Fotografien haben die besondere Eigenart, sich gegenseitig zu beeinflussen - bei Gemälden ist das nicht so im Gegesatz.
Wenn die Birkenzweige neben ein Porträt gestellt werden, stellt man ( über das Auge ohne schriftl.info ) einen anderen Zusammenhang dar als würden die gleichen Zweige neben eine Landschaft gestellt.
Ich denke, jeder hat eine andere Wahrnehmung, die zumeist auf Hintergrundwissen beruht. Das Madonnenbeispiel halte ich für falsch - selbst bei einer Antiquität bleibt der Madonna der religiöse Inhalt erhalten.
Wo wird Brigittes Interpretation ( bez. Normaloptik ) verworfen?
Hier einige Zitate zur Dokumentarfotografie z.B. von Dorothea Lange:
"Mein Ansatz beruht auf drei Erwägungen. Erstens - Hände weg! Was ich photographiere, das belästige ich nicht, ich pfusche nicht hinein und arrangiere nichts. Zweitens - Raumsinn. Was ich photographiere, versuche ich stets als Teil seiner Umgebung darzustellen, als etwas, das Wurzeln hat. Drittens - Zeitsinn. Bei allem, was ich photographiere, versuche ich auch zu zeigen, daß es eine bestimmte Stellung in der Vergangenheit oder in der Gegenwart einnimmt."
Stryker: " Der Dokumentarismus ist eine Form der Annäherung an ein Thema, keine fertige Technik; eine Bejahung und keine Verneinung... Die dokumentarische Haltung verneint nicht die gestalterischen Elemente, die ein wesentlicher Maßstab jeder Arbeit bleiben müssen. Sie setzt diesen Elementen nur bestimmte Grenzen und gibt ihnen eine Richtung. So wird Komposition zur Akzentuierung - und Kontur, Schärfe, Filterung, Stimmung, alle jene Bestandteile, die die verschwommene Vorstellung von "Qualität" ausmachen, werden dem einen Zweck dienstbar gemacht: so beredt wie möglich von den Dingen zu sprechen, die in der Sprache der Bilder gesagt werden sollen. "
Wer mehr lesen will, og. zit. aus: Schirmer und Mosel, Dokumentarfotografie