Klar, ein Hauptmotiv alleine macht auch noch kein gutes Fotos, das kann man bei der Primel gut sehen. Umgekehrt stimmt schon, wenn nicht ganz klar ist, was der Fotograf eigentlich zeigen will, kann das Foto nicht gut sein. Natürlich gibt es Totalen, z.B. von schönen Landschaften, die in sich zusammengenommen das Hauptmotiv abgeben.
Ein Foto kann einen rein dokumentarischen Wert haben, dann muss es mich nicht unterhalten oder bewegen, sondern es reichen mir Schärfe und richtige Belichtung. Solche Fotos sieht man sich an, wenn man bestimmt Informationen daraus entnehmen möchte. So könnte Dein Fotos vom Bach und Bärlauch in zehn Jahren interessant sein, wenn dort eine ganz andere Vegetation herrscht und man eben den Vergleich anstellen möchte, wie sich z.B. ein Kleinbiotop entwickelt hat.
Aber sobald Du mit einem Foto mehr als nur eine trockene Info rüberbringen willst, musst Du das Bild so gestalten, dass der Blick gelenkt wird. Der Betrachter will nicht selbst auf dem Bild umherirren, sondern er möchte von bestimmten Bildelementen angesprochen werden. Er möchte auch unterhalten werden, er möchte etwas sehen, was er sonst vielleicht nicht so wahrnimmt. Um bei der Primel zu bleiben, die wäre vielleicht interessanter, wenn ein besonderes Licht darauf scheinen würden, wenn nur wenige Blüten scharf wären und der Hintergrund verschwimmen würde, um die Aufmerksamkeit auf die einzelnen Blüten und nicht die Pflanze als Ganzes zu lenken.
Am Anfang eines Fotos sollte deshalb die Frage stehen, was will ich denn zeigen? Will ich die Farbe des Bärlauchs betonen, die Wuchsform, die Struktur der Blätter, den idyllischen Platz, an dem er wächst etc... Und nach dieser Entscheidung richte ich dann mein Foto aus. Wenn es mir z.B. um Strukturen geht, könnte ich nach Lichtverhältnissen suchen, die die Struktur z.B. durch Schattenbildung betonen. Wenn es mir um die Farbe geht, könnte ich einen bestimmten Hintergrund wählen (auch künstlich, Tonpapier oder so), vor dem die Farbe besonders zur Geltung kommt. Und so weiter.