Ja und nein. Ich liebe gerade (nennen wir es von mir aus konservativ) die Aufmachung der GP wie bei keiner anderen Zeitschrift. Wenig schrille Werbung, viel Übersichtlichkeit, Wechsel von kleinen zu umfangreichen Artikeln, alles das, was man sonst eher selten findet. Ich finde sie angenehm zu lesen, und dies seit 1979, denn seit damals habe ich sie abonniert. Eine leichte Anpassung des "Outfits" nach einigen Jahren, aber kein VordenKopfstoßen der Leser. Und so soll sie bleiben und ihren Mix aus Themen behalten. Überrascht war ich, wieviele der Leser aus der Gartengestaltung bzw. -architektur kommen, dies verpflichtet, es auch in den Pflanzenartikeln mit der Botanik nicht zu übertreiben!
Was teilweise den Text anbelangt, stehe ich voll auf Querkopfs Seite. Da kommt öfters so richtig der deutsche Pragmatismus und die schnöde Sachlichkeit heraus. Manches erinnert mich sogar stark an meine Zierpflanzenprofessoren und Fachlehrer in Hohenheim. Mildernd sei aber auch gesagt, dass andere Fachpublikationen darin noch wesentlich trockener und viel ärger sind, man nehme nur die Gärtnerbörse her.
Allerdings - und dies gebe ich zu bedenken - geben die Themen diese Sachlichkeit im Schreibstil schon vor. Es ist halt ein Unterschied, ob über "Gartenärger in meinem Prairiebeet" oder über "70 neue Echinacea-Hybriden - ein Sortenvergleich" geschrieben wird.
Nur am Rande bemerkt: die Zeitschrift heißt Gartenpraxis und nicht etwa Gartentheorie. Je mehr also aus der Praxis geschrieben wird, desto besser! Dies bitte ich inständig, niemals aus den Augen zu verlieren!!!
Ich war auf der Durchreise bei besagtem Verlag vor rund 10 Jahren vorstellig und habe ganz vorsichtig und leise angefragt, ob ein Buch mit einem lockeren, erzählerischen Schreibstil a la Beth Chatto oder Ellen Fischer über irgendeinen Gartenbereich gefragt ist. Da sagte mir die Dame knallhart, dass man so etwas in Deutschland nicht verkaufen könne, dies seien Ladenhüter. Ich solle lieber das Staudenbuch von Alfred Fessler, Stauden von A-Z, auf den neuesten Stand bringen. Und genau dazu habe ich Null Bock, auf Neudeutsch gesagt!
Denn gerade das ist schon übermorgen vollkommen überholt, wie auch die gesamte Staudensichtung teilweise hinter den Realitäten herhinkt. Und darum sind aktuelle Artikel in der GP viel sinnvoller. Man bewegt sich am Zahn der Zeit, kann viel schneller agieren. Und den Schreibstil einiger Herrschaften, meiner vielleicht eingeschlossen, zu ändern, ist schwierig bis unmöglich.
Umschreiben käme da einer groben Zensur gleich.
Fazit: neue Autoren finden? Und dies ist heute viel schwieriger als damals zu Beginn. Denn es finden sich jede Menge Spezialisten, aber wenige, die schreiben können und wollen, bzw. über ihr Spezialistentum hinaus noch den Rundumblick, sprich Horizont besitzen. Und ob der Schreibstil heute in Zeiten von Chatdeutsch und Denglisch wirklich um soviel besser geworden ist, bleibt zu diskutieren.