warum ich diese
Pollendiagrammen.
hier aufgelistet habe hat einen Grund. Wenn man die Daten genau liest, dann kann man sich direkt zwei Vorurteile von der Backe schminken.
1. Es hätte irgendwann einen stabilen definierten "Naturzustand" gegeben. Natur bedeutet Dynamik. Mit oder ohne den Menschen.
2. Dass der Mensch ressourcenschonend gewirtschaftet hätte und nur so viel Natur verbraucht hätte, wie regenerierbar gewesen ist, das ist ein romantisches Märchen. Dazu wäre auch eine Bevölkerungspolitik nötig gewesen.
Die großflächige Umweltzerstörung begann - immer noch in Bezug zum Vorgebirge, aber auf Mitteleuropa generell übertragbar - mit der Eisenzeit vor 2700 Jahren. Waldweide, verunkrautetes Offenland durch Rodungen und beginnende Grünlandwirtschaft in den Auen lassen auf intensive Landnutzung durch große Besiedlung schließen. Die ersten Heideflächen entstanden und waren nur noch für den Weidebetrieb mit Schafen und Ziegen nutzbar.
Im Mittelalter gab es diese Phase der Wüstungen durch Überbevölkerung und ungünstige klimatische Bedingungen. Wüstung bedeutet, dass Höfe verlassen wurden, dass die Böden ausgelauft und unfruchtbar waren und nur noch auf den Lössböden effektiv Ackerbau betrieben werden konnte.
Im 19. Jahrhundert ist historisch, dass die Wälder völlig ausgeplündert wurden. Waldweide, Streusammeln, Holzeinschlag führte zum Verschwinden des Waldes auf den Höhen zum Beispiel um Heidelberg. Nur in den Tiefen der Wälder des Hundsrücks, der Eifel und des Odenwaldes, wo es Mühlen und Köher gab, waren noch dichte und auch gefürchtete Wälder, die von Räubern und fahrendem Volk bewohnt wurden. Hölzerlips und Schinderhannes.
Einen musealen Ansatz im Naturschutz zu vertreten ist also auch aus akademischen Gründen nicht sinnvoll.
Die Frage muss ganz anders gestellt werden.
Sollen wir ein Gebiet wie den Mainzer Sand, das für den Botaniker in seiner Einmaligkeit in Deutschland an vorderster Stelle steht, von Autobahnen einrahmen und so den Artenbestand kontinuierlich abnehmen lassen? Oder sollen wir darauf setzen, dass Steppenvegetation sich entlang von Autobahnen ebensogut entwickelt? Zumal es im städtischen Umfeld, in dem der Mainzer Sand liegt, genügend Ödland befindet um einigen Arten ein Überleben zu sichern.
Ist es überhaupt nötig und möglich komplette Landschaften in einem fixierten Zustand zu erhalten?