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Garten- und Umwelt => Naturpark => Thema gestartet von: Tara am 18. Oktober 2017, 21:11:53

Titel: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Tara am 18. Oktober 2017, 21:11:53
„Wir befinden uns mitten in einem Albtraum“ (FAZ)

"...Bei der Erhebungen in 63 deutschen Schutzgebieten zwischen 1989 und 2016 ist ein Rückgang von 76 Prozent (im Hochsommer bis zu 82 Prozent) der Fluginsekten-Biomasse festgestellt worden. Die Verluste betreffen offenbar die meisten Arten, von Schmetterlingen, Bienen und Wespen bis zu Motten und anderen flugfähigen Arten, die praktisch ausnahmslos als Bestäuber von Wild- und Nutzpflanzen oder zumindest als  Beutetiere für Vögel wichtig sind.

...Was genau die Ursache des flächendeckenden Insektensterbens ist, bleibt allerdings nach der ersten Langzeitstudie dieser Art unklar. Die Rückgänge waren allein mit Lebensraumzerstörung, Klimawandel oder Landnutzungsänderungen - und damit auch die Verarmung der Agrarlandschaften - jedenfalls mit den zur Verfügung stehenden Daten nicht zu erklären.
... Daher kann das Klima als wichtiger Faktor nicht ausgeschlossen werden.

...Der dramatische Insekten-Rückgang zeige, „dass Schutzgebiete in nur noch sehr geringem Maße als Quellhabitate für die Besiedlung der Agrarlandschaften dienen können. ...“
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 18. Oktober 2017, 21:21:40
Hoffentlich hat diese Meldung nichts damit zu tun.  :-\
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Tara am 18. Oktober 2017, 21:26:30
Aus Deinem Link: "Woher kommt aber die Zahl „80 Prozent“? Sie stammt wohl aus einer Studie im Orbroicher Bruch, einem Naturschutzgebiet nahe Krefeld, wo man 1989 und 2013 jeweils zwei sogenannte Malaise-Fallen aufgestellt hat."

Aus meinem: "Das Insektensterben in Deutschland ist ganz offensichtlich nicht die Erfindung einzelner Insektenliebhaber oder Entomologen-Vereine, wie das nach einer Anhörung im Bundestag vor anderthalb Jahren und in einigen Medienberichten behauptet worden war. Jetzt kommt eine von Caspar Hallmann von der Radboud-Universität in Nijmwegen geleitete und mit der Unterstützung von ehrenamtlichen Insektenkundlern des Entomologenverieins Krefeld  vorgenommene Studie in der Online-Zeitschrift „PlosOne“ zu dem Schluss: Die drastischen Bestandseinbrüchen sind real, sie lassen sich über 27 Jahre mit Standard-Flugfallen für geflügelte Insekten klar nachweisen. ... Erhebungen in 63 deutschen Schutzgebieten zwischen 1989 und 2016"
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 18. Oktober 2017, 21:30:11
Zitat aus dem von Tara verlinkten Artikel:

"Hier stößt das Ehrenamt an seine Grenzen. Überhaupt ist es enorm, was die Autoren bislang geleistet haben. Es ist dringend nötig, derartige Monitorings entsprechend systematisch aufzubauen – als öffentliche Aufgabe mit öffentlichen Geldern."

Allerdings.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Eckhard am 18. Oktober 2017, 21:43:37
Das betrifft außerdem die gesamte Nahrungskette.Viele  typischen Vogelarten der genutzten Kulturlandschaft haben in den letzten Jahrzehnten die Hälfte ihrer Individuen verloren und das europaweit (zB.Star, Hänfling, Feldlerche, Feldsperling) und weitere noch viel mehr zB. Rebhuhn mit einem Rückgang von über 90%! 
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Rieke am 18. Oktober 2017, 22:06:01
Wer es ganz genau wissen will, kann auch die Originalarbeit in PLOS One lesen. PLOS One ist eine seriöse wissenschaftliche Online-Zeitschrift. 

Abgesehen davon kann man den Rückgang der Insektenzahl auch selbst beobachten: kaum noch Schmetterlinge im Garten, saubere Windschutzscheiben auch bei längeren Autofahrten ...
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 18. Oktober 2017, 22:14:38
Meine rein empirischen und unwissenschaftlichen Beobachtungen sind, dass wir jede Menge Admirale an den Astern haben und es gestern Abend im Sonnenlicht pausenlos gegen die Windschutzscheibe geklackt hat.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Tara am 18. Oktober 2017, 22:32:22
Ich habe hier dieses Jahr zwei (!) Kohlweißlinge gesehen und einen (!) Zitronenfalter, und das war's. Ich bin zugegebenermaßen nicht mehr annähernd so häufig draußen wie früher, aber das war schon sehr auffällig. Und meine Windschutzscheibe wurde bei meinen  Fahrten dieses Jahr kaum schmutzig. Wobei ich mich natürlich sehr freuen würde, wenn Staudos Beobachtungen Stand der Dinge wären und nicht diese Studie. :) - Lediglich an Ameisen scheint es hier nicht zu fehlen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 18. Oktober 2017, 22:42:04
Es gibt vermutlich regionale Unterschiede. Hier fällt mir auch nicht auf, dass die Scheiben sauber bleiben, die Blüten nicht besucht werden usw. Aber an anderen Orten scheint es der Fall zu sein.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Rieke am 18. Oktober 2017, 22:45:59
Ich bin immer wieder im Vordertaunus (Familienbesuch) in einem Ort mit vielen alten Obstgärten. Da summt es dieses viel weniger an den Astern als ich es aus meinem Garten am Berliner Stadtrand gewöhnt bin. Zugegebenermaßen habe ich nicht nachgezählt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Kenobi † am 18. Oktober 2017, 22:50:21
saubere Windschutzscheiben auch bei längeren Autofahrten ...

Ich mache gegenteilige Erfahrung. Nach längeren Autobahnfahrten an warmen Tagen im Frühjahr und Sommer ist mein Auto übersät mit zerplatzten Insekten.
Das weiß ich so genau, weil ich mich jedesmal beim Aussteigen ärgere, denn das Zeug pappt wie Sekundenkleber am Auto.

Ich bilde mir jedoch ein, als Kind mehr Schmetterlinge im Garten beobachtet zu haben. Vor allem Zitronenfalter und kleiner Fuchs. Hab mir deshalb wieder Fenchel in den Garten geholt, nachdem er an anderer Stelle weichen musste.

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 18. Oktober 2017, 22:50:24
Habe kein Auto, aber beim Fahrradfahren dieses Jahr recht wenig Blattläuse zwischen den Zähnen und im Auge gehabt.

Ich schiebe das auf die kühlen Temperaturen zur Wirtswechsel-Flugzeit. Natürlich als reine persönliche Beobachtung, die im Rahemn von Ehrenamtsdaten, Citizien Science, noch zu verifizieren wäre.

Ansonsten hilft es bei mir im Garten recht gut, wenn ich den Mulm von Hühnermistjauche auf den Beeten verteile ohne einzuarbeiten, die Moniliaäpfel offen liegen lasse und auch andere wertvolle, organische Rohstoffe gezielt platziere. All das generiert Vogelfuttertaugliche Insektenmasse.

Lasse ich Maiskörner auf dem Boden liegen, kann ich regelmäßig bestimmte nachtaktive Säugetiere beobachten, die in Citizien Science Projekten nur sehr wenig gemeldet werden. Vielleicht ist Rattus norvegicus in Deutschland nur noch sehr selten vorkommend oder aktiv am austerben, jedenfalls lassen das die Daten im Naturgucker und Co so vermuten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Dicentra am 18. Oktober 2017, 22:54:34
Mir fällt schon auf, dass wir seit einigen Jahren deutlich weniger Insekten im Garten haben und das betrifft nicht nur die Honigbienen. Das Gleiche gilt für Schmetterlinge. Saßen früher die Tagpfauenaugen zuhauf auf den Blüten der Aster x herveyi, so gibt es jetzt gar keine mehr.

Hier wird nahezu ökologisch korrekt gegärtnert (bis auf das Schneckenkorn).
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Wühlmaus am 18. Oktober 2017, 23:11:58
Hier empfinde ich bei Schmetterlingen (Tag- und Nachtfalter) den Rückgang an Arten und Individuen im Laufe der vergangenen Jahre als extrem. Das gilt aber auch für Spinnen.
Honigbienen gibt es wirklich viele.
Wildbienen, Hummeln, Wespen gibt es nach meinem Dafürhalten viele. Über die Vielfalt der Arten kann ich nichts konkretes sagen. Hornissen: eine einzige habe ich dieses Jahr durch den Garten fliegen sehen.
Fliegen scheint es besonders dieses Jahr unendlich viele gegeben zu haben.
Ein weißes, schnelles Auto ist auf langen Strecken (leider) ein guter Insektenfänger :-\ Einzig bei einer Fahrt im Frühsommer war der "Fang" heftig. Alle späteren Fahrten führten kaum zu "Verschmutzung"...
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Rib-isel am 18. Oktober 2017, 23:35:18
Als Kind sind mir die Massen an toten Insekten an den Autos noch in Erinnerung. Diese "Probleme" hat man seit Jahren nicht mehr. Dabei rede ich von einer ländlichen Gegend mit keiner intensiven Landwirtschaft.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Krümel am 19. Oktober 2017, 06:53:34
Meine Schwägerin (auch in der Schweiz wohnhaft) meinte erst kürzlich, es gäbe keine dreckigen Windschutzscheiben mehr (tönt irgendwie wie Reinhard Meys Lied "Es gibt keine Maikäfer mehr" ...), woraufhin ich ihr erstaunt zustimmen musste. Bewusst aufgefallen war mir das nämlich bis zu ihrer Bemerkung nicht, aber es ist definitiv so.

In meinem Garten hat die Insektendichte deutlich zugenommen, doch hatte ich ihn als einen konventionell geführten mit reichlich Gifterei übernommen. Das biologische Gärtnern und vor allem auch die mit jedem Jahr steigende Pflanzenvielfalt führen dazu, dass wir fast jährlich weitere, neue Insekten beobachten können.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 19. Oktober 2017, 07:31:04
Ein wenig überraschender und bedauerlicher Befund.

Einerseits wird gejammert, andererseits sind nachhaltig und biologisch produzierte Lebensmittel für die überwiegende Mehrheit kein Thema - so lange nur der Preis zählt und mit jedem gekauften Produkt die konventionelle Bewirtschaftung von Kulturlandschaften (mit massivem Herbizid- und Insektizideinsatz) unterstützt wird, ist hier leider keine Trendwende zu erwarten.

Die - oft auch zur Beruhigung des Gewissens - praktizierte naturnahe Pflege des eigenen Gartens als quasi 'Insekten-Reservat' richtet nicht wirklich etwas dagegen aus. Fällt die Bestandsdichte in den Populationen weiter, verschwinden die Insekten auch aus diesen Gärten. 

Was erzählt man dann später seinen Enkeln, wenn die fragen, weshalb es keine Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Schwebfliegen, ... mehr gibt? Wahrscheinlich 'Geiz ist Geil'  :(
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 19. Oktober 2017, 07:53:19
Lies mal Taras Eingangspost, da steht:
"...Was genau die Ursache des flächendeckenden Insektensterbens ist, bleibt allerdings nach der ersten Langzeitstudie dieser Art unklar. Die Rückgänge waren allein mit Lebensraumzerstörung, Klimawandel oder Landnutzungsänderungen - und damit auch die Verarmung der Agrarlandschaften - jedenfalls mit den zur Verfügung stehenden Daten nicht zu erklären."

In einem andren Artikel heute morgen lese ich gerade:
"Denn das Angebot der Populisten ist verlockend: Sie versprechen einfache Lösungen für große Probleme, haben für wirklich alles einen Sündenbock parat."

Was mir seit Jahren auffällt, ist ein enormer Rückgang an Tagfaltern - das war in meiner alten Heimat SH schon so und ist hier ganz ähnlich.
Was Hornissen angeht: Danke, unser Bedarf dieses Jahr war gut gedeckt.

Überrascht hat mich in dem Artikel die Aussage, das es nur so wenig systematische Monitoringdaten gibt.
Das wäre aber mit das Wichtigste, um nicht auf der Ebene von Einzeleindrücken und anekdotischen Fallbeispielen zu bleiben.

Frage (nicht nur) an Lerchenzorn: Gibt es da wirklich so wenig bis nichts?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: tarokaja am 19. Oktober 2017, 08:53:43
Wieso nur kommt mir da das Bild aus einem Seminar in den Sinn, bei dem jeder einen kleinen Ausschnitt des Gesamtbildes (letztlich eines Elefanten) bekam...

Das Bedürfnis, selbst etwas beizutragen, wenn man die Natur mit all ihren blühenden und kreuchenden Geschöpfen liebt, ist doch schon mal ein leiser Hoffnungsschimmer, egal ob im eigenen Garten, beim bewussten Einkauf oder übergeordneten Überlegungen.

Was ich in meinem eigenen Garten beobachte, seit ich ihn vor 5 Jahren als Unkrautterrain im Nutzgarten und Wildwuchswiese am Steilhang übernommen habe: Im ehemaligen Gemüsegarten war die Insektendichte mit einer Menge Faltern am überkopfhohen Unkraut anfangs schlicht überwältigend. Jetzt hat sich (sicher auch) mit meinen Eingriffen eine Menge geändert, leider sehr zu Ungunsten der Schmetterlingspopulation - am Steilhang dagegen sehr zugunsten von Bienen, Wildbienen, sonstigen Insekten (die wohl das höhere Angebot an Nektar schätzen) und von Singvögeln. Seit ich erst nach dem Versamen am Steilhang trimmere, tauchen wieder mehr Tagfalter auf.

Systematisches Monitoring - da würde sich vielleicht lohnen, bei den Unis nachzufragen. Wären doch Superthemen für Seminar-, Diplom- und Doktorarbeiten für Botaniker und Biologen...

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: michaelbasso am 19. Oktober 2017, 09:53:40
Fakt ist, daß in der Landschaft in den letzten 70 Jahren ein grundlegender Wandel in Struktur und Nutzung stattgefunden hat. Durch Technik und Chemie ist es heute möglich Landschaftsbereiche zu verändern, die vormals schlicht unerreichbar waren. Da passiert vieles schlicht aus dem Grund, das man es kann, aber eigentlich gar nicht muß.
Die veränderte Wirtschaftsweise auf den Äckern trägt auch dazu bei. Es wäre fast schon ein Wunder, wenn sich das nicht auch in Flora und Fauna niederschlagen würde.

Solche Studien sind immer so eine Sache, es werden (und können) immer nur einzelne Bereiche herausgegriffen werden, es müssen aber griffige Schlüsse für die Öffentlichkeit gezogen werden.
Das freut dann die Kritiker, weil sie es dann ja so schön einfach haben eine Studie anzuzweifeln.
Es braucht mehr Forschung dazu, sicher.

Die Thematik betrifft aber auch das RWI, da sie mit ihrer Ökostromstudie genau so etwas produziert haben, hauptsache die Überschrift stimmt.

 Die Kritik jedenfalls an den 80% ist richtig. Es ist eine Verallgemeinerung. Aber ob und wie sich die Studie an gängige Populationsforschungsmethodik hält (oder auch nicht) und damit einordnenbar ist wird nicht behandelt . Das wäre aber die einzige wirkliche inhaltliche Angrifffsfläche.
Das das RWI sich  in der Methodik der Populationsforschung auskennt, würde ich anzweifeln.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Cryptomeria am 19. Oktober 2017, 10:26:20
Man kann bei sich selbst anfangen und überlegen, wie man seinen Garten insektenfreundlicher gestalten kann. Richtig ist, wenn es in der Umgebung nicht viel gibt, natürlich auch im insektenfreundlichen Garten weniger Arten vorkommen. Aber es gibt viele Arten mit den unterschiedlichsten Ansprüchen und Insekten und Spinnen kommen oft auch von weit her.
Wir haben hier in SH langjährige Untersuchungen von Bio-Betrieben und herkömmlichen Flächen und ganz egal welche Ursachen noch eine Rolle spielen. Es zeigt sich, dass dort wo große Bio-Betriebe anbauen oder mehrere Höfe zusammenliegen, die Pflanzen- und Insektenarten und damit auch die Vogelarten und deren Anzahl , um ein Vielfaches höher ist als auf herkömmlich bewirtschafteten. Man sieht das ganz deutlich, wenn man die Flächen begeht.
Wenn man in einer Gegend wie ich wohnt, wo man lokale Bio-Betriebe kennt und diese durch Kauf von Produkten unterstützen kann, ist das auch schon ein sehr wertvoller Beitrag zum Artenschutz.
Fazit: Kauft mehr Bioprodukte ( möglichst aus heimischem Anbau) und überlegt im Garten, wo es Möglichkeiten gibt, die Vielfalt zu steigern.
Aber ganz wesentlich ist auch: Eine Agrarreform müsste her ( möglichst mit den Bauern und nicht gegen sie , fast könnte man sagen: Die Quadratur des Kreises.)).
VG Wolfgang
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 19. Oktober 2017, 10:27:37
Lies mal Taras Eingangspost, da steht:
"...Was genau die Ursache des flächendeckenden Insektensterbens ist, bleibt allerdings nach der ersten Langzeitstudie dieser Art unklar. Die Rückgänge waren allein mit Lebensraumzerstörung, Klimawandel oder Landnutzungsänderungen - und damit auch die Verarmung der Agrarlandschaften - jedenfalls mit den zur Verfügung stehenden Daten nicht zu erklären."

Der Anteil, den Lebensraumzerstörung, Klimawandel oder Landnutzungsänderungen daran haben, ist derzeit nicht belegbar - leugnen kann man ihn nur schwer.
Gerade diesen Anteil kann man beeinflussen - natürlich kann man auch abwarten und so weiter machen wie bisher - sich auf fehlende Daten und fehlende Forschung zu berufen ist ein bequemer, nicht zielführender Weg.

Überdies zeigt sich bei Umstellung auf Bio-Anbau-Methoden ohnehin recht bald eine Verbesserung und Zunahme der Bio-Diversität - wozu also noch lange Daten sammeln, wenn die Praxis bereits zeigt, wie die Lage entschärft werden kann? Damit noch lange konventionell weitergewirtschaftet werden darf und der Profit in der Massenproduktion weiter läuft?

In einem andren Artikel heute morgen lese ich gerade:
"Denn das Angebot der Populisten ist verlockend: Sie versprechen einfache Lösungen für große Probleme, haben für wirklich alles einen Sündenbock parat."
Es gibt auch User hier, die bei jeder Gelegenheit die moderne Agraridustrie als ganz unproblematisch hinstellen - die ist niemals schuld/verantwortlich/zuständig ::).

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 19. Oktober 2017, 10:41:03
Man kann bei sich selbst anfangen und überlegen, wie man seinen Garten insektenfreundlicher gestalten kann. Richtig ist, wenn es in der Umgebung nicht viel gibt, natürlich auch im insektenfreundlichen Garten weniger Arten vorkommen. Aber es gibt viele Arten mit den unterschiedlichsten Ansprüchen und Insekten und Spinnen kommen oft auch von weit her.
Wir haben hier in SH langjährige Untersuchungen von Bio-Betrieben und herkömmlichen Flächen und ganz egal welche Ursachen noch eine Rolle spielen. Es zeigt sich, dass dort wo große Bio-Betriebe anbauen oder mehrere Höfe zusammenliegen, die Pflanzen- und Insektenarten und damit auch die Vogelarten und deren Anzahl , um ein Vielfaches höher ist als auf herkömmlich bewirtschafteten. Man sieht das ganz deutlich, wenn man die Flächen begeht.
Wir haben diese Beobachtungen auch gemacht - wir leben umgeben von konventionell bewirtschafteten Feldern. Hier verschwinden immer mehr Tierarten und Wildkräuter - obwohl unser Garten voller Insektennährpflanzen ist. Seit über 10 Jahren verbringen wir einen Teil unseres Urlaubs am Bio-Bauernhof in einer Region nur eine Autostunde entfernt - dort kreucht und fleucht es deutlich stärker.

Wenn man in einer Gegend wie ich wohnt, wo man lokale Bio-Betriebe kennt und diese durch Kauf von Produkten unterstützen kann, ist das auch schon ein sehr wertvoller Beitrag zum Artenschutz.
Fazit: Kauft mehr Bioprodukte ( möglichst aus heimischem Anbau) und überlegt im Garten, wo es Möglichkeiten gibt, die Vielfalt zu steigern.

Gerade durch den Kauf von nachhaltig, naturnah und biologisch produzierten Lebensmitteln kann jeder - ob er nun einen kleinen Balkon oder einen Winzgarten hat - einen aktiven Beitrag leisten. Nur wenn entsprechende Nachfrage herrscht, wird der Anteil an Bio-Anbauflächen wieder steigen - hier ist jeder einzelne gefordert. Die Produkte sind vielleicht etwas teurer, man kann vielleicht nicht seine ganze Ernährung auf Bio-Produkte umstellen, weil nicht alles in Bio-Qualität verfügbar ist, aber mit jeder gekauften Packung kann man mithelfen. 

Den eigenen Garten naturnah zu gestalten und zu pflegen ist aus meiner Warte bloß eine Alibihandlung. Hier ist die Parzellengröße winzig, die Bebauungsdichte hoch - eine einzige natürliche Wiese trägt hundertmal mehr zur Biodiversität bei als die selbe Fläche voller kleiner Schachtelhäuser mit Hecke, Rasen, Pool und Grillplatz (mehr hat auf den kleinen Grundstücken nicht Platz).

Aber ganz wesentlich ist auch: Eine Agrarreform müsste her ( möglichst mit den Bauern und nicht gegen sie , fast könnte man sagen: Die Quadratur des Kreises.)).
VG Wolfgang
Die Lobby der Agrarindustrie in Brüssel wird das nach Möglichkeit verhindern - wenn sich die Menschen nicht engagieren und der Billig-Massenproduktion eine Absage erteilen, sehe ich da wenig Hoffnung.  :-\
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Schantalle am 19. Oktober 2017, 12:03:39
Man kann bei sich selbst anfangen und überlegen, wie man seinen Garten insektenfreundlicher gestalten kann. Richtig ist, wenn es in der Umgebung nicht viel gibt, natürlich auch im insektenfreundlichen Garten weniger Arten vorkommen. Aber es gibt viele Arten mit den unterschiedlichsten Ansprüchen und Insekten und Spinnen kommen oft auch von weit her.
Mit eigenen Garten anzufangen ist sicherlich besser als völlige Untätigkeit. Es beruhigt aber vor allem einen selbst.
1. Mir kommt es ähnlich "erfolgreich" wie mein Verzicht auf Plastiktüten angesichts dessen, wie es in der Bucht vor Rio de Janeiro oder in der Gangesdelta aussieht.
2. Du hast Recht. Es wird Ähnliches wie mit Vogel-freundlichen Garten/Park passieren: Man lockt eine Mini-Population einer Art mit (für sie) günstigen Lebensbedienungen an, ist aber nicht in der Lage für eine natürlich Verbreitung der Bestände zu sorgen. Also ebenso beruhigend wie ein paar mit Flasche aufgezogene Eisbären im Zoo.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: tarokaja am 19. Oktober 2017, 12:10:36
Also ich bin immer noch dafür, das eine zu tun und alles andere auch - den eigenen Einflussbereich so gut auszunutzen, wie es geht auf allen Ebenen und kein entweder oder!!
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Eva am 19. Oktober 2017, 12:22:38
Also ich bin immer noch dafür, das eine zu tun und alles andere auch

Guter Ansatz  :D
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 19. Oktober 2017, 12:54:27
Na dann mal her mit einem Plan.
Wieviel Pestizide werden eigentlich in Naturschutzgebieten verspritzt, wieviel Hecken dürfen dort gerodet werden, wieviel Dünger darf ausgebracht werden?
Dort wurde der Rückgang gemessen, der mit den Änderungen der Landnutzung und dem Pestizideinsatz nicht erklärbar ist.
Mit diesem Ergebnis darf man auch über Klima und Luftqualität nachdenken.

Warum jetzt überall durch die Medien geht, die Landwirtschaft ist schuld und man müsse anfangen, Agrarreform und Bioanbau, ich verstehe es ehrlich gesgat nicht.
Die Notwendigkeit einer Agrarreform hat doch mit dem anderen nichts zu tun.

Da die Studie immernoch nicht hier verlinkt ist, tu ich das mal:
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809

Die wenigstens Leute werden sie wohl schon gelesen haben.
Ich hol das jetzt mal in der Mittagspause nach.
Damit ich später vielleicht was bewegen kann, nicht nur mein Gewissen, sondern was echtes.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 19. Oktober 2017, 13:19:18
Also ich bin immer noch dafür, das eine zu tun und alles andere auch

Guter Ansatz  :D

Beides ist sinnvoll, das eine im großen - und deshalb wichtiger für die Zukunft, das andere im kleinen - und deshalb gut für die eigene unmittelbare Lebensqualität.
Idealerweise macht man noch was Drittes: Aufklären und lästig sein - im Freundes- und Bekanntenkreis das Bewußtsein für die Folgen des eigenen Kaufverhaltens sichtbar machen und sichtbar mit gutem Beispiel voran gehen, z. B. so:

Ich war gerade mit der Familie bei einem Backkurs - es ging darum, professionelles Backen zu lernen und zwar die überlieferte, herkömmliche Variante ohne Backmischungen und moderne 'Backhilfsmittel' wie sie in der industriellen Bäckerei inzwischen üblich geworden sind. Es wurden ausschließlich Bio-Backzutaten verwendet. Für interessierte hier übrigens ein Link: http://www.derbackprofi.at/

Die Ergebnisse waren hervorragend - und ich werde heuer für einen Weihnachtsgebäck-Workshop, den ich halte, ebenfalls nur Bio-Backzutaten verwenden und die Teilnehmer zum bewußteren Einkauf motivieren. Vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber wenn genug Tropfen zusammenkommen, bewegt sich was.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: wallu am 19. Oktober 2017, 13:25:34
Meine Schwägerin (auch in der Schweiz wohnhaft) meinte erst kürzlich, es gäbe keine dreckigen Windschutzscheiben mehr (tönt irgendwie wie Reinhard Meys Lied "Es gibt keine Maikäfer mehr" ...), woraufhin ich ihr erstaunt zustimmen musste. Bewusst aufgefallen war mir das nämlich bis zu ihrer Bemerkung nicht, aber es ist definitiv so. ...

Das liegt auch an den heutzutage "windschnittigeren" Autos; die Frontscheiben heutiger Modelle sind im Vergleich zu früheren Jahrzehnten abgeflachter, um einen besseren cw-Wert zu erreichen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: RosaRot am 19. Oktober 2017, 13:35:36
Eben habe ich mir die Studie kurz angehen. Vor allem hat mich interessiert, wo die Erfassung gemacht wurde.
Die Karte (Anhang S1 Fig.) zeigt vor allem (die Mehrzahl) Messpunkte (Fallen) in Nordrheinwestfalen und einige (4) in Brandenburg, dazu mit Kreuz bezeichnet die Wetterstationen.

Neulich fuhr ich mit dem Zug durch NRW nach Köln, eine Tour die ich noch nie gemacht hatte, weil ich in dieser Gegend noch nie war. Was mir auffiel: sooo dicht besiedelt.
Man fährt 10 min von einer (Groß) Stadt zur nächsten (hier eine halbe bis zwei Stunden)...als absolutes Ostlandei fand ich das schon sehr beeindruckend.

Das lässt mich nicht an den Ergebnissen der Studie zweifeln, doch aber an der Relevanz für ganz Deutschland. Insofern kann die Studie zwar ein Denkanstoß sein, aber ein flächendeckendes Monitoring ersetzt sie keinesfalls.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 19. Oktober 2017, 13:47:11
Ich hatte unlängst längere Gespräche mit Imkern aus der Region.
Sie sagen, den Stadtbienen geht es besser als die auf dem Land Lebenden. Blüten und damit Nahrung sind innerstädtisch länger verfügbar, so ausgeräumt ist inzwischen unsere Natur.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 19. Oktober 2017, 13:49:51
Auch das kann man so pauschal nicht sagen. Eine Straßenkreuzung wird für Bienen ähnlich uninteressant sein wie ein Maisacker. Übrigens beginnt sich der Maiszünsler massiv auszubreiten und damit nimmt die Insektenanzahl auf Maisäckern wieder zu.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 19. Oktober 2017, 13:55:01
Es sind die Gärten, die den Bienen Nahrung geben.
Bei mir fliegen noch viele Bienen und Hummeln. Der Lavendel, Salbei, Basilikum, Rosmarin blüht noch.
In der Stadt Ludwigsburg gibt es noch Alleen aus Linden und Akazien und somit Imker, die davon profitieren.
Vorkommen in der freien Landschaft, ich kenne hier keine.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: tarokaja am 19. Oktober 2017, 14:01:46
Also ich bin immer noch dafür, das eine zu tun und alles andere auch

Guter Ansatz  :D

Beides ist sinnvoll, das eine im großen - und deshalb wichtiger für die Zukunft, das andere im kleinen - und deshalb gut für die eigene unmittelbare Lebensqualität.
Idealerweise macht man noch was Drittes: Aufklären und lästig sein...

...
Vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber wenn genug Tropfen zusammenkommen, bewegt sich was.

Ich meinte wirklich ALLES andere auch also 'Drittes' eingeschlossen, allerdings ausdrücklich nicht belehrend.  ;D
Sonst erhöhen sich nur Widerstand und Ablehnung...

Gut informiert sein und überall viele 'dumme' Fragen stellen - die Wirkung ist um einiges wirkungsvoller, v.a. weil man dann selbst immer weiter dazu lernt...

Danke für den Link, thuja thujon.  :)

Ich weiss gar nicht, wie das in der Schweiz mit dem Monitoring ist. Sobald im Winter der Garten nicht mehr so viel Aufmerksamkeit und Arbeit fordert... muss mal schauen, ob ich alte Kontakte aktivieren kann.

 
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lune5 am 19. Oktober 2017, 14:11:24
Kleiner Einwurf: Wem bienengerecht zu aufwändig ist - wie wäre es mit Efeu? Wir haben so einiges efeubegrüntes und da tobt zurzeit das pralle Insektenleben. Von Schmetterlingen über Bienen, Hummeln, Wespen, manche, die ich bisher noch nie gesehen hatte. Wenn man vorbei geht, steigt eine Wolke auf. Das fängt an, sobald morgens die Sonne scheint und geht bis zum frühen Abend.
LG lune
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 19. Oktober 2017, 14:18:37
Gut informiert sein und überall viele 'dumme' Fragen stellen - die Wirkung ist um einiges wirkungsvoller, v.a. weil man dann selbst immer weiter dazu lernt...
Ich habe letztens im Supermarkt nach palmölfreier Margarine gefragt - idealerweise regional und biologisch produziert. Großes Rätselraten und Produkt-Analysieren war die Folge - und dann die beschämende Erkenntnis des Abteilungsleiters, daß sie tatsächlich keine im Sortiment haben. Es haben einige Kunden und ein Teil des Personals mitbekommen - war wohl bewußtseinsbildend. Wenn mehr Leute fragen, wird sich das Sortiment ändern  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: neo am 19. Oktober 2017, 14:20:31
Ich weiss gar nicht, wie das in der Schweiz mit dem Monitoring ist.

Gab es bisher scheinbar nicht, aber man weiss trotzdem, dass die Insekten abgenommen haben.
https://www.srf.ch/news/panorama/es-hat-wie-regen-gegen-die-windschutzscheibe-geklatscht

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 19. Oktober 2017, 14:20:46
Ja, der zieht Insekten, auch Hornissen, magisch an, wenn er blüht, das Bild ist vom September.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Rieke am 19. Oktober 2017, 14:25:56
Überrascht hat mich in dem Artikel die Aussage, das es nur so wenig systematische Monitoringdaten gibt.
Das wäre aber mit das Wichtigste, um nicht auf der Ebene von Einzeleindrücken und anekdotischen Fallbeispielen zu bleiben.

Frage (nicht nur) an Lerchenzorn: Gibt es da wirklich so wenig bis nichts?

Die üblichen ökologischen Untersuchungen betrachten gerade bei Insekten eher einzelne Artengruppen, z.B. Wildbienen oder Laufkäfer und dann die Arten- und Individuenzahl, nicht die Biomasse von fliegenden Insekten insgesamt.

Wieviel Pestizide werden eigentlich in Naturschutzgebieten verspritzt, wieviel Hecken dürfen dort gerodet werden, wieviel Dünger darf ausgebracht werden?
Dort wurde der Rückgang gemessen, der mit den Änderungen der Landnutzung und dem Pestizideinsatz nicht erklärbar ist.
Mit diesem Ergebnis darf man auch über Klima und Luftqualität nachdenken.

Zu Naturschutzgebieten gibt es normalerweise eine Satzung, die vorschreibt, was dort zulässig ist, unterlegt durch ökologische Gutachten, und außerdem einen Pflege- und Entwicklungsplan. Was zulässig ist, hängt daher von den jeweiligen ökologischen Gegebenheiten und dem Schutzzweck ab. Wenn eine z.B. offene Heidelandschaft erhalten werden soll, geht es nicht ohne Beweidung, wenn sehr störungsempfindliche Tierarten vorkommen, kann es ein Betretungsverbot geben. Land- oder Forstwirtschaft kann verboten sein, oder durch Auflagen eingeschränkt, aber das ist nicht immer so.

Zu den Ursachen: Pestizideinsatz wurde in der Studie nicht betrachtet, wahrscheinlich fehlen die flächendeckenden Daten, wie die benachbarten landwirtschaftlichen Flächen jeweils bewirtschaftet wurden. Die Landnutzung wurde durch Luftbildauswertung ermittelt, in einem Umkreis von 200 m um die Fallen. Daß kein Zusammenhang zwischen Landnutzung und Rückgang der Insekten in dieser Studie nachgewiesen wurde, heißt nicht, daß es den nicht gibt - vielleicht wurde die Landnutzung nur nicht genau genug betrachtet. In der Diskussion wird  Intensivierung der Landwirtschaft als eine mögliche Ursache genannt.

Außerdem steht dort: "The reserves in which the traps were placed are of limited size in this typical fragmented West-European landscape, and almost all locations (94%) are enclosed by agricultural fields. Part of the explanation could therefore be that the protected areas (serving as insect sources) are affected and drained by the agricultural fields in the broader surroundings (serving as sinks or even as ecological traps) " Ich würde daher Verinselung und Fragmentierung von Lebensräumen für einen der verantwortlichen Faktoren halten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 19. Oktober 2017, 14:30:11
Ich würde daher Verinselung und Fragmentierung von Lebensräumen für einen der verantwortlichen Faktoren halten.

Das scheint mir plausibel.

In dem von Neo verlinkten Text wird auf weitere Faktoren hingewiesen: bis zu achtfache Mahd von Wiesen, keine Übergänge zwischen landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen und Waldrändern, Rückzug nachtaktiver Insekten in immer seltener werdende "Dunkelrefugien".


Meine Schwägerin (auch in der Schweiz wohnhaft) meinte erst kürzlich, es gäbe keine dreckigen Windschutzscheiben mehr (tönt irgendwie wie Reinhard Meys Lied "Es gibt keine Maikäfer mehr" ...), woraufhin ich ihr erstaunt zustimmen musste. Bewusst aufgefallen war mir das nämlich bis zu ihrer Bemerkung nicht, aber es ist definitiv so. ...

Das liegt auch an den heutzutage "windschnittigeren" Autos; die Frontscheiben heutiger Modelle sind im Vergleich zu früheren Jahrzehnten abgeflachter, um einen besseren cw-Wert zu erreichen.

Ja - einerseits.

Andererseits: Auch bei gewöhnlichen Lokomotiven ist dieser Effekt zu beobachten, siehe in dem von Neo verlinkten Artikel. Und da bezweifle ich, dass die Lokfront heute wesentlich windschnittiger ist.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: RosaRot am 19. Oktober 2017, 14:53:10
Ich würde daher Verinselung und Fragmentierung von Lebensräumen für einen der verantwortlichen Faktoren halten.

Eben, wie  in #29 bereits (anders ausgedrückt)bemerkt: der Großteil der Daten wurde in NRW erhoben, nur vier Fallen standen in Brandenburg (wo ist mir nicht ganz klar , irgendwo in Südostbrandenburg?), andere Gebiete wurden nicht erfasst. NRW ist sehr dicht besiedelt, natürlich sind dort Lebensräume für Nichtmenschen stark fragmentiert.
Das ist in großen Teilen Sachsen-Anhalts beispielsweise völlig anders. Interessant wäre mal so eine Studie beispielsweise da wo die Wölfe wohnen und sonst niemand: in der Colbitz-Letzlinger Heide z.B. oder anderen nicht betretbaren ehemaligen Militärgeländen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 19. Oktober 2017, 15:02:18
Ja, der zieht Insekten, auch Hornissen, magisch an, wenn er blüht, das Bild ist vom September.

Auch Insekten, Spinnentiere, Gliedertiere, Urinsekten etc. die keine Blüten besuchen, sind wichtig - eine einseitige Förderung durch die Ansiedlung von Blütenpflanzen mit großem Nektarangebot sorgt nicht wirklich für Biodiversität, auch wenn das rege Gesumm für uns Menschen nett anzusehen ist.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 19. Oktober 2017, 15:28:06
Ja, das ist mir bekannt, es ist ein Baustein...
nach eins kommt zwei... ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Tara am 19. Oktober 2017, 16:45:52
Heute kommentiert die FAZ den Artikel. Man beachte die Bildunterschrift: "Summ summ summ, Bienchen summ herum..."  :-X  Information tut not.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Rieke am 19. Oktober 2017, 17:14:40
Dieser etwas ältere Artikel in der FAZ über den Krefelder Verein ist lesenswert - und mit schönen Fotos.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: RosaRot am 19. Oktober 2017, 19:43:48
Dieser etwas ältere Artikel in der FAZ über den Krefelder Verein ist lesenswert - und mit schönen Fotos.

Daraus ein Satz: "Ob im Garten oder auf dem Acker, in Deutschland gilt unerschütterlich: Ordnung muss sein."

So ist es, das ist eines der schlimmsten Wendegeschenke. Wie ich mich ärgere über die regelmäßig maschinell "abgewüteten" Wegränder, über das Fällen alter Obstbaumalleen usw.usw...

In England fielen mir die vielen Hecken und schönen Bäume inmitten der Felder auf, riesige alte Eichen, auch umgebrochene alte. Verwundert hat mich, dass in den Gärten nur wenige Insekten zu sehen waren. An Schmetterlingen sah ich nur einige Admirale. Auch dort nur wenig Insekten, trotz Hecken und Gebüschen samt Rändern noch und nöcher?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Quendula am 19. Oktober 2017, 19:44:37
Heute in den Nachrichten meines Radiosenders kam eine kurze Meldung dazu. O-Ton des letzten Satzes: "...wichtig sei, die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln einzuschränken, sagen die Fachleute." Übrigens war das dort das einzige Fazit. Habe hingeschrieben und denen gesagt, dass das aus der Studie nicht hervorgeht. Es kam sogar eine Antwort des Radiosenders  (:D) "... Der NABU-Chef hat deshalb ganz konkret den Verzicht von Pestiziden in dem Zusammenhang gefordert." Stimmt das so?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 19. Oktober 2017, 19:52:38
In England fielen mir die vielen Hecken und schönen Bäume inmitten der Felder auf, riesige alte Eichen, auch umgebrochene alte. Verwundert hat mich, dass in den Gärten nur wenige Insekten zu sehen waren. An Schmetterlingen sah ich nur einige Admirale. Auch dort nur wenig Insekten, trotz Hecken und Gebüschen samt Rändern noch und nöcher?

Schau mal hier: http://derstandard.at/2000042911377/Neonicotinoide-Neue-Studien-bestaetigen-Bedrohungslage-fuer-Bienen

Daß Insektizide Insekten töten bzw. ganze Populationen schädigen ist nun ja wirklich nicht überraschend.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Quendula am 19. Oktober 2017, 20:03:16
*antwortet sich selber*

Nein, stimmt nicht ganz: "Der NABU fordert daher generell eine drastische Reduktion des Pestizideinsatzes und ein Verbot aller Pestizide auf der als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Landesfläche.". Oder fand jmd was anderes dazu?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Waldmeisterin am 19. Oktober 2017, 20:16:27
Dieser etwas ältere Artikel in der FAZ über den Krefelder Verein ist lesenswert - und mit schönen Fotos.

Daraus ein Satz: "Ob im Garten oder auf dem Acker, in Deutschland gilt unerschütterlich: Ordnung muss sein."

So ist es, das ist eines der schlimmsten Wendegeschenke. Wie ich mich ärgere über die regelmäßig maschinell "abgewüteten" Wegränder, über das Fällen alter Obstbaumalleen usw.usw...

In England fielen mir die vielen Hecken und schönen Bäume inmitten der Felder auf, riesige alte Eichen, auch umgebrochene alte. Verwundert hat mich, dass in den Gärten nur wenige Insekten zu sehen waren. An Schmetterlingen sah ich nur einige Admirale. Auch dort nur wenig Insekten, trotz Hecken und Gebüschen samt Rändern noch und nöcher?

Das ist wohl kein deutsches Problem, ich denke eher, woanders ist es noch schlimmer. Frankreich etwa. Zu unserem Haus in der bretonischen Einöde führt ein Feldweg, eine Sackgasse. Da kam einmal im Jahr die Gemeinde durch und hat den grasigen Mittelstreifen mit Glyphosat behandelt  :o
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 19. Oktober 2017, 20:44:43
*antwortet sich selber*

Nein, stimmt nicht ganz: "Der NABU fordert daher generell eine drastische Reduktion des Pestizideinsatzes und ein Verbot aller Pestizide auf der als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Landesfläche.". Oder fand jmd was anderes dazu?


Diese NABU-Forderung ist ja nicht neu, und eine kurze Recherche zeigt, dass dazu z. B. wiederholt kleine Anfragen von Landtagsmitgliedern in verschiedenen Bundesländern gestellt wurden.
Den Landesregierungen resp. zuständigen Behörden scheinen dazu aber keine zentral zusammengefassten Daten vorzuliegen.
Ich frage mich: Hat der NABU dazu Daten und Informationen, dass in NSG regelmäßig PSM eingesetzt werden? Wenn ja, aus welcher Gruppe: Herbizide, Insektizide?

Oder macht sich so eine Forderung "Keine Pflanzenschutzmittel in Naturschutzgebieten" einfach gut?
Gerade jetzt, wo diese Insektenstudie überall in den Medien Erwähnung findet.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: troll13 am 19. Oktober 2017, 21:03:04
Hier werden doch schon wieder Nebenkriegsschauplätze wie bei der Glyphosatdiskussion eröffnet.

Und mit unvernetzten Reservaten wie Naturschutzgebieten, wird man die Artenverarmung eh nicht aufhalten können.

Während für Gewässerrandstreifen schon besondere Schutzbestimmungen gelten, werden ökologisch wichtige Randsituationen auf Wegeseitenrändern immer noch unterbewertet. Hier würden allein verbindliche Regelungen über Mahdtermine aber auch die Überprüfung der Besitzgrenzen für Ackerränder schon viel für die Förderung der Biodiversität bringen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 19. Oktober 2017, 22:37:06
Gewässerrandstreifen sind oft nur in minimalem Umfang wirksam geschützt, je nach Förderkulisse der Bundesländer. Die Sicherheitsabstände für den Einsatz nach Düngemittelverordnung betragen oft weniger als 1 (einen!) Meter, mitunter beeindruckend präzise (wodurch?) ermittelte 0,7 m.  Das Eigentum schützt einen Randstreifen nicht, wenn der Eigentümer der angrenzende Ackernutzer selbst oder ein mit ihm auf keinen Fall in Konflikt geraten wollender Mitbürger ist. Beides die überwiegend anzutreffenden Normalfälle.

Schutzgebiete sind wichtig. Sie verschlechtern sich in ihrem Zustand überwiegend ebenfalls, das ist richtig. Der Schwund wertvoller Arten und Lebensräume in ihnen ist aber immer noch geringer als in gar nicht geschützten Landschaftsausschnitten.

Zur Wirksamkeit von Schutzgebieten: entscheidend über den Einsatz landwirtschaftlicher Mittel und Methoden und die Nutzungsweisen ist die jeweilige Schutzgebietsverordnung. "Milde" Verordnungen haben geringe Schutzwirkung. Die Verordnungen sind umso milder, je mehr Landwirtschaftsminister durch grundsätzliche Blockaden bei der Mitzeichnung dieser Verordnungen Gefälligkeit und Wohlverhalten politisch schwacher Naturschutzstellen erzwungen haben. Ich habe willkürlich ein Grünlandgebiet herausgegriffen: Eine neuere, schon unter den Verschärfungen des europäischen Naturschutzrechtes erlassene Verordnung über das Naturschutzgebiet "Oberes Rhinluch". §§ 4 und 5 machen deutlich, was letztlich an Beschränkungen für die Landwirtschaft gilt. PSM sind in dem Fall im Grünland ausgeschlossen, Nutzungstermine sind nicht beschränkt. Es ist, für Brandenburg, keine überdurchschnittlich lasche Verordnung - eher der Durchschnitt. Das Lavieren zwischen den eigentlich notwendigen Beschränkungen und dem letztlich durchgesetzten Verordnungsinhalt ist an vielen Stellen spürbar.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 19. Oktober 2017, 22:37:10
Ich denke je mehr man Pestizidverbot oder Efeupflanzungen oder Honigbienengerechte Gärten fordert, desto eher kann man ganz Deutschland unter Beton begraben.

Das Argument mit Verinselung, das zieht. Gibts belastbare Untersuchungen dazu?
Ich kenne nur welche von der Stadt, und die stellen trotz hoher Artenvielfalt ein katastrophales Zeugnis dafür aus. Weil Artenvielfalt die Menge beschreibt, nicht die Qualität und Struktur.
Warum überhaupt die Forderung zur Erhöhung der Artenvielfalt?

`Unser Dorf soll schöner werden´, das Bauernsterben und damit zusammenlegen der Nutzflächen... Es wäre mal eine spannende Frage, wie sich die Insektenbiomasse bzw Futterqualiät des ersten faunistischen Teils der Nahrungskette in dichtbesiedelten Gebieten Westdeutschlands zu den schon länger bestehenden, eher größeren Äckern in den neuen Bundesländern in den letzten 3 Jahrzehnten entwickelt hat.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 19. Oktober 2017, 22:41:40
Zuverlässiger als bei den unzureichend untersuchten Insekten sind die Aussagen, die über Vogelarten in der sogenannten Normallandschaft vorliegen. Diese werden zwar auch ehrenamtlich, aber in solcher Dichte und Regelmäßigkeit erhoben, dass sie statistisch besser belastbar sind. (Zugleich sind sie die einzige Artengruppe, die den Indikator "Artenvielfalt" im nationalen Nachhaltigkeitsindex repräsentieren - was viel über die Dürftigkeit des Indikators, aber auch über die unvergleichlich hohe Schlagkraft der ehrenamtlichen Ornithologen aussagt.)

Ebenfalls aussagefähig sind die auf ausgewählte Arten und Biotope beschränkten Monitoring-Programme zu den europäisch geschützten Arten und Lebensräumen, die in den Anhängen der FFH-Richtlinie erfasst sind.

Die Ergebnisse beider Programme sind ernüchternd:

Nachhaltigkeitsindex:
Zielerreichung über die Vogelarten aller Landschaftstypen
... in der Agrarlandschaft
... den Siedlungen
... in Wäldern.

Nationaler FFH-Bericht 2013 (gelb und rot markieren unzureichende Zustände):
Nationaler Bericht FFH 2013, Zusammenfassung
Zustand Anhangs-Arten
Zustand der Lebensräume

Umfassend und mit gründlicher Ursachenbetrachtung ist eine schon ältere Gegenüberstellung der Vogelwelt innerhalb und außerhalb brandenburgischer Großschutzgebiete: Bestandsentwicklung der Brutvögel in Brandenburger Großschutzgebieten im Vergleich mit Ostdeutschland 1995-2004.

Das hat nun alles nicht direkt mit den sterbenden Insekten zu tun, im Geschehen und in der Analyse aber große Ähnlichkeiten. Es wäre verwunderlich, wenn sich ein tendenziell, mitunter rasant verschlechternder Landschaftszustand nicht auf Insektenpopulationen auswirken sollte.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 19. Oktober 2017, 22:58:39
Ich denke je mehr man Pestizidverbot oder Efeupflanzungen oder Honigbienengerechte Gärten fordert, desto eher kann man ganz Deutschland unter Beton begraben.

Das Argument mit Verinselung, das zieht. Gibts belastbare Untersuchungen dazu?
Ich kenne nur welche von der Stadt, und die stellen trotz hoher Artenvielfalt ein katastrophales Zeugnis dafür aus. Weil Artenvielfalt die Menge beschreibt, nicht die Qualität und Struktur.
Warum überhaupt die Forderung zur Erhöhung der Artenvielfalt?
???
Ich möchte nicht in einer strukturarmen ausgeräumten Landschaft leben, ich plädiere für Streuobstwiesen mit ihrer Artenvielfalt.
Es geht darum, jeder kann etwas in seinem Umfeld tun um Arten einen Lebensraum zu bieten, es gibt so viel Möglichkeiten und wo fange ich an, bei mir selbst.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 19. Oktober 2017, 23:15:14
 ;) Ja, da bleiben bei mir auch einige Fragezeichen, bei dem, was uns Thuja Thujon sagen wollte.


Im DLF-Interview argumentiert der Studienleiter Hans de Kroon ausführlich und verweist auf weitere Arbeiten, die an anderen Stellen die Lebensfeindlichkeit industriell bewirtschafteter Agrarfläche belegen.

Noch einen Punkt hebt er hervor: der Schwund betrifft in den letzten Jahren immer stärker auch häufige, vor wenigen Jahrzehnten noch allgegenwärtige Arten. Für unsere Landschaften ist das ein Dejavu. Vor 250 bis 200 Jahren durchlief ein großes Spektrum mitteleuropäischer Arten (ich kann es vor allem für Pflanzen benennen) derart dramatische Bestandseinbrüche, dass schon die ersten systematischen Inventuren von Botanikern in der Mitte des 19. Jahrhunderts die ehemalige Häufigkeit dieser Arten nicht mehr abbilden konnten. Ursache war die, in landschaftshistorischen Maßstäben, schlagartige Ablösung der auf Subsistenz gerichteten Gemeinnutzungen durch separierte, auf Erwirtschaftung von Reinerträgen zielende Nutzungen. Von da an nahm die Nischenvielfalt für konkurrenzschwache, nährstoff- und versauerungsempfindliche Arten und Strukturen tendenziell ab, stark beschleunigt in den letzten 60 bis 70 Jahren und weiterhin anhaltend.

Nun könnte ein neuer Absturz einsetzen, mit weiter gesteckten Ursachen und völlig neuen "Opfern".
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 19. Oktober 2017, 23:39:26
Mhh, ok. Ich versuche zu ergänzen.
Viele Leute haben in den letzten Jahren Insektenhotels gekauft oder selbst gebastelt, leider oftmals Modelle, die höchstens eher wenig nutzen bis völlig ungeeignet sind. Die betroffenen Leute sind aber fest davon überzeugt, etwas gegen `das Insektensterben´ getan zu haben. Auch mit der vielfältigen Bepflanzung ungefüllter Nektar- und Pollenpflanzen. Nüchtern betrachtet, oftmals völlig sinnfrei bzw bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein.
Ändern tut man damit nichts.
10 Euro für Neudorffs Nisthilfe und eine Tagetes für 2,99 ist was anderes als eine gut geplante Streuobstwiese im passenden Biotopverbund.
Man hat sein gewissen beruhigt und verhidnert damit verändernde maßnahmen. Für die ist dann niemand mehr bereit, man hat ja schließlich schon angefangen.

Deswegen schrieb ich von zubetonieren. Wenn Efeu im Garten eine Lösung sein soll. Welche Insekten ziehen dort ihre Nachkommen auf, außer die ein oder andere Wespe? Genauso nicht wirklich hilfreich wie Schmetterlingsflieder für Schmetterlinge. Die Bienen am Efeu fallen demnächst runter und sind Proteindünger. Dann doch eehr Krokusse, die ernähren im Frühjahr die ersten Humelln, wenn die Königinnen aus dem Winter erwachen und ein neues Volk gründen wollen. Wenn die nix finden, ist das weitaus folgenreicher als Honigbienen, die 2 Tage vor ihrem normalen Tod verhungern.

Artenvielfalt: in der Stadt höher als auf dem Land, aber qualitativ ist sie dort Mist. Zuviele Neozoen und Neophyten.
Ursprünglich vorkommende Arten sind verschwunden bis stark zurückgedrängt, wegen der Verinselung der Lebensräume, sofern überhaupt noch vorhanden.
Damit ist oft auch die Insektenbiomasse gesunken.

Von ländlichen Gebieten kenne ich keine Untersuchungen, die speziell die Veränderungen der Biotopentnetzung beschreiben. Etwa wie sich vereinzelte Flurbereinigungsmaßnahmen und Zusammenlegung von vielen kleinen zu wenigen großen Äckern auswirkte, wenn dadurch Wanderkorridore zerstört wurden. Ab wann beginnt hier die Insektenbiomasse zu sinken?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 20. Oktober 2017, 10:30:20
In diesem Interview in der hiesigen Zeitung wird ganz gut klar, worum es geht: Freiburger Forscherin über die Studie zum Insektensterben.

Eine Kernaussage:

BZ: Der Bauerverband kritisiert, dass die Studie ausschließlich in Schutzgebieten stattfand.

Klein: Es gäbe noch viel mehr Kritikpunkte zu finden, die findet man bei jeder wissenschaftlichen Studie. Es ist aber die erste Studie, die den Rückgang über Insekten über Jahre hinweg zeigt. Sollen wir jetzt ein optimales Studiendesign machen, 30 Jahre weiter forschen, bis wir dann endlich sagen können "Jetzt wissen wir es ganz genau"? Für manche Arten wird es dann wohl zu spät sein. Wären die Daten nicht in Schutzgebieten, sondern beispielsweise in einem Maisfeld gesammelt worden, hätten wir dort vielleicht einen geringeren Schwund. Aber nur, weil dort schon immer weniger Arten waren. Dazu kämen noch die ganzen Schädlinge, die dann auch zur reinen Biomasse zählen. Das Argument des Bauernverbandes kann das Ergebnis der Studie nicht entkräften.


Mit dieser Studie, die in den Medien große Beachtung findet, gelangt dieses Thema wenigstens überhaupt mal in die breite Öffentlichkeit (Ja, es wird wieder verschwinden).
Zu wünschen wäre, wenn das nun nicht wieder eine neue Runde Schwarzer Peter einleitet. Aber das wird ein frommer Wunsch bleiben: Die einen werfen Nebelkerzen, andere sehen die Gelegenheit, mal wieder ihre Lieblingsthemen in de Vordergrund zu stellen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 20. Oktober 2017, 11:35:13
Die wesentliche Kernaussage sehe ich darin:

``BZ: Wo sehen Sie denn jetzt Handlungsbedarf?

Klein: Die Wissenschaft sollte weiter in diese Richtung forschen und braucht natürlich Gelder für Langzeitstudien. Auf kurze Sicht könnte man anhand der aktuellen Studie die Faktoren herausarbeiten, die für das Artensterben verantwortlich sind, denn darüber trifft die Studie keine Aussage.´´

Was mich nervt, ist das das Thema offensichtlich nicht angegangen werden will, politisch kein Konsens da ist.
Es wird wieder nur nach Schuldigen gesucht, es sind gestern wieder die selben verurteilt worden wie sonst auch, ein herausarbeiten einiger Lösungsansätze rückt in weite Ferne.

Das möchte ich nicht meinen Enkeln erklären müssen. Dass die `Natur´ von Naturschutzverbänden unter großem medialem Beifall kaputt geschützt worden ist und nur der kurzfristige Hype damals zählte.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 20. Oktober 2017, 11:46:15
Bei S21 Entscheidungen wurden die Naturschutzverbände wie NABU oder BUND einfach übergangen und die Politiker schauen zu?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 20. Oktober 2017, 12:19:37
Der BUND hat hier Informationen zum Thema und der begonnenen Meinungsschlacht zusammengetragen:
Krisenkommunikation
Quellen, Studien ...

Meiner Meinung nach eine wichtige und gute Übersicht, egal, wie man zu den grossen Naturschutzverbänden stehen mag.

Der Deutsche Bauernverband und seine Landesverbände werden vermutlich niemals "belastbare" Daten erkennen. Sie werden immer die eine oder andere Frage offen und jede wirksame Schlussfolgerung aus vorliegenden Erkenntnissen "überstürzt" finden. In der Praxis regelmäßig zu erleben in platten Äußerungen: "Wie wollen Sie denn beweisen, dass da nicht doch noch viel mehr vorhanden ist von Ihren bedrohten Arten. Sie können doch gar nicht alle Flächen untersuchen." Das jeweils beste verfügbare Wissen, das zum Beispiel in Roten Listen gefährdeter Arten zusammengefasst ist, wird beiseite gewischt und mit unbelegten und unbegründeten Mutmaßungen gekontert.

Neben den vom BUND aufgezeigten "PR"-Strategien tummeln sich in dieser Debatte weitere Propaganda-Institute, die sich z. B., räumlich und personell einer gleichnamigen Universität nahestehend, mit dem Namen "Humboldt-Forum für Ernährung und Landwirtschaft" (HFFA) den Anstrich wissenschaftlicher Unabhängigkeit geben. Die angegliederte "HFFA Research GmbH" bedient die Agrarpolitik mit mundgerechten "Studien", die zu so wundersamen Ergebnissen gelangen, dass der ökologische Landbau deutlich größere Verluste der Artenvielfalt hervorrufe als die hochproduktive, industrielle Landwirtschaft nach dem Geschmack der Chemie- und Agrarindustrie.
Sieht man sich die vom Schreiber gesetzten Grundannahmen, die von ihm verwendeten Daten und das, was er daraus macht (besser: zaubert), dann zeigt sich ein Hütchenspieler statt eines Forschers und ein Propaganda-Papier statt eines wissenschaftlichen Textes.

Ich konnte keine dieser "Arbeiten" in irgendeiner wissenschaftlichen Zeitschrift gedruckt oder auch nur zitiert finden - nicht allzu verwunderlich. Verheerend aber, dass sich agrarpolitische Entscheidungen auf Bundes- und Länderebene immer wieder auf genau solche, medienwirksam auf Grünen Wochen und zu ähnlichen Anlässen präsentierte Machwerke stützen.

Agrarindustrie ist einer der  Hauptabsatzmärkte der chemischen Inustrie und - nun schon nicht mehr ganz neuer - Tummelplatz der Finanzwirtschaft. "It's the economy" - das denke ich auch und muss mir keine Verschwörungstheorie einfallen lassen, um zu sehen, wie wichtig es allen drei Bereichen ist, mit Listigkeit und finanzieller Schlagkraft in Meinungsmache und in die Beeinflussung der Politik zu investieren.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: tarokaja am 20. Oktober 2017, 12:45:02
O.k. - auch wenn ich nicht in Deutschland lebe, die Mechanismen existieren so weltweit.
Nun aber ganz pragmatisch - was kann jedeR einzelne von uns  und wir hier als lockere Pur-Gemeinschaft TUN, ausser jedeR im eigenen Einflussbereich für Fragen, Dialoge und im eigenen Garten trotzundalledem(!!) für Vielfalt und Nahrungsangebot sorgen??

Denn nur allein vom Erkennen und Beklagen der Mechanismen, sturen und raffinierten Denkweise der Gegner, Anklagen der Blauäugigkeit im privaten Kreise passiert da gar nix... ausser Cocooning oder Entmutigung.

Also FAZIT???
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 20. Oktober 2017, 13:06:49
Ich muß mich engagieren, aktiv werden, bei manchen Gemeinden trifft man auf taube Ohren, es gibt aber auch positive Erfahrungen.
Ein positives Beispiel, die Gemeinde Filderstadt:
Trotz Flughafenausbau und Messe,
http://www.netzwerk-streuobst-filderstadt.de/projekte
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 20. Oktober 2017, 13:13:03
Die Summe macht es.
Im eigenen Garten/auf dem eigenen Grund anfangen mit Verzicht auf nicht zwingend erforderliche Mittel und dem Erhalten und aktiven Gestalten von Strukturen. Ich halte das für gar nicht überflüssig oder sinnlos und in Pur werden ein paar sehr gute Beispiele gezeigt.
Schonend und bevorzugt regional erzeugte Lebensmittel kaufen - mit kritischem Blick. Das muss nicht immer aus dem Ökolandbau sein,  wenn ich die Herkunft kenne. Und 100 % verlangt auch niemand ernsthaft.
Die eigene Meinung zur Landwirtschaft und Agrarpolitik deutlich machen, wenn man mit Landwirten zu tun hat. Die Betriebe und Einzelbauern stecken in dem Gemenge oft zwischen Baum und Borke. Dennoch kann ich ihnen nicht nachsehen, wenn  sie sich stillschweigend hinter den Parolen der in ihrem Namen auftretenden Verbände verstecken.
Das ist erst einmal das,, was jeder tun kann.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Cryptomeria am 20. Oktober 2017, 13:35:39
Ich bin Mitglied in mehreren Naturschutzvebänden um alle Neuigkeiten zu erfahren und arbeite aktiv in einem kleineren, lokalen Naturschutzverein mit. Das ist  sehr effektiv. Man bekommt viele Einblicke und erkennt Zusammenhänge. Auch da lässt sich viel tun. Teilweise ist allerdings das Pensum z.B. beim NABU kaum zu bewältigen. Die meisten Mitglieder haben zu wenig Zeit.
Und ja, seit vielen Jahrzehnten werden Vogeldaten gesammelt und verglichen. Es gibt viele Ursachen, aber es lässt sich nicht leugnen, dass die Wildkräuter durch Pestizid- und Stickstoffeintrag in vielen intensiv genutzten Gegenden, wie hier in SH, massiv zurückgegangen sind ( gerade auf dem platten Land ) und diese bilden die Grundlage für Insekten und Vögel.
Aber wie gesagt, ein Punkt von vielen. U.a. wäre ein Umdenken in der Subventionspolitik ganz wichtig und vieles mehr.
VG wolfgang
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 20. Oktober 2017, 13:50:35
Du sprichst das Wichtigste an,
Agrarpolitik,
die EU-Töpfe müssen anders verteilt werden.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 20. Oktober 2017, 15:10:53
Also FAZIT???
Nachdem ich jetzt die Studie durch habe, gehe ich inhaltlich größtenteils mit diesem Artikel konform:
https://sciencefiles.org/2017/10/19/das-grose-insektensterben-oder-doch-nicht/

Mein Fazit: Waldzunahme und Baumwachstum auf Freiflächen scheint die größte Ursache für den Rückgang (von wieviel prozent nun eigentlich?) zu sein. Mhh, da kenne ich zwar ein paar Effekte außerhalb der Studie, die das so nahelegen, aber kann ja auch keine Lösung sein. Waldmanagment, ok, das sollte man auch mal reformieren.

Was ich unternehme: ich werde wieder eigene Beobachtungen bei mir im Garten machen. Dieses Jahr habe ich damit mal ausgesetzt. Desweiteren werde ich wieder verstärkt andere dazu animieren, beim Artenfinder oder wenigstens Naturgucker mitzumachen.

PS: ehrlich gesagt bin ich enttäuscht, wie wenig die Studie hergibt. Nach den Schlagzeilen hatte ich mir mehr erhofft.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 20. Oktober 2017, 15:15:38
mit der vielfältigen Bepflanzung ungefüllter Nektar- und Pollenpflanzen. Nüchtern betrachtet, oftmals völlig sinnfrei bzw bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein.
Ändern tut man damit nichts.
Wenn Efeu im Garten eine Lösung sein soll. Welche Insekten ziehen dort ihre Nachkommen auf,
Efeu ist eine gute Nahrungsquelle für Insekten im Spätsommer, wenn nur wenig Blüten vorhanden sind, außerdem ein beliebter Brutplatz bei Vögeln.
Und die richtige Pflanzenauswahl bezüglich Nektarpflanzen im Garten ist sinnvoll, da es z.B.Hummeln nicht verhungern läßt.
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/hummeln/02636.html
 
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 20. Oktober 2017, 15:22:39
Also FAZIT???
Nachdem ich jetzt die Studie durch habe, gehe ich inhaltlich größtenteils mit diesem Artikel konform:
https://sciencefiles.org/2017/10/19/das-grose-insektensterben-oder-doch-nicht/

Wirklich? Da hatte ich mir mehr erhofft.
Die Kritik ist jedenfalls zumindest in Teilen unangebracht, dazu können aber fachkundigere als ich mehr sagen.

Mir fiel nur auf: Die Seite wirbt für "Eigentümlich frei", hat kein Impressum und wirkt auf mich so, dass ich misstrauisch wurde.
Mein Misstrauen bestätigte sich im Psiram-Forum.

Ein guter Lackmustest für solche Webseiten, die sich vermeintlich kritisch zum Wissenschaftsbetrieb äußern, ist ihre Einstellung zum Thema Klimawandel.
Und siehe da ... (gebt mal das Stichwort "Klimawandel" auf der sciencelog Seite ein und seht selbst). Nee danke.
 
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 20. Oktober 2017, 15:23:13
Fördern von Vögeln sorgt bei Insektenpopulationen für Stress.
Ernähren im Spätsommer, nach der Eiablage, ist immer so ein Thema für sich.

Heute hats angefangen mit regnen, Wetterwechsel, Herbst, morgen kann man wieder tote Hummeln und Bienen im Garten finden. Die Imagines sind abgenutzt.
Die Anfragen, warum so viele tote Tiere rumliegen, werden sich häufen. Die Leute haben dann diese Medienberichte im Kopf und kriegen die moralische Krise.

Dass das normal ist, weils Winter wird, darauf kommt man in der Situation, in der wir uns gerade befinden, nicht zwangsläufig von alleine.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 20. Oktober 2017, 15:25:35
Wirklich? Da hatte ich mir mehr erhofft.
Die gesammelten Zahlen sind für mich jedenfalls nicht so gut, dass sie den Rückschluss erlauben. da sollte nachgehakt werden.
PS: ich möchte bei der sachlichen Linie bleiben, politische Inhalte interessieren mich eher weniger. Wenn ich zu Rechtsaussenseiten verlinkt habe, wars keine Absicht und tut mir leid. Bin jetzt um so mehr gespannt, was die Fachleute inhaltlich dazu sagen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 20. Oktober 2017, 15:29:18
Fördern von Vögeln sorgt bei Insektenpopulationen für Stress.
;D
Die bekommen auch Stress von jagenden Hornissen, die regelmäßig kommen, wenn der Efeu blüht.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 20. Oktober 2017, 15:30:51
Wirklich? Da hatte ich mir mehr erhofft.
Die gesammelten Zahlen sind für mich jedenfalls nicht so gut, dass sie den Rückschluss erlauben. da sollte nachgehakt werden.
PS: ich möchte bei der sachlichen Linie bleiben, politische Inhalte interessieren mich eher weniger. Wenn ich zu Rechtsaussenseiten verlinkt habe, wars keine Absicht und tut mir leid. Bin jetzt um so mehr gespannt, was die Fachleute inhaltlich dazu sagen.

Ja, ich auch. Aber diese Seite solltest du aus der Lesezeichen-Sammlung deines Browsers gleich wieder streichen.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Cryptomeria am 20. Oktober 2017, 16:56:15
Für mich gibt es kein Abtun, es geht immer in  eine Richtung. .s auch https://www.nabu.de/news/2017/10/23291.html
VG wolfgang
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 20. Oktober 2017, 20:14:30
Danke, bristlecone, für den Hinweis auf psiram. Die Giftigkeit und ideologische Ausrichtung der sciencefiles-Seite ist ja kaum verhohlen.

Die NABU-Schlussfolgerungen sind folgerichtig. Ich sehe das auch wie Cryptomeria. Und was vorgeschlagen wird, kann nur ein Anfang sein zu einer systematischen Extensivierung in Teilen der Landnutzungsfläche.

Waldzunahme und Baumwachstum auf Freiflächen scheint die größte Ursache für den Rückgang ...  Waldmanagment, ok, das sollte man auch mal reformieren.

Ein wichtiger Punkt, bei dem ich Deine erste Position nicht annähernd teile, den zweiten Punkt aber wichtig finde. Entscheidend ist nicht die Zunahme von Waldflächen an sich, sondern der sich anhaltend verschärfende Kontrast zwischen dauerhaft ausgedunkelten, Biomasse akkumulierenden Flächen mit nur geringen Störungseinflüssen (Mehrheit der Waldflächen) einerseits und den sehr häufig und tiefgreifend gestörten Bereichen andererseits, z. B. Ackerflächen, aber auch intensiv genutzten Grünländern und eben den urban oder technisch intensiv genutzten Bereichen. Das alles sind sehr artenarme Strukturkomplexe, zwischen denen immer weniger halboffene und offene Flächen mit nur mäßigen, aber regelmäßigen Störungen und dynamischen Rändern verbleiben, eben den Komplexen mit dem größten Artenreichtum und mit größter Bedeutung für spezifisch mitteleuropäische Arten. Um diese für eine reiche Biodiversität essentiellen Flächen zu erhalten und wieder zu gewinnen, braucht es:
1. Akzeptanz und deutlich aufgestockte Mittel für praktische Landschaftspflege. Das wirklichkeitsfremde Grundverständnis ist immer noch, dass sich Biodiversität von selbst aus den regelmäßigen Landnutzungen ergeben würde und nur ausnahmsweise an besonderen Brennpunkten mehr oder weniger ausschließlich pflegend eingegriffen werden sollte. Die Zahl der nicht mehr in Nutzungssysteme eingebundenen, pflegeabhängigen Flächen mit dringendem (das heißt an fachlich begründeten Erhaltungsschwerpunkten ausgerichtetem) Handlungsbedarf liegt aber, je nach Bundesland, bei etlichen bis vielen zehntausend Einzellebensräumen, die heute überwiegend langsam, aber sicher zugrunde gehen.
2. Zwischen 5 und 7 % Landnutzungsanteil, der von von Agrochemikalien und synthetischen Düngern (grundsätzlich) frei bleibt - in allen Landwirtschaftsbetrieben, auch im Acker, ohne Möglichkeit des Ausweichens auf Kurzumtriebsplantagen, intensiv betriebene Gründüngung und Zwischenfrucht usw. - als  regelmäßig anzulegender Maßstab für die Einhaltung der Pflicht zur guten fachlichen Praxis.
3. Weitere 3 bis 5 % Landschaftselemente in der bisher gehandhabten Weise.
4. Agrarumweltmaßnahmen mit besonderer Ausrichtung auf artenreiche Agrarökosysteme, ähnlich der bisherigen Programme, aber mit stärkeren inhaltlichen Bindungen der Maßnahmen.
5. Ein Anteil von 10 bis 15 % Waldfläche mit extensiven Nebennutzungen wie Lichtstellung (Nieder- und Mittelwald), Waldweide oder Streuentnahme sowie ein neues Verständnis für Landschaftspflege im Wald. In den Nebennutzungen ein heikler Punkt, der Missbrauch und das Aufkommen neuer, hochgradig intensiver Waldmehrfachnutzungen mit umso größeren Umweltzerstörungen bereithält und nur in enger Bindung an definierte Ziele sowie von Eigentümer, Forst- und Naturschtzverwaltung konzipierte Einzelmaßnahmen denkbar ist.
In 1. gibt es im günstigen Fall, aber nicht zwangsweise eine wirtschaftliche Nutzung anfallender Biomassen durch Beweidung oder andere Verwertung. In 2. sind - mal geträumt - die langfristigen Erfolge so durchschlagend, dass der Umfang von 1. leicht reduziert werden kann.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 20. Oktober 2017, 20:24:31
Ein erster Schritt wäre ja, die Pflege sonst verwildernder Flächen als Ausgleichsmaßnahme für Baumaßnahmen finanzieren zu können. Das geht aber nicht. Und deshalb fragen sich Leute wie Frauenschuh und ich manchmal, ob wir nicht ein bisschen bekloppt sind. Dabei wäre das Geld in dem Falle sogar da, weil viele Kommunen nicht wissen, wo sie noch Sträuchergruppen und Baumpflanzungen unterkriegen sollen.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 20. Oktober 2017, 20:38:08
Diese wüste Baumpflanzerei in letzte lichte Ecken ist wirklich ein Übel. Mit ein wenig Überlegung, besserer Begründung und Wille wären zuwachsende oder schon zugewachsene Offenflächen durchaus mit Ausgleichsmaßnahmen zu belegen, weil ein Entwicklungseffekt nachweisbar ist. (Natürlich darf es nicht auf gleicher Fläche eine schon anders begründete Pflicht zur pfleglichen Nutzung geben, z. B. mit Agrarförderung gestützte, aber über Jahre verschleppte Grünlandnutzung.)

Wir sollten aber nicht auf das Gleis geraten, auf bauliche Eingriffe zu hoffen, um Naturschutzmaßnahmen finanzieren zu können.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 20. Oktober 2017, 21:12:36
Wie kommt es, dass ein Naturschutzverband in Naturschutzgebieten jahrelang wahllos große Mengen von Insekten fängt und die Fänge (außer nach Gewicht) nicht auswertet? Ich vermute doch einfach mal, dass die Größen der gefangenen Tiere recht unterschiedlich sind und 80% Gewicht nicht 80% Zahl entsprechen.

Mir fällt aber folgendes auf: Gemessen wurde in Schutzgebieten. In der Veröffentlichung heißt es, zu den Ursachen könne aus den vorliegenden Ergebnissen nichts abgeleitet werden. Sofort gibt es aber eine Menge von Stellungnahmen von außerhalb die genau das tun. Und sofort wird die Ursache vorwiegend außerhalb der Schutzgebiete gesucht. Klimaveränderungen werden ausgeschlossen, also muß es die umgebende (landwirtschaftlich genutzte) Umgebung sein die ins Schutzgebiet hineinwirkt. Die Situation innerhalb der Gebiete wird, ausgeklammert, man hat ja "Anhand von Luftbildauswertungen" festgestellt, das die Biotopstrukturen sich nicht verändert hätten.

Ich kenne mich ja nun wenig in den Schutzgebieten der norddeutschen Tiefebene aus, bei den unsrigen hier aber schon. Und dort haben sich in den letzten 20 Jahren die Biotoppstrukturen sehr wohl erheblich verändert, vor allem bei den Offenlandbereichen und den Sonderstandorten. Eine vergrasende Heide z.B. (um einen der untersuchten Standorte mal rauszugreifen) wird weiterhin als Heide eingestuft und am Luftbild sollte sich nichts verändern, allerdings an den Bedingungen für die Insekten.

Wie in der Kulturlandschaft haben sich auch in den betreuten Schutzgebieten die Verhältnisse vereinheitlicht hin zum Mittelmaß. Viele Gebiete werden nach vorwiegend botanischen Kriterien gepflegt, und zwar in nur wenige Varianten unterschieden. Nichts mehr mit der Vielfalt der unterschiedlichen Verhältnisse der früheren Nutzung. Oft ist nur noch die Offenhaltung das Ziel, nach Pflanzen kann man gelegentlich schon mal schauen, Entomologen für eine Bestandsaufnahme sind dagegen rar. Die Insekten kommen zwar in den Gutachten zur Ausweisung noch vor, in den Pflegeplänen aber kaum noch.

Bei uns ist die Pflege von Naturschutzgebieten überwiegend in der Hand der Forstverwaltung, meine Region ist meines Wissens die einzige mit Ausnahmen. Bei den FFH-Gebieten ist es aufgeteilt, je nach vorherrschenden Biotoptypen. Ich beobachte, dass Forstwirte in der Regel mit Offenland wenig am Hut haben und die Wiesen manchmal sogar zuwachsen lassen (diese Verhältnisse haben vor etwa 20 Jahren in einigen Fällen dazu geführt, dass Zuständigkeiten verändert wurden).  Ich schauen eher nach Pflanzen und weiß zwar, dass Insekten grundsätzlich andere Ansprüche vor allem an die Nutzungstermine haben als die Wiesenpflanzen, aber man kann es eben nicht jedem recht machen.

Ich würde mich daher überhaupt nicht wundern, käme eine derartige Untersuchung bei uns zu dem Ergebnis, die Insektenwelt hätte in den Schutzgebieten so sehr abgenommen. Die Entwicklung die diese Gebieten in den letzten Jahrzehnten genommen haben, kommt den Insekten nicht entgegen. Wenn die umliegende Landschaft da nicht nachliefert, gehts halt gnadenlos bergab.

Für micht lautet daher die Nachricht nicht: "Die (intensive) Landwirtschaft schadet den Insekten". Das ist hinglänglich bekannt.
Für mich lautet die Nachricht: "Auch der Naturschutz mit seinen Flagschiffen der Schutzgebiete hat es nicht geschafft, dort die noch vor 20 oder 30 Jahren vorhandene Biotopqualität zu erhalten."
Und als Ursache wird von den Beteiligten (soweit ich es in der Berichterstattung mitbekommen habe) nur nach draußen, auf die anderen, gezeigt. Die sollten ihre eigene Nase mal nicht aus den Augen verlieren.

Ich betrachte es als Fehler bei der Landnutzung in gut (NSG) und böse (Acker) zu unterscheiden und sich bei den Maßnahmen exklusiv auf die Schutzgebiete zu konzentrieren. Die dort als Pflege simulierte Nutzung auf kleinen Flächen kann die Artenvielfalt nicht erhalten.
Dazu noch die heutige Reaktion des hessischen Umweltministeriums zu der Sache: Der ökologische Landbau muß ausgeweitet werden, (der konventionelle wird abgetan, dem ist eh nicht zu helfen). Auch hier wieder die Trennung in zwei Bereiche, von denen der eine (der kleinere) steckenpferdartig gesponsert wird. Ich stelle mir da die Summen vor die ausgegeben wurden, um den Anteil der Ökoflächen in Hessen von 10 auf 12 % zu steigern, anstatt großflächig auf Verbesserungen im konventionellen Anbau hinzuwirken.





Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 20. Oktober 2017, 23:27:59
Wie bei vielen anderen Studien, eigentlich wirft sie mehr Fragen auf, als beantwortet werden.
Ein gefundenes Fressen für die PR. Kopfschütteln...

Die erste, logische Schlussfolgerung sollte eigentlich heißen, warum versagen die Naturschutzgebiete, was läuft da schief?

Wer jetzt wem ein Auge aushackt, es bringt nichts. Politische Schlammschlacht, nichts fachliches. Die Diskussion geht am Thema vorbei.

5% Ackerstreifen als Blühmischung, für was? Nächstes Jahr wieder umgepflügt und 2 Jahre was anderes wg Fruchtfolge. Wo sollen dadurch Lebensräume entstehen?

Ich kann mich mit den Daten von unterschiedlichsten Standorten in verschiedenen Jahren nicht anfreunden. Wer da wie welche Zusammenhänge brechnet, ich kans nicht wirklich nachvollziehen, bitte erklärt mir das jemand.
Diese Frage hätte ich gerne beantwortet, zusammen mit der Frage, was in den behandelten Schutzgebieten an Landnutzung/Bewirtschaftung vorgeschrieben wird. Es ist ja nun mal nicht so, dass man trotzt Schutzgebiet nicht völlig auf PSM und Dünger verzichten muss.
Die Studie sagt auch, je mehr Nährstoffe, desto mehr Insektenbiomasse.
Soweit ein logisches Prinzip in der Natur, auch wenn die Qualität drunter leidet.
Generalisten statt Spezialisten, ist das erwünscht, wie man es sehen müsste, wenn man nur die Masse betrachtet?

Ich will mich nicht in Spekulationen verrennen, lediglich die Frage stellen, welche Schlüsse man aus dieser Arbeit ziehen kann und wer daraufhin bereit ist, sicht nicht auf 10% Veränderung bei 5% Bioanbau als sie ultimative Lösung zu versteifen, sondern wer auch mal die anderen 95% Landnutzung (der unbebauten Fläche und abzüglich Wald) angehen will. Frei von jeglichem PR-Mist, sondern auf einer begründbaren Basis. So käme man zumindest mal zu einer Diskussionsgrundlage, wenn man wollte...

@Bristle: ich habe nix mit Sci und Log usw in meinen Favoriten, ich bin drauf reingefallen, weil andere damit gerade in die Offensive gehen:
https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Insektensterben-Nur-22-Rueckgang-lueckenhafte-Daten-keine-eindeutigen-Ursachen-8784645.html
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Cryptomeria am 21. Oktober 2017, 08:17:33
Arbeitet euch nicht einseitig an der Insektenwelt ab. Schaut auf die viel besser belegten und signifikanten Zahlen in der Vogelwelt. Hier sind die Vögel der Agrarlandschaft, der Wiesen + Weiden, der Brachflächen wie Rebhuhn, Feldlerche, Goldammer u.v.a.m. die großen Verlierer. Auch andere wie Sperlinge, die ihre Jungen mit Insekten großziehen. Wir haben überall das Problem. Europaweit.
VG Wolfgang
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 21. Oktober 2017, 09:14:38
Ich erinnere mich sehr gut daran, dass einst in der Flussniederung, wo ich aufgewachsen bin, Kiebitze und Bekassinen zum Alltag gehörten.
Die Kiebitze verschwanden, als die Bauern dazu übergingen, die Wiesen zu einer Zeit zu walzen, in der die Kiebitze Junge hatten.
Zur selben Zeit wurde der Fluss begradigt, der Altarm bis auf ein Rinnsal zugeschüttet, der Bach im Ort verrohrt, die Mergelgruben und Bombentrichter erst überdüngt und dann ebenfalls zugeschüttet, die Kuhkoppeln wurden allmählich zu Mistentsorgungsflächen, und die Knicks wurden beseitigt.
Mit anderen Worten: Die gesamte Landschaft wurde nivelliert. Das war übrigens schon in den 1970er Jahren. Die Vielfalt der damaligen Kulturlandschaft kann sich vermutlich kaum jemand vorstellen, der das nicht selbst gesehen hat.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Cryptomeria am 21. Oktober 2017, 10:02:54
Mir geht es genauso so, wenn ich zurückdenke. Wie groß waren damals die Rebhuhnketten, der Wendhals brütete im Garten. Diese bemerkt man eben besser als Insekten.
Leider lässt sich das Rad nicht mehr zurückdrehen, aber umdenken müssten wir trotzdem unbedingt.
VG Wolfgang
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 21. Oktober 2017, 13:05:17
@Bristle: ich habe nix mit Sci und Log usw in meinen Favoriten, ich bin drauf reingefallen, weil andere damit gerade in die Offensive gehen:
https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Insektensterben-Nur-22-Rueckgang-lueckenhafte-Daten-keine-eindeutigen-Ursachen-8784645.html

Die Argumente klingen aber schlüssig. Mit der manchen Journalisten und Politikern eigenen Empörung könnte man auch titeln "Behördenversagen: Insektensterben in Schutzgebieten!"
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 21. Oktober 2017, 13:15:32
Was die in der Studie eingesetzten statistischen Verfahren angeht, so ist das wohl den meisten hier zu hoch. Mir jedenfalls geht das so.

Soweit ich die Ergebnisse verstehe, besteht dieser Trend der abnehmenden Insektenmasse auch, wenn man sich auf die Daten aus den Gebieten beschränkt, in denen über mehrere Jahre gemessen wurde, also eine Zeitreihe an einem Ort vorliegt (Abb. 4 der Arbeit).
Das statistische Modell, das alle Variablen berücksichtigt, ergibt keinen so deutlichen linearen verlauf.
Und man muss beachten, dass in den Abbildungen die grafische Darstellung der y-Achse logarithmisch ist, eine Darstellung mit linearer Achse gäbe ein etwas anderes Bild.

All das schwächt die Aussage "über 70 % Rückgang" ab, ändert aber im Kern nichts an der Grundaussage.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 21. Oktober 2017, 15:38:11
Es ist in den meisten Zitaten der Studie ja klar gesagt worden, dass die Ursachenanalyse mit Vorsicht erfolgen muss. Landschaft ist komplex und nie lässt sich eine einzelne Ursache für einen auf breiter Front laufenden Artenrückgang angeben. Wer aber heutzutage immer noch leugnet, dass die Methoden und das Muster unserer Landnutzungen diesen Artenrückgang ganz wesentlich verursachen, der könnte ebenso gut noch einmal darüber nachdenken, ob die Erde vielleicht doch nur eine Scheibe ist. Insofern ist der Beitrag in topagrar schon so etwas wie ein Funkzeichen von einem anderen Stern. Wer "eindeutige Ursachen" verlangt, bevor er einen Anlass zum Nachdenken über das eigene Tun sieht, der will nichts ändern an dem derzeitigen Zustand. Er will auch kein Partner sein in einem schwierigen und für alle Seiten mit Zumutungen beladenen Wandel zur besseren Landnutzung, sondern verteidigt nur mit Zähnen und Klauen den gewohnten Trott.

Zur "Schlüssigkeit" hat bristlecone das wesentliche geschrieben.

Zum "Versagen" der Schutzgebiete: siehe oben, 1. die letztlich ausschlaggebenden, oft (durch massiven Druck der Landwirtschaft) windelweichen Schutzgebietsverordnungen; 2. das Fehlverständnis, dass praktische Landschaftspflege nur die Ausnahme zu sein hat, dementsprechend fast nichts kosten darf, eine merkwürdige Aufassung vor allem bei Landwirtschaftsbehörden, denen oft auch noch die Kalkulation und Notifizierung von Naturschutzmaßnahmen übertragen wurde  ::), aber auch in Führungsetagen von Naturschutzbehörden.
Meine Sicht: Die Pflege-Defizite in den meisten deutschen Naturschutztgebieten sind riesig. Ohne diese Schutzgebiete wäre aber ein nicht geringer Teil der dort noch verbliebenen Naturwerte schon gänzlich verloren, weil neue Intensivierungswellen in Land- und Forstwirtschaft drüber weg gerollt wären. Wenigstens für Brandenburg muss man das so sehen. Diese Missstände nun "dem Naturschutz" als Versagen anzuheften, wäre Heuchelei.)

@floris: ich denke nicht, dass da jahrzehntelang nur pfundweise tote Insekten abgewogen wurden. Die näher ausgewerteten Artengruppen waren halt in der jetzigen Studie nicht relevant. Üblicherweise werden die in Malaisefallen leider auch in großer Zahl anfallenden Beifänge, soweit sie nicht im Fangprogramm selbst ausgewertet werden, an Museen zur Nachbestimmung oder wenigstens Aufbewahrung für eventuelle spätere Arbeiten gegeben. In vielen behördlichen Fanggenehmigungen ist das als Auflage enthalten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 21. Oktober 2017, 15:54:21
Waldzunahme und Baumwachstum auf Freiflächen scheint die größte Ursache für den Rückgang ...  Waldmanagment, ok, das sollte man auch mal reformieren.
Ein wichtiger Punkt, bei dem ich Deine erste Position nicht annähernd teile, ...

Du hattest dabei nur die in der Studie erwähnten Gebiete gemeint? Dann nehme ich das zurück, weil ich die Verhältnisse dort nicht kenne. Dass aber Waldzunahme und Verbuschung generell DIE Hauptursache für Insektenrückgänge sind, ist ganz sicher nicht richtig.

Zu den Flächenanteilen: Bei den 5 bis 7 % war von Blühstreifen  keine Rede. Die halte ich für eine weniger taugliche Methode. Sie täuschen mehr Farbe und Vielfalt vor als sie tatsächlich erzeugen. Es ist aber leicht möglich, in jedem konventionell bewirtschaften Schlag anteilig auf Intensivierungsmethoden zu verzichten, auch den Bestellungsaufwand zu verringern und damit den mehr als 90 % ertragsorientiert genutzten Teilen ein paar Prozente beizusteuern, in denen das Ziel nicht der höchstmögliche Fruchtertrag, sondern neben einer moderaten Ernte eine deutlich höhere Artenvielfalt das andere Produkt der landwirtschaftlichen Tätigkeit ist. Das Problem ist eher ein mentales. Die meisten Landwirte verstehen "so etwas" als eine widernatürliche Beschränkung ihrer technischen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Die Vielfalt, die sie auf den extensivierten Flächen schaffen können, ist eben oft sehr unscheinbar und ihnen nur schwer nahezubringen. Manchmal gelingt es.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 21. Oktober 2017, 19:01:15
Die wenigsten Arbeitnehmer wären bereit, vergleichbare Lohneinbußen zugunsten des Naturschutzes hinzunehmen.  ;)

Meine Bemerkung oben sollte nur zeigen, was man aus so einer Untersuchung für Schlagzeilen zimmern kann.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 21. Oktober 2017, 19:14:17
Die wenigsten Arbeitnehmer wären bereit, vergleichbare Lohneinbußen zugunsten des Naturschutzes hinzunehmen.  ;)

Und was sagt uns das?

Im Übrigen: Firmen musste man "zwingen", d.h. mit Gesetzen dafür sorgen, dass sie ihren Produktionsabfall nicht in den nächsten Bach leiten oder die nächste Kiesgrube kippen. Man musste auch per Gesetz erzwingen, dass - um nur ein Beispiel zu nennen - Tenside biologisch abbaubar sind und nicht mehr wie einst zu lustigen Schaumkronen auf den Flüssen führen.
Der Einwand, man dürfe den Landwirten ergo keine oder nicht noch mehr Vorschriften machen, um mehr Naturschutz zu bewirken, greift ins Leere. 

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 21. Oktober 2017, 19:22:18
Art. 3 Grundgesetz, Gleichheitsgrundsatz: Wenn eine Berufsgruppe direkte Einkommenseinbußen zugunsten des Naturschutzes hat, müssen das alle anderen auch haben.  ::)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 21. Oktober 2017, 19:24:51
...ein paar Prozente beizusteuern, in denen das Ziel nicht der höchstmögliche Fruchtertrag, sondern neben einer moderaten Ernte eine deutlich höhere Artenvielfalt das andere Produkt der landwirtschaftlichen Tätigkeit ist.
Dann sollte man das auch mal niederschreiben, was damit gemein ist. Mutterkorn, Schimmel, Distel, Ackerwinde? Alles mehr als nur die Art Weizen. Artenvielfalt, juhu! Was soll das?
Mal im Ernst, es kann doch keiner sagen, was einem Artenvielfalt überhaupt wert ist, was ist man bereit dafür zu geben außer nichts?
Wie soll ein Landwirt damit seine Fruchtfolge planen?

Da gehts nicht um was technisch oder chemisch möglich ist, sondern man müsste mal Butter bei die Fische geben.

Nur ewig drauf rumhacken bringt keine Lösung. Wer wundert sich noch ernsthaft darüber, dass gerade die Kleinbauern grundsätzlich eher mal abriegeln, wenn wieder irgendwas verlangt wird?

Und wenn man bei der Studie bleibt, dann sollte wirklich die Frage mal beantwortet werden, wie wird in den in der Studie aufgeführten Schutzgebieten Landwirtschaft betrieben.
Wenn das geklärt ist, kann man mal drürber nachdenken, was Bristlecone gesagt hat, mit der nivellierung der Landschaft.

Ich möchte gerne drüber reden, aber nicht mit denen, die am lautesten schrein, dass die Landwirtschaft und Pestizide an allem schuld ist und man selbst ne weiße Weste hat. Ich würde es gerne auf einer vernünftigen Basis bequatschen.

Was den Wald angeht, der hat kürzere Nutzungszyklen mittlerweile. Den letzten Kartierbiologen habe ich hier durch die Stadt geführt und er kannte die alten Bäume, wie sie auf dem Friedhof usw stehen, vom Wald schon garnichtmehr, war entsprechend erstaunt über die Vögel. Und ja, Vögel kann man sich angucken, ob Wald oder Offenlandschaft, die sind aber ein anderes Thema als Insektenbiomasse, um die es in der Studie ging, über die gerade diskutiert wird. Es geht nicht um die Endlösung, Bio kaufen, das ist zu simpel und ändert nix am Problem.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 21. Oktober 2017, 19:29:11
Art. 3 Grundgesetz, Gleichheitsgrundsatz: Wenn eine Berufsgruppe direkte Einkommenseinbußen zugunsten des Naturschutzes hat, müssen das alle anderen auch haben.  ::)

 ::) Das ist Unsinn.


Was besagte Nivellierung der Landschaft angeht: Wollte man ernsthaft und in sinnvollem Maße etwas rückgängig machen, stieße man auf massive Widerstände, auch - aber nicht nur - von Landwirten.

Zwei Beispiele:

Kommunen haben längst Flächen, die durch Entwässerung trockenfielen, bebaut, oder dort wurden Straßen gebaut.
Ebenso nutzen Landwirte frühere Nasswiesen, die im Frühjahr regelmäßig überschwemmt waren, inzwischen ganz anders.
Hier jammern Landwirte bereits, wenn Lärmschutzwände an den Bahngleisen ihre Äcker beschatten oder angeblich Kaltluftstau für Ertragsminderung sorgt. Da werden rasch Ausgleichsforderungen gestellt, wohl wissend, dass die Bahn schlecht erklären kann, dann eben keine Wände aufzustellen.

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 21. Oktober 2017, 19:39:46
Ist bei den Hobbygärtnern nicht anders, wenn da der Obstbaum vom Nachbarn das Gemüse beschattet.
Das blöde daran, wenns wenigstens Obstbäume wären, das man was für den Mund hat, nein, es sind Thujas...

Ich verstehe nicht, warum ein Landwirt per se der schlechtere Mensch ist, nur weil er mehr Fläche hat als der Neubaugebietler mit Handtuchgarten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 21. Oktober 2017, 19:52:15
Es geht doch nicht um menschliche Qualitäten.  ::)

Es geht darum, dass nun mal landwirtschaftliche Flächen Deutschland eine enorme Bedeutung für und Auswirkung auf die Umwelt haben, mit allen - aus Sicht des Landwirts erwünschten - und - aus Sicht des Naturschutzes - unerwünschten Folgen.

Sorry, aber mich erinnert die dabei stets aufkommende Debatte an den alten Spruch: "Wer etwas verändern will, findet Wege. Wer etwas verhindern will, Gründe."
 
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 21. Oktober 2017, 20:00:37
Ich kenne da eine Gruppe, die zeigt gerne mit dem Finger auf andere.

Die andere Gruppe wüsste gerne was überhaupt gewollt ist, wofür die Leute mehr Geld bezahlen würden, nicht nur bei Umfragen, sondern auch real.

Ansonsten ist für mich ein Hobbygärtner, der maßlos überdüngt die selbe Umweltsau wie ein Bauer, der maßlos überdüngt. Hobbygärtner werden nicht kontrolliert, die kritisiert niemand. So schnell ist man raus...

O-Ton: mir doch egal...

PS: in der Studie nahm die Insektenbiomasse mit der Stickstoffmenge im Boden zu. Bis zu einem gewissen Rahmen durchaus nachvollziehbar...
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 21. Oktober 2017, 22:08:35
...ein paar Prozente beizusteuern, in denen das Ziel nicht der höchstmögliche Fruchtertrag, sondern neben einer moderaten Ernte eine deutlich höhere Artenvielfalt das andere Produkt der landwirtschaftlichen Tätigkeit ist.
Dann sollte man das auch mal niederschreiben, was damit gemein ist. Mutterkorn, Schimmel, Distel, Ackerwinde? Alles mehr als nur die Art Weizen. Artenvielfalt, juhu! Was soll das?
Mal im Ernst, es kann doch keiner sagen, was einem Artenvielfalt überhaupt wert ist, was ist man bereit dafür zu geben außer nichts?
Wie soll ein Landwirt damit seine Fruchtfolge planen? ...

Das ist vielfach niedergeschrieben, man muss es eben auch zur Kenntnis nehmen wollen. Gelungene Praxisbeispiele gibt es ebenfalls genug, um eine Bewertung der Methoden vornehmen zu können. Und diese Bewertung fällt deutlich aus. Im folgenden: Was soll der Unsinn. Für wie blöd hältst Du, immer wieder, Deine Diskussionspartner?

@Staudo: Zur Zeit haben Landwirte in Umwelt- und Naturschutzfragen zuerst einmal reichlich Privilegien. Und: Es gibt keine Gleichheit im Unrecht.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 22. Oktober 2017, 00:02:07
Ich bin Biologin, genauer gesagt Ökologin und war daher immer sehr gegen Pestizide eingestellt. Irgendwann erkennt man aber die Komplexizität nicht nur der Umwelt, sondern auch der Landwirtschaft. Man erkennt die enorme Hilfe, die uns Pestizide leisten. Durch ihre Hilfe stirbt hier, soweit ich weiß, keiner mehr an Mutterkornvergiftung und große Hungersnöte gab es zumindest in unseren Breiten auch schon jahrzehntelang nicht mehr. Das sollten wir nicht aus den Augen verlieren und Landwirten und den Pflanzenschutzmittelherstellern auch danken. Es hatte und hat seine Gründe, warum über Möglichkeiten geforscht wurde, die Ernten sicherzustellen. Das finde ich gut.

Natürlich möchte keiner die negativen Folgen für die Umwelt haben. Der eine ist in dieser Richtung aufmerksamer und sieht die Ursachen automatisch bei den anderen, also den Landwirten, während diese eine andere Meinung zu dem Thema haben. Soweit so gut. Ich kann beide Seiten verstehen. Aber mich stört das stete Herumhacken auf denjenigen, die für unsere Ernährung sorgen, immer mehr. Die einen sind frustriert, dass die anderen nicht sofort auf sie hören und die anderen sind frustriert, dass stets auf sie herumgehackt wird. Dazu für gewöhnlich von Leuten, die von Landwirtschaft nicht so wirklich viel verstehen. Landwirt zu sein ist etwas komplizierter (wenn man es gut macht), als einen kleinen Privatgarten zu bewirtschaften.
Was ich damit sagen will ist, dass dieses ewige den anderen die Schuld in die Schuhe schieben wollen nicht hilfreich ist und zu keinem Dialog führt oder würdet ihr gern geduldig jemandem zuhören, der Euch beschimpft und Euch sämtliche Kompetenzen abspricht? Das führt zu nichts.

Zur "Studie". Ja, sie hat sehr deutliche Mängel, weshalb in meinen Augen die Zahl "76 % Rückgang" an Insektenbiomasse nicht korrekt ist (man schaue nur mal auf die nur 8 Untersuchungsflächen im Jahr 1989 und noch weniger Flächen in den Jahren darauf). Aber die generelle Tendenz, weniger Insektenmasse im Verlauf der letzten Jahrzehnte stimmt und das ist erschreckend genug. Es gibt zusätzlich zu dieser Veröffentlichung einige Arbeiten zu einzelnen Insektengruppen, die zu dem gleichen Schluss kommen.

Zu überlegen, wie man sinnvoll und praktikabel der Insektenwelt und damit allgemein der Umwelt hilft, finde ich sehr wichtig und willkommen. Der in meinen Augen erste Punkt: weniger Aufräumen. Damit meinte ich nicht unterm Sofa, obwohl das durchaus auch zur Förderung der Fauna beitragen kann, sondern im eigenen Garten, in Parks, an Wegrändern, Feldrainen usw. Stetes Mähen sämtlicher Vegetation fördert nicht gerade die Vielfalt. Unsere Umwelt hat sich in dieser Hinsicht sehr deutlich verändert und gerade der Siedlungsbereich war eigentlich stets ein Hotspot der Artenvielfalt.

Wie man zu einer wieder besseren Fruchtfolge kommt und auch sonst die Landwirtschaft unterstützen könnte, sollte man im Dialog mit Landwirten herausfinden, aber nicht gegen sie. Mich stört übrigens sehr, dass wertvolle landwirtschaftliche Fläche Platz für Eigenheimsiedlungen machen muss. Das ist etwas kurzsichtig. Guter Boden ist ein wichtiges Schutzgut, welches unwiederbringlich ist.

Ist Euch eigentlich aufgefallen, dass die Autoren der hier genannten Veröffentlichung zu dem Schluss kamen, dass der Bereich 200 m um die Schutzgebiete eher etwas zur Fauna in den Gebieten beitrug als weiter entfernte Flächen? Und ist Euch aufgefallen, dass in dieser 200 m-Zone der Anteil an landwirtschaftlicher Fläche im Beobachtungszeitraum von 31,5 % auf 20 % sank? Nur mal am Rande. Vielleicht hilft das ein wenig nicht nur Schuldige zu suchen (das sind wir in meinen Augen alle), sondern nach Lösungen. Und jeder kehre bitte dabei auch vor seiner eigenen Tür.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Kenobi † am 22. Oktober 2017, 00:22:17
@Sandbiene: Du sprichst mir aus der Seele. Top Beitrag!
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 22. Oktober 2017, 07:24:43
Bitte unterscheidet zwischem dem einzelnen Landwirt, der in dem Konflikt tatsächlich oft allein da steht und den ideologisch auftretenden Agrarfunktionären sowie einzelnen "Big Playern", die den politischen Diskurs bestimmen, handfeste Meinungsmanipulation treiben und direkten, massiven Einfluss auf Bundes- und Länderpolitik ausüben. Und denen geht es um mehr als ein auskömmliches bäuerliches Wirtschaften.

... die enorme Hilfe, die uns Pestizide leisten. ...

Das haben hir, denke ich, die wenigsten getan. Es geht um den Maßstab und die Art und Weise des Einsatzes. Ich stimme mit Deinen Anischten im übrigen weitgehend überein.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 22. Oktober 2017, 08:04:30
Ich auch. Und worüber streiten wir uns jetzt ???

Ich sprach gestern mit "unserem " Bauern. Er hat eine Feuchtwiese von der Stadt gepachtet (8 Hektar). Nach allerlei hin und her ist sie jetzt als Naturschutzfläche ausgewiesen ohne unter Naturschutz zu stehen. Auf dieser Wiese wurden in den letzten Jahren auch unter meiner Mithilfe allerlei mehr oder weniger blödsinnige Ausgleichspflanzungen angelegt. Die Flächen, die diese Ausgleichspflanzungen einnehmen, werden ab sofort aus der Flächenprämie herausgerechnet, weil der Bauer die nicht mehr bewirtschaften kann. Begründung: bis an einen einzeln stehenden Baum kann er mähen. Da die Flächen eingezäunt sind, geht das nicht mehr. Bei den unsinnigsten Pflanzungen hatte ich schon mal Zäune abgebaut (damit die nicht die Landschaft vermüllen) und auf die aktive Mithilfe der Rehe vertraut. Bei drei Gehölzinseln beließ ich die Zäune mit voller Absicht, damit die Rehe die Bäume und Sträucher nicht aufasten und Deckung für Vögel bleibt. Genau diese drei Gehölzinseln wurden dem Bauern auch herausgerechnet, die Flächenprämie muss er zurückzahlen. Diese eine Fläche ist ein Sonderfall, wirkt auf den Bauern aber sicherlich erzieherisch.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 22. Oktober 2017, 08:47:05
Hier im Ort wurde am Rande eines Neubaugebiets eine Blumenwiese angelegt. Nichts Spektakuläres, einfach im Großen und Ganzen eine Fettwiese mit den üblichen Pflanzen drauf. Die Pflege, sprich die Mahd, war so abgestimmt, dass der bestehende gewünschte Aspekt bestehen blieb.
Bis die Pflege neu vergeben wurde: Jetzt wird gemäht, wie es in den Betriebsablauf passt, und nicht wie früher zweimal, sondern eher nach Belieben. Das Mähgut wird nicht mehr wie vorher abgefahren, sondern bleibt liegen, denn Mulchen ist naturgemäß, meint die Stadtverwaltung.
"Alle" sind zufrieden: Die Stadt spart Geld, der jetzt beauftragte Gärtner mäht, wie es ihm in den Kram passt, und viele dort wohnende Bürger auch, denn es sieht jetzt immer so schön kurz geschoren aus, und es fliegt nicht mehr soviel Unkraut in die umliegenden "Steingärten".
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 22. Oktober 2017, 08:57:43
Hohes Gras ist sowieso Mist. Das verleitet die Kinder nur, darin herumzutoben und sich Bienenstiche und Zecken einzuhandeln.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: partisanengärtner am 22. Oktober 2017, 09:28:08
Wobei Bienenstiche in einer kurzgeschorenen Kleewiese eher vorkommen dürften als in einer waden- oder hüfthohen Blumenwiese.
Dort läuft kaum einer barfuß rum und die Bienen stechen eigentlich nur wenn man sie anfasst oder drauftritt.
In der Nähe des Stockes ist das gelegentlich ein wenig anders.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 22. Oktober 2017, 09:34:46
Ich auch. Und worüber streiten wir uns jetzt ??? ...

 ;) "Ein weites Feld."

Mal etwas "Butter bei die Fische".

Ökolandbau. Verzicht auf Pestizideinsatz und synthetische Düngung. Armer Sandstandort. Im sonnenexponierten Nordrand, in leichter Hanglage führt der Wärmestau vor dem Waldrand zu extremen Verhältnissen. Während der Bestand im übrigen Schlag manierlich aussieht und weitgehend unkrautfrei ist, entfaltet sich hier die schüttere Unkrautgesellschaft, die für die brandenburgischen Sandlandschaften bis in  die 1950er Jahre charakteristisch war: die Lammkraut-Flur.
Ein klassisch insektenreicher Standort mit hohem Anteil von Spezialisten unter den grabenden Insekten. Sehr gute Nahrungshabitateignung für die im Waldrand oder in der Umgebung nistenden Vögel.
Leitart: Das Lammkraut oder Lämmersalat (Arnoseris minima). Naturschutzwert: sehr hoch, Deutschland ist das Arealzentrum. Das Areal beginnt am Atlantik und endet an der polnischen Ostgrenze, ausschließlich in den gemäßigten Breiten, ist also vergleichsweise beschränkt. Die natürliche Herkunft der Pflanze bleibt unklar, vielleicht in Wildtriften, Großtier-Lägerfluren oder ähnlichem, die heute nicht mehr in entsprechendem Umfang vorhanden sind.

(https://forum.garten-pur.de/galerie/albums/userpics/16304/arnomini_2016hab.jpg)  (https://forum.garten-pur.de/galerie/albums/userpics/16304/arnomini_2016.jpg)

Aktuelle Gefährdung: in Brandenburg stark gefährdet, leichter Bestandsanstieg ausschließlich in Flächen des Ökologischen Landbaus und in gesondert geförderten Segetalarten-Schutzflächen. In Deutschland insgesamt stark gefährdet nach massiven Bestandseinbrüchen seit 1950. In fast allen europäischen Ländern außer F und PL ebenfalls stark gefährdet oder kurz vor dem Aussterben.

Im konventionellen Landbau war die Art schon in Vorwendezeiten weitgehend verschwunden. Es gab eine Mikro-Nische: Der Feldwinkel, die letzte Ecke, die der Traktorfahrer nur gelegentlich sauber ausgearbeitet hatte - aus "systembedingter Schlampigkeit". Diese Nische war alles andere als zuverlässig oder komfortabel. Im Schnitt auf weniger als 5 % der Schläge und wenn, dann überlebte dort eine handvoll Pflanzen. Das hat sich im intensiv bestellten Acker nicht verbessert. Restvorkommen in diesem Nutzungssegment sind jederzeit vom Verscheinden bedrohte Zufälle, tendenziell seltener werdende Zufälle. Die Art hat keine langlebige Samenbank, es gibt kein Wiederaufleben der Populationen nach Verlust. Verlust ergibt für diese Art sich vor allem aus schlagdeckendem Herbizideinsatz und durch Düngung dauerhaft dichtem Bestandsschluss bis an den äußersten Schlagrand.

Im Ökolandbau ist die Art ohne zusätzliche Förderung vorläufig gut aufgehoben, solange die Zahl der mechanischen Bearbeitungsdurchgänge nicht weiter erhöht wird. Die aktellen Vorkommen in der Karte liegen zum weitaus größten Anteil in den Ökolandbau-Flächen.

(https://forum.garten-pur.de/galerie/albums/userpics/16304/arnomini_mapbb.jpg)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 22. Oktober 2017, 09:50:57
Wobei ich mich beim oberen Bild durchaus frage, wovon der Bauer lebt. Selbst der konventionell arbeitende Brandenburger Landwirt schaffte es in diesem Jahr kaum, seinen Roggen rentabel anzubauen. Zum Glück stand der Mais prächtig.

@Partisanengärtner: Meine Bemerkung war ironisch gemeint.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 22. Oktober 2017, 10:00:07
Hier im Pfälzer Wald wächst der Lämmersalat auch in Wiesen auf armen Sandböden.
zB auf dem Adelberg bei Annweiler.
pdf aus dem Pollichia Kurier
https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=3&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwj16bCH34PXAhUlBcAKHVC1Cf8QFgg_MAI&url=https%3A%2F%2Fwww.pollichia.de%2Findex.php%2Fdownload%2Fsend%2F38-arbeitskreis-landespflege%2F249-9e5c862e7003db8452ca6664233ce06a&usg=AOvVaw1rOpQbxnl0Bx1-kEInvUT0

Rückgang ab 1950: da war wohl der Beginn der Traktorbetriebenen Landwirtschaft. Pferdegrubber waren weniger schlagkräftig. In den 50ern wurde hier in der Pfalz auch das große Bauernsterben eingeleitet, die Leute gingen in die Stadt arbeiten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 22. Oktober 2017, 10:36:18
Zitat aus "Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs", Band 6 (1996), zu Lämmersalat:

"Die Verbreitungskarte zeigt zwar viele ältere, aber nur drei (!)aktuelle Vorkommen, die überdies zum Teil auf die frühen 70er Jahre zurückgehen.
...
Die Ursachen für die deutliche Gefährdung liegen in der Überdüngung oder Nutzungsänderung der ehemals nährstoffarmen Äcker kalkarmer Gebiete. So lagen einige Vorkommen in Feldern, die zu Einödhöfen im Schwarzwald gehörten. Diese sind heute entweder intensiviert oder (meistens) in Wiesenflächen umgewandelt. Zur langfristigen Erhaltung der Art (soweit sie nicht inzwischen bereits ausgestorben ist) wäre die Extensivierung einzelner nährstoffarmer Ackerflächen oder ggf. die Einrichtung von Ackerflora-Reservaten auf kalkarmem Untergrund notwendig." 

Aktuell gibt es in BW noch ein Vorkommen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: partisanengärtner am 22. Oktober 2017, 10:41:32
Meine Antwort auch Staudo, nur weniger offensichtlich. Wobei die Zecken als Biotopschutz für überlastete Freizeitflächen eine unerwartete ökologische Bedeutung erlangen.

Der Fruchtwechsel mit Mais der hier so gerne zur "Bio"Gas-Gewinnung angebaut wird, ist für die meisten Ackerarten sehr nachhaltig fatal. Der Krumeverlust ist entsprechend.
Diese Äcker sind oft auch in den Jahren danach "sauber".

Wenn erst mal das Fleisch ohne Tiere gewinnbringend erzeugt werden kann, wird auch bald die ackerlose Landwirtschaft in großen Tanks die Landschaft "entlasten". Das auf dem Weg dahin noch mancher Fehler gemacht wird ist nicht auszuschließen. :P


Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Paw paw am 22. Oktober 2017, 12:02:56
Da es hier auch um Böden geht, ein TV-Tipp:
Schutz bzw. Verlust guter Böden war das Thema des SWR in seiner Sendereihe Odysso am 12.10.17. Es kamen verschiedene Aspekte zur Sprache. Ich fand die Sendung gut.

Unsere Böden - mit Füßen getreten
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 22. Oktober 2017, 16:45:22
Meine Antwort auch Staudo, nur weniger offensichtlich. Wobei die Zecken als Biotopschutz für überlastete Freizeitflächen eine unerwartete ökologische Bedeutung erlangen.

Jetzt verstehe ich, warum an manchen Wiesen "Vorsicht Zecken!" steht.  :D
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: partisanengärtner am 22. Oktober 2017, 17:13:37
Mit den Schildern könnte man auch weiße Wiesen schützen. 8)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Wühlmaus am 22. Oktober 2017, 17:22:41
Meine Antwort auch Staudo, nur weniger offensichtlich. Wobei die Zecken als Biotopschutz für überlastete Freizeitflächen eine unerwartete ökologische Bedeutung erlangen.

Jetzt verstehe ich, warum an manchen Wiesen "Vorsicht Zecken!" steht.  :D
Der Schuß könnte auch nach hinten los gehen  :-[:
"Nieder mit der Wiese! Kein Lebensraum den Zecken!"


Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 22. Oktober 2017, 23:14:20
Unsere Böden - mit Füßen getreten

Eine interessante Sendung, danke.  :)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Callis am 23. Oktober 2017, 11:16:31
Unsere Böden - mit Füßen getreten

Eine interessante Sendung, danke.  :)

ja, finde ich auch. Unbedingt sehenswert. Hab was gelernt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 23. Oktober 2017, 12:53:13
Im Zusammenhang der über einen Meter hohen Mutterbodenverluste über die letzten 800 Jahre ist die Aussage von Barbara Hendricks, noch Umweltministerin, recht spannend:
es soll wieder mehr gepflügt werden.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 23. Oktober 2017, 20:56:46
Vermutlich wegen der Glyphosat-Debatte. Irgendwer ist immer Verlierer.  :-\
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 23. Oktober 2017, 21:23:27
In welchem Zusammenhang auch immer; es werden täglich etwa 69 Hektar - da sind 690.000 Quadratmeter landwirtschaftlich oder natürlich geprägter Flächen in Verkehrs- oder Siedlungsflächen umgewandelt.

...und keine Sau interessiert das!

Täglich heißt jeden Tag, 365 mal im Jahr; jedes Jahr....
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 23. Oktober 2017, 21:35:52
Das Ausmaß finde ich auch sehr erschreckend. Sowohl in meinem jetzigen Wohnort als auch in meiner ursprünglichen Heimat wird aktuell daran gearbeitet, Acker in Eigenheimsiedlungen umzuwidmen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 23. Oktober 2017, 21:40:09
Es geht dabei übrigens um Deutschland - nicht global. 8)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 23. Oktober 2017, 22:04:51
In welchem Zusammenhang auch immer; es werden täglich etwa 69 Hektar - da sind 690.000 Quadratmeter landwirtschaftlich oder natürlich geprägter Flächen in Verkehrs- oder Siedlungsflächen umgewandelt.

...und keine Sau interessiert das!
Doch, das ist ein ganz großes Thema, Bodenverlust nicht nur horizontal, auch vertikal.
Überall Discounter, nach Aldi kommt Lidl, wer kauft bei Amazon? In Pforzheim mit 110 000 m2 Lagerfläche. :o (ich bin da vor kurzem dran vorbeigefahren)
Wenn wir wieder vermehrt beim Bauern unsere Lebensmittel kaufen, dann wäre viel überflüssig.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: partisanengärtner am 23. Oktober 2017, 22:20:20
Den Verkehrsstau auf der Landstraße möcht ich nicht mitmachen. Dann braucht jeder Bauer Parkplätze vor seinem Hof etc.
Der Laden liegt dann nicht um die Ecke wenn ich mal was vergessen habe.
Da dann nicht alles bei einem Bauern zu habe ist muß jeder Bauer sein Angebot im Internet darstellen, damit man die Fahrerei entspechend organisieren kann.
Die Sache mit dem Handel ist nicht umsonst erfunden worden.
Allerdings würde man den Bauern wieder schätzen und wahrscheinlich die Städte größtenteils verlassen werden.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 23. Oktober 2017, 22:27:29
Bücher und Stehlampen beim Bauern kaufen?  ;) Und wenn zum Bauern, dann zu Fuß und mit Milchkanne in der Hand. Diese Kulturrevolution wird es  ebenso wenig geben wie eine  verbreitete Rückkehr zum Ochsenpflug.

In Norddeutschland ist das Grundproblem sicher das gleiche wie in dem auch für mich sehr informativen Film. Immerhin zeigt sich hier aber auch, dass verlorene Bodenfruchtbarkeit in nennenswertem Maße wieder gewonnen werden kann.





Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 23. Oktober 2017, 22:42:09
Bücher und Stehlampen beim Bauern kaufen?  ;) Und wenn zum Bauern, dann zu Fuß und mit Milchkanne in der Hand. Diese Kulturrevolution wird es  ebenso wenig geben wie eine  verbreitete Rückkehr zum Ochsenpflug.
Nein, nicht zurück zum Mittelalter.
Es gibt neue Konzepte, Bauern liefern an Abholstationen, Hofläden haben ein breites Angebot, da sie sich mit anderen Höfen zusammentun.
Wir haben (fast) alle Autos, man kann sich zusammentun um einzukaufen. Die Bauern würden auch profitieren.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 23. Oktober 2017, 22:48:07
Als eine unter vielen Formen des Konsums sicherlich gut.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: KerstinF am 24. Oktober 2017, 08:06:10
Nein, nicht zurück zum Mittelalter.
Es gibt neue Konzepte, Bauern liefern an Abholstationen, Hofläden haben ein breites Angebot, da sie sich mit anderen Höfen zusammentun.
Wir haben (fast) alle Autos, man kann sich zusammentun um einzukaufen. Die Bauern würden auch profitieren.

Das ist hier wo ich wohne, nicht möglich. Hier gibt es kaum noch Bauern. Nur noch  Landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft oder Agrargenossenschaften.
Leider. Dafür haben wir riesige Felder. Ostdeutschland eben.  :-X
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 24. Oktober 2017, 08:19:06
Den Verkehrsstau auf der Landstraße möcht ich nicht mitmachen. Dann braucht jeder Bauer Parkplätze vor seinem Hof etc.
Der Laden liegt dann nicht um die Ecke wenn ich mal was vergessen habe.
Da dann nicht alles bei einem Bauern zu habe ist muß jeder Bauer sein Angebot im Internet darstellen, damit man die Fahrerei entspechend organisieren kann.
Die Sache mit dem Handel ist nicht umsonst erfunden worden.
Allerdings würde man den Bauern wieder schätzen und wahrscheinlich die Städte größtenteils verlassen werden.

Warum überhaupt in diese Richtung gedacht wird, ist mir ein Rätsel.

Der Handel übernimmt die Versorgung mit hochwertigen natürlich produzierten Lebensmitteln (mit vernünftigen Preisen für die Produzenten) doch ohne großes Aufhebens, sobald die Bevölkerung entsprechend nachfragt.

Ich muß auf keinen Bauernmarkt, zu keinem Produzenten und in kein Reformhaus, um unbelastete nachhaltig produzierte Lebensmittel zu kaufen (ich kann sogar nachprüfen, von welchem Bauernhof das Produkt kommt) - gibt es alles in jedem Supermarkt und bei jedem Diskonter, egal ob es die Ableger der deutschen Ketten (Rewe, Aldi, Lidl) oder österreichische Nahversorger betrifft. Warum sollte das in Deutschland nicht funktionieren?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 24. Oktober 2017, 08:22:04
Überall Discounter, nach Aldi kommt Lidl, wer kauft bei Amazon? In Pforzheim mit 110 000 m2 Lagerfläche. :o (ich bin da vor kurzem dran vorbeigefahren)
Die Discounter sorgen hier für die Verfügbarkeit regional produzierter Bioprodukte.

Bei Amazon kaufen immer weniger Menschen in unserem Bekanntenkreis - diese Geschäftspraktiken wollen viele nicht mehr unterstützen. Aber hier gilt auch nicht 'Geiz ist Geil'.  ::)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 24. Oktober 2017, 08:25:32
Zu überlegen, wie man sinnvoll und praktikabel der Insektenwelt und damit allgemein der Umwelt hilft, finde ich sehr wichtig und willkommen. Der in meinen Augen erste Punkt: weniger Aufräumen. Damit meinte ich nicht unterm Sofa, obwohl das durchaus auch zur Förderung der Fauna beitragen kann, sondern im eigenen Garten, in Parks, an Wegrändern, Feldrainen usw. Stetes Mähen sämtlicher Vegetation fördert nicht gerade die Vielfalt. Unsere Umwelt hat sich in dieser Hinsicht sehr deutlich verändert und gerade der Siedlungsbereich war eigentlich stets ein Hotspot der Artenvielfalt.
Wenn es so simpel wäre und ohne den Verzicht auf Insektizide und Herbizide funktionieren würde, wäre Großbritannien nicht genauso stark vom Rückgang der Gesamt-Insektenpopulation und vom Verschwinden vieler Arten betroffen. Dort wird vergleichsweise wenig ausgeräumt und gemäht - sieht hübsch aus, bringt aber kaum Effekte.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 24. Oktober 2017, 13:13:30
Überall Discounter, nach Aldi kommt Lidl, wer kauft bei Amazon? In Pforzheim mit 110 000 m2 Lagerfläche. :o (ich bin da vor kurzem dran vorbeigefahren)
Die Discounter sorgen hier für die Verfügbarkeit regional produzierter Bioprodukte.

Bei Amazon kaufen immer weniger Menschen in unserem Bekanntenkreis - diese Geschäftspraktiken wollen viele nicht mehr unterstützen. Aber hier gilt auch nicht 'Geiz ist Geil'.  ::)
Das ist in D ein wenig anders, Österreich hat viel mehr Biobauern. 20% der Agrarfläche in Ö. sind Bioanbau, in D nur 6%.
Frag mal einen Bauern mit Milchvieh, ob er mit ca 37 cent pro Liter Milch wirtschaften kann.
Es wäre echt interessant, was das für das Insektensterben bedeutet. Gibt es Vergleichszahlen, Insektenpopulationen in Abhängigkeit von Bioanbaufläche.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: kpc am 24. Oktober 2017, 14:54:36
Mich haben die Zahlen der Studie nicht überrascht.
Ich wohne im südöstlichen Ruhrgebiet, nicht viel weiter als 10km von mehreren großen Städten entfernt,
aber durchaus ländlich in einem sog. Landschaftsschutzgebiet. Das Sauerland ist nicht weit und die
Gegend ist hügelig, schon mit leichtem Mittelgebirgscharakter. Durch die Nähe zum Ballungsraum ist
die Gegend natürlich ziemlich zersiedelt, im wesentlichen geprägt durch landwirtschaftliche Flächen, Waldstücke, dörfliche Vororte,
freistehende Häuser und Gehöfte. Ich lebe hier seit knapp 40 Jahren an gleicher Stelle und solange haben wir auch einen Garten.
Zu der Zeit als meine Kinder groß wurden starteten kleine Wolken von Insekten wenn die Kinder durch den
Blumengarten liefen. Jetzt habe ich Enkelkinder, viele Stauden die als Insektenweide taugen sind hinzugekommen,
aber da fliegt nicht mehr viel auf. Es wird seit Jahren immer weniger. Ich habe auch den Eindruck, dass das quer durch alle Insektengruppen geht.
Ich kann den Verlust nicht beziffern, aber ich habe mich über die Prozentangabe nicht gewundert.
Gewundert habe ich mich über den Medienhype und über die folgenden Diskussionen.
Ich weiß das seit Jahren und alle die hier mit offenen Augen durch die Natur gehen vermutlich auch.
Und es kann mir auch niemand erzählen, dass es die ‘(Un)Verantwortlichen‘ nicht gewusst haben.
Ich selbst kann nicht einmal sagen was hier im Umfeld der Grund sein könnte. Bis auf die Besitzverhältnisse hat sich das was man von der Landwirtschaft sieht
nicht groß verändert. Die Flächen sind aus topographischen Gründen eher klein. Die Nutzung ist bunt gemischt, Winter-, Sommergetreide,
Raps, Mais, wenig Kartoffeln und Rüben und relativ viel Weide. Durch die Silagetechnik wird allerdings sehr viel
öfter geschnitten als früher. Ach ja, ein paar Biobauern sind hinzugekommen, die gab es früher nicht.
Jetzt wird vermutlich weiter geforscht und falls irgendwann, wissenschaftlich untermauert, die Gründe feststehen und politisch wohlmöglich auch noch
etwas in Gang setzten, wird wahrscheinlich nicht mehr viel zu retten da sein.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 24. Oktober 2017, 18:28:30
Wo Platz ist, können sich Tiere und Pflanzen ansiedeln.
Der Wolf kam zurück nach D, Luchs, Bartgeier, Uhu haben sich wieder etabliert. Das gilt auch für die Insektenwelt.
Für Landwirte sollten Anreize (EU Gelder) geschaffen werden naturnaher zu wirtschaften, Wiesen nur 1-2 mal mähen, Äcker zu Wiesen umwandeln und nicht umgekehrt. Bäume pflanzen, strukturarme Flächen in strukturreiche verändern, was auch Bodenerosion verhindern würde.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 24. Oktober 2017, 19:43:16
Wenn es so simpel wäre und ohne den Verzicht auf Insektizide und Herbizide funktionieren würde, wäre Großbritannien nicht genauso stark vom Rückgang der Gesamt-Insektenpopulation und vom Verschwinden vieler Arten betroffen. Dort wird vergleichsweise wenig ausgeräumt und gemäht - sieht hübsch aus, bringt aber kaum Effekte.

Gerade GB habe ich sehr aufgeräumt in Erinnerung.  ???  Schön war es hingegen, nach Tschechien zu fahren. Dort sah es aus wie bei uns früher.  :D  Ich war jetzt aber auch schon eine Weile nicht mehr in Tschechien. Ich hoffe, sie haben sich ihre Natürlichkeit erhalten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 24. Oktober 2017, 20:06:11
Wo Platz ist, können sich Tiere und Pflanzen ansiedeln.
Der Wolf kam zurück nach D, Luchs, Bartgeier, Uhu haben sich wieder etabliert.

Ihr wißt es nur noch nicht - aber der Wolf beispielsweise wird (oder ist bereits) fester Bestandteil der Großstadtfauna. So wie Fuchs, Wildschwein, Taube....
Und das hat nichts mit naturnahem Lebensraum oder Landwirtschaft zu tun. Er ist ein Opportunist - er wird einwandern.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 24. Oktober 2017, 20:06:32
Wo Platz ist, können sich Tiere und Pflanzen ansiedeln.
Der Wolf kam zurück nach D, Luchs, Bartgeier, Uhu haben sich wieder etabliert. Das gilt auch für die Insektenwelt.
Für Landwirte sollten Anreize (EU Gelder) geschaffen werden naturnaher zu wirtschaften, Wiesen nur 1-2 mal mähen, Äcker zu Wiesen umwandeln und nicht umgekehrt. Bäume pflanzen, strukturarme Flächen in strukturreiche verändern, was auch Bodenerosion verhindern würde.

Bitte nicht noch mehr Bäume.  :-[

Bei dem, was sich gut entwickelt hat, lohnt sich ebenfalls ein genauerer Blick auf die Ursachen. Greifvögel und Großraubtiere profitieren von einem veränderten gesellschaftlichen Verständnis. Bei den Greifvögeln und Eulen hat die in den 1960er Jahren in beiden damaligen deutschen Staaten parallel laufende Aufklärung durch Jagdmedien u. a. für einen Verständniswandel gesorgt. Das DDT-Verbot Anfang der 1970er Jahre hat die nach dem endlich aufhörenden Zusammenschießen der Greifvogelbestände neue, chemische Bedrohung glücklicherweise noch rechtzeitig abgewendet. Landschaftsstrukturelle Anpassungsprobleme haben von diesen Arten nur wenige*. Toleranz war hier der entscheidende Punkt und wird es bleiben, Arten wie der Wolf bringen große Herausforderungen mit sich.
(*Der Schreiadler zum Beispiel, der an kleinräumige Wechsel von Wald und Offenland und magere, strukturreiche Grünländer gebunden ist, befindet sich in Deutschland in anhaltendem Rückgang.)

Eine Gewinnergruppe in Ostdeutschland sind sehr viele Gewässerorganismen. Makrophytische Wasserpflanzen haben ganz überwiegend viele Gewässer zurückerobert, aus denen sie wegen übermäßiger Gewässerverschmutzung ( incl. Überdüngung) völlig verschwunden waren. Die Nachwendeentwicklung hat hier sehr viel bewirkt und mein Eindruck ist, dass die Umsetzung der EU-Vorgaben in den letzten Jahren noch einmal einen guten Schub gebracht hat. Wesentliche Einschränkung: Arten mit Bindung an nährstoffärmste Gewässer gehen weiterhin zurück. Diese Qualitäten werden offenbar nicht wieder erreicht, ohne dass sich dafür einfache Ursachen benennen lassen. Gut zu sehen, dass Natur hier profitiert, weil den positiven Veränderungen ein unmittelbares Interesse an der menschlichen Gesundheit und Versorgungssicherheit zugrunde liegt.

So weit so gut. Deutlich schlechter läuft es für alle, die konkurrenzschwache Lebensräume besiedeln, nährstoffsensibel sind, hohe landschaftsstrukturelle Anforderungen haben oder schlicht kein Herbizid vertragen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 24. Oktober 2017, 21:21:19
Ich wünsche mir bei den zum Teil riesigen Ackerflächen Bäume als Trittsteine für Vögel, Insekten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 24. Oktober 2017, 22:07:36
Ihr wißt es nur noch nicht - aber der Wolf beispielsweise wird (oder ist bereits) fester Bestandteil der Großstadtfauna. So wie Fuchs, Wildschwein, Taube....
Und das hat nichts mit naturnahem Lebensraum oder Landwirtschaft zu tun. Er ist ein Opportunist - er wird einwandern.
Das glaube ich nicht, die Menschen haben zu viel Rotkäppchen gelesen. Dieses Image wird er nicht mehr los. Die Bären werden vom Müll angelockt und der Wolf? Er meidet den Menschen, auch in den Ländern wo es schon immer Wölfe gibt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 24. Oktober 2017, 22:27:46
In der Kleinstadt ist er schon angekommen ;)

Und bitte - wir haben ihn hier "vor der Haustür" jedenfalls bis am Gartenzaun und mitten in den Dörfern - Menschen meiden ist was anderes!
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: häwimädel am 24. Oktober 2017, 22:40:42
Irgendwann hat sich der Wolf an den Menschen angeschlossen. So sind die Haushundrassen entstanden. Warum sollte er sich jetzt anders verhalten?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 24. Oktober 2017, 22:46:12
Ist jetzt lustig im "Insektensterberthread" - aber so gehen halt Diskussionen.

Es gibt die zwei größten Irrtümer über den Wolf- deswegen mal klargestellt: Er frißt keine Großmütter; und er lebt nicht im Wald!
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 24. Oktober 2017, 22:48:08
Nicht nur. Aber lassen wir den Wolf  sein. Das führt hier zu nichts.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 24. Oktober 2017, 22:57:14
So weit so gut. Deutlich schlechter läuft es für alle, die konkurrenzschwache Lebensräume besiedeln, nährstoffsensibel sind, hohe landschaftsstrukturelle Anforderungen haben oder schlicht kein Herbizid vertragen.
Wenn man speziell auf die Kräuter guckt, man schaue sich dazu nur mal die Vielfalt und Spezialisierung der Russelkäfer an, da könnte man schon fast ein Prototypmodell haben, warum mit Knicks und Co kein Krieg zu gewinnen ist, sondern gezielte Modelle her müssen.
Warum gibts die nicht? Evtl weil seit Jahrzehnten die Naturforschung behördlich massiv zurückgeschraubt wurde?
Ist das wirklich so wenig wichtig wie ein Fussballverein, der in der alleruntersten Liga mal ein neues Eckfähnchen braucht?

Samenvorräte im Boden erschöpfen sich mit den Jahren, fehlen die Pflanzen zu den spezialisierten Insekten, merkt man es Jahre später weenn sich vieles aufsummiert an den Vogeldaten. Behaupte ich jetzt mal frech und erstmal unbegründet...
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 24. Oktober 2017, 22:59:04
Nicht nur. Aber lassen wir den Wolf  sein. Das führt hier zu nichts.
Genau.

Ich denke verkehrstechnisch lassen sich diese Unmengen an zerklatschten Insekten derzeit nicht mindern - wo liegen die Reserven um ihre Ausbreitung zu fördern?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 24. Oktober 2017, 23:17:14
Gibts Untersuchungen, wieviel Biomasse vom Gesamtanteil auf diejenigen Insekten entfällt, die als hochspezialisiert gelten?
Wieviel Biomasse machen die Generalisten in den verschiedenen Lebensräumen aus?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 24. Oktober 2017, 23:20:24
Irgendwann hat sich der Wolf an den Menschen angeschlossen. So sind die Haushundrassen entstanden. Warum sollte er sich jetzt anders verhalten?

Weil der Hund nicht von dem heute lebenden Wolf abstammt, sondern von einer ausgestorbenen Art.
Hier: https://en.m.wikipedia.org/wiki/Origin_of_the_domestic_dog

Und hier:
https://www.nytimes.com/2017/10/13/science/wolves-dogs-genetics.html

Sehr interessanter Artikel, der mir gerade letzten Sonntag in der NYT unterkam, über die Abstammung des Hundes und die Verhaltensunterschiede zwischen heutigen Wölfen und Hunden.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 25. Oktober 2017, 07:30:15
Das ist in D ein wenig anders, Österreich hat viel mehr Biobauern. 20% der Agrarfläche in Ö. sind Bioanbau, in D nur 6%.
Frag mal einen Bauern mit Milchvieh, ob er mit ca 37 cent pro Liter Milch wirtschaften kann.

Deutsche Konsumenten sorgen dafür, daß der Bio-Anbau in Deutschland auch weiterhin 'exotisch' bleibt. Der Bevölkerung sind die Auswirkungen ihres Konsumverhaltens offenbar herzlich egal - erst wenn die Bestäuberpopulationen zusammenbrechen, die Obst- und Fruchtgemüseproduktion nicht mehr klappt und dann auch die Blütenpflanzen auszusterben beginnen, wird sich vielleicht etwas ändern  :-\

Es wäre echt interessant, was das für das Insektensterben bedeutet. Gibt es Vergleichszahlen, Insektenpopulationen in Abhängigkeit von Bioanbaufläche.
Es wäre interessanter, ob auf größeren zusammenhängenden Bioanbauflächen eine größere Artenvielfalt und Populationsdichte herrscht - auf den konventionell bewirtschafteten Feldern in Österreich sieht es wohl in Bezug auf die Insektenfauna nicht besser als in Deutschland aus.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 25. Oktober 2017, 07:32:56
Wenn es so simpel wäre und ohne den Verzicht auf Insektizide und Herbizide funktionieren würde, wäre Großbritannien nicht genauso stark vom Rückgang der Gesamt-Insektenpopulation und vom Verschwinden vieler Arten betroffen. Dort wird vergleichsweise wenig ausgeräumt und gemäht - sieht hübsch aus, bringt aber kaum Effekte.

Gerade GB habe ich sehr aufgeräumt in Erinnerung.  ??? 

Ich habe erst voriges Jahr hier Bilder von der bunten und vielfältigen Ruderalflora in Südengland gezeigt - mich hat die Menge und Vielfalt gewundert. Wo war es denn so aufgeräumt?

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 25. Oktober 2017, 10:54:50
Das ist in D ein wenig anders, Österreich hat viel mehr Biobauern. 20% der Agrarfläche in Ö. sind Bioanbau, in D nur 6%.
Frag mal einen Bauern mit Milchvieh, ob er mit ca 37 cent pro Liter Milch wirtschaften kann.

Deutsche Konsumenten sorgen dafür, daß der Bio-Anbau in Deutschland auch weiterhin 'exotisch' bleibt. Der Bevölkerung sind die Auswirkungen ihres Konsumverhaltens offenbar herzlich egal - erst wenn die Bestäuberpopulationen zusammenbrechen, die Obst- und Fruchtgemüseproduktion nicht mehr klappt und dann auch die Blütenpflanzen auszusterben beginnen, wird sich vielleicht etwas ändern  :-\

Es wäre echt interessant, was das für das Insektensterben bedeutet. Gibt es Vergleichszahlen, Insektenpopulationen in Abhängigkeit von Bioanbaufläche.
Es wäre interessanter, ob auf größeren zusammenhängenden Bioanbauflächen eine größere Artenvielfalt und Populationsdichte herrscht - auf den konventionell bewirtschafteten Feldern in Österreich sieht es wohl in Bezug auf die Insektenfauna nicht besser als in Deutschland aus.
Es gibt wenige die sich interessieren und kümmern, die Masse will billige Produkte und der Handel liefert sie, Schweinekotelett zu € 3,50 das Kilo.
Die "Masse" wacht erst auf, wenn die Preise deutlich gestiegen sind.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 25. Oktober 2017, 11:08:08
In der Kleinstadt ist er schon angekommen ;)

Und bitte - wir haben ihn hier "vor der Haustür" jedenfalls bis am Gartenzaun und mitten in den Dörfern - Menschen meiden ist was anderes!
Die Wolfsreviere sind riesig, ca 250 km2, da kommt er zwangsläufig in Kontakt mit menschlichen Siedlungen. Wieviel Platz ist noch für ihn vorhanden.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Amur am 25. Oktober 2017, 11:53:29
Der Rückgang der Insekten ist schon eine andere Nummer als der Wolf. Der zeigt letztendlich nur an ob er von den Jägern erschossen wird oder nicht. Wie und ob man ihn duldet ist letztendlich eine politische Frage. Das die Unsichtbarkeit und die angebliche Scheu genau so ein Märchen ist wie das Rotkäppchen dürfte inzwischen auch klar sein.

Bei dem Rückgang der Insekten wird es schwierig. Auch muß man die Ursache nicht nur in den letzten 10 Jahren suchen. Das kann schon länger zurück liegen.
Wenn man mal sieht wie lange sich die Fischbestände noch in den regulierten Flüssen halten konnten, dann war das sehr lange.
So hatte hier die Iller noch in den 1930er Jahren im Frühjahr Millionen von Fischen die gelaicht haben. Die Begradigung war damals bereits 60 Jahre vorher fertig. Die Verschmutzung auch schon einige Zeit relativ hoch, wenn auch der Höhepunkt der Verschmutzung wohl in den 60ern erst erreicht wurde.
Heute ist der Fluss relativ sauber, streckenweise etwas renaturiert, aber Fische gibts bei weitem nicht mehr so viele.

Ob es die Landwirtschaft alleine ist? Ich denke nicht dass der Verkehr hier so viel ausmacht mit den an den Fenstern endenden Individuen.

Und wer bei moderner Biolandwirtschaft blühende Felder erwartet der hofft wohl auch noch auf den Storch. Da wird genauso das Unkraut massiv angegangen. Im Gegenteil manches noch deutlich intensiver da man keine Mittel hat es nachher los zu werden. Bekannte von uns treiben einen Biohof um. Deren Felder sind meist genauso blank wie die konventionellen. Und wenns Unkraut überhand nimmt, dann kommt Gras drauf dass so oft gemäht wird, dass das Unkraut wieder zurück geht. Also die schöne Phantasie der blühenden Felder bei Bio kann man sich abschminken...




Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 25. Oktober 2017, 12:12:09
Und wer bei moderner Biolandwirtschaft blühende Felder erwartet der hofft wohl auch noch auf den Storch. Da wird genauso das Unkraut massiv angegangen. Im Gegenteil manches noch deutlich intensiver da man keine Mittel hat es nachher los zu werden. Bekannte von uns treiben einen Biohof um. Deren Felder sind meist genauso blank wie die konventionellen. Und wenns Unkraut überhand nimmt, dann kommt Gras drauf dass so oft gemäht wird, dass das Unkraut wieder zurück geht. Also die schöne Phantasie der blühenden Felder bei Bio kann man sich abschminken...

Abseits von Deiner Phantasie der blühenden Felder bei Biolandwirtschaft (wie kommst Du darauf?) - kennst Du verläßliche Daten zum Insektenbestand, wenn großflächig auf Insektizide und Herbizide verzichtet wird?

Hier blühen übrigens eher nicht die Felder, sondern die Feldränder und die Weideflächen, wenn Bio bewirtschaftet wird. Möglicherweise besteht ja auch bloß 'Informationsbedarf' bei den deutschen Bio-Landwirten, die das aktuell (noch) nicht hinbekommen?

PS: Beim Wolf kann ich Dir nur zustimmen - größere Säugetiere verschwinden in der Regel durch aktive Bejagung (egal ob Pflanzenfresser oder Raubtiere). Unterbleibt sie, arrangieren sie sich mit dem Menschen - Wildschweine, Braunbären, Elche etc. und nun eben der Wolf zeigen das in vielen Siedlungsgebieten. Nur besonders störungsanfällige Spezialisten sind allein durch Zerstörung des Lebensraumes auszurotten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 25. Oktober 2017, 12:25:58
So hatte hier die Iller noch in den 1930er Jahren im Frühjahr Millionen von Fischen die gelaicht haben. Die Begradigung war damals bereits 60 Jahre vorher fertig. Die Verschmutzung auch schon einige Zeit relativ hoch, wenn auch der Höhepunkt der Verschmutzung wohl in den 60ern erst erreicht wurde.
Heute ist der Fluss relativ sauber, streckenweise etwas renaturiert, aber Fische gibts bei weitem nicht mehr so viele.

Da kommen vermutlich mehrere Gründe zusammen. Der einstmals unregulierte, reich gegliederte Fluss mit Prallhängen und Erosion, sanften Uferbereichen, Überschwemmungsflächen etc. bot vielfältige Lebensräume und Laichgründe.

Später, nach der Regulierung, kam eine Zeit, in der viele Flüsse ziemlich eutrophiert waren. Das begünstigte Masse an Fischbestand, nicht unbedingt Artenreichtum. Das keene ich noch aus eigener Anschauung in Schleswig-Holstein.

Heute ist betreffende Fluss dort reguliert, und das Wasser ist wieder deutlich sauberer, das Wasser nährstoffärmer als früher. Im Ergebnis hat das zu weniger Fischmasse geführt, aber die Zahl der Arten ist nicht wieder gestiegen. 

Etwas Ähnliches ist im Bodensee zu beobachten: Mit abnehmenden Phosphatgehalt nimmt der Bestand an fischreifähigen Felchen ab, zum Leidwesen der Fischer.

Masse ist eben nicht unbedingt ein Kriterium für einen natürlichen Zustand und auch nicht für Artenvielfalt.

Das wäre übrigens auch eine Schwäche der "Insektenstudie", wenn man sie für sich allein sähe.

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: RosaRot am 25. Oktober 2017, 12:29:44
Hier blühen übrigens eher nicht die Felder, sondern die Feldränder und die Weideflächen, wenn Bio bewirtschaftet wird. Möglicherweise besteht ja auch bloß 'Informationsbedarf' bei den deutschen Bio-Landwirten, die das aktuell (noch) nicht hinbekommen?

Das kommt wohl sehr auf die jeweiligen Landwirte an.
Hier kenne ich wunderbar blühende Feldraine auch an ganz gewöhnlichen konventionell bewirtschafteten Feldern.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Amur am 25. Oktober 2017, 12:57:37
... kennst Du verläßliche Daten zum Insektenbestand, wenn großflächig auf Insektizide und Herbizide verzichtet wird?
...
Wenn es das gäbe wäre es schon längst hier angeführt oder verlinkt worden.

Interessant in dem Zusammenhang ist auch die Überlegung dass die Biobauern bei uns u. U. im Moment davon profitieren dass der größte Teil der Fläche um sie rum noch mit Insektiziden behandelt wird. Der Befallsdruck ist dadurch natürlich relativ gering. Wenn alle Bio machen haben wir dann wieder Massenvermehrung von bestimmten Insekten (wie einst die Heuschrecken durchaus auch bei uns)?
Ahnliche dem Effekt wie in Gesellschaften in denen die meisten Menschen z. Bsp. gegen Pocken geimpft sind und es deswegen auch bei auftretenden Pockenfällen nicht zu einer Epidemie kommt?
Habe das auch schon mit dem Biobauern mal kurz diskutiert. Er gibt ganz klar zu, dass der Befallsdruck von den Nachbargrundstücken natürlich sehr gering ist. Zumindest bei großen Betrieben mit zusammenhängender Fläche sei ihm aber auch nix derartiges bekannt.

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 25. Oktober 2017, 13:21:52
Das halte ich für reine Theorie. Ein Gedankenkonstrukt. Umgekehrt ließe sich argumentieren, dass die ausgeprägte Monokultur im konventionellen Anbau den Befallsdruck überhaupt erst herbeiführt und damit die mit reichem Fruchtwechsel arbeitenden Ökolandbaubetriebe belastet. Ist auch konstruiert und halte ich auch nicht für belegt. Man kann sich solche Betrachtungen schenken.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Rieke am 25. Oktober 2017, 13:35:42
... kennst Du verläßliche Daten zum Insektenbestand, wenn großflächig auf Insektizide und Herbizide verzichtet wird?
...
Wenn es das gäbe wäre es schon längst hier angeführt oder verlinkt worden.

Hier findet man z.B. etwas dazu.

Wer es etwas wissenschaftlicher mag: eine Metaanalyse aus dem 2005. 2 Zitate aus dieser Arbeit:
"More importantly, the densities of  predators, such as carabid beetles  and  spiders,  were  usually  higher  in  organic farming systems than in conventional ones."
Aus der Zusammenfassung: "Our results show that organic farming often has positive effects on species richness and abundance, but that its effects are likely to differ between organism groups and landscapes. We suggest that positive effects of  organic farming on species richness can be expected in intensively managed agricultural landscapes, but not in small-scale landscapes comprising many other biotopes as well as agricultural fields."

Oder kurz gesagt, auf den organisch bewirtschafteten Flächen findet man mehr Nützlinge und der Effekt auf die Biodiversität ist in kleinräumig strukturierten Landschaften weniger ausgeprägt als in Gegenden mit intensiver Landwirtschaft.

Eine neuere Metaanalyse zum gleichen Thema und mit vergleichbaren Ergebnissen Land-use intensity and the effects of organic farming on biodiversity: a hierarchical meta-analysis.
Hier finde ich ganz interessant, daß die positive Wirkung auf die Biodiversität bei Getreide sehr ausgeprägt ist, bei Gemüse und Obstplantagen weniger.

Schwerpunkt bei diesen Meatanalysen ist allerdings die Biodiversität, nicht die Menge der Insekten insgesamt. Dieser Ansatz der Krefelder Entomolgen ist relativ ungewöhnlich.

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 25. Oktober 2017, 13:44:59
Das EU Parlament lehnt Kriterien der EU Kommision ab, mit denen Chemikalien als hormonell schädlich klassifiziert werden sollen.
EDC, endocrine disruption chemicals,
hormonell aktive Substanzen,
Die EU tut sich schwer solche Stoffe zu verbieten.
Die WHO bezeichnet diese Substanzen seit 2012 als globale Bedrohung.
Wachstumsinhibitoren greifen in das Hormonsystem von Insekten ein und verhindern Häutung, Synthese des Chitins oder Verwandlung der Larven. Solche Inhibitoren werden gegen Kartoffelkäfer und Maiszünsler eingesetzt. Es sollen Ausnahmen her. Der VCI, Verband der chemischen Industrie, möchte Ausnahmegenehmigungen um eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln zu garantieren.
Es sind viele Insektizide und Fungizide davon betroffen.
35 von 50 Getreidefungizide und 12 von 24 Fungiziden, die gegen die Krautfäule bei Kartoffeln eingesetzt werden, könnten wegen hormoneller Wirkung vom Markt verschwinden.
Ob sich da etwas ändert?
Diese Stoffe sind überall und haben Auswirkungen auf die Insektenwelt und uns Menschen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 25. Oktober 2017, 13:48:39
Lass uns hier bitte nicht das Thema "endokrine Disruptoren" aufmachen. Sonst haben wir hier binnen kürzester Zeit eine ähnliche Situation wie beim Glyphosat!
Mit dem Unterschied, dass das Thema noch um Einiges vielschichtiger und komplexer ist als das Thema Glyphosat und das Thema Insektenmassenschwund.

Falls du das unbedingt debattieren möchtest, schlage ich vor, dazu einen eigenen Thread aufzumachen - aber ich rate ab.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 25. Oktober 2017, 13:54:17
Ja, never ending story...
ich halte es aber für ursächlich neben anderen Gründen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 25. Oktober 2017, 13:54:52
Hier blühen übrigens eher nicht die Felder, sondern die Feldränder und die Weideflächen, wenn Bio bewirtschaftet wird. Möglicherweise besteht ja auch bloß 'Informationsbedarf' bei den deutschen Bio-Landwirten, die das aktuell (noch) nicht hinbekommen?

Das kommt wohl sehr auf die jeweiligen Landwirte an.
Hier kenne ich wunderbar blühende Feldraine auch an ganz gewöhnlichen konventionell bewirtschafteten Feldern.
Was aber nix nützt - denn die Insekten fehlen dort trotzdem. Die Schäden, die durch die Insektizide entstehen, werden durch blühende, aber kontaminierte Feldraine nicht wieder gut gemacht.  :-\
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 25. Oktober 2017, 13:58:20
Das halte ich für reine Theorie. Ein Gedankenkonstrukt. Umgekehrt ließe sich argumentieren, dass die ausgeprägte Monokultur im konventionellen Anbau den Befallsdruck überhaupt erst herbeiführt und damit die mit reichem Fruchtwechsel arbeitenden Ökolandbaubetriebe belastet. Ist auch konstruiert und halte ich auch nicht für belegt. Man kann sich solche Betrachtungen schenken.

Diese Theorie läßt sich in der Praxis nicht bestätigen - in Österreich gibt es trotz wesentlich mehr Bio-Anbauflächen dort keinerlei Massenauftreten von Schädlingen. Viel eher ist das auf konventionell bewirtschafteten Feldern der Fall - siehe Maiswurzelbohrer, der nur durch das Auflassen der Fruchtfolge zum Problem wird.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 25. Oktober 2017, 14:50:00
Ja, never ending story...
ich halte es aber für ursächlich neben anderen Gründen.

Ich nicht. Lass es uns gut sein.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Dietmar am 25. Oktober 2017, 17:22:09
So weit mir bekannt ist, wurden in den Studien nur Gebiete beprobt, die in Naturschutzgebieten weitab von der Landwirtschaft liegen. Damit kann keinerlei Kausalität nachgewiesen werden.

Nun bin ich ja der Meinung, dass das Insektensterben von großer Bedeutung für uns alle ist, da ein großer Teil der menschlichen Ernährung ohne Bestäubung ausfallen würde.

Nur müssten solche Studien durch Fachleute und nicht durch Ideologen gemacht werden - und zwar so, dass Kausalitäten erkennbar sind und nicht nur Vermutungen in den Himmel schießen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Dietmar am 25. Oktober 2017, 17:30:43
Im Übrigen sind "endokrine Disruptoren" auch eine Gefahr für die Fruchtbarkeit der Menschen und sicher einer der Hauptgründe für ungewollte Kinderlosigkeit und leider kommen diese in unserer näheren Umgebung recht häufig vor, z.B.:
- Weichmacher in PVC, z.B. in Trinkhalmen, Becher für Margarine u.a., Fußbodenbelag, Spielzeug aus China - eigentlich ist der Einsatz von PVC im Lebensmittelbereich und überall, wo häufig Hautkontakt vorkommt, seit Jahrzehnten in D verboten, aber die o.g. Anwendungen gibt es nach wie vor.
- bestimmte Antioxidanzien in der Zahnpasta
- UV-Blocker in Sonnenschutzmitteln und in der Kosmetik

Ergo: Wer oft in der Sonne liegt, erhöht nicht nur sein Hautkrebsrisiko erheblich, sondern wird auch unfruchtbar.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 25. Oktober 2017, 18:48:09
... Nur müssten solche Studien durch Fachleute und nicht durch Ideologen gemacht werden - und zwar so, dass Kausalitäten erkennbar sind und nicht nur Vermutungen in den Himmel schießen.

So gut kennst Du die Studien-Bearbeiter?  :o
Es ist sehr selten, dass aus einzelnen Studien umfassend oder zielgenau auf Ursachen geschlossen wird oder werden kann. Neben wissenschaftlichen Studien gibt es aber Offensichtlichkeiten, wie die allgemeine Struktur- und Artenarmut landwirtschaftlich intensiv genutzter Flächen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 25. Oktober 2017, 19:30:58
... Samenvorräte im Boden erschöpfen sich mit den Jahren, fehlen die Pflanzen zu den spezialisierten Insekten, merkt man es Jahre später weenn sich vieles aufsummiert an den Vogeldaten. Behaupte ich jetzt mal frech und erstmal unbegründet...

So einfach ist es nicht. Mono- und oligophage Insekten, Pilze oder andere "Fresser", die auf eine einzige oder sehr wenige Wirts- oder Futterpflanzen spezialisiert sind, verschwinden meist viel früher als ihre Wirtspflanzen, weil sie engere strukturelle und mikroklimatische Ansprüche haben als diese. Es gilt deshalb, was für die größte Zahl aller gefährdeten Arten gilt: eine größtmögliche Vielfalt an nischenreichen (konkurrenzarmen) Lebensräumen, eine möglichst geringe Nivellierung natürlicher Standorteigenschaften (durch Überdüngung, Versauerung, aber auch unnatürlich beschleunigte Bodenbildungsprozesse) und eine ausreichende Vernetzung. Es läuft am Ende immer auf dasselbe hinaus: ein ausreichend großer Anteil extensiv genutzter Flächen in Land- und Forstwirtschaft, ergänzt durch gezielte Landschaftspflege in den Fällen, in denen eine Einbindung in reguläre Nutzungen nicht sinnvoll machbar ist.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: pearl am 25. Oktober 2017, 19:51:45
eine biologisch komplexe Frage. Mein Gedanke ging auch in die Richtung, die lerchenzorn da anschnitt.

Es ist einfach zu sauber für Insekten in unserem modernen Deutschland. Die ganzen schönen Dörfer sind durch Unser Dorf soll schöner werden zu Leichenhallen der Fauna geworden. Keine Misthaufen, keine Gülleteiche, keine Löschteiche, keine mäandernden Bäche, keine sumpfigen Wiesen, keine Weideflächen, keine verfallenden Schuppen, keine rumliegenden Laubhaufen, keine Schmuddelecken, selbst der Wald ist gefegt.

Fliegen sind ja auch irgendwie lästig in Hausnähe. Trotzdem betreibe ich einen Komposthaufen für pflanzliche Küchenabfälle. Immer dachte ich diesen Sommer, dass ich viel Gutes für die Piepmätze tue. Die haben reichlich Futter.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 25. Oktober 2017, 20:18:03
Warum glaubst Du, daß eine weniger ausgeräumte Landschaft irgendetwas ändert - solange gleichzeitig weiterhin massiv Insektizide eingesetzt werden?

In Österreich ist man inzwischen auch auf die Studie aufmerksam geworden - http://www.kleinezeitung.at/oesterreich/5306086/Stummes-Verschwinden_Insektensterben-in-Oesterreich_Es-braeuchte

diese Reaktion aus dem o.a. Artikel ist gerade zu klassisch:

"In der Pflanzenschutzmittel-Industrie sieht man das naturgemäß anders: Christian Stockmar, Obmann der IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) ortet in einer Aussendung "eine Kampagnenwissenschaft begleitet von Agrar-feindlichen Reflexen". Er spricht von Panikmache."  ::)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: pearl am 25. Oktober 2017, 20:41:59
ja, von bestimmten Leuten, die ich nicht für so wahnsinnig realitätsnah und wahrheitsliebend halte, habe ich so Sprüche gehört wie: "Früher hatte man die Fenster voller Insekten." Autofenster. Es gab auch mal diese Witze über Motorradfahrer. Oder: "Die ganze Straße war voller plattgefahrener Salamander." Früher, früher, wo alles besser war.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Amur am 26. Oktober 2017, 07:01:05
Das halte ich für reine Theorie. Ein Gedankenkonstrukt. Umgekehrt ließe sich argumentieren, dass die ausgeprägte Monokultur im konventionellen Anbau den Befallsdruck überhaupt erst herbeiführt und damit die mit reichem Fruchtwechsel arbeitenden Ökolandbaubetriebe belastet. Ist auch konstruiert und halte ich auch nicht für belegt. Man kann sich solche Betrachtungen schenken.

Diese Theorie läßt sich in der Praxis nicht bestätigen - in Österreich gibt es trotz wesentlich mehr Bio-Anbauflächen dort keinerlei Massenauftreten von Schädlingen. Viel eher ist das auf konventionell bewirtschafteten Feldern der Fall - siehe Maiswurzelbohrer, der nur durch das Auflassen der Fruchtfolge zum Problem wird.
Sicher sind die konventionell bewirtschafteten Flächen auch für solche Massenvermehrungen eine Quelle. Aber da gibts dann bestimmte Schwellenwerte bei denen  eingegriffen wird. Mit Spritzmitteln.
Die Bioflächen müssen da robuster sein.
Schließlich wurde Jahrtausende zwangsweise "Bio" bewirtschaftet und es gab diese Heuschreckenschwärme und Co. Zu Beginn war man froh man hatte diese Mittel und da die überwiegende Anzahl der Bevölkerung in der Lawi arbeitete und davon abhängig war, waren die gottfroh Mittel dagegen zu haben.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: neo am 26. Oktober 2017, 08:01:09
Wunsch: Die besten Forscher in diesem Bereich sollen sich jetzt europaweit schnell und unbürokratisch vernetzen zwecks Ursachenabklärung und Erstellung eines Massnahmenpakets.
Realität:?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 26. Oktober 2017, 08:49:56
Warum glaubst Du, daß eine weniger ausgeräumte Landschaft irgendetwas ändert - solange gleichzeitig weiterhin massiv Insektizide eingesetzt werden?
Wieviel Insektizide werden in den Naturschutzgebieten eingesetzt? Wieviel in den Dörfern, Städten?

Ich habe mal gelernt, Vögel brauchen Nistmöglickeiten, mit Lebensraum drumrum. Insekten Futterpflanzen, Eiablageplätze.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 26. Oktober 2017, 20:17:43
Wunsch: Die besten Forscher in diesem Bereich sollen sich jetzt europaweit schnell und unbürokratisch vernetzen zwecks Ursachenabklärung und Erstellung eines Massnahmenpakets.
Realität:?

Illusion. Es kommt keine Einigung zustande, wer "die besten" sind.  ;) Und es gibt ja auch schon mindestens 3 beste Naturschützer: den Bauern, den Jäger, den Angler ...  ;D

Im Ernst: Es braucht keine völlig neue Ursachenabklärung und auch kein ganz neues Maßnahmenpaket. Es braucht das Anerkennen eines Problems des Arten- und Lebensraumverlustes in Land- und Forstwirtschaft und die Umsetzung längst bekannter und beschriebener Maßnahmen. Dass die nicht perfekt sind und Misserfolge weiterhin eintreten werden, spricht nur dafür, diese Maßnahmen zu forcieren, um Fehler besser erkennen und nachsteuern zu können.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 26. Oktober 2017, 20:22:08
... Schließlich wurde Jahrtausende zwangsweise "Bio" bewirtschaftet und es gab diese Heuschreckenschwärme und Co. Zu Beginn war man froh man hatte diese Mittel und da die überwiegende Anzahl der Bevölkerung in der Lawi arbeitete und davon abhängig war, waren die gottfroh Mittel dagegen zu haben.

Das ist sicher so, dass ein Nutzer froh ist, wenn er gegen drückende Sorgen ein potentes Mittel in die Hand bekommt. Schwarmbildende Wander-Heuschrecken traten in Mitteleuropa aber nur ausnahmsweise auf. Die Jahre, in denen das geschah, kann man vermutlich zählen. Richtig ist, dass es andere Plagegeister gab, von denen manche sicher hin und wieder Angst eingeflößt haben.

... Und wer bei moderner Biolandwirtschaft blühende Felder erwartet der hofft wohl auch noch auf den Storch. Da wird genauso das Unkraut massiv angegangen. Im Gegenteil manches noch deutlich intensiver da man keine Mittel hat es nachher los zu werden. Bekannte von uns treiben einen Biohof um. Deren Felder sind meist genauso blank wie die konventionellen. Und wenns Unkraut überhand nimmt, dann kommt Gras drauf dass so oft gemäht wird, dass das Unkraut wieder zurück geht. Also die schöne Phantasie der blühenden Felder bei Bio kann man sich abschminken...

Ein wichtiger Punkt. Ökologischer Landbau ist ganz sicher keine Garantie auf artenreiche Landschaften. Allerdings sind die negativen Auswirkungen auf die Umgebung geringer als in der konventionellen Landwirtschaft, wenn man Sorgfalt im Umgang mit Rainen, Hecken und Kleingewässern voraussetzt. Was den Blütenreichtum im Acker selbst anbelangt: Im Roggenanbau wird hierzulande oft sogar nur einmal gestriegelt, was die konkurrenzschwachen, schutzwürdigen Unkrautgesellschaften am Leben lässt. Dass es auch anders geht, so, wie Du es beschreibst, sieht man hier: Pfluglos im Ökolandbau. Nach mehr als 5 Striegelgängen bleibt natürlich nichts mehr übrig von den Segetalarten. Kleegras ist in dem Zusammenhang übrigens ein wirksames und legitimes Mittel, um Problemunkräuter zu begrenzen.

Ein oft zitiertes und überzeugendes Beispiel, wie Artenschutz und Ökolandbau auf nennenswerten Flächen und bei leistungsfähiger Produktion funktionieren kann, ist das Ökodorf Brodowin. Dabei ist zu beachten, dass ein überaus engagierter, örtlicher Naturschutzverein die landwirtschaftliche Nutzung begleitet, regelmäßig die Entwicklung wichtiger Zielarten und Lebensräume im Auge behält und die Anpassung der landwirtschaftlichen Nutzung mit den Nutzern regelmäßig berät und aushandelt. Die Maßnahmen und Erfolge in Brodowin zeigen auch, dass besondere Artenschutzleistungen, wie der Schutz von Segetalarten, nicht allein mit der Ökolandbau-Prämie abgegolten werden dürfen, sondern zusätzliche Vergütungen aus dem Vertragsnaturschutz kommen müssen, um Aufwand, Ertragseinbußen und Wettberwebsnachteile auszugleichen. Problematisch und "rätselhaft", dass das brandenburgische Landwirtschaftsamt im letzten Jahr zu der Überzeugung gelangt ist, dass statt bisher 600 Euro/ha höchstens 200 Euro/ha dafür gezahlt werden dürften. Es ist also nicht einfach und ausgefochten wird auch in Brodowin so manches.

Ein weiterer, wesentlicher Aspekt im Erhalt von Artenvielfalt: am besten klappt es da, wo langjährige gute Kenner der Landschaft vor Ort beharrlich am Werk sind, mal hilfreich und willkommen, manchmal auch ganz schön lästig.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 26. Oktober 2017, 20:25:52
Im Ernst: Es braucht keine völlig neue Ursachenabklärung und auch kein ganz neues Maßnahmenpaket. Es braucht das Anerkennen eines Problems des Arten- und Lebensraumverlustes in Land- und Forstwirtschaft und die Umsetzung längst bekannter und beschriebener Maßnahmen. Dass die nicht perfekt sind und Misserfolge weiterhin eintreten werden, spricht nur dafür, diese Maßnahmen zu forcieren, um Fehler besser erkennen und nachsteuern zu können.

Ich hab den Eindruck, dass - nicht nur aktuell - auf höherer Ebene die meisten Ansätze von der einen Seite verwässert werden und von der anderen gerne symbolträchtige Kampagnen betrieben werden.
Irgendwo dazwischen versuchen engagierte Fachleute und Laien vor Ort was Sinnvolles zu tun.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Starking007 am 26. Oktober 2017, 20:28:05
Komisches Thema, weder ist es neu noch aktuell,
seit langem absehbar, zwingend zu erwarten.
Blos weil jetzt ne Studie in der Zeitung stand,
da hätten sie mich auch fragen können.

Was wird geschehen? Nichts.

Schulstunde der dritten Klasse in der Zukunft:

"Früher gab es mal eierlegende Warmblüter,
die konnten sich selbständig in der Luft bewegen,
man nannte sie Vögel"
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 26. Oktober 2017, 20:31:50
seit langem absehbar, zwingend zu erwarten.
Blos weil jetzt ne Studie in der Zeitung stand,
da hätten sie mich auch fragen können.

Dann hättest du ja schon längst eine Studie in einer Fachzeitschrift veröffentlichen können.  :-X
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Starking007 am 26. Oktober 2017, 20:33:49
Soviel Fachzeitschriften gibt`s gar nicht!
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 26. Oktober 2017, 20:35:41
 ;)

Irgendwo dazwischen versuchen engagierte Fachleute und Laien vor Ort was Sinnvolles zu tun.

Ja. So ist es wohl. Mir wird auch immer etwas komisch, wenn es auf solche Wellen, wie gerade mit den Insekten wieder heißt, dass es jetzt "wenigstens alle mitbekommen haben". Was aber haben "alle" mitbekommen und wie lange, wichtiger: wie wird es wirken?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Starking007 am 26. Oktober 2017, 20:38:27
"...engagierte Fachleute und Laien vor Ort was Sinnvolles..."

Zu beiden Gruppen zähle ich mich,
und ich tue mehr als ich hier schreibe,
doch das wird nicht reichen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 26. Oktober 2017, 22:24:20
Wunsch: Die besten Forscher in diesem Bereich sollen sich jetzt europaweit schnell und unbürokratisch vernetzen zwecks Ursachenabklärung und Erstellung eines Massnahmenpakets.
Realität:?

Die werden dann automatisch durch den Kakao gezogen und es wird ihnen nicht geglaubt, wenn die Ergebnisse nicht genehm sind. Siehe z. B. Schlußfolgerungen des BfR zum Thema Glyphosat und der daraus abgeleiteten Forderung, dass der Chef des Hauses abgesägt werden sollte. Sehr hilfreich, in der Tat. Siehe aber auch den Untersuchungen zum Honigbienensterben usw. Wen interessiert denn noch, was Wissenschaftler herausfinden?


Sagt mal, hier im Osten waren die Felder doch schon vor 30 Jahren so groß wie heute oder hat sich da etwas grundlegend verändert? Und auch früher wurde gespritzt. Mhh, passt jetzt aber nicht ins Bild.

Ich glaube nur auf die Landwirtschaft zu schimpfen ist zu kurz gedacht.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 26. Oktober 2017, 22:39:33
Seitdem ist mehr Stickstoff ins System gekommen.
Wir reden wohl auch nicht von 30 Jahren.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: RosaRot am 26. Oktober 2017, 23:01:10

Sagt mal, hier im Osten waren die Felder doch schon vor 30 Jahren so groß wie heute oder hat sich da etwas grundlegend verändert? Und auch früher wurde gespritzt. Mhh, passt jetzt aber nicht ins Bild.

Ich glaube nur auf die Landwirtschaft zu schimpfen ist zu kurz gedacht.

Ja die waren genau so groß, vielleicht sogar noch größer. Ob gespritzt wurde weiß ich gar nicht mehr, aber  es gab Agrarflugzeuge, die gelegentlich etwas abwarfen auf die Felder. Und mehrfach gingen die Schafe drüber nach der Mahd, solange eben da dann Grünes wuchs bis zur Neubestellung. Die Schafe weideten auch die Feldraine ab und alle möglichen Wiesenflächen hier, die jetzt sämtlich verbuschen. Es gab hier Fasane und Rebhühner, sehr viele Hasen und Karnickel. Die hasen wurden exportiert(lebend). Die Kanickel starben an der Chinaseuche. Die Rebhühner und Fasane verschwanden nach der Wende. Seitdem wird das Feld, das ich täglich sehe nur noch gespritzt. Keine Schafe mehr.
Ach ja, die Nachbarn hatten Vieh, das lief draußen so einfach herum (Schafe, Enten, Gänse, Schweinchen) und gelegentlich quer durch die Nachbarsgärten... ::) ;D - das ging nach der Wende nun gar nicht mehr...als das Vieh nicht mehr da war verschwanden die Spatzen und die Schwalben (die kommen hier nur noch gelegentlich)...
Ich habe mir wieder eine Herde Spatzen angefüttert, mit großer Mühe, aber nun bleiben sie...
Entlang der Straßen standen Apfel-, Birn-, und Kirschbäume. Die gibt es selbstredend nicht mehr, wurden alle als Verkehrshindernisse gefällt. Dafür wurden dann Ahörner gepflanzt.
Insekten gab es hier immer viele. Dieses Jahr sah ich weniger Schwebfliegen, Distelfalter gar nicht. Neu sind die Holzbienen(seit ca. 3 Jahren).
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 26. Oktober 2017, 23:06:24
Ob gespritzt wurde weiß ich gar nicht mehr, aber  es gab Agrarflugzeuge, die gelegentlich etwas abwarfen auf die Felder.
Das waren bestimmt Bienen oder Blumen.
Erst nach der Wende, seitdem es abdriftmindernde Düsen gibt und Saatgutbeizen, die mit einem Bruchteil der Menge auskommen als es bei Spritzungen der Fall ist, sterben durch die Pestizide in Ostdeutschland die Bienen am Oberrhein.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: RosaRot am 26. Oktober 2017, 23:17:32
Ob gespritzt wurde weiß ich gar nicht mehr, aber  es gab Agrarflugzeuge, die gelegentlich etwas abwarfen auf die Felder.
Das waren bestimmt Bienen oder Blumen.
Erst nach der Wende, seitdem es abdriftmindernde Düsen gibt und Saatgutbeizen, die mit einem Bruchteil der Menge auskommen als es bei Spritzungen der Fall ist, sterben durch die Pestizide in Ostdeutschland die Bienen am Oberrhein.

Nee, das war Dünger und sicher auch Pflanzenschutzmittel, welche weiß ich nicht.  War selten und daher ein Ereignis, die flogen ja sehr niedrig.
Wieso sterben durch die Pestizide in Ostdeutschland die Bienen am Oberrhein?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 26. Oktober 2017, 23:22:04
Wieso sterben durch die Pestizide in Ostdeutschland die Bienen am Oberrhein?

Hat wohl mit den abdriftreduzierenden Düsen nicht so geklappt.  :-\
 ;)

Das kurzzeitige Bienensterben am Oberrhein war Mist, aber man hat daraus gelernt. Es ist seitdem nicht wieder vorgekommen.  :)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 26. Oktober 2017, 23:57:53
Muss trotzdem immer wieder herhalten. Als Bienensterben, das weltweit passiert.

Vermutlich gings da bei arte und so um Honigbienen, ist nicht ganz klar, Wildbienen haben keine Lobby.

Ich weiss jetzt nicht, ob wir über Naturräume oder die Sterblichkeitsraten von Imkern und über Tierhaltung in der Stadt reden sollten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 27. Oktober 2017, 00:29:08
... Sagt mal, hier im Osten waren die Felder doch schon vor 30 Jahren so groß wie heute oder hat sich da etwas grundlegend verändert? Und auch früher wurde gespritzt. Mhh, passt jetzt aber nicht ins Bild.

Ich glaube nur auf die Landwirtschaft zu schimpfen ist zu kurz gedacht.

Warum sollte das nicht ins Bild passen? Natürlich hat sich die strukturelle Verarmung der Landschaft auch in der DDR fortgesetzt. Es ist ein um 1750 einsetzender Prozess mit leichten "Variationen", der sich durch Ost und West zog. Ich habe um die Wende sogar gedacht, dass die Intensität und die uniformierende Wirkung der Landnutzungen, wie ich sie aus den 1980er Jahren kannte, gar nicht mehr zu steigern sei. Das war ein Irrtum. Es geht seitdem noch deutlich intensiver und gründlicher, was die Vollständigkeit des Auslöschens von Arten und Strukturen anbelangt. Nein, es gibt keinen Grund, die Landwirtschaft als ganzes von ihrer Verantwortung in dieser Sache freizusprechen.

Ob gespritzt wurde weiß ich gar nicht mehr, aber  es gab Agrarflugzeuge, die gelegentlich etwas abwarfen auf die Felder.
Das waren bestimmt Bienen oder Blumen.  ...

Du bist ganz nah dran. "Hummel" hießen die und haben sowohl Dünger als auch Pestizide vom Himmel fallen lassen. Manchmal ist auch selbst eine auf´s Feld gefallen.  :-X Dass heutige Methoden der Ausbringung präziser geworden sind, ändert nichts am Maßstab und der tiefgreifenden Wirkung des Mitteleinsatzes in den betroffenen Flächen. Frei von Abdrift und Austrag sind auch heutige Landwirtschaftsflächen nicht.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: pearl am 27. Oktober 2017, 02:43:11
die heutige Situation ist paradiesisch im Vergleich zum Zustand im 19. Jahrhundert. Hier war der Hochwald gerodet, der Niederwald war Waldweide, oder wurde zur Gewinnung von Gerbstoffen gebraucht, Laub wurde als Einstreu für Ställe genutzt, der Bergkuppen des Odenwalds entlang des Oberrheins waren kahl, der Schwarzwald abgeholzt und nach Holland verflößt. Allerdings gab es Sümpfe und Rheinarme und Auen mit großem Insekteninventar bevor die Trockenlegung und die Begradigung stattfand.

Stichwort Entwaldung und ein Zeit Artikel über die Entwicklung der Waldbestände.

Die vollflächige Nutzung der Landschaft hatte Lebensräume für bestimmte Insekten geschaffen. Im Niederwald Bläulinge, auf den Sanddünen im Oberrheintal mediterrande Heuschreckenarten. Diese mit den blauen Flügeln. Oder roten.

Dieses menschengemachte Auf und Ab in der Population von Insekten und Fauna allgemein hat es schon seit Tausenden von Jahren gegeben. Was heute besonders ist: wir könnten, wenn wir klug wären, die Entwicklung zu Gunsten der Gesamtheit aller Lebewesen steuern und haben das auch schon in Bezug auf Seife und Seifenschaum in Neckar und Rhein hinbekommen.

Was wir dringend für Europa brauchen, das sind vernetzte Biotope, nicht nur für die Wildkatze, die sichere Passagen zwischen Siedlungsräumen und über Verkehrswege brauch. Dieses Projekt ist wohl auf private hartnäckige Initiative im Gange.

Allerdings sehe ich nicht, dass die Politik und die Interessengruppen der Wirtschaft da ernsthaft auf dem Weg sind. Dauert eben alles etwas, ist wie alles Biologische eine Frage der Entwicklung und alles Technische und Bürokratische ein Prozess.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 27. Oktober 2017, 12:31:25
Ich kann mich noch gut an die Flugzeuge, die Chemie auf die Felder spritzten erinnern, da ich öfters die Transitstrecke nach Berlin fuhr.
Hier werden Fungizide schon lange mit Hubschraubern in den Steillagen der Weinberge verteilt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: neo am 27. Oktober 2017, 13:08:08
Im Ernst: Es braucht keine völlig neue Ursachenabklärung und auch kein ganz neues Maßnahmenpaket. Es braucht das Anerkennen eines Problems des Arten- und Lebensraumverlustes in Land- und Forstwirtschaft und die Umsetzung längst bekannter und beschriebener Maßnahmen.

Mein Eindruck ist, dass die Sache mit der Anerkennung teilweise sehr schwierig zu sein scheint. Vor allem wohl, weil sehr unterschiedliche Interessen bei den Agierenden da sind.
Das sehr differenzierte Abklären der Ursachen sähe ich als Überzeugungsarbeit. In einem realistischen Zeithorizont, also vor fünf nach zwölf wenn möglich. Illusion? ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Hermann. am 27. Oktober 2017, 17:28:30
... solange gleichzeitig weiterhin massiv Insektizide eingesetzt werden?
Als ehemaliger Landwirt (Getreide, Grünland) würde mich interessieren welche landwirtschaftlichen Flächen mit Insektiziden behandelt werden.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Krokosmian am 27. Oktober 2017, 19:03:12
OT, der Vollständigkeit halber:

Hier werden Fungizide schon lange mit Hubschraubern in den Steillagen der Weinberge verteilt.

Wie man "hier" definiert ist Auslegungssache, aber in Stuttgart und der direkten Umgebung wird das schon lange nicht mehr gemacht. Wenn überhaupt, dann nur noch höchst selten. War den Nachbarn und/oder Kundschaft, welche oft auch noch die Weinbergwege als Spazier- Fahrrad- und Hundewege (ekelhaft :P) nutzt, irgendwann nicht mehr vermittelbar.

Je weiter man von Kessel bzw. Neckartal weggeht, steigt aber die Wahrscheinlichkeit, dass dem Wengerter dieses massive (!!!) Arbeitserleichterung gegönnt und sie deswegen auch noch praktiziert wird. Lärmt, sieht martialisch aus und wirkt unromantisch, ist aber besonders im frühen Jahr sehr effektiv durchführbar.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 29. Oktober 2017, 11:35:28
... solange gleichzeitig weiterhin massiv Insektizide eingesetzt werden?
Als ehemaliger Landwirt (Getreide, Grünland) würde mich interessieren welche landwirtschaftlichen Flächen mit Insektiziden behandelt werden.

Raps? Mais?
Forstflächen ganz sicher und regelmäßig, aber auf letztlich geringer Fläche.

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 29. Oktober 2017, 11:36:20
die heutige Situation ist paradiesisch im Vergleich zum Zustand im 19. Jahrhundert. Hier war der Hochwald gerodet, der Niederwald war Waldweide, oder wurde zur Gewinnung von Gerbstoffen gebraucht, Laub wurde als Einstreu für Ställe genutzt, der Bergkuppen des Odenwalds entlang des Oberrheins waren kahl, der Schwarzwald abgeholzt und nach Holland verflößt. Allerdings gab es Sümpfe und Rheinarme und Auen mit großem Insekteninventar bevor die Trockenlegung und die Begradigung stattfand.

Stichwort Entwaldung und ein Zeit Artikel über die Entwicklung der Waldbestände. ...

Das mit den paradiesischen Zuständen ist immer so eine Sache. Es lohnt sich, wieder ein bisschen unter die Oberfläche zu schauen.

Niemand möchte heute die Lebensverhältnisse vor 1800 zurück haben. Die Perspektive ist aber rein theoretisch und kein Ansatzpunkt für aktuelle Überlegungen zu einem menschen- und landschaftsverträglichen Landnutzungssystem. Und es bedeutet noch lange nicht, dass die Menschen damals ihr eigenes Leben als elend und jämmerlich empfunden haben. Auch dazu gibt es sehr verschiedene historische Aussagen und viel historische Propaganda.

Am Zeit-Artikel stört mich die undifferenzierte Betrachtung: "Wald" = "gut". Was wir heute in Deutschland an Wäldern sehen, ist ganz überwiegend, auch im Laubwaldanteil, eine sehr einseitige Geschichte. Die forstwirtschaftliche Nachhaltigkeit ist eine auf dauerhaft zuverlässigen Holzertrag und nachhaltigen Aufbau einiger, für das Holzwachstum günstiger Standorteigenschaften gerichtete Betrachtung. Ein breites Spektrum anderer, wichtiger Standortqualitäten, Waldstrukturen, Artenspektren wird zwar häufig pauschal vorgetragen*1. Im praktischen forstlichen Handeln aber fällt es "nachhaltig" hinten runter. Und so sehen die Wälder auch aus. An Artenarmut stehen sie den Maisäckern oft kaum nach, wirken nur auf den Spaziergänger viel heimeliger und eben "schön grün".
Ein dauerhaft auf ganzer Fläche nur Substanz aufbauender, akkumulierender Wald ist aber ein vollkommen unnatürliches Gebilde. In ihm sind alle Prozesse "abgeschaltet", die gelegentlich oder auch regelmäßig gewisse Flächenanteile auf Ausgangszustände und junge Sukzessionsphasen zurückführen. Das vollflächig angewandte Dogma "Fruchtbarkeit" wird zum Scharfrichter für die Vielfalt.

In der Vielfalt und qualitativen Zusammensetzung von Arten, Strukturen und Prozessen waren die historischen Wälder bis 1800 den prähistorischen Wäldern vor menschlicher Siedlungstätigkeit vermutlich viel ähnlicher als es die heutigen Wälder sind. Abgesehen davon, dass weder Förster noch Ökologen noch Pollenkundler wirklich sagen können, wie prähistorische Wälder ausgesehen haben. Wir wissen nur, dass sie sich von heutigen Waldbildern sehr drastisch unterschieden haben müssen.

Qualität und Geschwindigkeit des Auf und Ab der Artvorkommen haben Parallelen zum Klima. Nie vorher waren die Bestandsverluste so schnell und gravierend wie seit Einführung "moderner" Landnutzungssysteme. Es fällt nur nicht so auf, weil: was weg ist, ist weg und stört (erst einmal) nicht mehr. Bis zu einer skandalösen Pressemitteilung und kurz danach. Und ja, völlig richtig, wir hätten die Möglichkeit, bewusst und gezielt daran etwas zu ändern.

*1 Die "lustigste" Beschreibung des segensreichen Tuns deutscher Förster ist die "Kielwassertheorie". Alles schöne und gute im Walde schwämme im Kielwasser der Forstwirtschaft und würde so von ihr mitgenommen. Wie lange hält sich aber über Wasser, was in der Heckwelle ständig nach Luft schnappen muss? Die Kielwassertheorie besagt also erst einmal nichts weiter, als dass die Natur bei den Förstern gar nicht mit an Bord darf. (Inzwischen haben sie das auch überwiegend erkannt, schaffen es aber noch selten, anders zu handeln.)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: pearl am 29. Oktober 2017, 14:14:39
na ja, so theoretisch sind die Betrachtungen ja auch wieder nicht. Und mit "vieler historische Propaganda" habe ich sowieso nichts zu tun. Es gibt aus historischen Zeiten sehr gute Dokumente und gelegentlich auch Zeugnisse von Zeitzeugen. Die bilden nur den Gipfel des Eisbergs ab. Das Elend der Menschen war unbeschreiblich. Es hatte keine Sinn zu klagen, klar. Hier im Odenwald gibt es noch einzelne Tagelöhnerhäuschen. Eine Freundin hat ein etwas besseres Exemplar auf ihrem Grundstück stehen. Unbeschreiblich! Im Steinbruch Dossenheim arbeiteten Frauen und Kinder. Dossenheim hatte 200 Bierausschänke. Bier war das Hauptnahrungsmittel. Der Hügel, an dem ich gärtnere heißt Galgenberg. ...

Ich finde schon, dass wir uns das klar machen sollten, dass die völlige Ausbeutung einer Landschaft und totale Zerstörung von Ökosystemen keine Erfindung der Industrienationen ist. Auch die Majas haben ihr Land geplündert und ihren Boden ausgelaugt. Die Römer bekamen aus ihren Kolonien nicht mehr genug Nachschub um ihre Truppen zu unterhalten und der 30jährige Krieg hat die Region Baden und Würtemberg nicht nur menschenleer gemacht, sondern auch baum-, strauch- und krautfrei geplündert.

Mir kommt das Insektensterben vor wie das Waldsterben.

Was wir tun müssen ist klar. Wir müssen das beobachten. Völlig nüchtern, ohne Geschrei. Wissenschaftlich eben. Dass dafür mehr Geld und eine entschlossenere Politik nötig ist, das ist sicher. Wir müssen Ökosysteme interdisziplinär und langfristig untersuchen um zu validen Ergebnissen zu kommen. Die müssen dann von fachkundigen Entscheidungsträgern interpretiert werden und von Fachleuten umgesetzt.

Denn eins ist vielleicht nicht jedem Laien klar. Wissenschaftler befassen sich nicht mit der Zukunft. Das machen Wahrsager. Oder Wirtschaftswissenschaftler. Naturwissenschaftler liefern nur Daten zu Entwicklungen, die in ihrem Untersuchungszeitraum stattgefunden haben. Das Extrapolieren ist nicht die Aufgabe von Wissenschaft und unwissenschaftlich. Daraus können sich Konflikte ergeben.

Wie die zu lösen sind, darüber muss geredet werden. Möglich, dass dafür erst eine Sprache und eine Methode zwischen Wissenschaftlern und Politikern gefunden werden muss. In Amerika bemüht man sich mehr als in Europa um populärwissenschaftlichen Dialog. Die Universitäten sind nicht von so verstockt konservativen "humanistisch" gebildeten Leuten bevölkert.

Die sitzen in ihren Sesseln rum und machen ihre Arbeit nicht. Daher kommt es, dass immer wieder solche Stürme durch die Medien gehen, die sich dann legen. Das beruhigt die Massen um weiter in die Welt der Illusion zu versinken.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 29. Oktober 2017, 15:46:00
Denn eins ist vielleicht nicht jedem Laien klar. Wissenschaftler befassen sich nicht mit der Zukunft. Das machen Wahrsager. Oder Wirtschaftswissenschaftler. Naturwissenschaftler liefern nur Daten zu Entwicklungen, die in ihrem Untersuchungszeitraum stattgefunden haben. Das Extrapolieren ist nicht die Aufgabe von Wissenschaft und unwissenschaftlich. Daraus können sich Konflikte ergeben.

 ???

Kleiner Exkurs:

Naturwissenschaftler entwickeln aus Messungen und Beobachtungen unter Berücksichtigung bestehender Erkenntnisse Hypothesen und Theorien. Diese wiederum ermöglichen es, Modelle zu entwickeln. Mit solchen Modellen kann man nichts beweisen, sondern Vorhersagen treffen. Die wiederum lassen sich anhand von Messungen und Beobachtungen überprüfen. Stimmen beide mit den Modellvorhersagen überein, ist das Modell gut.
Ergeben sich Ungereimtheiten, Ungenauigkeiten oder gar Widersprüche, ist das auf Basis bisheriger Erkenntnisse aufgestellte Modell verbesserungsbedürftig und -fähig.

Mit anderen Worten: Selbstverständlich befassen sich Naturwissenschaftler mit der Zukunft.

Von Astronomen, die anhand der aktuellen Modelle die nächste Sonnenfinsternis vorhersagen, bis zu Klimatologen, die anhand ihrer Modelle Vorhersagen über die zukünftige Klimaentwicklung treffen.
Dabei ist im ersteren Fall das Modell ziemlich gut, da die Parameter sehr genau bekannt sind, und man kann sich auf die Sekunde drauf verlassen.
Im zweiten Fall ist die ganze Sache erheblich komplexer, nicht alle Faktoren sind genau genug bekannt und somit die Unsicherheiten größer. Aber das Prinzip ist dasselbe. 

So, jetzt können wir gerne zum Thema des Threads zurückkommen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: pearl am 29. Oktober 2017, 19:43:08
oh, sorry, ich vergaß die Meteorologen und die Astrologen. Dann gibt es noch die Futurologen. Wir wissen ja alle aus eigener Anschauung, was wir von Prognosen zu halten haben, oder?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Dietmar am 29. Oktober 2017, 20:47:37
Zitat
Wir wissen ja alle aus eigener Anschauung, was wir von Prognosen zu halten haben, oder?

Zitat: "Ungewiß die Zukunft ist".  ;D
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Malvegil am 29. Oktober 2017, 23:12:18
Ich sag jetzt mal was völlig Unqualifiziertes: Ich schätze, mindestens 80% unserer Bevölkerung finden Insekten eklig und/oder gefährlich. Vielleicht nicht, wenn sie in der Sonne herumschwirren oder -zirpen, aber da, wo sie ihre Nester bauen (Ameisen! gräßlich! Wespen!) oder sonst ihre Jugendstadien absolvieren, sei es in Pfützen, Kothäufchen, sei es fressend an Brennessel, Mohrrübe oder Baumwurzeln, da mit Sicherheit. Daß die Landschaft im Großen und die Grundstücke im Kleinen für dieses Kroppzeug möglichst unbewohnbar gemacht werden, daß manche Zeitgenossen in ihrem Garten jede Fraßspur mit der Sprühflasche bekämpfen, das alles ist ja Absicht und genau so gewollt. Dann ist es schön ordentlich! Der durchschnittliche Bürger kann vielleicht 15 Insektenspezies aus dem Stand identifizieren. Wozu braucht man die alle überhaupt?

Folglich wird dieses Thema ziemlich sicher nie den emotionalen Widerhall finden wie damals das 'Waldsterben'. Die deutsche Seele braucht den Maikäfer und die Steinhummel nicht, so gut sie sich eigentlich zu Symboltieren eignen würden. Ich bezweifle deshalb, daß diese fatale Entwicklung, die ja auch nur ein Aspekt eines insgesamt fatalen Umgangs mit der belebten und unbelebten Natur ist, sich längerfristig irgendwie aufhalten läßt. Dazu bräuchte es schon einen kompletten Sinneswandel.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 29. Oktober 2017, 23:21:17
Ja, Insekten haben keine Lobby, man denke nur an Zecken, Milben, Läuse, Schaben...iigitt...
Also wirklich, Zecken braucht kein Mensch, Tier.
Aber sie stehen in direkter Verbindung mit der Vogelpopulation... ein Rotkehlchen ist anmutig, singt wunderschön...
Und Bienen sind Bestäuber, wir brauchen sie, vor allem die Wildbienen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Malvegil am 29. Oktober 2017, 23:33:08
Ich weiß, was Du meinst. Aber Zecken und Milben haben acht Beine.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Hermann. am 30. Oktober 2017, 04:55:03
... solange gleichzeitig weiterhin massiv Insektizide eingesetzt werden?
Als ehemaliger Landwirt (Getreide, Grünland) würde mich interessieren welche landwirtschaftlichen Flächen mit Insektiziden behandelt werden.

Raps? Mais?
Forstflächen ganz sicher und regelmäßig, aber auf letztlich geringer Fläche.


Raps weiß ich nicht, hatte ich noch nicht angebaut. Der Maiszünsler wird bei uns durch häckseln bzw. quetschen der Maisstoppeln bekämpft. Gespritzt wird da nichts.

Vielleicht könnte hemerocallis näher erläutern, auf welchen Flächen und gegen welche Insekten massiv Insektizide eingesetzt werden. ::)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thogoer am 30. Oktober 2017, 06:05:09
Ja, Insekten haben keine Lobby, man denke nur an Zecken, Milben, Läuse, Schaben...iigitt...
Also wirklich, Zecken braucht kein Mensch, Tier.
Aber sie stehen in direkter Verbindung mit der Vogelpopulation... ein Rotkehlchen ist anmutig, singt wunderschön...
Und Bienen sind Bestäuber, wir brauchen sie, vor allem die Wildbienen.
;D
Der Mensch im Mitttelpunkt, beurteilt, verurteilt und fuehrt aus, weil Er weiss wer welchen nutzen hat und wer nicht gebraucht wird kann oder soll weg, ein paar kaum auffàllige Lateralschaeden bei der Bekaempfung von Pflanzen und Tieren. Verhaltensauffaellig, nein oder? Gibt es Untersuchungen wieviele Arten durch Zecken ausgestorben sind? ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 01. November 2017, 13:17:21
Ja, der Mensch ist durch Lebensraumzerstörung, Insektizide, Jagd, usw. verantwortlich für die Artenzusammensetzung unserer Umgebung.
Aber auf Zecken kann ich verzichten.
Mein Sohn hatte Borreliose, eine Freundin hat massive Nervenschädigungen durch nicht diagnostizierte Borreliose.
Ich habe die entfernten Zecken bei mir, meinen Katzen, Igeln aufgehört zu zählen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 02. November 2017, 22:16:16
Es ist aber auch ein Anlass darüber nachzudenken, warum man immer wieder versucht, uns mit möglichst erschreckenden Zahlen Panik zu machen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 02. November 2017, 22:40:44
Ja, der Mensch ist durch Lebensraumzerstörung, Insektizide, Jagd, usw. verantwortlich für die Artenzusammensetzung unserer Umgebung.
Wenn man eine möglichst komplette Auflistung von Ursachen erstellen will, kann man auch die Relevanz in Prozenten angeben.
Wenn Lebensraumzerstörung 95% ausmachen und Insektizide 0,1%, dann sind beide in der Auflistung richtig aufgehoben.

Was noch aussteht ist die Antwort von Hemerocallis, welche Landwirtschaftlichen Kulturen `intensiv mit Insektiziden zu tode gespritzt werden´.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 03. November 2017, 00:37:29
... solange gleichzeitig weiterhin massiv Insektizide eingesetzt werden?
Als ehemaliger Landwirt (Getreide, Grünland) würde mich interessieren welche landwirtschaftlichen Flächen mit Insektiziden behandelt werden.

Hm - als ehemaliger Landwirt müsste Hermann. das doch erläutern können - anscheinend hat er ja gar keine benutzt, so könnte man es deuten?

Mich würde interessieren, warum für Getreide, Raps, Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln, Sonderkulturen, Grünland/Ackergras hier z.B. verschieden Insektizide angeboten werden und wie oft die wirklich gebraucht werden?
Als Nicht-Landwirt habe ich da auch nicht so den umfassenden Wissenstand.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thogoer am 03. November 2017, 05:59:16
Das verschwinden der Tier- und Pflanzenarten  koennen die Wissenschaftler noch lange erforschen und verschiedene  Gruende und Thesen finden und aufstellen. Das wird wohl in erster Linie ihr Gehalt sichern und den enormen Wissensschatz den die Menschheit gerade anhaeuft bereichern. Aendert leider nicht die Richtung, Wie schon an anderer Stelle geschr. der Mensch frisst Baeume und k..t Haeuser aus.  Zum Thema Insekten und Voegel braucht man nur mit offenen Sinnen unterwegs sein um zu merken was los ist.
Es tut mir Leid wenn Menschen unter Krankheiten die vn Zecken uebertragen werden leiden, sorry,
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 03. November 2017, 06:46:20
Ja, wenn man so rumläuft sieht man einiges.
Ich sehe da aber recht wenig Insektizide. Auch und gerade in den Naturschutzgebieten, wo die Vogel- und Insektenpopulation weniger wird.

Ich bin auch kein Landwirt, probiers trotzdem mal.
Weizen kann man gegen Virenübertragende Blattläuse spritzen. Da ist jetzt demnächst die Zeit dazu. Man kann sich fragen, wieviel Nichtzielinsekten sich währenddessen auf dem Weizenfeld aufhalten.
Kartoffeln kann man vor Kartoffelkäfern schützen, wenn die Schadschwelle überschritten ist.
Raps kann vor Erdflöhen geschützt werden, seit neuestem nicht mehr mit einer Beize, sondern nur noch mit 2-3 Spritzungen. Rapsglanzkäfer je nach dem wann sie auftreten, mal gelten sie als Bestäubungshilfe, mal als Schädling.
Mais könnte man spritzen, macht man aber so gut wie nie, das ist nur in Mais-Mais-Mais-Fruchtfolgen nötig. Mais hat einen Isektizidbehandlungsindex von glaube ich max 0,2.
Von Zuckerrüben habe ich keine Ahnung. Blattläuse vielleicht?
Gründland könnte man gegen Wiesenschnaken behandeln, BT, auch ein Insektizid.

Sonderkulturen: vielfältig. Gemüse meist Blattläuse, hier sind meist auch alle Arten relevant, nicht wie etwa bei Apfel, dort werden nur die Lausarten bekämpft, die relevant sind. Die anderen werden belassen um die Nützlingspopulation zu ernähren. Gemüse wird zunehmend unter Glas angebaut, weil Makellos vom Handel gefordert wird. An sich perfekte Radieschen mit einem gelben Blatt im unteren Bereich ist nichts anderes als Abfall, muss untergepflügt werden. War diesen Herbst hektarweise der Fall.
Gewächshäuser stellen und Folienabdeckung braucht tendenziell weniger Pflanzenschutz, bringt den Vögeln aber auch nicht wirklich was an Lebensraum.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Hermann. am 03. November 2017, 06:56:15
Hm - als ehemaliger Landwirt müsste Hermann. das doch erläutern können - anscheinend hat er ja gar keine benutzt, so könnte man es deuten?
Ich habe keine Insektizide benutzt und meine Kollegen im Dorf auch nicht. Im Getreide und Grünland gibt es bei uns keine Probleme mit Insekten. Zuckerrüben, Kartoffeln und Sonderkulturen gibt es hier im Dorf nicht, deshalb weiß ich nicht, ob da MASSIV Insektizide eingesetzt werden. Für das deutschlandweite Insektensterben wäre das wohl auch nicht verantwortlich. Wie schon geschrieben macht im Mais nur der Zünsler Schwierigkeiten und der wird maschinell bekämpft.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 03. November 2017, 07:25:09
Ein bisschen gespritzt wird wohl schon wie z.B. gegen Getreideblattläuse, gegen Kartoffelkäfer, gegen Rapsglanzkäfer. Aber das sind eher unromantische Insekten, denen keiner hinterhertrauert. Was man vielen Landwirten ankreiden kann, ist die Landnahme. Da werden fremde, meistens öffentliche Grundstücke kurzerhand mit umgepflügt. Dabei sollte es dank moderner Landmaschinen und GPS möglich sein, zentimetergenau an den Grundstücksgrenzen entlangzuarbeiten und muss nicht fremde Feldraine beseitigen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thogoer am 03. November 2017, 07:38:57
Wie schrieb ich im Glyphosat- Faden, die menschliche Gier und Unwissenheit...der Mensch ist ein Opportunist und da werden im Pflanzen - und Tierreich nur die mithalten koennen die das auch sind, ganz unromantisch ;D
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thogoer am 03. November 2017, 07:41:46
Aber jetzt ist es bestimmt besser wenn ich ganz romatisch die 100 Allium sphaerocephalon setzen gehe  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: tarokaja am 03. November 2017, 08:14:54
Ganz unromantisch und unphilosophisch... ein weiterer Faktor, der das Insektensterben beeinflussen dürfte/könnte:

Arzneicocktail im Abwasser - Faktor für Insektensterben
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 03. November 2017, 11:22:14
An der Uni Tübingen gibt es viele Publikationen zum Thema Insekten.
https://www.buntewiese-tuebingen.de/%C3%BCber-uns/unsere-publikationen/
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: hymenocallis am 03. November 2017, 11:56:17
... solange gleichzeitig weiterhin massiv Insektizide eingesetzt werden?
Als ehemaliger Landwirt (Getreide, Grünland) würde mich interessieren welche landwirtschaftlichen Flächen mit Insektiziden behandelt werden.

Raps? Mais?
Forstflächen ganz sicher und regelmäßig, aber auf letztlich geringer Fläche.

Leider sind dazu offenbar keine Daten verfügbar - eigenartig, nicht?

Das hier findet man aber zum Thema Pflanzenschutzmittel - Verwendung in Deutschland:

"Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland lag zwischen 1995 und 2005 mit Ausnahme des Jahres 1998 bei etwa 35.000 Tonnen (t) Wirkstoff. Seit 2006 ist der Inlandsabsatz angestiegen und beträgt nun fast mehr als 49.000 t Wirkstoff (im Jahr 2015). Die Gruppe der Herbizide macht hierbei mit rund 35 Prozent (%) den größten Anteil an den abgegebenen Spritzmitteln aus."
Quelle http://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/pflanzenschutzmittelverwendung-in-der#textpart-2

In der beim Link hinterlegten Grafik ist der Anstieg beim Insektizidabsatz sehr gut zu sehen - der ist aber wohl völlig unproblematisch und steht ganz sicher nicht im Zusammenhang mit dem Rückgang der Artenvielfalt und Populationsgrößen -  ::) ::) ::)

Daß konventionell wirtschaftende Landwirte das Zeug nicht verwenden bzw. von der Verwendung in der Region nichts mitbekommen ist ausgesprochen glaubwürdig  :-\
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: pumpot am 03. November 2017, 12:07:51
Die Tabelle mal richtig angeschaut und die Zahlen verglichen? Angestiegen sind einzig die Mittel, die Vorratsschädlinge bekämpfen. (und zwar gewaltig) Die "klassischen" Insektizide, die im Freiland ausgebracht werden, sind mehr oder weniger konstant geblieben.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 03. November 2017, 12:17:50
Das versteh ich anders - im Balkendiagramm steht unten bei den Insektiziden/Akariziden "als Spritzmittel im Freiland".
Und der zweite Teil der Darstellung mit den Mengenangaben dreht sich somit doch auch um "Spritzmittel im Freiland", oder?
Von 1994 4006 Tonnen zu 2015 14885 Tonnen
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 03. November 2017, 12:29:27
Darunter steht "darunter".  ;) Zieht man die 13 000 Tonnen Gase ab (ob das nicht mehrheitlich Stickstoff und Kohlendioxid sind?) ab, bleibt der Einsatz im Freiland nahezu konstant.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 03. November 2017, 12:42:43
Ah!
Also ohne Kohlendioxid und Stickstoff (steht unter beiden Darstellungen  ;)) von 1994 969 Tonnen zu 2015 1026 Tonnen, das ist wirklich fast konstant.
Die Fungizid-Menge hat sich somit am meisten erhöht.
Interessant.
Auch die Herbizid-Menge hat nicht allzusehr zugenommen.

Jetzt such ich mal nach Angaben aus dem Zeitraum davor.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 03. November 2017, 13:09:43
Sehr interessant!
Inlandsabsatz an Pflanzenschutzmitteln in der Bundesrepublik Deutschland 1970-1995
Inlandsabsatz an Pflanzenschutzmitteln in der Bundesrepublik Deutschland 1978-1986

Aber vor allem dieser Abschnitt, Seite 9 des PDFs unten, ist aufschlußreich:
"...Die durchschnittlich im Jahr in Deutschland verwendete PSM-Wirkstoffmenge pro Hektar Ackerfläche
wird aus der jährlichen Verkaufsmenge, die nach dem Pflanzenschutzgesetz von den Herstellern zu
melden ist und aus der gesamten landwirtschaftlich bewirtschafteten Fläche abgeschätzt (Abb. 1). Die
Wirkstoffmenge verringerte sich von Ende der 1980er Jahre bis etwa Mitte der 1990er Jahre aufgrund
von mehreren Faktoren deutlich (PASCHER ET AL. 2004 nach LUA 2005):
• gezieltere Wirksamkeit und bessere Abbaubarkeit der neu entwickelten Pflanzenschutzmittel
• konsequentere Anwendung des integrierten Pflanzenschutzes
• verbesserte Technik bei den Applikationsgeräten
• Erfolge in der Resistenzzüchtung
Die Anwendungsmenge pro Hektar ist seitdem - mit witterungsbedingten Schwankungen - annähernd
konstant geblieben und hat sich auf einen Wert um 1,7 kg Wirkstoff/ha eingependelt. Da die meisten
modernen Pflanzenschutzmittel jedoch bereits in wesentlich geringerer Konzentration wirksam werden,
hat sich insgesamt die Anwendungsintensität erhöht (FINK-KESSLER & JÜRGENS 2009). Moderne hochwirksame
Pflanzenschutzmittel können aus ökotoxikologischer Sicht trotz geringerer Dosierung das
gleiche Gefährdungspotenzial wie ältere Mittel in hoher Dosierung aufweisen. Andererseits sind viele
neue Pflanzenschutzmittel schneller abbaubar als ältere Mittel (UBA 2011). ..."
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 03. November 2017, 13:09:53
In der beim Link hinterlegten Grafik ist der Anstieg beim Insektizidabsatz sehr gut zu sehen - der ist aber wohl völlig unproblematisch und steht ganz sicher nicht im Zusammenhang mit dem Rückgang der Artenvielfalt und Populationsgrößen -  ::) ::) ::)
Vielleicht helfen dir diese Tabellen nach Kulturen und Indikation aufgeschlüsselt:
http://papa.julius-kuehn.de/index.php?menuid=43

Ansonsten willst du doch mit der Ironie wohl nicht etwa darauf hinaus, dass die Breitbandinsektizide von Früher wie E605 weniger schädlich als die modernen Insektizide waren?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 03. November 2017, 13:14:03
Aber vor allem dieser Abschnitt, Seite 9 des PDFs unten, ist aufschlußreich:
kommt drauf an, schau dir mal an auf welche Arbeit sich da das UBA bezieht, um was es da ging und wozu sie jetzt verwendet wird.
http://www.landforscher.de/cms/data/files/Publikationen/publikationen_bar.pdf
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 03. November 2017, 13:20:32
Und worauf kommt es an?
Ich fand erstmal nur bemerkenswert, daß die Menge relativ konstant ist, wie das Diagramm sehr anschaulich zeigt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 03. November 2017, 13:38:18
kommt drauf an, ...

Ja bitte, kläre uns auf.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: neo am 03. November 2017, 13:45:11
Moderne hochwirksame
Pflanzenschutzmittel können aus ökotoxikologischer Sicht trotz geringerer Dosierung das
gleiche Gefährdungspotenzial wie ältere Mittel in hoher Dosierung aufweisen. Andererseits sind viele
neue Pflanzenschutzmittel schneller abbaubar als ältere Mittel (UBA 2011). ..."[/url]

Finde ich auch aufschlussreich. Die Mengenerfassung allein sagt eigentlich nicht viel aus, oder? (Habe die div. Links nicht gelesen, weiss nur, dass in CH zwar die Menge ( ausgebrachte PSM allgemein) pro ha erfasst wird, aber nicht welches Mittel nun genau.)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 03. November 2017, 14:37:41
Zitat
Da die meisten modernen Pflanzenschutzmittel jedoch bereits in wesentlich geringerer Konzentration wirksam werden,
hat sich insgesamt die Anwendungsintensität erhöht (FINK-KESSLER & JÜRGENS 2009).
Es ging in der Arbeit um hormonwirksame Substanzen, das ist ein Problem, das viele (alte) Fungizide haben. Was die mit Anwendungsintensität zu tun haben, erschließt sich mir nicht.
Da unterschiedliche ausgebrachte Mengen unterschiedlicher Wirkstoffe nichts mit der (Neben)Wirkung zu tun haben, kann man anhand der Menge unterschiedlicher Stoffe nicht auf den Wirkungsgrad schließen. Die Thematik um den Wirkungsgrad ist komplexer.
Fungizidspritzungen wirken im allgemeinen nicht sehr stark auf Insekten, können einzelne aber empfindlich treffen. Je nach Wirkstoff mal mehr oder auch garnicht.

Falls man die Auffassung vertreten sollte, in den vermaisten Landschaften werden die Insekten mit immer effektiveren Insektiziden totgespritzt, ist das weiter oben klar widerlegt worden.
Bleiben Rapsfelder als Flächenkultur, die mit Insektiziden behandelt wird. Seit dem Verbot der Neonicotinoidbeize werden sie mehr mit Insektiziden behandelt als vorher. Die Häufigkeit einer Insektizidbehandlung lässt aber ebensowenig wie die ausgebrachte Wirkstoffmenge auf die (Neben)Wirkung schließen.
Oftmals sind die behandelten Flächen für die meisten Insekten weitestgehend uninteressant, weswegen Insektizidspritzungen kein wirkliche Ursache für ein generelles Insektensterben ist.
Guttationstropfen auf Weizen machen ihn zu einer Wasserquelle für Insekten und damit wird er öfter angeflogen. Wurde er mit Insektiziden behandelt, ist im Rahmen der Zulassung die Gefährdung von Bienen usw bereits untersucht worden und da gibts meist nur Grünes Licht, wenn alles soweit kein unvertretbares Risiko ist.

Ein Verbot von Insektiziden würde also nicht viel helfen, einen Insektenrückgang umzudrehen.

Man sollte die Ursachen woanders suchen, damit man auch tatsächlich was ändern kann.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 03. November 2017, 16:11:05
Oftmals sind die behandelten Flächen für die meisten Insekten weitestgehend uninteressant, weswegen Insektizidspritzungen kein wirkliche Ursache für ein generelles Insektensterben ist.
Zweitens ist sicher so, erstens zu bezweifeln bzw. eine in der Hinsicht überflüssige Feststellung, dass man sie auch für die artenreichsten und besonders für spezielle Insektenhabitate treffen müsste. Selbstverständlich haben Äcker eine charakteristische Insektenfauna und vor allem die Fehlstellen in ihnen nicht selten auch Besonderheiten der sonst fast verschwundenen Pionierstandorte. Werden diese systematisch von Insektizid-Einsätzen betroffen, entfällt eine ihrer letzten Nischen.

Zitat
Ein Verbot von Insektiziden würde also nicht viel helfen, einen Insektenrückgang umzudrehen.
Man sollte die Ursachen woanders suchen, damit man auch tatsächlich was ändern kann.

Selbstverständlich muss man die Ursachen auch anderswo suchen. Veränderungen der Struktur und Dynamik der Lebensräume bleiben immer die Hauptursache für Veränderungen des Arteninventars. Dennoch sind Insektizideinsätze ein wirksamer Einfluss, der mehr als nur Zielorganismen trifft und im Komplex des Biodiversitätsverlustes eine Rolle spielt. Mit dem Schema "woanders suchen" käme man an allen Ecken recht bequem zu "Null-Grund-was-zu-ändern"-Schlussfolgerungen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thogoer am 03. November 2017, 16:13:12
Autoscheiben? 8) oder 2-20.... Jahre warten bis erkannt wird das es doch alles ganz anders war..wie gehts eigentlich den offiziell und sicher gelagerten Atommuellfaessern im Atlantik? Sind die schon offen? Koennten die damit was zu tun haben? 8)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 03. November 2017, 16:19:00
 ;) Sag nichts schlechtes über La Hague. Es erreicht seine Grenzwerte spielend in der Verdünnung Vierhundert zu Unendlich.  :-X Ach ne, das sind ja keine Fässer, sondern ein Abflussrohr. OT Ende
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 03. November 2017, 16:54:09
Selbstverständlich haben Äcker eine charakteristische Insektenfauna und vor allem die Fehlstellen in ihnen nicht selten auch Besonderheiten der sonst fast verschwundenen Pionierstandorte. Werden diese systematisch von Insektizid-Einsätzen betroffen, entfällt eine ihrer letzten Nischen.
Die sind auch früher schon von Insektizidduschen getroffen worden, damals eher systematisch als heute.
Das was sich geändert hat, es gibt fast keine Fehlstellen mehr. Die Technik wurde besser, das Saatgut auch.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 03. November 2017, 16:57:00
Zur Erinnerung, sicherlich kein pures Heilwasser was zu Lindan-Zeiten rauskam:
http://www.max-holder.com/uploads/media/1953_Spritze_Obstbau_an_Schlepper_B10.jpg
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Amur am 03. November 2017, 17:10:31
Zumindest bei uns sind die letzten 30 Jahre fast alle Dauerwiesen verschwunden. Und in den Feldern ist der Artenreichtum der Pflanzen sehr übersichtlich. Auch wenn im Herbst der eine oder andere Acker schön blüht.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 03. November 2017, 18:42:07
An der Uni Tübingen gibt es viele Publikationen zum Thema Insekten.
https://www.buntewiese-tuebingen.de/%C3%BCber-uns/unsere-publikationen/
Wiesenbiotope mit großer Artenzahl verschwinden immer mehr, auch da herrscht Masse statt Klasse. Sie werden zu oft gemäht, gedüngt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 03. November 2017, 22:24:02
Selbstverständlich haben Äcker eine charakteristische Insektenfauna und vor allem die Fehlstellen in ihnen nicht selten auch Besonderheiten der sonst fast verschwundenen Pionierstandorte. Werden diese systematisch von Insektizid-Einsätzen betroffen, entfällt eine ihrer letzten Nischen.
Die sind auch früher schon von Insektizidduschen getroffen worden, damals eher systematisch als heute.
Das was sich geändert hat, es gibt fast keine Fehlstellen mehr. Die Technik wurde besser, das Saatgut auch.

Kein Grund, die aktuelle Belastung klein- oder wegzureden. In der aktuellen Betrachtung von Rückgangsursachen muss sie berücksichtigt werden.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 05. November 2017, 13:26:33
Ein wesentlicher Grund für die weiter oben im Thread beschriebene "Nivellierung": der viel zu hohe Stickstoffeintrag.
Nitrat-Grenzwerte in privaten Brunnen deutlich überschritten.

In Nordwestdeutschland (woanders kenne ich die Situation nicht) gibt es Bereiche, in denen die Einträge von Ammonium aus der Luft (!) so hoch sind, dass sie nährstoffarme Lebensräume ernstlich verändern. Ganz ohne Düngung von Boden aus.

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 05. November 2017, 14:47:18
Das scheint nicht auf den Nordwesten beschränkt zu sein. Das UBA zeigt in einer Stickstoff-Broschüre eine Karte mit nitratbelasteten Grundwasserkörpern: Seite 21. (Die Auswirkungen sind dort noch moderat dargestellt. Den vergrasten Kiefernforst, der im Bild auf S. 17 als nicht erkennbar stickstoffbelastet gezeigt wird, halte ich schon für erheblich durch Nährstoffakkumulation verändert.)

Weißt Du, inwieweit Ammonium und Stickoxide zur Bodenversauerung beitragen? Oder geht das, im Anteil der Luftpfad-Immissionen, hauptsächlich auf Schwefelbelastungen zurück?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 05. November 2017, 14:56:30
"Auf mehr als 80 % der Fläche natürlicher und halb-natürlicher Ökosysteme, inklusive der Wälder, liegen die atmosphärischen Säureeinträge noch immer über den kritischen Belastungsschwellen. Stickstoffverbindungen, insbesondere Ammoniak und Ammonium aus der Landwirtschaft, haben heute dem Schwefel als einstigem Hauptverursacher der Versauerung den Rang abgelaufen."

Quelle: Stickstoff – Zuviel des Guten? (ebenfalls UBA)


Bevor jetzt jemand anmerkt, dass Ammoniak doch alkalisch reagiere und insofern einer Versauerung entgegenwirken müsse:
In der Luft und im nass und trocken deponierten Material liegen Ammoniumionen vor, die schwach sauer reagieren.

Vor allem aber: Im Boden wird daraus Nitrat, dabei wird demnach Säure gebildet.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 05. November 2017, 15:15:58
Danke!
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 05. November 2017, 15:38:51
Hauptursache für die Ammoniumbelastung: Massentierhaltung
http://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/20247/
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: partisanengärtner am 05. November 2017, 16:47:17
Das Auftreten von Forstschädlingen wie dem Eichenprozessionsspinner wird natürlich mit Insektiziden bekämpft, nicht erst in jüngster Zeit. Das sich davon die individuenärmeren Insektenarten unter Umständen nicht erholen können, lässt solche an sich artenreichen Biotope auf artenärmere Level zurückfallen. Die "Schädlinge" sind da nicht so anfällig.

Diese Systeme sind wiederum dadurch öfter auf Eingriffe angewiesen. Je artenärmer um so stärker die Oszillationen. Das findet ja schon seit längerer Zeit statt. Jeder Einzeleingriff vermutlich tolerabel, leider addiert sich das auch auf der Zeitachse.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 05. November 2017, 17:17:04
Hier gab es letztes Jahr Behandlungen mittels Hubschrauber gegen einen massiven Befall durch die Kiefernbuschhornwespe. In Siedlungsnähe konnte nicht gespritzt werden. Ein Jahr später sind beide Varianten immer noch weitgehend kahl gefressen und gleichzeitig sind die Populationen weitgehend zusammengebrochen. Für mich lasen sich die Berichte so, als ob man sich die Behandlungen hätte sparen können, wobei das natürlich sehr unwissenschaftlich ist.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 05. November 2017, 20:49:00
In Nordwestdeutschland (woanders kenne ich die Situation nicht) gibt es Bereiche, in denen die Einträge von Ammonium aus der Luft (!) so hoch sind, dass sie nährstoffarme Lebensräume ernstlich verändern. Ganz ohne Düngung von Boden aus.
Ist in Südwestdeutschland, etwa im Pfälzer Wald, dem größten zusammenhängenden Waldgebiet Deutschlands, auch nicht anders.
Ich stelle die These auf, der hohe Stickstoffgehalt in der Luft zum Ende des Sommers wird vom Regen ausgewaschen und so den Pflanzen verfügbar gemacht, diese werden daraufhin in Kombination mit immer wärmeren Herbstmonaten nicht selten zu einem erneuten Trieb oder Blüte angeregt. Dies verringert die Winterhärte oder lässt Blütenanlagen die eigentlich für das Folgejahr gedacht sind, im Herbst schon `verheizen´.
Letzterer Punkt ist soweit belegt durch die Winterblüherkartierung der Pollichia.
Welchen Einfluss die hohen Stickstoffgehalte darauf haben, sollte der ein oder andere naturforschende Verein wie etwa Nabu genauer untersuchen. Die sollten das nötige KnowHow und die finanziellen Mittel dazu haben.

Die Vergrasung ungedüngter Wiesen ist eine andere Geschichte, dort werden durch den Stickstoff auch zuviele Magerpflanzen überwuchert. Ärgerlich, da viele Insekten hochspezialisiert sind und auf diese Arten angewiesen sind.
In Wäldern hier in der Gegend ist es nicht nur die Vergrasung, auch Holunder und Co wird hier immer öfter. Zusätzlich gibts noch die Laurophyllisierung.

Verschobene Blühzeitpunkte, Insekten fliegen nicht mehr wenn die für sie nötigen Pflanzen blühen, Konkurrenzarten werden laufend eingeschleppt und verringern das ohnehin schon knapper werdende Nahrungsangebot noch mehr, zusätzlich verändern sich ganze Lebensräume, der Boden von Offenbodenlandschaften wird von Gräsern beschattet und mit Humus angereichert, der die Feuchtigkeit länger im Boden hält und so auch anderen Arten Tür und Tor öffnet.
Es ist vieles im Wandel die letzten 30-40 Jahre.

Auch der Insektizideinsatz, der wird durch zahlreiche Auflagen immer Umweltverträglicher.
Ich mag ebensowenig Insektizidmaßnahmen wie Insekten totfahren mit Autoscheiben für eines der wesentlichen Ursachen für Insektenrückgang, auch, und hier im Strang im besonderen, in Naturschutzgebieten verantwortlich machen.

Selbst der Insektizideinsatz der KABS, BT-Granulat zur Bekämpfung der Schnakenplage am Oberrhein, Großflächiger Insektizideinsatz mt hubschraubern und freiwilligen Helfern zu Fuß, der Einfluss auf die Vogelpopulation ist noch heiß diskutiert anstatt sicher nachgewiesen. Auch was die Fische und Fischnährtiere angeht, die Wissenschaftler der Unis sagen die Zuckmücken und co würden durch BT auch zurückgehen, Kabs streut aber nicht dort aus wo Fische in Altarmen stehen, sondern eher auf Überflutungsflächen. Das Wasser von dort fliesst zusammen mit dem BT natürlich auch irgendwann mal ab, aber auf die Idee zu kommen, mal zu untersuchen, wie lange BT auf überschwemmten Flächen wirksam bleibt und welchen Einfluss das abfliessende Wasser auf Altrheinsysteme hat, da kommt wohl niemand drauf oder wird nicht finanziell gefördert. So kommen von den Unis eher nur Arbeiten, die sich für die Schlagzeilenpresse eignen und man so im Gespräch bleibt.

Ich habe den Eindruck, wenn jeder den anderen beschuldigt um sich reinzuwaschen, ist niemand an einer wirklichen Lösung interessiert.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 09. November 2017, 07:02:04
Falls jemand noch Zeit für Spaziergänge hat, es wird gerade wieder zur Letztbeobachtung bei den Insekten aufgerufen:
http://artenfinder.rlp.de/sites/default/files/artenfinder_newsletter/KoNat-Rundbrief_2017_6.pdf
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 02. Dezember 2017, 09:11:38
Ich zieh das mal hier rüber:

Ich denke auch, dass man jetzt nicht nach allem greifen sollte, was Glyphosat doch noch zum alleinigen Übel stempeln könnte.

Ich bin bei der Arbeit in ganz anderem Zusammenhang auf diesen Bericht gestoßen:

Auswertung der wichtigsten in Deutschland durchgeführten Monitoringstudien zu Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf Nichtzielorganismen (pdf)

(Der Bericht ist von 2004, es gibt mit Sicherheit neuere*, aber ich brauchte eben gerade diesen.)

Ein Zitat:

"Um den möglichen Effekt von Herbizideinträgen auf die Vegetationsstruktur von dem anderer Faktoren besser abgrenzen zu können, wurden Labor- und Feldstudien mit Herbizidapplikationen durchgeführt. Niedrige Herbizidaufwendungen im Laborversuch zeigten bei einigen getesteten Nichtzielpflanzenarten Effekte auf das Sprosswachstum, nicht aber auf die Samenproduktion. Ein orientierender Freilandversuch mit Herbizidabtrift ergab aber bisher keine Änderungen in der Vegetationsstruktur des Saumbiotops. In der Studie wird daher der Schluss gezogen, dass die Auswirkungen einer Herbizidabtrift auf die Vegetation im Freiland offensichtlich durch den Nährstoffeintrag in die Saumbiotope überlagert werden."
(Hervorhebung von mir)

Vor allem aber listet der Bericht diverse Daten auf, wonach es auch bei regulärem Einsatz von Insektiziden immer wieder zu kleineren Einträgen in Kleingewässer kommt, die dort mehr oder weniger länger dauernde Veränderungen der dortigen Arthropodenfauna nach sich ziehen.

 
* Sandbiene?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: flor41 am 03. Dezember 2017, 03:08:54
Na dann halleluja
Wie gut das Regierenden alle so dicht am Volke leben.
Ist es nicht merkwürdig wie Langjährige Amtsbekleider zu Millionenvermögen kommen?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 03. Dezember 2017, 07:40:25
Na, wann kommt der tolle Produktlink.
Oder bist du nur ein armer Troll?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 07. Dezember 2017, 17:29:47
So schlimm finde ich es nicht, wenn die alljährliche Mücken- und Blattlausplage ausfällt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Natternkopf am 07. Dezember 2017, 19:06:28
S t a u d o o o  :o

Trotzdem ein 🍺 für dich.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 07. Dezember 2017, 20:21:16
Zu diesem Thema fällt mir noch diese Geschichte der Schnakenbekämpfung am Rhein hier ein:
https://www.rnz.de/nachrichten/metropolregion_artikel,-schnakenplagen-bekaemper-wir-sind-nicht-fuer-das-insektensterben-verantwortlich-_arid,314470.html
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 12. Januar 2018, 18:08:52
Im Sonderheft 2017 wirft die Ornithologie-Zeitschrift "Der Falke" u. a. einen Blick auf Insektenverluste im Grünland, die allein durch die Perfektionierung der mechanischen Erntemethoden entstehen.Bei den Heuschrecken kommt es zu gravierenden Verlusten (mehr als 90 %) an Individuen und Biomasse durch moderne Mähwerke. Auch nach mehreren Wochen ist eine nur minimale Wiederbesiedlung zu beobachten. Durch  Quetschung des Schnittgutes steigen die Verluste. Wird, wie zunehmend üblich, sofort aufgenommen und zur Silierung abgefahren oder gepresst, verschärft sich die Situation noch einmal.

Alles im Einklang mit Förderauflagen und Schutzgebietsbestimmungen*.

(Untersuchungen am Steinhuder Meer)


*edit:... die nicht schnell genug an die Methodenentwicklung der Landwirtschaft angepasst werden können.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 12. Januar 2018, 18:12:53
DAS glaube ich sofort und halte die Argumentation für absolut nachvollziehbar. Die intensiv genutzte Wiese nebenan ist extrem artenarm. Kurioserweise zieht sich selbst der Maulwurf in (von mir betreute  8) ) Randbereiche zurück.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 15. Januar 2018, 15:55:48
Die EU-hat eine Befragung zur Initiative für Bestäuber gestartet.
Jeder kann mitmachen, sowohl Privatmenschen als auch Institutionen, und seine Meinung kund tun.

Wer mitmachen möchte, hier die Seite:

https://ec.europa.eu/info/consultations/public-consultation-eu-initiative-pollinators_de
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 16. Januar 2018, 20:19:44
Danke für den Link
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 16. Januar 2018, 22:21:11
Oh ja, danke. Habe gerade den Fragebogen ausgefüllt. Bin irgendwie bei der englischen Variante angekommen, was das Schreiben des Kommentars etwas erschwerte. ::)

Vor ein paar Tagen wurde ich hierauf aufmerksam gemacht. Es geht um die Frage, ob man Verbesserungen für die Bienen nach dem Verbot der Neonikotinoide gefunden hat. Interessant fand ich auch die Kommentare unterhalb der Veröffentlichung.

Es ist wie immer alles komplizierter, als man auf den ersten Blick denkt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 16. Januar 2018, 22:25:03
Es ist wie immer alles komplizierter, als man auf den ersten Blick denkt.

Deswegen brauchen wir klare Feindbilder, die nach einfachen Lösungen schreien.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 16. Januar 2018, 22:27:27
Kann man oben rechts auf Deutsch umstellen.

Den Text lese ich mir morgen mal durch, der eine Kommentar scheint recht gut zu treffen. Leider nix neues. Der Mob schreit nach Opfern die er melken kann.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 16. Januar 2018, 22:28:52
Deswegen brauchen wir klare Feindbilder, die nach einfachen Lösungen schreien.

Dann sollten wir nur mal in den Spiegel schauen und nicht immer andere beschuldigen. Wer immer ordentlich seinen Rasen mäht, alle Pflanzenstängel abrasiert, keinen Kompost oder andere pflanzliche (oder auch tierische  :-X) Hinterlassenschaften irgendwo rumliegen hat, braucht sich über weniger Insekten nicht zu wundern.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 16. Januar 2018, 22:33:37
Ich habs meinen Nachbarn beigebracht, dass es bei mir im Garten mal nach Mist riechen kann. So richtig begeistern kann sich trotzdem keiner dafür. Das Gemüse ist trotzdem beliebt.

Auf der BI-Fläche habe ich einen Bagger angezettelt, der die Grasnarbe samt Humus vom trocknen Sand runterschiebt, zwecks Wiederherstellung von offenem Boden. Dort habens die Hundebesitzer mit nichtwegräumen von Kot und Urin übertrieben.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 16. Januar 2018, 22:34:24
@Sandbiene: Nein, das liegt am Nachbarn, der seine Zimmerpflanzen mit Neonicotinoiden gegen Läuse behandelt.
Deswegen müssen die für Privatanwender auch verboten werden, so wie Glyphosat.

Ich vermute, du wirst noch viel schreiben können, wenn die Debatte um Neonicotinoide erst richtig Fahrt aufnimmt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 16. Januar 2018, 22:39:22
Na ja, Neonikotinoide wirken auf jeden Fall auf Insekten, es sind schließlich Insektizide. Aber sie wirken nicht alle gleich stark auf die unterschiedlichen Insektenarten. So schafft man es kaum, ein Honigbienenvolk mit Imidacloprid zu vergiften. Was jedoch nach der Ausbringung vom staubenden, mit Clothianidin behandeltem Saatgut passiert ist, weiß inzwischen jeder.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 17. Januar 2018, 07:47:35
Meintest du statt Imadacloprid nicht eher Acetamiprid oder Thiacloprid?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 17. Januar 2018, 17:43:36
Nein, war so gedacht wie geschrieben. In einem Forschungsprojekt haben wir Stress an Bienenvölkern verursachen wollen. Das ist jedoch nur schwer mit Imidacloprid zu bewerkstelligen, auch wenn in Laborversuchen etwas anderes herauskommt. Ein gesamtes Volk reagiert anders als eine Einzelbiene.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 22. Januar 2018, 09:28:22
Am 17. März ist an der Naturschutzakademie in Wetzlar eine Veranstaltung, bei der auch ein Vertreter der Naturschutzgruppe aus Krefeld auftritt, die die Langzeitinsektenfangstudie gemacht hat, Vortrag mit anschließender Möglichkeit zur Diskussion (www.na-hessen.de)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Rieke am 23. Februar 2018, 17:02:31
In Münster gab es eine Tagung  zum Thema, veranstaltet vom Nabu. Die Vortragsfolien sind online - nach unten scrollen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 23. Februar 2018, 17:47:46
Einer Reihe von Punkten würde ich zustimmen, nicht zuletzt dem, dass wir wieder mehr Toxikologen und Ökotoxikologen an den Universitäten brauche, die sich mit dem Thema Umweltmedizin und -toxikologie beschäftigen. Hier sind in den letzten 10, 20 Jahren mehr und mehr Lehrstühle und Institute dichtgemacht worden, das rächt sich jetzt so langsam.

Aber solche Forderungen:
"Zudem müsse der Einsatz von Pestiziden in Naturschutz- und Natura 2000-Gebieten, Pflegezonen von Biosphärenreservaten sowie Nationalparken und Streuobstwiesen generell verboten werden, ebenso im Haus- und Kleingartenbereich sowie auf kommunalen Flächen." lassen mich wieder zweifeln.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: partisanengärtner am 23. Februar 2018, 18:21:53
Bisher hatte ich gedacht das die besagten Flächen (Naturschutzgebiete!) nicht oder eingeschränkt Land und Forstwirtschaftlich genutzt werden. Leider ist das nicht so da wird in der Regel konventionell gewirtschaftet.

Der Einsatz von Pestiziden ist also dort also auch nicht wesentlich eingeschränkt. So gesehen kann ich die Forderung schon verstehen. Von wo aus sollen sich den die normal genutzten Flächen den wiederbesiedelt werden wenn es keine Schutzzonen gibt?

Bei der Insektenfauna der Gewässer gibt es schon mehrere Jahre laufende Versuche mit als minmal angesehenen einmaligen Belastungen mit einem Insektizid der Neonicsgruppe. Erholung auf das Niveau im selben Gelände liegenden Vergleichsbiotopen gab es bisher noch nicht. Einige Jahre reichen nicht warum wird gerade beforscht.


Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 23. Februar 2018, 18:42:11
Es ist diese Absolutheit, die mich (ver)zweifeln lässt (Wobei die Agrarseite dem in nichts nachsteht).

Ich kann mir z. B. gut vorstellen, Glyphosat punktgenau gegen Robinien in Trockenrasen einzusetzen. Tatsächlich gab es mal eine Zeit, in der Naturschutzverbände das auch nicht kategorisch ausschlossen.
Es würde dem Pflegeziel entgegenkommen und Personalaufwand und Zeitbedarf reduzieren.
Warum auf kommunalen Flächen, in HuK und in den heiß geliebten Streuobstwiesen aus Prinzip auf PSM verzichtet wrrden muss, erschließt sich mir auch nicht.
Kommunen sparen am örtlichen Grünflächenamt, insbesondre am Personal. Ein Verbot von PSM bedeutet mehr Aufwand und höhere Kosten ohne Zusatznutzen.
Oder: mehr Asphalt und Versiegelung, das spart Arbeit.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: partisanengärtner am 23. Februar 2018, 19:50:16
In dem besagten Fall geht es wohl eher um Insektizide. Im Naturschutzgebiet sind die nicht gerade mit Mais oder ähnlich netten Sachen bepflanzten Äcker wohl nicht das Problem.
Das dort aber Neonics eingesetzt werden hat mich schon verblüfft. Vor allem scheint selbst sporadischer Einsatz langfristige Wirkung auf die Artzusammensetzung zu haben.
Wenn selbst Wälder so behandelt werden weil da mal ein Eichenprozessionsspinner sporadisch vorkam, sind solche Langzeitwirkungen natürlich fatal.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 23. Februar 2018, 20:18:22
Wenn selbst Wälder so behandelt werden weil da mal ein Eichenprozessionsspinner sporadisch vorkam, sind solche Langzeitwirkungen natürlich fatal.

Gegen den Eichenprozessionsspinner setzt man Dipel ES ein, ein Bacillus thuringiensis-Präparat, siehe hier.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: RosaRot am 23. Februar 2018, 20:21:43
Von sporadischem Vorkommen des Eichenprozessionsspinners kann man in manchen Gegenden nicht mehr sprechen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 23. Februar 2018, 20:25:41
In Münster gab es eine Tagung  zum Thema, veranstaltet vom Nabu. Die Vortragsfolien sind online - nach unten scrollen.

Oh je, Werner Kratz hat auch wieder losgelegt. Der Herr neigt dazu Wissen mit Polemik und einigen Verdrehern der Wahrheit so dem Publikum nahezubringen, dass beim Hörer anderes ankommt als der Herr Kratz es eigentlich wissen müsste. Eine gefährliche Mischung, die er bewusst einsetzt.  :P
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 23. Februar 2018, 20:39:29
Kannst Du deutlicher werden?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 23. Februar 2018, 21:15:52
Ich war heute in einer Gegend, wo bis an den Stamm junger Straßenbäume gepflügt wird und der übrig gebliebene Feldrain mehrmals im Jahr gemäht wird. Dort dürfte es kaum Insekten geben, vom Maiszünsler vielleicht abgesehen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 23. Februar 2018, 22:52:02
Kannst Du deutlicher werden?

Dazu muss man sich nur mit etwas Hintergrundwissen in einen seiner Vorträge setzen. Ich habe erst im letzten Herbst das Vergnügen gehabt und muss sagen, mir ist bald der Hut hochgegangen und das will schon was heißen. Wenn man nachfragt und der Herr merkt, dass man Hintergrundwissen hat, versucht er seine vorherigen Äußerungen wieder etwas gerade zu rücken und neutraler zu formulieren (und sich damit selbst zu widersprechen). Ich habe den Vortrag nicht mitgeschnitten, daher kann (und dürfte ich auch nicht) wortwörtliche Beispiele hier bringen. Es war einer der polemischten und verdreherischten Vorträge den ich je gehört habe.  :P
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 23. Februar 2018, 23:00:15
Ich habe mal einen kurzen Blick auf den Vortrag geworfen. Spontan ist mir die Folie mit dem seltsamen Tox-Vergleich von DDT und Neonics aufgefallen. Die ist auf den ersten Blick unverständlich, auf den zweiten tendentiös.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 23. Februar 2018, 23:07:53
Dazu musst Du den Vortragenden hören, da wird Dir ganz anders. Und er sieht sich als Ökotox-Experten, spricht aber in seinen Vorträgen nicht wie einer. In den Vorträgen kommen jede Menge Fehlinformationen vor, obwohl er es ja eigentlich besser weiß bzw. wissen sollte und das macht ihn in meinen Augen so gefährlich.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Sandbiene am 23. Februar 2018, 23:22:11
Von sporadischem Vorkommen des Eichenprozessionsspinners kann man in manchen Gegenden nicht mehr sprechen.

Um noch einmal auf das Tierchen zurückzukommen, ja, ich kann verstehen, dass in der Nähe von Wohngebieten und stark genutzten Wegen eingeschritten werden muss. Wer einmal die Brennhaare selber kennengelernt hat, weiß welche Wirkung sie haben. Leider scheint es so zu sein, dass man bei immer wiederkehrendem Kontakt mit den Brennhaaren, über die Jahre immer empfindlicher darauf reagiert. Von einer Forscherin weiß ich, dass sie inzwischen nach Kontakt mit den Brennhaaren ins Krankenhaus muss. Daher wird der Eichenprozessionsspinner zum Gesundheitsschutz bekämpft (Biozideinsatz) und nicht, um die Bäume zu schützen. Leider trifft der Biozideinsatz aber auch viele anderen an den Bäumen lebende Insekten. Der Einsatz von Dipel ES muss immer gut abgewägt werden.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 01. März 2018, 08:48:14
Die Bewertung der EFSA liegt vor: Neonicotinoids: risks to bees confirmed
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: RosaRot am 01. März 2018, 09:28:52
Dazu gab es hier einen Artikel in der Zeitung in dem unterschiedliche Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen erwähnt werden. Da fragte ich mich natürlich, ob hier die Dinge ähnlich laufen wie bei Glyphosat? Was ist nun richtig, was nicht?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 01. März 2018, 09:30:31
Die Sache dürfte deutlich komplizierter als beim Glyphosat sein.
Das kann hier vermutlich Sandbiene am besten aufdröseln - wenn sie nach dem Verlauf der Glyphosatdebatte Lust dazu hat.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 01. März 2018, 10:50:37
Immerhin werfen diverse Hobbykommentatoren Glyphosat und Neonicotinoide kunterbunt durcheinander und prangern an, dass Insektizide Insekten töten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: partisanengärtner am 01. März 2018, 11:33:31
Leider sind Emotionen nicht unbedingt mit Wissen ursächlich verbunden.
Selbst bei den Wissenschaftlern ist die Einstellung des Versuchsleiters mit Auswirkungen auf das Ergebnis verbunden.
Ganz ohne Betrugsabsicht.
Die Quantenphysik ist ein extremes Beispiel das sich schon die Tatsache des Beobachtens auf die Zustand des Objekts auswirkt.
Das ist auf einer Makroebene als psychologischer Einfluss schon bekannt. Dafür hat man den Doppelblindversuch.
Die genannte Behörde hat nur die bekannten Versuche bewertet ob sie den Anforderungen genügen. Für besondere Industriefeindlichkeit ist sie nicht bekannt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 01. März 2018, 13:58:11
Die Quantenphysik ist ein extremes Beispiel das sich schon die Tatsache des Beobachtens auf die Zustand des Objekts auswirkt.
Das ist auf einer Makroebene als psychologischer Einfluss schon bekannt. Dafür hat man den Doppelblindversuch.

Nee, Axel, von der Quantentheorie vorhergesagte und experimentell bestätigte Befunde haben rein gar nichts mit psychologischen Einflüssen zu tun.
Und quantentheoretische Phänomene beeinflussen den Ausgang von derartigen Untersuchungen in der "Makrowelt", um die es hier geht, nicht messbar. 
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 01. März 2018, 14:17:24
Immerhin werfen diverse Hobbykommentatoren Glyphosat und Neonicotinoide kunterbunt durcheinander und prangern an, dass Insektizide Insekten töten.

In der Tat frage ich mich, ob bei der jetzt vorgenommenen Risikoabschätzung das Ergebnis nicht ganz wesentlich durch die Art der Anwendung bestimmt wird und weniger vom eingesetzten Stoff.
Mit anderen Worten: Würden andere Insektizide, darunter auch "natürliche" wie Spinosad, Neem oder Pyrethrum, anders abschneiden, wenn sie vergleichbar eingesetzt würden, oder gäbe das ähnliche Ergebnisse?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: partisanengärtner am 01. März 2018, 14:22:50
Das frage dann aber Schrödingers Katze. Ein Gedankenexperiment das den Übergang von Qantenebene zur Makroebene veranschaulichen soll.
Bis zur mehrere Atome Ebene kann man es schon machen. Wenn der Quantencomputer mal funktioniert wird der Zusammenhang der Ebenen unausweichlich klar sein.

Das die Hard Cience das nicht mal in Erwägung ziehen will ist nur zu verständlich. Dann ist die Hölle offen, Aberglaube regiert.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: partisanengärtner am 01. März 2018, 14:24:52
Diese Untersuchungen sollten schon mal mit den gleichen Mitteln untersucht werden. Da kann ich Dir nur zustimmen. Das Paradies gab es noch nie indem alles "natürlich " war.
Die erste große Ökokatastrophe hier war die Entwicklung des Blattgrüns mit dem Abfall Sauerstoff. Falls es nicht schon früher ähnlich schlimmes gegeben hat.
Alles ist natürlich die Trennung ist reine menschliche Willkür.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: bristlecone am 01. März 2018, 14:43:42
Das Paradies gab es noch nie indem alles "natürlich " war.
Die erste große Ökokatastrophe hier war die Entwicklung des Blattgrüns mit dem Abfall Sauerstoff.

Das sehe ich genau so. Damals kam nicht nur der Rost in die Welt, den gab es vorher nicht.  ;D
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Conni am 12. März 2018, 19:11:33
Die tageszeitung berichtet über zwei neue Untersuchungen zu möglichen Zusammenhängen zwischen der Größe von Feldern und der Artenvielfalt. Interessant: Großflächige Biolandwirtschaft schneidet schlechter ab als kleinteilige konventionelle Landwirtschaft.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Quendula am 12. März 2018, 19:24:17
Nicht unbeteiligt am Insektenrückgang ist ja auch das Verschwinden der Habitate. Ich vermute das nicht nur in der Land(wirt)schaft, sondern auch in den Städten. Meiner Beobachtung nach wurde in letzter Zeit und wird aktuell sehr intensiv jede Baulücke geschlossen. Die dort gewesenen Ruderalflächen und Gehölzwirrwarre verschwinden dabei. Logisch. Sicher sieht so eine zugewachsene, leicht vermüllte städtische Lücke nicht nach viel Flora und Fauna aus, möglicherweise ist so ein Ort aber wichtiger, als man denkt.
 
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 12. März 2018, 19:30:13
Zitat
„In Frankreich beispielsweise stieg die Zahl der Bienen von 26 auf 46, wenn die Felder in der Landschaft durchschnittlich 0,8 statt 2,5 Hektar groß waren“, sagte Hass der taz.

Selbst Felder von 2,5 Hektar Größe lassen sich nur von absoluten Idealisten bewirtschaften, die kaum Interesse an Entlohnung oberhalb des Mindestlohns haben. Die Landwirtschaft der 50er-Jahre ist ebenso Geschichte wie die Industrieproduktion der 50er-Jahre.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 12. März 2018, 19:30:45
Das ist nicht allzu verwunderlich. Auch ökologischer Landbau kann hochgradig intensiv sein. Die Details der Arbeiten, ob der alleinige Zusammenhang mit den Schlaggrössen schon signifikant ist oder ob weitere Faktoren eine Rolle spielen,  wären interessant.

Seit langem bekannt ist, dass eine besondere Artenvielfalt auch im Ökolandbau besondere Rücksicht und zusätzliche Maßnahmen erfordert.

@Quendula: volle Zustimmung
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 12. März 2018, 19:33:41
@Staudo
Kleine Schläge lassen sich als Streifen und Flecken mit abweichendem Bestand und verminderter NutzungsIntensität imitieren. Das ist die gängige Praxis in den heutigen Förderprogrammen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: zwerggarten am 12. März 2018, 22:16:52
übrigens bin ich am sonntagnachmittag bei warmmildem märzwetter einsam und allein durch die südbrandenburger feldflur gefahren – und wunderte mich, woher die steinchen eigentlich kommen, die da so unentwegt gegen die windschutzscheibe prasselten... ich vermute allerdings, dass ich mit dieser tour eher massiv zum insektensterben beigetragen habe: was fliegt im märz gegen autos, irgendwelche chitingestählten käferchen? :-\
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 12. März 2018, 23:18:18
Hier sind aktuell Zikaden unterwegs. Apfelblütenstecher ziehen bestimmt bald nach.

Conni, danke fürs verlinken? Das Thema ist vor gut über einem Jahr mal groß aufgepoppt. Schön, dass es mal wieder den Weg in die Zeitung gefunden hat, trotz Insektensterben und Medienberichten zu Neonics.

Staudo, 2,5ha sind hier nicht unbedingt klein. Brandenburger Schlaggrößen wären hier undenkbar. Oft keine reinen Ackerbaubetriebe, sondern spezialisiert auf Gemüse, Wein, Obst. 2,5ha Radieschen oder Frühlingszwiebeln liegen demnächst auch in Berlin im Laden. Auf den Salaten liegt Folie oder Vliess, auf einem kleinen Schlag aber immernoch verschmerzbarer als 10ha Weizen oder Kleegras.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 23. Oktober 2018, 22:52:38
Das Insektensterben wird schlussendlich ja meist auf Individuuenebene entschieden.
Wer am Wochenende noch nichts vorhat, hier die Einladung zum Insektenkundetag Pfalz-Großregion Saar-Lor-Lux
http://www.fdickert.de/entomtag/ent_2018.htm
Ich erwarte hier deutlich weniger Ideologie als es gerade mit dem 9-Punkte-Plan der Regierung durch die Presse geistert.
Bitte gebt naturforschenden Vereinen eine Chance und orientiert euch nicht nur an Kampagnentreibern.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Natternkopf am 23. Oktober 2018, 23:16:03
🇨🇭 In Thun/BE hat es zur Zeit genügend Insekten.

Abertausende Kriebelmücken in Thun

Ausführlicher Bericht -> Hier
Übrigens: Die Fernsehdame spricht Baselerditsch
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Hyla am 24. Oktober 2018, 00:09:21
Die Leute haben ja ein Wahnsinnsglück, dass die 'Tierli' keine Blutsauger sind. :D
Als hier vor ein paar Jahren Magdeburg überschwemmt war, haben wir schon immer Panik geschoben, sobald stärkerer Wind aufkam.
Da wurden die Mücken quasi in die Dörfer geweht. Das war ne Sch****! :P

Netter Dialekt übrigens.
Die älteren Damen habe ich aber kaum verstanden. ;D
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Paw paw am 03. Dezember 2018, 08:34:43
Ausgelöst durch die Krefelder Studie werden weltweit Beobachtungen und dokumentierte Untersuchungen über den Rückgang verschiedenster Insektenpopulationen zusammengetragen.

 Insektensterben: Der globale Insektenzusammenbruch
Weltweit mehren sich Hinweise, dass Insekten massenhaft verschwinden. Ihr funktionaler Verlust könnte für die Menschheit noch gravierender sein als der Klimawandel
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Nemesia Elfensp. am 03. Dezember 2018, 10:29:17
Im von Pawpaw genannten Text heisst es auch:
Zitat
Der Soziobiologe und Entomologe Edward O. Wilson zeichnet ein dystopisches Bild einer Welt ohne Insekten, in der die Menschheit gerade so noch von windbestäubtem Getreide und Fischerei überlebt – geplagt von Massenhunger und Kriegen um Ressourcen: »Die verbliebenen Menschen klammern sich an das Überleben in einer zerstörten Welt und sind in einem dunkle ökologischen Zeitalter gefangen, in dem sie für die Rückkehr der Kräuter und Insekten beten.«
Gemüseanbau gibt es dann nicht mehr, aber vorher wird das Saatgut erst noch unbezahlbar.
"Wann wird die Menschheit endlich merken, dass man Geld nicht essen kann" (sinngemässes Zitat) .................
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 03. Dezember 2018, 10:33:39
Das halte ich für ausgemachten Unsinn. Ich weiß nicht wie viele zehntausend Insektenarten es gibt. Die allermeisten werden den Menschen überleben.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 03. Dezember 2018, 10:48:52
Die Auswahl der 8 verlinkten Studien, von Europa, den USA, Australien bis Puerto Rico und die jeweiligen Rückgangszahlen sind jedenfalls extrem erschreckend.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Bristlecone am 03. Dezember 2018, 10:54:30
Weltweit dürften nach derzeitigem Stand etwa eine Million Insektenarten beschrieben sein.

Ich mag solche Dystopien nicht, die von einer extrem anthropozentrischen Sichtweise bestimmt werden. Da geht es immer um den Nutzen und den Schaden für den Menschen.
Es wird auch bei massivstem Artensterben noch Insekten geben, die Nutzpflanzen bestäuben. Und wenn man sie wie Nutztiere halten müsste.

Zu beklagen ist doch der Verlust an Lebensräumen, vom Ackerrand bis zum Regenwald.
Diese Lebensräume sind in meinen Augen ein Wert für sich, ganz ohne jede Kosten-Nutzung-Rechnung.



Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 03. Dezember 2018, 11:58:19
Die Auswahl der 8 verlinkten Studien, von Europa, den USA, Australien bis Puerto Rico und die jeweiligen Rückgangszahlen sind jedenfalls extrem erschreckend.
... und unser Umweltbundesamt hat nichts besseres zu tun um auf der Landwirtschaft rumzuhacken. Es ignoriert immernoch dass in Naturschutzgebieten der Insektenschwund teilweiße höher ausfällt als in der `Agrarwüste´.
Vielleicht sollten sie zumindest mal die im Artikel verlinkten Artikel lesen.

Bin gespannt wann die erste Literaturstudie zum Thema Blütezeitverschiebung und sich nicht schnell genug daran anpassende Insekten veröffentlicht wird. Ich hoffe hier wird das Thema nicht ganz so vernachlässigt wie zB bei der Aktualisierung der rote Listen.

Nunja, ich werde auch nächstes Jahr wieder meinen kleinen Anteil beitragen und wo möglich mit frischem Mist düngen und diesen auch offen rumliegen lassen. Riecht bisschen, ist aber Nahrung und Lebensraum für Insekten. Man muss Prioritäten setzen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Api am 03. Dezember 2018, 12:33:59
... und unser Umweltbundesamt hat nichts besseres zu tun um auf der Landwirtschaft rumzuhacken. Es ignoriert immernoch dass in Naturschutzgebieten der Insektenschwund teilweiße höher ausfällt als in der `Agrarwüste´.
Genau auf dieses Phänomen wird in dem Artikel ja auch eingegangen:
"Selbst in Gunstgebieten gingen seit der Jahrtausendwende zehn Prozent aller Arten verloren. Eine Langzeitstudie in Schottland zwischen 1970 und 2002 registrierte einen Rückgang an Fluginsekten um zwei Drittel (ein Vergleichsstandort in England kam im gleichen Zeitraum nur auf einen marginalen Rückgang, doch waren die Ausgangszahlen in Schottland viel höher – eventuell fehlte im englischen Rothamsted schon damals ein Großteil der Insekten)."

Man wird nicht leugnen können, dass der Einsatz von DDT und Organophosphaten wie Parathion in der Landwirschaft, bzw Agrarwüste, wie du es nennst, über Jahrzehnte bevor die erste Studie zu Insektenpopulationen gemacht wurde, seine deutlichen Spuren hinterlassen haben dürfte.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 03. Dezember 2018, 13:05:21
DDT wurde vor 40 Jahren verboten, Parathion vor über 15 Jahren. Ich bleibe dabei. Der Rückgang der Biomasse von Insekten hängt im wesentlichen mit der perfektionierten Landwirtschaft, Hygiene und zubetonierter Landschaft zusammen. Weder Landwirt, Koch noch Arzt möchte Insekten in ihren Arbeitsbereichen haben.
Hier breiten sich manche Insekten nach dem letzten Sommer massiv aus. Thuja, Fichten und Kiefern brechen zusammen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 03. Dezember 2018, 13:11:03
...
Hier breiten sich manche Insekten nach dem letzten Sommer massiv aus. Thuja, Fichten und Kiefern brechen zusammen.
...Natürlich werden nicht alle Insekten aussterben – im Gegenteil: Einige Arten dürften zukünftig sogar noch profitieren. Doch ob es ausgerechnet die in unseren Augen »nützlichen« Vertreter sind oder nicht vor allem »Schädlinge«, ist zweifelhaft: Monotone Anbaugebiete locken vor allem »Plagen«, die wir dann wieder mit Pestiziden bekämpfen müssen. Unsere Ernährung wird mit einem Verlust an Bestäubern jedenfalls einseitiger und weniger nahrhaft, auch wenn man mittlerweile sogar mit Bestäuberdrohnen experimentiert. Und selbst wenn diese Technik funktioniert: Die Masse der Insekten wird sich damit jedenfalls nicht billig ersetzen lassen. ...
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Api am 03. Dezember 2018, 13:16:37
DDT wurde vor 40 Jahren verboten, Parathion vor über 15 Jahren.
Aber sie waren lange vor 1970 im Einsatz, also bevor die ersten Studien zu Insektenpopulationen erfolgten. Darauf wollte ich hinaus. Herbizide, die die Nahrungsgrundlagen vieler Insekten zerstören sind da noch nicht mal inbegriffen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 03. Dezember 2018, 13:28:49
Zu den Werten aus Schottland:
https://schillipaeppa.net/2018/10/24/wenn-man-sagt-insekten-sind-wichtig-dann-muss-man-das-so-machen/

Vergleiche mal den Zulassungszeitraum der Insektizide mit den Daten aus den roten Listen oder wenn vorhanden mit Populationsdichten im jeweiligen Zeitraum, zB wie sie in England vorhanden sind.
Der Mensch tut sich schwer wenn er sich Mühe gibt invasive Schaderreger auf Insektenbasis vernichten zu wollen, das schafft er meist nie, aber als Nebeneffekt soll er das spielend schaffen weil es mal E605 gab das nicht nur giftig für Insekten, sondern auch für Menschen ist? Klingt nicht sehr überzeugend.

Aber auch der Zeitvergleich kann gestört werden durch Urbanisierungseffekte, Wirtschaftswunder usw.
So sind die meisten Bienenarten bereits eher in den 60- oder 80ern ausgestorben und seit der Jahrtausendwende nur noch eine einzige.
Zum Bienensterben übrigens hier nochmal was, was jeder kennen sollte der sich gerne im TV informiert:
http://www.keckl.de/texte/Bienensterben_HajoSchuhmacher_BM.pdf
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 03. Dezember 2018, 13:30:00
Herbizide, die die Nahrungsgrundlagen vieler Insekten zerstören sind da noch nicht mal inbegriffen.
Der Pflug wurde erfunden bevor man überhaupt wusste dass Insekten bestäuben.
Warum sollen die Bestäuber eigentlich aussterben? Wenn man was anbaut was bestäubt werden will, sorgt man doch gerade für diese Insekten für Lebensraum.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Katrin am 03. Dezember 2018, 13:33:36
Bienen sind mehr als nur Honigbienen. Konkret geht es um Wildbienen (über 500 Arten in Deutschland). Aber das kommt in den Diskussionen nie durch.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Nemesia Elfensp. am 03. Dezember 2018, 14:05:06
Wenn man was anbaut was bestäubt werden will, sorgt man doch gerade für diese Insekten für Lebensraum.
vielleicht ist das ja etwas "kurz" gedacht, womöglich geht es ja nicht nur um Lebensraum, sondern ganzheitlich betrachtet um alle erforderlichen Lebensbedingungen............frei nach dem Motto: nicht nur das Brot allein.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Krusemünte am 03. Dezember 2018, 15:00:17
Eben, der Rückgang der Artenvielfalt in Flora und Fauna wird sich wohl kaum monokausal erklären lassen. Da spielen eben mehrere Faktoren eine Rolle die im Endeffekt zu diesem fatalen Ergebnis führen.

Nur das Herbizid/ Insektizid etc zu verbieten wird auf lange Sicht keinen Erfolg bringen wenn wir es nicht auch schaffen die Lebensräume für Flora und Fauna so zu gestalten dass sich dort stabile Populationen halten können. Das heisst aber eben auch Abkehr von Monokulturen, mehr abwechselnden Fruchtfolgen und auch kleinteiligerem Anbau. Auch der Erhalt/Neuanlage von Wildsäumen und Gehölzrändern gehört unbedingt dazu.
Dazu aber eben auch mehr Grünflächen in bebautem Gebiet und nicht alles bis auf den letzten Millimeter zu verdichten. Intelligente Wohnentwicklung statt rigiden Bebauungsplänen die kaum mehr eine vernünftige Bepflanzung in den zunehmend kleiner werdenen Grundstücken zulässt. Ich wohne jetzt seit fast einem Jahr in einem solchen Neubaugebiet mit Grundstücken zwischen 240-800 qm Größe und einem sehr strengen Bebauungsplan. Da hilft auch nicht dass die Gemeinde es eigentlich richtig machen möchte (und in älteren Neubaugebieten auch richtig gemacht hat mit der Freihaltung von Aubereichen und Pflanzkorridoren zwischen den Hausreihen) und zur Pflanzung einheimischer Gehölze rät (aber bitte nicht Eibe und Liguster und schon garnicht an den öffentlichen Raum grenzend, es könnte sich ein Kind vergiften). Ihr wollt garnicht wissen was die Leute hier anpflanzen ... ja auch hier gibt es den hässlichen Geröllgarten mit Formgehölzen oder alternativ etwas Gräsern, aber die meisten pflanzen hier einen Einheitsbrei aus Zwerggehölzen und Kugelbäumen. Dazwischen etwas Lavendel und vielleicht noch etwas Ecchinacea für den Sommer und ansonsten dauergrünes Gestrüpp das sehr flach gehalten wird. Selbst das öffentliche Grün (beispielhaft das neuerdings ja obligatorische Überlaufbecken) gesäumt von Zwerggehölzen und Kugelbäumen ... Und das als direkte Anpflanzung an einen Buchen/Eichen/Kiefermischwald. Das kann dann natürlich nichts werden. Das ist ein wichtiger Punkt meiner Meinung nach der in den nächsten Jahren/Jahrzehnten immer wichtiger werden wird. Die Verdichtung der Landschaft lässt sich nicht aufhalten aber eine intelligentere Raumplanung in Form von Schutzkorridoren für Flora und Fauna tut Not. Aber das kostet natürlich Geld das viele Gemeinden nicht haben, oder nicht bereit sind auszugeben. Schade eigentlich.

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 03. Dezember 2018, 15:18:30
Nur das Herbizid/ Insektizid etc zu verbieten wird auf lange Sicht keinen Erfolg bringen wenn wir es nicht auch schaffen die Lebensräume für Flora und Fauna so zu gestalten dass sich dort stabile Populationen halten können. Das heisst aber eben auch Abkehr von Monokulturen, mehr abwechselnden Fruchtfolgen und auch kleinteiligerem Anbau. Auch der Erhalt/Neuanlage von Wildsäumen und Gehölzrändern gehört unbedingt dazu.
Warum nicht auch Abkehr von Klimaänderung um zB zu verhindern, dass die Frühjahrsvegetation früher als im langjährigen Mittel erwacht?

Monokultur gibts schon Jahrhunderte, enge Fruchtfolgen sind derzeit ein Auslaufmodell, in den 50ern waren sie auch deutlich enger als sie es jetzt sind. Taugt also eigentlich nicht als mögliche Ursache.
Wildsaum und Gehölzränder, es gab mal Flurbereinigungen zu der Zeit als viele Insektenarten ausgestorben sind. Das wäre mal einer von vielen denkbaren Gründen. Taucht leider in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so stark auf und wird deshalb von der Politik wenig angegangen. 
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Api am 03. Dezember 2018, 16:19:19

Zum Bienensterben übrigens hier nochmal was, was jeder kennen sollte der sich gerne im TV informiert:
http://www.keckl.de/texte/Bienensterben_HajoSchuhmacher_BM.pdf

Von angeblich "geernteten" Honigmengen und in bestimmten Ländern gemeldeten Zahlen von Bienenvölkern auf das Honigbienensterben einen Rückschluss zu ziehen ist absolut nicht möglich.

Nach Philip McCabe, Präsident der Apimondia, der weltweiten Vertretung der Imker, beträgt der Anteil von gefälschtem Honig auf dem Weltmarkt 37%. Diese Zahl ist sehr gut abgesichert. Nicht nur in China wird massenhaft Honig mit Hilfe von Reissirup nachgestellt. Große Mengen von gefälschtem Honig kommen auch aus Vietnam, Indonesien oder Ukraine. Mit Unterstützung von staatlichen Laboren wird in vielen Ländern aus Reissirup Honig hergestellt. Nur als Nebenbemerkung: was dann in den Honigmischungen aus EU und nicht EU-Ländern wie sie in Discountern und Supermärkten angeboten werden wirklich drin ist, kann sich jeder selber vorstellen.

Laut Rorberto Garcia, Leiter der Honigkommission der Apimondia, ging weltweit die Zahl der Bienenvölker und ihr Ertrag, und durch das weltweite Bienensterben  und klimabedingte Ereignisse auch der Durchschnittsertrag zurück.
Quelle: Bienenpflege 10/2018, S. 448
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Secret Garden am 03. Dezember 2018, 19:39:02
Warum nicht auch Abkehr von Klimaänderung um zB zu verhindern, dass die Frühjahrsvegetation früher als im langjährigen Mittel erwacht?
Das würde ich befürworten. ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 03. Dezember 2018, 20:07:28
Blütezeit vom Apfel ist hier meist in der ersten Aprilwoche.
In den Sortenbeschreibungen von 1800 ungrad ist der Zeitraum etwa 4 Wochen verschoben.

Frage an die Biologen: wie hoch ist der Anteil der Insektenarten, die sich auf solche Veränderungen einstellen können? Welche Biomasse machen diese Arten heute aus und welche früher?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Api am 03. Dezember 2018, 21:06:45
Blütezeit vom Apfel ist hier meist in der ersten Aprilwoche.
In den Sortenbeschreibungen von 1800 ungrad ist der Zeitraum etwa 4 Wochen verschoben.

Frage an die Biologen: wie hoch ist der Anteil der Insektenarten, die sich auf solche Veränderungen einstellen können? Welche Biomasse machen diese Arten heute aus und welche früher?

Das Insektensterben ist real und es ist nicht lustig. Insekten sind nicht nur als Bestäuber wichtig, sie sind auch wichtiges Glied in der Nahrungskette. Die Vogelbrut ist auf Insekten angewiesen. Ein junger Kiebitz, ein Nestflüchter, braucht z.B. 1000 Insekten pro Tag und die findet er häufig nicht mehr. Also verhungern zu viele Jungvögel und die Art verschwindet.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Bristlecone am 03. Dezember 2018, 21:17:16
Die Kiebitze in den Eiderwiesen hinterm Haus meiner Eltern verschwanden schlicht und ergreifend, weil ihr Lebensraum zerstört wurde: Die Wiesen wurden entwässert, die Flüsse begradigt, die Bäche verrohrt, und während der Zeit, in der die Jungen aufgezogen wurden, wurde gewalzt oder gemäht.
Erst verschwanden die Bekassinen, dann die Kiebitze.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Alva am 03. Dezember 2018, 21:21:28
Das Insektensterben ist real und es ist nicht lustig.
Ja. Es ist tragisch. Die Natur stirbt und die Welt schaut weg.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 03. Dezember 2018, 21:24:16
Ich finds auch nicht sonderlich witzig. Deswegen wünsche ich mir es würde etwas dagegen unternommen. Egoistisch motivierte Politik oder Kampagnen oder Insektizidverbote wird den Insekten nicht helfen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 03. Dezember 2018, 21:25:43
Das hilft.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Alva am 03. Dezember 2018, 21:30:59
Das hilft.
Ein schönes Projekt, ja.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 03. Dezember 2018, 21:44:40
Diese These wird nicht jedem gefallen  ;)

Eine Weide bietet Unmengen an Insekten Lebensraum - durch unterschiedliche Kräuter, unterschiedlich stark beweidete Areale und durch völlig unmotiviert herumliegende Kacke.
Eine Nutzwiese ebenfalls - nur ohne Kacke und mit Sense oder Balken gemäht hat jeglich Tier eine Fluchtmöglichkeit.
Ein Rasen ist von vornherein eine biologisch vergleichsweise tote Fläche; wobei bei jedem Schnitt noch zusätzlich bodennahe Insekten angesaugt, geschreddert oder im verklebten Grasschnittmatsch vergären.
 8)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Hyla am 03. Dezember 2018, 22:23:06
Hier im übernächsten Städtchen wird gerade eine neue Biogasanlage gebaut.
Der Acker, auf dem man für sein Vieh nicht mal einen Unterstand als Windschutz aufstellen dürfte, wurde im  Eilverfahren zur Gewerbefläche umgeändert und kein halbes Jahr später ist dort eine riesige Baustelle.
In einer Bananenrepublik würde ich behaupten, daß dort gut geschmiert wurde, aber hier gibt's sowas natürlich nicht.  ::)
Das Problem ist dabei nicht mal die hektargroße Baustelle, sondern die mehreren hundert Hektar Mais, die dafür angebaut werden müssen.
Die sonst eher kleinteilige Landwirtschaft hier verschwindet für die sch*** Monokulturen.

Das nur, weil mich der Mais immer an sterilen Rasen erinnert.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Krusemünte am 03. Dezember 2018, 22:30:24
Warum nicht auch Abkehr von Klimaänderung um zB zu verhindern, dass die Frühjahrsvegetation früher als im langjährigen Mittel erwacht?

Monokultur gibts schon Jahrhunderte, enge Fruchtfolgen sind derzeit ein Auslaufmodell, in den 50ern waren sie auch deutlich enger als sie es jetzt sind. Taugt also eigentlich nicht als mögliche Ursache.
Wildsaum und Gehölzränder, es gab mal Flurbereinigungen zu der Zeit als viele Insektenarten ausgestorben sind. Das wäre mal einer von vielen denkbaren Gründen. Taucht leider in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so stark auf und wird deshalb von der Politik wenig angegangen.


Klimawandel und damit einhergehend verschobene Vegetationsphasen sind ein weiterer wichtiger Punkt. Da gehe ich völlig d'accord mit dir.

Die Monokultur von 1800 ist mit der modernen Monokultur nicht zu vergleichen. Erst mit der technisch-industriellen Entwicklung der Landwirtschaft seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und besonders nach dem 2. Weltkrieg sind solch tiefgreifende Veränderungen vollzogen worden deren Folgen uns heute bereits und die nachfolgenden Generationen noch stärker belasten werden.
Diese Fogen lassen sich auch nicht einfach umkehren da damit ein fundamentaler Wandel nicht nur im global-ökonomischen System verbunden wäre. Wir brauchen nicht nur eine neue Landwirtschaft, wir brauchen ein neues Weltwirtschaftssystem. "Silent Spring" ist mehr als 50 Jahre alt und seit dem hat sich nur wenig getan.

Projekte wie das verlinkte Weideprojekt sind unglaublich wichtig und ich bin dankbar dass es solche Menschen gibt.


Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Maigloeckchen am 03. Dezember 2018, 23:48:09
Hallo ihr beiden,

ich verstehe soetwas auch nicht, in anderen Ländern hungert die Bevölkerung und hier wird es vergaast oder andersweitig "vernichtet".
Als bei mir einmal die Ökotonnen abgeholt wurden, fragte ich, ob ich evtl. an etwas gute Komposterde kommen könnte.
Mir wurde zur Antwort gegeben, das man den Ököabfall vergaast und das sei ein längerer Prozess.
Diese Lösung finde ich besser, als Monokulturen anzubauen um sie dann zu vergaasen oder anmdersweitig zu benutzen.
Mit Gruß,
Bettina :)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: 555Nase am 04. Dezember 2018, 03:33:03

"Wann wird die Menschheit endlich merken, dass man Geld nicht essen kann" (sinngemässes Zitat) .................

"Der letzte Mensch wird feststellen müssen, daß keiner mehr da ist, von dem er was abkaufen könnte !"

Evolution ist nicht änderbar. In der Natur frißt sich alles gegenseitig auf...außer der Mensch, deshalb hat die Evolution ihm das Geld gegeben, um sich gegenseitig zu vernichten. Eines Tages wird keiner mehr sein, welcher sich an eine dagewesene Menschheit erinnern könnte.
Rettungsgedanken einzelner guter Menschen in allen Ehren, aber gegen Geld ist weder ein Kraut, noch Insekten gewachsen. Wenn man nicht mal das millionenfache Morden von Menschen verhindern kann, wem sollten da sterbende Insekten, abgeholzte Wälder und ausgetrocknete Flüsse interessieren ???  :-[
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Bristlecone am 04. Dezember 2018, 06:14:52
Auch wenn sich das immer weniger Menschen noch vorstellen können:

Kapitalismus ist kein Naturgesetz, sondern eine Wirtschaftsordnung.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Amur am 04. Dezember 2018, 06:53:05
WEnns nur was anderes gäbe als Egoismus (=Kapitalismus) das funktioniert, dann wäre dass ja mal was. Aber ich sehe weit und breit nix und auch nicht den Menschen dazu der was anderen funktionieren lassen wird. Da kann man allenfalls die Auswüchse versuchen zu begrenzen. Aber das ist weniger ein Gartenthema.

Letztendlich muß das Anwachsen der Menschheit gestoppt oder zumindest reduziert werden. Aber das ist, so fürchte ich, so utopisch wie eine andere funktionierende Wirtschaftsordnung.

Das Gedächtnis der Natur ist lang und die Reaktion träge. Man sah das am Fischvorkommen im hiesigen Fluss. Die Iller wurde zwischen 1860 und 1880 begradigt. Sie war bekannt für ihr extremes Fischvorkommen.
Daran änderte sich lange nichts obwohl die Begradigung Jahrzehnte fertig war.
Erst in den 1930er Jahren wurde dann der Rückgang richtig deutlich und große Fische (Huchen) verschwanden. Mein Vater (Jahrgang 1926) kann noch erzählen wie der Fluss während der Laichzeit schwarz war von Fischen. Man mußte nur reingehen und konnte die Fische mit der Hand in Massen raus holen.

Heute bemerkt man nicht mal mehr wann Laichzeit ist. Der Fischbestand ist nur noch ein Bruchteil von einst und wird künstlich gestützt.

Vermutlich ist es mit den Insekten so ähnlich und die Ursachen können schon Jahrzehnte zurück liegen. Nur welche der Veränderungen der letzten Dekaden die offensichtlich global war verursacht den Rückgang?


Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 04. Dezember 2018, 07:55:23
WEnns nur was anderes gäbe als Egoismus (=Kapitalismus) das funktioniert, dann wäre dass ja mal was. ...

Gibt es. Sonst wären wir nicht mehr hier.

Zitat
Letztendlich muß das Anwachsen der Menschheit gestoppt oder zumindest reduziert werden.

Wenn Du den Bauchumfang meinst, stimme ich Dir sofort zu.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: michaelbasso am 04. Dezember 2018, 08:38:46

Letztendlich muß das Anwachsen der Menschheit gestoppt oder zumindest reduziert werden. Aber das ist, so fürchte ich, so utopisch wie eine andere funktionierende Wirtschaftsordnung.


Die Anzahl der Menschen ist nicht das alleinig entscheidende Kriterium, siehe Bevölkerung in Europa und in Afrika. Wir sind viel weniger und verbrauchen mehr Ressourcen. Entscheidend ist auch die Wirtschaftsweise /-struktur.

Zu den Insekten, unsere Landschaft ist so durchgestaltet, teilweise aus rein ästhetischen Gründen, da geht viel Lebensraum für Insekten verloren. Ich beobachte immer wieder, wie in guter Absicht ein Insektenhotel aufgestellt wird, darunter jedoch Golfrasen ist. Blumen für die Schmetterlinge und Bienen findet auch jeder toll, aber bei den "ekligen Raupen" und dem hässlichen Totholz, wo die Bienen rein und rausfliegen und möglicherweise Kinder stechen hört es oft schon auf. Es sind Kleinigkeiten, Rasen statt Hochstauden und diese dann im Herbst auch noch abzumähen, Laub wegzublasen, allgemein Wildwuchs als unschön zu empfinden und so weiter. Das sind nicht die alleinigen Gründe, aber es ist die Mentalität dahinter. Diese Mentalität ist nicht neu, aber mit den heutigen Möglichkeiten, können wir sie durchsetzen. Mit der Landschaftsnutzung im Großen wird es dann ungemütlich.

Das Gedächtnis der Natur ist lang und die Reaktion träge.
.....
Vermutlich ist es mit den Insekten so ähnlich und die Ursachen können schon Jahrzehnte zurück liegen.
Das würde ich sofort unterschreiben. Es gibt die Auffassung ( dazu hab ich ein noch unveröffentliches Manuskript gelesen), das die Auswirkungen der Landschaftsentwässerung, die nach 45 im Osten begann erst jetzt sich richtig auswirkt, das das Samendepot von Wildpflanzen im Boden, durch die veränderte Landnutzung langsam an die natürliche Lebensgrenze stößt und eine Regeneration, aus im Boden ruhenden Samen immer weniger wird. Pflanzenpopulationen werden dadurch weiter isoliert und  kurzfristige Gunstbedingungen können nicht mehr ausgeglichen werden, Arealerweiterungen müssen ausschließlich durch Samendrift stattfinden. Es wird schwerer für Wildarten. Die Auswirkungen dürften auch da bis zu den Insekten reichen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Paw paw am 04. Dezember 2018, 09:07:44
Das Insektensterben wurde und wird von vielerlei Faktoren verursacht. Genau aufzuschlüsseln, was nun wann zu welcher Reaktion geführt hat, läßt sich wohl nie aufdrösseln. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass meistens der Mensch verantwortlich war bzw. ist. Die meisten Ursachen sind ja bekannt. Welche zusätzlichen Auswirkungen wird die Klimaerwärmung haben?

Hauptverursacher am Artensterben und Klimawandel sind an erster Stelle die Industrienationen, sowohl in ihren eigenen Staaten als auch weltweit. Davon bin ich überzeugt. Wer verbrauchte die meisten Rohstoffe, Energie usw. pro Kopf, auch weiterhin? Nun sind die Schwellenländer kräftig dabei es uns nachzumachen. Wer will es ihnen verdenken, dass sie auch zu Wohlstand kommen wollen?

Doch wer, wenn nicht die Industrienationen sollten es schaffen die Reißleine zu ziehen? Geht nicht, wurde in Polen gerade wieder bewiesen. Egoismus, Profit und Verantwortungslosigkeit aller stemmen sich vehement und erfolgreich dagegen.

... Letztendlich muß das Anwachsen der Menschheit gestoppt oder zumindest reduziert werden. ...
Bei diesem Satz wird mir ganz anders und mir fehlen die richtigen Worte. Jetzt werde ich mal ganz sarkastisch und behaupte, dass eine der Konsequenzen unseres Versagens genau dies zur Folge haben wird.

 Hitzewellen Wie die Erderwärmung unsere Gesundheit gefährdet

Weckruf der Weltbank 140 Millionen Klimaflüchtlinge bis 2050

Umweltschutz Wenn ökologischer Wahnsinn den Weltfrieden bedroht
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Malvegil am 14. Dezember 2018, 16:13:33
https://www.pnas.org/content/115/25/6506 (The biomass distribution on Earth, Yinon M. Bar-On, Rob Phillips, Ron Milo, Proceedings of the National Academy of Sciences Jun 2018, 115 (25) 6506-6511; DOI: 10.1073/pnas.1711842115)

Diese Studie schätzt, daß die Menschheit dafür gesorgt hat, daß die gesamte Biomasse auf diesem Planeten um den Faktor 2 abgenommen hat:

A worldwide census of the total number of trees (32), as well as a comparison of actual and potential plant biomass (17), has suggested that the total plant biomass (and, by proxy, the total biomass on Earth) has declined approximately twofold relative to its value before the start of human civilization.

Nett auch zu wissen, daß Menschen und ihre Nutztiere inzwischen mehr Biomasse haben als alle restlichen Wirbeltiere, ausgenommen die Fische.

Ich bin froh, daß ich keine Kinder habe. Die heute Geborenen werden ungemütliche Dinge erleben müssen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 14. Dezember 2018, 16:27:55
Das sind ja immer so Zahlenspielereien, die man sich erst genauer ansehen muss, um ihren Katastrophen- oder Glücksgehalt einschätzen zu können.
Zum Beispiel haben menschengemachte, vor allem agrarische Lebensräume kurzfristig extrem schwankende Biomassen. Was davon ist in die Bewertung eingeflossen?

In Europa sind die Verhältnisse, auf die letzten 300 Jahre bezogen, eher umgekehrt. Die Biomassenvorräte vieler Lebensräume, einschließlich der in den Böden, dürften fast durchgängig stark angestiegen sein (Ausnahme: Moore). Das ist überwiegend zu begrüßen, für die Umwelt / Natur aber durchaus nicht nur positiv.

Gerade "Overall"-Studien sind meiner Ansicht nach höchstens geeignet, ein Thema aufzumachen, um in detaillierteren Arbeiten mehr Erkenntnis zu gewinnen. Weitreichende Schlussfolgerungen, gar düstere Prophezeiungen würde ich zumindest aus dem Biomasse-Thema nicht ableiten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 14. Dezember 2018, 16:33:28
Häufig sind sie leider nur recht einfach durchführbar und mit recht reisserischen Titeln versehen.
Universitäre Forschung hat das Problem des Eintreibens von Projektgeldern. Ich geniesse viele Studien ähnlich vorsichtig wie Presseartikel. Leider kann nicht alles zur Wissensbildung beitragen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Malvegil am 14. Dezember 2018, 16:50:51
@thuja: Wie reißerisch ist "The biomass distribution on Earth"? Hast du den Artikel eigentlich durchgelesen?

Und es ist methodisch auch nicht sehr sauber, einer Studie methodische Unsauberkeit vorzuwerfen, ohne das irgendwie zu begründen. Oder reicht es als Begründung, daß der Tenor nicht paßt?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Bristlecone am 14. Dezember 2018, 17:01:27
Ich schließe mich lerchenzorns Einschätzung an.

Die bloße Biomasse sagt erstmal nicht allzu viel aus. Viel entscheidender sind Veränderungen im Artenspektrum und in Lebensräumen insgesamt.
Da sieht es z. B. bei Mooren, Süßgewässern oder küstennahen Gebieten zumeist recht trübe aus. Wobei da ein Anstieg der Biomasse eher ein schlechtes Zeichen ist, Stichwort Nährstoffeintrag und Überdüngung.


Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 14. Dezember 2018, 17:08:53
Gerade "Overall"-Studien sind meiner Ansicht nach höchstens geeignet, ein Thema aufzumachen, um in detaillierteren Arbeiten mehr Erkenntnis zu gewinnen. Weitreichende Schlussfolgerungen, gar düstere Prophezeiungen würde ich zumindest aus dem Biomasse-Thema nicht ableiten.
Ich bezog mich mehr auf diesen Satz. Weil auch der Satz `ich bin froh dass ich keine Kinder habe´ in diesem Zusammenhang nicht gerade ein Ausdruck von lebensbejahender Freude ist. Trübsalblasen macht krank und die Welt nicht besser. Und ich finde dieses Trübsalblasen ist oft die Folge bei der Betrachtung einzelner (oft medial sehr präsenter) Studien. Leider hilft das nicht weiter um sich der Sache anzutun, sie zu verstehen und eventuell etwas an Mißständen zu ändern.

Zur von dir verlinkten Studie kann ich noch nichts sagen, muss sie erst lesen. Vielleicht nächste Woche. Das Thema rennt ja nicht weg. Vorab klingt es logisch, dass wenn die Biomasse einer Art hochgeht die andere Biomasse weniger wird. Tiere (auch Trockennasenaffen wie wir) brauchen ja ein vielfaches ihrer eigenen Biomasse um diese am Leben zu erhalten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Rieke am 14. Dezember 2018, 18:00:06
Ich habe die Studie gerade gelesen. Mir erscheint sie soweit plausibel, auch wenn ich den Ansatz, die Biomasse für die einzelnen Taxa zu schätzen, und nicht für Lebensräume, etwas verblüffend finde. Ein großer Teil der terrestrischen Biomasse ist nun mal in Wäldern, in den Bäumen und im Boden zu finden, und Wälder werden abgeholzt und die Waldböden erodieren dann. Die Entwässerung von Mooren kommt dann noch dazu.

Ich habe mir auch die zitierte Literatur angesehen, und bei Böden gibt es mit Sicherheit mehr und Aktuelleres, als die 3 Arbeiten, die zitiert werden, die letzte von 2006. Evt. wäre der Anteil der Bodenorganismen dann besser zu schätzen und wahrscheinlich auch etwas höher. Aber die Aussage, daß der organisch gebundene Kohlenstoff durch unsere Aktivitäten in den letzten Jahrtausenden abgenommen hat, würde sich dadurch kaum ändern.

Die bloße Biomasse sagt erstmal nicht allzu viel aus. Viel entscheidender sind Veränderungen im Artenspektrum und in Lebensräumen insgesamt.
Da sieht es z. B. bei Mooren, Süßgewässern oder küstennahen Gebieten zumeist recht trübe aus. Wobei da ein Anstieg der Biomasse eher ein schlechtes Zeichen ist, Stichwort Nährstoffeintrag und Überdüngung.

Durch Überdüngung von Gewässern dürften ziemlich Mengen an Kohlenstoff zusammenkommen, aber tote Biomasse ist ja nicht Thema der Arbeit. So gesehen sind die 80 m Faulschlamm am Grund des Stössensees in diesem Zusammenhang weitgehend irrelevant.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Malvegil am 14. Dezember 2018, 18:03:16
Die bloße Biomasse sagt erstmal nicht allzu viel aus. Viel entscheidender sind Veränderungen im Artenspektrum und in Lebensräumen insgesamt.
Da sieht es z. B. bei Mooren, Süßgewässern oder küstennahen Gebieten zumeist recht trübe aus. Wobei da ein Anstieg der Biomasse eher ein schlechtes Zeichen ist, Stichwort Nährstoffeintrag und Überdüngung.

Das ist natürlich völlig richtig. Darüber will diese Studie ja auch gar keine Aussagen machen. Was ich an ihren Abschätzungen (natürlich sind es nur Abschätzungen, mit einem hohen Grad an Unsicherheit!) erschreckend finde, ist das rein quantitative Ausmaß der Folgen menschlicher 'Bewirtschaftung' des gesamten Erdballs. Die ökologischen Folgen dürften eher noch höher sein, weil ein Ersatz irgendeiner natürlichen Lebensgemeinschaft durch eine Monokultur (Ölpalmenplantagen, Eukalyptuswälder, Soja- und Baumwollfelder) auch bei gleichbleibender Biomasse dem qualitativen Gesamtbild nicht sehr zuträglich sein dürfte.

Es wird aber auch nicht viele Beispiele geben, wo eine moderne Nutzung von biologischen Lebensräumen derjenigen ökologisch überlegen ist, die dort vor der menschlichen Nutzung da war. Botanische Gärten sind vielleicht eine Ausnahme. :-X

Kombiniert man diesen Verdacht (als qualitative Abschätzung) mit der quantitativen Abschätzung, kann man schon zu einem mulmigen Gefühl kommen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Bristlecone am 14. Dezember 2018, 18:10:13
Kombiniert man diesen Verdacht (als qualitative Abschätzung) mit der quantitativen Abschätzung, kann man schon zu einem mulmigen Gefühl kommen.

Allerdings. Ebenso wie beim ungebremsten Klimawandel, der zunehmenden Vermüllung und der zunehmenden Resourcennutzung.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Malvegil am 14. Dezember 2018, 18:24:59
So ist es. Diese Zahlen sind ja auch nichts anderes als eine Bezifferung der zunehmenden globalen Ressourcennutzung. Ich finde es in der Diskussion darüber hilfreich, wenn man eine solche Ziffer nennen kann, und ich finde die Ziffer 2 in diesem globalen Zusammenhang eben erschreckend.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Malvegil am 14. Dezember 2018, 19:31:30
Vorab klingt es logisch, dass wenn die Biomasse einer Art hochgeht die andere Biomasse weniger wird. Tiere (auch Trockennasenaffen wie wir) brauchen ja ein vielfaches ihrer eigenen Biomasse um diese am Leben zu erhalten.

Die allerwenigsten großen Säugetiere tun das so, daß sie ihre Habitate dabei aufzehren. Sie fressen (auf längere Sicht, gemittelt) genausoviel wie nachwächst.

Der Mensch 'wiegt' im Augenblick 0.01% der Gesamtbiomasse (0,06 Gt Kohlenstoff von 550 GT), zusammen mit seinem Vieh 0.03%. Wenn er, um das zu erreichen, dazu 50% der gesamten vorhandenen Biomasse verzehrt hat, dann ist das schrecklich ineffizient.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 14. Dezember 2018, 20:22:49
Vorab klingt es logisch, dass wenn die Biomasse einer Art hochgeht die andere Biomasse weniger wird. Tiere (auch Trockennasenaffen wie wir) brauchen ja ein vielfaches ihrer eigenen Biomasse um diese am Leben zu erhalten.

Die allerwenigsten großen Säugetiere tun das so, daß sie ihre Habitate dabei aufzehren. Sie fressen (auf längere Sicht, gemittelt) genausoviel wie nachwächst.
...nur soviel wie der Mensch zulässt.
Aber auch in einer Welt ohne Menschen gibt es nur selten oder zufälligst Lebewesen die genausoviel fressen wie nachwächst. Es gibt in der Natur viel eher Populationen die sich entwickeln um daraufhin zusammenzubrechen. Der Mensch als Naturbestandteil geht auch diesen Weg, recht beschleunigt in den letzten hundert Jahren, aber auch dessen Zusammenbruch wird weder ein Donald Trump noch Umweltschützer aufhalten.
Das ist der Lauf der Natur.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 14. Dezember 2018, 20:24:28
Und dann kommen die Insekten und fressen die vielen Leichen auf.  :-X
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 14. Dezember 2018, 20:47:01
So wars zumindest früher.
Wenn noch welche übrig sind, warum nicht?
Die haben zumindest eine hohe Vermehrungsrate. Zumindest bis die Leichen weg sind. Dann bricht die Population wieder zusammen.

Natur lässt sich nicht modellieren oder führen. Die probiert was geht.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 14. Dezember 2018, 21:38:08
Macht Ihr Euch gerade daran, düstere Prophezeiungen zu erfüllen?  :-X  ;)

Kombiniert man diesen Verdacht (als qualitative Abschätzung) mit der quantitativen Abschätzung, kann man schon zu einem mulmigen Gefühl kommen.

Allerdings. Ebenso wie beim ungebremsten Klimawandel, der zunehmenden Vermüllung und der zunehmenden Resourcennutzung.

Ja, das ist sicher so. Dieses mulmige Gefühl haben viele Menschen schon sehr lange, die ihr Leben lang sich verschlechternde Umweltzustände notieren und über ihre eigene Lebensspanne hinaus in die Vergangenheit Verluste registrieren müssen. Wie gesagt, die Biomasse an sich ist für mich in dieser Hinsicht keine gute Kenngröße, weil sie die dahinter liegenden, sehr widersprüchlichen Entwicklungen nicht auflöst. Erst im Zusammenhang mit oder wenigstens neben der Betrachtung weiterer Merkmale lässt sich bewerten, was ihre Veränderung ausdrückt.

So ist die massive Zunahme der Biomasse in mitteleuropäischen Waldlandschaften zum Beispiel untrennbar mit deren grundlegender struktureller Verarmung und einem entsprechend dramatischen Artensterben verknüpft, weil mit der Wiederbewaldung nicht auch die natürlichen Störungsmuster wieder aufleben konnten.

Es gibt weitere, sowohl negativ als auch positiv zu bewertende Zusammenhänge, die bei derart globalen Betrachtungen leider oft untergehen. Gefährlich wird es, wenn aus den vereinfachten Aussagen simple Strategien und Kampagnen entworfen werden, die zum Beispiel Biomassezuwachs um jeden Preis fordern und fördern. Das dürfte dann mit Sicherheit zum weiteren Insektensterben beitragen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Starking007 am 14. Dezember 2018, 21:47:51
".......Ich bin froh, daß ich keine Kinder habe. Die heute Geborenen werden ungemütliche Dinge erleben müssen....."

Der Spruch ist zwölftausend Jahre alt,
also muss es noch andere Menschen geben!

PS: Insektenhotels nenne ich gut bayrisch "Gewissensberuhigungskastln"
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Starking007 am 14. Dezember 2018, 21:52:59
Eine der verlinkten Seiten des
.....Bürgerbeteiligung zum Aktionsprogramm Insektenschutz....
zeigt links Traubenhyazinthe, Kulturform
und rechts ne Blaue Holzbiene, grad die nimmt zu.
Etwas unglückliche Zusammenstellung die den Ernst im Umgang mit der "Sache" widerspiegelt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 14. Dezember 2018, 22:04:19
Schon der Begriff "Insektensterben" ist plakativ. Ebenso undifferenziert ist der Umgang damit.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Starking007 am 14. Dezember 2018, 22:08:46
Ich hab beruflich damit zu tun,
in jeder Hinsicht..................

Nicht erfüllend, weil nicht gewollt, von niemandem.
Ähnlich schwierig wie die Besteuerung von Kerosin.
Oder Pferdesteuer
oder Geschwindigkeitslimit.......
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 14. Dezember 2018, 22:24:57
... und fast jeder Versuch das auf einzelne Arten runterzubrechen um konstruktiv was dagegen machen zu können, wird von der polemisierten Gesellschaft gegeiselt oder nicht wahrgenommen. Dank solcher medial aufgebauschten Studien ohne Aussagekraft und entsprechend aufgebauter Kampagnen, damit scheint das Wissensbedürfnis befriedigt zu sein. Resultat sind völlig entfremdete Menschen die irgendwann auch Mehrheiten bekommen. Bei den politischen Eliten wundern sich irgenwann auch Brexitbefürworter dass man nach dem Brexit nicht mehr in der EU wäre und das das so nicht gewollt war.
Das war das was ich heute mittag bemängeln wollte.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: 555Nase am 16. Dezember 2018, 08:20:07
Der "Mensch" versteht den "Sinn"-, den "Ursprung"- und die "Bestimmung" des Lebens nicht...ist aber gaaanz schlau ! löööl
Tiere und der Rest sich gegenseitig auffressend, kann- und muß nicht über Dasein, Macht, Geld, Wohlstand, Unterdrückung, Ausbeutung, Haß, Liebe u.s.w. entscheiden...es geschieht...seit milliarden Jahren...und der "schlaue" Mensch hat noch nie was daran ändern können !!! Die Natur-Evolution ist gegenseitige Vernichtung.- Ebenso, wie "Meinungen" aus indoktrinierter Falschinformation sich machtergreifend ausbreiten, was wiederum keine Ergebnisse liefert.
Jede Erklärung scheidert an der bisher unübertroffenden Unwissenheit der Menschheit.
Und manchmal werden Meinungen politisch gelöscht. - Ist alles .....nicht mehr lustig !
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Wild Obst am 19. Dezember 2018, 15:48:24
Hä? Was hat das jetzt mit dem Thema zu tun?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Rib-isel am 19. Dezember 2018, 16:48:40
Hessisches Fragewort mit zwei Buchstaben.  ;D

Wieso die Polemik oder das Herunterbrechen kritisieren? Nicht jeder ist in dieser Materie Prüfungsfest. Es hilft das Problem Publik zu machen und das ist wichtig. Viele müssen an ihrem Verhalten diesbezüglich etwas ändern. Je mehr desto besser. Ein Problem, dass einem irreal o. unverständlich vorkommt, wird kaum ein persönliches Problem werden.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 19. Dezember 2018, 17:32:22
Klimaschutz ist nicht wirklich irreal oder unverständlich, macht trotzdem fast niemand zu seinem persönlichen Problem. Hier soll grundsätzlich die Wirtschaft ihr `selbstgemachtes´ Problem lösen.

Wenn von Bienensterben die Rede ist und die Leute anfangen Bienenstöcke aufzustellen, ist das für mich irreal, weil die Honigbienen mehr wurden und die Wildbienen weniger.
So verstehe ich auch die Aussage `es gibt kein Bienensterben´. Auch wenn die nicht ganz richtig ist, aber vereinfacht dargestellt halt schon.
 
Ganz ursprünglich wurde das Wort für einen lokalen Unfall mit Beizstaubabrieb bei der Maissaat in 2008 benutzt. Danach war es lange ruhig, bis viel Geld in Kampagnen gesteckt wurde. Als Folge daraus sind die Leute nicht aufgeklärt genug um etwas zu ihrem persönlichen Problem zu machen, sondern lediglich verunsichert. Daraus ergeben sich völlig ungeeignete Maßnahmen die u.A. die Politik beschließt. Als Resultat wird viel Geld und Kraft ins Natur kaputtschützen verbraten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 19. Dezember 2018, 17:39:57
Ich habe allerdings das Gefühl, dass die "Insektensterbenkampagne" verstärkte Anstrengungen zur Pflege extensiv genutzter Kulturräume nach sich zieht. Bisher lösten natürliche und gepflanzte Verbuschung solcher Biotope Hochgefühle aus.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 19. Dezember 2018, 17:54:44
Wer Vögel gerne hat mag Büsche, wer selten gewordene Insekten mag will Offenbodenlandschaft oder Magerstandorte (stark vereinfacht dargestellt).
Ich beobachte zunehmend das echte Entomologen wegsterben. Wie die Imker vor ein paar Jahren oder die Zeitzeugen vom 2ten Weltkrieg. 

In ein paar Jahren wird es für immer mehr Artengruppen keine Spezialisten mehr geben. Wie sollen wir dann schützen wenn wir nichtmal mehr bestimmen können?

Ich fänds toll wenn Kampagnen zur Förderung von Nachwuchsentomologen ähnliche Aufmerksamkeit erreichen würden wie die `Insektensterbenkampagne´.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 19. Dezember 2018, 17:58:16
Sich zu empören ist wesentlich einfacher als sich zu engagieren.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 19. Dezember 2018, 18:03:10
Unbestritten. Es fällt mir schwer, trotz Insektensterbenkampagne, aktive Leute vor Ort zu finden. Bei den Waldschaben waren wir fast nur zu zweit, zu uninteressant, auch für die Verbände. Die Schabensammlung aus München ist mittlerweile auch übergeben. Ein Spezialist weniger. Nun hat Deutschland noch 2-4 auf dem Gebiet.

Deshalb bleibe ich recht regional aktiv und Spende nicht. 
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: häwimädel am 12. Januar 2019, 05:35:12
Für die Bayern :
https://volksbegehren-artenvielfalt.de
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 12. Januar 2019, 08:27:10
Effektiver fände ich die langjährige Pflege eines Obstgartens.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: 555Nase am 12. Januar 2019, 09:10:04
...Effektiver fände ich die Reduzierung der Wegwerfgesellschaft, Minimalität der Gewinnmaximierung, stopp von Rüstung-Kriegshandlungen, Ausbeutung hungernder Menschen...und noch viel mehr solcher Gewinnorientierten Psychomatika. ...Hat natürlich nichts mit Obstbäumen und Gartenbau zu tun, komischerweise ist aber Jedes und Alles damit verbunden !!! - In der allgegenwärtigen Evolution gibt es keine Ausweichmöglichkeiten.  :o
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: micc am 12. Januar 2019, 10:27:04
Vorsicht, weil das Pferd sonst von hinten aufgezäumt werden könnte. Bevor nur dem Menschen geholfen wird, müssen die Lebensgrundlagen des Menschen bewahrt werden. Die Erhaltung der Arten und der Artenvielfalt (das sind ja 2 verschiedene paar Schuhe) ist dabei von großer Wichtigkeit bzw. sind ein Muss.
:)
Michael
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Hyla am 12. Januar 2019, 20:30:33
Es wäre mal ein Ansatz, aber blinder Aktionismus bringt nicht viel.
Das Problem des Insektensterbens ist ja kein deutsches sondern ein eher europäisches oder weltweites Problem. Um das überhaupt mal einzuordnen, wäre es dringend notwendig, Forschergruppen überall zur Analyse des Problems einzusetzen.
Es ist ja nicht so, daß Landwirtschaft überall so stattfindet wie in Deutschland. Trotzdem tritt auch woanders dasselbe Problem auf. Ist doch seltsam?!?

Leider ist es aber so, daß an den Unis nur lukrative Arbeitsgruppen Gelder kriegen. Die nicht so gewinnorientierten Arbeitsgruppen, die nicht für einen großen Konzern oder über ein gerade brandaktuelles Thema forschen, haben ein kleines Budget, alte Geräte, wenig Räume und Personal oder werden gleich ganz wegrationalisiert. So sterben Fachleute, die das Insektenproblem analysieren könnten, auch langsam aus.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 12. Januar 2019, 21:45:38
Für die Bayern :
https://volksbegehren-artenvielfalt.de

Das wird's richten! ;D
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: RosaRot am 12. Januar 2019, 22:29:29
Effektiver fände ich die langjährige Pflege eines Obstgartens.

Das macht aber mehr Arbeit als " die Reduzierung der Wegwerfgesellschaft oder die Minimalität der Gewinnmaximierung etc. "zu fordern. :-\
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 13. Januar 2019, 20:16:01
In dem Volksbegehren wird erklärt, dass Strassen und Siedlungen zu Inzucht bei Tieren führt und deswegen wieder Biotopverbünde hergestellt werden sollten.

Ich fände es auch toll, wenn ich zB dafür unterschreiben kann, das zB. Berlin, inklusive Regierunsgviertel, zurückgebaut und renaturiert werden soll.
Die Hitlerautobahnen braucht auch niemand. Urlaub im Garten ist viel schöner.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 14. Januar 2019, 19:54:25
Flughäfen einfach nicht in Betrieb zu nehmen wäre ein erster Schritt! 8)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 18. Januar 2019, 11:34:54
Flughäfen einfach nicht in Betrieb zu nehmen wäre ein erster Schritt! 8)
Das wird ja schon lange geprobt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 18. Januar 2019, 11:46:28
Die Brandenburger sind einfach einen Schritt voraus.  :D
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 14. Februar 2019, 22:37:00
Vom Mauerblümchen zum Mainstream-Thema
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: polluxverde am 17. Februar 2019, 10:32:51
@Gartenplaner, interessanter link, aber die Wahrheit ist das Umwelt-/ Naturschutz eigentlich schon seit Jahrzehnten kein Mauerblümchenthema ist ( siehe z.B. die Aktivitaeten des Club of Rome bereits in den 70 gern des letzten Jahrhunderts ).

Wahr ist aber auch weiterhin, daß schon lange bekannte Fakten, die alle in der gleichen Kernerkenntnis münden, nämlich
daß der Mensch  die ( intakte!) Natur und Umwelt braucht, und nicht umgekehrt, von interessierter Seite immer wieder
erfolgreich unter  den Tisch gekehrt wurden und werden, aktuell zB  NOx / Feinstaub / Diesel - Diskussion, wo sich ein
Bundesverkehrsminister nicht scheut, populistischen Halbwahrheiten einer Handvoll emeritierter Lungenaerzte zu
instrumentalisieren ( ist ja inzwischen ziemlich deutlich nach hinten losgegangen.....  )
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 17. Februar 2019, 19:12:08
Politiker sind vergleichbar mit Unkraut. Die sind einfach da; man kann sie tolerieren und wenns zuviel ist, wird eben gehackt.

Aussagen von solchen Personenkreisen kann kein Maßstab in Bezug auf Realitätsfindung sein, die plappern immer nach dem Volksmund.
Was beim Umweltschutz gerade übersehen wird, ist das der Artenschutz und die Verbundenheit mit der Natur ausstirbt.
Feinstaub und Diesel ist sowas von kein Naturschutz sondern nur Angst vorm eigenen Untergang, sei es Konsumgesellschaft oder sogar auch benachteiligte Homo sapiens.
Das ist mehr Ethik als Natur. Sollte man nicht verwechseln.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Alva am 17. Februar 2019, 19:24:36
Ich fände es auch toll, wenn ich zB dafür unterschreiben kann, das zB. Berlin, inklusive Regierunsgviertel, zurückgebaut und renaturiert werden soll.


Zwar nicht renaturiert, aber trotzdem nett: In der Wiener Zieglergasse werden heuer 22 neue Bäume gepflanzt, Nebelduschen und Wasserstellen errichtet, Hausfassaden begrünt. https://www.meinbezirk.at/neubau/c-lokales/zieglergasse-wird-zum-musterschueler-in-sachen-klimaschutz_a920104
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 17. Februar 2019, 19:35:25
Wenn ein Sträßchen in Berlin ein bisschen Grün bekommt, und man in Österreich darüber informiert wann und wo sich die unmittelbar betroffenen Anwohner informieren können über das Ausmaß des Projektes, muss ich dann wenn ich 2 Apfelbäume okuliere auch die Tagesthemen anrufen?

Mal ernsthaft: wie weit sind wir?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 17. Februar 2019, 19:50:00
Mal ernsthaft: wie weit sind wir?

fünf nach zwölf - aber wir machen Party!
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Bristlecone am 20. Mai 2019, 20:22:55
Von sporadischem Vorkommen des Eichenprozessionsspinners kann man in manchen Gegenden nicht mehr sprechen.

Um noch einmal auf das Tierchen zurückzukommen, ja, ich kann verstehen, dass in der Nähe von Wohngebieten und stark genutzten Wegen eingeschritten werden muss. Wer einmal die Brennhaare selber kennengelernt hat, weiß welche Wirkung sie haben. Leider scheint es so zu sein, dass man bei immer wiederkehrendem Kontakt mit den Brennhaaren, über die Jahre immer empfindlicher darauf reagiert. Von einer Forscherin weiß ich, dass sie inzwischen nach Kontakt mit den Brennhaaren ins Krankenhaus muss. Daher wird der Eichenprozessionsspinner zum Gesundheitsschutz bekämpft (Biozideinsatz) und nicht, um die Bäume zu schützen. Leider trifft der Biozideinsatz aber auch viele anderen an den Bäumen lebende Insekten. Der Einsatz von Dipel ES muss immer gut abgewägt werden.

Eichenprozessionsspinner: 47 Kinder an Brettener Schulen verletzt
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 27. August 2019, 09:09:25
Unten rechts.  8)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Wühlmaus am 27. August 2019, 09:31:02
Bei der Vorspeise fehlen die Glückchen  :-\
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 05. September 2019, 23:15:52
Es fehlt eigentlich an dem, was Spezialisten oder weniger populäre Insektenarten brauchen. Das sind alles Stauden die man in Gärten sieht. Sind bereits vorhanden. Unkraut raushacken wovon spezialisierte Bienen leben und durch Allerweltsstauden für Allerweltshautflügler ersetzen wird den Kampagnen-Insektenschutz nicht zufriedenstellen. Die Strategie der Gartenindustrie sollte nicht nur ökonomisch beurteilt werden, die Staudengärtner könnten sich auch mal umweltfreundlicher erneuern (realökologisch, nicht medialökologisch).
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: b-hoernchen am 05. September 2019, 23:20:25
Ich denke, in der "Todeszone" rund um Tschernobyl geht's den Insekten prächtig!
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 05. September 2019, 23:30:09
Nicht nur den Insekten.
Je besser es dem Bestand geht desto weniger Biomasse liefern sie. Umso weniger kann man beobachten. Schwierig zu vermitteln, warum gerade Honigbienen am wenigsten geschützt werden müssen. Es ruft auch keiner schützt Mastschweine! Schweinesterben verhindern, jetzt! usw.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 06. September 2019, 08:09:17
Die Politik handelt jedenfalls. Sie will ein Herbizid verbieten, um Insekten zu schützen ...

Was die Staudengärtner angeht: Wir spüren eine wachsende Nachfrage nach „Bienenpflanzen“. Natürlich ist dieser Begriff großer Käse. Wer eine bunt blühende Staudenrabatte pflanzt und sich an den Honigbienen erfreut, tut auch etwas für die sonstigen Insekten.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 06. September 2019, 08:16:07
Wer einen Hund ins Vorbeet kacken lässt und den Haufen nicht wegräumt macht auch was für Insekten.

Bei den Staudengärtnern ist der Verzicht auf das ein oder andere Insektizid im Glashaus eventuell auch löblich, je nach Einzelfall, das können sie sich aber auch ruhig trauen zu kommunizieren, nicht nur gegenüber dem Handel, sondern auch dem Endkunden, Verbraucher, Gesellschaft.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 06. September 2019, 08:20:12
Mir ist es dieses Jahr immerhin gelungen, Pflanzen zu verkaufen, an denen Blattläuse waren.  ;D Das geht natürlich nur im Privatverkauf und nur mit Argumenten. „Wäre es Ihnen lieber, wenn ich mit der Giftspritze drübergehe?“ Im Gartencenterbereich haben die Pflanzen befallsfrei zu sein. Koste es, wen es wolle.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: *Falk* am 06. September 2019, 10:48:03
Die Politik handelt jedenfalls. Sie will ein Herbizid verbieten, um Insekten zu schützen ...

Was die Staudengärtner angeht: Wir spüren eine wachsende Nachfrage nach „Bienenpflanzen“. Natürlich ist dieser Begriff großer Käse. Wer eine bunt blühende Staudenrabatte pflanzt und sich an den Honigbienen erfreut, tut auch etwas für die sonstigen Insekten.  ;)

 ;D
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Hawu am 06. September 2019, 12:15:11
Wer einen Hund ins Vorbeet kacken lässt und den Haufen nicht wegräumt macht auch was für Insekten.
;D So isses.
Deshalb lasse ich Marderhaufen auf dem Rasen neuerdings liegen (markiere sie nur mit einem Stock, so daß niemand reintritt) und verbuddel Leichen nicht mehr. Auf den Überesten eines Rotkehlchens(?) fand ich gestern einen schwarz-orangen Käfer, vermutlich war es ein gemeiner Totengäber. Durch die Umbettung des toten Vogels auf ein Beet hat der nun auch die Chance zu buddeln - auf den Wegeplatten wäre das schwierig gewesen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 06. September 2019, 21:19:04
Kopfläuse, Sackratten und Flöhe sind auch Insekten! 8)
Wir haben also alle noch Reserven! ;D

(Wobei ich zugeben muß, auch so einiges an fliegenverertbarem Material lieber in die Feldflur zu tragen als es unbrauchbar zu vernichten)

Aber Vorsicht, es ist schließlich nicht zulässig.
Beispiel: https://www.landkreis-mittelsachsen.de/das-amt/neuigkeiten/entsorgung-von-toten-haustieren-und-schlachtabfaellen.html
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Natternkopf am 06. September 2019, 23:06:05
Steht da im Text:
Insbesondere für Heim- und Hobbytierhalter gelten daher die nachfolgenden Hinweise auf die Möglichkeiten für die Entsorgung von Heimtieren (z.B. Hunde, Katzen, Kleinsäuger, Ziervögel und -fische, Schlangen und Echsen):
- Diese sind grundsätzlich in der Tierkörperbeseitigungsanstalt (TBA) ... ...
- Die Tiere können montags bis freitags von 07.00 bis 16.00 Uhr direkt in Lenz abgegeben oder jederzeit zur Abholung angemeldet werden (Kontakt s.u.).
- Des Weiteren ... ...
- Ausnahmsweise dürfen einzelne Körper von Heimtieren auf dem eigenen Grundstück des Tierbesitzers vergraben werden, sofern dieses nicht in einem Wasserschutzgebiet liegt. Die Tiere dürfen dabei nicht in unmittelbarer Nähe von öffentlichen Wegen und Plätzen, sollten nicht direkt an der Grenze zum Nachbarn und müssen so vergraben werden, dass sie mit einer mindestens 50 cm starken Erdschicht bedeckt sind.

Könnte diese ja fachgerecht Kompostieren, von dem steht da nix.
Zum beschleunigen könnte man diese noch durch den Häcksler geben.
Ist biologisch  ;) sinnvoll, jedoch so wie wir sozialisiert wurden kaum opportun.  :o

Grüsse Natternkopf
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 07. September 2019, 00:00:03
Wenn ich am Schild "TBA Lenz" vorbeifahre, muss ich immer an das Lied denken "Nun will der Lenz uns grüßen ..."  ::)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 07. September 2019, 00:47:29
Ist biologisch  ;) sinnvoll, jedoch so wie wir sozialisiert wurden kaum opportun.  :o
Wenn mir der Text verklickern will, dass der Abbau von Biomasse, speziell tierischer, Umweltgefährlich und giftig ist, ist kompostieren vielleicht auch nicht das gelbe vom Ei und hinterfragungswürdig, nicht nur wegen der VOC´s. Da machen die humusaufbauenden Kompostgärtni wohl alles falsch.
Ich werde weiterhin tierische Abfälle aus Prinzip nicht vergraben. Diese Gesetze sind mir zu 60er Jahre.
Anbei die Reste eines Flussbarsches, zur besten Wespenzeit am Rosenbogen neben der Terasse aufgehängt. 8 Wochen später kann man dort immernoch eine gewisse Insektenvielfalt bewundern.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: zwerggarten am 07. September 2019, 12:23:19
:o :D

aber du sitzt nicht oft auf dieser terrasse? oder hast probleme mit deinen duftrezeptoren?! :-X 8) ;D
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Cryptomeria am 07. September 2019, 12:57:43
Die Foto des Barsches gefällt mir und erinnert mich an meine Studienzeit, als ich Kommunikatiosversuche mit V. germanica und V. vulgaris machte. Wir fütterten die Nester auch immer mit Tiefkühlfisch, so einen schönen Barsch hatten wir nicht. ;)
VG wolfgang
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 14. September 2019, 23:59:51
Zwergarten: ich sitzte fast täglich auf der Terasse. Wenn man mal ein paar Jahre in der Chemie arbeitet gibts 3 Stufen von stinkend. Der Fall hier ist maximal Stufe 1, riecht manchmal etwas, aber nicht (akut) gefährlich, unbehelligt weitermachen.

Wolfgang: die beiden sind mir am Fisch Proteinfressend lieber als am Obst Schalenzerstörend. Soll jeder was haben.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 11. Oktober 2019, 07:34:12
Zurück zu den sympathischeren Insekten. Es muss nicht immer wild und ungefüllt sein.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Felcofan am 11. Oktober 2019, 08:35:42
So eine ähnliche Studie gab es vor ein paar Jahren in Sheffield.

Gleich große Flächen von beliebten Sommerblumen, dazu auch Borretsch uä.,
In Wiederholung, Anordnung zufällig, insgesamt in einigen Ringen angeordnet.

Ihre Ergebnisse waren ähnlich, überraschenderweise hatte sogar ein Lavandula x intermedia mehr Besucher als die einfache Art.

Pelargonien waren komplett "nutzlos".

Davon abgesehen hatte sich die Sheffield- Gruppe deutlich gegen gefülte Sorten ausgesprochen. Auf meinen klassischen Schnittdahlien sind halt auch ab und zu Bienen unterwegs.
Aber die zusätzlichen Blütenblätter werden ja auf Kosten der sonst vorhandenen Staubblätter gebildet, und Nektar ist, wenn vorhanden, oft schwer zugänglich.

Interessant find ich den Befund, dass es keine "schädlichen" Pflanzen für Nützlinge gibt, das wird halt von den Ökofundamentalisten meist übertrieben (Sonderfälle wie die Taubenschwärmerfalle mal außen vor gelassen).

Dann ist wieder die Frage, welches Zielpublikum ich denn hab. Sich über jede Honigbiene zu freuen ist so naja, es sind ja Nutztiere, die gehalten und von Menschen vermehrt werden. Und zu nah an Naturschutzgebieten ausgesetzt, bilden sie sogar bedrängende Nahrungskonkurrenz für die kleineren Solitärbienen. Davon abgesehen sind Honigbienen vermutlich eher grobe Indikatoren für die große Gruppe der Insekten.

Wenn es wiederum hoch spezialisierte, wenig anpassungsfähige Insekten sind, die auf Pollen einer Gattung angewiesen sind, komm ich mit etwas umsichtig ausgewähltem Sommerflor nicht sooo weit.

Aber einen Schritt zurück, für Betrachtung mit Abstand: angesichts von versteinerten Vorgärten und mährobotergeplagten Hausrasen ist jeder Zugewinn an Blütenpflanzen positiv.

Ich persönlich hab halt ein problem mit dieser "Verzichts-Ethik" der 100%-Einheimisch-Prediger, die dich quasi optischer Völlerei bezichtigen, wenn du Asternblüte von September bis November, sowas buntes, profanes, brauchst...

Statt bescheiden optisches Vollkornbrot der zierlich-winzigen, teils fast nicht sichtbaren Wildflora-Blüten zu goutieren. Und nicht zu maulen, wenn die korrekte Bepflanzung ab etwa August in trocken-gelber Ruhe dasteht.

Na denn, schönes Wochenende, Grüße, F
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Natternkopf am 11. Oktober 2019, 08:43:56
Danke Staudo 🌸
Zurück zu den sympathischeren Insekten. Es muss nicht immer wild und ungefüllt sein.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 30. Oktober 2019, 21:20:12
Es gibt eine neue Studie zum Insektensterben  :-[
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 30. Oktober 2019, 21:27:03
Das las ich auch gerade, und die Kommentare ebenso. Also: Wer optimale Erträge von seinen Flächen will, muss dafür sorgen, dass auf diesen Flächen nur eine, und zwar die gewünschte Pflanzenart wächst. Ein Insekt, dass auf diesem Feld lebt, muss sich von dieser Pflanzenart ernähren, mindert dabei den Ertrag und ist daher als Schädlung zu betrachten. Im Idealfall lebt auf diesem Acker also eine Pflanzenart und kein Insekt. Daher ist es also völlig logisch, dass bei intensiver Landwirtschaft die Insektenvielfalt gegen Null geht. Das ist so gewollt. Gleiches trifft übrigens auch bei Obst und Gemüse zu. Die wenigsten Verbraucher tolerieren Blattläuse im Salat, Raupen im Blumenkohl oder Maden in den Kirschen. Isso. Deshalb ist der Schutz extensiv genutzter Flächen so überaus wichtig. Dort leben die Insekten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 30. Oktober 2019, 21:34:58
Insektenschutzpflanzungen oder Reservate auf Autobahnen sind auch nicht in jedermanns Interesse.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 30. Oktober 2019, 21:41:07
"...Beim Deutsche Bauernverband sieht man die Sache so: "Die Studie zeigt uns, dass die Landwirtschaft Teil der Lösung sein muss. Kaum eine Branche ist so essenziell auf die Bestäubungsleistung von Bienen und Insekten angewiesen wie wir", so Verbandspräsident Joachim Rukwied. Man setze auf kooperativen Naturschutz. In diesem Jahr hätten Bauern beispielsweise freiwillig mehr als 230.000 Kilometer Blühstreifen als Lebensraum für Insekten an Ackerrändern angelegt. ..."

Klingt doch ganz gut  :D
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 30. Oktober 2019, 21:44:01
Der Bauernverband sollte so ehrlich sein und die Dinge beim Namen nennen. Sogar die Bauern beginnen das Vertrauen in diese Weichwindelei zu verlieren.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 30. Oktober 2019, 21:47:22
Daher ist es also völlig logisch, dass bei intensiver Landwirtschaft die Insektenvielfalt gegen Null geht. Das ist so gewollt. Gleiches trifft übrigens auch bei Obst und Gemüse zu. Die wenigsten Verbraucher tolerieren Blattläuse im Salat, Raupen im Blumenkohl oder Maden in den Kirschen. Isso. Deshalb ist der Schutz extensiv genutzter Flächen so überaus wichtig.
Viele hier bauen selbst Obst und Gemüse an, da gibt es mal Läuse im Salat, mal ne Schnecke, das ist nicht schlimm und natürlich.
Fast insektenfreie Natur ist unnatürlich und wir sind nur ein Teil der Natur.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 30. Oktober 2019, 21:48:23
Der Bauernverband sollte so ehrlich sein und die Dinge beim Namen nennen. Sogar die Bauern beginnen das Vertrauen in diese Weichwindelei zu verlieren.

oh - also alles gelogen?  :'(
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 30. Oktober 2019, 21:49:22
Die Blühstreifen halte ich für Öko-Kokolores.  8)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 30. Oktober 2019, 21:50:28
Viele hier bauen selbst Obst und Gemüse an, da gibt es mal Läuse im Salat, mal ne Schnecke, das ist nicht schlimm und natürlich.

Das ist bei meinem Gemüse auch so.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 30. Oktober 2019, 21:55:23
Viele hier bauen selbst Obst und Gemüse an, da gibt es mal Läuse im Salat, mal ne Schnecke, das ist nicht schlimm und natürlich.

Das ist bei meinem Gemüse auch so.  ;)
Und dann freuen sich deine Hühner über die Eiweißration,
Blattläuse haben meine Fische zum Fressen gern.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 30. Oktober 2019, 22:00:33
Wie dem auch sei, ein Wegdiskutieren des Problems, wie noch 2017 am Anfang dieses Threads versucht, wird zusehends schwieriger.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 30. Oktober 2019, 22:03:45
War das nicht so, dass die Bauerm im Umland kaum noch Vieh halten und das wenige schon gleich gar nicht auf der Weide, und dass damit die auf und von den Tieren lebenden Insekten wegfielen?  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 30. Oktober 2019, 22:08:35
Wie soll man solche Einwürfe von dir und deren Sinn und Zweck  deuten?
Ich bin da manchmal echt etwas ratlos....  ???
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 30. Oktober 2019, 22:09:19
Die Bergbauern in der Alpenregion machen es vor, die Tiere leben nur im Winter im Stall.
Die Frage wäre zu klären, ob dort mehr Insekten leben.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 30. Oktober 2019, 22:10:27
Wie soll man solche Einwürfe von dir und deren Sinn und Zweck  deuten?
Ich bin da manchmal echt etwas ratlos....  ???
Ich habe Staudo verstanden.
Gehe mal auf eine Weide, wo Pferde oder Kühe grasen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 30. Oktober 2019, 22:14:00
Andererseits hab ich mir abgewöhnt, Kommentare zu Artikeln wie dem verlinkten zu lesen - vielleicht wäre das auch für andere "Kommentare" klug  8)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 30. Oktober 2019, 22:15:17
Andererseits hab ich mir abgewöhnt, Kommentare zu Artikeln wie dem verlinkten zu lesen - vielleicht wäre das auch für andere "Kommentare" klug  8)
comme tu veux... ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 30. Oktober 2019, 22:19:47
In annually sampled grasslands, biomass, abundance and number of species declined by 67%, 78% and 34%, respectively. The decline was consistent across trophic levels and mainly affected rare species; its magnitude was independent of local land-use intensity.

Naja, falls ihr beide auf Schmeißfliegen anspielt - zu den "rare species" gehören die wohl eher nicht....
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Querkopf am 30. Oktober 2019, 22:21:30
War das nicht so, dass die Bauerm im Umland kaum noch Vieh halten und das wenige schon gleich gar nicht auf der Weide, und dass damit die auf und von den Tieren lebenden Insekten wegfielen?  ;)
Und war das nicht so, dass der - wg. Viehhaltungs-Reduktion weniger gewordene - Stallmist nicht mehr auf offenen Misthaufen landet und dass damit die auf und vom Mist lebenden Insekten wegfielen?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 30. Oktober 2019, 22:23:16
Die Blühstreifen halte ich für Öko-Kokolores.  8)

Das sehe ich anders. ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 30. Oktober 2019, 22:25:38
War das nicht so, dass die Bauerm im Umland kaum noch Vieh halten und das wenige schon gleich gar nicht auf der Weide, und dass damit die auf und von den Tieren lebenden Insekten wegfielen?  ;)
Und war das nicht so, dass der - wg. Viehhaltungs-Reduktion weniger gewordene - Stallmist nicht mehr auf offenen Misthaufen landet und dass damit die auf und vom Mist lebenden Insekten wegfielen?

Ach - fehlt der Mist auch im Wald?
"... In 30 forest sites with annual inventories, biomass and species number—but not abundance—decreased by 41% and 36%, respectively. This was supported by analyses of all forest sites sampled in three-year intervals. The decline affected rare and abundant species ..."
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 30. Oktober 2019, 22:27:35
In annually sampled grasslands, biomass, abundance and number of species declined by 67%, 78% and 34%, respectively. The decline was consistent across trophic levels and mainly affected rare species; its magnitude was independent of local land-use intensity.

Naja, falls ihr beide auf Schmeißfliegen anspielt - zu den "rare species" gehören die wohl eher nicht....
Aber sind Futter für Vögel.
Warum brüten Rauchschwalben im Viehstall?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 30. Oktober 2019, 22:27:50
Schmeißfliegenaussterben. Was nicht ist kann noch werden. Sagt dir jeder ernstzunehmende Naturschützer. Sammle jetzt Daten auch über Brennesseln. Schau dir das Bilsenkraut an, dann weisst du warum.

Wegdiskutieren wollte hier zu Beginn des Strangs übrigens wohl keiner was.
Ich habe lediglich weiterhin ein Problem damit, das der Natur- und Artenschutz für den Selbsterhaltungszweck der Spendenindustrie geopfert wird.
Kein Wort in den Zeitungen über das Aussterben der Entomologen. Kein Wort über schlecht gemachte Studien.
Wenn ich den zweiten Satz schon lesen muss in dem Artikel vom Spiegel: neue Daten aus 3 (alten?) zusammengefasst? Was ??? Meinen die das ernst?

Ich kann dir aus Erfahrung sagen, es ist keine Kunst in Spiegel online Umweltwissenschaft reinzukommen. Das ist kurzfristige PR. Wissenschaft und Insektensterben ist was anderes.

Wenn einem was dran liegt, es wird Zeit, es anzupacken und die fehlläufigen politischen Entwicklungen zu revidieren und in für die Natur und Mensch erträgliche Bahnen zu lenken.

Mit Ideologie rettet man weder Natur noch die Welt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 30. Oktober 2019, 22:30:13
Warum brüten Rauchschwalben im Viehstall?
Machen sie nicht mehr weil der wegen Umweltauflagen zugekleistert werden musste. Stirbt der Bauer im Dorf, gehen auch die Schwalben.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: metalorange am 30. Oktober 2019, 22:30:32
"...Beim Deutsche Bauernverband sieht man die Sache so: "Die Studie zeigt uns, dass die Landwirtschaft Teil der Lösung sein muss. Kaum eine Branche ist so essenziell auf die Bestäubungsleistung von Bienen und Insekten angewiesen wie wir", so Verbandspräsident Joachim Rukwied. Man setze auf kooperativen Naturschutz. In diesem Jahr hätten Bauern beispielsweise freiwillig mehr als 230.000 Kilometer Blühstreifen als Lebensraum für Insekten an Ackerrändern angelegt. ..."

Klingt doch ganz gut  :D

Klingt gut. Ist es aber nicht. Diese Blühstreifen setzen sich überwiegend aus exotischen Arten und Zuchformen zusammen und verdrängen die einheimischen, autochtonen Pflanzenarten die an den Ackerrändern wachsen könnten. Die würden sogar kostenlos von alleine wachsen ohne teures Saatgut zu kaufen bei den gleichen Konzernen die auch die Pestizide verkaufen.
Auch für Insekten sind sie von zweifelhaftem Nutzen da sie lediglich für einige häufige Arten wie Honibienen Nektar bieten. Den seltenen, spezialisieren Arten können damit nicht viel anfangen. Schon gar nicht als Frasspflanzen für die Raupen und Larven.
Diese Blühstreifen nutzen eher dem Landwirt als PR-Maßnahme und nicht der Natur. Sie schaden ihr sogar.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 30. Oktober 2019, 22:32:05
Warum brüten Rauchschwalben im Viehstall?
Machen sie nicht mehr weil der wegen Umweltauflagen zugekleistert werden musste. Stirbt der Bauer im Dorf, gehen auch die Schwalben.
nee, gibt es noch.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 30. Oktober 2019, 22:34:48
"...Beim Deutsche Bauernverband sieht man die Sache so: "Die Studie zeigt uns, dass die Landwirtschaft Teil der Lösung sein muss. Kaum eine Branche ist so essenziell auf die Bestäubungsleistung von Bienen und Insekten angewiesen wie wir", so Verbandspräsident Joachim Rukwied. Man setze auf kooperativen Naturschutz. In diesem Jahr hätten Bauern beispielsweise freiwillig mehr als 230.000 Kilometer Blühstreifen als Lebensraum für Insekten an Ackerrändern angelegt. ..."

Klingt doch ganz gut  :D

Klingt gut. Ist es aber nicht. Diese Blühstreifen setzen sich überwiegend aus exotischen Arten und Zuchformen zusammen und verdrängen die einheimischen, autochtonen Pflanzenarten die an den Ackerrändern wachsen könnten. Die würden sogar kostenlos von alleine wachsen ohne teures Saatgut zu kaufen bei den gleichen Konzernen die auch die Pestizide verkaufen.
Auch für Insekten sind sie von zweifelhaftem Nutzen da sie lediglich für einige häufige Arten wie Honibienen Nektar bieten. Den seltenen, spezialisieren Arten können damit nicht viel anfangen. Schon gar nicht als Frasspflanzen für die Raupen und Larven.
Diese Blühstreifen nutzen eher dem Landwirt als PR-Maßnahme und nicht der Natur. Sie schaden ihr sogar.
Ist nur eine Frage des richtigen Saatguts, werden "die" schon noch merken...
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 30. Oktober 2019, 22:39:59
...
Wenn ich den zweiten Satz schon lesen muss in dem Artikel vom Spiegel: neue Daten aus 3 (alten?) zusammengefasst? Was ??? Meinen die das ernst?
...
Was?
Was liest du da gerade?
Meinst du diesen zweiten Satz:
"...Das belegen neue Daten aus drei Regionen, die Forscher unter Leitung der Technischen Universität München (TUM) ausgewertet haben. .."  ???
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 30. Oktober 2019, 22:41:21
...
Wegdiskutieren wollte hier zu Beginn des Strangs übrigens wohl keiner was.
...
Soso
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 30. Oktober 2019, 22:42:18
Zurück zu den sympathischeren Insekten. Es muss nicht immer wild und ungefüllt sein.

Ich hoffe doch mal die haben da nicht auch noch Monarchfalter gezählt, OMG.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 30. Oktober 2019, 22:45:56


Klingt gut. Ist es aber nicht. Diese Blühstreifen setzen sich überwiegend aus exotischen Arten und Zuchformen zusammen und verdrängen die einheimischen, autochtonen Pflanzenarten die an den Ackerrändern wachsen könnten.

Neben den angesäten Arten wachsen auf diesen Streifen auch ungestört eben genau diese Ackerunkräuter.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 30. Oktober 2019, 22:51:32
Richtiges Saatgut braucht auch den richtigen Standort.
Wenn man dem Bauer 1€/m²/a gibt damit er Efeu anpflanzt für die Efeu-Seidenbiene, dann wird er das vielleicht sogar machen.

Roeschen: hier haben sie vor Jahren schon dicht gemacht, alles nach außen verlagert, Schwalben, Fehlanzeige, nur Mauersegler.

@gartenplaner: ja, lesen hilft.
Auch diesen von dir richtig verlinkten Satz, den meinte ich. So schlechte Formulierungen, da müssen alle Alarmglocken schrillen.
Gib dir die Mühe und schau dir die Studie an: https://www.nature.com/articles/s41586-019-1684-3 bzw wenn du keinen Zugang hast, kostenlos über den referrer von Spiegel: https://www.nature.com/articles/s41586-019-1684-3.epdf?referrer_access_token=RQ2cekmGyUxGkXC59ZjZSdRgN0jAjWel9jnR3ZoTv0P3cBGBUVeGHgT3kJjR4Ll0ttPqGGFdLGUIJKB_BNMk1SDvUXMA_lDVsTuanNw_xB_YGVVl6jmkVM2RgRpKrvkwdlZov4SdW6UdrEcaaGqYxaXN-XCYfWbiRkYIzHVdskPGaryrIamlGSYRVMHe-4ig&tracking_referrer=www.spiegel.de

Sowas kanns nicht sein. Fällt dir auf was Spiegel online draus macht?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 30. Oktober 2019, 23:01:43


Klingt gut. Ist es aber nicht. Diese Blühstreifen setzen sich überwiegend aus exotischen Arten und Zuchformen zusammen und verdrängen die einheimischen, autochtonen Pflanzenarten die an den Ackerrändern wachsen könnten.

Neben den angesäten Arten wachsen auf diesen Streifen auch ungestört eben genau diese Ackerunkräuter.  ;)

Falls sie noch Platz haben und falls es, wegen der für eine üppige Blüte der Blühstreifensaat guten Düngung, nicht nur nitrophile Allerwelts-Kräuter sind.

Blühstreifen können eine sinnvolle Förderung von Insekten sein, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. (Mehrjährigkeit, besser Langjährigkeit auf gleich bleibender Fläche, Nährstoffarmut - also weitgehender, aber nicht unbedingt totaler Düngungsverzicht, Pestizid-Verzicht, geringe Dichte der Ansaaten, Begleitmaßnahmen gegen Problemunkräuter, angepasste, über die Jahre variable Pflegerhythmen, im besten Fall Kombination mit weiteren extensiven Strukturen ... )

Die derzeit gut bezahlten, manchmal schön bunten, aber recht anspruchslosen Varianten, die einige Landnutzerverbände und Länder aufgelegt haben, werden es nicht bringen. Sind auch meist auffallend straßennah und bildwirksam inszeniert.

Man kann auch Regiosaatgut verwenden, das nur für den jetzt einsetzenden Hype nicht annähernd ausreichend zur Verfügung steht.
Besser, weil örtlich gewonnen, sind Heusaaten und Heumulchsaaten als Übertragung aus noch vorhandenen, artenreichen Grünlandflächen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 30. Oktober 2019, 23:03:51
Diese Blühstreifen setzen sich überwiegend aus exotischen Arten und Zuchformen zusammen

Hab mal zusammengefaßt was ich im Blühstreifen fand:
Phacelia, Kornblune, Buchweizem, Leinen, Ringelblume, Dill, Sonnenblume, Senf, Inkarnatklee, Quirlmalve, Seradella, Ölrettich und viele mehr... und dazu (im Untergrund) diverse heimische Kräuter (Vogelmiere, Rote Taubnessel, Melde, Schachtelhalm, Klette, Ackerdistel, Hirtentäschel, einj. Brennessel, Klatschmohn, Kamille, Gräser...):
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 30. Oktober 2019, 23:03:56
Die Schwalben sind aber deutlich weniger unterwegs.
Aber was mir aufgefallen ist, ich habe keine einzige Feldlerche gehört, kein Kuckuck, das schockiert mich.
Keine Brut von Blaumeisen, Hausrotschwanz in den Bruthöhlen.
Bei der einzigen Kohlmeisenbrut sind die flüggen, einer war ausgeflogen, Vögel alle plötzlich verstorben.
Das macht mich wütend.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 30. Oktober 2019, 23:09:37
Wohl Nachwehen von 2018. Wetterbedingt.
Schwalben wie gesagt hier gar nicht mehr. Wohnblock ist nicht ihrs, egal wo die von dort ihren Müll abladen und die Hunde hinkacken.

Lerchenzorn: was schlägst du konkret an ``Begleitmaßnahmen gegen Problemunkräuter´´ gegen Chenopodium auf dem Bild von dmks vor?

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 30. Oktober 2019, 23:11:13
...

@gartenplaner: ja, lesen hilft.
Auch diesen von dir richtig verlinkten Satz, den meinte ich. So schlechte Formulierungen, da müssen alle Alarmglocken schrillen.
Gib dir die Mühe und schau dir die Studie an: https://www.nature.com/articles/s41586-019-1684-3 bzw wenn du keinen Zugang hast, kostenlos über den referrer von Spiegel: https://www.nature.com/articles/s41586-019-1684-3.epdf?referrer_access_token=RQ2cekmGyUxGkXC59ZjZSdRgN0jAjWel9jnR3ZoTv0P3cBGBUVeGHgT3kJjR4Ll0ttPqGGFdLGUIJKB_BNMk1SDvUXMA_lDVsTuanNw_xB_YGVVl6jmkVM2RgRpKrvkwdlZov4SdW6UdrEcaaGqYxaXN-XCYfWbiRkYIzHVdskPGaryrIamlGSYRVMHe-4ig&tracking_referrer=www.spiegel.de

Sowas kanns nicht sein. Fällt dir auf was Spiegel online draus macht?

Ich lese den Originalartikel:
"...To disentangle the local and landscape-level effects of land use on temporal trends in arthropod communities of grasslands and forests, we used data from the ‘Biodiversity Exploratories’ research programme that pertain to more than 1 million individual arthropods (2,675 species) (Extended Data Table1). Arthropods were collected annually at 150grass-land sites by standardized sweep-net sampling in June and August from 2008 to 2017, and at 30forest sites with flight-interception traps over the whole growing period from 2008 to 2016. An additional 110forest sites were sampled in 2008, 2011 and 2014 to test for trends across a larger number of sites.

...

The study was conducted as part of the Biodiversity Exploratories project (www.biodiversity-exploratories.de) in three regions of Germany: (1) Schwäbische Alb in southwestern Germany (460–860 m above sea level (asl)); (2) Hainich-Dün in central Germany (285–550 m asl); and (3) Schorfheide-Chorin in northeastern Germany (3–140 m asl). The three regions differ in climate, geology and topography, but each is characterized by gradients of land-use intensity in grasslands and forests that are typical for large parts of temperate Europe31. A total of 150 grassland sites of 50 × 50 m in size (50 per region) and 140 forest sites of 100 × 100 m in size (49 in Schwäbische Alb, 50 in Hainich-Dün and 41 in Schorfheide-Chorin), located within larger management units, were selected from a total of about 3,000 candidate sites by stratified random sampling to ensured that the selected sites covered the whole range of land-use intensity and to minimize the confounding effects of spatial position or soil type31. ..."

und finde dort nichts von
...neue Daten aus 3 (alten?) zusammengefasst...
  ???
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 30. Oktober 2019, 23:16:22
Hier bei mir im Stall haben zwei Schwalbenpaare 5 Bruten aufgezogen. Ich weiß das das wenig ist.
Auf einem Hof schräg gegenüber nisten mal "übern Daumen" 40 bis 50 Paare.  :D
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 30. Oktober 2019, 23:20:39
... Lerchenzorn: was schlägst du konkret an ``Begleitmaßnahmen gegen Problemunkräuter´´ gegen Chenopodium auf dem Bild von dmks vor?



Chenopodium-Arten sind keine Problemunkräuter. Weißer Gänsefuß dominiert nur da, wo zuvor hochgedüngte Ackerflächen mal eben kurz zum Blühstreifen gemacht werden sollen und Dürre oder andere Widrigkeiten dazwischen kommen.

Maßnahmen gegen Acker-Kratzdistel, Quecke oder Kletten-Labkraut sind schwierig und meist langwierig, wenn die Arten sich einmal stärker etabliert haben.
In kleineren Flächen können mechanische oder manuelle Maßnahmen wirksam sein, sind aber eben sehr aufwändig.

Zum Umgang mit der Acker-Kratzdistel im Ökolandbau gibt es umfangreiches Material, z. B. hier.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 30. Oktober 2019, 23:25:23
Hier bei mir im Stall haben zwei Schwalbenpaare 5 Bruten aufgezogen. Ich weiß das das wenig ist.
Auf einem Hof schräg gegenüber nisten mal "übern Daumen" 40 bis 50 Paare.  :D
Auf einem Biohof, wo ich abundzu einkaufe, hatten die Rauchschwalben auch die wiederholte Brut.
Das wird aber vermutlich nicht reichen die Verluste zu egalisieren.
Der Star, früher hier in Massen zu sehen,  riesige Schwärme beim Vogelzug, jetzt sieht man kleine Trupps.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 30. Oktober 2019, 23:28:15
Chenopodium-Arten sind keine Problemunkräuter. Weißer Gänsefuß dominiert nur da, wo zuvor hochgedüngte Ackerflächen mal eben kurz zum Blühstreifen gemacht werden sollen und Dürre oder andere Widrigkeiten dazwischen kommen.
So ähnlich wollte ich das hören. Samenunkraut, keimt eben nur auf gestörtem Boden, braucht nicht hochgedüngt sein.
Mechanisch gegen Distel, 2 Jahre Kleegras, Nitrat fürs Grundwasser...

Gartenplaner: und was sagt die Studie nun und was sagt Spiegel wenn man nur kurz drüberliest? 
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: metalorange am 30. Oktober 2019, 23:37:20


Klingt gut. Ist es aber nicht. Diese Blühstreifen setzen sich überwiegend aus exotischen Arten und Zuchformen zusammen und verdrängen die einheimischen, autochtonen Pflanzenarten die an den Ackerrändern wachsen könnten.

Neben den angesäten Arten wachsen auf diesen Streifen auch ungestört eben genau diese Ackerunkräuter.  ;)

Die angesäten Phacelien und Co. stehen aber in der Regel so dicht, das dort meistens nur wenige einheimische Arten durchkommen.
Wenn man die Fläche einfach in Ruhe lassen würde, würden sich dort oft schon im ersten Jahr eine Blühfläche aus Mohn, Kamille, Kornblume entwickeln können. Das Saatgut davon ist oft noch im Boden vorhanden und ist auch nach Jahrzehnten noch keimfähig. Auch vom Aussterben bedrohte Arten wie Adonisröschen, Ackerrittersporn, Venusspiegel etc. hätten dann wieder eine Chance.
Solche Brachflächen am Ackerrand müßten auch nur alle zwei bis drei Jahre gepflügt werden um den Offenbodencharakter zu erhalten. Sie würden dem Landwirt also weniger Arbeit machen und es müßte auch kein Geld für florenverfälschendes Saatgut ausgegeben werden.
Anscheinend sind unsere Landwirte aber zu naturfern und Monsato-abhängig geworden und setzen lieber auf grellbunte Samenmischungen mit denen man ahnungslose Spaziergänger beeindrucken kann.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 30. Oktober 2019, 23:39:35
Chenopodium-Arten sind keine Problemunkräuter. Weißer Gänsefuß dominiert nur da, wo zuvor hochgedüngte Ackerflächen mal eben kurz zum Blühstreifen gemacht werden sollen und Dürre oder andere Widrigkeiten dazwischen kommen.
So ähnlich wollte ich das hören. Samenunkraut, keimt eben nur auf gestörtem Boden, braucht nicht hochgedüngt sein.
Mechanisch gegen Distel, 2 Jahre Kleegras, Nitrat fürs Grundwasser...

...

Und was genau willst Du damit sagen? Dass es immer gegen jede Maßnahme einen Einwand geben wird? Das weiß ich. Die Einwände allein bewirken nur nichts. Und eines kann man sich sparen: jedes Mal grundsätzliche Einwände (Nitrat nach Kleegras ... usw.) ohne Kenntnis der konkreten Verhältnisse rauszuhauen. Wenn der Kleegras-Anbau ein gravierendes, z. B. der unsachgemäßen Gülleverwendung vergleichbares Problem im Gewässer- und Trinkwasserschutz wäre, würde er schon mehr Gegenwind haben. Dass er nicht bedenkenlos praktiziert werden darf, ist bekannt und das wissen und beachten die Ökobauern.

Samenunkräuter wie Weißer Gänsefuß keimem ohne Aufdüngung, richtig. Sie wachsen aber deutlich schwächer in gut abgetragenen Böden und sind dann in der Regel kein Problem, nicht einmal ein optisches.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 30. Oktober 2019, 23:41:48
Mal eine (rein persönliche Erfahrung) Randbemerkung zur Blühstreifen-Diskussion:
Von den letzten drei (ernst zu nehmenden) Diskussionspartnern zum Thema 'Kontra Blühstreifen' hatte keiner einen solchen je selbst betreten. :-\
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 30. Oktober 2019, 23:41:50
...
Gartenplaner: und was sagt die Studie nun und was sagt Spiegel wenn man nur kurz drüberliest?

Die Studie sagt, dass sie Daten aus dem Biodiversitäts-Exploratorien-Programm als Datengrundlage nimmt, die von 2008 bis 2017 gesammelt wurden - "The study was conducted as part of the Biodiversity Exploratories project (www.biodiversity-exploratories.de) in three regions of Germany: (1) Schwäbische Alb in southwestern Germany (460–860 m above sea level (asl)); (2) Hainich-Dün in central Germany (285–550 m asl); and (3) Schorfheide-Chorin in northeastern Germany (3–140 m asl)." klingt für mich so, als ob die Studienschreiber auch selber die Datengrundlage erhoben haben.
So verstehe ich auch die Verlinkung vom nature-Artikel zu eben jenem Biodiversitäts-Exploratorien-Programm.

Und so schreibt es auch der Spiegel.

Wenn es überhaupt das ist, worauf du hinaus willst....
Wenn du überhaupt auf irgendwas hinaus willst....
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 31. Oktober 2019, 07:31:41
Ich habe versucht die Studie (auf englisch) zu lesen, bin mir bei zu vielen Passagen aber unsicher, ob ich die richtig verstehe.
Grund war, dass nach meinem empfinden jede der zahlreichen Zeitungen, die die Meldung brachten, was anderes draus gemacht hat!

Interessant fand ich, dass der festgestellte Rückgang vor allem auf Grünland unabhängig von der Nutzungsintensität war, also ähnlich sowohl auf extensiven Schafweiden wie auf Vielschnittwiesen.
Ebenfalls interessant, dass im Wald vor allem die Arten zurückgingen, die weite Strecken zurücklegen.
Der Rückgang auf isoliert in der Ackerlage liegenden Grünländern verwundert mich dagegen nicht.

Habe ich das richtig verstanden: Da der gemessene Rückgang nicht direkt mit der auf den Flächen durchgeführten Nutzung zu erklären ist, wird nach einer übergeordneten Ursache in der Umwelt alllgemein gesucht?

Die Bemerkung zu den Saatgutmischungen für Blühflächen die aus überwiegend exotischen Arten bestehen, deutet auf einen veralteten Kenntnisstand hin.


Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: michaelbasso am 31. Oktober 2019, 07:33:15
Diese Blühstreifen setzen sich überwiegend aus exotischen Arten und Zuchformen zusammen

Hab mal zusammengefaßt was ich im Blühstreifen fand:
Phacelia, Kornblune, Buchweizem, Leinen, Ringelblume, Dill, Sonnenblume, Senf, Inkarnatklee, Quirlmalve, Seradella, Ölrettich und viele mehr... und dazu (im Untergrund) diverse heimische Kräuter (Vogelmiere, Rote Taubnessel, Melde, Schachtelhalm, Klette, Ackerdistel, Hirtentäschel, einj. Brennessel, Klatschmohn, Kamille, Gräser...):

Nicht direkt an Dich gerichtet, aber als Anknüpfungspunkt, fand ich Deinen Post ganz passend...

Letzte Woche sah ich, wie ein Blühstreifen gemäht und anschließend gepflügt wurde, das passiert ja mit den meisten Blühstreifen im Herbst.
Soweit so gut, landwirtschaftliche Praxis halt. Aber, das kommt in Diskussionen oft nicht vor Insekten brauchen ja nicht nur Blüten, sie müssen auch irgendwo ihr Jugendstadium verbringen und Nahrungspflanzen finden.
Aus dieser Sicht, halte ich Blühstreifen für ganz nett gemeint, aber wahrscheinlich sind sie nur für die wenigsten Arten ein Reproduktionsraum. Ob  Blühstreifen in dieser Form einen positiven Effekt auf Insekten haben, wäre einmal interessant zu erfahren.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 31. Oktober 2019, 07:58:24
Habe ich das richtig verstanden: Da der gemessene Rückgang nicht direkt mit der auf den Flächen durchgeführten Nutzung zu erklären ist, wird nach einer übergeordneten Ursache in der Umwelt alllgemein gesucht?
Zumindest deutet sehr viel daraufhin hin, das es auch andere Ursachen als die fehelenden Misthaufen und weniger Nahrungsangebot gibt. Könnte man mal näher betrachten, wenn einen die Sache mit dem Insektenrückgang interessiert.

@Gartenplaner: auf was ich hinaus will? Da steht nicht viel verwertbares in der Studie und die Medien machen wieder einen Hype draus. Die Methodik ist leider schlecht. An einem einzigen Tag in 3 Jahren untersuchen und daraus Rückschlüsse ziehen ist extrem dürftig. Kennst du die Vorschriften, wie oft eine Fläche vor Baumaßnahmen untersucht werden muss? Sollte das nicht der untere Maßstab sein? Ich will die Ergebnisse nicht anzweifeln, aber bei den Geldern die in solche Projekte fliessen, könnte man auch mehr erwarten. Oder fehlen die Leute die Insekten bestimmen können?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: neo am 31. Oktober 2019, 08:18:02
Die derzeit gut bezahlten, manchmal schön bunten, aber recht anspruchslosen Varianten, die einige Landnutzerverbände und Länder aufgelegt haben, werden es nicht bringen. Sind auch meist auffallend straßennah und bildwirksam inszeniert.
Wenn das sich auch auf die Landwirtschaft bezieht; ihr habt in D keine Bestimmungen welche festlegen, was in einem Ackerblühstreifen eingesät werden darf? (In CH ist es klar festgelegt, insbesondere wenn der Bauer dann dafür auch etwas finanzielle Unterstützung möchte. Mir fallen in meiner CH Umgebung aber eher mal Ackerschonstreifen auf, weniger Ackerblühstreifen.)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 31. Oktober 2019, 08:46:50
Diese Blühstreifen setzen sich überwiegend aus exotischen Arten und Zuchformen zusammen

Hab mal zusammengefaßt was ich im Blühstreifen fand:
Phacelia, Kornblune, Buchweizem, Leinen, Ringelblume, Dill, Sonnenblume, Senf, Inkarnatklee, Quirlmalve, Seradella, Ölrettich und viele mehr... und dazu (im Untergrund) diverse heimische Kräuter (Vogelmiere, Rote Taubnessel, Melde, Schachtelhalm, Klette, Ackerdistel, Hirtentäschel, einj. Brennessel, Klatschmohn, Kamille, Gräser...):

Nicht direkt an Dich gerichtet, aber als Anknüpfungspunkt, fand ich Deinen Post ganz passend...

Letzte Woche sah ich, wie ein Blühstreifen gemäht und anschließend gepflügt wurde, das passiert ja mit den meisten Blühstreifen im Herbst.
Soweit so gut, landwirtschaftliche Praxis halt. Aber, das kommt in Diskussionen oft nicht vor Insekten brauchen ja nicht nur Blüten, sie müssen auch irgendwo ihr Jugendstadium verbringen und Nahrungspflanzen finden.
Aus dieser Sicht, halte ich Blühstreifen für ganz nett gemeint, aber wahrscheinlich sind sie nur für die wenigsten Arten ein Reproduktionsraum. Ob  Blühstreifen in dieser Form einen positiven Effekt auf Insekten haben, wäre einmal interessant zu erfahren.

Von landwirtschaftlichen Zwängen habe ich zu wenig Ahnung, das Luzernefeld hinter meinem Grundstück, das blühend so vielen Tagfalterarten Nektar spendete, wurde letzte Woche umgepflügt, samt allen Eiern/Raupen von Colias hyale und Colias crocea, verschiedenen Gelblingen. So habe ich das erwartet  :P. Die Pflanzenarten, die Du oben angeführt hast dmks, sind für Wildbienen und Schmetterlinge kaum nutzbar. Das klingt mir im besten Falle noch nach Honigbienenförderung also auch Produktion von Nahrungsmitteln. Weder spezialisierte Wildbienen noch Raupen von Schmetterlingen können damit etwas anfangen, schon gleich gar nicht, wenn das alles nur über ein paar Sommermonate stehen bleibt. Tut mir leid, vergleicht einmal hier, floraweb, wildbienen.info, wildbienen.de. Zu anderen Insekten kann ich nicht so viel sagen, aber alles bildet eh ein System, deshalb dürfte das auch auf diese zutreffen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 31. Oktober 2019, 08:53:21
Ich halte das Halbwissen, das im Bereich Insektenschutz grassiert für gefährlich. Wir säen etwas was blüht, damit haben wir unser Gewissen beruhigt, die rosarote Welt ist in Ordnung. Nur hat das den Insekten nicht wirklich genutzt, die notwendigen Lebensbedingungen für Tagfalter und erst recht für Wildbienen sind sehr kompliziert, unheimlich verzahnt und von so vielen Faktoren beeinflusst, dass da mit ein paar blühenden Ringelblumen definitiv nichts erreicht ist. Da nützt nur wirklicher Wissenserwerb, tiefer eintauchen in die Zusammenhänge.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 31. Oktober 2019, 09:04:53
...

@Gartenplaner: auf was ich hinaus will? Da steht nicht viel verwertbares in der Studie und die Medien machen wieder einen Hype draus. Die Methodik ist leider schlecht. An einem einzigen Tag in 3 Jahren untersuchen und daraus Rückschlüsse ziehen ist extrem dürftig. ...

"...Arthropods were sampled annually in a consistent and standardized way from all 150 grassland sites from 2008 to 2017 and from 30 forest sites from 2008 to 2016. On the other 110 forest sites, arthropods were sampled by the same method and with the same sampling effort in 2008, 2011 and 2014. In grasslands, all arthropods of the herb layer were sampled twice per year in June and August to represent different phenological windows within the peak season of adult arthropod activity. On the basis of monthly samplings at the beginning of the study, we identified these two months as representing the best trade-off between reducing sampling effort and covering most species. ..."

Ich lese da, dass zweimal im Jahr über 8 bzw. 9 Jahre gesammelt wurde, nur in 110 weiteren Waldflächen wurde nur 2008, 2011 und 2014 zweimal in den Jahren gesammelt - neben den 30 Waldflächen, in denen über 8 Jahre zweimal im Jahr gesammelt wurde.

Von "einem einzigen Tag in 3 Jahren" kann ich da nix sehen.
Auch diesen Einwurf von dir habe ich nicht wiedergefunden:
...
neue Daten aus 3 (alten?) zusammengefasst? ...
Aber da gehst du auch nicht mehr darauf ein, wie es scheint.

...Ich will die Ergebnisse nicht anzweifeln, ...

Ich verstehe nicht, was deine Motivation ist, aber mein Eindruck ist, dass du genau das ganz gezielt tust - durch solche Statements, die etwas nebulös und für die Meisten schwer nachzuprüfen sind, die ganze Studie erstmal pauschal diskreditieren und insgesamt das Ergebnis anzweifeln, wegdiskutieren.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 31. Oktober 2019, 09:14:00
@Neo: Wie meist ist es "uneinheitlich".

Grundsätzlich: Gerade hat ein hessischer Vertreter des Bundesverbandes Beruflicher Naturschutz beklagt, dass es in Bezug auf die Bereitstellung gebietseigenen Saat- und Pflanzguts "in vielen Bundesländern nur wenige und oft gar keine Vorbereitungen gibt.", Folglich im kommenden Jahr der Bedarf nicht gedeckt werden kann.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Blühflächen oder -streifen in der Landschaft anzulegen, eben auch mit verschiedenen Zielsetzungen.

Ein Landwirt darf seit einiger Zeit auf seinen Fächen einen in Bezug auf die Hauptkultur untergeordneten Anteil im Sinne der Biodiversität frei gestalten. Als Brachfläche oder mit besonderer Aussaat ohne weitere Vorgaben. Er muss die Fläche im Förderantrag auch nicht ausweisen. Damit ist das eine bürokratisch unaufwendige Möglichkeit, auf die Wünsche lokaler Gruppen einzugehen, Vogelschützer, Imker, Jagdausübungsberechtigte etc.
Der Bauernverband hat in den letzten Jahren immer wieder mal Saatgut zur Verfügung gestellt, hatte dabei auch verschiedene Mischungen, die mit Regiosaatgut war halt teurer.

Wenn er eine zum Greening angemeldete Ökologische Vorrangfläche zusätzlich ansäen will, gibt es bereits Vorgaben zur Saatmischung.

Entsteht die Blühfläche durch Teilnahme an einem Förderprogramm, dürfen nur die vom Ministerium vorgeschriebenen Saatmischungen verwendet werden, in denen auch der Anteil an Saatgut aus regionaler Herkunft vorgeschrieben ist.
Solche Blühflächen können auch über Winter stehen bleiben. Es wird empfohlen, sie angelehnt an sonstige Strukturen anzulegen um den Effekt zu steigern. Dass solche temporär angelegten Flächen alleine kein Dauerlebensraum für spezialisierte Insekten sind sondern bestenfalls eine Ergänzung ist bekannt und akzeptiert. Alles auf einer Fläche geht halt auch hier nicht.
Ebenfalls uneinheitlich siehts aus bei der Beratung der Landwirte. Es gibt Regionen, in denen sich jemand darum kümmert, wo solche Flächen angelegt werden sollten und solche, wo das ein reines Antragsverfahren ist, d. h. die Verteilung erfolgt ausschließlich nach den Kriterien des Landwirts (weit weg, schief, klein, da wo Leute spazieren gehen).

Ackerschonstreifen (Anbau der Hauptfrucht ohne N-Düngung und ohne Unkrautbekämpfung) sind hier wenig beliebt. Es werden halt nicht nur die hübschen kleinen, bunt blühenden Ackerkräutlein gefördert sonder auch (und vor allem) all das, was bei der Folgekultur Probleme bereitet. Deshalb lieber eine angesäte Fläche, die nach einer gewissen Zeit wieder untergemacht wird.
 
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: neo am 31. Oktober 2019, 09:38:39
Entsteht die Blühfläche durch Teilnahme an einem Förderprogramm, dürfen nur die vom Ministerium vorgeschriebenen Saatmischungen verwendet werden, in denen auch der Anteil an Saatgut aus regionaler Herkunft vorgeschrieben ist.
Solche Blühflächen können auch über Winter stehen bleiben. Es wird empfohlen, sie angelehnt an sonstige Strukturen anzulegen um den Effekt zu steigern. Dass solche temporär angelegten Flächen alleine kein Dauerlebensraum für spezialisierte Insekten sind sondern bestenfalls eine Ergänzung ist bekannt und akzeptiert. Alles auf einer Fläche geht halt auch hier nicht.
Gefällt mir. ;)
Herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort!
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: metalorange am 31. Oktober 2019, 10:09:03

Die Bemerkung zu den Saatgutmischungen für Blühflächen die aus überwiegend exotischen Arten bestehen, deutet auf einen veralteten Kenntnisstand hin.

Das wird regional unterschiedlich sein. Bei uns ist es aber so, das diese Flächen überwiegend aus exotischen Arten bestehen. Einige davon breiten sich auch in nahe gelegene Naturschutzgebiete aus in denen sie nichts zu suchen haben.
Den einzigen naturnahen Blühstreifen sehe ich hier bei einem Öko-Landwirt.
Nur weil man zwischen den ganzen Exoten auch ein paar einheimische Pflanzen findet ist so ein Blühstreifen bei weitem nicht so gut als wenn man ausschließlich auf einheimische Arten setzt.
Wenn dann der Streifen samt Entwicklungsstadien der Insekten auch noch jeden Herbst untergepflügt wird, führt das den sogenannten Insektenschutzstreifen ad absurdum. Aber das schrieben ja andere bereits.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 31. Oktober 2019, 10:18:05
Bei uns ist es aber so, das diese Flächen überwiegend aus exotischen Arten bestehen. Einige davon breiten sich auch in nahe gelegene Naturschutzgebiete aus in denen sie nichts zu suchen haben.
Welche sind das?

Bei uns war vor Jahren mal die Mariendistel mit drin, die sich ausgebreitet hat. Das wurde ganz schnell geändert.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lonicera 66 am 31. Oktober 2019, 10:27:00
Zitat
Wenn dann der Streifen samt Entwicklungsstadien der Insekten auch noch jeden Herbst untergepflügt wird, führt das den sogenannten Insektenschutzstreifen ad absurdum.

Ich bin jetzt mal ganz ironisch:

Die Förderung ist ja geflossen, das abgebühte Zeuch versamt sich auf die angrenzenden Felder, was nicht erwünscht ist, also unterpflügen...

Die Dummheit kennt keine Grenzen.  ::)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: metalorange am 31. Oktober 2019, 10:39:25
Bei uns ist es aber so, das diese Flächen überwiegend aus exotischen Arten bestehen. Einige davon breiten sich auch in nahe gelegene Naturschutzgebiete aus in denen sie nichts zu suchen haben.
Welche sind das?

Bei uns war vor Jahren mal die Mariendistel mit drin, die sich ausgebreitet hat. Das wurde ganz schnell geändert.

Ich finde dort jede Menge Phacelien. Aber auch eine große Malvenart die der heimischen M. sylvestris ähnelt und Orangerotes Habichtskraut. Zumindet die beiden Erstgenannte stehen auch in den Blühstreifen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 31. Oktober 2019, 10:39:50
Ein Landwirt darf seit einiger Zeit auf seinen Fächen einen in Bezug auf die Hauptkultur untergeordneten Anteil im Sinne der Biodiversität frei gestalten...

Warum sollte er das tun?


Entsteht die Blühfläche durch Teilnahme an einem Förderprogramm, dürfen nur die vom Ministerium vorgeschriebenen Saatmischungen verwendet werden, in denen auch der Anteil an Saatgut aus regionaler Herkunft vorgeschrieben ist...

Kann er mit so einer Blühfläche so viel erwirtschaften wie mit einem Kulteranbau oder besser mehr? Wird die Fläche in dieser Höhe gefördert? Nur dann dürfte doch dieses Thema für den Landwirt überhaupt erst interessant sein, oder?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 31. Oktober 2019, 10:41:29
Zitat
Wenn dann der Streifen samt Entwicklungsstadien der Insekten auch noch jeden Herbst untergepflügt wird, führt das den sogenannten Insektenschutzstreifen ad absurdum.

Ich bin jetzt mal ganz ironisch:

Die Förderung ist ja geflossen, das abgebühte Zeuch versamt sich auf die angrenzenden Felder, was nicht erwünscht ist, also unterpflügen...

Die Dummheit kennt keine Grenzen.  ::)

Das ist nicht Dummheit, das ist Marktwirtschaft  ;).
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Katrin am 31. Oktober 2019, 11:27:53
Ich befinde mich mit meinen bekannten Haltungen zum Thema als neuerdings Landwirtin durchwegs zwischen den Fronten. Was mir hier in Österreich dabei am meisten auffällt, ist das mangelnde Wissen auf sämtlichen Seiten der Diskussion und die geringe Bereitschaft vermittelnder Organisationen und Einrichtungen, diesen Job auch wirklich in diesem Sinne - vermittelnd - auszuüben. Dazu kommen Fundis auf beiden Seiten und eine breite Masse an Unbeteiligten, die, darauf angesprochen, etwas von "einer alleine richtet nichts aus", "... aber diese Bauern" und " (Schimpfwort einsetzen) - EU" entgegnen.

Zum Thema Blühstreifen konkret: Diese wurden dieses Jahr in Oberösterreich zusammen mit Imkereizentrum, landwirtschaftlichen Dienstleistern und Grundstücksbesitzern erstmals in großem Rahmen umgesetzt und gelten als Greening-Maßnahme (je nach Betriebsgröße sind solche "ausgleichenden" Flächen vorgeschrieben und werden dann auch entgolten). Diese Streifen waren 3m breit und wurden entlang von Feldern angelegt, wobei sie in Kreuzungsbereichen von Straßen oder als vorgeschriebener Abstand zu Gewässern besonders häufig angewendet wurden (zwei Fliegen mit einer Klappe).

Teilnehmenden Landwirte hatten durchwegs den Eindruck, einen positiven Beitrag zur Umwelt zu leisten. Nicht wenige besuchten die Blühstreifen regelmäßig und nahmen aus den zahlreichen beobachteten Honigbienen einen durchwegs guten Eindruck mit nach Hause, viele haben vor, diese Streifen nun auch noch auszuweiten und entlang von Hofzufahrten usw. anzusäen.

Nun die ABERS:
- kaum jemand hat begriffen, dass diese Flächen zum überwiegenden Großteil nur für Honigbienen nutzbar sind (was natürlich am Imkereizentrum liegt und an der honigbienenlastigen Berichterstattung generell)
- viele Imker sind verärgert, dass keine eindeutige Unterscheidung zwischen diesen Blühstreifen und der Winterbegrünung getroffen wird. Begeisterte Landwirte mischen nämlich Blumensaatgut in das Saatgut, das im Sommer als Folgekultur gesät wird. Dieses blüht dann im Spätsommer und Herbst - bei lange ausbleibendem Frost bis in den Dezember - und führt dazu, dass Honigbienen soviel Trachtangebot finden, dass sie ihre Bruttätigkeit nicht zurückfahren. Solche Völker brauchen im Sommer weniger und im Winter mehr Futter und ermöglichen mehr Varroamilben ein Überleben, weshalb die Fütterung und Behandlung in landwirtschaftlich intensiven Gebieten komplizierter bzw. vorab kaum abschätzbar wird
- die Bevölkerung empfindet die Blühstreifen als superschön, nimmt daraus aber keine Handlungsanleitung für daheim mit. Hier kaufen Leute Bio, schimpfen über die Landwirtschaft und haben den Rasenmäherroboter auf dem Zweitgrundstück laufen, obwohl sie es nicht nutzen. Das ist nicht mal Absicht, es fehlt schlicht die Fähigkeit, den Zusammenhang zu erkennen.

Und ich selber bin unsicher, was nun wirklich helfen würde. Die meisten Grünflächen in meinem Umwelt sind auf fettem, gut mit Nährstoffen versorgten Böden. Dort könnte nur mit größtem Aufwand und unter langer Dauer ein insektenfreundliches Habitat geschaffen werden. Felder fallen da sowieso flach. Alle Böden, wo das schon ginge, sind mittlerweile bewaldet. Das Waldgesetz sieht keine Rodung ohne folgender Aufforstung vor, diese Flächen sind also verloren. Um Insekten passende Lebensräume in großem Stil zu bieten, selbst dann, wenn politisch plötzlich viel Geld locker gemacht würde, gibt es also gar keine Möglichkeit!

Für mich liegt die einzige Chance in der Rettung bislang erhaltener (Mager-) Wiesen, die das Potential zu artenreichen Wiesen noch haben. Diese müssten stärker in den Fokus rücken, ein- und zweimahdige Wiesen müssten finanziell attraktiv werden, das draus gewonnene Heu müssten Tiere bekommen, deren Milchprodukte und Fleisch teurer sein und das auch abgenommen werden müsste. Aktuell schaut es aber nicht danach aus.

Artenreiche Wiesen überleben also nur bei denen, die entweder aus Überzeugung die Bewirtschaftung nicht intensivieren, jene, die mehrere Flächen zur Auswahl haben, Nebenerwerbslandwirte oder Biobetriebe, die eine Nische gefunden haben und mageres, eiweißarmes Heu brauchen können. Interessanterweise tragen so Pferdebesitzer am meisten zur Artenvielfalt in Wiesen bei: Sie sind die einzigen Abnehmer von borstigem, überstandigem, im Juli erst gemähtem Blumenwiesenheu.

Alle anderen mähen vier- oder fünfmal, von Wiesen ist dann keine Spur mehr.

Für mich ergeben sich also folgende Handlungsansätze (teilweise mit Augenzwinkern):
- Flächen freikaufen und von Landschaftspflegevereinen einmal im Jahr mähen lassen (diese Vereine entlohnen!)
- Pferde halten oder Reiten gehen
- Fleisch von heimischen Schafen und Ziegen essen
- auf Rind, Schwein, Huhn, Pute verzichten (brauchen Futtermittel aus intensiver Landwirtschaft)
- auf Milchprodukte großteils verzichten (auch hier: Schaf und Ziege ist besser)
- ausschließlich biologische Lebensmittel kaufen und/oder selber anbauen (erhöht gleichzeitig die Nachfrage nach diesen Produkten --> Landwirtschaften in diesem Bereich wirtschaften zwar ebenso intensiv, aber sie haben mehr Ausgleichsauflagen)
- Lebensmittel effektiv nutzen, keinen Abfall produzieren
- eigene Flächen ohne Rasen und mit vielen verschiedenen Pflanzen gestalten, heimische mit reinnehmen, vor allem Gehölze

Und ja, das können viele gar nicht schaffen. Das schaffe nicht mal ich, obwohl ich alle Möglichkeiten dazu hätte.

Warum ich das schreibe? Weils kindisch ist, sich auf einzelne Aspekten des Themas zu versteifen. Alle sollten was tun. Und wer nicht auf seine Jausenwurst verzichten will: Warum sollte jemand aus der Landwirtschaft das mit einem Teil seines Einkommens tun?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 31. Oktober 2019, 11:28:06
Ich bin jetzt mal ganz ironisch:
Ich ordne das ein unter "Dummes Geschwätz"...

Phacelia ist bei uns zulässig in einjährigen Blühflächen, die ausschließlich angelegt werden zur Förderung blütenbesuchender Insekten in den Sommermonaten.
Da sie ebenfalls gerne großflächig und in Reinbeständen als Zwischenfrucht angebaut wird, gab es wenig Widerstand dagegen, sie auch in solchen Beständen zuzulassen. Vielleicht hat da auch ihr deutscher Name "Bienenfreund" mitgeholfen.
In den Mehrjährigen Mischungen ist neben der Wilden Malve auch die Moschusmalve zugelassen, die seit mehreren hundert Jahren als eingebürgert gilt.

"Freiwillig" legen Landwirte Blühflächen oder sonstige Biodiversitätsflächen z. B. dann an, wenn sie von jemandem darum gebeten werden. Sei es zum Offenhalten einer Schussschneise, als Futterfläche für die Völker des örtlichen Imker- oder Verschönerungsvereins oder als sogenanntes Lerchenfenster. Freiwilllig ist auch oft die Einsaat von Flächen für die bereits das Brachliegenlassen rechtlich ausreichend wäre. Jagdgenossenschaften oder auch der Bauernverband stellen für solche Flächen Saatgut bereit.

Die Anlage von Blühflächen im Rahmen eines Förderverfahrens wird in der Regel mit einem festen jährlichen Satz vergütet. Bei dessen Bemessung ist der Aufwand für die Anlage der Fläche sowie eine Entschädigung für den entgangenen Ertrag berücksichtig.
Das führt dazu, dass, wie oben schon mal erwähnt, die Landwirte einen bestimmten Typ von Flächen zur Förderung anmelden.

In meiner nächsten Wohnumgebung haben wir in Hinblick auf die Ertragsfähigkeit sehr hochwertige Ackerböden. Die mögliche Vergütung einer Standardblühfläche deckt den Ertragsverlust nicht. Dort werden Blühflächen aufgrund einer Sonderberechnung auch höher vergütet, an definierter Stelle und mit genauen Vorgaben zur Artenauswahl und zur Standzeit.

Blühflächen gehören zu den Maßnahmen im Naturschutz die auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche stattfinden. Ihr potentieller Nutzen ist dadurch natürlich eingeschränkt. Es geht um die Schaffung von Strukturen in der ansonsten freien Landschaft. Derzeit stehen die Silberreiher drin und die wandernden Kornweihen und Rotmilane scheinen auch dran interessiert.
Ursache dafür, dass die Blühflächen derart im Vordergrund stehen war doch diese Insektenstudie, die sich nur mit Menge beschäftigte, ohne weiter Differenzierung. Da die Öffentlichkeit drauf angesprungen ist, machen wir jetzt, öffentlichkeitswirksam, Maßnahmen für Mengen an gut sichtbaren Insekten.

Ich gebe Chica uneingeschränkt Recht, dass umfassender Insektenschutz eine ganz andere Nummer ist.

Für mich liegt die einzige Chance in der Rettung bislang erhaltener (Mager-) Wiesen, die das Potential zu artenreichen Wiesen noch haben.
Katrin, hast ja auch recht, und dann kommt da diese neue Studie aus München, die keinen Zusammenhang zwischen Nutzungsintensiät und Insektenrückgang findet





Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Katrin am 31. Oktober 2019, 11:38:11
Ich bin, ohen das jemals beweisen zu können, sehr sicher, dass die Weichen für den Insektenrückgang einerseits mit dem massiven Rückgang von blütenreichen Wiesen und gehölzartenreichen Feld-, Wiesen- und Wegrändern in den 50er- und 60er-Jahren und anderseits mit der verstärkten Herstellung von Silage (früheres und häufigeres Mähen) in den 80er-Jahren gestellt wurden.

Jetzt sind natürlich fast alle Flächen gleich mies besiedelt, was denn auch sonst.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 31. Oktober 2019, 11:49:44
Dachte ich auch, bis gestern.

Die Studie dokumentiert aber einen Rückgang in den letzten zehn Jahren auch auf extensiv genutzten Flächen, also zusätzlich zu dem Effekt, den du beschreibst.

Was bedeuten könnte, dass da etwas mitspielt was wir bisher nicht oder nicht ausrreichend beachtet haben.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Wild Obst am 31. Oktober 2019, 15:44:27
Eigentlich wollte ich mich hier aus der Diskussion heraushalten.
Aber ich denke ein wichtiger Punkt ist sicherlich auch, dass Populationen nicht unbedingt sofort, wenn die Umweltbedigungen allmählich schlechter werden verschwinden, sondern sich sicherlich noch einige Zeit halten können. Wenn allerdings dann einmal ein Zufallsereignis (Waldbrand, zu kaltes, zu feuchtes, zu heißes Jahr, Nutzungsänderung,...) die Individuenzahl deutlich reduziert, dann kann es sein, dass die gesamte Population schlagartig zusammenbricht. Um so mehr noch, wenn sie relativ isoliert ist und aus der Umgebung schlecht durch Zuwanderung verstärkt oder wiederbelebt kann. Ich kann mir also durchaus vorstellen, dass Veränderungen vor 10, 20 oder 30 Jahren erst in den letzten Jahren zu einem dramatischen Rückgang hätten führen können.

Das Grünland umgeben von Ackerflächen besonders betroffen ist, würde zu meiner Hypothese passen, dass einzelne Populationen lange keine Probleme haben um dann durch Zufallseregnisse ausgelöscht zu werden und dann durch die isolierte Lage nicht mehr wieder besiedelt zu werden.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 31. Oktober 2019, 19:30:14
Für mich liegt die einzige Chance in der Rettung bislang erhaltener (Mager-) Wiesen, die das Potential zu artenreichen Wiesen noch haben. Diese müssten stärker in den Fokus rücken, ein- und zweimahdige Wiesen müssten finanziell attraktiv werden, das draus gewonnene Heu müssten Tiere bekommen, deren Milchprodukte und Fleisch teurer sein und das auch abgenommen werden müsste. Aktuell schaut es aber nicht danach aus.

Das klingt für mich nach der Möglichkeit zu nachhaltigem Insektenschutz, je nach Arten und Mahdrhythmus wäre hier auch eine Reproduktion von Insekten möglich. Der Acker, der an das Ende meines Grundstücks anschließt lag bis vor 10 Jahren durchweg brach. Es gab da nach meiner Erinnerung gar keine Mahd aber irgendwelche EU-Förderung für Stillegungsflächen, ah hier. Ich kann mich an Schmetterlinge ohne Ende erinnern. Danach folgten Mais inklusive mehrfacher Aufbringung von geruchloser, farbloser Chemie auf den Acker und Wildschweine, danach ein Jahr diese riesige Hirse für die Biogasanlage. Im Anschluss jahrelang Luzerne, die immer vor der Blüte zur Silagegewinnung gemäht wurde. Nun blühende Luzerne über ein paar Wochen und alles gepflügt, ich fürchte mich vor dem was jetzt kommt. Bei der Menge und Artenvielfalt an Wildbienen die in meinen Bienenhäusern leben wird hier ganz sicher jede Beeinträchtigung der Ackerflächen durch insektenschädigende Mittel spürbar sein. Ich hatte dem Landwirt Fotos der Tagfalterarten in seinem Luzernefeld mit Erläuterungen und Angebot zur Beratung per Mail geschickt, keine Antwort, vielleicht sollte ich ihn einmal persönlich heimsuchen, mit noch mehr Fotos und meiner Tagfalter-Monitoringliste bewaffnet  ;D.

"Freiwillig" legen Landwirte Blühflächen oder sonstige Biodiversitätsflächen z. B. dann an, wenn sie von jemandem darum gebeten werden. Sei es zum Offenhalten einer Schussschneise, als Futterfläche für die Völker des örtlichen Imker- oder Verschönerungsvereins oder als sogenanntes Lerchenfenster. Freiwilllig ist auch oft die Einsaat von Flächen für die bereits das Brachliegenlassen rechtlich ausreichend wäre. Jagdgenossenschaften oder auch der Bauernverband stellen für solche Flächen Saatgut bereit.

Das kann ich mir nicht vorstellen, das müssten sie sich ja wirtschaftlich auch leisten können.

Die Anlage von Blühflächen im Rahmen eines Förderverfahrens wird in der Regel mit einem festen jährlichen Satz vergütet. Bei dessen Bemessung ist der Aufwand für die Anlage der Fläche sowie eine Entschädigung für den entgangenen Ertrag berücksichtig.
Das führt dazu, dass, wie oben schon mal erwähnt, die Landwirte einen bestimmten Typ von Flächen zur Förderung anmelden.

In meiner nächsten Wohnumgebung haben wir in Hinblick auf die Ertragsfähigkeit sehr hochwertige Ackerböden. Die mögliche Vergütung einer Standardblühfläche deckt den Ertragsverlust nicht. Dort werden Blühflächen aufgrund einer Sonderberechnung auch höher vergütet, an definierter Stelle und mit genauen Vorgaben zur Artenauswahl und zur Standzeit.

Also ergibt die Blühfläche für den Landwirt zumindest plus/minus Null?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 31. Oktober 2019, 19:37:30
Tschuldigung, daß ich meist nur abends hier sein kann...und daher den Blühstreifen nochmals aufwärme!
Muß aber sein, da mir ein paar Dinge aufgestoßen sind, hab ja dies Jahr einen solchen direkt hinterm Gartentor:
1. Der Vorwurf es nütze keinen Wildbienen:
Honigbienen sind darin wenige gewesen....es gibt ja auch nur noch einen Imker im Dorf. Dafür aber waren massenweise Hummeln. Auch das ist eine Wildbiene - und dazu kommt (wo es mehr Honigbienen gibt) daß diese hier angezogen werden, und den spezialisierten Wildverwandten eben nicht den Nektar aus deren Futterquellen. Übrigens finden sich auch Solitärbienen in diesen Streifen.

2. Artenarmut: Auf den ersten Blick sieht man natürlich die bunten Blumen! Auf den zweiten aber in der unteren Etage aber all die Ackerkräuter, die ja immer lauthals gefordert werden! Blühstreifen werden halt  nicht mit Herbiziden behandelt und so kann da alles wachsen das auf dem intensiven Acker eben nicht geht. Da wachsen genauso Futterpflanzen für Insektenlarven. Kamille, Gräser, diverse Doldenblüter,  und eben alles was sich so unter "Unkraut" findet.

3. Dummheit: Bearbeitet wird nunmal im Herbst - wie auf einem Feld vor 100 Jahren auch. Viele der Wildkräuter hätten sonst keine Chance.

4. bin ich mal im Spätsommer dort entlanggegangen. Rechts der Streifen, links die Grundstücke....fast ausnahmslos alle mit großflächig und ordentlich plattgebügeltem Rasen.


Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 31. Oktober 2019, 19:44:46
...
"Freiwillig" legen Landwirte Blühflächen oder sonstige Biodiversitätsflächen z. B. dann an, wenn sie von jemandem darum gebeten werden. Sei es zum Offenhalten einer Schussschneise, als Futterfläche für die Völker des örtlichen Imker- oder Verschönerungsvereins oder als sogenanntes Lerchenfenster. Freiwilllig ist auch oft die Einsaat von Flächen für die bereits das Brachliegenlassen rechtlich ausreichend wäre. Jagdgenossenschaften oder auch der Bauernverband stellen für solche Flächen Saatgut bereit.

Das kann ich mir nicht vorstellen, das müssten sie sich ja wirtschaftlich auch leisten können.

Die örtliche "Vernetzung", früher mal Bekanntschaft oder Nachbarschaft genannt  ;), kann immer noch einiges bewirken.

Zitat
Die Anlage von Blühflächen im Rahmen eines Förderverfahrens wird in der Regel mit einem festen jährlichen Satz vergütet. Bei dessen Bemessung ist der Aufwand für die Anlage der Fläche sowie eine Entschädigung für den entgangenen Ertrag berücksichtig.
Das führt dazu, dass, wie oben schon mal erwähnt, die Landwirte einen bestimmten Typ von Flächen zur Förderung anmelden.

In meiner nächsten Wohnumgebung haben wir in Hinblick auf die Ertragsfähigkeit sehr hochwertige Ackerböden. Die mögliche Vergütung einer Standardblühfläche deckt den Ertragsverlust nicht. Dort werden Blühflächen aufgrund einer Sonderberechnung auch höher vergütet, an definierter Stelle und mit genauen Vorgaben zur Artenauswahl und zur Standzeit.

Also ergibt die Blühfläche für den Landwirt zumindest plus/minus Null?

Mehr oder weniger ist das so. Es wird eben auch einiges an Bestellungs- und Bewirtschaftungsaufwand eingespart.

Zu den Magerwiesen und anderen klassisch artenreichen Lebensräumen: die sind in Summe drastisch geschwunden und es kann sein, dass den vor mehreren Jahrzehnten vollzogenen Einbrüchen der Insektenpopulationen jetzt eine nächste Welle folgt, weil schleichende, weniger größflächige und weniger auffallende Strukturverluste ein kritisches Maß erreicht haben. Letztendlich sind die früher überall vorhandenen Übergangslebensräume zwischen den verschiedenen Nutzungstypen noch stärker geschwunden, zwischen intensiven Nutzflächen und monoton verdichteten Waldflächen zerrieben worden. Gerade in diesen Übergängen, die sehr wechselnde Nutzungseinflüsse und damit eine hohe Dynamik besaßen, spielte sich ein großer Teil der heimischen Artenvielfalt ab.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: APO1 am 31. Oktober 2019, 19:55:34
Ich habe leider nicht alles gelesen und denke dieser Beitrag ist sehr informativ.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/bioschutz-statt-ackergift-neonikotinoide-unter-verdacht-100.html
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Rieke am 31. Oktober 2019, 19:58:45
Ein Beispiel, was zumindest bei Ökowinzern an Naturschutzmaßnahmen möglich ist: Delinat.

Bei konventioneller Landwirtschaft kann die moderne Technik mit GPS ermöglichen, kleine Teilflächen mit ungünstigen Bedingungen (Vernässung etc.) bei der Bearbeitung auszulassen. Ich habe darüber mal vor ein paar Jahren einen Vortrag bei einer Naturschutztagung gehört. Das rechne sich durchaus, weil auf diesen Flächen der Ertrag sowieso nicht gut sei. Leider erinnere ich mich nicht mehr an den Namen des Vortragenden.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: partisanengärtner am 31. Oktober 2019, 19:59:16
Zumindest in Mittelitalien gab es vor ein paar Jahrzehnten noch Brachen im Anbauzyklus, vermutlich ist das gebietsweise noch der Fall. Wann ist denn die Dreifelderwirtschaft hier völlig verschwunden?
Der ausgeruhte Boden ist mir immer noch ein Begriff.

Das Netz kleiner Ackergröße und Feldraine sind seit der Flurbereinigung auch zu großflächigen artenarmen Monokulturwüsten degeneriert. So was ist ja im Normalfall so stark weggepflügt und durch Herbizide bereinigt, dass da kaum ein Refugium für die vielen Kulturfolger die mit dem Ackerbau hierher kamen übrig geblieben ist.

Wenn dann noch Wälder großflächig mit Insektiziden gegen die Nonne oder welchen Schädling auch immer noch immer behandelt werden, muss man sich wirklich nicht wundern.

Die Blühstreifen hier in Franken die ich heuer regelmäßig untersuchte haben kaum die normalen Ackerunkräuter als Unterwuchs. In der Regel unter 5 Arten neben dem auffälligen fremden Zeugs. Da hat sich wenig getan.
Ackerstiefmütterchen regelmäßig, Mohnarten und dann ein paar Mal Ackerhellerkraut in wenigen Exemplaren habe ich diesen Sommer bei meinen wochenlangen Wanderungen regelmäßig gesehen.
In den Auen fern der Straßen war da deutlich reicheres Leben. Da gibt es auch noch ein paar richtig bunte Wiesen mit relativ vielen Insekten. Auch Äcker mit den vergessenen Unkräutern gibt es dort, kaum Blühstreifen.
Allenfalls mal einen Wildacker mit der Blühstreifenvegetation. Auch das eher die besser erschlossenen Gebiete.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 31. Oktober 2019, 20:07:25
Ein Beispiel, was zumindest bei Ökowinzern an Naturschutzmaßnahmen möglich ist: Delinat.

Bei konventioneller Landwirtschaft kann die moderne Technik mit GPS ermöglichen, kleine Teilflächen mit ungünstigen Bedingungen (Vernässung etc.) bei der Bearbeitung auszulassen. Ich habe darüber mal vor ein paar Jahren einen Vortrag bei einer Naturschutztagung gehört. Das rechne sich durchaus, weil auf diesen Flächen der Ertrag sowieso nicht gut sei. Leider erinnere ich mich nicht mehr an den Namen des Vortragenden.

Die ersten Ideen dazu gab es in den 1980er Jahren. Später sind am ZALF Müncheberg, sicher auch anderswo, dazu systematische Konzepte entworfen worden, die z. B. unter dem Begriff "Schlaginterne Segregation" zu finden sein müssten. (Gert Berger, Holger Pfeffer, Jörg Hoffmann und andere)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 31. Oktober 2019, 20:18:37
Die Blühstreifen hier in Franken die ich heuer regelmäßig untersuchte haben kaum die normalen Ackerunkräuter als Unterwuchs. In der Regel unter 5 Arten neben dem auffälligen fremden Zeugs. Da hat sich wenig getan.
Ackerstiefmütterchen regelmäßig, Mohnarten und dann ein paar Mal Ackerhellerkraut in wenigen Exemplaren habe ich diesen Sommer bei meinen wochenlangen Wanderungen regelmäßig gesehen.

Wenn es gut gemacht ist - dann sind dort wo diese Blühstreifen angelegt werden in den nächsten Jahren weiterhin Abstandflächen. Also Bearbeitung ja, Pflanzenschutzmittel nein.

Blühstreifen im ersten Jahr:
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 31. Oktober 2019, 20:22:15
"liegengelassene" Randfläche, wo vor drei Jahren mal ein Blühstreifen war:
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 31. Oktober 2019, 21:26:44
"Insektenschutzversuch"
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 31. Oktober 2019, 21:28:25
...vor einer Kirche.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: michaelbasso am 01. November 2019, 08:56:59
das wesentliche Problem ist wohl der "Ordnungssinn" vieler Menschen und eben auch Bauern. Weil man es kann und es auch "ordentlich" aussehen soll.
Müssten wir mit Sichel, Sense und Hacke der "Unordnung" zu Leibe rücken, sähe die Landschaft anders aus.
Letztlich ist es auch die Raumordnung, die die vielen Übergangsbiotope (halboffene Landschaften, Waldweide, etc.) zugunsten von "reinem" Wald, Wiese und Acker umstrukturiert hat.
Da spielt teilweise auch der Naturschutz mit. Wald soll nur als Dauerwald gedeihen und eine andere Nutzung, als die Holznutzung ist ausgeschlossen. Mittelwälder, Niederwälder (die heute sogar wieder ein Nutzungspotential hätten) sind nicht durchzusetzen. Auf Weiden darf nur bis X % eine Bestockung bestehen, sonst ist es keine Weide mehr etc. . Das hat alles seine Begründung und ist historisch zu begründen, aber in der heutigen Allgemeingültigkeit (weil einfach alles machbar ist) wird es wieder zum Problem.
Untergepflügte Blühstreifen und 2qm Margeriten auf Golfrasen retten kein Insekt.
So, das war meine Morgenpolemik :)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 01. November 2019, 09:07:29
Das ist sehr oft so, wie Du schreibst. Dabei sind die gesetzlichen Schranken gar nicht so hoch und fest. Für Artenschutz- und Biotoppflegemaßnahmen sind in vielen Landes-Waldgesetzen sowohl beim Kahlschlagverbot als auch bei der Waldweide und anderen Regelungen generelle Ausnahmen vorgesehen. Es muss aber offenbar erst ein Verständnis wachsen, dass offene und halboffene Strukturen in Wäldern keine Kuriositäten sind, die man ausnahmsweise dulden kann, sondern dass sie in minderen, aber regelmäßigen Anteilen in die Waldlandschaft gehören, wenn deren Artenreichtum erhalten bleiben oder wieder entstehen soll.

Das Verständnis wächst, wenn auch langsam. Die praktische Umsetzung geht leider noch langsamer voran.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 01. November 2019, 09:32:45
Wenn die Abschaffung des Ordnungssinns morgen früh vollbracht wäre, die Landschaft perfekt strukturiert, viele Ecken mager und andernorts auch überall Blüten und Lebensräume, dann wäre die Insektenwelt immernoch nicht wie vor hundert Jahren. 
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: oile am 01. November 2019, 09:34:09
Was willst Du damit sagen?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: thuja thujon am 01. November 2019, 09:50:15
Das die `Landschaft´ nicht das wesentliche Problem ist.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 01. November 2019, 10:04:20
Da sagen Generationen von Ökologen allerdings etwas anderes.

Natürlich wird die Insektenwelt nie wieder die von vor hundert Jahren sein. Das soll und muss sie auch nicht.

Dass aber ein erforderlicher und wünschenswerter Artenreichtum der Insekten von Vielfalt und Dynamik in den Landschaftsstrukturen und von Vielfalt an Arten in der übrigen Tier- und Pflanzenwelt abhängt, das ist nicht zu bestreiten.

Deine beiden letzten Antworten bleiben für mich "kryptisch" oder besser: schleierhaft.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 01. November 2019, 10:15:00
"Müssten wir mit Sichel, Sense und Hacke der "Unordnung" zu Leibe rücken, sähe die Landschaft anders aus"

Nicht unbedingt: Vieles würde nicht "in Ordnung" gebracht und sich zum üblichen Buschland entwickeln,
da wo es notwendig erscheint dass Flächen freigehalten werden, würde es beizeiten erfolgen: Wehret den Anfängen!

Ich habe da auch so meine Projekte die ich sauber halten muss, d. h. ungezügelte Entwicklung von Brombeere, Zitterpappel und Schlehe in der Landschaft oder auch das ewige Unkrautproblem im Nutzgartenwill ich nicht der Natur überlassen.
Da ich das mechanisch mache, also ohne Motorkraft (bis auf die Kettensäge und Rasenmäher), stehe ich alljährlich vor dem Dilemma: Gehts noch, kann man noch was abblühen lassen oder lieber früh wegmachen, bevor es mir zu anstrengend wird bzw.Tausende von Samen ausgestreut sind die mich die nächsten Jahre beschäftigen werden. Ordnung halten hat durchaus sachliche Gründe.
Das ist wie bei den Bäumen die man ab einer gewissen Größe umlegt, eben solange man das noch selbst bewältigen kann, bevor für teuer Geld die Fachfirma kommen muss.

Gerade bei der Pflege von Brachflächen, Hecken- und Wegrändern gibt es heute Technik die es erlaubt auch spätere Stadien der Pflanzenentwicklung wieder wegzukriegen. Man könnte also eine mehrjährige Sukzession zulassen, Seitenränder zu jedem erwünschten Termin mähen und Hecken ordentlich auf den Stock setzen.
Das sind dann aber deutliche "Eingriffe" die jedesmal zu Diskussionen führen. Regelmäßig und zeitig bearbeiten, so dass nichts entsteht dessen Entfernung Spaziergänger und Behörden auf den Plan ruft, ist eine verbreitete Empfehlung.











Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 01. November 2019, 10:27:29

2. Artenarmut: Auf den ersten Blick sieht man natürlich die bunten Blumen! Auf den zweiten aber in der unteren Etage aber all die Ackerkräuter, die ja immer lauthals gefordert werden! Blühstreifen werden halt  nicht mit Herbiziden behandelt und so kann da alles wachsen das auf dem intensiven Acker eben nicht geht. Da wachsen genauso Futterpflanzen für Insektenlarven. Kamille, Gräser, diverse Doldenblüter,  und eben alles was sich so unter "Unkraut" findet.

3. Dummheit: Bearbeitet wird nunmal im Herbst - wie auf einem Feld vor 100 Jahren auch. Viele der Wildkräuter hätten sonst keine Chance.

4. bin ich mal im Spätsommer dort entlanggegangen. Rechts der Streifen, links die Grundstücke....fast ausnahmslos alle mit großflächig und ordentlich plattgebügeltem Rasen.

Umso länger ich mich mit dem Lebenszyklus von Insekten, speziell von Schmetterlingen und Wildbienen, beschäftige umso klarer wird mir, dass die kritische Phase zum Fortbestand einer Art eindeutig der Winter ist. Eine umgepflügte Blühfläche im Herbst erübrigt da alle weiteren Überlegungen  :( .

An den plattgebügelten Rasenflächen arbeiten wir straff, dagegen hilft nur Aufklärung!
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Rieke am 01. November 2019, 10:41:58
Es greift zu kurz, wenn man nur die Landwirtschaft für den heftigen Insektenschwund verantwortlich macht. Sicherlich ist die heutige Art der Landwirtschaft mit ihren teilweise riesigen, extrem artenarmen Flächen ein wichtiger Faktor.

Aus meiner Sicht ist die Verinselung von Populationen durch Verkehrswege, große Maisäcker, Bebauung, Mauern, Verbauung von Gewässern usw. ähnlich problematisch. Für kleine Krabbeltiere ist schon ein Feldweg ein kaum zu überwindendes Hindernis. Ich kann mir nicht vorstellen, daß öfters irgendein Insekt oder ein anderes Kleintier lebend den Berliner Ring übrqueren kann. Durch diese Verinselung entstehen kleine Populationen. Diesen Populationen fehlt der genetische Austausch (Inzucht). Bei Ereignisssen wie z.B.  Verlust der Nahrungspflanzen können sie nicht ausweichen. Wenn solch eine verinselte Population ausstirbt, ist eine Wiederbesiedlung des Lebensraums aus der Nachbarschaft unwahrscheinlich.

Lebensraumverlust ist nicht nur auf dem Land ein Thema. Mittlerweile sind ja Großstädte wie Berlin Hotspots der Biodiversität. Hier läuft nur die Aktion "Letzte Baulücke" und die artenreichen Brachflächen verschwinden unter teuren Eigentumswohnungen mit Abstandsgrün zwischen den Häusern. Dazu noch der Lichtsmog, der nicht nur Insekten beeinträchtigt, sondern auch Zugvögel.

@Chica: Der klassische Rasenmäher dürfte einiges an Insekten und Spinnen meucheln. Ich tröste mich damit, daß auf einem artenarmen Rasen wahrscheinlich nicht mehr viel lebt. Unser Rasenmäher ist in diesem Jahr weitgehend im Schuppen geblieben.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 01. November 2019, 10:45:48
"die kritische Phase zum Fortbestand einer Art eindeutig der Winter ist."
Krautige Blühflächen auf Acker kommen, wie schon oft erwähnt, dabei ganz schnell an ihre Grenzen.

Die Grundsätze der Agrarförderung fordern (unter anderem), dass beantragte Flächen in einem "guten landwirtschaftlichen Zustand" zu halten sind. Für Acker bedeutet das, dass mindestens einmal in jedem Jahr eine Bewirtschaftung oder ein Pflegedurchgang erfolgen muss. Brachflächen und Blühstreifen werden deshalb jährlich einmal gemulcht, bevorzugt im Herbst.
Das findet bei den Landwirten, aber mehr noch bei den Eigentümern, uneingeschränkt Beifall, da die sehr genau wissen was passieren kann, wenn eine Fläche mehrere Jahre sich selbst überlassen bleibt.
Die Ausnahme bilden hier wieder die mehrjährigen Blühflächen bei den Agrarumweltmaßnahmen: Die dürfen nach der Ansaat tatsächlich 5 Jahre lang in Ruhe gelassen werden ohne ihrre Beihilfeberechtigung oder den Ackerstatus zu verlieren.
Alles andere, längerfristige, muss auf Flächen erfolgen die nicht der Ackerfruchtfolge unterliegen.

Das Erscheinungsbild von Blühflächen im Winter ist gewähnungsbedürftig, aber nicht ohne Reiz:






Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: michaelbasso am 01. November 2019, 10:55:09
Das die `Landschaft´ nicht das wesentliche Problem ist.
Was ist denn das Problem, aus Deiner Sicht?
(Das ist ernsthaftes Interesse. Ich fand gerade beim 2ten Lesen, das mein Beitrag auch anders deutbar ist :) Soll aber so nicht gemeint sein... )
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: michaelbasso am 01. November 2019, 11:08:03
"Müssten wir mit Sichel, Sense und Hacke der "Unordnung" zu Leibe rücken, sähe die Landschaft anders aus"

Nicht unbedingt: Vieles würde nicht "in Ordnung" gebracht und sich zum üblichen Buschland entwickeln,
da wo es notwendig erscheint dass Flächen freigehalten werden, würde es beizeiten erfolgen: Wehret den Anfängen!

Ich habe da auch so meine Projekte die ich sauber halten muss, d. h. ungezügelte Entwicklung von Brombeere, Zitterpappel und Schlehe in der Landschaft oder auch das ewige Unkrautproblem im Nutzgartenwill ich nicht der Natur überlassen.
Da ich das mechanisch mache, also ohne Motorkraft (bis auf die Kettensäge und Rasenmäher), stehe ich alljährlich vor dem Dilemma: Gehts noch, kann man noch was abblühen lassen oder lieber früh wegmachen, bevor es mir zu anstrengend wird bzw.Tausende von Samen ausgestreut sind die mich die nächsten Jahre beschäftigen werden. Ordnung halten hat durchaus sachliche Gründe.
Das ist wie bei den Bäumen die man ab einer gewissen Größe umlegt, eben solange man das noch selbst bewältigen kann, bevor für teuer Geld die Fachfirma kommen muss.

Gerade bei der Pflege von Brachflächen, Hecken- und Wegrändern gibt es heute Technik die es erlaubt auch spätere Stadien der Pflanzenentwicklung wieder wegzukriegen. Man könnte also eine mehrjährige Sukzession zulassen, Seitenränder zu jedem erwünschten Termin mähen und Hecken ordentlich auf den Stock setzen.
Das sind dann aber deutliche "Eingriffe" die jedesmal zu Diskussionen führen. Regelmäßig und zeitig bearbeiten, so dass nichts entsteht dessen Entfernung Spaziergänger und Behörden auf den Plan ruft, ist eine verbreitete Empfehlung.

Ich stimme Dir grundsätzlich zu. Es geht mir auch nicht um eine Nutzungsaufgabe und damit  um eine unbegrenzte Sukzession, sondern genau das Gegenteil. Ich halte es vielmehr für fatal, das "Katastrohen" im mehrheitlichen Naturverständnis als unnatürlich angesehen werden. Und dazu gehören auch Pflegemaßnahmen durch den Menschen.
Der wesentlich Unterschied zu "früher" ist meines Erachtens, das Pflegemaßnahmen in zu kurzen Abständen und zu großflächig erfolgen, eben weil es technisch leicht zu bewerkstelligen ist. Menschen waren "früher" auch nicht anders als heute, es war lediglich technisch aufwändiger.
Und die besseren Lebensbedingungen von Insekten zu "früheren" Zeiten waren, ja nicht beabsichtigt, sondern sozusagen Abfallprodukt.
Kurzzeitige Sukzession und dann Katastrophe (Pflegemaßnhahme) bietet vielen Pflanzen und Insekten Lebensraum. Anderen an Wald oder anderen Dauergesellschaften angepassten Arten dagegen natürlich nicht.
Deshalb ist es so fatal, das in Diskussionen oft nur von "der Natur" gesprochen wird, es gibt schließlich für fast jeden Landschaftstyp Profiteure.
Das es nicht möglich ist Bäume zu fällen oder allgemein Landschaft zu verändern ohne eine Diskussion um Naturzerstörung loszutreten ist schon ein echtes Problem. Das Wald bzw. Bäume als die einzig richtige Natur angesehen werden, ist ein weitverbreitetes Phänomen und im Gegensatz zu vorherigen Ansichten, schon positiver, aber leider schlägt es oftmals wieder ins andere Extrem um.



Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: michaelbasso am 01. November 2019, 11:26:56
Hier mal eine Fläche, die ich seit 5 Jahren der Sukzession überlasse, vorher war es Acker , wie nebenan.
(https://i.vgy.me/BGusbO.jpg)
Langsam vergrast die Fläche und bedarf einer Pflege um den krautreichen Zustand zu erhalten.
Ohne eine anfängliche Einsaat von lokalem Saatgut, wäre die Fläche nie so artenreich geworden, eine Wiese nebenan, seit Jahrzehnten nur gemäht ist sehr artenarm, unter absolut gleichen Standortbedingungen.
Ich vermute, in eine ähnliche Richtung würde es sich hier auch entwickeln, wenn nicht etwas passiert und es weiter vor sich hin sukzessiert...
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 01. November 2019, 11:39:25
@Michaelbasso
Wahrscheinlich wird die Wiese nebenan gedüngt, was Gräser begünstigt.
Gibt es schon kleine Lindensämlinge auf deiner Fläche?
Der Mensch nimmt großen Einfluß auf die Zusammensetzung der Flächen, im Mittelalter waren weite Flächen waldfrei, da soviel Holz gebraucht wurde.
Jeder Garten wird wieder zu Wald, wenn man nicht rodet.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: michaelbasso am 01. November 2019, 12:07:22
nebenan wird zumindest aktuell nicht gedüngt. es ist eine Wiese auf der die Strohballen gelagert werden. Aber die Wiese ist durch jahrzehntelange Bewirtschaftung geprägt. Interessant wäre, ob es noch ein Samendepot im Boden ist, das bei Störung wieder keimen könnte.
Der entscheidende Unterschied dürfte die unterschiedliche Ausgangssituation sein, hier Rohboden mit Einsaat von diversen Krautarten, dort Dauergrasland. Ich bezweifel, das ohne Einsaat eine derartige Artenzusammensetzung entstanden wäre.
Es gibt keine Lindensämlinge, auch noch keine anderen Baum- oder Strauchsämlinge. Letztlich aber nur eine Frage der Zeit.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: zwerggarten am 01. November 2019, 12:21:39
die fläche gefällt mir. gibt es nennenswerte insektenbestände, also irgendetwas auch für laien augenfälliges?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: APO1 am 01. November 2019, 12:45:22
Ich habe in 467 einen Artikel gezeigt der so meine ich das Insekten Problem auch sehr gut beleuchtet
"Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland für knapp 1,3 Mrd. Euro Pestizide verkauft. Einige, wie die Neonikotinoide, stehen unter Verdacht, massiv zum Insektensterben beizutragen."
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 01. November 2019, 12:56:54
Dass Insektizide Insekten töten, entspricht ihrer Bestimmung.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 01. November 2019, 13:02:33

Es gibt keine Lindensämlinge, auch noch keine anderen Baum- oder Strauchsämlinge. Letztlich aber nur eine Frage der Zeit.
Die Frage ist, wie gehst du vor, möchtest du die natürliche Sukzession, also der Natur alles weitere überlassen oder eine artenreiche Wiese  schaffen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 01. November 2019, 13:02:43
Die Leute die das Insektensterben beklagen denken dabei weniger an Blattläuse, Apfelwickler oder Stechmücken.

Die Absicht des o.g. ZDF-Beitrag blieb mir allerdings unverständlich. Die Freilandanwendung der Neonicotinoide bei denen es zu unerwünschten Nebenwirkungen kam, wurde (EU-weit?) 2018 verboten. Ist im Beitrag auch erwähnt.

Vielleicht hilft mir da wer auf die Sprünge?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: michaelbasso am 01. November 2019, 13:07:14
die fläche gefällt mir. gibt es nennenswerte insektenbestände, also irgendetwas auch für laien augenfälliges?
ja, ohne das ich eine Inverntur gemacht habe kann ich sagen, das die Fläche ganzjährig von Insekten wimmelt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 01. November 2019, 13:28:57
Zur Info
https://www.martin-haeusling.eu/component/tags/tag/neonikotinoide.html
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 01. November 2019, 13:54:45
Eine umgepflügte Blühfläche im Herbst erübrigt da alle weiteren Überlegungen  :( .

Ich sprach von Bearbeitung ;) Das heißt nicht Pflügen. Die von mir genannte Fläche ist beispielsweise in flacher Bearbeitung mit Roggen bestellt. Nach Mais mit Blühstreifen eine ganz normale Fruchtfolge.
Übrigens das zweite Jahr ungepflügt. Und ohne Glyphosat. Es gibt da schon ein paar Leute mit Überlegungen. ;)

Nachtrag: Diese Blühstreifen sind noch keine Lösung des Problems - sondern ein Ansatz! Auch die, die sie anlegen sind an einer Verbesserung interessiert, nur irgendwo müssen sie ja anfangen! Wo kein Anfang ist, da ist auch keine Entwicklung möglich.
Gleiches gilt auch für diese Mini-Grasinseln im Rasen. (hab ja auch erstmal drüber gelächelt - dann aber mal weitergedacht) Da hat zumindest jemand mit seinem Mäher mal einen Gedanken verschwendet - und vielleicht findet er nächstes Jahr mehr Raum dafür! Außerdem gibt es auch anderen möglicherweise einen Denkanstoß, es nach- oder besser zu machen ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 01. November 2019, 16:50:18
"Insektenschutzversuch"

Ich bin der Meinung, dass gesetzlich geregelt werden sollte, dass alle Rasenflächen, Straßenbegleitgrün usw. die Eigentum der Länder, Städte, Gemeinden, des Bundes sind extensiv zu pflegen sind, d. h. einmalige Mahd pro Jahr. Das wären dann gleichzeitig auch "Vorbildflächen", entgegen der sterilen 60er "macht man das so" im Jahr 2020, niemand würde es irgendwie außergewöhnlich finden, zur Umgewöhnung kommen zu Anfang hier und da ein paar Schilder mit der Aufschrift "Insektenwiese" und ein paar hübsche Wildbienenfotos (die könnten sie von mir bekommen  ;)) aufgestellt. Auf meinem Weg zur Arbeit gibt es ein wundervolles Beispiel, die straßenbegleitenden Flächen einer Ortschaft inklusive des weiträumigen Bahnhofsumfeldes sind vor kurzem zum ersten und einzigen mal in diesem Jahr gemäht worden. An jedem Morgen begrüßen dich verschiedene Centaureen, Reseda luteola, Melilotus albus wechselt sich mit Melilotus officinalis ab, Echium vulgare leuchtet blau, im Juni Papaver rhoeas, Knautia arvensis, Daucus carota, Dianthus carthusianorum, alles da, was die saure Lausitzer Magerwiese zu bieten hat, wundervoll. Das löst bei mir jeden Tag ein Glücksgefühl aus. Was sollte den Gesetzgeber daran hindern so etwas schon morgen zu beschließen?! Es ist vor allem auch Sache des Bundes, der Länder das allen gehörende Gut Insekten (Biodiversität insgesamt) zu schützen und zu erhalten. Ich kann nicht verstehen, dass Monitoring auf diesem Gebiet, Forschung insgesamt, in unvergüteter Laienhand liegt (ich mache das sehr gerne!) und keine Bundes- und Landesmittel dafür ausgegeben werden. Das ist oberste Regierungsaufgabe, oder?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 01. November 2019, 16:54:50
Diese Spezies ist leider nur mit sich selbst beschäftigt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 01. November 2019, 17:05:42
Vielleicht kann uns lerchenzorn da etwas zu sagen.

...
"Freiwillig" legen Landwirte Blühflächen oder sonstige Biodiversitätsflächen z. B. dann an, wenn sie von jemandem darum gebeten werden. Sei es zum Offenhalten einer Schussschneise, als Futterfläche für die Völker des örtlichen Imker- oder Verschönerungsvereins oder als sogenanntes Lerchenfenster. Freiwilllig ist auch oft die Einsaat von Flächen für die bereits das Brachliegenlassen rechtlich ausreichend wäre. Jagdgenossenschaften oder auch der Bauernverband stellen für solche Flächen Saatgut bereit.

Das kann ich mir nicht vorstellen, das müssten sie sich ja wirtschaftlich auch leisten können.

Die örtliche "Vernetzung", früher mal Bekanntschaft oder Nachbarschaft genannt  ;), kann immer noch einiges bewirken.


Einer der Inhaber unserer landwirtschaftlichen Flächen hier im Ort hat seinen Hauptsitz mitten im Spreewald, 40 km weiter draußen. Den kennt hier bei uns kein Mensch persönlich denke ich, vielleicht sollte ich den wirklich einmal "heimsuchen".

Auch die, die sie anlegen sind an einer Verbesserung interessiert, nur irgendwo müssen sie ja anfangen! Wo kein Anfang ist, da ist auch keine Entwicklung möglich.

Es ist schön, dass Du solche Menschen kennst, vielleicht wäre ich auch beruhigter, wenn ich sie kennen würde.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: häwimädel am 01. November 2019, 17:35:24
Zitat von: Chica link=topic=61904.msg3383594#msg3383594
... vielleicht sollte ich den wirklich einmal "heimsuchen".
Nicht vielleicht. Das solltest Du ganz sicher tun. Nimm die Fotos vom Luzernefeldund und andere mit, mehr als nein sagen kann er ja nicht!  ;) :)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 01. November 2019, 17:39:08
Zur Info
https://www.martin-haeusling.eu/component/tags/tag/neonikotinoide.html
Was ist das? Alle Beiträge sind ausnahmslos mit "01.11.2019" überschrieben, auch die eindeutig alten.

Ich glaube sogar, dass von denen keiner aktuell ist.

Allerdings lässt sich an dieser Aneinanderreihung gut der Unterschied erkennen zwischen Personen und Institutionen die nur eine bestimmte Haltung repräsentieren und denen die zwischen mehreren Belangen abwägen müssen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Roeschen1 am 01. November 2019, 18:51:43
Zur Info
https://www.martin-haeusling.eu/component/tags/tag/neonikotinoide.html
Was ist das? Alle Beiträge sind ausnahmslos mit "01.11.2019" überschrieben, auch die eindeutig alten.
Ich vermute, es wurde heute alles zusammengestellt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 01. November 2019, 19:32:35
"Insektenschutzversuch"

Ich bin der Meinung, dass gesetzlich geregelt werden sollte, dass alle Rasenflächen, Straßenbegleitgrün usw. die Eigentum der Länder, Städte, Gemeinden, des Bundes sind extensiv zu pflegen sind, d. h. einmalige Mahd pro Jahr. Das wären dann gleichzeitig auch "Vorbildflächen", entgegen der sterilen 60er "macht man das so" im Jahr 2020, niemand würde es irgendwie außergewöhnlich finden, zur Umgewöhnung kommen zu Anfang hier und da ein paar Schilder mit der Aufschrift "Insektenwiese" und ein paar hübsche Wildbienenfotos ...

Sag nicht sowas. Es gibt Wesen mit sehr speziellen ökologischen Ansprüchen, die würden daran verzweifeln. Feiner Lederschuh und schwach bedeckter Knöchel und eine ganze Reihe Gräber an verstreuten Ecken zu betreuen. Taunässe im zu hohen Gras ist was fürchterliches.

Wer schon mal versucht hat, einen Gottesanger zur artenreichen Hochgraswiese umzuwandeln, kann Dinge erzählen.  Umgetretene Erklärungsschilder sind das Mindeste.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 01. November 2019, 19:37:02
Ich vermute, es wurde heute alles zusammengestellt.
mal schauen ob sich das Datum morgen aktualisiert...

Für mich gehört das Erscheinungsdatum zu den notwendigen Informationen zur Bewertung eines Beitrages. Wenn das Datum die Zusammenstellung einer Sammlung betrifft, gehört es in die Überschrift. So wie hier ist das für einen Unbedarften doch eher irreführend.

Sieht aus als wäre der Redakteur des ZDF-Beitrags den APO die Tage verlinkt hat auch auf das gleichlautende Datum hereingefallen, denn bei dem fielen mir auch Ungereimtheiten bei der zeitlichen Zuordnung der Themen auf.

Schon schwierig, Zusammenhänge zu erkennen, bei solchen Vorgaben...

Ich bin der Meinung, dass gesetzlich geregelt werden sollte, dass alle Rasenflächen, Straßenbegleitgrün usw. die Eigentum der Länder, Städte, Gemeinden, des Bundes sind extensiv zu pflegen sind, d. h. einmalige Mahd pro Jahr. Das wären dann gleichzeitig auch "Vorbildflächen"

Auf einer Tagung zum Thema Insekten vergangenes Jahr kam auch die Idee auf, die Öffentliche Hand zur Vorbildfunktion zu verpflichten. Das Ministerium will's mal prüfen.
Ansonsten waren die zuständigen Ministeriellen ganz stolz darauf, dass so viele Blühflächen, auch einjährige, angelegt wurden. Die "Best Practice"-Beispiele bestanden überwiegend aus sowas. Als Laie neigt man halt dazu, solche positive Einschätzung zu übernehmen.

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 01. November 2019, 19:38:37
Der interessierte Laie ist auf bunte Blümchen und Honigbienen fixiert.  ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 01. November 2019, 19:39:49
Da wird es dann auch still um grillen im Mauerpark ;D
https://www.mauerpark.info/kultur/grillen/
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 01. November 2019, 19:42:24
...

Ich bin der Meinung, dass gesetzlich geregelt werden sollte, dass alle Rasenflächen, Straßenbegleitgrün usw. die Eigentum der Länder, Städte, Gemeinden, des Bundes sind extensiv zu pflegen sind, d. h. einmalige Mahd pro Jahr. Das wären dann gleichzeitig auch "Vorbildflächen"

Auf einer Tagung zum Thema Insekten vergangenes Jahr kam auch die Idee auf, die Öffentliche Hand zur Vorbildfunktion zu verpflichten. Das Ministerium will's mal prüfen. ...

So neu ist die Idee nun auch wieder nicht:
§ 2 Absatz 4 Bundesnaturschutzgesetz, schon ein paar Jahre alt:
"Bei der Bewirtschaftung von Grundflächen im Eigentum oder Besitz der öffentlichen Hand sollen die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege in besonderer Weise berücksichtigt werden."
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: zwerggarten am 01. November 2019, 19:49:42
aber auch einmaliges mähen schreddert doch insektenlarven und puppen?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: metalorange am 01. November 2019, 20:17:45
aber auch einmaliges mähen schreddert doch insektenlarven und puppen?

Arten die auf Wiesen leben sind meistens an eine gelegentliche Mahd ihres Lebensraums angepasst. Die Puppen und Raupen leben oft nah am Boden und werden daher zum Großteil nicht erfaßt. Am besten ist es natürlich, die Wiese nur abschnittsweise zu mähen und einen kleinen Bereich stehen zu lassen.

Ich finde Chicas Vorschlag öffentliche Wiesen als Wildwiesen auszuweisen sehr gut. Allerdings wird es an der Ordnungswut der meisten Bürger und deren Freizeitnutzung scheitern. Wäre ja auch unzumutbar wenn die Grillwiese und das Hundeklo im Stadtpark plötzlich 60cm hoch wachsen würde.
Außerdem würden sicherlich diejenigen Firmen die bislang solche Flächen 8 mal im Jahr totpflegen dagegen rebellieren.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: zwerggarten am 01. November 2019, 20:27:58
weniger rebellieren als aus schlichter doofheit kaputtpflegen, fürchte ich. :-X
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 01. November 2019, 20:28:21
"Insektenschutzversuch"

Ich bin der Meinung, dass gesetzlich geregelt werden sollte, dass alle Rasenflächen, Straßenbegleitgrün usw. die Eigentum der Länder, Städte, Gemeinden, des Bundes sind extensiv zu pflegen sind, d. h. einmalige Mahd pro Jahr. Das wären dann gleichzeitig auch "Vorbildflächen", entgegen der sterilen 60er "macht man das so" im Jahr 2020, niemand würde es irgendwie außergewöhnlich finden, zur Umgewöhnung kommen zu Anfang hier und da ein paar Schilder mit der Aufschrift "Insektenwiese" und ein paar hübsche Wildbienenfotos ...

Sag nicht sowas. Es gibt Wesen mit sehr speziellen ökologischen Ansprüchen, die würden daran verzweifeln. Feiner Lederschuh und schwach bedeckter Knöchel und eine ganze Reihe Gräber an verstreuten Ecken zu betreuen. Taunässe im zu hohen Gras ist was fürchterliches.

Wer schon mal versucht hat, einen Gottesanger zur artenreichen Hochgraswiese umzuwandeln, kann Dinge erzählen.  Umgetretene Erklärungsschilder sind das Mindeste.  ;)

D a s ist wahre Lebenserfahrung  8).

Der interessierte Laie ist auf bunte Blümchen und Honigbienen fixiert.  ;)

Mit ganz viel Begeisterung und Liebe werden wir ihm das austreiben!

...

Ich bin der Meinung, dass gesetzlich geregelt werden sollte, dass alle Rasenflächen, Straßenbegleitgrün usw. die Eigentum der Länder, Städte, Gemeinden, des Bundes sind extensiv zu pflegen sind, d. h. einmalige Mahd pro Jahr. Das wären dann gleichzeitig auch "Vorbildflächen"

Auf einer Tagung zum Thema Insekten vergangenes Jahr kam auch die Idee auf, die Öffentliche Hand zur Vorbildfunktion zu verpflichten. Das Ministerium will's mal prüfen. ...

So neu ist die Idee nun auch wieder nicht:
§ 2 Absatz 4 Bundesnaturschutzgesetz, schon ein paar Jahre alt:
"Bei der Bewirtschaftung von Grundflächen im Eigentum oder Besitz der öffentlichen Hand sollen die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege in besonderer Weise berücksichtigt werden."

Du meinst man müsste denen nur noch ganz konkret erklären wie das geht? Ich bin sofort dabei! Ich habe schon recherchiert unter welcher Oberhoheit die Flächen meines Arbeitsweges stehen, im meinem Hinterkopf hat sich bereits seit längerem eine Lobes-E-Mail formuliert.

aber auch einmaliges mähen schreddert doch insektenlarven und puppen?

Das kommt darauf an mit welchem Gerät man das bewerkstelligt, der herkömmliche Rasenmäher ist da nix, ein Balkenmäher wohl schon, ein gestaffelter Schnittzeitpunkt ist wichtig, außerdem sollte es Flächen mit zweijähriger Mahd geben. Ich lasse hier auch einen Teil der Flächen über's Jahr bis ins nächste Frühjahr stehen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 01. November 2019, 20:29:20
Da wird es dann auch still um grillen im Mauerpark ;D
https://www.mauerpark.info/kultur/grillen/

Voll gruselig  :o.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Katrin am 01. November 2019, 20:29:21
aber auch einmaliges mähen schreddert doch insektenlarven und puppen?

Ja. Das bereitet mir gerade Kopfzerbrechen. Wir besitzen seit Frühling 1,2ha artenreiche, offenbar seit Menschengedenken nie gedüngte Wiese - oder maximal Ziegenmist, zuletzt vor 25 Jahren -, zur Hälfte etwa ist das Magerrasen. Irgendwann muss es gemäht werden, da von Bäumen umgeben - heuer haben wir es mit einer späten Mahd Ende Juli probiert, außerdem nicht alles auf einmal, damit, ganz vorbildhaft, die mobilen Tierchen flüchten können. Das hat auch recht gut geklappt, die Heuschrecken sind wie geplant in die Reststreifen gewandert, durchs Heuen konnte von den anderen sicher auch einiges flüchten. Nur: Nun steht die Wiese erneut in Blüte, wenns nun schneit, wird es dort, wo viel Biomasse ist (in den fetteren Bereichen) verkleben und im Frühling ein unpraktischer Matschhaufen sein. Das gewonnene Heu ist mieserabel picksig und die Hirsche haben es bislang nur beschnuppert  ::). Ein Teil der Magerwiese wurde gar nicht gemäht, dort möchte ich erst im März drüber, bevor alles austreibt. Das geht wohl gut, weil dort kaum Gras wächst.

Aber auch das Mähen selbst muss hinterfragt werden. Am besten wäre natürlich sensen, jeden Tag ein Stück. Das ging gut, wenn man Tiere hat, die jeden Tag ein wenig Futter brauchen (stallgehaltene Kühe etwa, die sind aber aus ganz anderen Gründen ebenso zu hinterfragen), ansonsten kommt man nicht umhin, größere Flächen auf einmal zu mähen. Für Insekten halbwegs ok wäre noch der Balkenmäher, mit dem bräuchte man für unsere Flächen aber ca. 4 Tage (wir haben es nur kurz angedacht...). Schnelle Alternative ist, einen größeren Landwirt mähen zu lassen. Durchaus leistbar, aber alle hier mähen mit Kreiselmähwerken, das bedeutet, alle gerade in der Wiese sitzenden Tiere werden durchgewirbelt und überleben wohl nur mit Glück. Aktuell favorisierte Lösung: Ein Doppelmessermähwerk für den eigenen Traktor, dauert zwar etwas länger, sollte aber klappen. Und dann alles auf Etappen heuen. Das bedeutet, fertiges Heu zwischenspeichern (Platz?), damit es dann auf einmal gepresst werden kann, wenn der Heuballenpresser kommt.

Fazit: Wärs mir nicht wirklich ein Anliegen und müsste ich Geld damit verdienen, würde ich es so machen wie alle anderen (dreimal mähen, super Heu bekommen, Herbstschnitt eventuell noch für Silage an jemanden verkaufen). Fazit 2: Insektenschonende Bearbeitung ist bei halb modernen Anforderungen kaum mit den Betriebsansprüchen in Einklang zu bringen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 01. November 2019, 20:34:37
Es ist so toll dass Du versuchst es anders zu machen Katrin  :-*. Jeder hat zuerst einmal Verantwortung für das Stück Land das ihm gehört.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: solosunny am 01. November 2019, 20:37:19


Ich bin der Meinung, dass gesetzlich geregelt werden sollte, dass alle Rasenflächen, Straßenbegleitgrün usw. die Eigentum der Länder, Städte, Gemeinden, des Bundes sind extensiv zu pflegen sind, d. h. einmalige Mahd pro Jahr. Das wären dann gleichzeitig auch "Vorbildflächen", entgegen der sterilen 60er "macht man das so" im Jahr 2020, niemand würde es irgendwie außergewöhnlich finden, zur Umgewöhnung kommen zu Anfang hier und da ein paar Schilder mit der Aufschrift "Insektenwiese" und ein paar hübsche Wildbienenfotos (die könnten sie von mir bekommen  ;)) aufgestellt. Auf meinem Weg zur Arbeit gibt es ein wundervolles Beispiel, die straßenbegleitenden Flächen einer Ortschaft inklusive des weiträumigen Bahnhofsumfeldes sind vor kurzem zum ersten und einzigen mal in diesem Jahr gemäht worden. An jedem Morgen begrüßen dich verschiedene Centaureen, Reseda luteola, Melilotus albus wechselt sich mit Melilotus officinalis ab, Echium vulgare leuchtet blau, im Juni Papaver rhoeas, Knautia arvensis, Daucus carota, Dianthus carthusianorum, alles da, was die saure Lausitzer Magerwiese zu bieten hat, wundervoll. Das löst bei mir jeden Tag ein Glücksgefühl aus. Was sollte den Gesetzgeber daran hindern so etwas schon morgen zu beschließen?! Es ist vor allem auch Sache des Bundes, der Länder das allen gehörende Gut Insekten (Biodiversität insgesamt) zu schützen und zu erhalten. Ich kann nicht verstehen, dass Monitoring auf diesem Gebiet, Forschung insgesamt, in unvergüteter Laienhand liegt (ich mache das sehr gerne!) und keine Bundes- und Landesmittel dafür ausgegeben werden. Das ist oberste Regierungsaufgabe, oder?

unterschreibe ich sofort. Man könnte mit einem Federstrich sehr viel positives bewirken, und Kosten senken. Allerdings könnte unser Schulhausmeister nicht mehr seinen geliebten Rasentraktor während der Prüfungen fahren  ;D
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Quendula am 01. November 2019, 20:38:38
Wer schon mal versucht hat, einen Gottesanger zur artenreichen Hochgraswiese umzuwandeln, kann Dinge erzählen.  Umgetretene Erklärungsschilder sind das Mindeste.  ;)

Oh ja. Falls Du ein Beispiel brauchst: in Teltow wurde das ein paar Jahre versucht. Aber nicht mal die Pflegetruppe hat das Prinzip, oder wenigstens die klare Anweisung zum Stehenlassen, verstanden/verstehen wollen, und jedes Mal die Fläche fein säuberlich raspelkurz geschoren ::) :'(.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 01. November 2019, 20:47:02
Voll gruselig  :o.

Welche Bedingungen lieben eigentlich Grasmilben? (Sind Spinnentiere, ich weiß.)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: zwerggarten am 01. November 2019, 21:19:57
... und Kosten senken. ...

das eben gerade nicht! hast du katrins beitrag nicht gelesen? eine insektenfreundliche pflege ist im vergleich zum kostengünstigen wirtschaftlichen standardhandeln wesentlich aufwändiger – und drum auch teurer. dass "extensive pflege" kosten senkt, ist ein irrglaube bzw. nur dann realität, wenn es um ein weniger tun geht, nicht um das richtige tun.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: solosunny am 01. November 2019, 21:22:09
im landwirtschaftlichen Raum ja, aber wenn ich Gräben und Böschungen und Freiflächen um öffentliche Gebäude nur einmal im Jahr mähe, ist das sehr wohl kostengünstig, da steht nur der Ordnungssinn dagegen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: zwerggarten am 01. November 2019, 21:25:02
auch die öffentlichen flächen müssten dann mit anderen geräten (teurer), gestaffelt (teurer) und differenziert nach jeweiligem ökologischen potential (teurer) gemäht werden, wenn es um insektenförderung und nicht um geld sparen geht. und bestenfalls mehr als ein jahr stehengelassene strukturen abräumen ist dann nochmal teurer.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: solosunny am 01. November 2019, 21:29:44
das ist dann schon die Luxusversion, die bei ein paar sehr wertvollen Wiesen hier in der Gegend gemacht wird. Aber zunächst mal anfangen, und das ist in meinen Augen erst mal das wichtigste, die Leute "umzugewöhnen", ist nicht teuer. An den Rasenmäher unserer Schule kann zB. problemlos ein Mähbalken angebaut werden, der ist sogar schon da.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: zwerggarten am 01. November 2019, 21:43:54
wenn es aber dem überleben der insekten auf der fläche nicht wirklich dient, finde ich das zu kurz gesprungen. genaugenommen ist so eine umgewöhnungsfläche dann ja auch eher eine insektenfalle: erst von woanders her anlocken, dann alles auf einmal komplett schreddern. oder es sind erst gar nicht alle arten da, die da sein könnten. statt ein bisschen anfangen gleich alles richtig machen ist für mich kein luxus.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 01. November 2019, 21:49:59
Hatten wir letztens bei einem Gespräch in einem Gemeindegremium: Das beliebte Thema, wer wann und wie die Weg- bzw. Feldränder mähen soll.
Zumindest waren sich alle einig, dass man die überhaupt mähen und nicht einfach wachsen lassen sollte.

Die Landbewirtschafter, von der es in der betreffenden Gemeinde noch etliche gibt, machen das noch immer unentgeltlich, so wie es ihnen passt und wie sie Zeit haben.

Alternativ müssten es die Leute vom Bauhof machen. Die haben zwischendurch auch noch was anderes zu tun.

Wenn die es dann machten wenn es passt, die Mahd also zwischen die anderen Aufgaben eingefügt würde, wärs aus Sicht der Insekten auch nicht so toll. Mehraufwand für die Gemeinde wärs auf jeden Fall.

Wird sich dort auch in Zukunft auf die Fälle beschränken wo wegen Verkehrsicherung Handlungsbedarf besteht.

So manche öffentlich Grünfläche würde auch noch nett aussehen, würde sie nur 4 oder 5-mal im Jahr gemäht, abhängig vom Arteninventar (botanisch). Vermutlich kein großer Mehraufwand und ein bisschen bunter als vorher. Bei Liegewiesen aber auch schon schwierig.
Beim Ziel der einmaligen Mahd wäre nicht nur die derzeitig praktizierte Freizeitnutzung aufzugeben, es würden außerdem große Mengen Material anfallen die (teuer) zu entsorgen sind. 

 
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: solosunny am 01. November 2019, 21:56:27
also mit dem alles gleich richtig machen ist es nicht ganz so einfach....

ich schreibe gerade ein Gutachten über die Entwicklung der Tagfalter im Alperstedter Ried, ein Flachkalkmoor im Thüringer Becken. Dieses Gebiet ist unter Schutz gestellt und wird fast ohne Deckelung der Kosten seit einigen Jahren gepflegt, dafür wurden zunächst Exmoor-Ponys, später auch Wasserbüffel und Heckrinder dort ausgesetzt. Außerdem wurden Entwässerungsgräben verfüllt und nach Mahdregime gemäht und was weiß ich noch alles. Tja unsere FFH Art, die sich dort ohne ausgetüftelte Pflegemaßnahmen recht gut gehalten hatte, wurde dieses Jahr noch mit einem Exemplar gelistet.

Außerdem werden ja nicht alle Böschungen und Schulgärten an nur einem Tag gemäht....

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 01. November 2019, 21:59:27
Ich find es besser erstmal das zu machen was geht!
Und nicht immer zu jammern was nicht geht.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 01. November 2019, 22:11:58
Ich betreue hier allerhand Grünflächen. Da kommen schon ein paar Hektar zusammen. Manche mähe ich nahezu wöchentlich, andere nur ein oder zweimal im Jahr. Das Mosaik macht's.  ;) Die besten Insektenschützer sind übrigens Kaninchenhalter. Die mähen die Wiese stückchenweise und selektiv.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 01. November 2019, 22:25:42
auch die öffentlichen flächen müssten dann mit anderen geräten (teurer), gestaffelt (teurer) und differenziert nach jeweiligem ökologischen potential (teurer) gemäht werden, wenn es um insektenförderung und nicht um geld sparen geht. und bestenfalls mehr als ein jahr stehengelassene strukturen abräumen ist dann nochmal teurer.

Ich denke da fehlt es, guten Willen einmal unterstellt, an den Schaltstellen auch schlicht und einfach an Wissen. Dies zu verbessern hat jeder von uns die Möglichkeit. Meine Kollegen auf Arbeit wissen inzwischen alle, dass es neben dem Haustier Honigbiene über 500 Wildbienenarten in Deutschland gibt, damit habe ich ihnen unzählige Male in den Ohren gelegen  ::). Da kommt dann folgerichtig der Meister zu Wort: "Nur was man kennt, kann man, und was man liebt, will man schützen." Ich zum Beispiel liebe dieses Bienenfell das so viele Arten tragen  :D.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 01. November 2019, 22:30:25
Ich betreue hier allerhand Grünflächen. Da kommen schon ein paar Hektar zusammen. Manche mähe ich nahezu wöchentlich, andere nur ein oder zweimal im Jahr. Das Mosaik macht's.  ;) Die besten Insektenschützer sind übrigens Kaninchenhalter. Die mähen die Wiese stückchenweise und selektiv.

Und bist Du da nicht rasend neugierig, wer sich alles auf den Flächen tummelt? Glaub mir, wenn du denen in die Augen geschaut hast dann bleibt Dir gar nichts anderes übrig als ihnen optimale Lebensbedingungen zu schaffen (so fing das hier an, mit beim Mähen ausgesparten Ranunculusflächen für die Hahnenfußscherenbiene  :-X).
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 01. November 2019, 22:33:04
Ich gucke fremden Bienen nicht in die Augen!  :(
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: partisanengärtner am 01. November 2019, 22:36:03
Ich würde ihnen auch nie den Pelz abziehen so schön der auch ist.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: zwerggarten am 01. November 2019, 22:41:19
also mit dem alles gleich richtig machen ist es nicht ganz so einfach.... ...

schon klar! ;)

mir geht es nur darum, nicht vor der erreichung des eigentlichen ziels aufzuhören und zufrieden zu sein: wenn meine total öko einmal im jahr gemähte fläche nur hübsch aussieht und nektar/pollenquelle ist (quasi ein üppiges buffet), die für die erfolgreiche vermehrung und weiterentwicklung notwendigen strukturen aber vor der zeit zerstört werden, ist das ganze gegen das insektensterben so nützlich wie ein insekten"hotel" mit zapfen und holzwolle. da könnte man ja auch sagen, es sei doch erstmal ganz toll, wenn die menschen sensibilisiert sind und so häuschen aufstellen. wenn dann aber nicht ein insekt mehr als vorher daraus folgt, was nützt alles unqualifizierte umdenken?! :P

Zitat
Außerdem werden ja nicht alle Böschungen und Schulgärten an nur einem Tag gemäht....

vielleicht nicht, wenn aber lokal alles auf einmal gemäht wird, ist lokal so gut wie alles tot und was gerade eben noch überlebt, findet lokal keine nahrung mehr – das kann es doch nicht sein?! dagegen braucht es mehr wissen, darauf darf sich niemand ausruhen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Katrin am 02. November 2019, 00:05:57
Es ist so toll dass Du versuchst es anders zu machen Katrin  :-*. Jeder hat zuerst einmal Verantwortung für das Stück Land das ihm gehört.

Wir probieren es! Hier ein ganz kleiner Eindruck von Mitte Juni (miese Qualität, aber sonst hätte ichs nicht online gebracht). Mit Ton gucken!

Wiese im Juni
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 02. November 2019, 08:56:40
Ich vermute, es wurde heute alles zusammengestellt.
aus dem Link:
"NEONIKOTINOIDE
02.11.2019
BIENENLEITLINIEN: EU-POLITIKER FORDERN BUNDESREGIERUNG ZUM HANDELN AUF
Umfassender Bienenschutz in ganz Europa

Die beiden grünen Europa-Politiker Martin Häusling und Maria Heubuch haben sich heute in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel, Landwirtschaftsministerin Klöckner und Umweltministerin Schulze gewandt."

Und heute wurde es erneut zusammengestellt?

Das Datum passt sich offenbar täglich an.

Wenn im Text der Begriff "heute" als Angabe für eine Handlung auftaucht, und sich oben drüber täglich das Datum ändert, ist das für mich Irreführung!



Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: solosunny am 02. November 2019, 09:07:43
Alles was ihr schreibt ist richtig, nur muss es auch im größeren Maßstab machbar sein.

Ich betreue im Rahmen das Tagfaltermonitorings eine Wiese im Stadtgebiet Erfurt, dort gibt es neben Orchideen auch ganz viel Kreuzenzian mit dem dazugehörigen Bläuling. Dieser hat eine extrem komplizierte Biologie, -er legt die Eier an die Blüten des Kreuzenzians, die Raupen schlüpfen und fressen im Blütenboden, nach der zweiten Häutung lässt sich die Raupe zu Boden fallen und wird von Knotenameisen, die sie für ihre Brut halten, in den Bau getragen, dort lässt sie sich füttern und über den Winter bringen, wenn im Frühsommer dann der Falter schlüpft, bemerkt die Ameise ihren Irrtum und greift den Falter an, der hat aber an den Flügelschuppen Sollbruchstellen, so dass die Ameise "einstaubt" und sich erst mal putzen muss, jetzt ergreift der Falter die Flucht- .

Lange Rede kurzer Sinn, diese Wiese wurde durch einen Managementfehler direkt zur Blüte des Kreuzenzians komplett gemäht. Ich hab die allergrößten Befürchtungen gehabt und dachte diese Population verloren, war sie aber nicht, im Jahr darauf flogen mehr Kreuzenzian-Ameisenbläulinge als je zuvor.

Was ich damit sagen will, eine optimale Pflege ist zum Teil gar nicht nötig, wichtig ist zunächst ein ausreichendes Blütenangebot und vielleicht ein paar Rückzugsräume, damit wäre schon viel gewonnen. Wenn man gutwillige Leute mit Maximalforderungen verschreckt, ist gar nichts gewonnen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: metalorange am 02. November 2019, 09:43:53
Alles was ihr schreibt ist richtig, nur muss es auch im größeren Maßstab machbar sein.



Lange Rede kurzer Sinn, diese Wiese wurde durch einen Managementfehler direkt zur Blüte des Kreuzenzians komplett gemäht. Ich hab die allergrößten Befürchtungen gehabt und dachte diese Population verloren, war sie aber nicht, im Jahr darauf flogen mehr Kreuzenzian-Ameisenbläulinge als je zuvor.



Interessant. Vielleicht hatten die Ameisen durch die höheren Temperaturen im Bodenbereich günstigere Lebensbedingungen und konnten die wenigen verbliebenen Raupen umso besser durchbringen. Da die Eier bei diesen Bläulingen aber praktisch alle an den Blüten abgelegt werden ist es trotzdem erstaunlich das der Bestand im folgenden Jahr höher war als zuvor. Wiederholen würde ich diese Mahd zur Blütezeit aber trotzdem nicht denn beim nah verwandten Wiesenknopf-Ameisenbläuling gilt Mahd zum falschen Zeitpunkt als häufigste Aussterbeursache.

@Katrin
Schön, das Du was für den Erhalt der Magerwiese tust. Wenn ich das auf dem Video richtig gesehen habe hast Du einen großen Bestand von Betonica officinalis die besonders gerne von Tagfaltern besucht wird.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Gartenplaner am 02. November 2019, 16:39:54
Alles was ihr schreibt ist richtig, nur muss es auch im größeren Maßstab machbar sein.
...
Was ich damit sagen will, eine optimale Pflege ist zum Teil gar nicht nötig, wichtig ist zunächst ein ausreichendes Blütenangebot und vielleicht ein paar Rückzugsräume, damit wäre schon viel gewonnen. Wenn man gutwillige Leute mit Maximalforderungen verschreckt, ist gar nichts gewonnen.

Das finde ich einen wichtigen Punkt.
Ich versuche mich auf der Streuobstwiese, die den größten Teil der 4500m² meines Gartens darstellt, ja auch als Wiesengestalter.
Ich versuchte über die letzten 10 Jahre neue Wiesenblumenarten anzusiedeln, seit 2001 ungefähr wurde einmal im Jahr im Juli gemäht, seit ungefähr 2010 wird Ende Juli und Anfang November gemäht.
Die Mahd macht ein Galabaubetrieb in einem Rutsch, in Teilstücken wäre wesentlich teurer, und ich könnte es logistisch gar nicht.
Das ist der "Rasenmäher":

(https://up.picr.de/36464034hj.jpg)

Und der mäht halt wirklich fast wie ein Rasenmäher, also recht kurz und saugt das Schnittgut auf in einen Container - nicht ideal.

Mit der Zunahme an Blütenpflanzen nahm auch kontinuierlich die Zahl an Insekten zu, die mir vorher nie in der Wiese begegnet waren.
Und das trotz Komplettmahd mit wahrscheinlich vielen Kollateralschäden.

Auch wenn die Bedingungen nicht perfekt sind, überlebt bei mir wahrscheinlich mehr als auf den Wiesen um das Dorf, die für Silage schon Anfang Mai zum ersten Mal gemäht werden, und dann mehrfach über den Sommer.
Auf jeden Fall bietet meine Wiese mehr Blütenreichtum als die anderen Wiesen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: zwerggarten am 02. November 2019, 18:45:25
ich fände es hilfreich, differenzierte pflegehinweise für artengruppen (heuschrecken, schmetterlinge, wildbienen) oder, falls partout nicht zu generalisieren, für besondere zielarten auszuarbeiten, damit man sich entscheiden kann, was die fläche vorrangig leisten soll: nektar&pollen für die imago oder eiablage- und schlupfplatz sowie futter- und verpuppungsort für die larven.

vermutlich geht nicht beides, wenn man die gesamte fläche (entgegen allen erkenntnissen zum insektenschutz, die jeweils nur teilweise mahd und längeres stehenlassen von strukturen empfehlen) aus kostengründen komplett auf einmal mähen (lassen) will: entweder sind alle blüten auf einmal weg (kein nektar&pollen für etwa 2 wochen) oder alle ei-/larven-/puppen-tragenden strukturen.

dass trotzdem mehr insekten auf solchen komplett einmal gemähten flächen zu finden sind (wenn auch wohl eher nicht direkt nach dem schreddern und absaugen) dürfte an der schon genannten strategie der schutzsuche bzw. des überdauerns von puppen im boden und einer zuwanderung aus anderen, nicht zur gleichen zeit gemähten flächen liegen. wenn diese flächen aber in austeichender nähe nicht existieren oder womöglich parallel gemäht werden, dürfte das insektensterben irgendwann perfekt sein. :-\
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 02. November 2019, 19:32:47
Kann man sich wohl für jede Art irgendwo raussuchen und dann Gruppen bilden.

Eine Artengruppe "Schmetterlinge" oder eine Gruppe "Wildbienen" wird in Hinblick auf einheitliche Pflegeempfehlungen dabei wohl eher nicht rauskommen.

Bei den Programmen zur Grünlandextensivierung wird, ergänzend zur Düngebeschränkung, gerne mit Mahdterminen gearbeitet. Manchmal mit speziellen Terminen bezogen auf bestimmte Arten (siehe weiter oben die Verhältnisse bei den Ameisenbläulingen), oft aber wird auf Standardgrünland nur darauf hingewirkt, dass zum traditionellen Heutermin (bei uns etwas Mitte Juni) gemäht wird, als Abgrenzung zur frühen Silomahd.
Der Hintergrund ist der, dass, ähnlich wie bei den Pflanzenarten, die vorkommenden Tierarten überwiegend mit diesem Termin zurechtkommen. Bei unserem üblichen Grashüpfer z.B. ist dann die Jugendentwicklung abgeschlossen.
Viele Arten tanzen dabei aber aus der Reihe. Das sind die, die in Säumen leben, auf Feuchtgrünland oder in sonstigen Bereichen die traditionell später gemäht wurden.
Solche Termine werden üblicherweise aufgrund der vorhandenen Pflanzengesellschaft ausgewählt, in der Hoffnung, dass die Fauna schon dazu passen wird. Blümchen zählen ist einfacher als Heuschrecken zu bestimmen.

Vor 20-25 Jahren war es noch üblich, in Schutzgebieten die Mahd mit dem Balkenmäher zu fordern. Das ist heute weitgehend verstummt, taucht in Gutachten auch nicht mehr so auf. Vielleicht wurde resigniert, weil es einfach keine mehr gibt.
Der Kreiselmäher bedingt höhere Verluste bei den Tieren. Die Krönung sind aber die inzwischen vermehrt eingesetzten zusätzlichen Mähgutaufbereiter, da bleibt nichts mehr heil.

Da es immer weniger Landbewirtschafter gibt nimmt auch der Umfang der Flächen zu, die gleichzeitig bearbeitet werden. Da hilft es ein wenig, breite Streifen zunächst stehen zu lassen, die dann bei der zweiten Nutzung im Herbst mitgemäht werden. Auf diesen Streifen wimmelt es anschließend in der Regel von Insekten, es scheinen also etliche zumindest kleinräumig dem Mähwerk entkommen zu können.
Belassen von ungemähten Streifen ist auch die empfohlene Maßnahme, wenn bei bestimmten Arten wie den Ameisenbläulingen die Mahdtermine nicht eingehalten werden können. Sie dienen dann als Rückzugsraum für zumindest einen Teil der Population.

@Gartenplaner: Wenn du eh zweimal im Jahr mähen lässt, wäre doch das Stehenlassen eines Altgrasstreifens an wechselnder Stelle bis Anfang November eine geeignete Maßnahme. Das Mähfahrzeug sollte es schaffen den mit zu mähen.

Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 02. November 2019, 21:04:34
Ich gucke fremden Bienen nicht in die Augen!  :(

Du kannst diesem süßen Mädel der Rostroten Mauerbiene, Osmia bicornis widerstehen?

(https://lh3.googleusercontent.com/f20c5s_NbqqHGPMjrP7CamgrK3SyquBUt4usBJD2Q7-ltYb_mSBKSBFFtn53s78qODuXcGlrdTqXW1I3px-3EYZjWo3WjI-jNlay3rw_xAzrQZEZhNSmR55uvfmHKm6i72qzsfZCsq5EKC6dKKtd0CoB86vNWvtrsynNEPP-C6pY0E4JaCldyi-KNC_yDjr8ex0yC2xU5uCLxGQyuzdiJVI0Q2xmvx18orAzY97nmTPktHHerCfpbS7HkV8xtNCMy8-mIvb3D4veL2q_CaRk_Tw55FfIxGpwgXeG2c3zyMxd6A09d-qKmUFDjrrs4InYXepCVmgMeCuSLPeN5N8dhVGGEIucXAtXTyLGXI6RDHkyBXPtZSJ7wrmKFCQ8BQdZgCCy5eBWuO3yl6yBilzvrve6Q90TLOQIvi3AeLYwfxERLT17m5-YEwK1zuWz27ClDqsGBdigav6PN8kmVgCISG-0Sny7_zBy5EkqiDWTWeP0VybITxiYP6z-1l86f8ZNmqL-nrilxh_08ZUj-x4tHgHAJjg0ruvHQifsgx0ndofVUhA9L5F4PUZY16Ou8hSKlKyAXHp5VKI4ZURAN3U_a7XsMFv9ti1Yb-MkBE3JExypw9Mpu8BRH7sEgvmJtGJRNAfsQULZXJChxcZr1ar2dFkCweeyDzX_D-NA1ft4pX1z3jB85EvtcLAdyYHvW-pgKneIR_xEkm2NBPQe0bDqtVOnYtxE7gNB49C4U6rNLmb0cDJq=w920-h690-no)

Ich würde ihnen auch nie den Pelz abziehen so schön der auch ist.

Wer würde bei dieser wunderschönen Braunbürstgen Hosenbiene, Dasypoda hirtipes darauf kommen, ihr das kuschelige Fell abzuziehen, Axel  >:(?

(https://lh3.googleusercontent.com/Sphfbwmx4cOOBtbrhCrMBlL7JqPsznRQCS_CFj7No0aeZv13cGK5dn8aYs9Abv6plsRqbAxEm5rcgxcmlPY1Kr8DZVsYm0N58J0tjOz0jFsswGDhJsbm4xDc-METLyjYlEmBDXAjKPwsj2iziuoLG62J6nTGxx5smFcWVvlLGa8vgoFu2vO5B101NSleoGBChxN369UQzjKpnXZwT-TjS0foYWrhzq_15UIAz7MYcKqQw29v54MfUddcj0LT_2qfZlTckTNVkP6bvNZrsy4wmu5tan6G8CrTS8FE4YOwqeBPRWb5jCt3XnJSIfN160ZgLfMEyOyzQ_OwCnCmMcCxTuDXEeuK2JevdZuyd9QbCwrvexWEvxUUP20ca_nusG0e0jNlklqtXEASoTMmdUM5HdvMBK5rxBJ_Vk6aM9nvqURQR0Lg5UpgbgS_AZBCQ2jl-UOdg0BikYGhi5dlbjs0XSX4E4tFROGfI7zq87GM_a3Vk42FEfuWbxVTFXIS2irMCtMQymkjVnRbH3ay9eAe9dXgI0vmUpPHYj_Lklat2ocJU1NFTnwAELC4jPp81zN0Qt43zmKHqAg02BYQ04ZGfkhktxT9YGNQ7k_Kpch5RZ51BvLQ04Fi8tS7ad2WimYap0I-2QtprI7A51ak9A0zoKj0l8FWjVCGDHqQgE1ooXP-7aT0LBTggG0gP8issyce1_ARiMWIXofQBon5ZhV7AJjXiP8MmhEr_HM2LOSP5iRiHCBI=w920-h690-no)

ich fände es hilfreich, differenzierte pflegehinweise für artengruppen (heuschrecken, schmetterlinge, wildbienen) oder, falls partout nicht zu generalisieren, für besondere zielarten auszuarbeiten, damit man sich entscheiden kann, was die fläche vorrangig leisten soll: nektar&pollen für die imago oder eiablage- und schlupfplatz sowie futter- und verpuppungsort für die larven.

Die Sache  mit dem Mähtermin ist differenziert zu betrachten, was für die eine Art tödlich ist, ist der Entwicklung der anderen Art förderlich. Das ist wieder die Stelle an der es an Wissen fehlt, die Stelle bei der meiner Meinung nach der Wissenserwerb höchste Regierungsaufgabe ist und diese Daten den Grundstückseigentümern (Bund, Land, Gemeinde und dem Volk) im Detail zur Verfügung gestellt werden müssen. Es geht um unser aller Gut. Nicht einmal mir ist klar, warum in diesem Sommer hier Aphantopus hyperanthus, der Schornsteinfeger in maximal 3 Exemplaren pro Tag flog und nicht wie in jedem Jahr und wie seine eng verwandten Gräserfalter Maniola jurtina, das Große Ochsenauge und Pyronia tithonus, das Rotbraune Ochsenauge in 20 bis 30 Stück zur Hoch-Zeit. Lag es am Mahdtermin? Wurde der Graben hinter dem Haus mit anderem Gerät gemäht? Tagfalter überwintern, je nach Art, als Ei, Raupe, Puppe oder Imago. Wildbienen haben einen sehr geringen Flugradius, maximal 300 bis 500 m bei größeren Arten und brauchen Nist- und Pollen/Nektarplatz in diesem Bereich, d. h. passende Bodenstrukturen für 80% der Wildbienen und passende Pflanzen, noch dazu gibt es oligolektische Arten, die auf einzelne Pflanzenarten angewiesen sind. Der Umfang des Aufklärungsbedarfes ist unendlich, das Wissen verzahnt und diffizil.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: partisanengärtner am 02. November 2019, 21:17:02
War nicht meine Idee  ;)
Zitat von einer Bienenliebhaberin:
Ich zum Beispiel liebe dieses Bienenfell das so viele Arten tragen  :D.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Starking007 am 02. November 2019, 21:22:51
Man (Frau) sollte die sequentiell-partiellen Mähtermine auch den unterschiedlichen Bedürfnissen von Männchen und Weibchen der jeweiligen Art anpassen!!!!
 ::)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: zwerggarten am 02. November 2019, 21:24:15
chica, "die regierung" und ihre behörden wissen sicher nicht mehr als du oder womöglich noch begnadetere spezialisti – es gibt in den verwaltungen ein, zwei schlaue leute, aber auch die sind spezialisiert auf entweder diese gattungs/artengruppe/familie oder jene... ohne euch vor-ort-profis wird das nichts. :-\

als unwissender bin ich hochinteressiert an allen differenzierungswissensdetails, die man dringend in die welt tragen muss! :o
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Katrin am 02. November 2019, 21:25:58
Man (Frau) sollte die sequentiell-partiellen Mähtermine auch den unterschiedlichen Bedürfnissen von Männchen und Weibchen der jeweiligen Art anpassen!!!!
 ::)

Der Satz hat Potential! Magst nicht noch ein aktuelles Thema mitreinnehmen? Nur Bienen, Naturschutz und Gender, das ist lahm, da geht noch was!

Metalorange, ich hatte heuer zu wenig Zeit, kommende Saison werde ich versuchen, einige Arten zu bestimmen. An Betonia, die hier in großen Flächen vorkommt, sind generell viele Insekten zu sehen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: zwerggarten am 02. November 2019, 21:36:05
artenlisten wären auch noch was, für das wünschenswerte wissensmanagement – auch wenn wohl auch dies nicht bis in die letzten details differenziert werden kann. aber allemal besser als nichts wissen oder das falsche säen/pflanzen... oder gar steinöden anlegen! :o :P >:( ;)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 02. November 2019, 22:16:42
War nicht meine Idee  ;)
Zitat von einer Bienenliebhaberin:
Ich zum Beispiel liebe dieses Bienenfell das so viele Arten tragen  :D.

Liebe beginnt erst da wo man etwas nicht besitzen muss - Philosophie zur Samstag-Nacht  8).

Man (Frau) sollte die sequentiell-partiellen Mähtermine auch den unterschiedlichen Bedürfnissen von Männchen und Weibchen der jeweiligen Art anpassen!!!!
 ::)

Im Hinblick auf die bei Wildbienen weit verbreitete Proterandrie halte ich dies für erwägenswert  8).

chica, "die regierung" und ihre behörden wissen sicher nicht mehr als du oder womöglich noch begnadetere spezialisti – es gibt in den verwaltungen ein, zwei schlaue leute, aber auch die sind spezialisiert auf entweder diese gattungs/artengruppe/familie oder jene... ohne euch vor-ort-profis wird das nichts. :-\

Und hier im Ernst: Das genau ist das Problem in diesem Land. Da kommen die, die dafür zuständig sind ihrer Verantwortung nicht nach! Diese liegt derweil in privater und Spendenorganisationshand.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: michaelbasso am 17. November 2019, 18:06:09
ein Artikel zum Thema

https://www.heise.de/tp/features/Irrweg-Stadtimkerei-das-sogenannte-Bienensterben-4586068.html
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 17. November 2019, 18:15:34
So werden dutzende alarmistische Medienberichte öffentlich des Unsinns überführt.  :-\

Es gibt übrigens keinen Grund, jetzt gegen Imker ins Feld zu ziehen oder die urbanen Bienenvölker abzuschaffen. Imkerei öffnet die Augen für die Natur, ergibt wunderbaren Honig und ist einfach eine schöne Freizeitbeschäftigung.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 17. November 2019, 18:27:04
Lest den ganzen Text! Unbedingt!!!
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: zwerggarten am 17. November 2019, 18:56:04
... Imkerei öffnet die Augen für die Natur ...

durch den kontrast?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 17. November 2019, 19:03:27
Nein. Man beobachtet die Tiere, achtet auf blühende Linden, freut sich an Ruderalflächen und versucht neophytische Robinien zu retten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 17. November 2019, 19:24:24
 :-X

Nun, die Robinien möchte Frau Berger sicher nicht retten. Sie gehören ganz klar auf auf die Liste invasiver Arten, deren erweiterte Verwendung zu unterbinden ist. Dort werden sie aber wegen der Imker und wegen der Förster nicht landen.

Das bleibt letztendlich Kleinkram. Die wesentliche Essenz des Beitrags ist, dass es für artenreiche Natur bei uns zu wenige und zu kleine Flächen mit zu geringer Vielfalt an Strukturen und standörtlicher Dynamik gibt. Eine wesentliche Entlastung könnten Land- und Forstwirtschaft (als weitaus überwiegende Flächennutzer) schaffen, wenn sie statt versprengter, kleiner, bunt angemischter Schaufensterflächen regelmäßige, netzartig verbundene und am Ende nicht Promille, sondern Prozente belegende Flächen mit verringerter Nutzungsintensität bereistellten. Die Fallen-Effekte, die Ruth Berger beschreibt, sind in durchgängig intensiven Nutzungsmustern real und lassen sich am besten bei komplexer Gestaltung extensiv genutzter Strukturen vermeiden.

Ansonsten bleibt in dem Beitrag einiges spekulativ und wird allein schon unter Ökologen und Naturschützern weiterhin umstritten bleiben. Kein Grund, die Landnutzungen von ihrer aktuellen Verantwortung freizusprechen.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 17. November 2019, 19:28:34
:-X

Die Robinien erwähnte ich deinetwegen.  8) Wenn ich daran denke, mache ich morgen ein Foto von einer Fläche, durch die ein von mir gebauter Zaun geht.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 17. November 2019, 19:37:39
Hab ich mir gedacht. Und bin doch wieder über´s Stöckchen gesprungen.  ;D

Wie viele Jacken und Hosen hast Du zerrissen.  8)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 17. November 2019, 19:42:07
Das ging schon. Statt eines Robiniengebüschs mit Calamgrostis-Unterwuchs befindet sich dort jetzt eine prima, artenreiche Magerwiese. Allerdings befürchte ich, dass dort in fünf Jahren wieder eine Robinia-Calamagrostis-Fläche entstanden ist.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Bristlecone am 17. November 2019, 19:44:55
Die wesentliche Essenz des Beitrags ist, dass es für artenreiche Natur bei uns zu wenige und zu kleine Flächen mit zu geringer Vielfalt an Strukturen und standörtlicher Dynamik gibt. Eine wesentliche Entlastung könnten Land- und Forstwirtschaft (als weitaus überwiegende Flächennutzer) schaffen, wenn sie statt versprengter, kleiner, bunt angemischter Schaufensterflächen regelmäßige, netzartig verbundene und am Ende nicht Promille, sondern Prozente belegende Flächen mit verringerter Nutzungsintensität bereistellten.

Beim hiesigen "Eichwald" hat eine Bürgerinitiative in Verbindung mit der Fraktion von Grünen, SPD und Freien Wählern im Stadtrat dafür gesorgt, dass nahezu jegliche forstliche Arbeit eingestellt wird.

Einschlag auf einer größeren Fläche mit Stehenlassen zahlreicher Überhälter an Eichen zur Naturverjüngung, 2015 vorgenommen, auf der lichtreichen Schlagfläche entwickelt sich eine artenreichere Vegetation, die sich noch viele Jahre halten düfte: wird abgelehnt, da als Raubbau angesehen.
Einzelstammnutzung der 250 Jahre alten Eichen: abgelehnt, wegen der Bodenverdichtung durch die Forstmaschinen, die in den Wald jenseits der Wege reinfahren.
Auslichten der Buchen, um den Eichen weiterhin Entwicklungsmöglichkeiten zu geben: abgelehnt, wegen des unnötigen Holzeinschlags.
Plan des Forstwerks: abgelehnt, da gewinnorientiert.

(Anmerkung: Es wächst jedes Jahr mehr Holz, insbesondere Buche, nach, als eingeschlagen wird.
Und von Natur aus wäre der Wald ein nahezu reiner Buchenwald.)

Gefordert wird eine "naturnahe Entwicklung des Waldes im Hinblick auf den Klimawandel" im Dialog mit den Bürgern.
Die alten Eichen sollen als wertvolle Naturbäume im Wald erhalten bleiben. :-X
Nutzung wird als Unnatürliches, nicht Waldgemäßes abgelehnt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 17. November 2019, 19:51:31
Ja, auch das kennen wir zur Genüge. Bisher ließ sich mit geduldigen Worten und dem Vorzeigen von erhaltenswerten Dingen doch fast immer etwas bewegen.

Der fundamentale Wildnis(irr)glaube scheint hier in der Gegend dann doch nicht so verbreitet zu sein.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Bristlecone am 17. November 2019, 19:59:12
Es ist frustrierend. Von Dialog kann derzeit keine Rede sein.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: dmks am 17. November 2019, 20:00:11
Wald ist Produktionsfläche. Feld ist Produktionsfläche, Wiese auch.
Das ist genauso Betriebsgelände wie ein Chemiewerk oder Logistikzentrum.
Seltsamerweise wird eine neue Autobahn mit angrenzendem Industriegebiet eher toleriert und sich über eingefügte "Architektenpetersilie" (neu gepflanzte Einzelbäume) gefreut! ...als daß Verständnis dafür da ist daß ein dazwischenliegendes Waldstück ganz normal bewirtschaftet wird.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Wild Obst am 17. November 2019, 20:08:54
So etwas in der Art kenne ich auch. Letzten Winter habe ich bei verschiedenen "Naturschutz/pflege"-Einsätzen mitgemacht. Es ging alte Hecken zurückzunehmen, die tlw. ganze Steinriegel usw. komplett überwachsen hatten. Das war zumindest die Ansage der Verantwortlichen. Andere Helfer haben dann angefangen, mit der Baumschere an den Lingustern herumzuschnippeln und mich mehrfach mehr als nur böse angesehen, als ich die Linguster und Hartriegelausläufer sammt Wurzeln aus den Steinriegeln versucht habe herauszuziehen.

Viele, selbst Interessierte, wollen irgendwie nicht verstehen, dass Biotop"Pflege" erst einmal relativ brutal aussehen kann. Und viele vergessen ständig, dass gerade die "Biotope" wie Hecken, Steinriegel uä. eine mehr oder weniger häufige Pflege (bzw. Störung) brauchen, um "für den Artenschutz zu funktionieren". Sie sind eben nicht natürlich.

Oder vielleicht doch: Wir bräuchten aber dafür dann wieder Großtiere überall, die auch mal Bäume fällen und Hecken verbeißen oder ausreißen. Wie wäre es mit Nashornern, Mammuts oder Elefanten als "Biotopflegebeautragte"? Oder wenigsten Wiesente und ähnliches? Oder die menschliche Pflege/Nutzung muss eben dann diese Effekte ersetzen. Oder es gibt dann eben keine/kaum noch Offen-, Ödland Hecken oder Wiesenarten.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 17. November 2019, 20:15:13
...Die wesentliche Essenz des Beitrags ist, dass es für artenreiche Natur bei uns zu wenige und zu kleine Flächen mit zu geringer Vielfalt an Strukturen und standörtlicher Dynamik gibt. Eine wesentliche Entlastung könnten Land- und Forstwirtschaft (als weitaus überwiegende Flächennutzer) schaffen, wenn sie statt versprengter, kleiner, bunt angemischter Schaufensterflächen regelmäßige, netzartig verbundene und am Ende nicht Promille, sondern Prozente belegende Flächen mit verringerter Nutzungsintensität bereistellten.

Das klingt wie mein Plan irgendwie. Ich wäre sofort dazu bereit dafür einen Öko-Beitrag von meinem Bruttogehalt abziehen zu lassen, für entgangenen Landwirt-Gewinn sozusagen. Jetzt fresst mich bloß nicht  :-\.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 17. November 2019, 20:38:08
Jetzt fängt der wieder mit der Leier an.  ::)

Das Geld wäre da und nennt sich Naturschutzausgleichsmaßnahme. Allerdings darf die nur ganz ausnahmsweise für die Pflege vorhandener Biotope verwendet werden.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Wild Obst am 17. November 2019, 20:42:08
Ich versuche ja auch meine Grundstücke nach Möglichkeit insektenfreundlich zu bewirtschaften. Aber trotzdem wäre ich sehr wenig davon begeistert, wenn sie  z.B. als Streuobstwiese pauschal unter Naturschutz gestellt werden würden und mir dann irgendjemand (auch nur potentiell) vorschreiben würde, wie ich genau meine Streuobstwiese zu pflegen hätte (Mähzeitpunkte, Düngung, (Obst)bäume (nach)pflanzen, ...), weil das dann vermutlich meinen bisherigen Pflege zumindest teilweise zuwiderlaufen würde. Außerdem kann ich natürlich als "Hobbybewirtschafter" auch nicht unbedingt alle Termine usw einhalten, weil ich natürlich nur dann arbeiten kann, wenn ich auch Zeit habe.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 18. November 2019, 10:20:14
Hier also ein Foto: rechts vor allem bienenfreundlich, links allgemein insektenfreundlich. Auf der Streuobstwiese blüht es von April bis September. Wird künftig nur noch einmal im Jahr gemäht, blüht dort künftig Calamagrostis epigejos. Wird nicht mehr gepflegt, verschwinden die Obstbäume. Robinien, Birken und Kiefern werden das Gelände erobern.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Chica am 18. November 2019, 15:36:05
Das sieht gut aus Staudo. Du musst also auf der Streuobstwiese vor der Samenreife von Calamagrostis epigejos mähen, damit sich das nicht ausbreitet und dann noch? Im rechten Bereich gibt es dieses Gras nicht? Was wäre mit Rhinantus sp.. oder Melampyrum arvense? Was für Wildblumen hast Du dort, die üblichen Verdächtigen auf nährstoffarmem Sandboden, Lotus corniculatus wäre unentbehrlich für alle Bläulinge, auch Anthyllis vulneraria? Das sind jedenfalls traumhafte Flächen  :D. Ist das dort wo auch der Spilling steht?
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 18. November 2019, 16:55:11
Das ist eine Naturschutzausgleichsfläche von anderthalb Hektar. Bisher ließ ich dort im Juni und Ende August/Anfang September mähen. Leider ist die Maßnahme ausgelaufen. Was ab nächstes Jahr mit der Fläche wird, weiß vermutlich nicht mal die Stadtverwaltung. Bis jetzt bin ich eher pessimistisch.
Dort standen früher Schweineställe. Als die abgerissen waren, wurde das als beliebter Endlagerplatz für Baumstumpen und Erdmassen verwendet. Wir haben die Stumpen an den Waldrand geschoben und die Erdhaufen breitgemacht. Als Folge gibt es auf der Fläche extrem sandig-schottrige Bereiche, wo Heidenelken und Luzerne wachsen und recht nahrhafte, wo sogar Brennnesseln wachsen. Das Reitgras ist da, hat es aber schwer. Im Sommer sucht sich der Wiedehopf Grashüpfer zwischen den Obstbäumen.  ;)
Der Spilling steht auf einer anderen Fläche hier am Wohngrundstück. Die pflege ich.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: lerchenzorn am 18. November 2019, 17:08:04
Schaut Euch (Du und die Gemeinde) mal die Bedingungen zum Vertragsnaturschutz an und stellt ggf. einen Antrag. Nahrungshabitate für den Wiedehopf sind sicher ein gutes Argument. Für die Obstwiese kämen wohl vor allem Maßnahmen unter 3.1.1 und 3.1.2 oder aber unter 3.3 in Frage.

Es kann sein, dass der Finanztopf bereits ausgeschöpft ist. Das sollte Euch aber nicht abschrecken, wenigstens den Antrag zu stellen. Ebenso solltet Ihr Euch von den niedrig erscheinenden Vergütungssätzen nicht abschrecken lassen. Notwendige, gut begründete Maßnahmen, für die höhere Aufwendungen plausibel gemacht werden, können auch nach Aufwand vergütet werden.

Als einmalige oder wenige Male wiederholte Maßnahme wären auch Heusaaten aus der Übertragung von Mulchgut aus nahe gelegenen, artenreichen Wiesen denkbar.
Das würde dann auch nach Aufwand kalkuliert und, wenn Feld vorhanden ist, vergütet.

Die zeitliche Befristung der "Nachsorge" bei Ersatzmaßnahmen entstammt der lange herrschenden Sicht, dass einmal "hergestellte" und "lange genug" gepflegte Lebensräume irgendwann stabil würden. Eine Mischung aus Naivität und mangelnder Durchsetzungsfreude gegenüber Investoren und anderen "Eingreifern".  :-X
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Staudo am 18. November 2019, 17:16:30
Wir schweifen wieder ab ...
Eine Planerin sagte mir mal, dass ihr Strauch- und Baumpflanzungen am liebsten wären. Da gibt es eine Schlussrechnung und danach muss sich niemand mehr um die Flächen kümmern.
Ansonsten vielen Dank für den Tipp. Ein Angebot liegt der Stadt bereits vor. Ich fürchte, das landet in einem dicken Ordner und wird in zehn Jahren entsorgt.
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: oile am 18. November 2019, 17:40:17
Sollen wir ein paar Briefe schreiben? Irgendwer ist ja immer mal in der Gegend und freut sich über das, was da geschaffen wurde.  8)
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Floris am 18. November 2019, 17:54:55
Ich staune immer wieder, wie groß doch die Unterschiede zwischen den Bundesländern in solchen Fällen sind.

Hier ist die Antragsfrist für Vertragsnaturschutz gerade rum und es wird gerechnet. Grünlandextensivierung wird komplett genehmigt, ohne Beurteilung der Wertigkeit der Flächen. Also auch Flächen, die es fachlich nicht verdienen (Die Landesregierung leitet ihren Erfolg über die verausgabten Mittel ab)
Streuobstwiesen wären auf jeden Fall drinne, weil grundsätzlich als  hochwertig eingestuft, und mit Wiedehopf erst grad.

Wenn die Bindung einer solchen Fläche abläuft, meldet sich der bisher Verantwortliche  bei einem Landschaftspflegeverband oder der zuständigen Behörde (nicht der Gemeinde). Die Umfrage bei den örtlichen Landwirten ergibt in der Regel rasch einen Interessenten, der gegen Betriebsprämie plus Extensivierungsprämie die Fläche bewirtschaftet. Wobei die Auflagen nicht extrem sind, neben Düngeverzicht wird nur die Mahd zur Heuzeit (nicht Silomahd) gefordert. Zur allgemeinen Verbesserung der Fläche für die Artenvielfalt reicht das erstmal.

Heumulchsaat wird nur zur Neuanlage von Grünland eingesetzt, nicht auf bestehenden Wiesen.

Zum Thema Insekten: ebenso erhebliche Unterschiede vermute ich beim Ausmaß des vermuteten Insektensterbens. Ich bezweifle, dass man die vorhanden Untersuchungen bundesweit hochrechnen kann. Ebenso erscheinen die mir pauschal und umfassend geforderten Maßnahmen nicht überall gerechtfertigt.
In großräumig ackerbaulich genutzten Regionen mag das passen (z. B. einen Prozentsatz als dauerhafte Strukturelemente anlegen). Sowas gibt es hier auch, aber eher untergeordnet. In den noch strkuturierten Mittelgebirgslandschaften würden damit viel  Mittel verschleudert weil nicht zielgerichtet, die andernorts immer wieder beanstandete "Gießkanne".

Ach ja: Streuobstwiesen als Kompensation waren bei uns auch mal beliebt, sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis (wenn man sie nach der Anlage sich selbst überläßt)
Ich weiß nicht genau wer das letztendlich bewirkt hat, aber sowas taucht seit Jahren schon nicht mehr in den Planungen auf. Möglicherweise hat die Genehmigungsbehörde das eingesehen und entsprechende Bedenken berücksichtigt...
Titel: Re: Studie zu Insektensterben
Beitrag von: Rieke am 11. Januar 2020, 11:09:23
Neu erschienen: der Insektenatlas.

Wer ihn lieber gedruckt möchte, der taz heute ist er als Beilage dabei.

Ich habe ihn vorhin angelesen, er bietet einen Überblick über die Lage der Insekten nicht nur in Deutschland, mit Verweisen auf aktuelle Studien.