junge, junge, da arbeitet sich ja mal wieder einer an den Akademikern ab.
Diejenigen, die sich mit Ökologie befassen, sind durchaus mit landbearbeitenden Techniken vertraut, übrigens. Ein Teil von denen hat eine Lehre in einer Gärtnerei oder im GaLaBau gemacht.
Was die Stereotype über die Landbevölkerung versus Stadteliten betrifft, dazu wäre folgendes zu sagen:
Der Wert von Natur an und für sich, also außer dem, was es da zu essen gibt, ist historisch gesehen nur von in Städten lebenden Menschen hoch geschätzt.
Die Landbevölkerung sieht im Wald das Brennholz und in offener Landschaft entweder Weidegrund oder Ackerland und nutzt das. Vorbilder für ästhetische Landwirtschaft gibt es historisch gesehen in Deutschland im Gegensatz zu England oder Frankreich nicht. Oder kaum und wenn, dann wurde der Fürst beschmunzelt oder verlacht.
Aus dieser Spannung zwischen der Interessenlage der Landbevölkerung und der Stadteliten ergibt sich der Grundkonflikt in der Politik des aktuellen Naturschutzes.
Der Landschaftsplan und die Reaktionen der Landwirtschaftsbetriebe darauf zeigen das in jeder Gemeinde deutlich.
Hier vor Ort werden prompt alte Eichenbestände gefällt, sobald der akademisch überbaute Naturschutz anrückt. Egal ob man das Brennholz jetzt brauch, vor der Ausweisung eines Naturschutzgebietes muss es noch verwüstet werden.
Lokale Naturschutzgruppen bestehen hier durchweg aus aufs Land zugezogenen "Studierten". Das halte ich für exemplarisch. Die neugegründete Grünenortsgruppe in der Zwergstadt am Neckar hier ist ebenfalls bestückt mit Akademikern aller Disziplinen, unter anderem einer Kunsthistorikerin, die besonders rührig und erfolglos Minimalstandarts im Umgang mit natürlichen Ressourcen vertritt.
Auch der Streuobst verwertende Betrieb der Region ist nicht auf dem heimischen Mist gewachsen. Die Streuobstwiesen werden von einer Gruppe um ein österreichisches Archäologenpaar verteidigt oder geschützt. Sie wollen mit ihren Kindern Äpfel ernten. Die hiesigen Bauern haben denen einen Strich durch die Rechnung machen wollen, indem sie ein paar der baumfreien Flächen mit Mais bewirtschaftet haben.
Das hat die drei Imker sehr gestört. Auch die sind nicht autochthon. Einer ist Russlanddeutscher und hat die gravierendsten Schäden durch die Maiskultur an seinen Bienenvölkern gehabt. 50 Königinnen mit einem Wert von 50 € pro Stück sind ihm eingegangen. Durch gemeinsame Aktion haben die 3 Imker erreicht, dass der Maisanbau gelassen wurde.
Zusammen mit dem Schäfer, der sein Weideland vergrößern und flächenmäßig optimieren will, haben sie die Ackerflächen wieder in Wiesenland umgewandelt. Der Schäfer ist auch keiner aus lokaler Herkunft. Die vielen Besitzer der Streuobstflächen, die in unzählige winzige Streifen aufgeteilt sind, sind in alle Winde zerstreut und haben die Pflege und Nutzung an einen alten eingesessenen Bauern abgetreten.
Ohne Bindung an dieses Land, sind sie nur daran interessiert keine Kosten zu haben und eventuell irgendwann einen Gewinn aus ihrem Besitz zu erzielen. Wenn es Bauland wird.
Das friert die Lage ein.
Die Argumente des verstorbenen NABU Vorsitzenden zielten auf den Schutz der Äskulap-Natter ab und die Aktivitäten des Arbeitskreises Äskulapnatter bestehen aktuell aus dem Bau und der Aufrechterhaltung von zwei Eiablageplätzen. Viereckige Gestelle aus Balken, die mit Heu, Stroh und Mist verfüllt werden und frei auf der Streuobstwiese herumstehen.
Die Äskulap-Natter ist eine mediterrane Spezies, die in Deutschland nur auf den Standorten vorkommt, die von Menschen freigehalten werden. Offene Wiesenflächen mit reichlich Wühlmausvorkommen in enger Benachbarung mit haufenweise verbauten Steinen und genutztem Gartenland mit ergiebiger Kompostwirtschaft und Ruderalland. So, wie es im 20. Jahrhundert noch traditionell bewirtschaftet und genutzt wurde.
Die künstlich errichteten Eiablageplätze können den Reptilien nicht das bieten, was sie brauchen, nämlich besonnte Steine und richtig gute Komposthaufen, Altholzablageplätze und direkt daneben dichtes Gebüsch. Dazu muss das Land aktiv von Brombeeren frei gehalten werden, die alle Flächen überwuchert haben, die mit motorisierten Mähern nicht erreichbar sind. Das Freihalten der Steinriegel, der Trockenmauern und Hanglagen ist nur mit personell hohem Aufwand möglich.
Das macht keiner. Außer mir jetzt. Daher konnte ich auch diese schöne Äskulap-Natter Geschichte erleben und sogar dieses Jahr diese schönen Bilder von einem Exemplar machen.