Zurück zum Thema.
Darf man diese Beispiele, mehr oder minder gelungen, bereits als "Trend" bezeichnen? Diesen gegen das Ordnungsdiktat der Kommunalverwaltungen oder den angepassten Bürgersinn löckenden Ungehorsam einzelner hat es zu allen Zeiten gegeben. So, wie das in der Morgendämmerung unbekümmert Taubenfutter ausstreuende Großmütterlein.
Wenn ich mir die Stadt Frankfurt anschaue, so hat dort der Trend zur Pflegeleichtigkeit zugenommen. Ein recht hübscher Rosengarten am Goetheplatz musste einer Tiefgarage weichen, ohne auf ihrem Haupt wieder angelegt zu werden. Zwar gibt es nach wie vor kostbar bestückte Parks, aber im Innenstadtbereich ist es ärmer geworden. Vor der EZB hat das Grünamt, mit der absoluten Betonung auf Grün, so richtig zugeschlagen. Blumenbeete sind offenbar zu pflegeaufwändig. Manchmal wünscht man sie sich auch abgeschafft, wie hier in Gießen: Die Farbkombinationen bohren Dornen in die Augen. Die Verantwortlichen tragen vermutlich eine gelbe Binde mit drei schwarzen Punkten.
Ebenfalls zurück zum Garten.
Wenn ich durch die Gartencenter und auch Staudengärtnereien streife, so hat m.E. der Hang zur Exotik deutlich zugenommen. Noch vor 5 Jahren hätte man mühsam nach einigen wenigen Anbietern von Kamelien suchen müssen. Inzwischen rollen sie lastwagenweise an. Palmen, Bananen, tropische Rhododendren, Neuseeländische Magnolien, seltene und seltsame Stauden der Subtropen, anspruchsvolle Gemüsesorten, frostempfindliche Gewürzpflanzen...kurzum, der Hang zum Besonderen hat stark zugenommen. Fatal ist allerdings, dass das Wissen um die Bedürfnisse dieser Gewächse selbst bei Fachleuten nicht Schritt gehalten hat. Die Globalisierung hat eben auch hier ihre Auswirkungen.
Begleitend dazu, quasi im Retrolook, die Neigung zur Gartenornamentik. Da hat der Reihenhausbesitzer keine Bedenken, sich eine armlose Aphrodite - plang! - mitten in den Garten zu stellen. Aus weißlichem Zement, versteht sich. Das Angebot an Brunnen- und Wassergestalten reicht vom Hummel-Figürlichen bis hin zu Phidias-Kopien. Boticellis Venus habe ich allerdings noch nicht entdeckt. Vermutlich wirft sie statische Probleme auf.
Etwas bescheidenere Dekorationsvarianten sind die bereits erwähnten Rosenkugeln und mit bunten Glassteinen bestückte Staudenhalter oder Pflanzstäbe, die aber in der Ornamentik zumindest einem Bischofstab den Rang ablaufen müssen. Barock anmutende Beeteinfassungen aus Kunststoff oder Gusseisen, zweifellos schöner als die ehemals beliebten Flaschenreihen, sind auch sehr gefragt. Und wer seine Pflanze liebt, der benamst sie auch. Der wahre Liebhaber mit Porzellanschildchen, der Feingeist mit zierlich beschrifteten Schiefertäfelchen, der etwas derber gestrickte Gärtner mit Tontstickern, der Prolo mit Plastik. Alles soll eben hübsch ordentlich sein und Schlichtheit ist derzeit nicht "in".
Auch in dieser gesteigerten Dekorationsneigung sehe ich einen Trend.