Wir waren am Montag letzter Woche dort. Erwartungsvoll, aber auch mit einiger Skepsis, innerlich an langer Hand vorprogrammiert. Man hatte schon zu viel gesehen, großartig Positives und leider immer wieder misslungene Gartenschauen. Und ein Kompliment an alle Beteiligten, Die Garten Tulln, sie ist wirklich sehenswert! Ich will daher keine kleinkarierten Vergleiche zu früheren Gartenschauen anstellen, dies interessiert ja hier wirklich niemanden.
Aber waren es doch mindestens eine Handvoll Schaugärten, die einen internationalen Vergleich absolut nicht scheuen brauchen, z.B. Johannes Schawerda, HBLFA Schönbrunn, der Kiesgarten "Gold und Silber", der Gräsergarten, nur um ein Paar zu nennen.
Man sah gleich mehrere gelungene Darbietungen an Steinarbeiten und nachvollziehbaren Pflanzenkombinationen, wie ich sie andernorts stets über Jahre vermisst habe! Gilt hiermit die österreichische Pflanzenverwendung Österreich also doch nicht als eines der Schlusslichter, war wohl doch nicht Hopfen und Malz verloren? Auch das Thema "Kunst im Garten" wurde gefühlvoll und sparsam, aber durchaus effektvoll vermittelt.
Nicht nur gediegenes Bauen mit Beton und Stein, wie man es sonst von den Damen und Herren Landschaftsgärtner ("Betonbatscher") immer gewohnt war, sondern Farbe, Material und Pflanzen spielten in seltener und gefälliger Harmonie! Die Schau wurde auch nicht krampfhaft an jeder Ecke durch jede Menge Provinzkünstler aufgepäppt, wie man es sonst immer an Landesgartenschauen sah. Auch konnte ich keine billigen Gartenkopien eines Andre Heller, dem Weißen Garten von Sissinghurst, Senkgarten Karl Foersters oder Flächenrudbeckien von Wolfgang Oehme entdecken, in einer Zeit, wo es allerdings für manchen Planer immer schwerer wird, Eigenkreativität und ein Thema vorzugeben. Und es waren dieses Mal auch keine Hunderte Meter an Wechselflor zu durchlaufen, Begonien und Sommerflorkreationen, die quasi als Alibifunktion für mangelnde Vorbereitungen und Haushaltslöchern herhalten müssen.
Freundlichkeit und Zuvorkommen im Übrigen auch bei den Angestellten und Kassiers der Gartenschau.
Mit den gezeigten Schaugärten könnten sich manche Gartenschauen eine Scheibe abschneiden, zumal hier die minimalistischen Darbietungen einzelner Gartenarchitekten unter ferner liefen fungieren und dafür gelungene Gartenräume gezeigt werden, mit denen auch der Besucher was anzufangen weiß, auch ohne beigefügter Blümchenshow für "d'Mizzitant'". Einen positiven Eindruck erweckte auch der gut eingewachsene Zustand mancher Bepflanzungen. Lediglich einige schlampig-lückige Heckenelemente, sowie mangelnder Pflegezustand ganz weniger Gärten trübten das an sich tadellose Bild.
Vermisst habe ich allerdings die genauere Anführung der Planer und ausführenden Betriebe auf den einzelnen Tafeln, dies war viel zu schwammig und auf den ersten Blick nicht immer erkennbar, mal vorhanden, mal nicht. Ich hätte gerne gewusst, wer beispielsweise eine solch gelungene pannonische Flora zusammenfabrizierte, welche jede Verkehrsinsel im Osten Österreichs auf Jahre nachhaltig verzieren würde. Die Sponsoren sind wohl wichtige Geldgeber, aber relativ uninteressant für den Besucher, jedenfalls nicht für "Otto" und meinereiner.
Einen Schlag ins Gesicht bekam man erst durch den grell orangen Hauptweg, wohl gut gemeint und sinnvoll, der aber zumindest meine Gartenseele empfindlich störte und mit den Harfenklänge der blühenden Stauden Links und Rechts regelrecht schreiende Disharmonien erzeugte. Die Planungsgottobersten, welche mit dem Masterplan beauftragt wurden, sollten doch wissen, dass zwar Orange immer noch eine Modefarbe darstellt, doch heutzutage selbst Blinde einen Weg durch den Dschungel der Au finden würden. Auch dann, wenn man den Weg in sanftem Moosgrün oder Aschgrau gehalten hätte.
Der teure "Hochsitz" aus Metall dient wohl eher einem überlegenen "Ich steh' auf/über Niederösterreich", als einem eindrucksvollem Rundblick auf die umliegende Auenlandschaft und den Blick ins Alpenland oder Richtung Wienerwald. Der Tullner Kirchturm war gerade noch zu erkennen. Für einen optimalen Rundumblick hätten es mindestens 30 m mehr sein müssen. Auch die Gartenschau leuchtete lediglich als schemenhafter Flickerlteppich durch die Pappeln und Eschen der Au. Aber als Muskeltraining für die Oberschenkel war dieser überdimensionierte Grenzwachtturm trotzdem ganz brauchbar.
Ach ja, auch dies ein aufmunternder Ratschlag: "Die Garten Tulln" rühmt sich mit dem Slogan "Natur im Garten". Sollten doch das nächste Mal ein klein wenig mehr Elemente des naturbelassenen Auwaldes in die Gartenschau integriert werden, zum Wohle des allgemeinen Verständnisses, dass eine Insel innerhalb eines Auwaldgebietes auf Dauer nicht als eine Insel der Seligen bestehen kann! Auch wenn dies dem Baggerismus in der Aufbauphase im Wege gewesen wäre.
Bad Schallerbach in OÖ wird sich trotz alledem sehr, sehr anstrengen müssen, um gegen Tulln nicht völlig zu verblassen! Der Besucher unterscheidet nämlich zwischen Gartenschau und Gartenschau, nicht zwischen NÖ und OÖ. Und hier in Tulln hatte man das Gefühl, dass trotz aller Schwierigkeiten die einzelnen Arbeiten eher mit großem Individualismus und Elan angepackt wurden und nicht mit unsäglichen Bürokratismus, viel Kontrolle, Fantastereien und "Brettern vor die Füße geknallt".