... typische Merkmale von Kunst auf. Schließlich hast du dir Gedanken gemacht über: Farbklang, Komposition, Stimmung.
Das würde bedeuten, ich hätte bei diesem Foto primär an das Foto gedacht. Was ich meine, ist etwas anderes: Ich bin dort lang gegangen und habe durch die flirrenden Birkenzweige das kühle Wasser gesehen. Dann habe ich versucht, das, was ich gesehen habe und das, was ich wuste (z.B. kühles Wasser ...), möglichst typisch ins Bild zu setzen. Das heißt, ich wollte keine Stimmung von mir oder subjektive Sichtweise zeigen. Sondern diesen Ort zu diesem Zeitpunkt.
Und überhaupt wieso Verfälschung? Irgendwie scheint im Hintergrund die Vorstellung zu schwirren, was subjektiv ist, ist manipulativ, geschieht zum Zwecke der Irreführung.
Das scheint mir gut einen der Problempunkte bei der Fotografie anzusprechen. Ein Foto kann oberflächlich per se für etwas Objektives gehalten werden, bildet es doch das ab, worauf sich das Objektiv (sic!) richtet. Wie wir nun hinreichend diskutiert haben, ist es so aber nicht. Sondern die Entscheidungen des Fotografen bringen subjektive Einflüsse ins Spiel .
Und jetzt kommt's: Dies kann der Fotograf nutzen, um sozusagen mit dem Material seines fotografischen Objektes etwas neues zu erzeugen, eine subjektive Aussage, etwas Schönes, oder etwas Provozierendes vielleicht ...
Oder - und das gefällt mir besser - er wertet nicht, sondern nimmt sich zurück. Und stellt sein fotografisches Wissen in den Dienst der Sache: Zu zeigen was ist.
@toto: Beim 'schöner machen' beginnen meine Probleme, denn da sehe ich bereits Verfälschung.
@riesenweib: Ich meine eine Fotografie, die anstrebt zu zeigen was ist. Nicht nur für mich, sondern eben intersubjektiv.
Eine gewisse Allgemeingültigkeit möchte ich dabei schon.
Natürlich kann ich so auch etwas zeigen, was andere vielleicht übersehen / nicht so sehen. D.h. ich kann auf etwas aufmerksam machen.
Aber damit meine ich eigentlich immer Sachverhalte.
Du hast oben auf die Seite '
Die Kunst des Sehens' verlinkt . Zwei Zitate von dort, die mir gut gefallen:
Ich betrachte Gegenstände, Personen, Situationen mit ganz anderen Augen, fast so als sähe ich sie zum ersten Mal.
Und plötzlich sah ich auch in Richards anderen Bildern: einen vergänglichen Punkt im Zeitstrom, den nie gelingende Versuch, eine Gegenwart festzuhalten. Etwas, das mit dem Photo so wenig möglich ist wie mit einem Gemälde, auch wenn die Verschlußzeit der Kamera noch so kurz ist. Was bleibt ist die Beschreibung eines Augenblicks, ein Aquarell, ein Photo, eine Erinnerung, vielleicht ein Geschmack?
Eine schwierige Balance, ich weiß ...
Liebe Grüße
Thomas