Moin moin,
ich komme zwar aus der Bonsaisparte, habe aber 2009 angefangen, fast komplett auf Rosen umzustellen. Mit Stecklingsvermehrung beschäftige ich mich schon seit gut 20 Jahren. Hier mal etwas zu Rosenstecklingen:
Wer sich selber seine Rose als Bonsai ziehen möchte, für den kommt eigentlich nur Stecklingsvermehrung in Frage. Sicher lassen sich Rosen leicht auch aus Samen vermehren, aber es dauert einfach zulange - kontrollierte Bedingungen bei der Bestäubung sind Voraussetzung – und man weiß nicht, was für Farben man erhält. Das überlassen wir lieber den Rosenzüchtern.
Da geht es mit Stecklingen schon einfacher, schneller und man bekommt genau die Farben, die man gerne haben möchte.
Im Spätfrühjahr werden Stecklinge mit mindestens 3 Knoten von ca. 15-20 cm Länge geschnitten. Zweigstärke kann bis zu 1 cm betragen. Entgegen anderer Berichte werden alle Blätter bis auf den Blattstiel entfernt, denn für die erste Wurzelbildung werden keine Blätter benötigt. Sie fallen meistens sowieso ab. Ich habe schon 2 cm diche verholzte Stecklinge ( Steckholz ) mit Erfolg im Herbst bewurzelt. Der Steckling wird unterhalb des ersten Knoten ca. 2 cm längs eingeschnitten und oben die Spitze entfernt. Wenn vorhanden in Bewurzelungspulver oder- gel ( Zweige der Trauerweide in kleine Stücke schneiden und 48 Std. in Wasser ausziehen lassen. Ist das gleiche wie Asperin, nur günstiger. ) tauchen und bis über den ersten Knoten in das Substrat stecken. Als Substrat hat sich reines Lehmgranulat ( " Akadama " ) bewährt, aber es geht auch mit einer Mischung aus 3 Teilen Lehmgranulat, 1 Teil Tongranulat und eine Handvoll Torf oder Kokosfaser. Kräftig gießen oder tauchen. Ideale Bodentemperatur ist 20-25°. Halbschattig aufstellen, Zugluft und starken Wind vermeiden. Täglich besprühen oder mit einer Haube abdecken. Nach ca. 3-5 Wochen haben sich die ersten Wurzeln gebildet, aber umgetopft wird erst nach ca. 8-10 Wochen. Beim Umtopfen werden die Wurzel um ca. 2/3 eingekürzt und in frisches Substrat gepflanzt, dem ein pillierter Volldünger ( " Basacote plus M12 " ) beigefügt ist. Mäßig feucht halten und zur Unterstützung eine Woche bis vierzehn Tage mit 5%iger Lösung " WALDLEBEN " besprühen.Wachsen lassen und den ersten Winter frostfrei halten. Vorbeugende Spritzung mit „ Celaflor Combi „. Der erste Schnitt erfolgt erst im 2. Jahr. Die Triebe werden auf 1-3 Augen gekürzt und mit Wurzelschnitt wieder eingetopft. Jetzt kann man entscheiden, ob Freiland oder Topfkultur. Möchte man einen Bonsai bis ca. 25-30 cm, kann in Töpfen weiter kultiviert werden, bei größeren sollte das Freiland vorgezogen werden, damit die Wurzeln und Stammansatz kräftiger werden. Dazu gehört dann auch regelmäßiges Verschulen. Die weiteren Schnittmaßnahmen richten sich nach der Form, die man gerne haben möchte.
Eine schöne Woche
Wilfried