Warum bist Du dieser Meinung?
M.E. sind die verfügbaren Kletterstrukturen für diese Größen viel zu licht. Soweit ich erkennen kann, sind vorzugsweise rankende Pflanzen verwandt worden. Das ist angesichts der Schrägstellung der Seilverspannung und zwecks Vermeidung zusätzlicher Belastungen durch Querkräfte, die aus dem Wuchs von Schlingpflanzen resultieren, vernünftig.
Bekanntermaßen sind jedoch Ranken (egal ob z.B. Blattstiel- oder Sprossranken) vergänglich. Sie gewährleisten einzeln nur wenig Halt. Je mehr sich rankender Bewuchs an derart lichten Kletterhilfen einer Flächendeckung annähert, desto weniger Möglichkeiten haben die Pflanzen, ihre neuen Ranken direkt an der Kletterhilfe zu befestigen. Aktive Ranken umklammern, was sich gerade findet. Da die paar vorhandenen Drahtseile bereits vom Erstbewuchs "belegt" sind machen junge Triebe bestenfalls an älteren Trieben oder an einander fest.
Wenn eine Ranke nicht innerhalb einer kurzen Entwicklungsphase etwas zum Umwickeln (Beranken) findet, verliert sie für immer ihre Rankfähigkeit und der Trieb schaukelt im Wind. Je mehr dieser sich bewegt, desto unwahrscheinlicher wird es, dass nachfolgend gebildete Ranken an seiner Spitze irgendwo überhaupt Halt finden - schon garnicht direkt an der (lokal nicht vorhandenen) Kletterhilfe. Die unbefestigten Seitentriebe werden also immer länger und zahlreicher. Damit steigt die Belastung der relativ wenigen direkt an den Seilen erfolgten "Verklammerungen" durch die "Erstberankung". Die Strukturen bieten dem Bewuchs auch keine Möglichkeiten, sich durch Einflechten zusätzlich zu befestigen - folglich zerren nach einer Zeit erfolgreichen Wachstums erhebliche Gewichte und Windlasten an ein paar Ranken, die ohnehin spätestens nach einigen Jahren brechen, denn sie sind ja meist nur etwa streichholzdickes Totholz.
Früher oder später wird man alle rankenden Pflanzen an dieser Konstruktion anbinden müssen - allerdings nur, wenn sie wirklich wachsen.... Den vorhandenen Gefäßen traue ich es kaum zu, dass sie in dieser exponierten Situation eine Versorgung vitaler Kletterpflanzen gewährleisten können.
Beides zusammen - kümmernder Wuchs und minimale Möglichkeiten, Halt zu entwickeln - machen den Bewuchs in jeder Hinsicht anfällig und damit pflegebedürftig.
Ich kann keine Verkehrungen - z.B. Wartungsgänge- erkennen, die irgendwie geeignet wären, den Pflegebedarf zu mindern. Folglich werden regelmäßig Fassadenkletterer oder Gärtner mit Hubsteigern zum Einsatz kommen - jedenfalls so lange, bis die dafür aufzuwendenden Kosten als überhöht angesehen werden. Dieser Zeitpunkt wird um so eher errreicht, wie trotz Durchführung von Pflegegängen Mängel optischer Art (Bestand an Totholz, Verkahlung und Sichgtbehinderungen durch Überhänge usw.) oder Störfälle (u.a. auch Windgeräusche - "Anklopfen" am Fenster, Singen von Drähten usw.) auftreten.
Sowohl die Gefäße, als auch die Kletterhilfen sind m.E. in diesem Fall einfach zu "billig" um den Anforderungen der Begrünung solcher Gebäudedimensionen gerecht zu werden. Diese schlechten Voraussetzungen lassen sich nur bedingt durch Pflege kompensieren - selbst bei zwei oder drei gründlichen Pflegegängen pro Jahr wird es m.E. immer wieder sichtbare Mängel am Bewuchs (also Unzufriedenheit mit dem Ergebnis und irgendwann Verdruss) geben.
So weit meine (m.E. sachlich objektive) Einschätzung anhand des von Tomatengarten übermittelten Bildmaterials.
Technische Fragen zur Entwicklung von Spannungsverhältnissen (Auftreten punktueller Lastspitzen usw.) lasse ich außen vor - man sollte davon ausgehen, dass die statischen Aspekte hinlänglich geprüft worden sind....
Nichtsdestotrotz halte ich nichts davon, unbekannt hoch belastete Seile locker durch Ösen zu führen oder in solchen umzulenken..... Die Elastizität von Seilen bringt es mit sich, dass deren Längenänderung unter Last (also auch Durchhänge/Schwingungen) mit der Spannlänge zunehmen. Damit wachsen auch unerwünschte dynamische Lasteinflüsse.
Zusammenfassung: Man kann so eine Ausführung kleinformatig und in halbwegs geschützter Lage sehr erfolgreich praktizierten, aber bei größeren Projekten sollte man beachten, dass alle Anforderungen überproportional mit der Höhe wachsen.....
Grüße
TB