Nehmen wir für eine erste grobe Einschätzung mal die Angaben zu Amygdalin in
Wikipedia.
Amygdalin bzw. unter entsprechenden Namen laufende cyanogene Glykoside liefern beim Zerfall Blausäure. Dieser Zerfall passiert beim Verzehr roher Pflanzenteile spontan, wenn die Pflanzenteile zerquetscht werden, z.B. beim Kauen, oder im Magen durch die Säure.
Blausäure zählt zu den rasch wirkenden Giften mit sehr steiler Dosis-Wirkungs-Kurve. Das bedeutet, die Giftigkeit nimmt mit fallender Aufnahmemenge sehr schnell ab, und das Gift wird sehr schnell entgiftet.
Eine schleichende Vergiftung durch Blausäure gibt es deshalb nicht: entweder kurz nach der Aufnahme tritt eine Giftwirkung auf, oder eben nicht.
Zitat aus Wikipedia:
"Die Limabohne enthält in rohem Zustand beispielsweise 0,2–0,3 % gebundene Blausäure (200–300 mg/100 g), Gartenbohnen und Erbsen aber nur 0,002 % (2 mg/100 g)[8]. Kirschsaft immerhin noch 0,00005 % (500 µg/l). Die tödliche Dosis beim Menschen liegt bei etwa 50 mg Blausäure (0,5–3,5 mg/kg Körpergewicht)."
Ein 6jähriges Mädchen wiegt etwa 20 kg, müsste demnach also etwa 10 - 70 mg Blausäure aufnahmen, um sich lebensgefährlich zu vergiften. Das wären etwa 500 bis 3500 g rohe Erbsen.
Bei weniger starker Vergiftung treten immer noch drastische Effekte auf wie Kopfschmerzen, Schwindel,
Erbrechen und Krämpfe.
Aber auch dafür müsste ein Kind Einiges an rohen Erbsen verzehren, und das auch noch in kürzester Zeit, da die Blausäure sonst schon wieder abgebaut wurde.
Fazit: Wenn man will, kann man sich mit rohen Erbsen eine Blausäurevergiftung holen. Die Bauchschmerzen, die sich nach dem Verzehr großer Mengen in kurzer Zeit einstellen, müssen aber nicht auf eine Blausäurevergiftung hindeuten.