Die meisten der zum Kauf angebotenen Tomaten entstammen einer industriellen Anzucht, und dort bedient man sich aller-allermeist der sogenannten Hybridensorten (F1-Generation). Hybriden bezeichne ich immer als eine "Kreuzung aus Wallachen". Diese Sorten sind NICHT erb-treu!
Nun, ich denke, das F1-Sorten nicht erbtreu sind wissen wir hier alle. Aber deiner Bezeichnung "...aus Wallachen" muss ich widersprechen: Die Elternsorten von Hybridsorten sind keineswegs 'Wallache', sondern im Gegenteil besonders gesunde, reinerbige Sorten. Das 'gesund' ergibt sich quasi als Nebenprodukt der Inzucht, die zur Reinerbigkeit betrieben wird. Denn im Gegensatz zur allgemeinen Meinung führt Inzucht nicht zwangsläufig zu kränklichen Wesen. Es ist vielmehr so, dass durch die Inzucht bestehende verdeckte Gendefekte sichtbar werden (daher der schlechte Ruf). In der Pflanzenzucht werden aber tausende Exemplare gezogen, und so können alle diejenigen, die auch nur kleine Fehler zeigen, entfernt und nur die guten, fehlerfreien, ausgelesen werden.
Erntest Du Saatkörner aus einer Hybridensorten, pflanzt sie ein, in der Hoffnung genauso eine schöne, stattliche Staude zu erhalten, wie im Vorjahr, kommt es zu einer mitunter bösen Enttäuschung. Was da wächst ist eine Pflanze der "Großeltern-Generation" Deiner Pflanze.
Auch das mit der "Großelterngeneration" ist missverständlich. Vermutlich kommt diese weitverbreitete Ansicht aus den vereinfachten Vererbungsexperimenten, die in Schulbiologiebüchern beschrieben werden. Dort werden normalerweise Beispiele mit nur ein oder zwei Merkmalspaaren betrachtet.
In der Realität achten die Pflanzenzüchter aber auf sehr viel mehr Merkmale. Jede der Elternsorten bringt etliche verschiedene Merkmale in die Hybridsorte mit ein. Nimmt man davon Samen, so können in den daraus wachsenden Pflanzen alle möglichen neuen Kombinationen vorkommen, statistisch gesehen wird nur ein sehr kleiner Teil die gleichen Kombinationen haben wie die Eltern oder gar die Großeltern (was auch immer das sein soll).
Ansonsten wird das mit dem Aufspalten bei Tomaten nicht so heiß gegessen wie es diskutiert wird.
Was soll auch bei einjährigen Gemüsepflanzen groß schief gehen? Bei einem Apfelbaum, der Dutzende Quadratmeter Platz beansprucht und zehn Jahre braucht bis zum Fruchten sollte man es sich gut überlegen, ob man Saaten mit ungewissen Eigenschaften pflegen will. Aber bei Tomatenpflanzen, die nur einen Eimer und ein paar Monate brauchen kann man es ruhig probieren. Selbst wenn eine Buschtomate statt einer Stabtomate rauskommt - so what? Essbar wird sie allemal sein. Und auf maximalen Ertrag kommt es uns Tomatensammlern hier eh nicht an.
Ich habe erst einmal eine Absaat von Serafino F1, einer pflaumenförmigen Cocktailtomate, aufgezogen. Die Pflanze, an die ich mich erinnere, hatte doch eine überraschend große Ähnlichkeit mit dem Original, die Früchte waren nur etwas spitzer.
Zum Thema Saatgutgewinnung.
Im Buch vom "Garten-Guru", John Seymour "Selbstversorgung aus dem Garten"
Bei allem Respekt vor dem "Garten-Guru" -
hier gibt es "Tomaten-Gurus". (Was ist eigentlich die weibliche Form von "Guru" - "Gurine"?

)
@willi12: "führt kein Weg dran vorbei" ist etwas übertrieben. Vor allem ungenau, schließlich kannst du weder alle normalen noch alle F1-Sorten in einen Topf werfen. Also: welche Sorten hast du konkret?
@nina: bei fleckigen Blättern befürchte ich immer Krankheiten, insbesondere Virosen. Die müssen zwar der Pflanze nicht schaden, aber bei mir wären fleckige Sämlinge die ersten, die im Müll landen. (ja, ich weiß, dass viele Gärtner, noch mehr die Züchter, ganz wild auf Pflanzen mit varigierten Blättern sind...)
Was meint Ihr zur Läusebekämpfung mit Diatomeenerde? Weiß jemand, wie man diese Geräte zum 'Sprühen' von pulverförmigen Mitteln nennt?
Grüße,
Robert