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News: "Das Leben ist kein Ponyschlecken"  (Zwiebeltom)
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News: "Das Leben ist kein Ponyschlecken"  (Zwiebeltom)

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Autor Thema: Wieviel naturnah ist menschenfern?  (Gelesen 49738 mal)

Zwiebeltom

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #105 am: 21. November 2013, 10:00:33 »

Das Thema ist auch für mich eines der interessantesten in letzter Zeit.
Vor Kurzem bin ich im Netz auf eine Seite zum Nationalpark Hainich in Thüringen gestoßen - angeblich das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. Ca. 5.000 Hektar sind derzeit nutzungsfrei und der "Urwald" soll zurückkehren. Es gibt eine Artenliste mit Stand 31.12.2010, die unter anderem Wildkatze, 15 Fledermausarten, Schwarzstorch, Raubwürger, Schlingnatter und Gelbbauchunke ausweist.
Im Zusammenhang mit dem Threadthema finde ich interessant, dass trotz der verhältnismäßig kurzen Zeit, in der der Wald sich selbst überlassen wird, schon erkennbar wird, dass bestimmte Arten verschwinden weil ihre Lebensräume verschwinden. Angesprochen wird es etwa bei der Gelbbauchunke (S. 21) und für die Pflanzen auf Seite 119. Wiesen wachsen zu, der Wald wird dichter und damit werden Arten verloren gehen, die auf derartige Lebensräume angewiesen sind.
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Das Leben ist kein Ponyschlecken.

Crambe

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #106 am: 21. November 2013, 10:13:44 »

Wir waren letzten Juni im Hainich auf Einladung des BUND. Es ist interessant, was da alles kreucht und fleucht, seit das Gebiet Nationalpark wurde. Es werden aber nun extra Wacholderheiden aufgeforstet, um den Wildkatzen Korridore in den Thüringer Wald zu schaffen. Es wird dabei in Kauf genommen, dass Arten, die sich auf den Freiflächen neu etabliert haben, nun wieder verschwinden. Eingriff in die Natur?

Hier auf der Schwäbischen Alb erlebt man die Rückkehr von Arten auf dem aufgegebenen Truppenübungsplatz bei Münsingen. Es gab dort schon immer eine große Artenvielfalt, weil es keine bearbeiteten Felder gab. Die paar Panzer, die durch das Gelände rollten, störten nicht. Und nun haben anscheinend die verdichteten Panzerspuren noch ihr Gutes, denn in ihnen bleibt Wasser stehen, das sonst auf unserm Karstgebiet sofort abfließen würde. In diesen Pfützen entwickeln sich nun seltene Amphibien.
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enigma

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #107 am: 21. November 2013, 10:31:46 »

Meine Beobachtungen in punkto Landwirtschafdt decken sich mit trolls. Auch hier werden die Äcker bis an den geteerten Weg gepflügt, sehr zur "Freude" der Gemeinedeverwaltungen, die sich mit Schäden an Wegen und Entwässerungen herumschlagen.
In der Feldflur stehende große Bäume - hier meist Walnuss- und Birnbäume - verschwinden nach und nach, weil sie den Traktoren auf den zusammengelegten Feldern im Weg stehen.
In den Weinbergen sind die Fugen der Rebmauern inzwischen fast alle verputzt. Zugleich sind Böschungen und angrenzende Gebiete, die früher offengehalten wurden, inzwischen verbuscht und von Schlehen und Brombeeren überwachsen. Pflanzen wie Orchideen und Diptam, die vor einigen Jahren noch regelmäßig anzutreffen waren, sind inzwischen sehr selten geworden.

Was Moore betrifft: Es gibt in Deutschland praktisch kein Moor mehr, das nicht irgendwann mal teilentwässert und oberflächlich abgetorft wurde. Immerhin wird seit Jahren versucht, zumindest bei einigen Moore zu retten, was noch zu retten ist. Allerdings ist der Eintrag von Stickstoffverbindungen aus der Luft - trotz deutlich verbesserter Luftqualität - immer noch so hoch, dass er die Moorvegetation nachhaltig beeinflusst.

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raiSCH

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #108 am: 21. November 2013, 10:51:42 »

Ein Aspekt, der bisher wenig beachtet wurde, aber viel zur unterschiedlichen Bewertung von Natur- und Kulturlandschaft beiträgt, ist der ästhetische: "wild" bzw. "Wildnis" wurde und wird teils negativ, teils positiv gesehen - negativ als "hässlich" sicher bis zur Aufklärung (Meidung des Hochgebirges, Natur nur als stark gegängelte Dekoration in den Barockgärten, fast nur Kulturlandschaften als Bildhintergrund in der Malerei und Graphik), als sowohl erstmals Berge als "schön" wie Angehörige von Naturvölkern als "edle Wilde" angesehen wurden, und besonders durch die (deutsche) Romantik mit ihrer Wald-, Wasser- und Felsenpoesie ("wildromantisch") und in der romantischen Malerei (C.D. Friedrich). Origineller Weise werden in der romantischen Literatur auch die barocken Schnörkelparks nur als schön empfunden, wenn sie verwilderten (so etwa bei Eichendorff). Die sogenannten "englischen" Landschaftsparks des 19. Jahrhunderts in Deutschland (Bad Muskau, Wörlitz, München) sind recht "gezähmte" Wildnisse, teils mit künstlich hineingebauter "Wildnis" (feuerspeiender Berg, künstliche Ruinen u.a.).
Noch später wirkte sich das Hinneigen zu botanischen Arten statt zu hybrdisierten Züchtungen bei den Garten"zier"gewächsen aus: Gräser wurden weitgehend erst durch Karl Foerster, also vor nicht einmal hundert Jahren gartenwürdig, und Wildstauden setzten sich vor allem durch die Präriegarten-Bewegung neuesten Datums durch, aber allgemein herrscht immer noch die Zuchtpflanze vor, Naturstauden werden (logischerweise) nur gepflanzt, wenn sie "exotisch" wirken.
« Letzte Änderung: 21. November 2013, 11:42:18 von raiSCH »
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uliginosa

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #109 am: 21. November 2013, 12:11:18 »

Raisch, in dem Wiki-Artikel über die Waldweide wurde der Zusammenhang von romantischen Naturbildern mit alten knorrigen Eichen mit der Waldweidewirtschaft erwähnt.

Partisanengärtner, Ergänzung zum Wolf: In Sachsen-Anhalt gab es dieses Jahr in Altengrabow 8 Wolfsjunge, in der Colbitz-Letzlinger Heide 7. Davon werden schon ein paar in Richtung Westen abwandern ...

...
Es gibt hier auch die "übrig gebliebenen" Nischen, auf den Äckern gabs früher mehr Obstbäume z.b.
Andererseits, wenn ich mir alte Fotos anschaue, war die Landschaft früher viel offener als heute. Es gab kaum Hecken, jeder ebene Fleck wurde für Landwirtschaft genutzt, die Steillagen waren Wiese für Futter oder Streuobst. Selbst Lichtungen im Wald wurden als Wiese bewirtschaftet.
Jeder Aufwuchs wurde entfernt, Holz wurde zum Heizen gebraucht.
Heute wächst die Landschaft mangels Bewirtschaftung wieder zu, Hecken werden nicht mehr auf Stock gesetzt und werden zu hohen Baumreihen. Werden angrenzende Wiesen nicht mehr gemäht, werden sie von den Hecken eingenommen, erst wachsen Brombeeren in die Wiese rein, dann kommen Schlehen, Pappeln, die eingeschleppte Robinie an trockenen Stellen, dann die Eiche und schließlich die Buche.
...

Ich habe auch mal ein Bild der Landschaft hier von vor 100 Jahren gesehen: Völlig kahle Kuppen - die Hoch-Zeit der Schafe und für Arten der (Halb-)Trockenrasen - aber andererseits eine übernützte Landschaft. Heutzutage gibt es dagegen entschieden zu wenig Schafe, viele Standorte, die nicht extrem flachgründig und/oder steil sind, wachsen zu.

Das ist das generelle Problem heutzutage: Es gibt einerseits landwirtschaftlich genutzte Flächen mit Artenschwund wegen intensiver Nutzung, andererseits Flächen, auf denen sich wegen Kleinteiligkeit, Hangneigung, Nässe ... die Nutzung nicht mehr lohnt, und die deswegen verwildern, zuwachsen, das führt zu Artenschwund wegen Verbuschung, Verschattung.
Naturschutz-Förderprogramme die die Nutzung (Mahd, Beweidung) solcher Flächen subventionieren versuchen dem entgegen zu wirken.

Bristle hat die Moore erwähnt: Dort, wo der Wasserhaushalt halbwegs in Ordnung ist oder wiederhergestellt werden kann, profitieren sie vom nachlassenden Nutzungsdruck. Wobei Nährstoffeintrag tatsächlich ein Poblem ist.

In dem Zusammenhang finde ich den Link mit der Plaggenwirtschaft sehr interessant.
Denn Heiden sind ja auch FFH-Lebensraumtyp und meist von Nährstoffeintrag bedroht. So wurde also früher der natürlichen Nährstoffarmut noch tatkräftig nachgeholfen.

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Viele Grüße aus dem Trockengebiet, Uli

enigma

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #110 am: 21. November 2013, 12:23:09 »

Das ist das generelle Problem heutzutage: Es gibt einerseits landwirtschaftlich genutzte Flächen mit Artenschwund wegen intensiver Nutzung, andererseits Flächen, auf denen sich wegen Kleinteiligkeit, Hangneigung, Nässe ... die Nutzung nicht mehr lohnt, und die deswegen verwildern, zuwachsen, das führt zu Artenschwund wegen Verbuschung, Verschattung.

Diese Beschreibung trifft es gut. Und solange sich "alles rechnen" muss, wird es auch sehr schwer bleiben, diesem Trend etwas Wirkungsvolles und Dauerhaftes entgegenzusetzen.


Zitat
In dem Zusammenhang finde ich den Link mit der Plaggenwirtschaft sehr interessant.
Denn Heiden sind ja auch FFH-Lebensraumtyp und meist von Nährstoffeintrag bedroht. So wurde also früher der natürlichen Nährstoffarmut noch tatkräftig nachgeholfen.

Heiden sind, was vielen nicht so klar ist, Degradationsstadien einstiger Wälder. Selbst in Westeuropa, wo es ausgedehnte Heideflächen gibt, sind diese das Ergebnis einer großflächigen Waldbeseitigung, die schon in prähistorischer Zeit begann. In dem regenreichen Klima wurden die Nährstoffe, die einst in der Biomasse gespeichert waren, nach der Rodung der Wälder ausgewaschen, und die Böden verarmten.

In den gemäßigten Gebieten auf der Welt, wo keine solche Rodung erfolgte, stehen heute die artenreichsten und höchsten Wälder mit einer Biomasse, die der tropischer Regenwälder nicht nachsteht, z.B. an der Westküste Nordamerikas, im Süden Chiles oder auch in eng begrenzten Gebieten Australiens.
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uliginosa

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #111 am: 21. November 2013, 12:37:14 »

Viele Heideflächen (der wenigen, die ich kenne hier im LSA) würden sich auch ohne Eingriffe ruckzuck wieder zu Wäldern entwickeln. Nur kleinfllächig an den Steilhängen der Porphyrkuppen erscheinen sie halbwegs stabil.
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Viele Grüße aus dem Trockengebiet, Uli

Dietmar

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #112 am: 21. November 2013, 13:09:49 »

Was keiner glaubt, auch dichte undurchdringliche Regenwälder sind menschengemacht. Naturnahe Regenwälder sind am Boden so dunkel, dass dort kaum etwas wächst. Man kann also ohne Machete durch einen lichten Wald laufen. Nicht umsonst leben in Afrikas naturnahen Regenwäldern auch eine spezielle, etwas kleinere Elefantenart.

Durch das Abholzen der großen Edelholzbäume gelangt viel mehr Licht auf den Boden, so dass sich ein dichtes Gestrüpp bildet.
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Mediterraneus

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #113 am: 21. November 2013, 13:42:33 »

Das Thema ist auch für mich eines der interessantesten in letzter Zeit.
Vor Kurzem bin ich im Netz auf eine Seite zum Nationalpark Hainich in Thüringen gestoßen - angeblich das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. Ca. 5.000 Hektar sind derzeit nutzungsfrei und der "Urwald" soll zurückkehren. Es gibt eine Artenliste mit Stand 31.12.2010, die unter anderem Wildkatze, 15 Fledermausarten, Schwarzstorch, Raubwürger, Schlingnatter und Gelbbauchunke ausweist.
Im Zusammenhang mit dem Threadthema finde ich interessant, dass trotz der verhältnismäßig kurzen Zeit, in der der Wald sich selbst überlassen wird, schon erkennbar wird, dass bestimmte Arten verschwinden weil ihre Lebensräume verschwinden. Angesprochen wird es etwa bei der Gelbbauchunke (S. 21) und für die Pflanzen auf Seite 119. Wiesen wachsen zu, der Wald wird dichter und damit werden Arten verloren gehen, die auf derartige Lebensräume angewiesen sind.

Meine Worte!

Gleiches ist hier zu beobachten. Alles läuft Sturm GEGEN eine Ausweisung als Nationalpark.
Die Natur ist momentan so schön, eben weil sie bewirtschaftet wird.
Nichtstun und sich selbst überlassen lassen ist in diesem Falle kontraproduktiv.
« Letzte Änderung: 21. November 2013, 13:43:03 von Mediterraneus »
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #114 am: 21. November 2013, 13:48:58 »

Meine Worte!

Gleiches ist hier zu beobachten. Alles läuft Sturm GEGEN eine Ausweisung als Nationalpark.
Die Natur ist momentan so schön, eben weil sie bewirtschaftet wird.
Nichtstun und sich selbst überlassen lassen ist in diesem Falle kontraproduktiv.

"Kontraproduktiv" sicher für die Forstindustrie, deren Geschäft ginge in einem Nationalpark schließlich den Bach runter.
Im Nordschwarzwald tobt auch gerade die Debatte.

"Bewirtschaftete Natur = schön; Aufgabe der Bewirtschaftung = unschön"?
Erstens stimmt das so naatürlich nicht, zum zweiten: Seit wann ist Schönheit ein Kriterium, wenn es um den Schutz der Natur vor einer immer weiter um sich greifenden Nutzung geht?
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #115 am: 21. November 2013, 13:53:18 »

Meine Beobachtungen in punkto Landwirtschafdt decken sich mit trolls. Auch hier werden die Äcker bis an den geteerten Weg gepflügt, sehr zur "Freude" der Gemeinedeverwaltungen, die sich mit Schäden an Wegen und Entwässerungen herumschlagen.
In der Feldflur stehende große Bäume - hier meist Walnuss- und Birnbäume - verschwinden nach und nach, weil sie den Traktoren auf den zusammengelegten Feldern im Weg stehen.
In den Weinbergen sind die Fugen der Rebmauern inzwischen fast alle verputzt. Zugleich sind Böschungen und angrenzende Gebiete, die früher offengehalten wurden, inzwischen verbuscht und von Schlehen und Brombeeren überwachsen. Pflanzen wie Orchideen und Diptam, die vor einigen Jahren noch regelmäßig anzutreffen waren, sind inzwischen sehr selten geworden.


Auf eine schonende und sinnvolle Erhaltung der Kulturlandschaft kommt es halt an.

Zuviel Kultur ist ungesund, zuwenig Kultur führt zu Verwilderung und das oft komischerweise zur Zerstörung von Lebensraum von Tier und Pflanze.

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #116 am: 21. November 2013, 13:55:18 »

Meine Worte!

Gleiches ist hier zu beobachten. Alles läuft Sturm GEGEN eine Ausweisung als Nationalpark.
Die Natur ist momentan so schön, eben weil sie bewirtschaftet wird.
Nichtstun und sich selbst überlassen lassen ist in diesem Falle kontraproduktiv.

"Kontraproduktiv" sicher für die Forstindustrie, deren Geschäft ginge in einem Nationalpark schließlich den Bach runter.
Im Nordschwarzwald tobt auch gerade die Debatte.

"Bewirtschaftete Natur = schön; Aufgabe der Bewirtschaftung = unschön"?
Erstens stimmt das so naatürlich nicht, zum zweiten: Seit wann ist Schönheit ein Kriterium, wenn es um den Schutz der Natur vor einer immer weiter um sich greifenden Nutzung geht?

Warum eine Kulturlandschaft ändern, wenn sie über Jahrhunderte einen einzigartigen Lebensraum geschaffen hat und bietet. never change a running system ;)
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #117 am: 21. November 2013, 14:04:29 »

Die Nutzungsuafgabe ist kontraproduktiv, wenn man hofft, dass sich von selbst eine struktur- und artenreiche Wildnis einstellt. Das wird nicht passieren, jedenfalls in den überwiegenden Teilen Deutschlands nicht, in denen klimatische und standörtliche Extreme (hohe Gebirge, raue Küsten) keine regelmäßige Störung (Feuer, Erosion, Vielfalt großer Pflanzenfresser) verursachen. Diese Störungen aber waren maßgeblich für den indigenen Artenreichtum und sie sind es noch immer in den heute in gemäßigten Zonen noch vorhandenen Resten wenig beeinflusster Landschaften.

Ich gebe mediterraneus recht, wenn er eine artenreiche Kulturlandschaft dem bloßen "Laufenlassen" vorzieht. Nur muss man in denen auch dafüpr sorgen, dass mäßige Nutzungsintensitäten aufrecht erhalten oder wieder hergestellt werden. Auch das ist leider auf 90+x % der Fläche passé, mit entsprechenden Folgen für die Arten.


Hier ist vor ein paar Jahren der Harvester durch den Landeswald getobt und hat zerwühlte Schneisen und viel Totholz hinterlassen. Ein Forstfachmann sagte mir zu meinem damaligem Erstaunen, dass dieser „Frevel“ für die Natur nur gut ist.

Das hat er wohl zu einfach gesehen. Ich meinte da etwas anders geartete Störungen. Da der Harvester die aufgewühlte Streu nicht abräumt, den tiefen Einschnitt in den Mineralboden nicht glättet und noch einiges andere nicht tut, bleibt leider meistens wirklich nicht viel Gutes übrig nach so einem Einsatz. Aber ich lass mich gern überraschen, wenn wir dieses Wirken/Wüten nach ein paar Jahren mehr bewerten dürfen. ;)

« Letzte Änderung: 21. November 2013, 14:05:35 von lerchenzorn »
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #118 am: 21. November 2013, 14:14:40 »

Jeder kann ein bißchen dazu beitragen.

Ich habe z.B. seit kurzem eine Wiese (bzw. mein Papa) in der Landschaft. Darauf wurden Streuobstbäume neu gepflanzt.

Die Hecken, welche an zwei Seiten vorbeilaufen, werden nach und nach auf Stock gesetzt, so dass die jetzigen Bäume wieder durch niederes Strauchwerk ersetzt werden. So dass die Heckenrose wieder kommt, anstatt der Eiche und Robinie. Die Hecke kann ihre Funktion dann wieder erfüllen.

Verpachtet ist an einen Pferdebauern, welcher Magergräser als Futter braucht. Wird 1 bis 2 mal gemäht.

Das soll mein ganz persönlicher Beitrag zur Erhaltung der hier üblichen (sehr artenreichen) Streuobstwiesen sein.

Ich war auch letzt bei der Gemeinde und habe angeregt, für künftige Generationen wieder Streuobstbäume zu setzen (z.B. entlang eines Feldweges auf Gemeindegrundstück). Mein Vorschlag wurde sogar angenommen und wohl auch durchgeführt. Das hat mich sehr gefreut.

Ich bin mir auch nicht zu schade, mal nach den Bäumen zu schaun. Die Gemeinde kanns nämlich nicht leisten.

Wenn auch nur ein paar Leute es genauso machen, dann wär der Landschaft sehr geholfen.

PS: ich habe diese Woche auf einem Acker gedacht, ich trau meinen Augen nicht, hat doch tatsächlich jemand 2 (!) Apfelbäume gesetzt :D
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #119 am: 21. November 2013, 14:16:51 »

Das hat er wohl zu einfach gesehen. Ich meinte da etwas anders geartete Störungen. Da der Harvester die aufgewühlte Streu nicht abräumt, den tiefen Einschnitt in den Mineralboden nicht glättet und noch einiges andere nicht tut, bleibt leider meistens wirklich nicht viel Gutes übrig nach so einem Einsatz.

Vielleicht ein Wasserloch für Molche ;)
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