...und diese perverse plastikhandschuhmacke verstehe ich schon überhaupt gar nicht: ...

Ich auch nicht, deshalb bestehe ich darauf, dass man mir meine Ware mit nackten Händen reicht. Ich bin doch hier nicht im OP.

Fehlt ja nur noch, dass auch der Landwirt/Gärtner seine Kohlköppe mit sterilen Einweghandschuhen ernten muss.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 17. Januar 2018, 17:08:06
wie hast du deine kindheit überlebt, als auch noch die brötchen beim bäcker mit bloßen (!) händen (!) in die tüte gepackt wurden?! :o

ziemlich gut überlebt, allergiefrei bis heute  ;D ;D ;D , Krebse fangen wie in "Die Heiden von Kummerow" ;D

In Moskau im GUM seinerzeit konnten die Kunden selbstständig in den großen Fleischwannen wühlen zwischen den Fliegen... alles gut. Wers mag...
Kann man halten wie ein Dachdecker ;D ;D ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 17. Januar 2018, 17:10:35
Woher rührt bloß diese idyllische Verklärung der Vergangenheit?  ::)

Keine Ahnung.
Die realitätsfernen Romantiker sollten dann auch das Plumpsklo benutzen und den Eimer jeweils selbst entleeren.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 17. Januar 2018, 17:13:01
;)

ich halte es nach möglichkeit wie bufo. diese schweißtreibenden plastikhandschuhe sehe ich seit neuestem auch bei personal an supermarktkassen – irgendwann frage ich nach, warum sie eigentlich so fahrlässig auf den überlebensnotwendigen mundschutz, eine schutzbrille und die haarhaube verzichten. :P
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: neo am 17. Januar 2018, 18:21:21
Woher rührt bloß diese idyllische Verklärung der Vergangenheit?  ::)

Im Bezug auf Kinder/ Bauernkinder und im Zusammenhang mit Gesundheit ist es keine Verklärung. Der "Bauernhofeffekt". ;)
http://www.kommunikation.uzh.ch/dam/jcr:00000000-2480-af57-0000-00002a688473/Magazin_1_05-14.pdf
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 17. Januar 2018, 18:25:32
Ja, der Effekt ist mir bekannt.
Ebenso, dass in der DDR Allergien seltener diagnostiziert wurden als in der BRD.

Das häufigere Auftreten von Allergien, insbesondere bei Kindern, könnte auch damit zusammenhängen, dass früher Infektionen durch Wurmparasiten häufiger auftraten.
Daraus folgt aber ja nicht, dass man sich wieder mehr Spulwurminfektionen wünschen sollte.

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: neo am 17. Januar 2018, 18:42:20
Ja, der Effekt ist mir bekannt.
Ebenso, dass in der DDR Allergien seltener diagnostiziert wurden als in der BRD.

Im gleichen Absatz zusammengenommen liest sich das für mich jetzt ein bisschen komisch, eine Frage der Auslegung wahrscheinlich.
Wenn solche Effekte bekannt sind, gerade auch im Zusammenhang mit Kindern, kann man sich schon fragen, warum die Tendenzen im elterlichen Umgang mit Kindern eher davon wegzudriften scheinen. Aber OT, anderes Thema.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: partisanengärtner am 18. Januar 2018, 18:06:48
Früher waren wir jünger.  ;)
;D ;D ;D
Ja und wir sind die Überlebenden der damaligen Kindheit.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 18. Januar 2018, 19:19:48
Biolandwirtschaft Österreich: 20%
Biolandwirtschaf Deutschland: 6%
Ich habs demletzt mal gesucht, aber nichts gefunden.
Wie sind die 20% in Österreich aufgeteilt? Also wieviel Grünland, Getreide, Obst, Wein und wie hoch ist der Biogemüseanteil in Österreich und aus welchen Gemüsen setzt sich der zusammen? Wie groß ist der Anteil an Ölkürbis und wie stark ist der in den letzten Jahren gestiegen?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 18. Januar 2018, 19:37:01
Flächenanteile findest Du hier:
http://www.marktmeinungmensch.at/studien/ackerbauflaechen-und-bio-anbau-in-oesterreich-2017/

Dann gibt es noch mengenmäßige Anteile oder wertmäßige Anteile. Das ist interessant!
In Österreich sind die Menschen offenbar bereit für Bio auch wirklich mehr zu zahlen.
Beispiele: (Mengenanteil / Wertanteil der Bioprodukt beim Einkauf in Prozent; gerundet)
Eier: 10% / 17,5%
Kartoffeln 8% / 14%
Gemüse 7% / 13%
Obst 7,5% / 12,5%
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 18. Januar 2018, 20:07:05
Danke, die hatte ich schon gefunden.

Klar, für Bio muss man auch dort tiefer in die Tasche greifen, den Zahlen nach fast doppelt so viel. Da würde mich schon fast noch die Statistik interessieren, wie viel höher die Produktionskosten dort für Bio sind (abzüglich den Extrasubventionen) bzw wie hoch die Selbstversorgungsraten sind.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 18. Januar 2018, 20:38:38
Über Österreich kann ich auch nur über die Angaben verfügen die im Netz zu finden sind.
Eine Besonderheit in Ö ist die Verteilung des Bio-Landbaus analog der Topografie. Dort wo naturgemäß die Flächen kleiner und der Technikeinsatz schwieriger ist bzw. Weidewirtschaft eine größere Bedeutung hat lagen die Anteile auch schon vor über 15 Jahren schnell mal bei 40 bis sogar 50%. Während der Anteil Bio-Betriebe "hangabwärts" unter die 5% fiel.
https://www.wiso.boku.ac.at/fileadmin/data/H03000/H73000/H73300/pub/Biolandbau/2002_Anteil_Bio-LN.JPG

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 18. Januar 2018, 20:59:48
In Österreich sind die Menschen offenbar bereit für Bio auch wirklich mehr zu zahlen.

In Österreich liegen die Lebensmittelpreise deutlich über dem Niveau in Deutschland, die Einkommen sind aber im Schnitt geringer.

Österreicher sind es gewohnt, höhere Lebensmittelpreise für höhere Qualität zu zahlen (strengere Vorschriften bei Tierhaltung und strengere Kontrollen sind etwas, worauf man in Österreich Stolz ist) - hier ist es inzwischen bei allen Supermarktketten und Diskontern üblich, regelmäßig günstige Bio-Aktionen anzubieten, was die Preise auf ein für alle leistbares Niveau bringt.

Beispiele hier:

https://www.lidl-flyer.com/#/43974496-f05d-11e7-8b51-005056ab0fb6/locale/de-AT/view/flyer/page/14 beginnend mit Seite 14

oder hier:

https://www.hofer.at/de/angebote/von-montag-15012018/

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 20. Januar 2018, 10:53:35
...und diese perverse plastikhandschuhmacke verstehe ich schon überhaupt gar nicht: ...

Ich auch nicht, deshalb bestehe ich darauf, dass man mir meine Ware mit nackten Händen reicht. Ich bin doch hier nicht im OP.

Fehlt ja nur noch, dass auch der Landwirt/Gärtner seine Kohlköppe mit sterilen Einweghandschuhen ernten muss.

Nein, das nicht.

Allerdings sind - entgegen der landläufig verbreiteten Auffassung - nicht irgendwelchen "Rückstände im Essen" eine Gesundheitsgefahr, sondern mikrobielle Kontamination:

"In Deutschland werden jedes Jahr mehr als 100.000 Erkrankungen gemeldet, die wahrscheinlich auf lebensmittelbedingte Infektionen mit Mikroorganismen wie Bakterien, Viren oder Parasiten zurückzuführen sind. Dazu gehören vor allem Infektionen mit Campylobacter-Bakterien, Salmonellen und Noroviren. Die Dunkelziffer liegt jedoch weitaus höher. In den meisten Fällen sind die Erkrankungen mit Symptomen wie Magenkrämpfen, Durchfall oder Erbrechen verbunden und nach ein paar Tagen überstanden. Bei Menschen, deren Immunsystem geschwächt oder nicht vollständig ausgebildet ist, kann eine Lebensmittelinfektion aber sehr schwer verlaufen. Daher ist es wichtig, beim Lagern und Zubereiten von Lebensmitteln Hygieneregeln einzuhalten."

Das gilt im Handel so wie in der eigenen Küche:

"'Viele Menschen haben Angst vor Chemie in der Nahrung, aber tatsächlich krank wird man von Bakterien, Pilzen oder Viren im Essen,' sagt BfR-Präsident Andreas Hensel. 'Nur jeder Fünfte sorgt sich um die Lebensmittelhygiene zu Hause, dabei ist der richtige Umgang mit Lebensmitteln in der eigenen Küche das beste Mittel, um Infektionen vorzubeugen. Wir alle müssen unser Bewusstsein für gesundheitliche Risiken bei der Zubereitung von Essen schärfen.'

Keime & Co. - Küchenhygiene mit Köpfchen
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 20. Januar 2018, 16:56:43
In USA gibts Chlorhähnchen deswegen, die wollen so viele Kranke nicht haben.

In Deutschland setzt man dagegen auf die Intelligenz der Leute, dass sie keine Holzbretter in der Küche haben usw.

Naja, kann man drüber diskutieren, denke die Leute hier sind eigentlich mündig genug.
Eine geringe Ausschußquote könnte man auch als naturgegeben rechtfertigen. Müsste der Ethikrat mal drüber schwadronieren.

Hat aber absolut nichts mit Landwirtschaft zu tun. Bezweifle auch, dass es gut ist, seinem Metzger alles durchgehen zu lassen, auch wenn dem die Kunden fehlen und deswegen das Fleisch sauer wird, das hat aber alles recht wenig damit zu tun, welche Qualität ein Bauer an den Schlachthof abliefert und was der an den Einzelhandel verkauft.
Vielleicht sollte man mal den Leuten aufs Dach steigen, wo man allem Anschein nach unzufriedener Kunde ist.

@hemerocallis: ja, solche Angebote gibts hier auch, die Discounter wollen Geld damit machen. `Echt´ ist das weniger. Wie die letzte Statisktik von dmks schon zeigt, die Unterschiede sind ja manchmal recht enorm, so ists hier in der Pfalz sogar bei den einzelnen Gemüsearten. Das eine gibts als Bio, das andere nicht. Wie es halt unter Biorichtlinien produzierbar ist. Deswegen würden mich auch die österreichischen Zahlen interessieren. Die 20% Bio können ja nicht nur von Wiese für Milch kommen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 20. Januar 2018, 17:28:05
@hemerocallis: ja, solche Angebote gibts hier auch, die Discounter wollen Geld damit machen. `Echt´ ist das weniger. Wie die letzte Statisktik von dmks schon zeigt, die Unterschiede sind ja manchmal recht enorm, so ists hier in der Pfalz sogar bei den einzelnen Gemüsearten. Das eine gibts als Bio, das andere nicht. Wie es halt unter Biorichtlinien produzierbar ist. Deswegen würden mich auch die österreichischen Zahlen interessieren. Die 20% Bio können ja nicht nur von Wiese für Milch kommen.

Hier sind das Aktionen, mit denen gezielt der Verkauf der ohnehin dauerhaft erhältlichen Bio-Produkte gefördert wird.
Supermarkt-Ketten haben Aktionstage mit 20% auf das ganze Bio-Sortiment.
Ich kann nur von den Supermärkten/Diskontern berichten, die wir nutzen - üblicherweise gibt es dort in Bioqualität (R - regionale Produktion)

Brot und Gebäck täglich frisch: mehrere Brotsorten, Kleingebäck in salzig und süß, Kuchen, Kekse;  alles R
Obst nach Saison, aktuell z. B. Apfel (R), Birnen (R), Orangen, Clementinen, Bananen;
Gemüse nach Saison, aktuell z. B. Kürbis, Rote Rüben (Beete), Wurzelgemüse wie Pastinaken, ... - alles R
aber immer Standardprodukte wie Blattsalate, Kartoffeln (R), Suppengrün (R), Tomaten (in der Saison R), Lauch (R), Kräuter (R)...
Eier (R)
Milchprodukte in sehr großer Auswahl, vor allem Käse und Joghurt (R)
Fleisch: Huhn, Rind, Schwein, Kalb, Pute, Lamm (R)
Wurstwaren vom Huhn/Schwein: Würstel und Aufschnittwurst, Aufstriche, div. Schinken (R)
Fruchtsäfte (je nach Obstsorte R)
Marmeladen, Honig, Nougatcreme (großteils R)
Mehl - div. Sorten (R)
Zucker - Kristall- und Staubzucker (R)
Schokoladen
Kaffee
Müsli (Zutaten mehrheitlich R), Reis, Essig (großteils R), Öl (großteils R) - div. Sorten
inzwischen verstärkt auch Konserven - häufig im Glas (Bohnen, Linsen, Mais, Salate, Apfelmus, ....)
div. Hülsenfrüchte (größtenteils R)

Du siehst also - die 20% Bio kommen aus allen möglichen Bereichen. Der Bio-Bauernhof, auf den wir seit mehr als 10 Jahren Urlaub machen, produziert Fleisch, Fleisch- und Wurstwaren, Eier, Milch, Dinkel (verkauft wird das Getreide als Korn, aber auch in verschiedenen Mahlgraden vom Schrot bis zum Feinmehl), Marmeladen (viele Wildobst-Spezialitäten) und noch große Teile des Gemüsebedarfs für die Verpflegung der Gäste und der beiden Familien, die den Bauernhof betreiben.

Wenn man gezielt einkauft, also Aktionstage nutzt, liegen die Lebensmittelkosten hier beim Bio-Einkauf ca. 30% höher. Keine Diskonter nutzt und immer nur Markenprodukte kauft, spart beim Umstieg auf Bio-Produkte sogar, wenn er gezielt kauft und ein wenig Vorratshaltung betreibt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Frühling am 20. Januar 2018, 17:51:19
Man sollte nach Oesterreich auswandern :D :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 20. Januar 2018, 17:54:08
Das regeln Angebot und Nachfrage.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 20. Januar 2018, 18:18:54
Man sollte nach Oesterreich auswandern :D :D

Da fallen mir mehrere Gründe ein, das nicht zu tun.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Frühling am 20. Januar 2018, 18:35:19
Man sollte nach Oesterreich auswandern :D :D

Da fallen mir mehrere Gründe ein, das nicht zu tun.  ;)
no comment :-X :-X :-X :-X
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 20. Januar 2018, 18:39:45
plastikhandschuhe sind jedenfalls ekelig.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 20. Januar 2018, 19:00:24
Man sollte nach Oesterreich auswandern :D :D

Da fallen mir mehrere Gründe ein, das nicht zu tun.  ;)

Die Gründe, nicht bleiben zu wollen, werden seit einigen Wochen zahlreicher - ganz unabhängig vom unfreundlichen Klima/Wetter. Aber man muß ja nicht  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 20. Januar 2018, 19:05:50
Ich sage nur: Bio
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 20. Januar 2018, 19:08:25
Das regeln Angebot und Nachfrage.  ;)

Erfreulicherweise ist aktuell die Nachfrage so groß, daß das Angebot laufend erweitert werden muß.  :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Alva am 20. Januar 2018, 19:49:51
Hier mitten in der Stadt gibt es im Bio-Supermarkt alles, wirklich alles, in Bio. Von alkoholischen Getränken über Mehlspeisen bis Chips, frisches Fleisch und Fisch. Die normalen Supermärkte haben ein größeres Biosortiment als die Supermärkte am Stadtrand - da merkt man schon den Bobo-Bezirk.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: neo am 20. Januar 2018, 20:10:03
Mir ist regional wichtiger als Bio, obwohl das eine das andere natürlich nicht ausschliesst. Fleisch kaufe ich am liebsten beim Metzger, der auch deklariert woher es kommt. Auch meist aus der Region. Reine Biosupermärkte gibt es in meiner ländlichen Umgebung nicht, aber man kann natürlich direkt ab den Höfen kaufen.
Im Prinzip habe ich wohl ziemlich Vertrauen in die Schweizer Landwirtschaft und ich denke, sie ist schon fast institutionell verankert in der Bevölkerung. Wo meine Eltern wohnen wollte die Gemeinde einen (kleineren) Pachthof aufgeben, da der alte Bauer jetzt aufhört. Da haben sich die Leute sehr gewehrt und für den Hof eingesetzt. Über den aktuellen Stand bin ich aber nicht auf dem Laufenden.

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 20. Januar 2018, 20:10:36
Hier mitten in der Stadt gibt es im Bio-Supermarkt alles, wirklich alles, in Bio. Von alkoholischen Getränken über Mehlspeisen bis Chips, frisches Fleisch und Fisch. Die normalen Supermärkte haben ein größeres Biosortiment als die Supermärkte am Stadtrand - da merkt man schon den Bobo-Bezirk.
Interessant!
Wir wohnen ja außerhalb der Stadt und fahren zu den Supermärkten am Stadtrand (Arbeiterbezirk).

Dort gibt es aber auch Bio-Wein und Bio-Chips und Bio-Fisch (kaufen wir nie, deshalb hab ich das nicht aufgezählt). Man bekommt auch Bio-Backzutaten - heuer habe ich alle Weihnachtskekse ausschließlich mit Bio-Zutaten gebacken (Rosinen, Nüsse, Gewürze, Kuvertüre, etc.).

Einziges Manko - es gibt keine palmölfreien Margarinen. Dafür aber Wasch- und Putzmittel sowie Kosmetika in Bio-Qualität - da bin ich gerade am Ausprobieren.

PS: Bio-Supermärkte gibt es hier nicht (wohl aber zwei in den Bobo-Bezirken der Stadt).
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 20. Januar 2018, 20:14:04
Mir ist regional wichtiger als Bio, obwohl das eine das andere natürlich nicht ausschliesst. Fleisch kaufe ich am liebsten beim Metzger, der auch deklariert woher es kommt. Auch meist aus der Region. Reine Biosupermärkte gibt es in meiner ländlichen Umgebung nicht, aber man kann natürlich direkt ab den Höfen kaufen.
Im Prinzip habe ich wohl ziemlich Vertrauen in die Schweizer Landwirtschaft und ich denke, sie ist schon fast institutionell verankert in der Bevölkerung. Wo meine Eltern wohnen wollte die Gemeinde einen (kleineren) Pachthof aufgeben, da der alte Bauer jetzt aufhört. Da haben sich die Leute sehr gewehrt und für den Hof eingesetzt. Über den aktuellen Stand bin ich aber nicht auf dem Laufenden.

Fleisch kaufe ich nicht regional beim Metzger - das kommt aus konventioneller Massen-Mast. Hier gibt es ein neues 'Produkt' in den Supermärkten - genannt Strohschwein.

http://www.janatuerlich.at/Ja__Natuerlich/Artgemaesse_Tierhaltung/Bio_Stroh_Schwein/Bio_Stroh_Schwein/Content.aspx

Artgerechte Tierhaltung bringt höhere Fleischpreise, die Produkte schmecken hervorragend und sind jeden zusätzlichen Cent wert.

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Alva am 20. Januar 2018, 20:39:47
Es gibt ein paar Produkte, bei denen Bio wirklich besser schmeckt. Fleisch gehört dazu und Kaffee.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: neo am 20. Januar 2018, 21:34:18
Artgerechte Tierhaltung bringt höhere Fleischpreise

Betreffend Fleischpreise sind wir in der Schweiz schon ziemlich am oberen Ende der Fahnenstange angekommen, verglichen mit Frankreich oder Deutschland (wo der Unterschied doch sehr frappant ist). Aber ich stimme zu, artgerechte Haltung schmeckt man raus.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 20. Januar 2018, 22:16:22
Mir ist regional wichtiger als Bio,

Mir auch!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 20. Januar 2018, 22:25:37
Mir ist regional wichtiger als Bio,

Mir auch!

Weshalb? Regional erzeugte minderwertige Massenware hat welche Vorteile?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: hymenocallis am 20. Januar 2018, 22:27:12
Es gibt ein paar Produkte, bei denen Bio wirklich besser schmeckt. Fleisch gehört dazu und Kaffee.

Bei Milchprodukten ist der Unterschied extrem auffällig - allerdings geht hier in Österreich Bio ja auch gerne weiter und endet nicht beim Bio-Futter, sondern bei der artgerechten Haltung (Weidehaltung).
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 20. Januar 2018, 22:34:39
Mir ist regional wichtiger als Bio,

Mir auch!

Weshalb? Regional erzeugte minderwertige Massenware hat welche Vorteile?


Zwischen Bio von woher-auch-immer und regionalem Massenprodukt gibt es ja zum Glück noch genug Auswahl: regional erzeugt, schmackhaft, frisch, von ausgesuchten Betrieben.

Falls es Bio ist, meinetwegen. Aber nur deshalb kaufen, weil es Bio ist, das mach ich nicht mehr mit.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 20. Januar 2018, 22:42:48
Mir ist regional wichtiger als Bio,

Mir auch!

Weshalb?
Weil es auch schon Bio-Tütensuppe vom Amazon gibt 8)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 20. Januar 2018, 22:51:00
Gestern kaufte ich wieder prima Kartoffeln aus dem Hofladen im Nachbarort, nicht Bio, aber frisch und knackig mit schönen schwarzen Erdklunkern dran.
(Damit selbige auf meinem Komposthaufen landen, wasche ich die Kartoffeln erst nach dem Schälen. ;))
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 20. Januar 2018, 23:01:28
Du schleppst Dir Unkrautsamen, Düngemittel, Bodenpartikel, Mikroorganismen... ein! :o - sprich alles, was Deinem Kompost und damit letztendlich Deinem Gartenboden gut tut :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 20. Januar 2018, 23:07:23
Spritzmittel! Ganz böse Spritzmittel. Die vergiften deinen Kompost! Schleichend. Ganz schlimm!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 20. Januar 2018, 23:16:24
Ein Öko-Magazin hat mal darauf hingewiesen, daß Obst besser abzureiben bzw. mit klarem Wasser abzuwaschen ist als mit Spülmittel, da die dadurch verbleibenden Tenside deutlich schädlicher wären als die abzuwaschenden Pflanzenschutzmittelrückstände.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Januar 2018, 20:53:15
Anderes Thema - aber nachdem schon mehrere Schafzüchter das Handtuch geworfen haben.
http://www.maz-online.de/Lokales/Brandenburg-Havel/Woelfe-zwingen-Rinderzuechter-zur-Aufgabe
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 23. Januar 2018, 21:08:15
Bleibt die Frage wann das erste StartUp kommt, das Geld mit dem Event macht, Mann gegen Wolf, wer ist zuerst am blauen Angus-Steak.  :'(
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Paw paw am 23. Januar 2018, 21:19:23
Am Sonntag gab es in unseren Landesnachrichten einen Bericht zu einer Untersuchung, welche Zäune hungrige Wölfe vom Vieh abhalten. hier, ab 5.55
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Januar 2018, 21:19:33
Du bekommst ihn eh nicht auf Bestellung zu Gesicht. ;)
Daß er Rehe oder Schafe/Ziegen reißt ist ja schon Alltag; Geflügel (auch Gänse) oder Hunde gelten sowieso noch nicht als Schaden; ihn bis am Grundstückszaun zu haben ist auch schon Gewohnheit - aber an wehrhafte Rinderherden ranzugehen und sogar Absetzer anzugreifen ist eine Dimension, die doch schon deutlich über das immer propagierte 'natürliche Verhalten' hinausgeht!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Januar 2018, 21:29:19
Am Sonntag gab es in unseren Landesnachrichten einen Bericht zu einer Untersuchung, welche Zäune hungrige Wölfe vom Vieh abhalten. hier, ab 5.55

Die gibt es schon lange - kann sich nur leider kaum jemand leisten! Sie kosten ein mehrfaches normaler Zäune. Klar klingen "ein paar Euro mehr" je Meter nicht viel - aber damit 30 Hektar einzuzäunen sind einige Kilometer und gegenüber Koppeldraht arbeitsmäßig für Kleinbetriebe kaum machbar.

Und das ist der Erfolg:
https://www.agrarheute.com/tier/trotz-zaun-50-wolfsrisse-entschaedigung-gekuerzt-528243
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 28. Januar 2018, 10:27:50
Gastkommentar in der Badischen Zeitung: Darum sollte die Politik das Agrar-Monopoly unterbinden.

Zitat:

"Es ist ein erster Schritt gegen den Trend: Die Landesregierung von Brandenburg hatte den Verkauf riesiger Ackerflächen an den Versicherungskonzern Munich Re bereits genehmigt. Vor einigen Wochen hat sie die Genehmigung wieder zurückgenommen."

Lerchenzorn, kannst du Genaueres zu den Hintergründen sagen?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 28. Januar 2018, 11:19:27
Zum konkreten Fall kann ich nichts sagen. Die Entwicklung ist aber nicht neu und aktuell vom Thünen-Institut in einem Report zusammengefasst dargestellt:
Überregional aktive Kapitaleigentümer in ostdeutschen Agrarunternehmen: Entwicklungen bis 2017

Für die kleineren Landwirtschaftsbetriebe und die Landschaft ist es übrigens egal, ob sie durch "artfremde Investoren", durch politisch einflussreiche Großagrarbetriebe oder sonstige, überwiegend am (Kapital-)Ertrag orientierte Landsammler ausgequetscht und an den Rand gedrängt werden. Die Ausdehnung einiger weniger Großbetriebe ist in Brandenburg in den letzten Jahren sehr weit vorangeschritten, ohne dass man aus der Landesregierung große Klagen darüber gehört hätte.

Die Großbetriebe können medial ganz romantisch rüberkommen. Kleininteressenten, die dringend ein paar Hektar für ihren Betrieb oder den Nebenerwerb suchen, können regelmäßig zusehen, wie die Großen ihnen das Land vor der Nase wegkaufen, sie, die das Nachsehen haben, aber immer schön die Steuergelder für die auf diesen Flächen kassierten Prämien zahlen dürfen.

Interessant in dem Zusammenhang ist, dass sich Naturschutz-Körperschaften (Stiftungen , Vereine)  von hiesigen politischen Entscheidungsträgern schon länger und häufiger den Vorwurf anhören müssen, dass sie den Bauern das Land wegkaufen würden. (Obwohl sie zu den verlässlichsten und durchaus günstigen Verpächtern der von ihnen erworbenen Landwirtschaftsflächen gehören.)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 28. Januar 2018, 12:27:45
In der Lausitz kaufen Vereine und Stiftungen vor allem landwirtschaftlich eher uninteressante, arme Standorte in den Bergbaufolgelandschaften auf. Vermutlich wäre manche Fläche trotzdem als Prämienlieferant begehrt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Amur am 28. Januar 2018, 14:14:26
Wenn ich bei uns ne landwirtschsftliche Fläche kaufen will dann muss das erst mal von dem Landwirtschaftamt genehmigt werden. Und wenn du keine Landwirtschaft hast, kriegt man da kaum ne Genehmigung, wenn ich das noch richtig in Erinnerung hab. Wie kommen dann Versicherungen da dran?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 28. Januar 2018, 17:48:29
Die sind die Hintermänner hinter großen Gütern.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 28. Januar 2018, 18:09:42
Blühwiesen statt Getreide?

Streitgespräch Agrarwende: BUND-Chef Axel Mayer und BLHV-Chef Werner Räpple über Glyphosat, Insektensterben und Bioanbau.

Zitat:

"Räpple: 'Kein Laie kann beurteilen, ob ein Pflanzenschutzmittel gesundheitsgefährdend ist. Wir Landwirte müssen uns auf Zulassungsverfahren verlassen können – beim Pflanzenschutz, beim Dünger, bei zugekauftem Futtermittel. ... Die für die europäische Zulassung verantwortlichen wissenschaftlichen Institute bestätigen, dass Glyphosat nicht krebserregend ist. Deshalb schwenkt man auf das Thema Insektensterben um. Die wenigsten wissen, wie Glyphosat in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Das Mittel ist für unsere Kulturpflanzen unverträglich, es kommt erst auf die Felder, wenn nur noch Stoppeln stehen. Früher wurde Unkraut untergepflügt. Dann wurde aber gesagt, dass das Pflügen Humusabbau und Erosion befördert, Co2 freisetzt, Nitrat auswäscht und somit das Grundwasser belastet. Darum wurde die Bodenbearbeitung etabliert, für die Glyphosat eine wichtige Rolle spielt.'

Mayer: 'Man kann die aktuellen Probleme nicht auf ein Gift zurückführen. Der massenweise Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung ist für die Gesundheit der Menschen viel problematischer, weil dies zu Resistenzen führt. Beim Thema Insektensterben sind die Neonikotinoide entscheidend. Glyphosat ist ein Totalherbizid, das alle Pflanzen tötet, auf die es gespritzt wird. Umfragen sagen, dass 70 Prozent der Bevölkerung gegen Glyphosat sind. Selbst 15 Prozent der konventionellen Landwirte setzen es nicht ein. Die Alternative heißt tatsächlich Pflügen – mit den von Herrn Räpple beschriebenen Folgen. Ich bin gegen Glyphosat wegen der Krebsgefahr und weil es Alternativen gibt. Wenn ein Mittel verboten wird, geht für die Landwirtschaft die Welt nicht unter.'

...
Mayer: Ich verstehe Ihre Sorgen. Neben den Insekten sterben auch die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe. Der BUND setzt sich daher für eine ökologischere Landwirtschaft ein. Ein Problem ist der weltweite Freihandel. Unsere kleinteilige Landwirtschaft in Südbaden muss mit riesigen Agrarfabriken in Kanada konkurrieren, die selbstverständlich auch Gentechnik einsetzen und Druck auf die Preise ausüben.'"

Auch die hiesigen Kleinbauern könnten selbstverständlich Gentechnik einsetzen, und hiesige mittelständische Züchtungsbetriebe könnten mithilfe moderner Methoden wie CRISPR-CAS Pflanzenzucht betreiben.
Wenn die Ökobewegung ihre Widerstände dagegen aufgäbe und sich einer rationaleren Sichtweise zuwenden würde.

So ist das eine ziemliche Heuchelei: Man beklagt, dass Kleinbauern unter den Bedingungen leiden, zu denen man selbst kräftig mit beigetragen hat.
 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 28. Januar 2018, 18:34:04
Umfragen sagen, dass 70 Prozent der Bevölkerung gegen Glyphosat sind. Selbst 15 Prozent der konventionellen Landwirte setzen es nicht ein.
Wenn man es richtig verkauft, sind bestimmt auch 70% gegen das pflügen. Die 15% die es nicht einsetzen, entweder sie haben die guten flächen oder eine andere Fruchtfolge. Man sollte in diesem Zusammenhang auch sagen, dass die meist nicht vor der Aussaat mit Glyphosat spritzen, sondern eher nach der Aussaat und nochmals nach dem auflaufen der Saat, nicht mit G. sondern mit anderen Herbiziden, eben direkt auf die Kulturpflanzen drauf.
Und wenn die aus was für Gründen auch immer nicht richtig aufläuft und umgebrochen werden mus, dann kann man nur bestimmte Sachen nachpflanzen, nicht uneingeschränkt alles wie bei G.

Wenn man ehrlich sein wollte, sollte man die Umfragen dementsprechend anpassen.
In diesem Zusammenhang kann man dann auch gerne erklären, was der Unterschied zwischen klassischem Pflug und Onland-Pflug ist, was pflügen überhaupt für den Boden und die Umwelt bedeutet und inwieweit pflügen durch grubbern ersetzbar ist. Wenn man dann schon beim Thema ist, kann man auch gleich erklären, was fräsen bedeutet, warum das Fräsen in einem Hobbygarten so weit verbreitet ist und was das für Nachteile hat.

Boden- und Umweltschonende Bodenbearbeitungsverfahren sind im Hobbygemüsegarten leider noch nicht mal in den Kinderschuhen. Die Landwirtschaft ist bei diesem Thema um Generationen umweltfreundlicher.

Landgrabbing, tja, ein sehr großes Übel, die Zinspolitik ist nun aber auch nicht der Brüller.
Unterm Strich bleibt hier die Frage, warum soll ein Landwirt einen Boden verbessern, da rein investieren, mit P, K, Humus, Struktur usw., wenn die Fläche 3 Jahre später der nächste beackert?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 28. Januar 2018, 20:36:18
Ackerland als Spekulationsobjekt verspricht derzeit einfach mehr Rendite als andere Geldanlagen. So weit, so gut...
Über Erbschaften, auslaufende Pachtverträge, Zwangsversteigerungen und sonstiges kommt es in den Marktkreislauf.
Probleme die damit einhergehen: Die hiesigen Agrarbetriebe sind auf ausreichende Flächen Pachtland angewiesen, das klappt mit den hiesigen Besitzern auch recht gut. Flächenschwund ist durch Besiedlung, Infrastruktur und Bergbau noch kalkulierbar.
Schwierig wird es mit solchen spekulativen Neubesitzern, da das Land nicht zur Pacht oder Nutzung freigegeben wird (sind meist ganz andere Preise dafür aus ihren Heimatbundesländern gewohnt) oder es ist eben nur geparktes Kapital. Diese Flächen liegen in den Fluren irgendwo mittendrin, werden weder bearbeitet noch sonst gepflegt und müssen bei der Bearbeitung ausgelassen bzw. bei Beweidung ausgekoppelt werden. Das können schnell mal bei 10 oder mehr Hektar sein, die vom Weideland umschlossen mittendrin eingezäunt werden müssen, obwohl sie ungenutzt brachen weil der Besitzer halt außer finanziellen keine Interessen daran hat, aber rechtlich halt nicht mehr mitbeweidet werden können.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 28. Januar 2018, 21:13:24
Blühwiesen statt Getreide?

Streitgespräch Agrarwende: BUND-Chef Axel Mayer und BLHV-Chef Werner Räpple über Glyphosat, Insektensterben und Bioanbau.

Was mir in dem Interview z. B. aufstößt:

Räpple vom Bauernverband: "Die für Bienen schädlichen Neonicotinoide sind nicht mehr zugelassen. Im Insektizidbereich sind wir sehr eingeschränkt, die verbleibenden Mittel brauchen wir etwa gegen die Kirschessig- und Kirschfruchtfliege."

Im Raps wird nicht mehr bekämpft? Kartoffelkäfer auch nicht usw.? Es ist dieser tendenziöse, die halbe Wahrheit immer schön weg lassende Stil der Diskussion, der mir auf die Nerven geht. Räpple belegt doch hier genau, was seiner Lobby - manchmal zu unrecht - vorgeworfen wird: er verharmlost ...

Räpple: " ... Die Universität Hohenheim mit ihrem Schwerpunkt auf Agrarwissenschaft wird dieses Jahr 200 Jahre alt. Ihre Gründung geht auf Hungersnöte zurück. Damals gab es eine Missernte nach der anderen. Mit modernen Pflanzenschutz- und Düngemitteln sowie Zuchtsorten gehören diese der Vergangenheit an. 2016 hat Pflanzenschutz wegen des Pilzdrucks unsere Ernte gerettet...."

... und übertreibt schamlos. Die Beschwörung des Welthungers ist der nächste Punkt, bei dem ich einen dicken Hals bekomme. Es waren knappe Zeiten für einfache Menschen damals, ja. Von Hungersnöten war man aber normalerweise weit entfernt. Damalige Hungersnöte hatten ihren Grund zum geringsten Teil in den tradierten Nutzungsweisen, viel mehr in Kriegen, Verwerfungen nach herrschaftlichen (politischen) Fehlentscheidungen, singulären Katastrophen. Dass Pilzbefall heute ein zum großen Teil selbstgemachtes Problem ist - kein Wort davon.

Ja, BUND-Mayers Beharren auf der Krebsgefahr passt mir genauso wenig.

Falls so ein Gespräch mal dazu führen würde, dass sich beide Seiten ernsthaft zusammensetzen und überlegen, was mehr und anders ginge als bisher, könnte ich das hinnehmen. Aber nach dem Chef-Gemaule geht es ja immer wieder zur alten Tagesordnung.

Noch was zu den als heilbringend angepriesenen Blühflächen: Die Fokussierung auf diese bunt leuchtenden Zier- und Gründüngungsgemische statt einer konsequenten Förderung von einheimischen Segetalgesellschaften und Rainen schafft eher zusätzliche Probleme für die Artenvielfalt als dass sie Entspannung bringen würde. Sie belegt Mittel und Flächen, die für gefährdete Lebensräume dringend nötig wären, bedient aber eine innerhalb und außerhalb der Landwirtschaft verbreitete, naive Sicht auf Natur.

Zitat
Auch die hiesigen Kleinbauern könnten selbstverständlich Gentechnik einsetzen, und hiesige mittelständische Züchtungsbetriebe könnten mithilfe moderner Methoden wie CRISPR-CAS Pflanzenzucht betreiben.
Wenn die Ökobewegung ihre Widerstände dagegen aufgäbe und sich einer rationaleren Sichtweise zuwenden würde.

Noch einmal die Frage: läuft CRISPR-Cas immer ohne Resistenz-Gene als Marker? Bisher finde ich bei Recherchen Hinweise auf mögliche Verfahren, die ohne Resistenzgene auskommen. Was umgekehrt die Möglichkeit belässt, dass es (überwiegende?) Verfahren gibt, die sie verwenden. Vorbehalte gegen die Freisetzung von künstlich eingebrachten Resistenzgenen empfinde ich nicht als irrational.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 28. Januar 2018, 22:26:11
Es macht keinen Sinn Resistenzgene bei CRISPR/CAS einzusetzen.
Ob es immer ohne gemacht wird? Keine Ahnung. Gibt es Leben im Weltall?

Interviews: mich würde zuerst die ungekürzte und journalistisch nicht aufbereitete Version interessieren. Ich würde mir gerne nur aus dieser Version ein Bild machen.

Ansonsten: der verklärte Blick auf die Natur ist noch mal was anderes als das was an Zwischensaaten usw gefördert wird, angeblich im Sinne der `verklärt-Modellorganismen´ Natur.
Das sind 2 Baustellen.

Raps nicht mehr bekämpfen: da hat sich selbst der IVA über das nach dem Neonicverbot mehr gewordene (notwendige) gespritze mukiert. Und er bemerkt auch richtig, dass das nicht einer Antiresistenzstrategie förderlich ist mit den wenigen I-Wirkstoffen. Neben den eigentlich verzichtbaren Kollateralschäden werden die Pyrethroide quasi damit verheizt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rieke am 28. Januar 2018, 23:13:18
Zitat
Noch einmal die Frage: läuft CRISPR-Cas immer ohne Resistenz-Gene als Marker? Bisher finde ich bei Recherchen Hinweise auf mögliche Verfahren, die ohne Resistenzgene auskommen. Was umgekehrt die Möglichkeit belässt, dass es (überwiegende?) Verfahren gibt, die sie verwenden. Vorbehalte gegen die Freisetzung von künstlich eingebrachten Resistenzgenen empfinde ich nicht als irrational.

Erst mal vorneweg: bei der Beurteilung möglicher Risiken durch genmanipulierte Organismen sind pauschale Aussagen, sei es "grundsätzlich harmlos" oder "alle furchtbar gefährlich" aus meiner Sicht Mumpitz. Man muß immer das jeweilige Konstrukt betrachten.

Antibiotika-Resistenzen werden in der Gentechnologie eingesetzt, um die veränderten Organismen von denen, bei denen es nicht geklappt hat, zu unterscheiden. Bei CRISP-Cas werden Plasmide mit Resistenzen als Marker eingesetzt, um das ganze System  für die Manipulation zu vermehren, d.h. die spezifische RNA und die Cas-Nuklease, und auch, um es in die zu verändernde Zelle zu bringen.

Oder anders ausgedrückt: wie gut ist Dein Englisch? Hier ist eine Übersicht über die Methode in ihren Varianten; da findest Du die bei Pflanzen eingesetzten Plasmide mit ihren Markern, wie z.B einer Hygromycin-Resistenz. Informationen, ob diese Resistenzen hinterher in den manipulierten Pflanzen sein können, habe ich auf die Schnelle nicht gefunden. Das Plasmid wird ja in den transgenen Pflanzen nicht mehr benötigt, also sollten sie eigentlich nicht resistent gegen ein evt. als Marker verwendetes Antibiotikum sein. Es wäre aber schon denkbar, daß das Resistenzgen gelegentlich mal "springt", vor allem wenn das verwendete Plasmid Palindrom-Sequenzen enthält.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 09. Februar 2018, 08:33:31
Ausschreibung des Umweltbundesamts zu einem Forschungsprojekt: „Integriertes Monitoring in der Agrarlandschaft – Erfassung der ökologischen Auswirkungen des chemischen Pflanzenschutzes“

"Da PSM-Anwendungen nur einen der Hauptfaktoren darstellen, die Auswirkungen auf die Biodiversität in der Agrarlandschaft haben, wird eine besondere Herausforderung darin bestehen, über Korrelationen hinaus auch Kausalitäten für den Zusammenhang „PSM-Einsatz – Rückgang der biologischen Vielfalt“ zu ermitteln."


Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 09. Februar 2018, 16:05:30
Dass Herbizide und Insektizide die Artenvielfalt einschränken, sollte nicht verwundern. Dafür werden sie eingesetzt. Ob man Pflanzenschutz dabei chemisch oder mechanisch oder "biologisch" macht, ist Melde und Blattlaus egal.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 09. Februar 2018, 16:10:38
Ich denke, darum geht es in dem Projekt nicht oder nicht in erster Linie. Sondern um die Auswirkungen in den nicht direkt behandelten Bereichen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Conni am 19. Februar 2018, 14:10:50
Robert Habeck über die Digitalisierung der Landwirtschaft: Ein Ei ist nicht mehr gleich Ei.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 20. Februar 2018, 23:54:02
Kann mir bitte jemand erklären oder verlinken, was Julia Klöckner zu Kaliumphosphonat in der Biolandwirtschaft `möglich machen´ in den letzten Tagen gesagt hat?
Ich kanns nicht finden.

Die Biobranche scheint derzeit recht unwillig zu sein, nach der Forderung nach Phosphonat im Nässejahr 2016 mit Totalausfall des pfälzischen Bioweins eine Trendwende. Damals wurden sogar `großangelegte Feldversuche´ (Phosphonatspritzung im Bioanbau) gestartet um die Ernte zu sichern.
https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Oekobranche-reagiert-verwundert-auf-Kloeckners-Pflanzenschutz-Vorstoss-9049907.html
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Sandbiene am 21. Februar 2018, 17:05:51
Da kann ich leider nicht weiterhelfen.

Den aktuellen UBA-Bericht zur Landwirtschaft fand ich recht interessant. Hier kann man ihn downloaden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Sandbiene am 21. Februar 2018, 17:13:43
Kann mir bitte jemand erklären oder verlinken, was Julia Klöckner zu Kaliumphosphonat in der Biolandwirtschaft `möglich machen´ in den letzten Tagen gesagt hat?

Hier ist zumindest ein Zitat/Auszug. Anscheinend hat sie selbst gar nicht von Kaliumphosphonat gesprochen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 21. Februar 2018, 19:54:39
Das kann sein. Meine dort, als der Artikel noch recht frisch war, von Phosphonat gelesen zu haben. Dort werden manche Artikel manchmal durch spätere Versionen ersetzt, also Patzer verbesssert.
Bei J.K. ist es naheliegend, dass sie Phosphonat gemeint hat, hatte 2016 auch die Runde bei den Winzern hier gemacht und kennt daher die Probleme. Vielleicht wurde da nicht nur von mir zuviel reininterpretiert, deswegen hätte mich das wirklich interessiert, was da wirklich gesagt oder gemeint wurde, damit man sich mal ein Bild von der Situation machen könnte. 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Witteke am 21. Februar 2018, 21:42:48
Der Kreisverband der Grünen in meiner Gemeinde tut gerade sehr viel dazu, aus dem "unbekannten Nachbarn" den liebsten Feind zu machen:
https://www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/fintel-ort50583/gruene-denunzianten-app-stoert-parteifreude-bauern-9614789.html

Nicht unbedingt so optimal dialogorientiert dieses Vorgehen ...  :-X
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 21. Februar 2018, 21:51:16
Kann mir bitte jemand erklären oder verlinken, was Julia Klöckner zu Kaliumphosphonat in der Biolandwirtschaft `möglich machen´ in den letzten Tagen gesagt hat?

Hier ist zumindest ein Zitat/Auszug. Anscheinend hat sie selbst gar nicht von Kaliumphosphonat gesprochen.

Den von Sandbiene verlinkten Artikel und insbesondere die Zitate darin sollte man unbedingt lesen!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 21. Februar 2018, 21:56:12
Der Kreisverband der Grünen in meiner Gemeinde tut gerade sehr viel dazu, aus dem "unbekannten Nachbarn" den liebsten Feind zu machen:
https://www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/fintel-ort50583/gruene-denunzianten-app-stoert-parteifreude-bauern-9614789.html

Nicht unbedingt so optimal dialogorientiert dieses Vorgehen ...  :-X
::)
Oh je, was kommt als Nächstes?
Neben viel unnötigem Unfrieden hat das aber auch noch was von politischem Selbstmord oder?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Sandbiene am 21. Februar 2018, 21:58:36
@bristle, meinst Du den Satz von Gerald Wehde, Pressesprecher des Anbauverbandes Bioland?
Zitat: "Der Verzicht auf Pestizide sei ein Grundprinzip des Ökolandbaus, das man nicht aushebeln dürfe."

Scheint nicht gerade ein Fachmann in Sachen Landwirtschaft zu sein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 21. Februar 2018, 22:00:55
Es gibt zwei Möglichkeiten:
A) Er weiß es nicht besser.
B) Er behauptet das wider besseres Wissen.

Es ist gar nicht entscheidend, welche Möglichkeit zutrifft. Entscheidend ist, dass dieses Bild unbedingt aufrecht erhalten muss.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Natternkopf am 21. Februar 2018, 22:02:11
Kaliumphosphonat  ??? Keine Ahnung was das ist.

Habe das was durchgelesen.
Zitat | Obacht: Der Artikel ist lang.

Grüsse Natternkopf
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 21. Februar 2018, 22:07:35
Ja, Phosphonat und dessen angebliche Natürlichkeit, für die ein "Gutachten" erstellt wurde, war auch hier schon öfter Thema.
Ein Beispiel dafür, wie "kreativ" es im Biolandbau zugehen kann.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Sandbiene am 21. Februar 2018, 22:19:38
Zitat | Obacht: Der Artikel ist lang.

Aber gut.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 21. Februar 2018, 22:21:26
Es gibt zwei Möglichkeiten:
A) Er weiß es nicht besser.
B) Er behauptet das wider besseres Wissen.


'Pestizid' ist als Begriff mal aus dem englischen Sprachgebrauch übernommen worden, weil er so schön böse klingt. Er bezeichnet vom lateinischen Wortstamm her alles, das irgendwelche Schadorganismen tötet. Neben Pflanzenschutzmitteln fallen auch viele andere Stoffe darunter die bei Leder, Kleidung oder Holzschutz verwendet werden. Und eigentlich demnach auch natürliche Mittel.
Wann und wo wurde der Begriff eigentlich rechtlich klar definiert?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: bristlecone am 21. Februar 2018, 22:41:54
Die von dir genannten Bereiche setzen nicht Pestizide ein, sondern Biozide. Diese sind in der EU durch die Biozidrichtlinie definiert - es gibt mehrere unterschiedliche definierte Anwendungsbereiche - und nach dieser Richtlinie zugelassen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 21. Februar 2018, 23:15:05
In mehreren Quellen (leider eben keine offiziellen) findet sich die Unterteilung des Begriffs "Pestizide" in Pflanzenschutzmittel und Biozide, teils auch noch in Schädlingsbekämpfungsmittel (Kammerjäger, Lagerhaltung).
Die Begriffe "Pflanzenschutzmittel" und "Biozide" sind klar definiert.

Die Frage war ja - wo genau ist dieser Begriff "Pestizid" rechtlich relevant geklärt? Ich habe nichts genaues gefunden.
Obwohl ständig damit rumgeworfen und er selbst in Richtlinien verwendet wird.

Lasse mich da gern eines Besseren belehren und wäre für die Quelle echt dankbar.

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 22. Februar 2018, 07:05:27
Ich glaube, also weiß es nicht, dass Pestizid nicht offiziell definiert ist.
Da es in den täglichen Sprachgebrauch übergegangen ist, bedient sich leider wohl auch die Amtssprache davon.
Ansonsten werden noch Wuchsregulatoren zu Pflanzenschutzmitteln gezählt. Molluskizide usw natürlich auch. 

Ernüchternd finde ich manche Auflistungen, wie `es werden dort Pestizide, Herbizide und Kunstdünger eingesetzt´.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 22. Februar 2018, 08:27:46
Ein Beispiel dafür, wie "kreativ" es im Biolandbau zugehen kann.
Hier ein weiteres Beispiel: die Pressemeldung mit `Neue Strategie zur Kupferreduktion im Pflanzenschutz entwickelt´ wird gerade fleissig von den Nachrichtenportalen kopiert.
https://www.ble.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2018/180221_Kupfer.html

Hier mal ein Vortrag zur Wirkunsgweise und mit Feldversuchergebnissen (pdf): 
aqua.protect Die rückstandsfreie Kupfer-Alternative für die ökologische Landwirtschaft

Der Markenname aqua.protect macht Sinn, um nicht von Natriumhypochlorit sprechen zu müssen.
Der Satz
Zitat
aqua.protect ist ein Verfahren, das bereits zur Verbesserung der Hygiene in der Lebensmittelindustrie angewendet wird.
klingt natürlich viel besser als Hypochlorit oder Chlorhühnchen...  ::)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: realp am 22. Februar 2018, 14:43:07
Obwohl oder gerade weil wir in einem bäuerlichen Umfeld wohnen, mache ich aus meiner mehr als kritischen und in Bezug auf Umwelt antilandwirtschaftlichen Einstellung kein Geheimnis. Gerade wieder ein sehr schönes Beispiel: alles steinhart gefroren, die nächsten Tage weiterhin harter Frost angesagt. Man bringt Jauche aus, die direkt in den Bach fliesst, der am Feld entlang fliesst.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 22. Februar 2018, 19:57:31
Ich glaube, also weiß es nicht, dass Pestizid nicht offiziell definiert ist.
Da es in den täglichen Sprachgebrauch übergegangen ist, bedient sich leider wohl auch die Amtssprache davon.

Darauf wollte ich hinaus.  Wer bitte entscheidet denn, wann ein Pflanzenschutzmittel ein 'Pestizid ist? Solange dieser Begriff garnicht geklärt ist.
Ein konventionelles Kupferspritzmittel ist eindeutig ein Pflanzenschutzmittel und unterlieget allen diesbezüglichen Handels- Verkaufs- und Anwendungsbestimmungen. Ist also dem landläufigen Verständnis nach ein Pestizid.
Als Pflanzenstärkungsmittel im Öko-Landbau ist es auch ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel - aber halt kein Pestizid, da dort ja keine verwendet werden.  ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 22. Februar 2018, 23:17:57
früher war ich der meinung, pestizide würden gegen irgendwelche insekten, milben, schnecken (und notfalls um rodentizide u.ä. erweitert auch gegen höhere faunenbestandteile) eingesetzt, während herbizide gegen unerwünschte pflanzen wirken und pflanzenschutzmittel wiederum neben den pestiziden auch noch die fungizide umfassten - im zuge der glyphosat"debatte" habe ich zur kenntnis genommen, dass auch herbizide zu den pestiziden zählen sollen und eigentlich alles, was industriell produziert wird und in der konventionellen landwirtschaft und im huk-bereich eingesetzt wird, auch wenn mir diese sichtweise weiterhin widerstrebt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 23. Februar 2018, 00:29:38
Als Pflanzenstärkungsmittel im Öko-Landbau ist es auch ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel - aber halt kein Pestizid, da dort ja keine verwendet werden.  ???
Pflanzenstärkungsmittel kann Kupfer nicht sein, da es eine direkte Wirkung auf Schadpilze hat. Damit ist es rechtlich ein Pflanzenschutzmittel. Aber wie der Biolandbau sagt, kein chemisch-synthetisches. Da sollte man diesen Satz, der an dieser Stelle immer wieder kommt, ruhig auch mal bis ins Detail lesen. Also nur ein ganz banales Pflanzenschutzmittel.
Nur mit dem gewissen Extra. Dass die chemische Analytik nicht uterscheiden kann zwischen dem natürliche Pflanzennährstoff Kupfer und dem Pestizid Kupfer ist bekannt.
Also Kupfer lässt sich mit der heutigen Analytik überall nachweissen, wahrscheinlich auch in der Luft und vor allem, wenn jemand 200km weiter einen Salat aus dem Garten gegessen hat, der mit einem Kupfersauzahn angebaut wurde und irgendeiner eine halbe Stunde nach dem Essen mal pupsen musste. Die Analytik kann aber nur sagen, Kupfer ist drin, so und so viel, sie kann aber nicht nicht sagen, das Kupfer kommt aus der Natur oder vom Chemiewerk das Biopestizide verkauft.

Also wird in Bioprodukten kein Pestizid Kupfer bestimmt, sondern eher nur das Nährelement, der wertvolle, essentielle Spurennährstoff. Ist zwar auch Kupfer, manchmal ziemlich viel, hat aber nix mit Pestizid zu tun.
Somit kann man wohl auch das hundertfache der erlaubten Kupfermenge als Pestizid spritzen, ohne dass man Gefahr läuft, dass die Ware nicht verkaufsfähig wäre. Es handelt sich ja schließlich nur um ein wertvolles Spurenelement, das unverzichtbar ist für die menschliche Ernährung. Kupfer ist ja soo gesund und esentiell.

Man kann da nun drüber streiten ob man die Ironie da wirklich noch erkennen muss. Fakt ist jedenfalls, deswegen gibts keinen Grenzwert für das Pestizid Kupfer und somit kann der Bioanbau behaupten, es würde bei Bioprodukten keine Kupferpestizidrückstände geben. Wurden ja nie nachgewiesen, gibts ja rechtlch nicht. Ökotest und andere Verbraucherschutzmagazine klären diesbezüglich ja regelmäßig `auf´. Daraus wird dann in den Medien und Köpfen die Biobauern würden nicht spritzen.

Soviel zur Rechtssituation...
Die Kupferminimierungsstrategie in Europa ist das nächste Thema, die Zulassung wurde gerade verlängert, nach Gründen dafür wird aber noch gerudert.
Ich empfehle dazu die Lektüre von diesem aktuellen Vortrag:
http://www.dlr.rlp.de/Internet/global/inetcntr.nsf/dlr_web_full.xsp?src=27SN9US9TD&p1=title%3DKupferhaltige+Pflanzenschutzmittel+-+Vergangenheit%2C+Gegenwart+und+Zukunft%3F%7E%7Eurl%3D%2FInternet%2Fglobal%2Fthemen.nsf%2FDLR_RLP_Aktu_ALL_XP_RD%2F1D25ECE032A23FCDC1258239002BD160%3FOpenDocument&p3=9203R4M5VS&p4=U45E4H4MA1

Sollte ich mich irren, bitte ich um Richtigstellung!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 23. Februar 2018, 07:59:31
Vielleicht trifft, was Du schreibst, für die zu, die sich ausschließlich oder überwiegend von Wein ernähren. Ansonsten - vielleicht sogar auch für Wein - gelten Rückstandshöchstgehalte von Pestiziden (Wortgebrauch der Verordnung) in Nahrungs- und Futtermitteln nach EU-Regelungen.
(z. B. Situation bei Schwermetallen in Berlin/Brandenburg 2011)

Ich habe bisher nichts gefunden, was deren Anwendung auf Erzeugnisse aus der Ökologischen Landwirtschaft/dem Biolandbau ausschließt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 23. Februar 2018, 09:25:28
Ich habe eigentlich über Kupfer geschrieben, nicht über Risiken und Ernährung.

Wenn Kupfergehalte gefunden werden, werden die in der Regel nicht als Pestizid eingestuft, sondern eher wie Natrium. Man macht da keine Schlagzeile draus wie beim Glyphosat im Bier, es wurden soundsoviel Promille vom ADI gefunden. Solange Grenzwerte nicht überschritten werden, ist die Ware auch verkehrsfähig und muss nicht skandalisiert werden. 
Was die Exposition mit Kupfer angeht, hier eine Einschätzung:
https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=4&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwiF76DJy7vZAhUNCuwKHfs3BQcQFghJMAM&url=https%3A%2F%2Fojs.openagrar.de%2Findex.php%2FBerichteJKI%2Farticle%2Fview%2F5128%2F4911&usg=AOvVaw30KPwRb8ZBb2UmJmXKwacW
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 23. Februar 2018, 10:22:25
Das hattest Du geschrieben:

... Also wird in Bioprodukten kein Pestizid Kupfer bestimmt, sondern eher nur das Nährelement, der wertvolle, essentielle Spurennährstoff. Ist zwar auch Kupfer, manchmal ziemlich viel, hat aber nix mit Pestizid zu tun. ...

Falsch. Die Rückstandsermittlung und der Höchstgehalt werden auf Bioprodukte genauso angewendet.

Zitat
... Somit kann man wohl auch das hundertfache der erlaubten Kupfermenge als Pestizid spritzen, ohne dass man Gefahr läuft, dass die Ware nicht verkaufsfähig wäre. ...

genauso falsch

Zitat
... Fakt ist jedenfalls, deswegen gibts keinen Grenzwert für das Pestizid Kupfer und somit kann der Bioanbau behaupten, es würde bei Bioprodukten keine Kupferpestizidrückstände geben. ...
nochmal falsch

Zitat
... Sollte ich mich irren, bitte ich um Richtigstellung!
Ich auch. Danke
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Sandbiene am 23. Februar 2018, 19:17:51
Die Kupferminimierungsstrategie in Europa ist das nächste Thema, die Zulassung wurde gerade verlängert, nach Gründen dafür wird aber noch gerudert.
Ich empfehle dazu die Lektüre von diesem aktuellen Vortrag:
http://www.dlr.rlp.de/Internet/global/inetcntr.nsf/dlr_web_full.xsp?src=27SN9US9TD&p1=title%3DKupferhaltige+Pflanzenschutzmittel+-+Vergangenheit%2C+Gegenwart+und+Zukunft%3F%7E%7Eurl%3D%2FInternet%2Fglobal%2Fthemen.nsf%2FDLR_RLP_Aktu_ALL_XP_RD%2F1D25ECE032A23FCDC1258239002BD160%3FOpenDocument&p3=9203R4M5VS&p4=U45E4H4MA1

Daraus zitiert: "Die  Suche  nach  einer  im  ökologischen  Anbau  einsetzbaren,  gut  und  verlässlich  wirkenden Kupferalternative mit günstigeren Eigenschaften bleibt daher vorrangige Aufgabe. Trotz aller Bemühungen ist eine solche Alternative aber derzeit leider noch nicht in Sicht. ...
Eine sehr wirksame Maßnahme wäre die Aufnahme von Kaliumphosphonat in den Anhang II der EU-Verordnung 889/2008, womit auch ökologisch wirtschaftenden Betrieben dieses effektive Mittel zur Peronospora-Bekämpfung wieder zur Verfügung stehen würde.
"

 :-X
Das Thema hatten wir hier doch gerade erst, siehe  #624:

Kaliumphosphonat  ??? Keine Ahnung was das ist.

Habe das was durchgelesen.
Zitat | Obacht: Der Artikel ist lang.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Sandbiene am 23. Februar 2018, 23:49:55
Ich glaube, also weiß es nicht, dass Pestizid nicht offiziell definiert ist.

Mh, ist Dir die Definition in der Richtlinie 2009/128/EG ausreichend?
Zitat daraus (L 309/74):
"10.  „Pestizid“
a)  ein  Pflanzenschutzmittel  im  Sinne  der  Verordnung  (EG) 
Nr.  1107/2009;

b)  ein  Biozid-Produkt  im  Sinne  der  Richtlinie  98/8/EG  des 
Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  16.  Februar 
1998  über  das  Inverkehrbringen  von  Biozid-Produkten (2)."
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Februar 2018, 21:23:05
Es ist die Begriffsbestimmung bzw. Verwendung des Begriffes für Pflanzenschutzmittel und Biozide.
...allerdings nur im Rahmen eben dieser Richtlinie. Sonst (ausserhalb dieses Papiers) nicht.
Zitat: "Im Sinne dieser Richtlinie bezeichnet der Ausdruck" ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Sandbiene am 24. Februar 2018, 22:03:46
Meinst Du, dass der Begriff in anderen Richtlinien anders verwendet wird oder die Begrifferklärung nur nicht wiederholt wird? Irgendwie erkenne ich gerade Dein Problem nicht.  ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 24. Februar 2018, 23:10:24
also ein pestizid ist sowohl ein psm als auch ein biozid? dann wäre aber doch kein herbizid ein pestizid?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Sandbiene am 24. Februar 2018, 23:20:21
Ich kenne das so, dass Pestizid der Sammel Überbegriff für alle -ide ist und damit Pflanzenschutzmittel (Herbizide, Insektizide, Fungizide, Molluskizide usw.) sowie Biozide umfasst. So, wie es in der oben zitierten Richtlinie geschrieben steht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 24. Februar 2018, 23:24:44
warum eigentlich gehören herbizide zu den psm?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 25. Februar 2018, 07:10:47
Sie schützen die Kulturpflanzen vor Konkurrenz.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 27. Februar 2018, 22:19:17
Mal eine Liste der in Hessen für den ökologischen Gemüsebau zugelassenen Pflanzenschutzmittel:

Σ Bacillus thuringiensis-Präparate: Dipel ES, XenTari, Turex, Agree 50 WG, NovodorFC 5
Σ Beauverea bassiana-Präparat: Naturalis 9
Σ Contans WG 10
Σ Eisen (III) Phosphat-Präparate: Ferramol Schneckenkorn, Sluxx 11
Σ Schwefel-Präparate: Kumulus WG, Microthiol Spezial, Thiovit Jet 12
Σ Kupfer-Präparate: Funguran, Cuprozin WP, Cuprozin flüssig, Cuprozin Progress 14
Σ NeemAzal T/S 16
Σ Neudosan Neu Blattlausfrei 17
Σ Rapsöl-Präparat: Micula 19
Σ Spruzit flüssig 23
Σ Spruzit Schädlingsfrei bzw. Spruzit Neu 23
Σ SpinTor 28
Σ AQ 10 WG 32
Σ Kaliumhydrogencarbonat-Präparate: Kumar, Vitisan 33
Σ Prestop 36
Σ Serenade ASO 37
Σ Prev-AM 38

Mein Problem (@ Sandbiene) weswegen ich die Krümelkackerei da oben veranstaltet hab mit der Begriffsdefinition:
Problematisch finde ich die Verwendung des negativen Begriffes "Pestizid" - und in der Richtlinie eben definitiv für alle Pflanzenschutzmittel. Die werden in der Landwirtschaft dann statistisch als verwendete "Pestizide" ausgewertet, während teilweise die gleichen Mittel, mit dem selben Handelsnamen im Öko-Landbau keine Pestizide sind, sondern eben das was sie sind: Pflanzenschutzmittel!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Sandbiene am 27. Februar 2018, 22:35:53
Pflanzenschutzmittel ist doch nur genauer als Pestizid. Alle Pflanzenschutzmittel gehören zu den Pestiziden, auch die der Bio-Landwirte. Ich finde die Ungleichbehandlung schon im Zulassungsverfahren nicht korrekt. Weil die Bio-Mittel ja so harmlos klingen, werden gern mal die Augen zugedrückt und nicht alle eigentlich vorgeschriebenen Tests abgefragt. Wenn das bei einem konventionellen Pflanzenschutzmittel passiert, wird sofort (und zu recht) nachgehakt. Die Antragsteller der Bio-Mittel lassen gern mal ein paar der vorgeschriebenen Tests weg und hoffen auf den milden Blick bei den Behörden. Denn schon allein aufgrund der hohen Aufwandmengen im Öko-Landbau werden nicht alle vorgeschriebenen Ökotox-Tests erfolgreich bestanden.  :P
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 27. Februar 2018, 23:12:17
Wenn der Begriff Pestizid negativ behaftet ist, dann sieht es wohl so aus als ob das eine Aufklärungssache ist. Pflanzengift findet man jedenfalls nicht in den Richtlinien.

@Sandbiene: hast du Beispiele für deine `Anschuldigungen´, dass Antragsteller von Biomitteln gerne vorgeschriebene Tests weglassen? Oft wird doch von vornherein ein geringes Risiko unterstellt.
Einen Vorwurf in Richtung absichtliches Handeln möchte ich nicht machen, viele Firmen der Biopestizidindustrie sind noch recht neu am Markt und müssen sich auch mit öfters wechselnden Richtlinien der Zulassungsbehörden rumschlagen.

@dmks: deine Liste kann kaum vollständig sein, der bvl führt für Januar 2018 dieses pdf hier an:
https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/04_Pflanzenschutzmittel/psm_oekoliste-DE.pdf?__blob=publicationFile&v=38

Wie ich sehe ist Abamectin verschwunden. Hats nun doch am Risiko für den Anwender gelegen oder welche Punkte waren ausschlaggebend?
Allgemein kann man wohl sagen, dass die Entwicklung und Marktreife von zB biologischen Beizen oder Fungiziden auf Bakterienbasis an Fahrt aufnimmt. Sicherlich eine Folge des Gentechnikhypes vor ein paar Jahren, als man viel zu Bakterien dazugelernt hat.
Die Herbizide wurden allerdings gedeckelt, nicht mal Orangenöl oder Citronellal ist noch als Herbizid in der biologischen Lebensmittelproduktion zugelassen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. März 2018, 20:31:46
 :-X
...bin ein "bißchen" sauer!!!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 08. März 2018, 20:35:02
Gute fachliche Praxis? Oder war's der Energieversorger? Nasse Krume über Eis. Fährt sich bescheiden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. März 2018, 20:35:51
Eigentlich doppelt sauer!
Die linke, schwache Spur ist vom Grabenräumer, okay der muß da mal ran - die rechte Spur stammt von der "Wartung" des Netzbetreibers der Hochspannungsleitung.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. März 2018, 20:36:36
Gute fachliche Praxis?
Ist eine Feuchtwiese, geht weiter hinten in Schilf über...

Da kam die schwere Technik dann auch nicht weiter. Entsprechend tiefer werden die 'Gleise'.
Der Grund übrigens: Es wurden Bäume gekürzt, die offensichtlich der Hochspannung zu hoch waren. Unter anderem meine 7 Kätzchenweiden, die seit etwa 50 Jahren schon von meinen Eltern bewirtschaftet werden und bisher noch nie zu groß für die Anlage waren... :'(
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 08. März 2018, 20:48:56
Deren Aussentrupps sind nicht die sensibelsten. Es hilft für eine Weile, als empörter Bürger den Bereichsingenieur zu belästigen. Muss aber aller paar Jahre wiederholt werden.  :P

Wenn es eine geschützte Feuchtwiese ist, kann die UNB ein Owi-Verfahren einleiten. Das kann im Extremfall dazu führen, dass am Ende Kette der tatsächliche Verursacher für eventuelle Wiederherstellungsarbeiten und das Bussgeld zahlen muss. Nur als Warnung, falls Du das vermeiden möchtest.

 Eine verschärfte Aussprache sollte es aber wenigstens geben. Wenn da sensible Grünlandvegetation stand, ist sie nachhaltig gestört.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 08. März 2018, 20:49:06
ohne vorankündigung, auf deinem land? ???

oder gibt es irgendwelche verdrängten, weil bisher nie so "genutzten" konzessionsverträge? :P
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 08. März 2018, 20:54:20
Deren Aussentrupps sind nicht die sensibelsten. Es hilft für eine Weile, als empörter Bürger den Bereichsingenieur zu belästigen. Muss aber aller paar Jahre wiederholt werden.

Stimmt.  ;D

Im Mai ist die Fahrspur wieder grün und von den Dellen abgesehen kaum noch etwas zu sehen. Für die Natur wiederum kann eine zerstörte Grasnarbe ganz vorteilhaft sein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. März 2018, 20:55:46
ohne vorankündigung, auf deinem land? ???

oder gibt es irgendwelche verdrängten, weil bisher nie so "genutzten" konzessionsverträge? :P
Natürlich haben Netzbetreiber und auch der Grabenverband ein Wegerecht!
...aber gleich solche eigenen Wege anlegen?

Ich werde erstmal telefonisch auf Nachbesserung hoffen - rechtlich möchte ich nicht, da der Eigentümer dieser Wiese mein Vati (wird 85) ist und sehr daran hängt. Diese Amtspost würde ich ihm gern ersparen. Gesundheitlich kann er derzeit nicht mehr aus dem Haus...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. März 2018, 21:03:29

Im Mai ist die Fahrspur wieder grün und von den Dellen abgesehen kaum noch etwas zu sehen. Für die Natur wiederum kann eine zerstörte Grasnarbe ganz vorteilhaft sein.

Die 'Dellen' gehen hier vorn stellenweise bei 20cm - und am Ende bis fast 30cm tief! Das ist im Schnitt die Arbeitstiefe eines modernen Hochleistungspfluges >:(
Ohne Nachbesserung kann ich die Fläche auch bei Trockenheit mit meiner Technik nicht mal mehr befahren.

Zum Größenvergleich: Der Apfelbaum da rechts (letzter) hat bei 2m Stammhöhe.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Thüringer am 08. März 2018, 21:14:02
Ich habe dieses Problem auch schon mal gehabt, allerdings bei einem vorhandenen Weg: Fotos mit einem Schreiben an den/die Verursacher und auch evtl. Auftraggeber mit einer Fristsetzung zur Beseitigung des Schadens. Ich musste nur warten, bis die Witterung entsprechend war, und dann rückte die Truppe an. Ideal wäre es hier, wenn der Grabenverband und auch die Netzbetreiber externe Firmen beauftragt hätten, dann gäbe es auch von denen Feuer.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. März 2018, 21:19:43
Auf der anderen Seite des Grabens (auch für einen Mann im gesetzten Alter leicht zu Fuß zu überwinden ;) und am Bewuchs im linken Bildrand zu erkennen) befindet sich übrigens eine normal bearbeitete Ackerfläche. Mit wenig Schaden befahrbar und fast ohne Bewuchs am Graben. Warum nur über die Wiesen???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 08. März 2018, 21:22:08
Wie sieht Beseitigung aus? Mit der runtergelassenen Schaufel abschieben?
Verdichtung bleibt, Sekundärbiotop auch zerstört.

Wenns nicht das eigene Land ist..., sehe sowas hier zum Glück nur in light.
Wer bei solchen Bodenverhältnissen rausfährt, hat den Gong noch nicht gehört.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 08. März 2018, 21:35:11
allerdings
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 08. März 2018, 21:48:42
Wer bei solchen Bodenverhältnissen rausfährt, hat den Gong noch nicht gehört.

Die ziehen ihr Programm halt durch, siehe lerchenzorns Beitrag. Ich kenne hier mittlerweile alle hiesigen Grabenräumer und die mich auch. Trotzdem hat mir einer im Herbst eine Böschung im Park zerfahren.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. März 2018, 22:11:16
Kein Witz - vor einigen Jahren haben sie, da der Graben durch die Weiden schwerer zugänglich ist einfach den Mäher parallel davor durchgezogen. Also vor den Weiden und glatt über die Wiese. Im Hochsommer. In dem Schatten war noch halbwegs Grünzeugs gewachsen - und wir hatten zu der Zeit etwa 50 Kaninchen zu versorgen. Da hab ich mich mit denen angelegt - und es ging letztendlich auch ergebnislos aus. War der Sub vom Sub und der Wert mal aus Versehen gemähter Mehrschnittwiese... macht keinen Sinn.

PS und ja, es ist ausgewiesenes Landschaftsschutzgebiet!

Vom Anblick der Weiden war ich übrigens so "überrascht"  - daß ich vergessen hab Fotos zu machen. Werde ich nachreihen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 09. April 2018, 18:59:49
Heute wird das erste Mal gesprüht - auf den Weizen. Es stinkt gottserbärmlich nach Gift - absolut giftig.
Ich kenne diesen Geruch vom Chemiewerk Bitterfeld/Wolfen seinerzeit... sorry, dort stank es auch so.

Nun steht der Wind von Ost und dieses Giftzeug weht direkt auf den Hof.
Soviel zur Nachbarschaft.

Falls jemand ein Foto möchte - kann ich gern in den nächsten Minuten machen, allerdings mit Atemschutz...

20.25 h - er hat den Ackerrand gesprüht, vermutlich mit irgendeinem Unkraut-Ex. Ist nur einmal rund ums Feld... es stinkt immer noch.

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 09. April 2018, 21:25:01
Pflanzenschutzmittel, die stinken, sind mir grundsätzlich sympathischer als geruchslose.  ;) Evtl. erfolgte eine Unkrautbekämpfung. Manche Wuchsstoffherbizide haben einen erbärmlichen Geruch,.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 09. April 2018, 22:00:34
@ toto: nur mal so: die dosis macht das gift. auch sprachlich. :P
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 09. April 2018, 22:06:04
@ toto: nur mal so: die dosis macht das gift. auch sprachlich. :P


 ??? ??? ??? ??? ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 09. April 2018, 22:29:02
Pflanzenschutzmittel, die stinken, sind mir grundsätzlich sympathischer als geruchslose.  ;) Evtl. erfolgte eine Unkrautbekämpfung. Manche Wuchsstoffherbizide haben einen erbärmlichen Geruch,.

Finalsan beispielsweise ;) Wirkstoff Pelargonsäure - stinkt erbärmlich das Zeug! Ist aber biologisch abbaubar und macht keine Langzeitschäden!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 09. April 2018, 23:12:19
Ein/zwei Fotos von den nächsten paar Tagen würden mich eher interessieren. Von der Symptomatik kann man auf die Wirkstoffe schliessen. Nicht dass da nur Halmkürzer oder Blattdünger statt Herbizide gesprüht wurden.

Hier hats ein Bauer letztes Jahr mit dem späten Mais und der Feuchtigkeit ab Oktober versemmelt, der konnte nicht mehr drauffahren. Der hat jetzt auch Sommergetreide drin, und das schlimme, die maisigen Erntereste unzerkleinert beim saatbettbereiten nach dem pflügen wieder hochgeholt. Kreiselegge mit Schleppe nach Pflug hab ich noch gesehen, was er danach nochmal gemacht hat, es ist mir ein Rätsel. Das wars dann bei mir im Garten nebenan mit Mais dieses Jahr. Wieder Fruchtfolge über den Haufen schmeißen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 10. April 2018, 01:13:53
Pflanzenschutzmittel, die stinken, sind mir grundsätzlich sympathischer als geruchslose.  ;) Evtl. erfolgte eine Unkrautbekämpfung. Manche Wuchsstoffherbizide haben einen erbärmlichen Geruch,.

Finalsan beispielsweise ;) Wirkstoff Pelargonsäure - stinkt erbärmlich das Zeug! Ist aber biologisch abbaubar und macht keine Langzeitschäden!

Leider ist das der Bauer (ehem. LPG), der die Feuchtwiese "umgewandelt" hat in eine Mais-Leichen-Wiese. Er hat ja die Auflage, wieder eine Wiese herzustellen - hat seinen Fehler ja (angeblich) eingesehen. Bis jetzt noch nichts passiert, werde wohl nachhaken müssen, es sieht dort schrecklich aus.

Insofern kann ich dort eher nicht fragen, was er heute benutzt hat. Ich tippe jedoch wirklich auf Chemie, ich bekam kurze Zeit nach dem Einatmen kurzzeitig Kopfschmerzen (habe ich sonst nie). Ich werde Fotos machen - wann? Nach zwei/drei Tagen schon?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 10. April 2018, 07:53:43
kurzzeitig kopfschmerzen? bei so einer aggressiven reaktion tippe ich auf autosuggestion. der landwirt hat keine chance; das beste, was er wohl machen kann, ist sofort aufgeben oder sterben. :-X
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 10. April 2018, 08:21:53
Nunja. Hier ist gleich nebenan eine intensiv genutzte Wiese. Die wird zum Wohle der Öko-Energieversorgung mehrmals jährlich gemäht, dort wird Gülle ausgebracht und im Herbst wurde der Ampfer chemisch bekämpft. Gestern wurde die Wiese abgeschleppt, damit sie schön eben ist. Wandernde Kröten und Frösche hatten da keine Chance. Mir gefällt dies alles nicht so recht, trotzdem mag ich den Bauern nicht vorschreiben, wie sie zu wirtschaften haben. Selbst verzichte ich auch liebend gern auf gut gemeinte Ratschläge.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 10. April 2018, 09:06:38
@zwerggarten: was ist denn bei Dir los? Welche aggressive Reaktion?
Ich hatte lediglich angegeben, dass irgendwelches stinkende Chemiezeugs an den Rand des Feldes gesprüht wurde. Kein Vergleich zu Gülle.

Im Übrigen ist es in anderen Ländern durchaus üblich (wurde hier auch schon gezeigt und wird auch empfohlen!), Feldränder mit Wiesenblumen zu bestücken. Erinnerung: Insektensterben.

Da wird man wohl noch sagen können, dass solch Zeugs, was definitiv irgendwelches Gift war, auf anschließenden Grundstücken als ziemlich störend empfunden wird.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 10. April 2018, 09:42:26
... trotzdem mag ich den Bauern nicht vorschreiben, wie sie zu wirtschaften haben. Selbst verzichte ich auch liebend gern auf gut gemeinte Ratschläge.

Da wird man wohl noch sagen können ...

wat dem eenen sin uhl, is dem annern sin nachtigall. 8)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 12. Mai 2018, 18:55:19
Ein/zwei Fotos von den nächsten paar Tagen würden mich eher interessieren. Von der Symptomatik kann man auf die Wirkstoffe schliessen. Nicht dass da nur Halmkürzer oder Blattdünger statt Herbizide gesprüht wurden.

Naja, nun haben wir Mai. Bei dem privaten Bauern steht das Korn gut, Nachbaracker am Horizont vorletztes Bild.

Hier, wo recht kurzzeitig irgendwas gesprüht wurde, so dass man Kopfschmerzen bekam, sieht es jetzt so aus wie auf den Bildern.
Das kann ich durchaus höflich ausdrücken oder ich kann auch schimpfen - das ändert nicht an der sichtbaren Tatsache, dass auf etwa 25 m breitem Streifen angrenzend an Grundstücke nichts mehr wächst. Alles weggespritzt bis auf ein paar kleine Hälmchen...
... Ideen, warum, was... muss das so?

@zwerggarten: Autosuggestion? Aggressiv? Vlt. hast Du eine nette umweltfreundliche, optimistische Erklärung für eine kleine Wüste...  ;D

(http://up.picr.de/32665363go.jpg)

(http://up.picr.de/32665365gr.jpg)

(http://up.picr.de/32665366wq.jpg)

(http://up.picr.de/32665367gr.jpg)

Das Schwarze in den Spuren ist übrigens Gülle, die kam danach noch obendrauf.
Und wir essen Weizenbrot....
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 12. Mai 2018, 21:50:30
Sieht ziemlich verschlämmt aus die Oberfläche. Da haben es Sämlinge schwer.
Wurde der wertvolle organische Dünger nicht eingearbeitet?

Der Weizen auf dem vorletzten Bild sieht ziemlich hintendran aus im Vergleich zu hier, kann es sein dass die organisch gedüngte Fläche demnächst umgezackert wird und Mais reinkommt?

PS: Herbizidsymptome sind auf den Fotos nicht erkennbar, hast du noch frühere, kurz nachdem er drübergefahren ist?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 12. Mai 2018, 21:58:55
Vorgewende sind immer mal über- oder unterverpflegt; liegt in der Bearbeitung, da eben diese logischerweise 'ne Maschinenlänge plus Wenderadius vorm Feldrand endet und hinterher "quergezogen" wird.  Im Normalfall ist das kaum zu sehen - also ehrlich: DAS kann man besser machen!  8)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 12. Mai 2018, 22:08:29
Naja, bisher wuchs der Weizen, Raps usw. eigentlich  i m m e r  bis 3m vor Grundstücksgrenze/Tannen völlig normal.
Warum sollte es dieses Jahr anders sein?

Ich kann morgen noch Fotos machen vom Rand - da gab es viele Ahornsämlinge, die jetzt nur kahle braune Stiele sind.
Der Boden am Rand (also die 25 m Breite) ist nicht anders als in der Mitte des Feldes. Es ist eben Lehm. Der private Bauer hat auch Gülle "gegossen" - nix eingearbeitet, sondern mit Schläuchen bodennah ausgebracht während des Wuchses vor einer Woche. Dort steht das Korn trotzdem gut.

Ich finde, es sieht sehr merkwürdig aus, sorry.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 12. Mai 2018, 22:54:43
Die genaue Ursache - ob doppelte Gülle bzw. PSM, fehlerhafte Drille oder sonstwas ist hinterher schwer auf Fotos zu beurteilen.
...sind übrigens auch 'ne Menge Trittsiegel drauf! Wildfraß kommt eventuell auch noch dazu.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 12. Mai 2018, 22:59:39
Unabhängig davon, das Zeug wächst nicht trotz Gülle, sondern eher wegen der Gülle.
Schleppschläuche, toll, wenn man sowas mal live beobachten kann. Was ganz anderes für die Nase als Prallteller.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 12. Mai 2018, 23:02:48
Warum sollte es dieses Jahr anders sein?
Ad hoc würden mir da etwa 50 Gründe einfallen. Allein wegen der letzten 4 Wochen im Garten. Obwohl das Jahr bisher im Kalender recht unspektakulär und berechenbar verläuft, ist die Witterung und das Geschehen da draussen alles andere als normal und einfach.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 12. Mai 2018, 23:06:45
Die genaue Ursache - ob doppelte Gülle bzw. PSM, fehlerhafte Drille oder sonstwas ist hinterher schwer auf Fotos zu beurteilen.
...sind übrigens auch 'ne Menge Trittsiegel drauf! Wildfraß kommt eventuell auch noch dazu.

Wildfraß - definitiv nein.
Das Wild frisst nicht komplett und eine Fläche am Rand von 25 x 500 m - auf Reihe genau ;D - das wäre wirklich eine story: abgerichtetes Wild: bitte fresst nur am Rand ;D...

Außerdem würde dann beim Bauern nebenan auch Wildfraß sein - dort ist wesentlich mehr Wild als hier hinterm Zaun.
Aus meiner Sicht: da ist ein Fehler beim spritzen mit "was-auch-immer" passiert.
Da das der gl. Betrieb ist, der die Feuchtwiese mit Mais bestellte (und noch immer keine Wiese wiedergergestellt...), scheint es da innerbetriebl. Schwierigkeiten zu geben.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 12. Mai 2018, 23:08:03
Warum sollte es dieses Jahr anders sein?
Ad hoc würden mir da etwa 50 Gründe einfallen. Allein wegen der letzten 4 Wochen im Garten. Obwohl das Jahr bisher im Kalender recht unspektakulär und berechenbar verläuft, ist die Witterung und das Geschehen da draussen alles andere als normal und einfach.

... und warum dann am Rand an der feld-höchsten Stelle?
Normal waren die Senken in diesem Jahr wasserfefüllt, aber nicht die höchsten Stellen.
Wetter ist ja immer ne gute Ausrede. Das widerspricht jedoch der Bestellung des anderen Bauern nebenan, dessen Korn gut steht - auf dem vorletzten Bild zum Horizont - steht 1A.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 12. Mai 2018, 23:12:42
Wenns nur eine Reihe ist würde ich erst an die Tiefenführung der Sähmaschine oder ähnliches denken. Hätte man gleich aufgraben sollen als es aufgelaufen ist. Keimwasser gabs dieses Jashr evtl nicht zuviel, die höchste Stelle im Feld kann zu trocken sein.
Spritzschäden haben selten Nester im Streifen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 13. Mai 2018, 09:52:04
Alle Antworten klingen recht fachbezogen - allerdings: die Fläche ist und bleibt einfach mal tot.

Die Begründungen leuchten allesamt nicht ein für jemanden, der diesen Feldrand seit 30 Jahren hinterm Haus sieht, noch nie so ein chemisch stinkendes "Erlebnis" hatte und schon einige Wettereskapaden auf diesem Stück Land miterlebte. Sorry.

Fotos folgen noch.

 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 13. Mai 2018, 10:21:26
Schon klar. Es gibt nur nicht viele Spritzmittel die stinken und schon garnicht so lange. `Chemisch stinken´ gibts eh nicht so recht. Nach essen riechen hat nur halb soviel Möglichkeiten. Wieviel Einträge gibts bei Chefkoch.de?

Würde gerne in 2 Wochen nochmal Fotos sehen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 13. Mai 2018, 10:34:59
Schon klar. Es gibt nur nicht viele Spritzmittel die stinken und schon garnicht so lange. `Chemisch stinken´ gibts eh nicht so recht. Nach essen riechen hat nur halb soviel Möglichkeiten. Wieviel Einträge gibts bei Chefkoch.de?

Würde gerne in 2 Wochen nochmal Fotos sehen.

1. Es hat nicht "so lange" gestunken, sondern nur während des Sprühens.
2. Es reicht  e i n e  Möglichkeit. Wenns nicht viele gibt - völlig ok. Eine reicht.

Den Witz mit "Chefkoch" kann ich nicht nachvollziehen, sorry.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 13. Mai 2018, 11:08:40
Eines verstehe ich nicht: Fehler können passieren. Fehler kann man zugeben. Was ist daran so schwierig?
Der Streifen ist 25 Meter breit, abgemessen und ca. 500 Meter lang.

hier einige Bilder... und wer jetzt noch vom Wetter redet...

Ahorn ist bekanntlich zäh. Einige sind doch noch ausgetrieben.
(http://up.picr.de/32671394fx.jpg)

(http://up.picr.de/32671395pm.jpg)

(http://up.picr.de/32671396hh.jpg)

(http://up.picr.de/32671397sj.jpg)

(http://up.picr.de/32671398kq.jpg)

(http://up.picr.de/32671399hk.jpg)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dreichl am 13. Mai 2018, 18:46:24
Müssen Landwirte denn ihre Emissionen auf den Feldern denn den Ämtern melden, bzw. gibt es überhaupt Regelungen dazu?
Mir wäre nämlich nichts bekannt. Für die Betriebe (also speziell den Hof) müssen ja die Vorgaben des Immissionsschutzgesetzes eingehalten werden, aber wohl nicht für die bewirtschaftete Fläche.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 13. Mai 2018, 20:08:55
Ahorn ist bekanntlich zäh. Einige sind doch noch ausgetrieben.

Getreide ist bekanntlich einkeimblättrig, Ahorn zweikeimblättrig. Gegen Zweikeimblättrige wird auf Getreidefeldern gespritzt, was ich durchaus nachvollziehbar finde. Für mich sieht das nach einem Herbizidschaden aus. Warum der Streifen im Feld ist, weiß ich natürlich auch nicht. Vielleicht war die Spritze schlecht gereinigt und Reste eines anderen Herbizids befanden sich noch in den Schläuchen. Vielleicht ist der Streifen auch verdichtet, wodurch das Getreide nur partiell keimte. Ich meine, dass wir das hier nicht herausbekommen werden.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 14. Mai 2018, 21:50:35
Ich starte trotzdem nochmal einen Versuch.
Ja, es sind schlecht ausgedrillte Vorgewende! Das ist Fakt und im ersten Bild im linken Bereich an den unterschiedlich auslaufenden Saatstreifen gut zu sehen. Die Gründe können sowohl in mangelnder Praxis liegen, als auch in der "Natur der Dinge"; da auf den Vorgewenden nunmal alle Maßnahmen von Saatbettvorbereitung, Bodenverdichtung über Aussaat bis Pflege und Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln partiell doppelt oder auch garnicht passieren können. Es ist der Bereich auf dem die Bearbeitungsmaschinen drehen und der zum Schluß quergeackert wird. Auch kann das Saatgut in der Drille zum Schluß knapp werden.
Genau das werden wir hier wirklich nicht klären können. Dieses Vorgewende ist ein vergleichsweise minimaler Teil des Ackers (auch Wildschäden treten oft im Randbereich und reihenweise auf - aber die Erklärung sprengt jetzt hier den Rahmen, da es im konkreten Fall wenn,dann nur eine untergeordnete Rolle spielt)
Die dunklen Verfärbungen können von Gülle oder Staunässe stammen, sollten dann aber bei der Aussaat verackert sein.
Möglich ist auch Ausbringung von Gärrest aus der Biogasanlage, da dies zur Düngung während der Vegetation (Nachauflauf) geschieht.
Und natürlich werden Herbizide eingesetzt - auch das ist kein Geheimnis. Was davon notwendig ist oder stur nach Spritzplan geschieht liegt in der Verantwortung des Landwirts und unterliegt genau wie die Düngung entsprechenden Verordnungen und Kontrollen - um eben "Schwarze Schafe" oder Ignoranten und den Fehlern der Vergangenheit Grenzen zu setzen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 14. Mai 2018, 21:55:32
Da dies zum ersten Mal innerhalb von 30 Jahren passiert ist... macht man sich halt Gedanken.
Mangelnde Praxis schließe ich aus, da dieses Stück Acker seit wesentlich mehr als 30 Jahren "beackert" wird -von der gleichen Firma... insofern...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 14. Mai 2018, 21:59:56
Lehrling? ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 14. Mai 2018, 22:00:56
möglich... auch Leiharbeiter...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 14. Mai 2018, 22:12:04
Manchmal sind die Sorgen leider auch berechtigt - manchmal nicht.
Hab' noch ein Foto gefunden:
Vom Storch mal abgesehen... Das Ausfallgetreide des letzten Jahres sieht beängstigend aus! Ist aber keine Folge eines Spritzmittels, sondern durch die Wirkung des "aufs grün" gestreuten Kalkes so verfäbt. ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 16. Mai 2018, 00:15:25
Ist das dann letzendlich ein Ammoniakschaden oder nur durch den pH-Wert bedingt?

Habe heute TK-Bohnen gegessen. Auf meinem Teller waren 4 Früchte und der Rest der Blütenrispe von ich vermute mal schwarzer Nachtschatten. Das hatte ich noch nie. Nicht dramatisch, Sortiermaschinen laufen nicht völlig fehlerfrei und wer weiß wo die Lebensmittelindustrie die Bohnen wieder herimportiert hat.
Trotzdem, gab es in letzter Zeit Bemühungen in der EU zu Rückstandsminimierung in Buschbohnen oder gibts in den osteuropäischen Staaten zunehmend Probleme mit typischen Hackunkräutern?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 04. Juni 2018, 22:11:54
Landwirtschaft im Osten.  ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 04. Juni 2018, 22:28:32
Vor einigen tagen wurde popcorn in supermärkten zurückgerufen: zu hoher gehalt von tropanalkaloiden, akute symptomatik beim genuss möglich.
Da waren wohl ein paar nachtschattengewächse in den mais geraten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 04. Juni 2018, 22:34:34
was symptomiert denn da?!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 04. Juni 2018, 22:36:41
http://www.produktrueckrufe.de/nahrungsmittel-und-genussmittel/1280-xox-rueckruf-popcorn
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 04. Juni 2018, 22:39:00
Landwirtschaft im Osten.  ;D
coole Maschine!
 ;) Werd ich diesen Sommer auch live sehen - ist ja sozusagen das (zweite) Nachbardorf. Für alle sonst irgendwie neugierigen gibt es an diesem WE das hier:

https://www.brandenburger-landpartie.de/ausflugstipps/brandenburger-landpartie/gastgeber-2018/?searchpage=1

...und es sind weit mehr Betriebe dabei als in der Karte verzeichnet!!! Laut Liste derzeit 229. ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 04. Juni 2018, 22:53:33
12m sind schon beeindruckend. Wenn die im Verband anrücken wahrscheinlich noch mehr. Sowas sieht man hier im Südwesten nicht.

Tropanalkaloide: wirken acetylcholinerg, Nachtschattentypisch und für Hobby-Alternativ-Drogen-Konsumenten interessant.
Bei schlechter Ackerhygiene bzw unpassender Fruchtfolge bzw ähnlichen Mißständen offenbaren sich gerade in von der Witterung her schlechten Jahren Wirkungslücken/Nachteile bei bestimmten Herbiziden. Nachtschatten profitiert von der Frühjahrstrockenheit und steigenden Temperaturen, als Samenunkraut mit recht lange keimenden Samen weiß es das zu nutzen. 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 08. Juni 2018, 22:54:14
Nächste Woche gibt es diese Veranstaltung in Bernburg-Strenzfeld, auch mit ökologisch bebauten Referenzflächen.
Wer also sein Wissen über Landwirtschaft jeglicher Couleur erweitern möchte, kann es dort tun.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 21. Juni 2018, 10:23:43
Der Europäische Gerichtshof hat Deutschland dafür verurteilt, zu wenig gegen Nitrate im Grundwasser unternommen zu haben. Wie die Richter feststellten, hätte Deutschland zusätzliche Maßnahmen oder verstärkte Maßnahmen einleiten müssen, um seine Gewässer zu schützen.

(Ich bin sicher, dass Markus Söder und seine CSU darauf eine passende Antwort haben werden.  :-X )
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 21. Juni 2018, 10:37:12
Die hiesigen Bauern sind darüber wütend, dass kurzfristig die Ausbringungszeiten für Gülle verkürzt wurden. Das erfordert riesige Investitionen in weitere Lagermöglichkeiten und wird letztlich zu stärkerer Konzentration der Tierhaltung führen. Größere Betriebe haben in aller Regel mehr Finanzkraft und wirtschaften effizienter.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 21. Juni 2018, 10:49:56
Man könnte sich zu Genossenschaften zusammenschließen.
Oder der Güllehandel nimmt zu. Ob das gut ist?

Auch wenn die gesundheitliche Gefährdung durch Nitrat generell und durch Trinkwasser im Besonderen nicht entfernt so hoch ist wie es in der Öffentlichkeit vermutet wird: Aus öko(toxiko)logischer Sicht ist es zu begrüßen, wenn der Nitrateintrag in die Umwelt deutlich sinken würde.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 21. Juni 2018, 10:51:14
Man kann auch aus der überzähligen Gülle Strom erzeugen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 21. Juni 2018, 10:57:27
Man könnte sich zu Genossenschaften zusammenschließen.

Ich sprach von den hiesigen Agrargenossenschaften.  ;) Biogasanlagen haben die auch. Es gibt für Bauern kaum eine sicherere Möglichkeit Geld zu verdienen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 21. Juni 2018, 12:46:22
"Drei Tage vor dem Urteil hatte der Deutsche Bauernverband (DBV) in einer Pressemitteilung versucht, die Richter milde zu stimmen. Das Argument: Die Verurteilung beziehe sich bloß auf das alte Düngemittelrecht. Demnach ist das 2017 reformierte Düngemittelrecht eine durchgreifende Verbesserung, "mit der Deutschland im Sinne des Gewässerschutzes gut aufgestellt ist", wie der DBV meint.

Das allerdings bezweifelt der Kieler Agrar-Professor Friedhelm Taube. Er hat im Auftrag des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft eine ausführliche Studie zum neuen Düngerecht erarbeitet. Das Ergebnis ist vernichtend: Taube bemängelt Wirkungslosigkeit und Komplexität des neuen Rechts und spricht von Politikversagen. Offensichtlich seien bei der Gesetzeserarbeitung "nicht wissenschaftliche Evidenz und die Herausforderungen der EU-Umweltgesetzgebung Richtschnur gewesen, sondern bestimmte Interessen des landwirtschaftlichen Berufsstandes"."
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 21. Juni 2018, 13:02:00
Die ganze Situation ist voll entgleist. Das Umweltbundesamt hätte damals nicht die Daten aus dem Belastungsmeßnetz an die EU übermitteln sollen, sondern die aus dem repräsentativen Meßnetz. So wie es auch alle anderen Staaten gemacht haben. Den Stein einmal ins rollen gebracht, klar, der rollt weiter, ein Formalismus.
Die Klage wurde bewusst provoziert, aber da erinnert man sich 5 Jahre später nicht mehr so genau und wurde damals schon nicht breitgetreten. 

Nach dieser Kampagne dürfte auch klar sein, dass wohl niemand ernsthaft daran interessiert ist Stickstoffeinträge in die Umwelt zu vermeiden oder zu reduzieren.
Von den Kommunen mit kaputten Kanälen hört man nichts, vom Verkehr auch nicht so recht.
Beschreibende Publikationen von Umweltveränderungen auf ehemals Magerstandorten sind nicht Pressefähig, gehen komplett unter in der Wahrnehmung. Das Umweltbundesamt macht nix gegen die Nitrophilierung unserer Flora sondern sucht sich andere Gründe für ein Insektensterben.
Eine schöne scheinheilige Welt verblendeter und perfider Ideologen. Der Laie fällt drauf rein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Natternkopf am 21. Juni 2018, 22:04:45
Also Bauer möchte ich nicht sein.

Mit diesen Vorurteilen kämpft moderne Landwirtschaft.
🚜
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 21. Juni 2018, 23:00:19
Och, naja, wenn das früh aufstehen nicht wäre, warum nicht?
Ich wollt nur nie davon leben müssen.
Weltmarktpreise und völlig andere Standards als anderswo.
Als Verbraucher könnte man sich ja mal fragen warum der Honig aus China und die Biomöhren aus Indien kommen. Warum die Discounter selbst diese Woche noch keine regionalen Frühkartoffeln im Angebot haben sondern nur Edeka.
Früher, als jeder noch seine 5 Schweine in Anbindehaltung in der dunklen, stinkenden Scheune hatte, selbst geschlachtet hat und noch wusste wie eine Wurstmaschiene funktioniert, tja, da gabs halt noch kein Thermomix und die Welt war gut.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 22. Juni 2018, 23:11:36
Ich finde das Video gut.
'Fritz' ist ein Jugendsender - es geht hier um junge Leute in diesem Beruf - die auch was wollen - und was verändern werden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 27. Juni 2018, 22:47:41
 :(
Bin sackig auf einen Forstdienstbetrieb - der nach Fällung von Bäumen in einer Waldfläche (wirklich gute und fachgerechte Arbeit!) seine Rückekolonne zum Abtransport geschickt hat.
Die haben durch ein benachbartes am Weg gelegenes Waldstück zwei Schneisen durchs Unterholz gezogen und forstwirtschaftlich offensichtlich wertloses Stangenholz einfach umgesägt. :-X und Spuren ins Gelände gefahren.
Es gibt keinen Grund!!! 50m weiter grenzen die beernteten Flächen an den Weg! Es ist nur eine "Abkrzung" durch's Unterholz das sich dort seit etwa 40 Jahren mühsam (Kiefernwald auf Sand) entwickelt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 27. Juni 2018, 22:54:20
Warum macht mich diese Ignoranz in dem Fall besonders sackig? 8)
...Weil's mein Wald ist >:( und ich ständig versuche durch Nachpflanzungen, Eichensaat,Rillen ziehen für 'Anflug' eben solchen Unterwuchs zu schaffen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 27. Juni 2018, 22:55:59
Junge Eichen in Fahrspur
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 27. Juni 2018, 23:04:43
Versuche es positiv zu sehen.  ::)
In manchen verdichteten Sandbodenfahrspuren ist der Bodenkontakt und das Wachstum besser weil mehr Feuchtigkeit drinbleibt.
Schon ärgerlich... 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 27. Juni 2018, 23:07:23
Das hat doch sicher einen netten Brief zur Folge...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 27. Juni 2018, 23:12:14
Versuche es positiv zu sehen.  ::)
In manchen verdichteten Sandbodenfahrspuren ist der Bodenkontakt und das Wachstum besser weil mehr Feuchtigkeit drinbleibt.
Schon ärgerlich... 
ja, ganz verlier ich ja den Humor auch nicht ;)
"Sinnvoller" Weise kreuzen sich die Spuren an einer Stelle sogar ???
Zum Verständnis: es gab hier seit 1000 Jahren keinen Weg!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 27. Juni 2018, 23:15:58
Das hat doch sicher einen netten Brief zur Folge...

 ;)
Mal so ausgedrückt: Ich stehe mit dem Waldbesitzer (der ist okay) und mit der der Firma "in Kontakt" 8)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 27. Juni 2018, 23:25:31
Das hat doch sicher einen netten Brief zur Folge...

 ;)
Mal so ausgedrückt: Ich stehe mit dem Waldbesitzer (der ist okay) und mit der der Firma "in Kontakt" 8)
Einer Wiederaufforstung mit Eichen steht doch nichts im Wege.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 28. Juni 2018, 00:08:02
Ziel ist erstmal die Unterlassung - um nicht noch mehr Schaden und neue Schneisen zu machen.
Kiefernwald sieht meist über Kilometer wie eine Versammlung von Telegraphenmasten aus - da wächst nix dazwischen.
Unterholz zu bilden ist schon eine langwierige Dauerbaustelle über Jahzehnte! Neupflanzungen brauchen Verbißschutz -Drahtgeflecht um Einzelpflanzen (hatten diese auch mal) der viele Jahre lang regelmäßig gerichtet oder erneuert werden muß, da die Wildschweine ihn immer wieder umrennen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Daniel - reloaded am 29. Juni 2018, 14:29:15
Mal eine Frage an die Landwirte: was wird jetzt noch in Wintergetreide gespritzt? Fungizid zur Ährenbehandlung?
Und sind 6 Spritzungen von Ausgang Winter bis jetzt viel oder eher normal?

Ich kenne mich zwar mit Pflanzenschutzmitteln etc aus, bin aber eben Gärtner und kein Landwirt. Und langsam bin ich die Debatten mit Schwiegermutter leid.

Und wenn ich mir überlege, dass in dem Schlag stellenweise viele Disten standen, einiges an Gräsern aufgelaufen war, mindestens 2x Cycocel im Spiel war (ist ja schwer zu überriechen und riecht eindeutig und typisch) und hier etliches an Läusen unterwegs war kommt mir persönlich das soooo furchtbar viel gar nicht mal vor. Man kann ja nicht alles immer zusammenkippen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 29. Juni 2018, 23:18:02
6 Spritzunge erscheinen mir nicht viel - Herbizid gegen auflaufende Unkräuter , Halmbruchkrankheit, Stauchungsmittel, Fusarium, Gelbrost, Blattläuse, Braunrost, ...und dann immer noch was das man noch nicht kennt. 8)
Sollte aber soweit bis Ende Mai abgeschlossen sein.
Leider ist der Landwirt meines Vertrauens derzeit Rentner und im Urlaub :D sonst würd ich zwei Bierchen in die Hand nehmen und mal fragen gehen. ;)
Zur Ernte käme in stark befallenen Beständen noch die Sikkation mit Herbiziden in Frage. Ist nach wie vor dort zulässig, wo anders der Bestand nicht erntefähig wäre.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 30. Juni 2018, 14:54:51
Hier musste dieses Jahr nichts sikkiert (sagt man so?) werden- absolut feine Naturtrocknung.
Es ist (nein war...) wunderbar klar, die Sonne knallt, perfektes Sonnenstichwetter - prima um das Gerstenfeld vor dem Haus zu mähen! Diese Feldstück wird immer! an einem Wochenende gemäht, es ist vergleichsweise überschaubar...
Leider auch eine Wetterlage die das allergische Potential, dass den Stäuben innewohnt extrem verstärkt. Alle paar Jahre haut's mich da völlig weg, sehr unangenehm.
Und kein erlösender Regen in Sicht... :P
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 04. Juli 2018, 22:49:23
Vielleicht hilft das hier bei der Beantwortung einiger Fragen:
https://agrarheute.landlive.de/boards/thread/45594/page/1/

Insbesondere Mischung, Ährenbehandlung (bei dem angeführten Beispiel ist die Nachbehandlung im Juni) und Fusariumproblem.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 08. Juli 2018, 12:20:03
Wenn es trocken ist, ist es trocken, da beißt die Maus kein' Faden ab.
Auch in den großen Kontinentalgebieten Osteuropas wächst dann weniger.
Älterer Artikel dazu.

Gestern sah ich mitten in der sonstigen Steppe ein relativ gut aussehendes Maisfeld. Es ist durchaus nicht so, dass die Bauern hier im mitteldeutschen Trockengebiet nicht wüßten, dass es trocken sein kann. Es gibt allerdings einen Unterschied zwischen trocken und sehr trocken.

Nun - sie werden sich wohl oder übel auf mehr 'sehr trocken' einstellen müssen. Jammern hilft ihnen wenig und die Klima-Erwärmung wird es nicht umkehren.
Bewässern wäre eine Möglichkeit - klappt auch in wesentlich heißeren trockenen Zonen. Und in dem Kontext natürlich auch eine Ressourcenoptimierung - Wasser sammeln in regenreichen Zeiten, wassersparende Bewässerungsmethoden, trockenheitsresistentere Sorten, etc.

Die Entwaldung Mitteleurpas für landwirtschaftliche Zwecke ist in dem Kontext auch nicht hilfreich - Bäume brauchen zwar Wasser, sorgen aber auch für Regen: http://www.faz.net/aktuell/wissen/erde-klima/atmosphaerenchemie-aetherische-oele-aus-baeumen-lassen-wolken-quellen-14257245.html

Passt hier besser als im Wetterthread.

Die Bauern die ich kenne, habe ich noch nie "jammern" gehört. Ich weiß allerdings, das letztes Jahr etliche Betriebe aufgeben mussten.
Aus guten Gründen wird hier in der Gegend sehr häufig Wintergerste angebaut, ebenso Roggen. Triticale ist möglicherweise erst im Versuchsanbau, das weiß ich jetzt nicht.
Es gibt zwei große Institute  die sich mit Pflanzenzüchtung/Forschung/u.a. zur Trockenheitsresistenz befassen, Bayer Cropscience hat sein Weizenzuchzentrum hier.
Die Gegend hier war schon immer trocken und deshalb bis kurz vor der Wende Zentrum der Saatguterzeugung.

In der Forschung geht es eben gerade darum Nahrungspflanzen zu züchten bzw. zu entwickeln(CRISPER) die Trockenheitsstress bessser verkraften.

In der Zeitung war gestern zu lesen, dass es hier 1963 ähnlich trocken war wie dieses Jahr. Es wird sich zeigen ob 2018 eine Ausnahme darstellt wie 1963, oder ob es solche Jahre häufiger geben wird.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 09. Juli 2018, 14:01:17
Gestern sind wir an einem Plakat auf einer Wiese im Schwarzwald vorbeigefahren. Darauf stand, dass die Bauern dort das Land seit Jahrhunderten pflegen und diese Pflege die Natur erhalte.
Deshalb wollen sie keine Windkrafträder.

Vor uns fuhr da gerad ein Traktor auf der Teerstraße, kein Ochsenkarren und auch kein Pferdefuhrwerk mit Kaltblutpferd auf einem ungepflasterten Weg, und auf den Dächern vieler Höfe sieht man Solaranlagen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 09. Juli 2018, 22:59:44
Mal im Vergleich zu Asphaltwegen und Traktoren:
http://www.bi-berken.de/resources/Dimensionen+Windkraftanlagen_.pdf
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 09. Juli 2018, 23:16:36
Hier wird der Windpark bei Sonnenschein und Wind (so wie heute) regelmäßig abgeschaltet. Der Windparkbetreiber bekommt sein Geld trotzdem. Schaut mal auf Eure Stromrechnung.  :D
Aber für die Bauern ist eine Windkraftanlage auf dem Acker ein Bombengeschäft. Wer das Glück hat, zwei Anlagen auf seinen Grundstücken stehen zu haben, braucht nicht mehr zu arbeiten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 09. Juli 2018, 23:36:14
Es sind viele Sachen zu bedenken/betriebswirtschaftlich zu planen, Grundbuch, Verkehrssicherung, Planungskosten, Jagd-, Immissions- Baurecht, Haftpflicht, bis hin zum Entsorgungsverantwortlichen nach Beendigung der Nutzung.
 8) heißes Eisen!!!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Wühlmaus am 09. Juli 2018, 23:45:14
Da lob ich mir die PV- Anlage auf unserem Dach...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 01. August 2018, 07:34:13
Vor genau 100 Jahren, am 1. August 1918, wurden im Deutschen Reich „fleischlose Wochen“ angeordnet. Heute würde man „Veggie Weeks“ sagen. Man wollte die Tierbestände schonen. Wer weiß, wie unsere Supermärkte in diesem Jahr ohne Globalilsierung und moderne Landwirtschaft aussähen. Das Bild ist von heute.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 01. August 2018, 08:38:52
Das sieht wirklich übel aus. Es muss bei Euch um einiges schlimmer sein als in unserer Gegend - und das in der Niederung! Hier ist es in den Niederungsgebieten, auf den tiefer gelegenen Moorböden, noch grün und eigentlich auch wüchsig. Wie lange noch?

Der Dürremonitor zeigt, dass große Teile Brandenburgs weniger von Dürre betroffen sind als andere Gegenden Deutschlands. Deine Ecke gehört leider nicht dazu.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 01. August 2018, 08:49:54
Ich hörte, die Rinderpreise (lebend) seien bereits um etwa 20% gesunken, und die Viehhändler nähmen nicht alles mit was der Landwirt abgeben möchte.

Brauchen wir jetzt eine Kampagne für mehr Rindwurst auf dem Grill?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 01. August 2018, 09:01:25
Lassen sich eigentlich die karten im Dürremonitor vergrößern? ich fand da nichts. So klein sind sie schwierig zu interpretieren.

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 01. August 2018, 09:02:24
Lassen sich eigentlich die karten im Dürremonitor vergrößern?

Nimm die "Tagesaktuellen Vektorgrafiken". Die lassen sich vergrößern.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 01. August 2018, 09:08:20
Danke!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 01. August 2018, 10:45:10
Vor genau 100 Jahren, am 1. August 1918, wurden im Deutschen Reich „fleischlose Wochen“ angeordnet. Heute würde man „Veggie Weeks“ sagen. Man wollte die Tierbestände schonen. Wer weiß, wie unsere Supermärkte in diesem Jahr ohne Globalilsierung und moderne Landwirtschaft aussähen. Das Bild ist von heute.

Vieles war schon mal da - als gute Idee. Ich fand diese Doppelung von guten Ideen/wieder verworfen, vergessen, nicht durchgeführt bei meinen Recherchen zu den Biografien im Helleborus-Buch. So viele hatten gute Ideen mit Sinn und Verstand... z.B. Allee-Bäume pflanzen, um "aufzuforsten" nach den versch.Kriegen in Frankreich Anfang des 19.Jahrhunderts. Ich war immer wieder erstaunt - alles war schon mal da... und wie die Menschen damit umgingen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Secret Garden am 01. August 2018, 12:38:49
Vor genau 100 Jahren, am 1. August 1918, wurden im Deutschen Reich „fleischlose Wochen“ angeordnet. Man wollte die Tierbestände schonen.
Vieles war schon mal da - als gute Idee.

Gegen Ende des 1. Weltkrieges litt die Bevölkerung Hunger und vermutlich wollte man verhindern, dass essbare Tiere aussterben. :-\
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 01. August 2018, 13:53:34
Vor 100 Jahren gab es bedingt durch Krieg und Missernten eine große Hungersnot in Deutschland und Lebensmittel nur auf Karte. 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 01. August 2018, 16:18:07
Ich mag Vegetarier...  ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lord waldemoor am 01. August 2018, 16:47:40
ich mag auch vegetarier, bleibt mehr nahrhaftes gesundes essen für mich
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Secret Garden am 01. August 2018, 16:54:47
Wenn Fleisch und Milch nicht verzehrt würden, gäbe es dmks' hübsche "Vegetarier" gar nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 01. August 2018, 19:28:09
Lecker waren sie trotzdem!
Waren ja auch nicht meine ;) ...also jedenfalls nur teilweise... (ich "back' kleinere Brötchen" - so mit Gänsen, Enten; Hühnern und Kaninchen; insgesamt ist übers Jahr aber auch das Schlachtgewicht eines Bullchens)

Ohne Fleisch und Milch wäre der Speisezettel aber auch ganz schön dünn!!! ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dietmar am 01. August 2018, 20:53:34
Vegetarier essen meinem Futter das Futter weg.  >:(
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 21. August 2018, 12:39:34
Manch ein Discounter hat angekündigt, rund die Hälfte der Schweinefleischprodukte im Haltungskompass von 1 auf 2 umzustellen. 
Parallel dazu sterben immer mehr kleinere Betriebe und die Mast verlagert sich immer mehr zu Großbetrieben oder ins Ausland. Regionales Schweinefleisch wird damit noch seltener werden.
Dem Kunde kanns egal sein, die Regale werden gefüllt bleiben. Oder auswärts essen gehen. Im Restaurant oder Kantine fragt auch keiner nach wo was herkommt.

Umfragezahlen:
Deutschlands Sauenhalter denken ans Aufgeben 
https://www.topagrar.com/news/Schwein-News-Schwein-Deutschlands-Sauenhalter-denken-ans-Aufgeben-9627240.html
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 21. August 2018, 23:17:37
Wer einfach nur billig Hackfleisch kauft muß sich nicht wundern wenn die Tiere auch genau so gehalten werden!

Der Preis an der Theke bestimmt wie die arme Sau zu leben hat.
Klerinbetriebe, wo das Viech noch 'nen Namen hat sind längst ein Auslaufmodell.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 21. August 2018, 23:36:28
Demletzt an der Edeka-Theke: da lacht mich das vakuumierte Stückchen Fleisch mit dem Etikett an, dass ich 3 Tage vorher bei Metro gesehen habe.
Metro kauft billig ein, Argentinien, Fettmaserung usw, Edeka kauft mit oder nach, schlägt was drauf, erzählt was im Prospekt, die lieben Lebensmittel, deutlicher Preisaufschlag im Vergleich zu Metro.
Wie viel besser sind sie doch die Vollsortimenter als die Discounter.

Das man dieses tote Pferd noch reitet, ich habe Mühe das zu verstehen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Waldmeisterin am 21. August 2018, 23:48:44
Wer einfach nur billig Hackfleisch kauft muß sich nicht wundern wenn die Tiere auch genau so gehalten werden!

Der Preis an der Theke bestimmt wie die arme Sau zu leben hat.
Klerinbetriebe, wo das Viech noch 'nen Namen hat sind längst ein Auslaufmodell.

Das ist zu einfach. Ich habe hier fußläufig (was durchaus auch zwanzig Minuten bedeutet) zwei Fleischer und ich habe keine Ahnung, ob die ihr Hackfleisch nicht auch nur beim Großmarkt kaufen. Dennoch ist dort Schlangestehen angesagt und das ganz sicher nicht wegen Dumpingpreisen. Es gibt auch einen Direktvermarkter mit angeblich vertretbaren Haltungbedingungen. Um da hin zu kommen, muss ich allerdings das Auto nehmen, 45 Minuten Fahrrad fahren für ein Pfund Hackfleisch, dazu bin ich zu faul. Deshalb kaufe ich da nur ein, wenn ich eh mit dem Auto unterwegs bin. Auch dort (und nicht bio!) ein voller Laden.

Es gibt sicherlich die "Hauptsache billig" Fraktion, aber so, dass "alle immer billig kaufen wollen" ist es ganz und gar nicht. Vielmehr ist es für einen Städter sogar schwierig, an Fleisch heranzukommen, dass er vertreten kann. Etwa meine Mutter, mittlerweile ziemlich fußlahm ohne Auto, mit sehr bescheidener Rente, würde ihre ca 5kg Fleisch, die sie pro Jahr verbraucht, aus tierschützerisch vertretbaren Quellen  beziehen, ohne beim Aldi blind ins Bioregal zu greifen.
Etwas mehr Initiative (und ich sehe ja, dass das hier oftmals klappt) der Bauern wäre durchaus erfolgversprechend. Also nicht über den Preis jammern, den die Discounter zahlen, sondern andere Wege gehen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 21. August 2018, 23:55:22
Dein Wort in Gottes Ohr!
Natürlich gibt es nicht nur Hackfleischkäufer. Und nicht nur Jammerer unter den Bauern.

...und die Realität dazwischen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Waldmeisterin am 22. August 2018, 00:09:06
womöglich wäre das hier eine Plattform, wo nicht smoothiesaufende Städter, die die mit Kinderwagen durch den Görlitzer Park joggen und gefühlskalte Bauern, die ihr Vieh knöcheltief in der Gülle stehen lassen und über Milchpreise jammern sich gegenseitig bezecken, sondern man einen vernünftigen Mittelweg findet.
Wie gesagt, meiner Erfahrung nach kann das funktionieren  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 22. August 2018, 00:12:27
Ich bin wohl einer mit der Realität dazwischen. Ich mag den Quoller beim anbraten nicht von diversen Hackfleischquellen.
Billigtürke und Edeka liefert was halbwegs vernünftiges aus kochtechnischer Sicht. Ich weigere mich daran zu glauben, über den Endverbraucherabgabepreis könne man was bewegen.
Die entscheidenden Preise ein oder zwei Ebenen darunter haben doch viel mehr Effekt.
Ausweichen fällt mir schwer. Wein wäre eher zu bekommen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Waldmeisterin am 22. August 2018, 00:18:36
ja, aber genau das ist doch das Problem. Dass ein Städter (und davon gibt es ja zum Glück ganz viele, nicht auszudenken, wenn die alle ein Eigenheim mit 1000qm drum auf dem Dorf haben wollten) sich eben nicht ein Schwein beim Bauern aussuchen kann, dass dann in Hausschlachlachtung zu köstlicher Wurst verarbeitet wird.
Ich denke auch, das funktioniert nicht über den Preis, eher über Transparenz (die dann freilich bezahlt werden will).
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 22. August 2018, 00:27:31
Wenn die Leute/Städter selbst schlachten dürften wie früher, gäbe es wohl ähnlich viel Vegetarier wie in Indien.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Waldmeisterin am 22. August 2018, 00:34:01
ach was, der wäre bei den Landeiern genauso. Also ich schlachte wirklich nicht gerne, mach's aber für ein Hühnchen im Topf. Und ich bin überzeugte Städterin  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 22. August 2018, 07:53:38
Hier wird es für die Landwirtschaft eng. Auf den Wiesen ist nur ein Aufwuchs gewachsen und danach nur noch Sauerampfer. Der Mais war ein Reinfall, wobei die Erträge hier fast nie hoch sind. Die Kühe werden mit Heu gefüttert. Unser Bauer hatte zum Glück letztes Jahr so viel Heu gemacht, dass er schon ausgelacht wurde. Viele Flächen wurden nach der Ernte unverzüglich umgebrochen und mit Zwischenfrüchten bestellt. Allerdings keimt im Staub nichts. Vor hundert Jahren hätte so ein Sommer eine Hungersnot bedeutet, vor 50 Jahren stark steigende Preise. Dank der Globalisierung werden wir Endverbraucher von der Dürre weder im Supermarkt noch im Portemonnaie davon etwas bemerken. Evlt. wird die Butter zwanzig Cent teurer.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 22. August 2018, 23:39:47
Dort wo Beregnung liegt wurde gerade wieder Salat gepflanzt oder Frühlingszwiebeln gesäht, der Lauch wird beregnet, Soja daneben verkahlt zunehmend, Mais ist idR vertrocknet.
Bei den Zwiebeln hats Herbizid wegen der Hitze im Frühjahr nichts gebracht, dort steht Gänsefuß oder Melde und etliche vertrocknete Gräser. Die Minizwiebeln muss man aus dem Betonlehm hacken, keinerlei Wachstum mehr.

Bin auf den Raps gespannt, was da als Alternative reinkommt wenns weiter so staubig ist.

Ein Physalisfeld aus dem Auto geknipst ist immernoch grün:
(http://up.picr.de/33636018ij.jpg)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 29. August 2018, 15:24:49
Um mal etwas freudiges zu berichten - und wenn alle mitmachen und jeder einen kleinen, ihm möglichen Beitrag leistet und man fragt und man Hilfe (hier im Forum!!!) bekommt:

Könnt Ihr Euch erinnern - an das vermatschte Maisfeld im letzten Jahr? (kleines Bild zur Erinnerung) Das Jammern um Insektensterben und, und, und?

So schnell lässt sich etwas ändern - unfassbar! Hier die Wiese, wie sie heute aussieht. Deutlich erkennbar die Feuchtstellen - trotz extremer Dürre!!!
Natürlich ist es nun, nachdem der Boden aufgerissen, zerstört und eine "Wiesen"(?)-Mischung gesät wurde, keine feuchte Wiese mehr für Frösche und Lurche, nach diesem Sommer wäre es ohnehin schwieriger gewesen. Dennoch zeigt das Grün den deutlichen Unterschied zum Umkreis.
Dafür aber gibt es jetzt eine unzählige Menge von Insekten. Auch 4 Bienenkästen standen bis vor kurzem am Waldrand.
Neben den fotografierten Insekten und Schmetterlingen gibt es noch extrem viele Großlibellen, leider alle im Flug und sehr schnell. Einen einzelnen Schwalbenschwanz sah ich, natürlich Wildbienen ohne Zahl und eine Menge anderer kleinerer und kleinster Flieger. Es summt unüberhörbar - es ist richtiges Leben erwacht!

Danke für den Rat hier im Forum. Ob ich ohne den Rat hier die richtigen Ansprechpartner gefunden hätte, sei mal dahin gestellt. Ich hoffe für die Zukunft, dass diese Wiese erhalten bleibt, als Brache oder Wiese... oder vlt. sogar zur Feuchtwiese ausgewiesen wird.

Bilder:
2017
(http://up.picr.de/33688690aq.jpg)

2018/August
(http://up.picr.de/33688740um.jpg)(http://up.picr.de/33688741ch.jpg)

(http://up.picr.de/33688742lc.jpg)(http://up.picr.de/33688743az.jpg)

(http://up.picr.de/33688744vc.jpg)(http://up.picr.de/33688745cu.jpg)

(http://up.picr.de/33688746ru.jpg)(http://up.picr.de/33688747fd.jpg)

(http://up.picr.de/33688748vw.jpg)(http://up.picr.de/33688749xs.jpg)

(http://up.picr.de/33688774xa.jpg)(http://up.picr.de/33688776xh.jpg)



Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: mavi am 29. August 2018, 20:28:03
Das ist wirklich eine gute Nachricht, toto. Ich kann mich noch dunkel an die Lage letztes Jahr erinnern. Schön zu lesen, dass auch mal etwas eine positive Entwicklung nimmt, selbst wenn es zwischendurch nicht so aussah.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 31. August 2018, 23:01:14
Natürlich ist es nun, nachdem der Boden aufgerissen, zerstört und eine "Wiesen"(?)-Mischung gesät wurde, keine feuchte Wiese mehr für Frösche und Lurche, nach diesem Sommer wäre es ohnehin schwieriger gewesen. Dennoch zeigt das Grün den deutlichen Unterschied zum Umkreis.
Dafür aber gibt es jetzt eine unzählige Menge von Insekten.

Von diesen Bienen/Insekten unterstützenden Grünmischungen gibt es zahlreiche Varianten. Haben alle kommerziellen Saatgutanbieter im Programm, je nach Standort oder Aussaatzeit passend.
Egal - Ich gratuliere! :D Die Senke ist gerettet, der Landwirt hat sich da auch echt Mühe gegeben (ob aus Einsicht oder Auflage sei dahingestellt) und wenn ihr es jetzt noch hinkriegt Euch auf Augenhöhe zu grüßen kriegt ihr beide 'nen Orden!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 31. August 2018, 23:07:39
Das mit grüßen wird wohl eher nix. Wer seine Leute derart kontrolliert und beobachtet... wie er das macht... ich weiß nicht... Zeugt nicht grad von guter Arbeitsatmosphäre. Außerdem ist das der, dessen kaputten Feldstreifen ich hinterm Haus hier mal zeigte. Mittlerweile nutzen sie das totgespritzte Stück, wo kaum/kein Korn wuchs - als Zwischenparkplatz für ihre Maschinen, ... ohne Worte.

Die Wiese wurde nur mit Auflage gesät - ob das so bleibt... bleibt zu hoffen. Wenn ich mal wieder Langeweile habe ( ;D ;D ;Dwann???  ;D ;D ;D) werde ich einen Antrag bei irgendeiner Naturschutzbehörde stellen... auf Feuchtwiese, vlt. klappt das ja ;-)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 31. August 2018, 23:29:21
Das mit grüßen wird wohl eher nix. Wer seine Leute derart kontrolliert und beobachtet... wie er das macht... ich weiß nicht... Zeugt nicht grad von guter Arbeitsatmosphäre.

Der Feuchtwiese ist's egal ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 31. August 2018, 23:46:28
Stimmt... nur weil Du erhofftest, dass wir "Freunde" werden ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 31. August 2018, 23:52:19
 ;D Nicht wirklich 8)



...bleib bitte dran! ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 04. Januar 2019, 19:49:26
Mal langfristig ;)  auch wenn's regional ist - für jeden den es interessiert:
http://www.gut-neusacro.de/de/aktuelles-vom-gut/aktuelle-veranstaltungen/artikel-6-kulinarische-feldwanderung.html
http://www.gut-neusacro.de/de/aktuelles-vom-gut/aktuelle-veranstaltungen/artikel-4-pfingstnelken-blueten-tour.html
http://www.gut-neusacro.de/de/aktuelles-vom-gut/aktuelle-veranstaltungen/artikel-brandenburger-landpartie.html
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: oile am 08. Januar 2019, 19:17:32
Danke für den Link!  :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rib-isel am 18. Januar 2019, 23:47:25
Habt ihr das mitbekommen? Wir werden alle sterben und der Schuldige ist nun die Landwirtschaft, da sie Ammoniak emittiert welches somit sekundäre anorganische Aerosole (SIA) in Form von Ammoniumsulfat und Ammoniumnitrat bildet. Diese Salze werden nun als Feinstaub klassifiziet...  (Man, muss die Meeresküste ein ungesunder Ort sein)
Schuld für diese Hysterie ist der Bericht von Monitor. Demnach, bzw nach der zitierten, bisher unveröffentlichten Studie, ist die Landwirtschaft  für 40% des Feinstaubs und somit für 114000 Todesfälle pro Jahr in Deutschland verantwortlich. Warum die Menschheit in dem kleinbäuerlichen Stadium des Mittelalters nicht eingegangen ist, bleibt von der Studie unbeantwortet. Gut dass wir nun wissen, dass das Problem in den Städten nicht von den Autos oder Laserdruckern kommt, sondern von dieser vermaledeiten Landwirtschaft.  ;D

Man, bin ich froh wenn diese Sau durch's Dorf getrieben wurde  ::)


https://www.iass-potsdam.de/sites/default/files/files/online_factsheet_ammoniak.pdf
https://www.tagesschau.de/inland/feinstaub-landwirtschaft-101.html
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 18. Januar 2019, 23:56:51
Man sollte Katzenhaltung auch mal unterm Aspekt des Klimaschutzes betrachten. Das, was im Katzenklo so unangenehm riecht, ist zum guten Teil Ammoniak.  :-\

Ich habe heute schon gesucht, ob es nähere Informationen gibt. Dabei fand ich das:

Zitat
Die Mainzer Studie ist noch nicht als begutachteter Artikel in einem Fachjournal erschienen. Das MPI wollte auf Anfrage weder Einblicke in die Studie geben, noch Fragen dazu beantworten. Das macht eine Einschätzung der Untersuchung schwierig. Auch das Umweltbundesamt in Dessau wollte sich nicht dazu äußern, weil die Studie noch nicht im Detail bekannt sei.

Quelle

Ich finde es übrigens guten Journalismus, bei überraschenden Meldungen zu hinterfragen und schlechten Journalismus, reißerische Schlagzeilen nachzuplappern.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rib-isel am 19. Januar 2019, 00:52:24
Was mir noch nicht in den Kopf gehen will ist, wie man diese, meist wasserlöslichen Ammoniumsalze; und Ammoniumsulfat sowie Ammoniumnitrat sind gut Wasser löslich, als Feinstaub bezeichnen kann? Denn diese sind selbst als Aerosol zu 100% in kleinen Wassertröpfchen gelöst. Daher mein ironischer Vergleich mit der Meeresküste. Nach Wiki ist das Meer mit seinem Salz eine große Feinstaubquelle.

Diese Salzbestandteile lassen sich auch gut vom menschlichen Körper verarbeiten. Wie ist das nun mit Mineralfasern, Kunststoffen und Ruß vergleichbar?

Nur weil man die Definition von Feinstaub recht grob gezogen hat, kann man doch nicht alle Bestandteile in ihrer toxizität gleichsetzen.


Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 19. Januar 2019, 08:54:21
Kann es sein, dass Deine Gedankengänge ketzerisch sind?  >:(
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: oile am 19. Januar 2019, 08:57:16
Man sollte Katzenhaltung auch mal unterm Aspekt des Klimaschutzes betrachten. Das, was im Katzenklo so unangenehm riecht, ist zum guten Teil Ammoniak.  :-\

Ich habe heute schon gesucht, ob es nähere Informationen gibt. Dabei fand ich das:

Zitat
Die Mainzer Studie ist noch nicht als begutachteter Artikel in einem Fachjournal erschienen. Das MPI wollte auf Anfrage weder Einblicke in die Studie geben, noch Fragen dazu beantworten. Das macht eine Einschätzung der Untersuchung schwierig. Auch das Umweltbundesamt in Dessau wollte sich nicht dazu äußern, weil die Studie noch nicht im Detail bekannt sei.

Quelle

Ich finde es übrigens guten Journalismus, bei überraschenden Meldungen zu hinterfragen und schlechten Journalismus, reißerische Schlagzeilen nachzuplappern.

Ob Monitor nur nachgeplappert hat, wird noch festzustellen sein. Ein bisschen erstaunt bin ich darüber, dass das MPI seine unveröffentlichte Studie überhaupt komplett zur Einsicht Monitor überlässt.

Dennoch könnte man ja zumindest in Betracht ziehen, dass was dran sein könnte.

Übrigens: Feinstaub
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 19. Januar 2019, 09:24:35
Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass wasserlösliche Ammoniumsalze oder Meersalz einen nachweisbaren schädlichen Effekt auf die Gesundheit haben.

Formal fallen solche Partikel halt in die Definition von PM10. PM10 bedeutet  - vereinfacht  - Partikel mit einer Größe von höchstens 10 Mikrometern.
Massgeblich in gesetzlicher Hinsicht ist allein die Partikelmasse in dieser Größenfraktion, nicht deren chemische Zusammensetzung, Löslichkeit, Oberfläche oder genauere Größe.

Feinstaub besteht aber aus sehr heterogenen Mischung von Partikeln.
Zahlenmäßig dominieren vor allem in Städten sehr feine Partikel, die aus Verbrennungsprozessen bestehen, Stichwort Dieselruß.
Massenmäßig entfällt im PM10 aber sehr viel auf die viel größeren Partikel aus Reifenabrieb und aus aufgewirbeltem Bodenstaub.

Gesundheitlich am schädlichsten sind sehr feine und zugleich schwer lösliche Partikel, wiederum Stichwort Dieselruß, aber natürlich auch Feinpartikel aus anderen Verbrennungsvorgängen.


Schädlich sind die hohen Ammoniumemissionen und die daraus hervorgehenden Stäube eher für empfindliche Ökosysteme auf nährstoffarmen Böden. Die werden dadurch merklich aufgedüngt.


P. S.

Die Untersuchungen zur Schädlichkeit von Feinstaub wurden in Städten durchgeführt. Dabei wurden entweder Städte mit unterschiedlich hoher Feinstaubbelastunb verglichen oder Veränderungen der Feinstaubbelastung in den jeweilgen Städten über lange Zeiträume untersucht.
Dabei zeigen sich klare Zusammenhänge: Je mehr Feinstaub, desto mehr Erkrankungen und desto kürzer die Lebenserwartung.
Man lann diese Erhebnisse heranziehen, um abzuschätzen, welche Auswirkungen Feinstaubbelastungen in anderen, nicht untersuchten Gebieten haben.
Das wird seit langem gemacht, ich selbst war auch schon an solchen Studien beteiligt.
Voraussetzung für solche Abschätzungen ist aber, dass der Feinstaub in meiner Studie eine einigermaßen ähnliche Zusammensetzung aufweist wie in der Studie, der ich die Wirkung entnehme.
Bei Vergleichen von städtischen Belastungen ist das einigermaßen erfüllt. Aber die Übertragung auf Gebiete mit ganz anderer Feinstaubzusammensetzung ist zumindest sehr problematisch bis fraglich, um es vorsichtig auszudrücken.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 19. Januar 2019, 09:39:30
Ich habe auch gestaunt, als ich auf den backfrischen ARD-Beitrag gestoßen bin.

Ich stelle die Relevanz des Themas und die Bedeutung landwirtschaftlicher Emissionen nicht in Frage, zumal das MPI durchaus die verschiedensten Belastungsquellen bewertet und dargestellt hat. Was mich am meisten verwundert, ist, dass das gerade jetzt aus dem Hut gezogen wird, obwohl die grundsätzliche Erkenntnis dazu mehr als drei Jahre alt ist:

MPI: More deaths due to air pollution

(übrigens durchaus veröffentlicht: Publikation (Nature 525, p. 367–371, 2015))

Demnach sollen die Belastungen aus der Landwirtschaft, gerade auch in Deutschland, ein Vielfaches dessen aus dem Kraftverkehr betragen.

Auf mich wirkt das, als hätte es in den vergangenen Jahren nicht gut gepasst, um die heiße Diskussion um die Dieselabgase nicht zu überlagern/einzuschläfern.  ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 19. Januar 2019, 09:42:53
Nach der enthaltenen Karte ist Brandenburg ein kleiner Hort der kaum verschmutzten Glückseligkeit in einer verdreckten Wüste.
Der Landschaft hier sieht man das  nicht an. Die ist, innerhalb und außerhalb der Landwirtschaftsflächen, meistens gut aufgedüngt.  :-X
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: oile am 19. Januar 2019, 09:42:59
Ich habe hier noch was vom Umweltbundesamt aus dem Jahr 2014 gefunden.  klick.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 19. Januar 2019, 09:49:47
Da wird zu Recht auch vor allem auf die Umweltauswirkungen hingewiesen.

Ich stimme lerchenzorn zu, die Frage ist berechtigt.
Allerdings kenne ich solche Vergleiche in dem Zusammenhang, dass damit die Bedeutung von Dieselruß relativiert werden soll.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 19. Januar 2019, 09:53:31
Ob Monitor nur nachgeplappert hat,

Das meinte ich gar nicht. Monitor ist irgendwie an Ergebnisse dieser Studie gekommen und hat darüber einen Beitrag gemacht. Das ist in Ordnung. Ich meinte die anderen, die unkommentiert auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind. Die Pharmazeutische Zeitung war nach meiner Übersicht die einzige, die versuchte, den Beitrag zu hinterfragen. Sie ist an mangelnden Informationen gescheitert  und schreibt dies auch.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: wallu am 19. Januar 2019, 09:56:20
Schuld für diese Hysterie ist der Bericht von Monitor. Demnach, bzw nach der zitierten, bisher unveröffentlichten Studie, ist die Landwirtschaft  für 40% des Feinstaubs und somit für 114000 Todesfälle pro Jahr in Deutschland verantwortlich.

Ja, die 300000 Tote pro Jahr tauchen immer wieder auf. Ich kann mich an einen sehr ausführlichen Beitrag im WDR vor einigen Monaten erinnern (Quarks & Co). Da haben sie diese Zahl unter die Lupe genommen. Ergebnis (wenn ich mich richtig erinnere): Die Zahl ist der Mittelwert von diversen mathematischen Berechnungen und basiert nicht auf "gemessenen" Todesfällen. Besonders interessant war jedoch: Die 300000 Toten sterben je nach Modell einige Monate bis 19 Minuten (!) früher als sie es ohne den Feinstaub täten  :o.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 19. Januar 2019, 10:45:57
Zitat
Die in den Studien zum Feinstaub und zum NO2 gefundene Risikoerhöhung ist einfach dadurch zu widerlegen, dass man die inhalierten Dosen mit denen der Raucher vergleicht (18). Die vielen Millionen Inhalationsraucher stellen sozusagen einen inhalationstoxischen Großversuch dar. Das ist eine große Besonderheit, denn bei anderen Umweltrisiken wäre eine solche Untersuchung unethisch. Die EU hat für Deutschland durch Feinstaub eine Lebenszeitverkürzung von 10,2 Monaten errechnet (19); 6 000 Tote kommen durch NO2 hinzu (15). Vergleicht man lebenslang inhalierten Feinstaub und NO2 mit den inhalierten Dosen der Raucher, so müssten diese nach wenigen Wochen alle sterben, was offensichtlich nicht der Fall ist. Zudem ist der Zigarettenrauch noch ungleich toxischer. Damit ist die These einer Risikoerhöhung von Feinstaub und NO2 in den Grenzwertdosen falsifiziert.


Quelle


Ich kann das nicht beurteilen. Vertraue aber meinem Arzt oder Apotheker in aller Regel.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 19. Januar 2019, 10:48:19
@wallu
Natürlich sind das berechnete und nicht "gemessene" Todesfälle.
Wie sollte das auch anders gehen?

Wenn ein Mensch an Lungenkrebs erkrankt, kann man auch nicht mit Sicherheit sagen, was die Ursache war.
Wenn er Raucher ist, können wir aber sagen, dass dadurch die Wahrscheinlichkeit, diesen Krebs zu bekommen, sehr viel höher ist als bei einem Nichtraucher.

Und wenn wir eine genügend große Gruppe von Rauchern und Nichtrauchern vergleichen, können wir herausfinden, dass Raucher ein etwa 10 mal höheres Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken als Nichtraucher.

Was die Lebenszeitverkürzung angeht: Rauchen als die bei weitem stärkste Noxe, die wir in der Allgemeinbevölkerung kennen, führt zu einer auf die Gesamtbevölkerung bezogenen Verkürzung der Lebenserwartung um ein bis zwei Jahre.
Im Vergleich dazu sind ein paar Monate durch Feinstaub schon bemerkenswert und durchaus relevant. 

Und bei rechnerischen "nur ein paar Minuten": Man kann das für irrelevant halten. Wenn man das tut, kann man aber konsequenterweise jeden gesundheitlichen Verbraucherschutz gegenüber Chemikalien ersatzlos streichen.
Weichmacher in Plastik, Dioxin in Eiern, Mineralöl in Lippenstift, endokrine Disruptoren in Sonnenschutzmitteln  - kannste alles vergessen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Rib-isel am 19. Januar 2019, 11:21:48
Mir zwicks, dass eben hier die Medien den Feinstaub über einen Kamm ziehen. Ja Feinstäube sind problematisch aber nur weil gewisse Salze in diese Klassifikation passen, kann man das nicht gleichsetzten.
Und da ist doch das Problem. Wenn nicht jeder in der Lage ist zu differenzieren, dann sollte man doch vorsichtiger mit gewissen Anklagen sein. Jetzt hacken alle auf die Schweinemäster und Co drauf herum, nur weil eine Sendung eine unfertige Studie liest, ohne vielleicht die Disskossion dieser Studie mitgenommen zu haben.

Ohh, wir dürfen uns nicht mehr am Kopf kratzen, dass verursacht Feinstaub. Wie viele tausend Menschen wohl an zerebrovaskuläre Insuffizienz und koronare Herzkrankheiten, verursacht von Hautschuppen starben?

Das die Landwirtschaft nicht vollkommen unschuldig ist, wenn man diesen Ausdruck mal so nehmen kann, ist klar. Als vollkommen unbedenklich kann ich das nicht nennen, wenn jemand hinter einem 200 PS Schlepper (AdBlue Anlage ist abgeknipst, machen die LKW-fahrer ja auch gerne), der gerade mit einem Feldgrubber einen staubtrockenen Acker bearbeitet, hinter her läuft.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lord waldemoor am 19. Januar 2019, 11:39:54
ot, ich habe in einem raum einen schwedenofen, dort halte ich mich meistens auf, wenn mein bruder kommt, meint er immer, wie kannst du diesen feinstaub aushalten??
ES RAUCHT  schon bissl wenn ich holz nachlege, ist das wirklich ungesund?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 19. Januar 2019, 12:00:04
ot, ich habe in einem raum einen schwedenofen, dort halte ich mich meistens auf, wenn mein bruder kommt, meint er immer, wie kannst du diesen feinstaub aushalten??
ES RAUCHT  schon bissl wenn ich holz nachlege, ist das wirklich ungesund?

Ich hatte mal einen Hund, der jedesmal - wenn wir in die Stadt fuhren - extreme Husten-und Niesanfälle bekam - kurz nach Ortseingang. War das der böse Feinstaub? Der Hund wurde 12,5... wir waren auch nicht so oft in der Stadt ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 19. Januar 2019, 23:47:08
ES RAUCHT  schon bissl wenn ich holz nachlege, ist das wirklich ungesund?

Ja, daran sind unsere Vorfahren, die Urmenschen ausgestorben! ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: toto am 20. Januar 2019, 01:45:49
ES RAUCHT  schon bissl wenn ich holz nachlege, ist das wirklich ungesund?

Ja, daran sind unsere Vorfahren, die Urmenschen ausgestorben! ;)

 ;D ;D ;D ;D ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lord waldemoor am 20. Januar 2019, 10:23:54
eigentlich raucht es immer bissl, das türl schließt nicht ganz
vermutlich sind manche urahnen ausgestorben weil sie im feuer lagen ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 20. Januar 2019, 12:00:22
Thema Gülle,
es gibt große Probleme mit dem Grundwasser durch Eintrag von Nitrat, dasselbe bei Oberflächenwasser, Flüssen,
eine Folge der Massentierhaltung. Das muß sich ändern.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 20. Januar 2019, 12:25:05
Aus Gülle lässt sich ganz gut Strom herstellen. Rentiert sich sicher nur auf größeren Höfen, auf denen genug anfällt bzw. die Gülle, die nicht gebraucht wird, muss eben statt auf den Acker in eine solche Anlage gebracht werden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 21. Januar 2019, 19:36:33
Thema Gülle,
es gibt große Probleme mit dem Grundwasser durch Eintrag von Nitrat, dasselbe bei Oberflächenwasser, Flüssen,
eine Folge der Massentierhaltung. Das muß sich ändern.

Die neue Gülleverordnung (Düngeverordnung) von 2017 ist nochmal ein Schritt dagegen.
https://www.praxis-agrar.de/pflanze/artikel/die-neue-duengeverordnung/
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 21. Januar 2019, 19:49:38
In den Gülleregionen keine Folge der Massentierhaltung, sondern der flachgründigen Böden. Hat auch seinen Grund warum es Tierhaltungsregionen sind und nicht Weinbau oder was anderes, womit sich gut Geld verdienen lässt.

Hier in der Vorderpfalz, Gülle ist so gut wie kein Thema, es gibt hier kaum Vieh, aber trotzdem ordentlich Nitrat im Grundwasser. Nicht nur wegen der Dörfer und Städte, sondern auch wegen des Gemüsebaus. Salat will bis zur Ernte Stickstoff sehen, den kann man nicht wie Weizen düngen. Es bleibt also ab und an nach der Ernte nichts was den Reststickstoff aufnehmen könnte. Die Bauern helfen sich auch schon damit Erntereste nicht auch noch zusätzlich einzuarbeiten, sondern sammeln sie zentral. Das wird auf Dauer wohl Nitrat reduzieren, aber auch den Humus im Boden.
Stickstoff ist eigentlich ein recht komplexes Thema und sollte nicht auf Phrasen wie Massentierhaltung reduziert werden. 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 21. Januar 2019, 20:36:48
In den Gülleregionen keine Folge der Massentierhaltung, sondern der flachgründigen Böden. Hat auch seinen Grund warum es Tierhaltungsregionen sind und nicht Weinbau oder was anderes, womit sich gut Geld verdienen lässt.
...

Kannst Du die zwei Sätze bitte noch einmal erklären. Ich versteh nicht, was Du da geschrieben hast.

Es scheint nicht umstritten zu sein, dass in den Gebieten mit den größten Viehzahlen auch die größten N-Mengen auf die Flächen kommen, egal ob es flach- oder tiefgründige Böden sind. Einen Boden in nordwestdeutschen Lockergesteinslandschaften würde ich auch nicht per se als flachgründig ansehen.

Zur neuen Düngemittelverordnung (2017): Die bei der Ausbringung zu Gewässern einzuhaltenden Abstände bleiben minimal. Ein einziger Meter im ebenen Gelände. Das heißt für die ggf. nährstoffsensible Ufer- und Gewässervegetation, dass sie fortwährenden Eutrophierungen ausgesetzt bleibt. Selbst bei nur gelegentlichen Abweichungen vom unterstellten Idealfall einer hochgradig exakten N-Ausbringung ist das für die oft winzigen Landschaftselemente der Agrarlandschaft ein harter Schlag. Zumal sie in aller Regel keinerlei Pflege erfahren, die solche Nährstoffeinträge abschöpfen könnte.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 21. Januar 2019, 20:43:55
So gering finde ich das garnicht.
"bei einer Hangneigung von weniger als zehn Prozent muss der Abstand zu Gewässern und Nachbarflächen mindestens vier Meter beziehungsweise ein Meter bei Exaktausbringung betragen
bei einer Hangneigung von mehr als zehn Prozent ist ein Mindestabstand von fünf Metern einzuhalten; in einem Abstand von fünf bis 20 Metern zur Böschungsoberkante des Gewässers ist eine Düngung auf unbestelltem Ackerland nur bei sofortiger Einarbeitung erlaubt."
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 21. Januar 2019, 22:25:27
Doch. In der Nähe nährstoffsensibler Lebensräume, und das sind die meisten Gewässer, finde ich das sehr gering, auch die 4 m. (Hat jemand einen Überblick, in welchem Anteil heutzutage "exakte" und "nicht exakte" Ausbringung stattfinden?)
Ich will damit nicht sagen, dass ein Düngungsverzicht auf wenigstens 10 m entlang von Ufern für den Landwirt ohne Ausgleich bleiben soll. Dass aber eine solche Einschränkung bitter nötig wäre, davon bin ich überzeugt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Dornroeschen am 21. Januar 2019, 23:17:05
es gibt große Probleme mit dem Grundwasser durch Eintrag von Nitrat, dasselbe bei Oberflächenwasser, Flüssen,
eine Folge der Massentierhaltung.
Die Nitratbelastung kommt aus der Landwirtschaft, kann man hier lesen, Gemüsekulturen, Tierhaltung...etc.
https://www.umweltbundesamt.de/faqs-zu-nitrat-im-grund-trinkwasser#textpart-1
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 22. Januar 2019, 09:29:23
Zu dem UBA-Schrieb sollte man auch das lesen: https://www.agrarheute.com/land-leben/nitrat-grundwasser-steht-wirklich-uba-studie-535364

@lerchenzorn: exakte Ausbringung bei Gülle: dem Prallteller gings an den Kragen. Und dann ist das wie bei den Gärtnern: auch die Bauern ticken unterschiedlich. Düngerstreuer bis zur Grenze oder 1-2m drüber das der Rand nicht unterdüngt ist, 2 verschiedene Philosophien.

Zitat
Kannst Du die zwei Sätze bitte noch einmal erklären. Ich versteh nicht, was Du da geschrieben hast.
Die Grundwasserwerte sind Folge der Grundwasserüberdeckung und Historie der Bewirtschaftung. 8 Jahre sind bei Stickstoff ein Zeitraum, in dem nicht viel passiert wenns eine Änderung gab. Wenn man also vor 40 Jahren rumgesaut hat und die Grundwasserkörper gut durchlüftet sind, also der Stickstoff eher als Nitrat denn als Ammonium drin vorkommt, dann sind sowas schonmal gute Kandidaten fürs Belastungsmessnetz.

Für die Gewässer sind die jetzigen Stickstoffmengen nicht der große Punkt, Phosphat treibt das Algenwachstum deutlich mehr in die Höhe. Auch zunehmende Verbuschung der Gräben bedeutet einen beachtlichen Nährstoffeintrag, schlechtere Durchmischung durch Wind usw. Das macht aktuell häufiger Probleme als die Stickstoffgehalte.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 23. Januar 2019, 17:47:41
Es geht doch nicht allein um die im Wasser lebenden Artengemeinschaften, sondern vor allem auch um terrestrische und semiterrestrische Uferlebensräume. In den spielt Stickstoff in der oben beschriebenen Art der Landnutzung weiterhin eine verheerende Rolle. Menschliche Gewohnheiten und Philosophien hin oder her, gerade deshalb muss eine rechtliche Regelung wie die Düngemittelverordnung auf Schwächen eingehen und Vorsichtsmaßstäbe enthalten. 1 bis 4 m sind einfach ein Witz und genau so sehen die Biotope in der Agrarlandschaft eben oft auch aus.

Über die hochgedüngten, überständigen Biomassen der Ackerränder an Gewässerufern gelangen dann eben auch noch genug organische Stoffe in die Gewässer selbst, die wegen ihrer geringen Größe kaum Puffervermögen haben.

Zum Ausgangspunkt: die Güllewirtschaft ist ganz sicher kein Segen für die Landschaft.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 23. Januar 2019, 19:32:13
Ich habe hier ein Buch über Pflanzenernährung rumliegen, schon etwas älter, 1933 etwa, in fast dem kompletten Buch geht es um Güllewirtschaft, Mistwirtschaft, Kompostwirtschaft, sprich: Humuswirtschaft.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Januar 2019, 19:58:57
Die Verwertung in Biogasanlagen nimmt zusätzlich etwas Druck raus - trotzdem bleibt natürlich Gülle bzw. Gärrest ein wertvoller aber umstrittener Dünger; wobei jeder von uns der Fleisch isst oder Hund bzw Katze hält seinen mehr oder minder großen Anteil daran hat ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 03. Februar 2019, 20:47:24
Mal eine andere Geschichte aus der Kartoffelernte:
Manchmal kämpfen Bauern auch mit echten Kampfmitteln... 8)

https://www.lr-online.de/lausitz/forst/suche-nach-munition-in-forst-geht-weiter_aid-35267539
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Februar 2019, 18:38:03
https://www.lr-online.de/lausitz/forst/buendnis-tierfabriken-widerstand-kritisiert-vergroesserung-der-anlage-in-neu-sacro_aid-36773803

Ich habe mir an einem Aktionstag diese Ställe angesehen, auch von innen. Sie können sich frei bewegen, haben Liegeboxen mit Stroh, keine Spaltenböden (automatische Mistungsanlage) und Massagebürsten.
Der Artikel wirft für mich aber nochmals die Frage auf: Ab wann ist etwas "Massentierhaltung"?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Februar 2019, 18:59:52
10 Kühe sind auch schon eine "Masse"...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 24. Februar 2019, 19:03:19
Vor allem, wenn sie in einem kuschlig-traditionellem Bauernhof in einen uralten, dunklen und engen Stall gesperrt sind.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Februar 2019, 19:10:15
Noch mit Hand gemolken in der Früh und Mist mit Gabel raus...

Und heute? Gehen sie wenn sie Lust haben zum Roboter, der wäscht das Euter fein, reicht Leckerli, massiert und melkt....(manchmal stehen sie dort Schlange, sehr geduldig)... und manche der Damen wollen ihn austricksen und gehen mehrmals hintereinander(um Leckerli abzufassen)... aber der Kerl merkts...tja...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Februar 2019, 19:22:41
Naja, aber hier soll von 625 auf 850 Kühe erweitert werden - in drei nebeneinander liegenden Stallanlagen plus dazugehörigem Kälberstall. Definitiv eine große Anlage.
Ist das dann "Masse" oder nicht. Worüber sollte man das definieren?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 24. Februar 2019, 19:28:43
Fr. Klöckner hat demletzt mal gesagt 40 Kühe wären in der Pfalz schon viel.

Wenn mir eine einzige auf den Fuß tritt ist das auch schon eine recht große `Masse´. Vielleicht gehts den `Tierschützern´ eher darum sowas zu verhindern.

Bei 40 Kühen, da muss das Geld auch von woanders her herkommen. Muss nicht reichen für einen Urlaub, man hat eh keine Zeit dazu, aber zum Leben. Vertragsnaturschutz statt Landwirtschaft oder Biokäufer abzocken?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Februar 2019, 19:30:07
Ist die Frage nicht eher, ob es den Kühen gut geht, unabhängig davon wie viele es nun sind?

Hier war heute die bäuerliche Jugend zum Kaffeetrinken reichlich vertreten. Man unterhielt sich über Rinderhaltung hier und in Australien sowie über die Schafhaltung in Neuseeland. Die lange Zeit dort arbeitend unterwegs Gewesenen gaben allerlei Geschichten zum besten, (nichts für zarte Gemüter würde ich sagen...) man kam zu dem Schluss, das die hiesigen Regelungen bezüglich des Tierwohls sehr gut sind...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Februar 2019, 19:35:08
Trotzdem ist der Bio-Anteil am Verbrauchermarkt 2016 erstmals über die "5%-Hürde" geklettert! Und bei dieser Berechnung geht es um Euro...nicht um Kilo.
Das sind, mal aufgerechnet für jeden Bundesbürger 1,5 Tage im Monat Essen "BIO"
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Februar 2019, 19:37:05
Ach Biobauern haben hierzulande große Herden...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Februar 2019, 19:44:30
Diese Stallungen (im Zeitungsartikel) und Haltungsform sind natürlich nicht Bio - hab aber mal per Luftbild vermessen und komme auf etwa 17m² pro Kuh.
Den Futtergang und technische Einrichtungen mal abgezogen sollte es aber für jedes Tier noch der Fläche eines Kinderzimmers (im geförderten Wohnungsbau 10m²/sozialer Wohnungsbau 12m²) entsprechen. ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Februar 2019, 19:55:29
Ich muss direkt mal nachfragen, was die Unterschiede zwischen modernen konventionellen und modernen Bioställen sind - als Laie sehe ich da keinen - die Einrichtung solcher modernen Ställe ist im Prinzip gleich. ???
Die Unterschiede liegen evtl. beim Platzangebot und sicher bei Fütterung und Weidegang.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 24. Februar 2019, 19:55:42
Obs den Kühen gutgeht ist trotzdem unabhängig von Bio.
Und dann bleibt die Frage wieviel Quadratmeter Futterproduktionsfläche jeder Kuh zusteht und wie es dort und drumrum aussieht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Februar 2019, 20:20:50
Hab jetzt keine konkreten Zahlen - denke aber daß die Flächen dieses Betriebes bei über 2.000 Hektar liegen. Sieht hierzulande so aus:
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 24. Februar 2019, 20:22:45
Wäre in der Pfalz undenkbar, viel zu weitläufig.

Ist das noch ein LPG-Erbe?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Februar 2019, 20:45:39
Ja, die hiesigen größten 3 Agrarbetriebe sind aus ehemaligen LPG's hervorgegangen, haben teils unterschiedliche Strategien verfolgt; aber auch in bestimmten Punkten als 'ARGE' (Arbeitsgemeinschaft) zusammengearbeitet.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Februar 2019, 21:23:20
Ich muss direkt mal nachfragen, was die Unterschiede zwischen modernen konventionellen und modernen Bioställen sind - als Laie sehe ich da keinen - die Einrichtung solcher modernen Ställe ist im Prinzip gleich. ???
Die Unterschiede liegen evtl. beim Platzangebot und sicher bei Fütterung und Weidegang.

Und in der (kostenpflichtigen) Zertifizierung ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 24. Februar 2019, 21:39:01
Es gibt ja nicht wirklich viel Tierhaltung in der Pfalz. Es werden auch kaum noch neue Ställe genehmigt wenn den überhaupt klar ist, wie die aussehen sollen. Die Dörfler wollen sowas nicht mehr im Dorf haben, Bürgermeister will wiedergewählt werden, basta.

Es gibt aber auch Ausnahmen, bei denen Rinder neben der Fleischproduktion auch zur Pflege von Magerstandorten eingesetzt werden. Vielleicht wäre sowas auch in Brandenburg denkbar.
https://www.oekolandbau.de/verbraucher/demonstrationsbetriebe/demobetriebe-im-portraet/rheinland-pfalz/galloway-zucht-am-adelberg/
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Februar 2019, 21:51:10
 :D Klar!
Haben auch schon Auerochsen hier!
http://www.dissen-striesow.de/seite/11610/spreeaue.html
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 24. Februar 2019, 22:47:02
Vattenfall, der Klassenfeind als Starthilfe weil noch Vermarktungswege fehlen?
Zitat
Der Kot der Tiere ist die Basis für eine ganze Nahrungspyramide, für seltene Vogel- und Fledermausarten.
Habe übrigens die Tage dem Rhabarber Gülle spendiert. Vom Huhn. Mit ordentlich Ballaststoffen drin. Irgendwann hab ichs hoffentlich den Kleingärtnern hier mal beigebracht das sowas über den Weg von den Geflügelzüchtern mit dem Schubkarren holen besser ist als Rinderdungpelltes mit dem Auto kaufen. Mein Garten liegt direkt an einem Eingangstor. Ich werde wohl öfters dem Rasen etwas gönnen, ohne einregnen. Das man sich wieder an den Duft gewöhnen kann, der zahlreiche Insekten anlockt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 26. Februar 2019, 20:40:48
Vattenfall, der Klassenfeind als Starthilfe weil noch Vermarktungswege fehlen?

Ja klar, die Bergbaufirmen kassieren riesige Flächen ein - mehrere tausend Hektar - die dann erst viele Jahre später wieder (und nicht in gleicher Qualität) zur Verfügung stehen. Fläche ist das Hauptproduktionsmittel der Landwirtschaft. Da ist Kooperation gefragt und muß das Bild wenigstens nach außen stimmen! ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 26. Februar 2019, 20:50:02
Wenn ich mich richtig erinnere, ist das Spreeauen-Projekt Teil der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, die Vattenfall für die Abbaggerung des Lakomaer Teichgebietes erbringen musste. (Irgendwo mussten die paar tausend Rotbauchunken ja hin.  :-X  Und einiges andere auch.)

Extensive Beweidung mit Rindern und anderen Haustieren gibt es auch in Brandenburg, sowohl in landwirtschaftlichen Betrieben als auch in Naturschutzprojekten. Es ist nicht immer einfach und die Agrarfördermittel mussten mitunter erkämpft oder in komplizierten Klärungsprozessen frei gemacht werden. Gerade die Förderfähigkeit vielfältig strukturierter Flächen, die ja das eigentliche Ziel halboffener Weidelandschaften sind, ist immer wieder ein Balanceakt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 26. Februar 2019, 21:14:58
(Irgendwo mussten die paar tausend Rotbauchunken ja hin.  :-X  Und einiges andere auch.)
etwa 180.000 Tiere - hatte selbst auch so einige davon im Auto ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 02. März 2019, 20:08:21
Zitat
Der Kot der Tiere ist die Basis für eine ganze Nahrungspyramide, für seltene Vogel- und Fledermausarten.
Irgendwann hab ichs hoffentlich den Kleingärtnern hier mal beigebracht das sowas über den Weg von den Geflügelzüchtern mit dem Schubkarren holen besser ist als Rinderdungpelltes mit dem Auto kaufen. Ich werde wohl öfters dem Rasen etwas gönnen, ohne einregnen. Das man sich wieder an den Duft gewöhnen kann, der zahlreiche Insekten anlockt.

Über den Begriff "Duft" läßt sich sicher streiten! ;D Allerdings kommen wir Landeier mit dem "Duft" in den Großstädten auch echt an Grenzen ;)

Okay, bringt aber zu einer anderen Überlegung, die schon lang im Kopf rumschwirrt: Was auf dem Land (noch stärker Kleinstadt)immer mehr abnimmt ist die "individuelle Tierhaltung". Also vom Kaninchen bis zu ein oder ein paar Mastbullen.
Der Effekt ist ja, daß aller zwei oder drei Tage immer jeweils ein kleiner Wiesenbereich gemäht wird, der Effekt sich über Wochen und Monate sozusagen zwei- bis dreimal quer über die Wiese zieht. Bei Beweidung auf geteilten Flächen ähnlich.

Jetzt findet das aber kaum noch statt; entweder Dauerweide oder Futter-Produktionsfläche. Also der- oder viermal im Jahr Komplettmahd. Im Stadt- oder Kleingarten saugt der Rasenmäher eh wöchentlich alles in den Fangkorb was wächst oder rumschwirrt. Im Bauerngarten tut's der Rasentrecker...Viele Höfe sind inzwischen auch nur Wohnort und nicht mehr Produktionsstätte, Restflächen zu Eigenheim-Baustellen von Stadtflüchtern geworden. Alles grünt und blüht - aber nicht mehr so wie vorher - und ohne Tiere und deren Scheiße. Der Begriff "Deutschland = grüne Wüste" taucht auch schon auf.

Ich kenn das ja selber: über den Rasen am Haus kann ich Sommernächtens gehen, über die Gänseweide manchmal nicht - da es dermaßen viel Fluginsekten gibt, daß man es einfach nicht aushält.

Die Frage die sich stellt: Was kann einen Anreiz geben oder was steuert gegen/kann jeder tun? Wenn Tierhaltung im kleinen nicht mehr lukrativ und Kacke auf dem rasen auch nicht jedermanns Lösung ist?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: polluxverde am 16. März 2019, 18:19:37
Das Spazierengehen in deutschen Innenstaedten ist scheinbar gesünder als das Wandern durch südtiroler Obstanbaugebiete ( FR von heute, " Gift im Urlaubsparadies ").
Nach Untersuchungen des  Umweltinstituts München breiten sich  die von den Obstbauern eingesetzten Pestizide deutlich weiträumiger
( und langanhaltender )  aus, als das in der Bewertung dieser Mittel durch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde ( Efsa) angegeben wird ( diese Behörde ist zZt sowieso in der Kritik, weil sie Studien zum Krebsrisiko von Glyphosat zurückgehalten hat ).
Bei den als  im hohen Maße gesundheitsgefährdenden Stoffen in Südtirol handelt es sich laut Umweltinstitut München um  Thiacloprid ( ein
Insektizid)  und Captan, ein Fungizid. und noch weitere , im Artikel namentlich nicht erwaehnte PSM.
Fazit : Schnell noch die eigene Streuobstwiese um ein paar Obstbaeume erweitern ( wer  kann ), und zum Wandern lieber auf den Brocken.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 16. März 2019, 21:30:39
Welche von den Stoffen werden jetzt zum Austrieb gespritzt?

PS: Bioäpfel enthalten das giftige Methanol, ein bekanntes Gift welches auch als abbauprodukt vom Süßstoff Aspartam bekannt ist.
PPS: Luft enthält Stickstoff, wenn man das einatmet kann man ersticken.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Waldmeisterin am 16. März 2019, 21:57:53
Gestern in der Badewanne habe ich dieses spannende Feature über die Bedeutung von Böden in der Landwirtschaft gehört:
Die dünne Haut der Erde
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 16. März 2019, 22:01:39
Und welche Bauern gehen nun sorglos mit ihrer Humusschicht um?

Ich kenne das Phänomen eher aus der Gartenbaubranche, dort wird es allerdings nicht thematisiert.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: polluxverde am 16. März 2019, 22:42:30
Welche von den Stoffen werden jetzt zum Austrieb gespritzt?

PS: Bioäpfel enthalten das giftige Methanol, ein bekanntes Gift welches auch als abbauprodukt vom Süßstoff Aspartam bekannt ist.
PPS: Luft enthält Stickstoff, wenn man das einatmet kann man ersticken.
Ad 1 weiß ich nicht, steht auch nicht im zitierten Beitrag.
Ad 2  ist Ethnol auch ein bekanntes " Gift " ( schwieriger Begriff, stark dosisabhaengig, Paracelsus),  und ohne Stickstoff ist ein Leben auf
dieser Erde nicht denkbar.

Wenn ich, wie für Medizinprodukte vorgeschrieben, Beipackzettel für Lebensmittel schreiben sollte, würde bei den meisten " kann zu
Krebs, Schlaganfall oder Herzinfarkt führen " draufstehen...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 16. März 2019, 22:52:17
Das Münchener Umweltinstitut ist als Quelle etwa so seriös wie Das Neue Blatt.

Die EFSA hat im Übrigen auch keine "Studien über Krebs durch Glyphosat zurückgehalten", sondern ist in der Bewertung zu Ergebnissen gekommen, die manchen aus politischen Gründen nicht gefallen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 16. März 2019, 23:46:34
Wenn ich, wie für Medizinprodukte vorgeschrieben, Beipackzettel für Lebensmittel schreiben sollte, würde bei den meisten " kann zu
Krebs, Schlaganfall oder Herzinfarkt führen " draufstehen...
Arzneimittel und Lebensmittel sind von der Gefahrstoff Deklarationspflicht befreit. Das ist gut so. Sonst gäbe es noch mehr Vereine wie das Münchner Umweltinstitut die vor allem warnen. Da würde auch Muttermilch als Krebserregend durchgehen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Waldmeisterin am 17. März 2019, 00:43:19
Und welche Bauern gehen nun sorglos mit ihrer Humusschicht um?

Ich kenne das Phänomen eher aus der Gartenbaubranche, dort wird es allerdings nicht thematisiert.

Wenn ich mich recht erinnere. war es der Präsident des Bauernverbandes von Meck-Pomm  :-\
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 20. März 2019, 19:01:57
Und welche Bauern gehen nun sorglos mit ihrer Humusschicht um?

Ich kenne das Phänomen eher aus der Gartenbaubranche, dort wird es allerdings nicht thematisiert.

Humusgehalt; Dauer- und Nährhumus; Bodenerosion durch Wind oder Wasser; Gegenmaßnahmen; Humusbildung, Zufuhr über Industriehumus oder Gründüngungspflanzen, Bodenanalyse; Bodenchemie etc.
Waren in den Achtzigern (meine Lehrzeit)  und sind es auch heute noch: Prüfungsthema - Sowohl für angehende Gärtner als auch für Landwirte.
Bodenkunde ist ein eigenes Prüfungsgebiet - und wer da versagt fliegt durch.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 20. März 2019, 23:18:48
Soweit habe ich das auch verstanden. Im Gartenbau ist Bodenaustausch dennoch fast üblich, zB. wenn der Sommerflor durch Stiefmütterchen ersetzt wird.
Hier in der Gartenanlage mit etwas über 140 Gärten, würden vermutlich etwas über 140 Pächter im Bereich Bodenkunde und -Pflege durchfallen.
Das Bodenaustausch in der Landwirtschaft kein Thema ist, sondern die Gesundheit vom Boden das Kapital ist, muss man vielleicht schon erklären. Auch wenn krude Pachtstrategien die ein oder andere eigentlich notwendige Aufkalkung oder zB Phosphordüngung manchmal verhindern.

Das mit dem Präsidenten vom Mecklenburger Bauernverband, wurde dem nicht was anderes angekreidet? Was eher mit Vierbeinern zu tun hat?
Wieviel Müllers und Schmidts hatten in dieser Zeit ihren Hund nicht immer vorschriftsmäßig angeleint?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 03. Mai 2019, 16:14:42
Hinterm Park ist eine städtische Wiese. Die Pflege dieser Wiese ist für die Stadtarbeiter immer ein Kraftakt. Manche Jahre unterblieb sie fast ganz, so dass der Bauer mir mitunter einen Gefallen tat und auf der Wiese entweder Heu machte oder alles abschlegelte. Heute Nachmittag fragte ich ihn, wie es in diesem Jahr aussieht. Eigentlich dachte ich, er könne das Heu brauchen. Er war müde und frustriert. Durch die immer noch anhaltende Trockenheit wächst das Getreide kaum, der Mais kommt überhaupt nicht aus der Hüfte und das Gras zu mähen lohnt nicht so recht. Auch anderen einen Gefallen zu machen, muss man sich leisten können. Der Bauer kann es bis auf weiteres nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 04. Mai 2019, 00:36:50
Hier haben die Äcker neben der Gartenanlage den Pächter gewechselt. Wegen Bankrott...
Nun haben die neuen Pächter, die Söhne eines 83 Jährigen Bauern, kein Landwirt, sondern Bauer, am 1. Mai viel zu spät Mais gesäht, um die Flächen sauber zu bekommen.
Die machen Kartoffeln so: im Herbst Dämme formen, im Januar, wenns gefroren ist (Acker trotz Nässe befahrbar), die Kartoffeln zusammen mit Harnstoff legen, Folie drüber, wenn nötig Frostschutzberegnung und vor 5 Tagen haben sie sie abgenommen. Braunfäulestopspritzung usw, etwas wachsen lassen, Kraut abtöten, Schale etwas ausreifen lassen, Frühkartoffeln Mitte/Ende Mai verkaufen. Nur so sind noch halbwegs verträgliche Preise zu bekommen. Zumindest wenn die Supermärkte und Discounter dann auch mitziehen, und regionale Ware ins Sortiment nehmen.
Also auch die Bauern, die `alles geben´, haben Probleme zu überleben.

Dem Genussesser muss man den Unterschied von solchen Frühkartoffeln zu Importkartoffeln aus Ägypten, Israel oder Frankreich nicht erklären. Bei mir im Garten wachsen sie möglichst ohne Folie, meist nur abgedeckt, bis sie auflaufen. Hochgestrahlt bei Hitze mag ich sie nicht, ich ernte lieber Anfang/Mitte Juni und esse solange eben keinen Spargel mit Kartoffeln.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Natternkopf am 06. Mai 2019, 21:01:39
Landwirt zu sein ist nicht einfach im Gesellschaftlichen Kontext.

Der erste globale Bericht zur Biodiversität fordert auch die Schweiz heraus.
«Nicht immer nur auf die Landwirtschaft einprügeln» / nzz.ch

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Mai 2019, 00:04:04
Danke fürs verlinken. Da schreiben sich gerade einige die Finger wund. Kostet auch CO2, hoffen wir, das es auch gelesen wird.

Zitat
Ebenso fördert die Liebe zum Einfamilienhaus die Zersiedelung, einen der wichtigsten Gründe für das Artensterben hierzulande.
Da denkt lokal betrachtet fast keiner drüber nach, weil die Blümchen und Bienchen auf ihrem Land den Bauherren in den meisten Fällen nicht bekannt sind und zu dem Zeitpunkt wohl andere Prioritäten gesetzt sind. Man könnte mal eine Umfrage starten, wieviele Bürger einer Gemeinde noch ihren Biologen persönlich kennen oder zumindest ein Büro, das Umweltverträglichkeitsgutachten erstellen kann. Ich wette um 10m² Blumenwiese, es sind selbst unter den Kennern von Naturschutzverbänden keine 10%.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar. /Spritzmittelbelastungen
Beitrag von: Erdfloh am 16. Mai 2019, 15:10:04
Werte „Pflanzenflüsterer“,

dass ich hier viele Beiträge mit Gefühl fand, hat mich gefreut.
Andererseits komme ich zum Anliegen. Viele der hier gestellten Fragen wurden nie wirklich befriedigend beantwortet, seit Jahren nicht. Entweder mit Achselzucken abgetan, als nicht reparierbar hingenommen, entsetzte Schreiber abgewimmelt, VER-tröstet. Gerade bei Spritzmittelfragen haben Landwirte den "schwarzen Peter" und man kommt keinen Schritt weiter, weder mit Umweltschutz, noch mit Gartenfragen.

Bei einem Dialog ist mir dies besonders drastisch aufgefallen. Da war eine sehr artige Bitte um Expertenrat. Weder an Instituten, Gartencentern, Bauernzeitschriften ist er zu erhalten. Landwirten wird von „Pilzen“ erzählt, die ihr Getreide zerstören würden. Waldschäden sind durch Borkenkäfer und dergleichen mehr. Für all das bekommen sie Rat und geben vergeblich sehr viel Geld aus, um damit fertig zu werden. Dabei läuft die ganze Schweinerei des Artensterbens und Leiden auch von Gartenpflanzen öffentlich ab, mit Motorgebrumm.

Die ersten Blätter wurden ein oder zwei Tage nach Entstehung massenhaft im Wald und auch in Städten zerstört, sahen aus, als hätten sie Hagelschaden gehabt. Manche meinten, von Tieren zerfressen - aber da waren keine. Getreide wurde grün, Raps zerstört, Blüten „verbrannt“, Millionen Löcher in Blättern seither.

Es geht auch in kleinen Mengen. mit Umwelt schädigen. Ein Gartennachbar konnte es (trotz Warnung) nicht bleiben lassen. Durch seinen verdorbenen Boden verdarben die Kartoffeln, wurden braun. Er spritzte, wie auch zunehmend im Jahr zuvor gegen Kartoffelkäfer. Nun gegen "Braunfäule". Bei 2 Grad C „erfroren“ meine Kürbisse. Null Grad die Vortage hatten sie ausgehalten. Die Bohnen etwas weiter entfernt, verförbten sich gelb. Der Löwenzahn im Garten am Folgetag: Dunkelrot.


Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Erdfloh am 16. Mai 2019, 15:11:20
"geschädigte" Pflanzen
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Sven92 am 16. Mai 2019, 15:16:15
Ich werde zwar aus deinem Text nicht schlau aber deine "schäden" sehen aus wie Frost schäden....
Grüsse
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Erdfloh am 17. Mai 2019, 07:46:03
Geh weiter!, bei 2 C?
Frost hätte jedes Pflanzenteil erwischt. Die "Verbrennung" geschah durch chemische Reaktion (Fungizide gesprüht in Gegend).
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 17. Mai 2019, 07:54:20
Ich glaube, dein Erkenntnisstand hat ein Ausmaß erreicht, bei dem du hier im Gartenforum kaum noch Hilfe finden wirst!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Sven92 am 17. Mai 2019, 07:54:55
Alles klar ich setz meinen Aluhut wieder auf und gehe weiter ;)

https://www.facebook.com/media/set/?set=a.838463636280676&type=3

Interessanter Text von einem Landwirten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Erdfloh am 17. Mai 2019, 22:56:25
Dein Link befriedigt meine Neugier nicht.
Dafür facebook anmelden lohnt nicht, da du einen "Aluhut" trägst. Spinner hätten sowas, schrieb jemand in einem anderen Forum. Ich habe also keine gute Erfahrung damit. 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: spider am 17. Mai 2019, 23:33:13
Das ist zwar nicht meine Spielwiese hier, aber # Erdfloh, vielleicht solltest Du mal überdenken, ob Deine Attitüde hier auf Weiteres noch jemanden zu einer konstruktiven Antwort animiert.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 17. Mai 2019, 23:50:49
Ich schreibe mal für mein Paralleluniversum: er ist auch schon in anderen Foren aufgefallen und kann bei Bedarf ignoriert werden.

Zum Threadthema: selbst die Mais-Spätsaat vom 1. Mai ist jetzt aufgelaufen, nun wird es Zeit für eine Herbizidbehandlung. Meist die einzige Behandlung die Mais braucht, sonst werden so gut wie keine Pflanzenschutzmittel gespritzt. Im Vergleich zum Apfel kann ein Maiskolben fast als unbehandelt durchgehen.
Je nach Verunkrautung gibt es verschiedene Mittel im Mais, manche werden auch gesplittet, also in Teilmengen gespritzt. Hirse läuft hier jedenfalls noch nicht so recht auf. Dieses Jahr ist anders und erfodert wohl die ein oder andere Überfahrt mehr. Glyphosat braucht es nicht für Mais.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 22. Mai 2019, 20:36:45
Aber Gülle scheint der Msis zu brauchen.

Jedenfalls fährt seit knapp einer Woche ein Landwirt jeden Tag, an dem es nicht regnet, Gülle aus.
Zuletzt Samstag zweimal, Sonntagnachmittag einmal und heute Nachmittag erneut.

Hoffentlich wird dort bald gebaut, dann ist Schluss mit dieser Art der umweltbelastenden Müllentsorgung.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 23. Mai 2019, 00:33:01
Hetz ihm doch das Amt auf den Hals. Der muss sich je nach Ertragserwartung an Stickstoffobergrenzen und die gute fachliche Praxis halten, der kann nicht wie wir Hobbygärtner Kompost oder bunte Düngertütchen nach Lust und Laune in der Gegend verteilen.
Auch was das Futter angeht muss er die Stickstoffmenge aus dem Proteingehalt so gering wie möglich halten, um unnötig hohe Stickstoffausscheidungen der Tiere zu vermeiden. Der kann nicht einfach `Katzen füttern´.

Ansonsten hat Gülle meist etwa 105% Stickstoffwirkung im Vergleich zur selben Menge Stickstoff aus Kalkammonsalpeter, welcher Energieaufwendig und Klimaschädlich mit dem Haber-Bosch-Verfahren hergestellt wird.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: biene100 am 23. Mai 2019, 06:14:35
Bristel, was genau heisst das?

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen dass der Landwirt seine Gülle immer am gleichen Fleck ausbringt.
Ich habe aber auch noch nie gesehen dass Gülle über Mais gekippt wird.

Ansonsten  meinst Du mit "umweltbelastender Müllentsorgung" wohl den Geruch. Dran ist meines Wissens nach noch keiner gestorben.
Es wird wohl so lange herumgeätzt werden bis der letzte Bauer das Handtuch geworfen hat und die Nahrung industriell hergestellt wird. Dann ist gut. Werd ich aber hoffentlich nicht mehr erleben.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 23. Mai 2019, 08:00:04
Jeder Handwerker- und jeder Industriebetrieb muss sich hinsichtlich Emissionen an Auflagen und Regeln halten.
Was das Ausbringen von Gülle betrifft, scheint das entweder den Landwirt nicht zu interessieren oder die Regeln sind nicht ausreichend.
Es dürfte möglich sein, Gülle in einen Zustand zu bringen, in dem sie weniger stinkt  - und es gäbe mit Sicherheit auch technische Möglichkeiten, Gülle so auszubringen, dass es weniger stinkt.
Und wieso fährt ein Landwirt am Samstag und Sonntag Gülle aus? Ja, ich weiß, er darf das.
Rücksichtslos ist es trotzdem.

Ein anderer Fall: Vor kurzem hat ein Winzer hier mithilfe einer über 100000 Euro teuren Maschine GPS-gesteuert neue Rebstöcke pflanzen lassen. Sehr innovativ und zukunftsweisend, wie in einem interessanten Zeitungsbericht dargelegt wurde.
Leider war der Teerweg oberhalb des Rebstücks danach von einer mehrere Zentimeter hohen Lösslehmschicht bedeckt, die sich beim nächsten Regen in Schmierseife verwandelte. Der Wander- und Radweg war damit unbenutzbar, nicht nur wegen des Drecks, es war schlichtweg unmöglich, sich dort auf den Beinen resp. dem Rad zu halten.

Wegen jeder Ölspur rücken Polizei und Feuerwehr aus, und man versucht, den Verursacher zu ermitteln.

Aber hier? Fehlanzeige. Mag sein, dass das eine Lappalie ist  - rücksichtslos der Allgemeinheit gegenüber ist es allemal.

Diese immer gern vorgebrachte "Drohung", man werde schon sehen, wenn es keine kleinen Bauern mehr gäbe, kann ich auch nicht mehr hören  - dass soll eine Rechtfertigung dafür sein, eine Extrawurst beanspruchen zu dürfen?

Du forderst Rücksicht für Bauern? Damit könnte in der Tat jeder bei sich selbst anfangen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: obst am 23. Mai 2019, 08:55:37
Vielleicht darf ein Landwirt seine Flächen am Wochenende bearbeiten, weil er von der Witterung abhängig ist. Viele Flächen - je nach Bodenart - sind nur wenige Tage im Jahr befahrbar und bearbeitbar.

Sicher könnte man viele Maßnahmen gegen den Geruch der Gülle ergreifen, diese würden aber sehr viel Geld und Energie kosten. Das würde die Lebensmittelpreise sehr verteuern. Gerade die Menschen, die sich am meisten über die Landwirte aufregen, sind diejenigen, die die billigsten Preise erwarten, egal ob der Landwirt damit existieren kann oder nicht.

Der Weg hinter den Weinbergen ist wahrscheinlich kein öffentlicher Weg. Öffentliche Wege müsen auch die Landwirte reinigen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 23. Mai 2019, 09:56:22
Mir fiel schon vor vielen Jahren in Süddeutschland auf, dass auch noch der kleinste Feldweg asphaltiert ist.
Das ist hier zum Glück nicht so, die Fahrzeuge bringen also Erde auf Erde, das ist kein Problem. Fahrradfahrer fahren dort nicht so bequem wie auf einem Asphaltweg, aber für den, der dies von Kindheit an so gewöhnt ist, ist auch dies kein Problem. Mittlerweile gibt es etwas mehr asphaltierte oder mit Betonplatten belegte Wege, so ähnlich wie die üblichen LPG-Straßen in Mecklenburg, wo es wieder andere Bodenverhältnisse gibt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Nemesia Elfensp. am 23. Mai 2019, 09:56:35
...........
Sicher könnte man viele Maßnahmen gegen den Geruch der Gülle ergreifen, diese würden aber sehr viel Geld und Energie kosten.
also hier ist die Geruchsbelastung so minimal, dass wir das Ausbringen von Gülle und Klärschlamm oft nur noch am endsprechenden Gerät erkennen, riechen tut da fast nix.
Wie kann das sein?
Was genau muss mit Gülle und Klärschlamm gemacht werden, dass die Geruchsbelästigung so sehr gegen Null geführt werden kann?
Bei der Ausbringung werden Geräte mit Schleppschläuchen genutzt. Das scheint auch sehr hilfreich zu sein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 23. Mai 2019, 11:13:47
Hier wird für die Gülle auf der Intensivwiese nebenan die Grasnarbe aufgeschlitzt und die Gülle mit Schleppschläuchen ausgebracht. Das riecht auch fast nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Daniel - reloaded am 23. Mai 2019, 14:31:15
.........
Wie kann das sein?
Was genau muss mit Gülle und Klärschlamm gemacht werden, dass die Geruchsbelästigung so sehr gegen Null geführt werden kann?
Bei der Ausbringung werden Geräte mit Schleppschläuchen genutzt. Das scheint auch sehr hilfreich zu sein.

Genau so kann das sein, Hervorhebung von mir.
Gülle, Klärschlamm, Gärsubstrat oder was auch immer mit Schleppschläuchen ausgebracht, ist fast nicht zu riechen.
Ich wohne etwa 10m neben einem Acker, wenn dort Gülle mittels Schleppschläuchen ausgebracht wird (und zusätzlich gleich eingearbeitet) rieche ich davon nichts, ohne direkte Einarbeitung fast nichts.

Mit den üblichen Güllewagen stinkt das halbe Dorf und die so bedachten Äcker sind 100-500m entfernt.

Grundsätzlich habe ich absolut nichts gegen Gülle als Dünger, aber inzwischen nimmt das Ganze Ausmaße an die deutlich mehr mit Entsorgung als mit Düngung zu tun haben.

Wenn ich, wie 2017, keinen Tag vor die Tür kann ohne zu erstinken weil vom Grünland 8 Schnitte geholt werden und dazwischen immer kräftig gegüllt wird und der dazugehörige Landwirt sich 700 Kühe in den Stall stellt und trotz permanenter Ausbringung von Gülle im halben Dorf zwischenlagern muss haben wir ein massives Problem und das ist ganz bestimmt nicht eine zu strenge Düngeverordnung!
Inzwischen sind alle Gruben der Höfe ohne Tierhaltung mit seiner Gülle voll, denn 2018 war nichts mit 8 Schnitten und im Winter bzw Frühjahr lange nichts mit fahren....
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 23. Mai 2019, 18:24:59
Danke, ihr bestätigt meine Vermutung, dass es sehr wohl anders ginge.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Mai 2019, 23:15:43
Laut Gülleverordnung muß die Einarbeitung innerhalb 4 Stunden erfolgen.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 24. Mai 2019, 07:04:39
Vier Stunden in der Sonne dürften für eine kräftige Wolke mehr als ausreichend sein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Daniel - reloaded am 24. Mai 2019, 14:20:52
Laut Gülleverordnung muß die Einarbeitung innerhalb 4 Stunden erfolgen.  ;)

Dann wird hier nicht ausreichend kontrolliert oder die Landwirte sch***en auf die Gülleverordnung. Auf Grünland werden hier überwiegend weder Schleppschläuche verwendet noch wird eingearbeitet und auf manchem Acker ist das nicht anders.
Teilweise stinkt das nicht stunden- sondern tagelang, oder alternativ riechst du gar nichts und siehst nur was.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Mai 2019, 20:44:14
Es gibt ein Ordnungsamt. ;)
Ich würde keinen Bauern anschei...en wegen 'nem halben Tag oder so; aber wer sich wirklich und mehrfach daneben benimmt kann auch mal mit der Behörde diskutieren. Die Gesetze und Verordnungen haben ja einen ernsthaften Hintergrund. 8)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 28. Mai 2019, 21:34:42
Nochmal zum Thema Blühstreifen; hier wurde auf der Dorfseite des Ackerschlages ein 6m breiter und etwa 800 Meter langer Streifen eingesät. Und das bevor das Feld bearbeitet wurde, also mitsamt über den Winter vorhandenen Ackerunkräutern und Kleinlebewesen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 06. Juni 2019, 22:01:21
So etwas ist schlechte fachliche Praxis.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 07. Juni 2019, 07:33:36
Leider keine unübliche Praxis in den letzten Jahren. Das Haschen nach Flächenprämien hat Hecken und Raine noch stärker schwinden lassen als die Wegbreiten.

Wäre übrigens ein erster "Forschungs"ansatz  für die an wissenschaftlichen Erkenntnissen interessierten Landnutzerverbände. Wie viel Seitenflächen, Hecken, Raine, Säume usw. in den letzten 30 Jahren einfach unter dem Pflug verschwunden sind. Ich fürchte aber, dass man dort solche Fragen eher nicht so ganz genau beleuchtet sehen möchte. Und meistens beschwert sich ja auch niemand, weil die Ortsvorsteher als Eigentümervertreter gut Freund oder selbst auf dem Traktor sind.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 07. Juni 2019, 07:53:56
Dass der Bauer zusieht, seine Flächen ordentlich zu bewirtschaften und auf Flächenprämien nicht verzichten will, halte ich für gerechtfertigt. Würden Raine und Gebüsche nicht herausgerechnet, wäre der Bauer sicher kompromissbereiter. Das liegt in der Hand des Gesetzgebers. Grundstücke im öffentlichen Besitz unterzupflügen dagegen sollte als Sachbeschädigung angesehen werden. In Zeiten von GPS kann sich auch kein Bauer herausreden, dass er die Grenze nicht genau kennen würde. 
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Juni 2019, 07:59:43
Zumal das ja auch keine kleinen Äcker von einem Nebenerwerbsbauer mit Oldtimer-Traktor sind.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 07. Juni 2019, 08:03:51
Dass der Bauer zusieht, seine Flächen ordentlich zu bewirtschaften und auf Flächenprämien nicht verzichten will, halte ich für gerechtfertigt. Würden Raine und Gebüsche nicht herausgerechnet, wäre der Bauer sicher kompromissbereiter. Das liegt in der Hand des Gesetzgebers. Grundstücke im öffentlichen Besitz unterzupflügen dagegen sollte als Sachbeschädigung angesehen werden. In Zeiten von GPS kann sich auch kein Bauer herausreden, dass er die Grenze nicht genau kennen würde.

Flurelemente werden nicht so einfach herausgerechnet. Sie gehen in die Berechnungen der Flächenmäßig mit ein. Es ging mir aber oben vor allem um Flurelemente auf öffentlichem oder fremdem, nicht gepachteten Grund. Die Übergriffe auf solche Flächen sind ganz ordentlich.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Juni 2019, 08:08:15
Wenn beim Nachbar mit umgepflügt wirds gibts dafür keine Flächenprämie.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die gefordert werden, haben auch einen anderen Hintergrund.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 07. Juni 2019, 08:14:27
Ja, das glaube ich, dass man sich agrarverbändeseitig lieber auf andere Hintergründe verlegt. Solche, bei denen man sich am besten auf Dauer auf angeblich nicht ausreichend geklärte Ursachen für den Artenschwund herausreden kann.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Amur am 07. Juni 2019, 08:25:18
Durch die jetzt verwendeten Satelitenbilder und die genaue Projektion der Grenzen dazu kamen viele Ungereimtheiten raus. Auch dass so mancher etliche Flächen seiner Nachbarn mit bewirtschaftet und der es nicht mal gemerkt hat. Das wird aber jetzt schnell korrigiert, denn der eigentliche Pächter/Besitzer will ja die Gelder haben.
Da wird zumindest bei uns jetzt sehr genau geschaut, denn wie schon bemerkt wurde, für Flächen die man selber nicht bewirtschaftet, bekommt man auch keine Gelder.

Hat allerdings auch zur Folge dass verschiedene Flurstücke die Jahrzehnte unbewirtschaftet waren und brach lagen, plötzlich umgebrochen und angesät wurden. Oftmals keine Frucht, sondern die hier auch schon vorgestellten Blühmischungen oder Gründüngungen, aber eben nicht mehr der Wildwuchs von Jahrzehnten, der vorher drauf war, weil das etwas schwierig zu befahren ist. Ich nehme mal an, dass die Flächen von großen Betrieben gepachtet wurden, um da ihren Anteil an Flächenstillegungen zu erfüllen.

Aber genaue Details kenne ich nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 07. Juni 2019, 08:31:38
Ja, das glaube ich, dass man sich agrarverbändeseitig lieber auf andere Hintergründe verlegt. Solche, bei denen man sich am besten auf Dauer auf angeblich nicht ausreichend geklärte Ursachen für den Artenschwund herausreden kann.
So ähnlich, da geht es darum so Pannen wie bei der Einschätzung der Krefeldstudie nicht in kaputtgeschützte Natur umzusetzen. Die Bauern wollen ungern die Natur und damit ihr Kapital zerstören, nur weil es gerade gesellschaftlichen Aufwind hat `irgendwas´ zu machen sei besser als zielgerichtete Maßnahmen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 07. Juni 2019, 08:56:57
Nun, hier im Lande ergreifen "die Bauern" gerade ganz zielgerichtet Maßnahmen, die ihnen weitere Fördergelder für die am wenigsten wirksamen, die heimische Artenvielfalt weiter zurückdrängenden, aber zügig und einfach umsetzbaren, kurzzeitig bestehenden Blühstreifen aus unspezifischen Gemischen verschaffen. Machen also genau das: "irgendwas" (mit Showeffekt).
Nein, es sind ganz sicher nicht die Bauern. Aber eine große Mehrheit von ihnen lässt ihre Verbandsfunktionäre solche Dinge einrühren und nimmt die für sie angenehmen Effekte mit.

... Die Bauern wollen ungern die Natur und damit ihr Kapital zerstören, ....

Das nehme ich nach ein paar Jahrzehnten industrieller Landnutzung und deren sichtbaren Ergebnissen mal als blanke Parole. Schon oft gehört.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: rupalwand am 07. Juni 2019, 09:15:26
Mein Großpapa war ein Bauernbub.
Was ich über die Landwirtschaft weiß: Dort wird allen Neuerungen zum Trotz auch nur mit Wasser gekocht.
Bei manchen allerdings verkocht das Wasser und was bleibt im Topf? Nüscht!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. Juni 2019, 19:46:27
"irgendwas" (mit Showeffekt).

Wobei es "irgendwie" Begleitung "irgendwelcher" Forschungseinrichtungen gibt http://www.ifab-mannheim.de/Gesamtbericht%20Syngenta-19nov2013.pdf und "irgendwelche" Saatgutanbieter dafür "irgendwie" zertifizierte Mischungen herstellen, die "irgendwelche" Landwirte dann ausbringen. Hier im Bild sind es (wie oben schon gesagt) "irgendwas" bei fast 5000m²
"irgendwie" 'ne ziemliche dicke Show...die übrigens kaum sichtbar, weil "irgendwie" abseits "irgendwelcher" Straße! ;) (der Fotograf steht mit dem Arsch 20m entfernt zu einem irgendwie kaum genutzten Radweg.)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. Juni 2019, 20:09:46
Derzeit dominiert Phacelia
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. Juni 2019, 20:13:40
...Kornblume folgt...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. Juni 2019, 20:14:53
...und mal in den Untergrund abgetaucht sind auch die Ackerunkräuter da. ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 08. Juni 2019, 20:29:35
Ich werde mir die Auswertung ansehen. Ich bestreite auch gar nicht, dass einiges an sinnvollen Maßnahmen im konventioneller Landwirtschaft passiert.
Oben meinte ich solche Maßnahmen, die viel zu unbestimmt und kurzatmig sind, für die aber in den nächsten Jahren jede Menge Geld ausgegeben werden soll:

Blühflächen-Projekt FN Brandenburg

Naturbetonte Strukturelemente im Ackerbau

Was ich grundsätzlich fragwürdig finde, ist, dass die Aussaaten der aus Kulturarten und Zierpflanzen zusammengesetzten Bienenweiden die Chancen für heimische Segetal- und Pionierarten nicht verbessern. Genau auf die und ihre meist schütteren Pflanzengesellschaften kommt es aber an, wenn ich die komplexen Lebensbedingungen heimischer Wirbelloser und weiterer Artengruppen fördern möchte.
Das ist keine Bewertung Eurer Flächen, dmks. Die kann nicht beurteilen, ohne sie gesehen zu haben.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. Juni 2019, 20:37:34
Auch wenn ich mich wiederhole....da ist im anderen Thread schon vieles gesagt worden (https://forum.garten-pur.de/index.php/topic,64438.270.html)
Auch mehrjährige Blühflächen müssen irgendwann im ersten Jahr anfangen ;) Und jeder hier weiß daß solche Blühstreifen kein Allheilmittel oder eine Endlösung sind! Sie sind ein Anfang und eine Sofortmaßnahme um Bienenfutter über die Sommermonate durchgehend bereitzustellen. (und es ist laut dort drinne!)
Es darf jeder mal darüber nachdenken im Bezug auf sein Gewerk/Beruf in dem er selbst arbeitet  ;) wieviel diese eigene Branche so an Bienenschutzmaßnahmen bereitstellt  ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 08. Juni 2019, 20:45:16
Stimmt. Das mit den anderen Branchen. Nach dem Anteil der belegten Flächen sind da zuerst die Forstwirte und Straßenbauer gefragt.  ;)  Wenn da nicht das meiste  gleich  wieder an Fahrzeugen zermatschen würde, wären die letzteren vielleicht sogar Sieger. Unabsichtlich.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 08. Juni 2019, 20:49:03
Einfach mal jeder seins und mal still für sich... ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 08. Juni 2019, 21:49:01
Ich überlege gerade was ich in meiner Freizeit-Subsistenzlandwirtschaft an Segetalarten kultiviere. Lerchenzorn, hast du Tips für Zuckerrüben-Gemüseboden?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 09. Juni 2019, 22:26:30
Dem Wunsch nach langjährigen extensiven Dauergrünflächen wird auch nachgekommen.  ;)
https://www.lr-online.de/lausitz/forst/wirtschaft/ausgleich-fuer-windpark-in-briesnig-so-macht-windstrom-ackersaeume-bunt_aid-38939413
Der Agrarbetrieb in diesem Artikel ist übrigens nicht der mit den Blühstreifen, es teilen sich hier rund ums Dorf zwei Großbetriebe die Flächen. 8)

Es können aber beide bei der Brandenburger Landpartie am 15. + 16. Juni 2019 besucht werden ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 10. Juni 2019, 10:03:10
Dem Wunsch nach langjährigen extensiven Dauergrünflächen wird auch nachgekommen.  ;)

Nächstes Jahr wird die Fläche üppig blühen. Voraussichtlich wird in den nächsten fünf Jahre gepflegt. Anschließend setzt sich Reitgras durch, dann verbuscht die Fläche und in zehn Jahren ist dort genau das Gestrüpp, was es im Umfeld sicher noch mehr gibt. Besser fände ich es, den Landwirten die Flächen zu lassen und mit dem Geld stattdessen einen Schäfer für die langjährige (z.B. 20 Jahre) Pflege einer Trockenrasenfläche zu bezahlen, auf dass sie nicht verbuscht. Aber das geben die Naturschutzgesetze nicht her und eine Änderung ist nicht in Sicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 10. Juni 2019, 22:09:51
Die Chancen daß es längerfristig ausgemäht wird stehen gar nicht so schlecht ;) Das "Gut Neu Sacro" ist auf Öffentlichkeitsarbeit ausgelegt, davon zeugen viele Veranstaltungen mit Infocharakter und einer der Geschäftsführer ist was dieses "Feld" (Wortspiel) angeht echt ein Fuchs.
Der Standort direkt um das Zentrum - ist da echt ein Vorteil. Ich bring' mal in Erfahrung wie langfristig das Ganze angelegt ist. ;)

Interessant find ich ja die Konstellation daß Ausgleichsflächen finanziert werden - wegen Windkraftanlagen (klar, wir brauchen Strom, erst recht wenn auch noch alle Autos damit fahren sollen) und solche Anlagen werten Flächen ökologisch ab. Daher werden andere Flächen ökologisch aufgewertet 8)
Über Sinn oder Unsinn mag man streiten - und der Landwirt ist da nur eine kleine Schraube im Getriebe....die Windkraftanlagen stehen übrigens (mal ökologisch gesehen) auf Tagebaukippe ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Waldschrat am 10. Juni 2019, 22:27:24
Passt vielleicht auch hierher:
Vor einiger Zeit hatte ich mich ja mal über die hiesigen Gülleralleys aufgeregt und mich auch schon gewundert, so welche Mengen herkommen sollen, wo es hier doch kaum derartige Massentierhaltungen hier gibt. Jetzt weiß ich es. Es herrscht ein Gülletourismus aus dem Oldenburger Land. Das Zeug wird auf einer Handvoll Äckern direkt am Landschaftsschutzgebiet verklappt. Das müssen mehr Jauchegruben als Äcker sein.  :P
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 10. Juni 2019, 22:29:29
Und was wächst auf diesen Äckern?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Waldschrat am 10. Juni 2019, 22:30:40
Ich müsste mal wieder gucken. Das letzte Mal im Frühjahr sah ich außer Unkraut nix. Ansonsten, sofern ich recht erinnere, in den letzten Jahren Getreide/Mais/Kartoffeln.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 10. Juni 2019, 22:33:18
Passt vielleicht auch hierher:
Vor einiger Zeit hatte ich mich ja mal über die hiesigen Gülleralleys aufgeregt und mich auch schon gewundert, so welche Mengen herkommen sollen, wo es hier doch kaum derartige Massentierhaltungen hier gibt. Jetzt weiß ich es. Es herrscht ein Gülletourismus aus dem Oldenburger Land. Das Zeug wird auf einer Handvoll Äckern direkt am Landschaftsschutzgebiet verklappt. Das müssen mehr Jauchegruben als Äcker sein.  :P
Ja, ist gängige Praxis. Durch entsprechende Düngeverordnungen kann nur eine bestimmte Menge an Nährstoff auf eine Fläche ausgebracht werden.
Wenn regional die Flächen nicht ausreichen wird zwangsläufig woanders hin geschippert. Und 'ne Menge Diesel dabei verbrannt...europaweit!
Sinnvoller wäre es wahrscheinlich die Tierhaltung zu verlagern. 8)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 12. Juni 2019, 20:15:41
Ich überlege gerade was ich in meiner Freizeit-Subsistenzlandwirtschaft an Segetalarten kultiviere. Lerchenzorn, hast du Tips für Zuckerrüben-Gemüseboden?

Hihi, Du weißt genau, dass das nicht die Früchte für Segetalarten sind? Zuckerrübe und andere Hackfrüchte haben ab dem 18. Jahrhundert durch generelle Unterdrückung anderer Pflanzen die Ausbildung kurzlebiger Segetalpflanzen-Gesellschaften noch einmal befördert, nachdem deren Arten zuvor in den schlecht umgebrochenen Halmfrucht-Krumen viel stärker mit halb ausdauernden und ausdauernden Arten vergemeinschaftet gewesen sein sollen.

Aber lass doch in einem weniger dicht bebauten Streifen erst mal aufkommen, was kommen mag und bekämpfe nur, was Dir als dauerhaft lästig bekannt ist. Acker-Kratzdistel, Quecke und ähnliche "Problemunkräuter" werden übrigens auch in Segetalarten-Schutzflächen konsequent unterdrückt. Einer der Gründe, die eine höhere Förderung dieser Maßnahmen rechtfertigen und es notwendig machen, Flächen mit langer Tradition und diesbezüglich gutem Sanierungsgrad zu pflegen. Das ist über die Jahre wesentlich produktiver für die Vielfalt, statt, wie mit den (ganz überwiegend) hastig aufgepeppten Blühstreifen jährlich neu auf überdüngte Flächen ohne guten Samenvorrat der schützenswerten Segetalarten zu gehen. (Das ist kein Urteil über die von dmks gezeigten Flächen, die nicht den Durchschnitt zeigen.)

Wenn Du dann aufstocken möchtest, imitiere doch aller zwei, drei Jahre oder öfter eine Halmfruchtfolge, in der sich dann die bei Euch heimischen Arten der reicheren Lehmäcker austoben können. Echte Kamille, Ackerröte, Acker-Frauenmantel, wenn nicht zu sauer, auch der Feld-Rittersporn und einiges andere sollten dort klappen und im sonstigen Garten nicht zu lästig werden. Falls rundum in den Äckern nicht völlig tabula rasa gemacht wurde, könntest Du das auch bei Dir auf einige Kilometer im Umkreis finden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 13. Juni 2019, 08:44:11
Mir geht es weniger um die Flächen in meinem Garten, sondern eher die ` Ausgleichsflächen´ dafür in der Gartenanlage, also das Randgrün. Davon haben wir vergleichsweisse viel, was aber kein wirkliches Pflegekonzept, und schon garnicht ein auf ökologische Belange durchdachtes, geniesst.
Die Äcker im Umkreis mit Samenspendern sind schwierig zu finden, 70% ist hier Gemüse.
Zitat
Aber lass doch in einem weniger dicht bebauten Streifen erst mal aufkommen, was kommen mag und bekämpfe nur, was Dir als dauerhaft lästig bekannt ist.
Das mache ich nun eine Weile und es wird langsam besser. Die Halmfruchtfolge imitieren ist eine gute Idee.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 13. Juni 2019, 12:07:26
Gemeinflächen in Gartenanlagen sind vermutlich nicht für Segetalarten nutzbar. Ich weiß nicht, ob Du da so ackern kannst, wie es für deren Zyklus erforderlich wäre.

Wenn es akzeptiert wird, ist seltenes Mähen, leicht verzögertes abharken und der Ausschluss jeder Düngung und jedes Gifteinsatzes ein Ansatz, um allmählich artenreichere Flächen zu entwickeln. In so kleinen Flächen sind die Potenziale sicher begrenzt, aber wirbellose Tiere kommen mitunter mit sehr begrenzten Potentialen zurecht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 13. Juni 2019, 12:12:58
Hier hat die Segetalflora ganz erheblich vom letzten heißen Sommer und von präziser gewordener Spritztechnik profitiert. Die Hitze ließ das Gras schütter werden, die neue Spritztechnik spart die Feldraine aus. So bunt wie in diesem Jahr waren die Raine vermutlich lange nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 13. Juni 2019, 13:02:22
Wobei die Raine eher weniger Segetalarten beherbergen,  ausser, wenn sie stärker ruderalisiert und durch Trockenheit lückig geworden sind. Hatten wir letztens, bei RosaRot, wo der  Feld-Rittersporn üppig  im Glatthafer-Rain blüht. Acker-Schwarzkümmel, Hasenohr und Venuskamm schaffen das vermutlich nicht. Die werden im unmittelbar anschließenden Rübenacker genauso präzise ausgespritzt wie der Rittersporn. Keine einzige Blüte.
 :P
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 13. Juni 2019, 13:55:00
... So bunt wie in diesem Jahr waren die Raine vermutlich lange nicht.

Das ist hier an einigen Orten auch so, genauso in den profanen Stadtrasen. Es hatte sich schon im Winter angedeutet, dass die Herbstkeimer unter den einjährigen Ruderalarten und Trockenrasen-Arten gut Platz haben.

Sind es bei Euch tatsächlich Segetalarten, die in den Rainen blühen? Ich kann mir das bei Klatschmohn und Sandmohn noch vorstellen, bei vielen anderen aber weniger. Außer denen, die regelmäßig auch in ruderalen Grasfluren auftauchen, wie Acker-Steinsame oder Krummhals.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 13. Juni 2019, 14:06:05
Ich sehe bei der Vorbeifahrt vor allem Kornblumen und Klatschmohn. Botanisiert habe ich nicht.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 13. Juni 2019, 22:25:43
Vom Auto sieht man nicht viel.
Wer etwas sehen will muß hinschauen; wer hinschauen will muß aussteigen; wer aussteigen will muß anhalten. ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 13. Juni 2019, 22:31:19
Jetzt noch? Kurz vor Mitternacht?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 13. Juni 2019, 22:35:07
Mit der Taschenlampe durch die Felder gibt's 'ne Menge zu entdecken.
Schonmal gemacht?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 13. Juni 2019, 22:45:37
Geht auch ohne Taschenlampe. Eigentlich noch besser.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 15. Juni 2019, 10:01:25
Nochmal der gaaaanz dezente Hinweis:
Wer sich informieren, mal reinschnuppern oder auch einfach mal nur 'nen Ausflug machen will - dieses WE ist eine gute Gelegenheit dazu! ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 15. Juni 2019, 10:04:56
Auch die Technik mal aus der Nähe.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 15. Juni 2019, 10:16:37
Denn in erster Linie sind Felder, Wiesen, Wälder nunmal auch Produktionsflächen ;)
Für Nahrungsmittel, Futtermittel, Rohstoffe für die Industrie und grüne Energie.

Wie gesagt, wer sich interessiert - an diesem WE öffnen viele, ganz unterschiedliche Betriebe ihre Tore.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 15. Juni 2019, 22:11:20
https://www.gut-neusacro.de/de/aktuelles-vom-gut/aktuelle-veranstaltungen/artikel-brandenburger-landpartie.html

Soviel Werbung hab ich hier auch noch nicht gemacht ;) Kann es aber nur jeder "Bulette" mal ans Herz legen: Kommt doch mal raus und schaut es Euch an!!! :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 15. Juni 2019, 22:19:50
Morgen soll auch das Wetter vernünftig sein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 15. Juni 2019, 22:41:13
Würde ich gerne. 600km einfach fahren würde aber auch nicht recht Sinn machen. Hier gibts die offenen Höfe leider eher nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: rupalwand am 16. Juni 2019, 07:32:02
Meine Kartoffeln, die Wurst, das Holzofenbrot kaufe ich auf dem einen Bauernhof.
Die Eier auf einem andern, wo die Hühner in fahrbahren Häusern wohnen und Wiese haben.
Alles habe ich mir zeigen lassen:
Wie die Hühner wohnen, wie die Schweine, die Rinder, wo die Kartoffeln wachsen, wo das Getreide, aber am schönsten war's vor dem Holzbackofen, weil's draußsen s.....kalt war!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Amur am 16. Juni 2019, 08:26:27
Denn in erster Linie sind Felder, Wiesen, Wälder nunmal auch Produktionsflächen ;)
Für Nahrungsmittel, Futtermittel, Rohstoffe für die Industrie und grüne Energie.

Wie gesagt, wer sich interessiert - an diesem WE öffnen viele, ganz unterschiedliche Betriebe ihre Tore.

Sind Kartoffeln eigentlich grad besonders gut bezahlt oder gefördert?
Hier gabs Jahrzehnte kaum Kartoffelfelder, eben von ein paar kleineren Direktvermarktern ein paar Reihen oder auch mal ein oder zwei Äcker für die etwas größeren welche die Hotels und Kantinen belieferten. Dieses Jahr dagegen werden eine ganze Menge angebaut und wurden mit Großgerät gelegt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 16. Juni 2019, 10:28:28
Sind Kartoffeln eigentlich grad besonders gut bezahlt oder gefördert?

Nicht, daß ich wüßte....
Eine Möglichkeit wären Stärke-Kartoffeln für die Industrie; wer das Glück hat dafür einen Vertrag zu bekommen der braucht gleich größere Mengen.
Daraus werden dann Bio-Kunststoffe und ähnliches.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 16. Juni 2019, 10:59:47
Unabhängig von den guten Preisaussichten wird beim ein oder anderen die Winterungssaaten trockenheitsbedingt nicht aufgelaufen sein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 16. Juni 2019, 21:58:36
Ja, ist so.
Hier gibt es beispielsweise weit und breit dies Jahr keinen Raps - der ist schlichtweg nach dem Auflaufen vertrocknet. Die häufigste Variante zur Schadensbegrenzung (auch Saatgut ist nicht wirklich billig... :-\) war eine zweite HerbstAussaat - von Futterroggen. Der Winter hat zumindest gepaßt, so gab es einen guten Grünschnitt im Frühjahr und danach kam Mais auf die Flächen. Ebenfalls als Rinderfutter, die Reserven sind nach dem letzten Sommer einfach am Ende.
Nur mit Raps-Honig ist dieses Jahr mal nichts zu wollen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Amur am 16. Juni 2019, 22:52:09
Na so extrem ist es bei uns nicht. Raps hats schon und die Felder sind sowohl auf schwereren als auch auf leichteren Feldern.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 17. Juni 2019, 00:00:44
Wenn ich drüber nachdenke, das ein einzelnes Gewitter, das irgendwo irgendwann durchzieht, die Welt verändern kann, umso weniger verstehe ich, das ein Kilo Brot im Laden nichts kostet und dementsprechend auch nicht wertgeschätzt wird.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: polluxverde am 19. Juni 2019, 20:26:17
Heu war letztes Jahr dürrebedingt echte Mangelware - dieses Jahr scheint das Gras besser zuwachsen, dementsprechend wird zur Zeit
fleißig geheut  ---  aber gibt´s eigentlich irgendwo ein einigermaßen vernünftiges Argument für in Plastik (!) verpacktes Heu, wie auf dem Foto unten zusehen ??  Ein kaum zu glaubender Anblick heute auf einer nahen Wiese  - bei der momentan aktuellen Plastik/ Mikroplastikdebatte.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: polluxverde am 19. Juni 2019, 20:27:36
Ein paar Wiesen weiter scheint´s besser  ( plastikfrei ) auszusehen.....
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: polluxverde am 19. Juni 2019, 20:30:43
....  aber bei genauem Hinsehen der gleiche Murks, nur netzförmiges Plastik und damit optisch aus der Ferne plastikfrei  wirkend.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 19. Juni 2019, 20:59:01
Man braucht die Dinger nicht gleich in die Scheune zu karren - in Plastik macht auch ein Gewitterguß nix, Balllen ohne würden dann angefeuchtet zum Problem, denk ich mal.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: neo am 19. Juni 2019, 21:16:37
"Mein" Bauer lagert diese Ballen immer draussen, dafür hat er keine extra Scheune. Plastik an sich ist ja nicht per se schlecht, wenn man es richtig entsorgt, recycelt?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: polluxverde am 19. Juni 2019, 21:43:18
Heu muß trocken sein - so weit , so klar, sonst gibt´s Schimmel oder es ist nur noch Silage.

Trotzdem : gibt´s Wettervorhersagen, so daß die Heuplanung heutzutage rel sicher in eine Trockenperiode gelegt werden kann, und muß
es denn wirklich Plastik sein -  überall wird von Wegwerf - auf wieder verwendbare devices umgesteuert - müßte hier auch machbar sein.

Früher wurde Heu auf dem Heuboden gelagert -- hat viel Platz gekostet, hat sich leicht entzuendet, und  war schwerer zu handhaben,
insofern sind diese Heuräder scheinbar ein Fortschritt, wenn sie denn plastikfrei  wären.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 19. Juni 2019, 22:01:06
Es sind Unmassen Heu in wenigen Gramm Netz verpackt. Auf so ein gutes Verhältnis kommt keine Gemüseverpackung im Supermarkt.  ;) So ist das Heu gut zu transportieren und zu lagern.
Die ersten Rollen dürften Silagerollen sein. Dafür muss das Gras luftdicht eingepackt werden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 19. Juni 2019, 22:03:05
... nur noch Silage ...

Genau darum geht es. In diesen verschlossenen Ballen gärt der Wiesenschnitt zur Silage und muss nicht extra in ein Silo gefahren werden.

Das Bindegarn der Heuballen ist übrigens für die Umwelt kein Stück besser. Wenn davon Reste draußen bleiben, sind das üble Todesfallen für alle möglichen Tiere, bis dahin, dass das Zeug in Vogelnester getragen wird und dort die Jungvögel stranguliert. Ein sorgfältiger Landwirt achtet strikt darauf, dass nichts liegen bleibt.

edit: Staudo war schneller.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 19. Juni 2019, 22:28:32
Ich räume 30 Jahre nach Ende der DDR noch Pressbindfäden aus ebenjener Zeit aus der Landschaft.  ::) Wobei die hiesige LPG ein besonderer Fall war.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 19. Juni 2019, 23:03:37

 In diesen verschlossenen Ballen gärt der Wiesenschnitt zur Silage

Milchsäurebakterien.
Ist sozusagen nix anderes als unser Sauerkraut ;) Nur auf Grund der Ausgangsmasse etwas energiereicher.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: neo am 20. Juni 2019, 08:15:36
insofern sind diese Heuräder scheinbar ein Fortschritt, wenn sie denn plastikfrei  wären.
Man ist am Forschen; Folie zum Aufsprühen aus nachwachsenden Rohstoffen.
(Ganz am Schluss des Textes)
https://www.br.de/nachrichten/bayern/plastikwahnsinn-silo-ballen,RAynTGd
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: polluxverde am 20. Juni 2019, 13:06:59
Vielen Dank für interessanten link, Neo --  das Thema scheint nicht ganz so neu zu sein, guter  Ansatz zur Plastikvermeidung / Verbesserung der " guten landwirtschaftlichen Praxis " .
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 21. Juni 2019, 11:50:57
Wobei die Raine eher weniger Segetalarten beherbergen,  ausser, wenn sie stärker ruderalisiert und durch Trockenheit lückig geworden sind. Hatten wir letztens, bei RosaRot, wo der  Feld-Rittersporn üppig  im Glatthafer-Rain blüht.
Hier ein bisschen verwilderter Segetalgetreideacker auf einer städtischen `ehemaligen Ruderalfläche´ (40-50 Jahre).
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 21. Juni 2019, 17:05:40
Nee, nee, so'n Ackerrand auf'm Hungersand sieht da gaaanz anders aus! ;D ;D ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 21. Juni 2019, 18:16:40
Das ist immer noch ganz schön fett. Bei höherem Saatreihenabstand und reduzierter Düngung können aber schon ein paar der sensibleren Segetalarten klar kommen. (Klatschmohn und Kornblume haben meistens noch keine größeren Probleme, mitzuhalten.)

Gut ist, echte Grenzertragsstandorte für konsequente Artenschutzmassnahmen zu nutzen und gerade dort nicht die knallbunten, aber wenig wirksamen einjährigen Blühstreifen drauf zu pflastern. Oder man legt das in Kombination an: Brachestreifen, Blühstreifen, Streifen für Segetalarten in der randlich extensiv gehaltenen Hauptkultur.

Das hier sind früher verbreitete, heute nur noch selten zu sehende, im Boden und klimatisch schon recht extreme Standorte:

(https://forum.garten-pur.de/galerie/albums/userpics/16304/arnomini_2016hab.jpg)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 21. Juni 2019, 22:33:59
Meinst Du echt sowas hier? Da wird es aber einen Konflikt geben - wenn wegen der Verbreiterung die Brücke da hinten weg soll. ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 22. Juni 2019, 00:47:53
Nee, nee, so'n Ackerrand auf'm Hungersand sieht da gaaanz anders aus! ;D ;D ;D
Dort ists Stickstoffreich durch Robinien und Hundehinterlassenschaften plus Stadtabgase. Das Wachstum wird meist durch Besonnung oder Trockenheit gehemmt. Was man als Städter jedenfalls sagen kann: Getreide ist ähnlich invasiv wie manch ein Neophyt. Auf 2 Spielplätzen habe ichs auch im `Rasen´. Für den Naturschutz ist das vielleicht was wert. Man könnte Segetalartenreiche Getreideäcker relativ leicht künstlich ansalben auf geeigneten Flächen. Vielleicht denkt mal jemand mit mehr Fläche als ich drüber nach. Oder auch jeder andere der einen kleinen Vorgarten hat und kein Kiesbeet anlegen möchte.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 22. Juni 2019, 06:46:07
... Man könnte Segetalartenreiche Getreideäcker relativ leicht künstlich ansalben auf geeigneten Flächen. Vielleicht denkt mal jemand mit mehr Fläche als ich drüber nach. Oder auch jeder andere der einen kleinen Vorgarten hat und kein Kiesbeet anlegen möchte.

Das ist Illusion. Das Anstalten geht sicher. Erhalten wird sich die Vielfalt der Segetalarten aber nur bei anhaltend extensiver Ackernutzung mit sachgerechter Begleitpflege.Wie gesagt, es geht dabei um weniger robuste Arten als Klatsch-Mohn, oft auch weniger sichtbare.

Man kann im städtischen Raum Demonstrationsflächen schaffen, um zu zeigen, worum es beim Segetalartenschutz geht. Für lebensfähige Populationen sind ausreichend große, am besten auch vernetzte Flächen notwendig.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 22. Juni 2019, 10:52:18
... Man könnte Segetalartenreiche Getreideäcker relativ leicht künstlich ansalben auf geeigneten Flächen. Vielleicht denkt mal jemand mit mehr Fläche als ich drüber nach. Oder auch jeder andere der einen kleinen Vorgarten hat und kein Kiesbeet anlegen möchte.

Erhalten wird sich die Vielfalt der Segetalarten aber nur bei anhaltend extensiver Ackernutzung mit sachgerechter Begleitpflege.
Für lebensfähige Populationen sind ausreichend große, am besten auch vernetzte Flächen notwendig.

Es bleiben Fragen offen:
Wer soll's finanzieren?  Wer solls machen? und Wo soll's stattfinden?


PS: ich hänge weiter immer mal Fotos von Ackerrändern und ähnlichem an - weil's so schön bunt ist ;D

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 22. Juni 2019, 17:39:59
Der (brandenburgische) Vertragsnaturschutz zahlt dafür 200 Euro pro Hektar. Das ist nicht nur den Landwirten, sondern auch nach Ansicht von Naturschützern viel zu wenig,  wurde aber von Landwirtschaftsbehörden so als richtig und angeblich nicht anders möglich ausgerechnet.

Vielleicht machen sich interessierte Landwirte ja mal schlau, was da an Massnahmen zu tun und an Schritten zu unterlassen ist und erklären ihrem Fachminister, was das tatsächlich an betrieblichen Aufwendungen und Einbußen mit sich bringt. Vielleicht glaubt er denen eher und lieber.

Schön bunte Streifen sind ganz nett. Aber man muss ihnen schon auf den Grund gehen, um zu wissen, was sie bewirken. Dass im selben Brandenburg jetzt plötzlich 700 Euro pro Hektar für kaum näher bestimmte und, wenn  es schlecht läuft, die Artenvielfalt mindernde Blühstreifen gezahlt werden sollen, lässt halt so manchen den Kiefer runter klappen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 22. Juni 2019, 20:22:17
700 Euro pro Hektar

Wie gesagt - diese Blühstreifen sind keine Endlösung sondern eine Erste-Hilfe-Maßnahme um für Bienen in den Sommermonaten Futter anzubieten.

700 Euro klingt nach 'ner Menge Geld ;) sind aber lediglich 7 Cent je Quadratmeter für Bodenbearbeitung, Saatgut und Ertragsausfall. Soviel gibt es aber nicht.

Die aktuellen Fördermittelbeträge:
6. Art, Höhe und Umfang der Zuwendung
6.1 Die Förderung umfasst für
Maßnahmen nach 2.3, a) bis 0,5 ha Antragsfläche (einjährig) 80,- EUR/1ha
Maßnahmen nach 2.3, a) ab 0,5 ha Antragsfläche (einjährig) 40,- EUR/1ha
Maßnahmen nach 2.3, b) bis 0,5 ha Antragsfläche (mehrjährig) 220,- EUR/1ha
Maßnahmen nach 2.3, b) 0,5 ha Antragsfläche (mehrjährig) 110,- EUR/1ha

Quelle:http://www.forum-natur-brandenburg.de/wp-content/uploads/2019/03/fnb-foederrichtlinie-bluehflaechen-2019.pdf

Das sind dann 0,4 bis 1,1 Cent je Quadratmeter. Oder anders: wer seinen 500 m² Garten freiwillig mit solchen Blühmischungen einsät würde dafür etwa satte 5 Euro Förderung bekommen! ;D Ein lohnendes Geschäft!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 22. Juni 2019, 20:45:21
Ich glaube, wir schreiben hier über verschiedene Programme. Deine Zahlen könnten die des so genannten Forums Natur sein, das ich insgesamt für fragwürdig halte.
Die dort genannten "Kriterien" sind so halbseiden bis nichtssagend, dass sie zum Teil auch als gute fachliche Praxis ohnehin zu erfüllen wären.

Und eine erste Hilfe sollte dem Patienten dennoch sachgerechte Hilfe geben und ihm nicht - wenn auch aus Versehen und Unkenntnis - die Luft abdrehen. Genau das droht aber in nicht wenigen Fällen zu passieren,  wenn in der größten Zahl der Fälle unspezifische, knallbunte  einjährige Blühmischungen aufgebracht werden. Für die finde ich dann 700 Euro noch zu viel.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 22. Juni 2019, 22:24:34
Die "netten" bunten Streifen auf den angehängten Fotos sind übrigens keine Blühstreifen sondern ganz normale Ackerränder ;) Sie entstehen ganz einfach von alleine. (Eh-da-Flächen)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 22. Juni 2019, 22:33:49
Mach mich für heut vom Acker; hab noch was vor ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 23. Juni 2019, 01:37:28
Ich glaube, wir schreiben hier über verschiedene Programme. ...

ich bin zu faul und zu wenig vom fach für eine suche, könntest du "dein" programm nicht verlinken oder konkreter benennen?

vielleicht nützt das dann auch dmks >dubioser mähdrescher kappt segetalflora< zum erkenntnisgewinn... ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 23. Juni 2019, 01:46:54
Ich sehe da wohl Tragopogon dubius bei dir dmks. Hat sich hier vor 4 Jahren auf einmal in der Stadt ausgebreitet. Dafür sind die grünen Wähler hier schon dankbar, auch wenn sie das noch garnicht mitbekommen haben, das da was neues auf den Baumscheiben im Pflaster wächst. Für die paar Cent/m², die in die Agrarlandschaft fliessen, spenden oder bezahlen andere hier in der Stadt wohl 50€, um mit der `nutzlosen einjährgen Blütenpracht´ ein Zeichen zu setzen. Ein Arbeitskollege hat demletzt extra dafür ein Hochbeet aus Plastik von Beckmann aufgebaut und Blumenerde (Bio-Torffrei) eingekauft.

Lerchenzorn, kennst du Ansprechpartner im Südwesten die sich mit der Segetalgesellschaft und den Wechselwirkungen wirklich detailliert auseinandersetzen? Ich denke nur dort liegt die Zukunft wenn man Artenschutz wirklich ernst nehmen will. Mir ist außer den Praktikern aber noch keiner mit einer vergleichbaren Denkweise untergekommen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: lerchenzorn am 23. Juni 2019, 02:24:09
"Förderrichtlinie' Forum Natur Brandenburg


Förderrichtlnie Land Brandenburg

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 23. Juni 2019, 02:39:13
:o nachtarbeit! :D ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Feinschmecker am 23. Juni 2019, 09:04:36
@ thuja thujon:

Hier ist möglicherweise ein Ansprechpartner für Dich: http://nadr.de/%ef%bb%bfwelt-der-ackerwildkaeuter/
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Juni 2019, 13:57:00
Ich sehe da wohl Tragopogon dubius bei dir dmks. Hat sich hier vor 4 Jahren auf einmal in der Stadt ausgebreitet.

War jetzt so nicht beabsichtigt; aber das Foto zeigt einen der wenigen Ackerränder innerhalb des Stadtgebietes. ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Juni 2019, 22:43:00
Ich glaube, wir schreiben hier über verschiedene Programme. ...

ich bin zu faul und zu wenig vom fach für eine suche, könntest du "dein" programm nicht verlinken oder konkreter benennen?

vielleicht nützt das dann auch dmks >dubioser mähdrescher kappt segetalflora< zum erkenntnisgewinn... ;)

Die erste Erkenntnis ist: Das 'Forum Natur Förderprogramm' hat ein eine Seite langes Antragsformular mit einer 3 - Seitigen Richtlinie. Mit so
halbseiden bis nichtssagend
genannten Forderungen wie."dass mit einem örtlichen Imker und mit
dem zuständigen Jagdausübungsberchtigten ein Abstimmungsgespräch zur Berücksichtigung jagdlicher
und imkereiseitiger Belange erfolgt ist"
Das 'Landesprogramm' gibt mehr Geld - Das Antragsformular hab ich noch nicht gefunden; die Richtlinie ist 7 A-4 Seiten lang und das zu beachtende EU-Merkblatt 63 Seiten. https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2013:347:0608:0670:DE:PDF
Klar gibt es Hilfe bei der juristischen Bewältigung solcher Förderanträge - aber es geht hier um betriebsbezogen sehr kleine Flächen die im Endeffekt eine finanzielle Einbuße bedeuten und bei aller Liebe zur Natur nach einem manchmal 12-Stunden Arbeitstag noch am Schreibtisch bewältigt werden wollen.

Foto heute: Rosarote Idylle.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 23. Juni 2019, 23:02:33
Ist das Lavatera thuringiaca?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 23. Juni 2019, 23:02:46
unsere bürokratie
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Juni 2019, 23:08:49
Ist das Lavatera thuringiaca?

Weiß nicht - ist aber möglich.
Was da alles in diesen Randstreifen wächst kann nur ergründen wer sich da mal selbst reinbegibt ;)
Für Faulis auch direkt an der Straße.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 23. Juni 2019, 23:20:03
...oder mal querfeldein.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Floris am 23. Juni 2019, 23:29:47
unsere bürokratie
Kann man sich auch sparen: bei uns ist es erlaubt, auf Ackerflächen Plätze oder Streifen oder sonstwas anzulegen die man nicht einsät oder auf denen man was anderen einsät als die Hauptfrucht. Das "Sonstige" muss in der Fläche nur untergeordnet sein. Man muss das nicht rausmessen, nicht gesondert deklarieren oder sonst was, man darf das einfach machen und bekommt für die Fläche die gleiche Prämie als ob dort Raps oder Weizen oder Mais stünde.
Das war bis vor Kurzem nicht so. Was sind die Prüfdienste jedem Quadratmeter hinterhergestiegen, auf dem nicht die beantragte Fruchtart vorgefunden wurde.

Bei uns sind angesäte Blühflächen (die vermehrt beworben werden, weil das Volk kundtat, dass mehr für die Verwandschaft der Biene Maja getan werden sollte) durchaus was anderes als Maßnahmen zum Schutz von Ackerwildkräutern. Maßnahmen für Letztere laufen kontinuierlich, von der Öffentlichkeit eher wenig beachtet, als Naturschutzprogramm. Kennt ja auch kein Mensch, die Kräutlein.
Die Blühtflächen werden aus dem Agrarförderetat bezahlt und sollen allgemein die Artenvielfalt fördern. Die anerkannten  Saatgutmischungen enthalten heimische Arten, auch aus lokaler Vermehrung. Halt solche, die anschließend nicht weiter im Acker rumvagabundieren und den Landwirt ärgern.
Angelegt werden sie auf Flächen, auf denen eh nicht viel los ist, typische Äcker halt. Äcker mit besonderen Vorkommen von Ackerwildkräutern können gemeldet werden und sind dann für die Anlage von Blühflächen gesperrt.

Die Politik redet über die Blühflächen um zu zeigen, dass sie was tut. Endlich mal was, was der Normalbürger draußen auch sieht. Sie sind nicht dazu gedacht, spezielle Artenschutzmaßnahmen zu ersetzen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 24. Juni 2019, 08:10:47
Hier fällt auf, dass die Vorgewende der Maisflächen mit Blühstreifen eingesät sind.

Übrigens schafft man sich so Verbündete. Das gehört auch dazu.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Juni 2019, 08:47:18
So etwas nennt man gelebten Klimaschutz!
Wenn dabei ein paar Möhren drauf gehen, na und... ist sowieso viel zu groß das Feld...und Bio warn'se vermutlich auch nicht......„Ende Gelände“...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: obst am 24. Juni 2019, 09:36:27
Zitat
Wenn dabei ein paar Möhren drauf gehen, na und...

Ich möchte doch gerne wissen, was Du sagen würdest, wenn Du in den nächsten Supermarkt gehst und die Regale leer wären.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 24. Juni 2019, 09:40:00
Rosarot meinte es sarkastisch und findet dieses Verhalten genauso rücksichtslos und Ich-bezogen wie Du und ich.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Juni 2019, 10:47:22
Rosarot meinte es sarkastisch und findet dieses Verhalten genauso rücksichtslos und Ich-bezogen wie Du und ich.  ;)

So isses.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 24. Juni 2019, 11:10:47
Die Möhren waren bestimmt alle gespritzt, mit Glysophat.
Die bekommen jetzt alle Fußkrebs vom Durchlatschen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 24. Juni 2019, 14:26:51
Ganzkörperkondomweißvermummte sind sicherlich keine Barfüßler...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 24. Juni 2019, 14:48:44
Das geht durch - Glysophat kennt keine Grenzen.

Sorry, ich bin schwer OT.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 24. Juni 2019, 14:56:04
Außerdem verdunstet es bei Sonnenschein und kann so eingeatmet werden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: planthill am 24. Juni 2019, 15:07:38
ihr Glyphosadisten aber auch ...
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 24. Juni 2019, 17:05:14
...
Übrigens schafft man sich so Verbündete. Das gehört auch dazu.

Ja, so schafft man sich Verbündete und Gräben - diesen Vergleich finde ich haarsträubend, hahnebüchen, Trump-Style:
„...Kollateralschäden sind aber zu vermeiden. Dieses Ziel wurde (wie schon bei der G20-Demo in Hamburg) deutlich verfehlt. ...“

Wohingegen das Enstschädigungsangebot der Organisatoren mal so gerade eben erwähnt wird, direkt gefolgt von der Strafanzeigenempfehlung der Polizei....

Tja, ob die Montagsdemos wohl stattgefunden hätten (und zum wohlbekannten Ergebnis geführt hätten) wenn man vorher überlegt hätte, ob vielleicht was von den Nachbar/Anwohnern/dem Grünflächenamt zu Schaden kommen könnte?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 24. Juni 2019, 18:47:45
Hier fällt auf, dass die Vorgewende der Maisflächen mit Blühstreifen eingesät sind.

Ein Vorteil der Maisflächen:
Mais bekommt deutlich weniger Pflanzenschutzmittel als zB. Kartoffel, Rübe oder Getreide - und bleibt bis ziemlich spät im Jahr stehen.
In den Abstandsflächen, wo also Unkräuter stärker wachsen wächst Mais eh nicht.
Vielleicht schaffen sie auch Wechsel für die Wildschweine, da der Übergang von Feld zu Straße oder anderen Flächen nicht so abrupt ist - den Jäger würdes freuen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 24. Juni 2019, 20:26:44

Wohingegen das Enstschädigungsangebot der Organisatoren mal so gerade eben erwähnt wird, direkt gefolgt von der Strafanzeigenempfehlung der Polizei....

Tja, ob die Montagsdemos wohl stattgefunden hätten (und zum wohlbekannten Ergebnis geführt hätten) wenn man vorher überlegt hätte, ob vielleicht was von den Nachbar/Anwohnern/dem Grünflächenamt zu Schaden kommen könnte?

Zum einen geht es um die innere Einstellung fremden Eigentums gegenüber. Auch ich werde stinksauer, wenn jemand meine Arbeit nicht achtet und z.B. quer durch die Schneeglöckchen latscht. Würde er mir als Ausgleich einen Fünfzigeuroschein anbieten, würde das die Situation garantiert nicht beruhigen.

Im Umfeld der Montagsdemos 1989 gab es keine Schäden und keinen Müll. Glaube mir.  8)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 24. Juni 2019, 23:51:05

Wohingegen das Enstschädigungsangebot der Organisatoren mal so gerade eben erwähnt wird, direkt gefolgt von der Strafanzeigenempfehlung der Polizei....

Tja, ob die Montagsdemos wohl stattgefunden hätten (und zum wohlbekannten Ergebnis geführt hätten) wenn man vorher überlegt hätte, ob vielleicht was von den Nachbar/Anwohnern/dem Grünflächenamt zu Schaden kommen könnte?

Zum einen geht es um die innere Einstellung fremden Eigentums gegenüber. Auch ich werde stinksauer, wenn jemand meine Arbeit nicht achtet und z.B. quer durch die Schneeglöckchen latscht. Würde er mir als Ausgleich einen Fünfzigeuroschein anbieten, würde das die Situation garantiert nicht beruhigen.

Im Umfeld der Montagsdemos 1989 gab es keine Schäden und keinen Müll. Glaube mir.  8)

Demokratische Grundwerte, darum gehts.

Soso, keine Schäden und kein Müll?
"...Auch in Dresden, dem „Tal der Ahnungslosen“, schien die Gewalt zu eskalieren. Im Zusammenhang mit der Ausreise von DDR-Flüchtlingen über die Prager Botschaft wurden am 4. Oktober 1989 vier Züge durch den Dresdner Hauptbahnhof geleitet. Vor und im Bahnhof versammelten sich ca. 5.000 Menschen, teilweise mit dem Ziel, gewaltsam in die Züge zu gelangen. Als die Polizei einschritt und den Bahnhof räumte, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, bei denen Bürger die Polizei mit Pflastersteinen bewarfen und Teile des Bahnhofes demolierten. Ein Polizeiauto wurde dabei angezündet. ...""
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 25. Juni 2019, 08:04:31
Die jetzigen Demos mit Anlauf durchs Möhrenfeld mit den 89er Montagsdemos und damit verbundenen Demos zu vergleichen finde ich etwas schräg, um nicht zu sagen größenwahnsinnig.

Ich hab mir das Video angeschaut und ein paar Reaktionen dazu. Was mich stört, ist dieser zynische Moralismus mancher Demonstranten gegenüber Anderen.
Aber wer sich im Recht wähnt, muss sich von Zweifeln nicht aufhalten lassen  - und schon gar nicht von Mohrrüben.

In dem Zusammenhang:

Hier stehen immer mal wieder Schilder am Straßenrand, die mit den Worten "Nai hämmer gsait" gegen Gentechnik auf dem Acker oder gegen den Ausbau der Bahntrasse Stellung nehmen.
In Kürze vermutlich auch gegen die Forstarbeiten im hiesigen Wald.

Der Spruch stammt aus der Zeit, als die Bevölkerung in Wyhl im Kaiserstuhl den Bau des dort vorgesehenen Kernkraftwerks verhindert hat.
Wie heroisch, sich jetzt im eigenen Kampf gegen die Gentechnik durch das Übernehmen dieses Spruchs selbst mit den Streitern von damals auf eine Stufe zu stellen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 25. Juni 2019, 09:55:29
Danke! :)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 25. Juni 2019, 11:13:52
Die jetzigen Demos mit Anlauf durchs Möhrenfeld mit den 89er Montagsdemos und damit verbundenen Demos zu vergleichen finde ich etwas schräg, um nicht zu sagen größenwahnsinnig.
...

Ja, genau so schräg und größenwahnsinnig, wie bauerwilli's Vergleich des Streifen zertrampelter Möhren mit der exzessiven Gewalt und Randale, die radikale Splittergruppen der Demonstranten aus Selbstzweck während der G20-Demos ausgeübt haben.

Mich befremdet ein Demokratieverständnis, bei dem scheinbar politische Demonstrationen nur stattfinden dürften, wenn sie keine Anwohner stören, über niemandes Grund (auch nicht den der Stadt, des Landes, des Bundes?) verlaufen, nix kaputt gehen kann.

Politische Demonstrationen tragen IMMER die Gefahr in sich, dass "Kollateralschäden" passieren.
Eine Demokratie hat sich darauf verständigt, dass diese "Kollateralschäden" von der Gesellschaft getragen werden - weil jeder einzelne Bürger protestieren darf, wenn etwas grundlegend schief läuft im Staat.
Bei politischen Demonstrationen ist es oftmals auch so, dass BEIDE Seiten zynischen Moralismus an den Tag legen, sich absolut im Recht wähnen.....


Ich finde es bemerkenswert, dass die Organisatoren Entschädigung anbieten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 25. Juni 2019, 11:34:37
Nein, politische Demonstrationen sind kein Klavierkonzert, bei dem es gesittet und geregelt zugeht.
Aber muss man bereits im Vorfeld "Kollateralschäden" an Orten produzieren, die mit dem Ziel der Demo nicht das Geringste zu tun haben?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 25. Juni 2019, 11:44:20
Ich sehe das mittlerweile positiv. Der Blog von Bauer Willi ist mit einem Schlag deutlich bekannter. Seine Sicht auf die Welt finde ich sehr sympathisch.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 25. Juni 2019, 12:20:57
...
Aber muss man bereits im Vorfeld "Kollateralschäden" an Orten produzieren, die mit dem Ziel der Demo nicht das Geringste zu tun haben?

Frage:
Sind sie da durch marschiert, weil sie da grad Lust drauf hatten?

Oder war das der möglichst direkte, kürzeste Weg an der Polizei vorbei auf das Tagebaugelände zu gelangen, was ja das Ziel war?

Hätten sie am Werkstor schellen sollen?

Oder sich per Helikopter/Drohne absetzen/werfen lassen sollen?

Was anscheinend auch den Kritikern nicht auffällt, ist, dass der Trupp nicht flächig „in breiter Front“ durchmarschiert, was mich auch nicht sehr verwundert, aber wesentlich mehr Mohrrüben das Leben gekostet hätte, sondern, angesichts der doch großen Menschenmenge, eine recht schmale Schlange bildet und so recht wenig zertrampelt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 25. Juni 2019, 12:28:11
....
Seine Sicht auf die Welt finde ich sehr sympathisch.

Schon merkwürdig, an anderer Stelle wird immer wieder das hohe Lied der Sachlichkeit gesungen - aber wenn es aus eigener Weltsicht gegen die Richtigen geht, ist das auf einmal nicht mehr so wichtig.....

„...Agrarzeitung
Nun mag Bauer Willi in seiner Verbraucheransprache Vieles sein – sachlich aber ist er nicht. Und trotzdem – oder gerade deshalb – gelingt ihm das, was PR-Strategen ein Glanzstück nennen dürften: Er wird gehört, verleiht der Landwirtschaft eine im Ton unsachliche, weil emotionale Stimme und gibt dabei auf provokante wie unterhaltsame Weise Fachwissen weiter. ...“
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 25. Juni 2019, 13:38:54
Frage:
Sind sie da durch marschiert, weil sie da grad Lust drauf hatten?

Sie sind da durchmarschiert, weil sie sich stark und im Recht fühlten und weil ihnen der Acker scheißegal war.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 25. Juni 2019, 13:44:38
Wär ihnen der Acker scheissegal gewesen, hätten sie nicht brav, ja man könnte es fast schon kleinbürgerlich nennen, eine adrette Schlange gebildet, um ja wenig kaputt zu machen.

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: polluxverde am 25. Juni 2019, 15:38:09
Die aktuelle Debatte in diesem thread bzgl. der Tagebaubesetzung scheint teilweise zu sehr  auf einer wenig sachlichen, eher moralisieren-
den um nicht zu sagen besserwisserischen , leider aber auch zynischen (" Glyphosadisten / Fußkrebs ") Ebene stattzufinden.

Bei aller berechtigten Kritik an der Art und Weise der Aktion ( das Zertrampeln der Felder war ein Eigentor , auch wenn die Landwirte ent-
schädigt werden sollen --  der Umweltschutzbewegung insgesamt war das wenig dienlich ), bleibt festzuhalten :

Solange in den Köpfen  der Entscheidungstraeger im Land ( Politik, Parteien ) das Wirtschaftswohl, Wirtschaftswachstum, Bruttosozial-
Produkt, Profit und Rendite  wichtiger sind als Klimaschutz, Bodenschutz, Nachhaltigkeit etc, sind Organisationen  wie Attac, EndeGelaende,
Friday for Future usw mit ihren ( wenn auch manchmal über das Ziel hinausschießenden ) Aktionen eminent wichtige Katalysatoren des
vielbeschworenen Umdenkens und des " Nicht-weiter-so´s". Mit den etablierten Parteien, auch den sogenannten Grünen wäre in den Köpfen
vieler Bürger noch gar  nichts passiert.

Man kann die Trampelaktion zu Recht kritisieren, muß aber auch bei seiner Kritik Verhältnismäßigkeit walten lassen, ie  hier ein paar Quadratmeter zertrampeltes Gemüse, da aber ein politisch und planerisch legimitiertes und gewolltes Versiegeln von weiterhin 80 ha
Fläche  --  jeden Tag in Deutschland, unwiderbringlich, für noch mehr Straßen,  Gewerbeflächen, Wohnbau.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 25. Juni 2019, 16:18:22
Bei aller berechtigten Kritik an der Art und Weise der Aktion ( das Zertrampeln der Felder war ein Eigentor , auch wenn die Landwirte ent-
schädigt werden sollen --  der Umweltschutzbewegung insgesamt war das wenig dienlich ), bleibt festzuhalten :

Solange in den Köpfen  der Entscheidungstraeger im Land ( Politik, Parteien ) ...

Ich stimme dir zu und wünsche mir dringend, dass Natur- und Umweltschutz weniger Eigentore schießen. Dies war ja nicht das erste.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Krokosmian am 25. Juni 2019, 18:45:55
Eben, es ist auch noch kontraproduktiv.

Dieselbe "Leichtigkeit" im Umgang mit der Lebengrundlage Anderer findet man übrigens mitunter auch bei Wandergruppen, Sondengängern, "Mund"räubern, Hunde- und Pferdebesitzern... Auch wenn das freilich meist nicht so reinhaut!

Man darf gespannt sein, wem der Acker bisher vermutlich auch scheißegal war und plötzlich sein Herz für die Landwirtschaft entdeckt!
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 25. Juni 2019, 18:48:24
 ;D ;D ;D
Ich stelle mir grad die Gesichter der Gartenbesitzer vor, denen die "schmale Schlange" durch ihre "paar Quadratmeter" Blumenbeete getrampelt wäre!
 ;D ;D ;D

(und werd selbst morgen noch lange weiterlachen 8))
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 25. Juni 2019, 19:20:41
Ja, immer schön weiterlachen, das ist ja angeblich gesund.

Ich wäre auch nicht begeistert über einen Protestanten-Gänsemarsch durch meinen Garten, wäre mit einer angemessenen Entschädigung aber problemlos zu besänftigen und würde/werde mich weiter dafür einsetzen, dass niemand das Demonstrationsrecht bis zur Lächerlichkeit beschneidet.

Die Demokratie wird gerade von allen Seiten angenagt, manchen wird die Erosion wohl erst auffallen, wenn sie selber auf einmal drunter leiden werden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 25. Juni 2019, 19:29:52
Ist ja global gesehen halt auch nicht viel Fläche, und zugegeben ist der tägliche Flächenverbrauch ebenfalls ein viel ernsteres Thema!
Trotzdem - es geht hier um Eigentum und die Arbeit anderer Menschen, sowas von ignorant erstmal darüber wegzulatschen (Einzelschicksale sind der eigenen Sache halt unterzuordnen - oder vielleicht war es auch einfach nur bequemer in der vorgetrampelten Spur zu laufen ;))

Demonstrationsrecht ist gut - unangemeldet auf dem eigenen Grundstück muß man das aber nicht haben oder?

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Bristlecone am 25. Juni 2019, 19:45:28
werde mich weiter dafür einsetzen, dass niemand das Demonstrationsrecht bis zur Lächerlichkeit beschneidet.

Hat hier irgend jemand gefordert, dieses Recht zu beschneiden?
Dann hast du sicher ein Zitat.

Und wo du es immer wieder erwähnst:

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Art 8
(1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.
(2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.


Von Kollateralschäden steht da nichts.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Krokosmian am 25. Juni 2019, 19:54:58
Die Demokratie wird gerade von allen Seiten angenagt...

Und wer es dem "Gegner", oder wie auch immer, einfach macht, den Fokus auf "Nebenkriegsschauplätze" und "Kollateralschäden" zu richten, der nagt indirekt fleißig mit.

Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 25. Juni 2019, 20:38:02
werde mich weiter dafür einsetzen, dass niemand das Demonstrationsrecht bis zur Lächerlichkeit beschneidet.

Hat hier irgend jemand gefordert, dieses Recht zu beschneiden?
Dann hast du sicher ein Zitat.
Natürlich gibts kein Zitat - das ist so hübsch unterschwellig darin enthalten, dass politische Demos doch gefälligst nicht über fremden Grund (die Frage hatte ich schonmal gestellt - darf dann auch keine durch einen öffentlichen Park, wenns grad ungenehm ist? Oder über Gemeindeland, wenn es der Gemeinde grad nicht passt?) durchlaufen dürfen, keine Kollateralschäden verursachen dürfen.
Oder die Tragweite wird nicht erkannt  8)

Wenn politische Demos nur noch zulässig wären, wenn garantiert absolut nichts kaputt gehen könnte, sich absolut keiner gestört fühlt - dann sind sie im Grunde schon komplett verboten.
Das sind die Methoden der Erdogans, Orbans usw., dann gibt es nur noch den Anschein der Demokratie, die Realität ist aber eine andere.

Und wo du es immer wieder erwähnst:

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Art 8
(1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.
(2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.


Von Kollateralschäden steht da nichts.
Nee, eben, sie zu verbieten würde bedeuten, Demos zu verbieten.

Vielleicht hat Krokosmian recht mit der "Mithilfe", den Fokus auf die Nebenkriegsschauplätze abzulenken bei Aktionen politischer Gruppen, die nicht genehm sind...

Meine Meinung ist aber, sowas unkommentiert stehen zu lassen, nagt auch mit.



Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 25. Juni 2019, 20:42:45
"Rin in die Kartoffeln - raus aus die Kartoffeln"
https://www.mundmische.de/bedeutung/25624-Rin_in_die_Kartoffeln_raus_aus_die_Kartoffeln
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Alva am 25. Juni 2019, 21:00:38
Wenn politische Demos nur noch zulässig wären, wenn garantiert absolut nichts kaputt gehen könnte, sich absolut keiner gestört fühlt - dann sind sie im Grunde schon komplett verboten.
Das sind die Methoden der Erdogans, Orbans usw., dann gibt es nur noch den Anschein der Demokratie, die Realität ist aber eine andere.
In Österreich wird gerade versucht das Demorecht zu zerstören.
https://derstandard.at/2000105357680/Unbekannte-warfen-Farbbeutel-Demo-Veranstalter-muessen-zahlen

https://derstandard.at/2000104874087/Gewalt-bei-Klima-Demo-Wenn-Polizisten-wegschauen
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 25. Juni 2019, 22:03:52
Das hat alles erst einmal nichts mit der Landwirtschaft zu tun.  ;) Also: Auch der Bauer hat ein Recht auf Rücksichtnahme und auf Anerkennung für seine Arbeit. Ich bin noch mit der Ermahnung aufgewachsen, dass man nicht durchs hohe Gras läuft und nicht das Getreide plattlatscht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 25. Juni 2019, 22:16:17
Ja, ich auch.
Haben wir Kinder uns auch nicht immer dran gehalten.

Das für politische Demos einzufordern find ich immer noch demokratiezernagend.

Apropos Nebenkriegsschauplatz, mach ich mal einen weiteren Nebenkriegschauplatz auf -dafür wird wohl keiner Entschädigung anbieten, oder?  ;D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: *Falk* am 25. Juni 2019, 22:16:54
Im Osten ist nur die Mauer kaputt gegangen. Ansonsten  sollte es kein Recht geben,
das Eigentum anderer oder der Gemeinschaft aus irgend einem Grund zu
beeinträchtigen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 25. Juni 2019, 22:26:56
Nur die Mauer?
...
"...Auch in Dresden, dem „Tal der Ahnungslosen“, schien die Gewalt zu eskalieren. Im Zusammenhang mit der Ausreise von DDR-Flüchtlingen über die Prager Botschaft wurden am 4. Oktober 1989 vier Züge durch den Dresdner Hauptbahnhof geleitet. Vor und im Bahnhof versammelten sich ca. 5.000 Menschen, teilweise mit dem Ziel, gewaltsam in die Züge zu gelangen. Als die Polizei einschritt und den Bahnhof räumte, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, bei denen Bürger die Polizei mit Pflastersteinen bewarfen und Teile des Bahnhofes demolierten. Ein Polizeiauto wurde dabei angezündet. ...""
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 25. Juni 2019, 22:30:14
...Ansonsten  sollte es kein Recht geben,
das Eigentum anderer oder der Gemeinschaft aus irgend einem Grund zu
beeinträchtigen.

Dann darf es keine politische Demonstrationen mehr geben, da diese immer die potentielle Gefahr in sich tragen, dass das Eigentum anderer oder der Gemeinschaft beinträchtigt wird.
Ist das gewollt?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 25. Juni 2019, 22:40:25
-dafür wird wohl keiner Entschädigung anbieten, oder?  ;D
Nö, bei Industriebauten oder Wohnungen sieht's da schon anders aus ;) Und wohl jeder ist froh wenn's "nur" den Acker trifft. Ist auch ein deutlich kleinerer Schaden als so eine Demo.
Ansonsten ist Fundmuni (hier zumindest) des Landwirts ständiger Begleiter...
https://www.lr-online.de/lausitz/forst/munitionsfunde-auf-kartoffelacker-in-forst-lausitz_aid-33507345
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 25. Juni 2019, 23:07:41
Vielleicht sollte man sich nicht nur das eine Video mit dem inszenierten Gänsemarsch und die Entrüstung darüber angucken, sondern wie es bei so Demos allgemein notwendig ist, auch mal ein paar andere Videos aus verschiedenen Perspektiven. zB. auch diese 3-4 bei Twitter: https://twitter.com/JoanieLemercier/status/1142797265188347904

Ansonsten gehe ich davon aus, dass die Aktivisten alle mit dem Fahrrad angereist sind und dieses auf befestigten und dafür ausgewiesenen Flächen abgestellt haben, um die Humusaufbauende Feldflur nicht unnötig zu beeinträchtigen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: zwerggarten am 25. Juni 2019, 23:13:59
kollateralschäden für die demokratie, du weißt schon. mal sehen, ob die argumentation auch vorgebracht wird, wenn säugetiere oder menschen zu schaden kommen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 25. Juni 2019, 23:25:48
Menschen kommen so oder so zu Schaden, das liegt an der Sache.
Was nicht angehen kann, ist, das medial selektiv Meinungsmache betrieben wird. Dadurch leidet die Demokratie mehr als durch `ausgewählte Demonstrationsverbote´.

Ansonsten: der wichtigste Beruf der Erde ist Landwirt.
Notarzt, Feuerwehr kommen erst viel, viel später.
Medienkasper waren schon im Mittelalter verzichtbar.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 25. Juni 2019, 23:27:00
Für Tagebau + Kraftwerke ist eine immense Infrastruktur erforderlich: eigenes Gleissystem für Kohle- und Aschezüge; Bandanlagen; hunderte Kilometer Asphaltstraßen; Absetzer; viele Hektar Sperrflächen und weiß der Geier was alles.
Ich lebe am Tagebaugebiet - selbst ein Reisebus kann ohne Flurschaden bis in das normale Abbaugebiet vordringen. ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 25. Juni 2019, 23:34:09
Der bläst aber deutlich mehr CO2 raus als die Veratmung eines Kohlenhydratreichen Frühstücks durch purum Demonstranti
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Gartenplaner am 25. Juni 2019, 23:36:29
...
https://twitter.com/JoanieLemercier/status/1142797265188347904
...
Wieder erstaunt mich, wie umfangreich der Trupp sich an Feldwege hält  ;D
Bis die berittene Polizei versucht, sie zu stoppen....die Reiter nutzen übrigens zuerst auch eine Trekker-Fahrspur  ;)

Ich frage mich, ob der Reisebus auch ohne Flurschaden bis zur Kante käme, wenn die Polizei versuchen würde, den Zugang möglichst zu blockieren?  ???
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 25. Juni 2019, 23:40:21
Aufgrund der Erfahrungen vom Weihnachtsmarkt würde ich sagen ja.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: RosaRot am 25. Juni 2019, 23:48:16
Auf einem Video ist sogar eine rote Fahne zu sehen, die vorangetragen wird. :D
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 02. Juli 2019, 22:44:34
Nur für Neugierige:
http://www.gut-neusacro.de/de/aktuelles-vom-gut/archiv/artikel-ernte-live-erleben.html
...gibt es sicher so oder ähnlich auch anderswo.  ;)
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Mangostan am 12. Juli 2019, 19:54:51
Die Landwirtschaft wird als Nachbar leider immer bekannter: Nun besteht der Verdacht, dass der Einsatz von Dünger oder Pestiziden in Frankreich zu Geburten von Kindern mit nur einer Hand geführt haben. Die Experimente von Syngenta auf Hawaii dürften bekannt sein. Und jetzt stimmen wir in der Schweiz bald ab über ein Pestizidverbot. Diese Wirtschaft auf und mit dem Land wird uns bekannter, als wir es uns je gewünscht hätten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 12. Juli 2019, 21:06:27
Die Landwirtschaft wird als Nachbar leider immer bekannter:
Nicht bekannter, Unbekannter. Wenn mich jemand im Garten fragt ob er was haben kann, und ob das auch ungedüngt ist, weiss ich oft nicht was ich sagen soll. Wenn die Notwendigkeit der Düngung nicht verstanden wird, bewegen wir uns hier beim Wissensstand/Naturverständnis noch vor der Zeit von Julius Cäsar. 2 Jahrtausende Erkenntnisgewinn kann ich nicht in 5 Minuten nachholen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Mangostan am 12. Juli 2019, 21:41:46
Zu Cäsars Zeiten düngte man allerdings mit Mist, nicht mit Chemiedünger. Düngen ist ausserdem ja eine Frage der Menge, und des Zeitpunkts (eher nicht auf Schnee etwa). Pestizide sind noch das andere Thema, da wird auch zu grosszügig hantiert mit. Cäsar kannte sowas nicht.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Hawu am 12. Juli 2019, 21:47:02
Auch mit organischen Düngern kann man überdüngen.
Und ist es so sicher, daß Cäsar keine Pestizide kannte?
"Schon in der Antike war bekannt, dass Arsen auch gegen Schädlinge wirkte, Schwefel kam wohl gegen Pilze zum Einsatz."
( https://www.spektrum.de/wissen/geht-landwirtschaft-auch-ohne-pestizide/1429861 )
Ob man damals aber schon Wartezeiten eingehalten hat?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 12. Juli 2019, 21:49:44
Es gibt kein Stoff der keine Chemie ist.
Cäsars Gefährten starben u.A. wegen vielen Giftstoffen im Essen recht früh, sie wussten noch nicht so recht wie sie Chemie einzusetzen hatten. Das ist heute besser. Im Mittelalter hätte man gesagt, die Kinder, die nur mit einer Hand auf die Welt kommen, müssen von Dieben sein. Auf diesem Niveau bewegen sich die von dir verlinkten Artikel. Ich denke der Mensch hat mittlerweile mehr Kenntnisse erlangt und muss nicht mehr so einen Quatsch glauben. Wenn er es trotzdem möchte, sei ihm seine Meinung gegönnt.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Mangostan am 12. Juli 2019, 21:55:13
@Hawu: Da sprichst du Schwefel und ich Kupfer an, die Biologischen sind ja nicht aus dem Schneider.
Das mit dem Arsen in der Antike ist interessant, ändert aber nichts.
Wir haben heute ein gravierendes Problem mit der Verschmutzung von Grund- und Trinkwasser durch die Landwirtschaft.
Und ja, ich weiss, der Verbraucher will angeblich Billiges, und das geht eben nur mit den problematischen Mittelchen, so gesehen sind die Bauern nur halb schuld.
Aber darum geht es eben auch nicht.
Das Teufelszeug muss verschwinden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Staudo am 12. Juli 2019, 21:58:17
So lange die Schweiz ausreichend Nahrungsmittel importieren kann, können sich die Schweizer allerlei Narreteien leisten.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Mangostan am 12. Juli 2019, 21:59:45
Auf diesem Niveau bewegen sich die von dir verlinkten Artikel. Ich denke der Mensch hat mittlerweile mehr Kenntnisse erlangt und muss nicht mehr so einen Quatsch glauben. Wenn er es trotzdem möchte, sei ihm seine Meinung gegönnt.

Da machst du es dir nun etwas einfach. Sagen wir synthetisch statt chemisch. Ansonsten wird vertuscht, was nicht behagt, etwa durch Syngenta auf Hawaii, die Dokumente werden nicht angelegt oder gleich entsorgt, bevor was bewiesen werden kann, die Anwohner kriegen dennoch chronische Atembeschwerden und Krebs. Und wer die Sprühflüge über den Rebbergen im Wallis oder mehr noch in den USA gesehen hat, den verlassen die guten Gefühle.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Mangostan am 12. Juli 2019, 22:01:59
So lange die Schweiz ausreichend Nahrungsmittel importieren kann, können sich die Schweizer allerlei Narreteien leisten.

Lebensmittel sind in der Schweiz so oder so sehr teuer, da könnte man sie doch gleich schadstoffarm oder -frei produzieren oder nur noch solche importieren.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 12. Juli 2019, 22:05:36
99,99% der Pestizide/Gifte in Nahrungsmitteln stammen aus den Nahrungsmitteln selbst. Waschen ohne nass machen geht nicht. Musst du Pudern wie im Mittelalter. Das ist Öko. Eine Wolke.
Wir haben heute ein gravierendes Problem mit der Verschmutzung von Grund- und Trinkwasser durch die Landwirtschaft.
Das ist auch so ein Irrglaube. Probleme gibt es in Städten oder anderen Siedlungen, in Gebieten mit viel Viehzucht und Gebieten mit viel Gemüsebau. Ansonsten natürlich in den Gebieten, die von den terrestrischen Bedienungen dafür anfällig sind. Die anderen 80-90% der Fläche oder der normale Ackerbau hat diese Probleme eher nicht. Bleibt abzuwraten wie es mit Bio ist, wenn die Kleegras umbrechen.
Probleme entstehen dadurch mittlerweile allerdings weniger. Man hat das Problem der Überdüngung schließlich schon vor 40 Jahren erkannt. Also die Landwirte, Hobbygärtner noch nicht so recht.
Braucht halt etwas, die Nitratdynamik, oder Phosphor.

PS: Bio hat auch gute Ansätze.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Mangostan am 12. Juli 2019, 22:11:42
Probleme gibt es (...) in Gebieten mit viel Viehzucht und Gebieten mit viel Gemüsebau.

Das ist ja dann eigentlich ein wesentlicher Teil dessen, was Landwirtschaft so tut.
Dioxine gibt es auch v.a. dort, wo Abfall verbrannt wird, sonst ist das nicht so ein Problem. Was ist denn das nun wieder für eine Argumentation?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 12. Juli 2019, 22:13:00
Viehzucht gibts hier in RLP so gut wie keine, hier gibts viel Ackerbau. Brotweizen und so. Kann man auch Kuchen draus machen. Nur keine Sahne.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 12. Juli 2019, 22:15:05
Wenn du die Form fetten willst, brauchts evtl Raps. Gibt auch Honig. Oder du süsst mit Zucker. Dann brauchts Rüben.

Oder wie der bewusst lebende Mensch, Rohrzucker aus Brasilien importieren, dort die Leute ausbeuten und hier die Landwirtschaft an den Karren fahren. Heute gibts Beifall für sowas.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Mangostan am 12. Juli 2019, 22:19:08
Du lenkst ab.
Lass uns über zu viel und problematische Pestizide und Dünger sprechen.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 12. Juli 2019, 22:20:03
Du hast den Begriff "Chemiedünger" verwendet.
Was ist das?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 12. Juli 2019, 22:22:09
Und was sind Pestizide? Quercetin etwa? Diese gesunden Polyphenole? Krebserregend und so?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Mangostan am 12. Juli 2019, 22:28:37
Du hast den Begriff "Chemiedünger" verwendet.
Was ist das?

Nenne sie synthetische Dünger, Kunstdünger, Nebenprodukte der chemischen Industrie.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 12. Juli 2019, 22:33:24
Derjenige, der als schlimmster davon angeführt wird ist Harnstoff. Weil höchster Stickstoffgehalt, konzentrierter gehts nicht mehr, sofort löslich usw.

Allerdings pinkelt den jeder von uns jeden Tag raus.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: thuja thujon am 12. Juli 2019, 22:37:11
Gesellschaftlich akzeptierte, natürliche Dünger wie Hornspäne dagegen setzen sich unkontrollierbar zu Nitrat um, haben deutlich schlechtere Ausnutzungsquoten. Die Hälfte vom Stickstoff daraus geht als Nitrat ins Grundwasser oder als Lachgas in die Atmosphäre. Bei synthetischen Kunsttdüngern ist es deutlich weniger. Die sind eher kontrollierbar. Verstehe wer wolle warum die so verteufelt sind.

Vielleicht liegt die Akzeptanz von Hornspänen aber auch daran, dass sie ein Abfalprodukt der `Massentierhaltung´ sind und heutzutage eben noch mehr alles als früher verwertet wird?
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 12. Juli 2019, 22:42:21
Du hast den Begriff "Chemiedünger" verwendet.
Was ist das?

Nenne sie synthetische Dünger, Kunstdünger, Nebenprodukte der chemischen Industrie.

Die Frage war nicht was ich sie nenne.
Aber was solls:
Mineraldünger; von Presse gern Chemiedünger gennant; werden eben nicht irgendwie chemisch hergestellt, sondern sind meist natürliche Salzablagerungen die bergbautechnisch abgebaut und dann aufbereitet werden.
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: Malvegil am 12. Juli 2019, 23:01:44
Ich bezweifle, daß die korrekteren Bezeichnungen "Salzdünger" oder "Bergbaudünger" die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen würden. ;D

Dieser nie nachlassende Kampf gegen das Wort "Chemie" erinnert mich an gewisse Gymnasiallehrer meiner Schulzeit, denen es offenbar irgendwas gab, wenn sie korrigierend eingreifen konnten, wenn ein Schüler etwas "schwer" nannte statt "schwierig".
Titel: Re: Landwirtschaft Dein unbekannter Nachbar.
Beitrag von: dmks am 13. Juli 2019, 22:16:32
Ich bezweifle, daß die korrekteren Bezeichnungen "Salzdünger" oder "Bergbaudünger" die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen würden. ;D
Wir unterscheiden in der Praxis daher nur "Mineralische" und "Organische" Düngemittel. Mineralische dissoziieren in Wasser sofort zu pflanzenverfügbaren Ionen - wobei orgaqnische erst durch Mikroorganismen oder chemisch/physikalische Bodenprzesse aufgespalten werden und dann als genau die selben Ionen vorliegen. ;)
Wobei mineralische Stickstoffdünger tatsächlich oft technisch hergestellt werden. Dabei wird aber aus Stickstoff (dem Hauptbestandteil unserer Luft) zuerst Ammoniak (das was Kacke so stinken läßt und im Stalldung den Stickstoffanteil ausmacht) hergestellt und dann entsprechend mineralisiert. Kali und Phosphate lagern sich im Boden ab und werden meist dort gewonnen.
Der Pflanze ist's egal - sie kann es in jedem Fall erst mineralisiert und als im Wasser gelöstes Salz-ion aufnehmen.