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Pflanzenwelt => Arboretum => Thema gestartet von: Carebo am 20. Juli 2019, 11:18:14

Titel: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Carebo am 20. Juli 2019, 11:18:14
Hallo!

Vor ein paar Monaten habt ihr mir schon sehr geholfen bei meiner Frage nach der Thuja, jetzt habe ich ein neues Problem: Meine Zeder, die ich hier schon mal gezeigt habe, verliert seit ca. 2-3 Wochen massiv an Nadeln. Die Nadeln werden astweise braun und fallen ab. Gleichzeitig wachsen aber die Triebe vorne - man sieht deutlich die neue Triebverlängerung - und seit gestern habe ich entdeckt, dass sie neue Samen angesetzt hat und zwar in ziemlich großer Menge.

Sie hat in den letzten Wochen wirklich sehr, sehr viele Nadeln verloren. Meine Frage wäre: Ist das ein Anzeichen dass die Zeder langsam abstirbt? Oder spricht die Tatsache der neuen Triebe und der Samenbildung eher dagegen? Das große Problem bei ihr ist dass sie praktisch mit den Wurzeln keinen Erdbereich erreichen kann wo Niederschlag hinkommt. Sie steht an einer wirklich blöden Stelle, außerhalb ihrer Krone ist nur Straße und Bürgersteig und auf unserem Grundstück ist der Bereich um sie herum mit Platten gepflastert. Den eigentlichen Bereich im Vorgarten deckt sie mit ihrer Krone so zu, dass kein Regenwasser mehr hinkommt. In den letzten zwei Wochen hat sie per Gartenschlauch rund 4 Kubik Wasser bekommen, reicht das aus um sie zu retten?

Vielleicht hat jemand Erfahrung damit, ich würde mich sehr freuen.
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Carebo am 20. Juli 2019, 11:18:38
Noch ein Foto der Zeder
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Gartenplaner am 20. Juli 2019, 11:54:26
Erstmal grundsätzlich - auch Koniferen werfen ihre alte Nadeln ab.
Die ältesten Nadeln, die durch das Triebwachstum immer mehr ins Innere des Baumes geraten, altern und kriegen irgendwann nicht mehr genug Licht, um für den Baum von Nutzen zu sein, dann werden sie abgeworfen.
Ich glaube, bei Fichten die Nadeln, die älter als 7 Jahre sind.
Die Eiben waren vor ein paar Wochen im Juni dran, alte, ausgewachsene Bäume hatten da auch viele gelbe Nadeln weiter innen.

Allerdings kann es schon gut sein, dass das letzte trockene Jahr und dieses Stress für den Baum waren und er mehr alte Nadeln als die Jahre davor abwirft.
Du kannst nicht viel machen außer die nächsten Jahre beobachten, ob er insgesamt immer schütterer wird.
Und gießen, aber ob das bei so einem großen Baum so viel bringt?
Aber so ein großer Baum hat schon ein sehr großes Wurzelwerk und kann es als Reaktion auch noch weiter ausdehnen.
So lange viele Neutriebe kommen, geht’s erstmal weiter.
Viele Zapfen allerdings kann eher auf Stress hinweisen - schnell noch für viele Nachkommen sorgen, falls ich es nicht schaffe.
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Cryptomeria am 20. Juli 2019, 11:59:32
Leider leidet dein Baum extrem unter Trockenheit und stirbt tatsächlich langsam ab. Das Bilden vieler Samenstände nennt man Notreife. Machen bei uns selbst im normalerweise feuchten Norden auch einige Baumarten wie z.B. Buchen. Auch bei uns leiden die Bäume unter Trockenheit. Im tieferen Erdreich ist nichts mehr an Feuchtigkeit vorhanden.
Auf Dauer wird es schwierig einen großen Baum durch ständiges Wässern am Leben zu erhalten. Aber du kannst es natürlich probieren. Mache , wenn möglich, einen großen Gießrand um den Stamm, damit das Wasser darin stehen bleibt und langsam an die Wurzel sickert. Vielleicht kannst du diese sehr trockene Phase so doch überwinden. Wenn im Winter viel Schnee fällt und sich der Grundwasserspiegel wieder auffüllt, wird das helfen.
Ich drücke dir die Daumen.
VG Wolfgang
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Magnolienpflanzer am 20. Juli 2019, 12:18:17
Ich möchte keinem Experten hier widersprechen, aber Cedrus ist eine eigentlich sehr trockenheitsresistente Baumart, die auch im sommertrockenen Mittelmeerraum (!) gepflanzt wird. Dass der letzte Sommer in Deutschland ein ungewohnter Stress für sie war, mag ich nicht in Abrede stellen. Aber dass sie gleich abstirbt?

Zitat
So lange viele Neutriebe kommen, geht’s erstmal weiter.
Das glaub ich auch.
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Carebo am 20. Juli 2019, 12:18:35
Danke für eure Antworten.

Wie groß schätzt ihr die Chancen ein, dass sie überleben wird? Und falls nicht, wie lange dürfte es dauern bis sie endgültig abstirbt? Ich weiss, ihr seid keine Hellseher, aber kann man in etwa abschätzen, wie lange ich sie noch stehen lassen kann oder muss ich sie noch in diesem Jahr entfernen lassen? Was wirklich jammerschade wäre, denn sie ist wirklich ein Prachtstück, rund 50 Jahre alt.

Naja, viele Triebe ... mir ist in den letzten Tagen aufgefallen, dass die Triebspitzen bei vielen Ästen und Ästchen neu gebildet wurden, quasi verlängert wurden. Neue Triebe also nicht, die existenten Triebe wurden nur deutlich verlängert.

Zapfen hat sie praktisch überhaupt nicht, was ich bisher gesehen habe kann man wörtlich an einer Hand abzählen, es sind an einer Stelle drei Stück.
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Paw paw am 20. Juli 2019, 13:03:09
Ich möchte keinem Experten hier widersprechen, aber Cedrus ist eine eigentlich sehr trockenheitsresistente Baumart, die auch im sommertrockenen Mittelmeerraum (!) gepflanzt wird. Dass der letzte Sommer in Deutschland ein ungewohnter Stress für sie war, mag ich nicht in Abrede stellen. Aber dass sie gleich abstirbt?
Das letzte Jahr herrschte schon eine extreme Dürre. Doch schon in den 3 Jahren zuvor gab es bei den Jahresniederschlagssummen beträchtliche Defizite. Dieses Jahr schaut es auch nicht gut aus. Auch wenn es regional große Unterschiede gibt, Regen fehlt überall. Da stellt sich schon die Frage, wie tolerant ein trockenheitsresistenter Baum, der jahrzehntelang keine Dürre erlebt hat, mit 50zig auf Dürre reagiert?

In unseren Wäldern sieht es z.T. schon schlimm aus und es könnte noch katastrophaler werden. Pilze und Schädlinge profitieren von herrschendem Wetter und setzen den durch Trockenheit und Stürmen geschwächten Bäumen massiv zu.
Zitat
Forstwissenschaftler und -fachleute sind bundesweit tief beunruhigt. "Wir haben bei fast allen Baumarten täglich Hiobsbotschaften über Vitalitätsminderung und Schäden", sagt Olaf Schmidt, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising.
Quelle

Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: lord waldemoor am 20. Juli 2019, 13:36:55
ich habe das ganze jetzt nicht gelesen, jedenfalls ist hier alles voller nadeln, denke sie putzen sich, sterben wird hier keine, obwohl ich sie gerne los hätte
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Magnolienpflanzer am 20. Juli 2019, 13:40:05
Zitat
obwohl ich sie gerne los hätte
  ??? ??? ??? ??? Diese wunderbaren Bäume!!???
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: lord waldemoor am 20. Juli 2019, 13:44:38
ja wie es halt so ist im leben
viel zu nah neben dem haus gepflanzt, mit 70 cmlänge, jetzt mehr als das stammdurchmesser, eine hat mir den beton der terrasse schon emporgehoben
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Carebo am 20. Juli 2019, 14:46:55

Das letzte Jahr herrschte schon eine extreme Dürre. Doch schon in den 3 Jahren zuvor gab es bei den Jahresniederschlagssummen beträchtliche Defizite. Dieses Jahr schaut es auch nicht gut aus. Auch wenn es regional große Unterschiede gibt, Regen fehlt überall. Da stellt sich schon die Frage, wie tolerant ein trockenheitsresistenter Baum, der jahrzehntelang keine Dürre erlebt hat, mit 50zig auf Dürre reagiert?

Ich stimme dir grundsätzlich zu, die letzten Jahre waren sehr trocken, allerdings hatten wir hier im Saarland Glück, wir bekamen im Vergleich zum übrigen Bundesgebiet noch relativ viel Niederschlag mit.
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Cryptomeria am 20. Juli 2019, 19:07:39
Nach den beiden Fotos zu urteilen, sieht der Baum sehr schütter aus, d.h. er leidet unter Trockenheit. Wie weit seine Vitalität alles noch wegsteckt oder nicht, ist so schwer zu beurteilen, aber gut geht es ihm nicht. Wie schon gesagt, kräftig wässern, kann man versuchen, obwohl bei 50.-jährigen Bäumen es sehr schwierig ist. Man muss sehen, dass man den Wurzelraum wieder feucht bekommt. Ich war letzte Woche bei einem Nachbarn mit 100-150-jährigen Bäumen und bei einer Platane schaust du locker in den Himmel. Die Blätter sind so klein und nur etwa die Hälfte der sonst. Belaubung. Auch Trockenstress. Absterben tun sie noch nicht, es darf aber nicht so weitergehen. So war das auch bei dieser Zeder gemeint. Sie wird sich erholen, wenn sich gravierend etwas ändert. In sehr vielen Gegenden fehlt die Feuchtigkeit im Untergrund.
Zur besseren Einschätzung wäre aber ein Ganzkörperfoto noch sehr von Vorteil. Ich wollte da auf gar keinen Fall Panik verbreiten. Und entfernen musst du sie auf gar keinen Fall lassen, sie lebt ja.
VG Wolfgang
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Gartenplaner am 20. Juli 2019, 19:25:50
Zeig doch nochmal die Vorgartenbilder aus dem anderen Thread, letztes Jahr sah er eigentlich sehr dicht aus.
Ich denke, der Baum schafft das.
Ein Absterben würde sich wohl eher über 5-10 Jahre abspielen - auf keinen Fall dieses Jahr.
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: blubu am 20. Juli 2019, 20:14:24

Ein Absterben würde sich wohl eher über 5-10 Jahre abspielen - auf keinen Fall dieses Jahr.
[/
Bei unseren Buchen im Park hat ein Jahr Trockenheit gereicht! ( etwa 120 Jahre alt)
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Carebo am 20. Juli 2019, 20:23:17
Hier die beiden Bilder von vor ein paar Monaten ... man sieht schon deutlich wie schütter sie ist. Ich mache morgen noch neue und stelle sie dann hier ein.

Wie sieht es denn mit Dünger aus, wäre das eher kontraproduktiv oder nicht? Wir haben hier klassischen Sandsteinboden, wie man ihn oft im Südwesten findet.

(https://forum.garten-pur.de/index.php?action=dlattach;topic=64661.0;attach=629341;image)

(https://forum.garten-pur.de/index.php?action=dlattach;topic=64661.0;attach=629343;image)
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Cryptomeria am 20. Juli 2019, 20:52:22
Nein, so schütter ist sie nicht. Das Habitusbild sieht noch gut aus.. Der Baum muss mit seinen Wurzeln in tieferen Schichten Zugang zu Wasser haben. Nach den letzten Fotos kein Grund zur Sorge.
VG Wolfgang
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Carebo am 20. Juli 2019, 21:26:07
Nein, so schütter ist sie nicht. Das Habitusbild sieht noch gut aus.. Der Baum muss mit seinen Wurzeln in tieferen Schichten Zugang zu Wasser haben.

Aber hoffentlich nicht über die Kanalisation?!  :-\ Oder meinst du, dass er aus dem umliegenden Bereich Wasser bekommt? Man sieht ja auf den Fotos, wo alles zu ist ... Ich mache morgen dann auch ein paar Fotos der Umgebung.
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Carebo am 21. Juli 2019, 08:55:29
Hier also aktuelle tagesfrische Fotos der Grande Dame!  ;)

Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Carebo am 21. Juli 2019, 08:55:55
Bild 2
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Carebo am 21. Juli 2019, 08:57:22
Hier sieht man die direkte Umgebung des Stammes. Dort wo es nicht zugepflastert ist kommt nur bei Starkregen Wasser hin, ansonsten ist alles durch die Zeder selbst verdeckt. "Normaler" Regen hat also wenig Chancen.
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Cryptomeria am 21. Juli 2019, 10:44:33
Etwas licht, aber überhaupt kein Grund zur Sorge. Mach weiter so. Die Zeder, schönes altes Exemplar, schafft das gut. Jedenfalls so meine Einschätzung aus der Ferne. Sie bekommt das Regenwasser über die freien Flächen.
VG Wolfgang
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Carebo am 21. Juli 2019, 15:24:55
Danke für eure Einschätzungen!  :)

Dann werde ich weiterhin den Schlauch hinlegen und sie wässern in der Hoffnung, sie am Leben zu erhalten.

Meint ihr, ein Kubik Wasser pro Woche in den nächsten Wochen bis zum Ende des Sommers reicht?
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Cryptomeria am 21. Juli 2019, 15:59:44
Reicht
VG Wolfgang
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Arachne am 21. Juli 2019, 16:59:42
Bei der Größe des Baumes und des Wurzeltellers dürfte sich die Zeder schon in der Wiese des Nachbarn bedienen  ;)

Etwas OT was die Pflasterung angeht: das Regenwasser versickert schon in den Fugen, kann dann aber dann wegen der Platten nicht so gut verdunsten. Letztes Jahr musste ich während der Trockenheit bei mir im Garten einige Platten des Gehweges wegen Begradigung aufnehmen. Und siehe da: der Gartenboden war knochentrocken, aber der Sand unter den Platten noch feucht. Die Kiwi hatte ihre Feinwurzeln großflächig in diesem Sand ausgebreitet. Kein Wunder, dass die Blätter knackig grün waren.
Titel: Re: Zeder verliert massiv Nadeln
Beitrag von: Carebo am 21. Juli 2019, 19:16:00
Zur Nachbarwiese könnten die Zedernwurzeln durchaus reichen, dort ist keine Betonmauer oder sonstige Begrenzung. Allerdings hat sie dann auch wieder das Problem der Konkurrenz durch die Bäume auf der Wiese. Dort stehen drei ziemlich mächtige Linden und zusammen mit unserer Zeder, den Linden und den Büschen sind die Wiesenflächen ziemlich abgedeckt, so dass soviel Wasser dort den Boden nicht erreichen kann.

Meine Sorge war auch, dass die Zedernwurzeln zum einen die Hauswand erreichen und zerstören können - es sind genau vier Meter bis zur Hauswand - und zum anderen wegen Wassermangel auch die Kanalrohre erreichen.

Sie bekommt jetzt jeder Woche ausreichend Wasser und dann hoffe ich, dass das ausreicht.