Martina: Da würde ich ganz im Gegenteil vermuten, dass der Fehler bei einer falschen Bedienung lag, die die Stichworte nicht variabel mit den Seitenzahlen verknüpft, jedenfalls das Programm falsch bedient hat. Ein Computer folgt nur seinen Eingebungen.
Das Problem schludriger Bücher liegt mE zuvorderst in einem Denkfehler: Kein Programm beherrscht Sorgfalt, egal ob beim Schreiben, Lektorieren, Korrekturlesen oder bei der Druckvorbereitung, die man heute pre-press nennt. Aber viele Beteiligte glauben, dass Technik Sorgfalt ersetzen kann.
Das ging früher nicht so gut, weil die Technik vergleichsweise umständlich war und sich ein Fehler am Anfang verheerend auswirkte. Deshalb waren die Linotype-Setzer, schon gar die Handsetzer, qualifizierte, orthographiekundige und gut bezahlte Fachleute, die zum Teil sogar noch Schreib- und Korrekturfehler ausgeglichen haben. Heute meint man, dass Fehler in jeder Phase des Prozesses behoben werden können, und darin liegt der erste Grund, dass manche überhaupt nicht behoben werden. An der gesamten Verarbeitungsstrecke sind, weil die Produktion so vereinfacht wurde, ungelernte Kräfte im Einsatz. Das trifft selbst noch auf Autoren zu, die sich mit ihren Textverarbeitungsprogrammen nicht wirklich auskennen. Die einzigen Profis sind die Ökonomen.
Wegen des wachsenden Drucks müssen Verlage viel mehr als früher darauf achten, dass ein Buch schnell Gewinn erzielt. Deshalb werden die Autoren oft verpflichtet, fertige Dateien abzuliefern und selber korrekturzulesen, und der Lektor muss vor allem für die Ökonomie sorgen und in Transsinistrien drucken lassen. Und dann kommt die Erfahrung der Verlage dazu, dass viele Bücher, besonders die mit Bildern, nicht gelesen, sondern verschenkt werden und es deshalb auf die Sorgfalt nicht so ankommt wie aufs Aussehen.
Ich will bei meinem nächsten Buchprojekt mit einem Freund zusammen die ganze Herstellung in die eigene Hand nehmen und dem Verlag das fertig gedruckte Buch anbieten.
Ach, und zur gp, die ja jetzt neu gestaltet wurde, mit einer widersinnigen Einführung, nach der viel gefragte und heiß begehrte Rubriken aufgegeben wurden: Ich schätze dort die solide Information, aber wünschte mir erheblich mehr Redaktionsarbeit. Viele Artikel könnten ein Drittel kürzer sein, ohne an Gehalt zu verlieren. Und die Bildsprache ist ein Desaster, eine Zumutung an Leser.