vorweg...ich bin kein gemüseausäer, aber das wissen eh die meisten hier

. ich will euch auch euere diversen "badezusätze" nicht ausreden, aber gebe mal folgendes zu bedenken: gemüsesamen muss im gegensatz zu den mir vertrauteren kaltkeimern aus dem bereich der wildstauden relativ zeitnah keimen, macht ja sonst keinen sinn.
was muss denn im samen ablaufen, damit er keimt? das wird im gemüsesamen nicht viel anders ablaufen als bei den wildstauden...durch die samenhülle muss wasser eindringen, damit die enzyme in gang gesetzt werden können, die die eingelagerte stärke in zuckerverbindungen aufspaltet + diese
erst dann vom embryo als energiequelle genutzt werden können (mit der stärke kann er nichts anfangen). diese prozesse werden durch wärmeeinwirkung forciert, der samen keimt je nach temperaturverlauf mehr oder weniger schnell. da ich annehme, dass im gemüsesamen nicht noch zusätzlich keimungsverzögerer wie z.b. die abscisinsäure abgebaut werden muss (z.b. durch kälteeinwirkung beim stratifizieren wie bei den kaltkeimern), sind m.e. außer wasser + wärme keine "mittelchen" nötig um die keimung zu befördern. ob eine desinfizierende wirkung durch "badezusätze" wie z.b. kamillentee tatsächlich die vitalität der auflaufenden sämlinge erhöht, bezweifle ich. bis zum erscheinen des keimlings ist der samen im substrat schon längst wieder "besiedelt". das sameninnere ist, solange die samenhülle noch nicht durch die austretende keimwurzel perforiert ist eh frei von schädlichen bakterien oder pilzen. die probleme treten erst beim wachsen im substrat auf + bis dahin sind die vermuteten desinfizierenden effekte durch diverse badetees schon längst dahin, wenn es sie überhaupt gab.
also wenn sowas propagiert wird, dann bitte kontrollaussaaten mit unbehandelten saatgut aus der
gleichen charge unter
gleichen kulturbedingungen. wenn dann in den töpfen mit behandelten samen signifikant mehr keimlinge erscheinen sollten, könnte man vermuten, dass das baden in irgendwelchen zusätzen tatsächlich was bringt.