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News: "Das Leben ist kein Ponyschlecken"  (Zwiebeltom)
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Autor Thema: Wieviel naturnah ist menschenfern?  (Gelesen 49738 mal)

Mediterraneus

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #180 am: 25. November 2013, 07:48:00 »

..

Das nördliche Alpenvorland ist eine kleinstrukturelle Region. Zwischen der intensiv landwirtschaftlich genutzten Traun-Enns-Platte (an deren Norden die Donau anschließt) und den nördlichen Kalkalpen gibt es einen schmalen Streifen Flysch, der in kleinen Hügeln den Übergang markiert. Hier gibt es noch viele Obstbäume (die Rodungsprämien waren nur dort interessant, wo größere Felder gewonnen werden konnten) und in den tief eingeschnittenen Gräben konnte die Weichholz-Gemeinschaft der heimischen Auen überleben und mit ihnen sämtliche Arten. Der Wald ist zahlreich und ausschließlich Nutzwald, in flacheren Bereichen dominiert (noch immer) angelegter Fichtenwald, in steileren Bereichen der Mischwald mit hauptsächlich Buche.

Spannend wird es am Übergang zu Kalkuntergrund - genau am Verschneidungspunkt lebe ich -, denn dort treffen die feuchtigkeitsliebenden Arten auf Kalkmagerrasen, oft nur wenige Meter voneinander entfernt.

Genau da setzt die Arbeit unseres Vereins an: Wir mähen eine Handvoll dieser Wiesen, die sonst der Aufforstung oder der konventionellen Grünlandwirtschaft (mehrschürige Wiesen, oft ausschließlich Silagegewinnung mit erster Mahd Ende April) zum Opfer gefallen wären und erhalten dadurch Pflanzen, die an sonnige, nährstoffarme Flächen gebunden sind.

Diese Arten - auf "unseren" Wiesen sind etwa 30 Orchideenarten und viele andere Pflanzen nachgewiesen - sind natürlich heimisch und, weswegen ich das alles erzähle: Sie sind erstaunlich zäh. Entscheidend ist offenbar, dass eine bestimmte Anzahl an Pflanzen noch vorhanden ist (an Wegrändern, an Waldrändern, unter Böschungen) und Düngung und Verschattung entgeht. Dann ist es möglich, dass neue Areale wie Straßenböschungen innerhalb weniger Jahre besiedelt werden und höheren Artenreichtum aufweisen als die Wiese rundherum, wo mehrmals im Jahr Gülle aufgetragen wird.

Diese - nun menschlichen - Eingriffe sind wohl in ihren Auswirkungen mit den Effekten von Sturmschäden oder ähnlichen Ereignissen in der Vergangenheit vergleichbar. Damals gab es wohl wenig offene Flächen (hier zwar mehr, weil an einzelnen Kalkschuppen, die aufragen, Bewuchs nicht immer möglich war), aber sie reichten aus, um genug Pflanzen überleben zu lassen, damit sie neue Standorte besiedeln konnten. Diese waren aber nicht lange von Bestand und die Pflanzen "zogen" weiter (also nicht sie persönlich, ihre Samen).

Mit den Menschen kam es hier seit dem Mittelalter (grob) zu Siedlungs- und Landgewinnungstätigkeiten, wodurch sich diese Arten plötzlich im Paradies wiederfanden: Almen, Bergmähder und auch im Tal Magerwiesen - Mist gab es kaum, denn die Tiere wurden nur im Winter drinnen gehalten und trugen zur Abmagerung von Hängen bei, indem sie dort alles wegfutterten und nur auf ihren Ruheplätzen - aus Gründen der Erdanziehung immer in der Ebene im Tal oder in den Hügeln auf begrenzten Bereichen - für Dünger sorgten.

Das und die Rodungstätigkeit der Menschen, die aber im Steilen stoppte, sodass genug Wald erhalten blieb, trug zusammen mit Höhenlagen von 1500m Seehöhe in wenigen Kilometern Entfernung und einer Aulandschaft im Tal zu einer Vielfalt an Lebensräumen bei, die eine Artendichte möglich machten, die zwar in Ansätzen vorhanden, aber zuvor - "von Natur aus" - nie mit solcher Individuenanzahl zustande gekommen wäre.

Seit den 50er-Jahren hat sich dieser Trend wieder umgekehrt. Landmaschinen kamen auf, Tiere wurden ganzjährig in Ställe gepfercht, es konnten viel mehr gehalten werden und ihr Dung, der dadurch in Übermenge anfiel, konnte auch auf den Wiesen ausgebracht werden, die innerhalb eines halben Jahrzehnts ihre Vielfalt verloren. Anfangs überlebten die betroffenen Arten noch an den Feldrainen, aber mit dem Beginn der Nebenerwerbslandwirtschaft und dem Wunsch nach einfacher Bearbeitung wurden maschinell nicht nutzbare Flächen, besonders in Hanglage, die ja eben besonders viel Magerwiesen aufwies, radikal aufgeforstet.

Ich habe dazu alte Aufnahmen ausgeforscht und aktuelle Vergleichsbilder angefertigt; der Unterschied ist eklatant und mich wundert, dass überhaupt noch alle Arten vorhanden sind. Das sind sie übrigens, denn ich habe für ein Buch unseres Vereins einen alten Text aus den 30er-Jahren, in dem eine Lehrerin aus dem Nachbarort die heimische Botanik sehr akribisch in aller Vielfalt dokumentiert hat, Absatz für Absatz mit der aktuellen Lage verglichen. Die Mengenverhältnisse stimmen nicht mehr, aber da ist noch alles.

Würden wir nun die Wiesen alle zuwachsen lassen und einfach Wald entstehen lassen, dann wäre verloren, was wir vor etwa 1000 Jahren möglich gemacht haben. Das wäre für die Natur früher kein Problem gewesen, aber heute gibt es Straßen, Siedlungen, keine Möglichkeit für Windwurf, der Lichtungen schafft. Ich bezweifle, dass genug Orchideen (um beim Beispiel zu bleiben) überleben würden, um vielleicht entstehende Habitate zu besiedeln. Orchis militaris hat es zwar von einer unserer Wiesen auf ein 2km entferntes, passendes Stück geschafft (vorher nichts, jetzt drei blühende Pflanzen), aber dazu müssten in regelmäßigen Abständen passende Wiesen exisiteren.

Wir erhalten daher lieber ein paar Wiesen, mähen und heuen per Hand und freuen uns, wenn es summt und blüht. Das ist keine unberührte Natur, aber eine, die vielen Lebewesen etwas nützt und einen letzten Rest eines riesigen Ökosystems erhält, das vierlorts schon verschwunden ist und nicht mehr aktiviert werden kann (eine an unsere Wiesen angrenzende Grünlandfläche konnte aufgekauft und zu unserer Wiese hinzugefügt werden. Obwohl direkt anschließend, erschien die erste Orchidee - Orchis mascula - erst 19 Jahre nach der letzten Düngung).

OT: Sorry, ziemlich lang die Story...

Exakt genau so ists hier auch.
Ich bin froh, dass das Problem andernorts auch erkannt wird. Am besten ist der Satz, dass plötzlich alles verloren ist, was wir in 1000 Jahren möglich gemacht haben. 1000 Jahre "Landschaftspflege" werden zunichte gemacht, nur weil heute mal jemand nicht ordentlich nachdenkt oder meint, Naturschützer spielen zu müssen.
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LG aus dem südlichen Main-Viereck
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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #181 am: 25. November 2013, 07:52:37 »

...
Und das wird dann noch von einer Naturschutzorganisation aus sagenwirmal Berlin bestimmt.
Ob da jemand Einheimisches dagegen sein wird? ;) ...

@medi: Mit denen hast Du´s aber wirklich, denen in Berlin, was? ;D
Ich kenn da eine Naturschutzorganisation, mitten aus Berlin, die fährt seit 50 Jahren im Umland herum, pflegt und umsorgt eine Unzahl von Pflanzenstätten, weil sie einfach dem Verrecken und Verrotten nicht tatenlos zusehen kann. Eine echte 1-Mann-Organisation, die sich manchmal etewas Hilfe dazu holt, auf deren Konto inzwischen das brandenburgweite Überleben mancher Pflanzenart zu buchen ist.

Na gut, heute lebt die Kraft nicht mehr in Berlin. War aber ewig so ein Städter. Den Einheimischen gleich neben den umsorgten Stellen waren diese Reichtümer zu 99 % so was von schnurz.


Gibt halt auch Gutes in Berlin ;)

Nein, im Ernst, Berlin war nur beispielhaft genannt. Wenn eine Naturschutzorganisation in Berlin sich Gedanken um die Berliner Umgebung macht und dort tätig wird, dann finde ich das super. Vorort weiß man am besten, wie die Natur aussieht und was erhaltenswert ist.
Wenn ich aber gleiche Maßstäbe in einer kleinräumigen süddeutschen Region anlege, da passt was nicht. Was für Berlin gut ist, passt eben nicht im Kalkmagerrasen oder im Mittelgebirge.
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enigma

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #182 am: 26. November 2013, 07:45:41 »

Es lohnt sich, in der aktuellen Ausgabe des "Spiegels" den Artikel über den geplanten Nationalpark Nordschwarzwald zu lesen (leider nicht auf SPON verfügbar). Dort wird sehr gut auf die Sichtweise "Wir hier wissen es besser als ihr dort und wollen, dass alles so bleibt, wie es uns passt" eingegangen.
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Mediterraneus

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #183 am: 26. November 2013, 07:49:10 »

Die Frage ist ja auch, warum MAN unbedingt einen Nationalpark will. Braucht man den etwa als Alibi, um andernorts Natur zertören zu können?
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LG aus dem südlichen Main-Viereck
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enigma

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #184 am: 26. November 2013, 07:50:36 »

Um etwas zu verhindern, dass man nicht will, war schon immer kein "Argument" zu doof.
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Mediterraneus

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #185 am: 26. November 2013, 08:04:14 »

Manchmal hat aber auch das gemeine Volk Recht. Erfahrung kann man nur direkt vor Ort machen.

Da kann der Biologe noch so viele Dr. und Profs haben, er kann halt nur Theorie und hat in seiner Uni gelernt, was ihm andere vorgetragen haben. Eine Sense hatte der vermutlich noch nie in der Hand, oder ein Beil.
Und ein Spiegel schreibt auch nur, was man im vorschreibt. ;)
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enigma

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #186 am: 26. November 2013, 08:06:21 »

Deine Sicht auf die Welt und auf andere Menschen ist, sagen wir mal: sehr speziell.
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Mediterraneus

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #187 am: 26. November 2013, 08:08:31 »

Deine Sicht auf die Welt und auf andere Menschen ist, sagen wir mal: sehr speziell.

Stimmt. Ich lass mir nicht alles gleich andrehen. Ich versuche beide Seiten zu sehen und mache mir mein eigenes Bild. Und Bilder sollte man sich nicht nur aus Presse und Medien machen. Denn die sind von irgendwem gesteuert. Das hab ich schon gelernt ;)

Es mag ja durchaus sein, dass ein Nationalpark Nordschwarzwald sinnvoll ist. Kann ich jetzt nicht beurteilen. Aber arrogant über die dortige Bevölkerung zu urteilen, und sie als dumm und uneinsichtig hinzustellen, das finde ich auch nicht ok. Denn ein Nationalpark kann nur MIT der Bevölkerung vor Ort funktionieren, die müssen damit klarkommen und sich damit identifizieren. Sonst funktioniert das nicht.
« Letzte Änderung: 26. November 2013, 08:14:14 von Mediterraneus »
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pearl

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #188 am: 26. November 2013, 11:23:28 »

junge, junge, da arbeitet sich ja mal wieder einer an den Akademikern ab. ;D

Diejenigen, die sich mit Ökologie befassen, sind durchaus mit landbearbeitenden Techniken vertraut, übrigens. Ein Teil von denen hat eine Lehre in einer Gärtnerei oder im GaLaBau gemacht.

Was die Stereotype über die Landbevölkerung versus Stadteliten betrifft, dazu wäre folgendes zu sagen:

Der Wert von Natur an und für sich, also außer dem, was es da zu essen gibt, ist historisch gesehen nur von in Städten lebenden Menschen hoch geschätzt.

Die Landbevölkerung sieht im Wald das Brennholz und in offener Landschaft entweder Weidegrund oder Ackerland und nutzt das. Vorbilder für ästhetische Landwirtschaft gibt es historisch gesehen in Deutschland im Gegensatz zu England oder Frankreich nicht. Oder kaum und wenn, dann wurde der Fürst beschmunzelt oder verlacht.

Aus dieser Spannung zwischen der Interessenlage der Landbevölkerung und der Stadteliten ergibt sich der Grundkonflikt in der Politik des aktuellen Naturschutzes.

Der Landschaftsplan und die Reaktionen der Landwirtschaftsbetriebe darauf zeigen das in jeder Gemeinde deutlich.

Hier vor Ort werden prompt alte Eichenbestände gefällt, sobald der akademisch überbaute Naturschutz anrückt. Egal ob man das Brennholz jetzt brauch, vor der Ausweisung eines Naturschutzgebietes muss es noch verwüstet werden.

Lokale Naturschutzgruppen bestehen hier durchweg aus aufs Land zugezogenen "Studierten". Das halte ich für exemplarisch. Die neugegründete Grünenortsgruppe in der Zwergstadt am Neckar hier ist ebenfalls bestückt mit Akademikern aller Disziplinen, unter anderem einer Kunsthistorikerin, die besonders rührig und erfolglos Minimalstandarts im Umgang mit natürlichen Ressourcen vertritt.

Auch der Streuobst verwertende Betrieb der Region ist nicht auf dem heimischen Mist gewachsen. Die Streuobstwiesen werden von einer Gruppe um ein österreichisches Archäologenpaar verteidigt oder geschützt. Sie wollen mit ihren Kindern Äpfel ernten. Die hiesigen Bauern haben denen einen Strich durch die Rechnung machen wollen, indem sie ein paar der baumfreien Flächen mit Mais bewirtschaftet haben.

Das hat die drei Imker sehr gestört. Auch die sind nicht autochthon. Einer ist Russlanddeutscher und hat die gravierendsten Schäden durch die Maiskultur an seinen Bienenvölkern gehabt. 50 Königinnen mit einem Wert von 50 € pro Stück sind ihm eingegangen. Durch gemeinsame Aktion haben die 3 Imker erreicht, dass der Maisanbau gelassen wurde.

Zusammen mit dem Schäfer, der sein Weideland vergrößern und flächenmäßig optimieren will, haben sie die Ackerflächen wieder in Wiesenland umgewandelt. Der Schäfer ist auch keiner aus lokaler Herkunft. Die vielen Besitzer der Streuobstflächen, die in unzählige winzige Streifen aufgeteilt sind, sind in alle Winde zerstreut und haben die Pflege und Nutzung an einen alten eingesessenen Bauern abgetreten.

Ohne Bindung an dieses Land, sind sie nur daran interessiert keine Kosten zu haben und eventuell irgendwann einen Gewinn aus ihrem Besitz zu erzielen. Wenn es Bauland wird.

Das friert die Lage ein.

Die Argumente des verstorbenen NABU Vorsitzenden zielten auf den Schutz der Äskulap-Natter ab und die Aktivitäten des Arbeitskreises Äskulapnatter bestehen aktuell aus dem Bau und der Aufrechterhaltung von zwei Eiablageplätzen. Viereckige Gestelle aus Balken, die mit Heu, Stroh und Mist verfüllt werden und frei auf der Streuobstwiese herumstehen.

Die Äskulap-Natter ist eine mediterrane Spezies, die in Deutschland nur auf den Standorten vorkommt, die von Menschen freigehalten werden. Offene Wiesenflächen mit reichlich Wühlmausvorkommen in enger Benachbarung mit haufenweise verbauten Steinen und genutztem Gartenland mit ergiebiger Kompostwirtschaft und Ruderalland. So, wie es im 20. Jahrhundert noch traditionell bewirtschaftet und genutzt wurde.

Die künstlich errichteten Eiablageplätze können den Reptilien nicht das bieten, was sie brauchen, nämlich besonnte Steine und richtig gute Komposthaufen, Altholzablageplätze und direkt daneben dichtes Gebüsch. Dazu muss das Land aktiv von Brombeeren frei gehalten werden, die alle Flächen überwuchert haben, die mit motorisierten Mähern nicht erreichbar sind. Das Freihalten der Steinriegel, der Trockenmauern und Hanglagen ist nur mit personell hohem Aufwand möglich.

Das macht keiner. Außer mir jetzt. Daher konnte ich auch diese schöne Äskulap-Natter Geschichte erleben und sogar dieses Jahr diese schönen Bilder von einem Exemplar machen.

« Letzte Änderung: 26. November 2013, 11:47:00 von pearl »
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maliko

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #189 am: 26. November 2013, 11:45:07 »

Hinter jeden deiner Sätze könnte ich ein Ausrufezeichen oder Häkchen setzen.
Manches kann in seiner Absurdität schon zum lachen reizen, vieles finde ich nur noch traurig, mühsam, ermüdend.

maliko
« Letzte Änderung: 26. November 2013, 11:45:26 von maliko »
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maliko

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #190 am: 26. November 2013, 11:50:41 »

junge, junge, da arbeitet sich ja mal wieder einer an den Akademikern ab. ;D


Wenn die Akademiker vor Ort wohnen und sich mit der Sache identifizieren, dann ist das ja eine feine Sache. Zudem ist die Akademikerdichte um Heidelberg vielleicht auch etwas größer. ;)

Hier sind es die kleinen Landbesitzer, die ihr Land und ihre Heimat nicht verkommen lassen wollen. Streuobst ist für Most wichtig, welcher immer mehr im Kommen ist. Also werden die Wiesen gemäht und Bäume gepflanzt. Und Brombeeren rausgehackt. Frag mal, wies meinem Kreuz geht :P
Akademiker stellen sich nur fürs Foto in der Zeitung mal in die Natur, mit nem Supermarktapfel in der Hand. Model halt.


Ich wollte übrigens keineswegs alle Akademiker über einen Kamm scheren. Ausnahmen bestätigen die Regel. Bei den Bauern und den Gstudierten ;) ;D

« Letzte Änderung: 26. November 2013, 11:52:14 von Mediterraneus »
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planwerk

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #191 am: 26. November 2013, 11:52:15 »

Deine Sicht auf die Welt und auf andere Menschen ist, sagen wir mal: sehr speziell.

Es mag ja durchaus sein, dass ein Nationalpark Nordschwarzwald sinnvoll ist. Kann ich jetzt nicht beurteilen. Aber arrogant über die dortige Bevölkerung zu urteilen, und sie als dumm und uneinsichtig hinzustellen, das finde ich auch nicht ok. Denn ein Nationalpark kann nur MIT der Bevölkerung vor Ort funktionieren, die müssen damit klarkommen und sich damit identifizieren. Sonst funktioniert das nicht.

Ich sag mal so: im Bayerwald war erst auch fast jeder dagegen. Inzwischen sind die Wogen geglättet und sogar bei den meisten Hardlinern, die strikt dagegen waren, überwiegt sowas wie Stolz. Mal ganz abgesehen von den touristischen und damit finanziellen Vorteilen für ein strukturschwaches Gebiet die sich daraus ergaben. Das sehe ich im Nordschwarzwald ähnlich.
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pearl

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #192 am: 26. November 2013, 12:37:30 »

wobei der Nordschwarzwald ziemlich industrialisiert ist. Die zweite Sparte sind Kliniken. Psychosomatik, Suchtkliniken und Kurkliniken. Für die ist natürlich ein touristisch erschlossener Naturraum unabdingbar. ;D
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pearl

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #193 am: 26. November 2013, 12:48:16 »

und da haben wir sie schon wieder die Kollision von Natur- und Menschen-Interessen.

Hier soll ein Großprojekt eine Wiese vernichten. Für den Wellness-Sektor. In Bad Herrenalb.

Industrialisierte Klinik-Industrie. ::)

Wie sinnvoll wäre dagegen die Wohngebiete und Arbeitsplätze für das Wohlbefinden aufzuwerten und mehr Grünflächen und Erholungsraum zu schaffen, statt die Erholung zeit- und energiefressend auszulagern. Die fortschreitende Arbeitsteilung und Aufteilung des Lebens in Segmente ist ja irgendwie auch für den Menschen nicht artgerecht.
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Mediterraneus

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Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #194 am: 26. November 2013, 13:45:20 »

und da haben wir sie schon wieder die Kollision von Natur- und Menschen-Interessen.

Hier soll ein Großprojekt eine Wiese vernichten. Für den Wellness-Sektor. In Bad Herrenalb.


Man sieht auf dieser Seite ganz gut, wie vielfältig eine Kulturlandschaft sein kann und wie vielfältig und auch wie unterschiedlich Schutz nötig ist. Und dass es ggf. möglich ist, inmitten dieser vielfältigen Kulturlandschaften einen Nationalpark auszuweisen.
Dabei müssen aber alle anderen Bereiche gleichermaßen berücksichtigt werden.
Ein Nebeneinander dieser Landschaften ist durchaus begrüßenswert.
Wogegen ich mich etwas wehre, ist, wenn man ein funktionierendes Biotop/Lebensraum plötzlich unter "Naturschutz" stellen will, um es zu erhalten. Das widerspricht sich in meinen Augen. Durch eine komplette Nutzungsänderung wird sich nämlich auch das komplette Biotop ändern. Vor allem wenn die menschlichen Eingriffe vorher sehr groß waren (Störungen, wie etwa mähen, beackern, Hecken auf Stock setzen oder einen lichten Hutewald auslichten, bzw. einen Niederwald wieder auf Stock setzen) Und das ist halt vielen nicht bewußt.

Ein richtiger Nationalpark braucht auch Platz. Den kann ich nicht mal eben gleich nach dem Sportplatz und dem Supermarkt einrichten. Dem Nationalpark Bayerischer Wald kommt seine Randlage da sehr entgegen. Da störts auch nicht, wenn mal ein Bär vorbeischaut. Woanders wird er mal schnell zum Problembären.
« Letzte Änderung: 26. November 2013, 13:49:32 von Mediterraneus »
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