Hallo und guten Morgen,
mir sind beim Lesen, leider bin ich erst jetzt dazu gekommen, Gartenpflichten,

einige Dinge durch den Kopf gegangen, die ich hier einmal ohne die zitierten Personen explizit zu kritisieren, erläutern mag:
....... gibt auch sachliche Fotografie. Ist übrigens mehr meine Sache als allzu starke Bildbearbeitung / - veränderung.
Es gibt keine wirklich sachliche Fotografie im Sinne von objektiv. Ein Foto ist immer eine Reduktion, in der Dimension (2-dimensional), in der Bewegung der Objekte und der Betrachter, in den Farben, (selbst bei besten Materialien werden Farben nur näherungsweise und reduziert widergegeben,) in den Konhtrastumfängen, (es sei denn man heißt Ansel Adams

), in Ausschnitt, Genauigkeit und vielem weiteren. Schon die Wahl des Filmmaterials kann eine Manipulation sein. Das Foto hat letztlich mit dem Dargestellten kaum mehr was zu tun. und:
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Methoden der Nachbearbeitung wie das Korrigieren von Ausschnitt, in gewissem Rahmen auch von Tonwertumfang, Helligkeit / Kontrast, Farb(temperatur) und auch Scharfzeichnen verändern das Foto nicht, sondern optimieren nur und sind damit unbedenklich. - Ich gehe dabei von 'richtig' belichteten Fotos aus.
wer mal in die Lage kommt, ein Foto einem abgebildeten Gegenstand anzugleichen, wird schnell erkennen, wie viele Kunstgriffe der Bildbearbeitung im Sinne einer annähernden Objektivierung notwendig sind. Bildbearbeitung/-manipulation kann somit helfen, die Abbildungsfehler des Mediums auszugleichen, ja meist ist sie sogar notwendig, wenn man beispielsweise sieht, welchen Aufwand Adams in diesem Sinne betrieb. Dennoch bleibt das Foto nur ein Schattenbild der "Realität"
Natürlich ist Fotografie Dokumentation, denn sie zeigt einen Teil unserer Umwelt, wie sie zu genau dieser Zeit wahrgenommen werden konnte (!).
ja, aber halt nur einen Blick unter Millionen möglichen. Und welchen der Fotograf wählt, unterliegt natürlich seiner Subjektivität. Fotografie ist genauso gefärbt, wie eine Zeichnung oder ein Gedicht. Nur macht sich die Fotografie, da sie ja die Realität abbildet, erst einmal unverdächtiger, einem Wort tritt man von Vornherein eher mit Mißtrauen entgegen. Ein Foto ist jedoch genauso objektiv/subjektiv, wie ein Gedicht, es liegt alleine in der Absicht und dem Können des Autors. Das Foto nimmt jedoch mit seinem Realitätsanspruch eine Sonderstellung ein, es beeinflußt unsere Sehgewohnheiten, ja manchmal sogar unseren Blick auf die Realität. Was ist realer, die eigene Erinnerung an etwas (mit ihr können sich beispielsweise sinnliche Eindrücke verbinden, wie Geschmack und Geruch, von denen ein Foto vollkommen abstrahiert), oder das gemachte Foto. Man kann mittlerweile auch beobachten, daß die vielen Bildbearbeitungen in der Werbung Rückwirkungen auf den Betrachter haben, wir nehmen in Eiswürfel eingefrorene Autos kaum mehr als Fake war.
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wenn wir Heisenbergs unschärferelation als gültig ansehen, kann es kein dokumentationsfoto geben. da auch fotografieren immer eine interaktion ist.
Jedes Foto ist ein Dokument, (mit den o.a. technischen Schwächen natürlich,) von was auch immer, das eine vielleicht mehr von der abgebildeten Situation, das andere mehr von der Sichtweise des Fotografen. Nur müssen wir das immer im Kopf behalten, daß ein Foto der Sichtweise des Autors und dessen mehr oder minder lauteren Absichten entspricht.
Ich finde, Fotografie ist keine 'Kunst' - zumindest nicht in demselben Sinne wie Malerei oder Bildhauerei. Und 'künstlerische' Fotografie ist mir persönlich etwas suspekt.
Thomas, die Zeit der künstlerischen Fotografie der Anfänge, in der diese zu gestalterischen Methoden griff, um sich eben als Kunst zu legitimieren, haben wir zum Glück überwunden. Natürlich kann Fotografie Kunst sein. Ob etwas Kunst ist, entscheidet sich doch, zumindest seit dem 20. Jahrhundert, nicht durch die Wahl der Mittel, sondern durch den sozialen Kontext/Aussage. Ein schwarzes Quadrat wurde doch erst zur Kunst, weil es von Kasimir Malewitsch dort plaziert wurde, wo in einem "normalen" russischen Haushalt die Ikone hingehörte und Marcel Duchamp´s Urinal ist nicht Kunst, weil es von einem bestimmten Designer entworfen wurde, sondern weil es in vielen Menschen das Nachdenken ausgelöst hat, was Kunst zur Kunst macht, oder anders formuliert, ist etwas Kunst, weil es einem Museum hängt/steht/liegt.