Eine wachsende Zahl invasiver Neophyten trägt dazu bei, heimische Pflanzenarten und -gemeinschaften zu verdrängen. An die gebietsweise verdrängten Pflanzenarten oder -gemeinschaften gebundene Tierarten gehen zwangsläufig ebenfalls zurück.
In unserer Region (unteres Saaletal) bildeten Fingerkraut-Eichen-Trockenwälder die historische Waldvegetation und stellen auch heute noch die potentiell natürliche Vegetation dar. Diese Wälder sind ausgesprochen reich an hoch an extreme Standortbedingungen angepassten Arten. Heute gibt es diesen Waldtyp so gut wie nicht mehr, an seine Stelle sind Robinienbestände getreten. Die Robinie wurde forstlich eingebracht, breitet sich allerdings extrem aus und stellt heute die häufigste Baumart in unserer Region dar. Da sie die Standortbedingungen durch Luftstickstoffbindung und Bodenversauerung (v. a. in Hanglagen) gravierend verändert, ist auch die Bodenvegetation vom Wandel der Waldgesellschaft betroffen. Anstelle der früher vorkommenden, allgemein in Deutschland seltenen Arten sind heute nur noch Taube Trespe, Kletten-Labkraut und Große Brennnessel im Unterwuchs der Bestände zu finden. Eichen können im Unterwuchs der Robinie nicht mehr aufkommen, Winter-Linde, Hainbuche und Feld-Ahorn ebenfalls nicht.
Ein anderes Beispiel ist die Spätblühende Traubenkirsche, die sich vorrangig auf den Standorten der bodensauren Eichen-Birken-Kiefernwälder ausgebreitet hat und weiter ausbreitet. Früher waren diese Wälder ebenfalls reich an seltenen Arten. Aufgrund der Lichtheit der Bestände kamen Heidekraut und Beersträucher regelmäßig großflächig vor. Da die Spätblühende Traubenkirsche stärker schattet, werden lichtliebende Pflanzen unter ihr verdrängt. Für das Wild ist sie aufgrund giftiger Inhaltsstoffe keine Äsung, lediglich Drosseln erfreuen sich an den Früchten.
Die mit der Ausbreitung des Eschen-Ahorns verbundene Veränderung von Auenwäldern hatte ich an anderer Stelle bereits beschrieben.
Sind das wünschenswerte Veränderungen? Es handelt sich immerhin nicht um Bereicherung durch das zusätzliche Auftreten einer gebietsweise neuen Art, sondern um einen grundlegenden Wandel unter teilweisem, oft weitgehenden und nicht selten gebietsweise völligem Verlust heimischer Ökosysteme.
In anderen Regionen der Erde wurden durch einzelne Arten invasiver Neophyten ganze Ökosysteme ausgelöscht.
Ich persönlich halte es für völlig verfehlt, den Begriff der Xenophobie auf den Umgang mit Neophyten anzuwenden. Der Begriff wird m. E. üblicherweise dazu verwandt, das Verhältnis eines Menschen oder einer Gruppe zu Menschen anderer Kulturkreise oder geografischer Herkunft zu beschreiben. Mithin steht der Begriff der Xenophobie inhaltlich dem Rassismus nahe, der einem auf die eigene kulturelle und regionale Herkunft zentrierten Weltbild enstpringt und im Regelfall mit mangelnder Kenntnis der abgelehnten Gruppe(n) anderer Menschen gepaart ist. Nun können aber Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft und Rassezugehörigkeit ohne Zweifel nebeneinander existieren, ohne dass es zwangsläufig zum Verlust von z. B. kultureller Identität kommen muss. Im Falle des Auftretens invasiver Neophyten ist es eben nicht analog, hier muss man sich oft ganz klar entscheiden, ob man fremde arten unter Verlust der heimischen tolerieren möchte, oder nicht.
In meinem eigenen kleinen Wald treten übrigens neben der Robinie noch ein paar weitere Baumarten auf: Rot-Eiche, Spätblühende Traubenkirsche und Götterbaum. Die ursprünglich sicherlich dominant vorhandene Stiel-Eiche macht nicht einmal mehr 1% des Bestands aus, ansonsten sind von den heimischen Baumarten gerade noch ein paar einzelne Eschen und Kirschen eingestreut. Selbst wenn ich größere Weißdorne mitrechne, werden immer noch ca. 98% des Bestands von fremdländischen Arten gebildet. Für mich stellt sich ein ganz klares Ziel: Reduzierung der Fremdländer auf die Hälfte innerhalb der nächsten zehn Jahre. Hoffentlich schaffe ich es.
Der Imker, der den von Dir übernommenen Garten bewirtschaftete, wird sich vermutlich auch nicht lange sehr an den Götterbäumen gefreut haben. Der Götterbaum wird zwar wegen seiner späten Blüte als ergänzende Trachtpflanze gelobt, soll aber die unangenehme Eigenschaft haben, dem Honig ein intensives Aroma von Katzenurin zu verleihen, das sich erst nach mehrmonatiger offener Lagerung verliert. Schon weil ich auf derart aromatischen Honig verzichten kann, werden bei mir die Götterbäume gefällt.