Willkommen, Gast. Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.
News: "Das Leben ist kein Ponyschlecken"  (Zwiebeltom)
Willkommen, Gast. Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.
01. Juli 2021, 09:34:04
Erweiterte Suche  
News: "Das Leben ist kein Ponyschlecken"  (Zwiebeltom)

Neuigkeiten:

|15|5|Es ist auch ein relativ geringer Unterschied, ob es gar kein grünes Auto gibt oder ob man selbst es nicht hat. (Tara)

Seiten: 1 ... 14 15 [16] 17 18 ... 49   nach unten

Autor Thema: Wieviel naturnah ist menschenfern?  (Gelesen 49738 mal)

Mediterraneus

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 23580
  • Spessart: Wald, Main und Wein (310m ü.NN/7a)
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #225 am: 27. November 2013, 09:25:11 »

geh mir wech mit Pferde! ;D

Sicher ist auf jeden Fall, dass wir um den selben Punkt kreisen.

Vielleicht läge die Kunst in einem Naturschutz mit großer Akzeptanz in allen Teilen der Bevölkerung in der Lockerung einiger Naturschutzdingens und des Entgegenkommens der Landwirtschaft. Dazu wäre eine bessere Kommunikation notwendig und bitte auch keine Obrigkeitsstaatlichkeit und auch nicht die dumpfbackige Weigerung der bodenständigen Bevölkerung sich ein wenig zu bewegen.

Der Weg zu einem effektiven Zusammenarbeiten aller betroffenen und engagierten auf den Land läge politisch in der Befreiung der Kommunen von der Gewerbesteuer als hauptsächlicher Einnahmequelle.

Die Gewerbesteuer ist die Wurzel allen Übels.

Ich mag auch lieber Esel ;D

Aber die Pferdehaltung ist eine Möglichkeit, die Landschaften wieder ursprünglicher zu Nutzen. Gemähte Wiesen müssen ja irgendwie verwertet werden. Pferdebesitzter haben im allgemeinen Geld und können Heu kaufen. Gutes, biologisches Heu.
Landwirte könnten dann neben Mais eben auch mit Heu Geld machen. Das ist wenigstens ein kleiner Anreiz, eine Magerwiese nicht mit Gülle zu sudeln.
Gespeichert
LG aus dem südlichen Main-Viereck
Mediterraneus

Andere haben schließlich auch irgendeine Ahnung

uliginosa

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 7556
  • Carpe diem!
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #226 am: 27. November 2013, 10:28:35 »

Ich halte mich jetzt auch raus, ich habe beim Nachlesen das hier entdeckt:

Zitat
Da kann der Biologe noch so viele Dr. und Profs haben, er kann halt nur Theorie und hat in seiner Uni gelernt, was ihm andere vorgetragen haben. Eine Sense hatte der vermutlich noch nie in der Hand, oder ein Beil.

Damit ist meine Inkompetenz nachgewiesen - obwohl ich schon mal eine Sense in der Hand hatte. 8)

Mein Bio-Studium in den 80er Jahren hat eine gute Grundlage gelegt für meine anschließende Arbeit. Einer der nützlichsten Kurse war "Bestimmungsübungen an Gräsern im nichtblühenden Zustand". Brauche ich ständig, denn von Mai bis Oktober bin ich auf Wiesen, Mooren und (Halb-)Trockenrasen unterwegs, voller nichtblühender Gräser. Ein Wort habe ich fürchten gelernt, schon während des Studiums: "noch". "Da gibt es noch die und die Art." Oder, schlimmer: "Jene Art habe ich vor 10 Jahren noch dort gefunden ..."

Nach dem Stufium habe ich dann richtig angefangen zu lernen. Und aus dem, was ich seither dazugelernt habe, im Gelände, im Gespräch mit Bauern, Schäfern und Naturschutzbehörden, auf Rinder- Pferde-, Konik- und Schafweiden und nicht zuletzt im eigenen Garten könnte ich wohl mehrere Doktorarbeiten schreiben.

Eine Sense hatte ich schon in der Hand, was nicht heißt, dass ich richtig damit umgehen kann. Allerdings glaube ich, dass das den meisten Bauern heutzutage nicht viel anders geht. Zumindest zeigen sie keine Bereitschaft, die Sense auf Wiesen auch einzusetzen. Das höchste was erwartet, und als Biotoppflege bezahlt werden kann ist der Einsatz der Motorsense.

Meine Arbeit in den letzten 10 Jahren bestand zu einem sehr großen Teil aus Erfassung, Bewertung und Managementplanung für Offenland in FFH-Gebieten: Und da geht es in den meisten Fällen eben darum: artenreiche Wiesen, Kulturlandschaft, zu erhalten, oder wiederherzustellen.
Wenn bei euch noch alles in Ordnung ist, Medi, um so besser, aber meine Erfahung ist leider anders: Ich kartiere Hunderte ha Wiesen und davon sind 2 oder 3 wirklich in sehr gutem Zustand mit annähernd vollständigem Arteninventar. :D Je nach Gebiet mehr oder weniger sind halbwegs passabel :) und viele können gerade noch so als LRT 6510 (Magere Flachland-Mähwiese) angesprochen werden :-\ und je nach Gebiet sehr große Flächen sind einfach nur eintönig, Gräser, Löwenzahn, Scharfer Hahnenfuß :-X .

Eben weil in den letzten 50 Jahren in der Kulturlandschaft ein rasanter Artenschwund stattgefunden hat, ist der Naturschutz und Förderprogramme nötig.

Zur Beweidung: Auf beweideten Flächen habe ich schon alles gefunden, von den artenreichsten blühenden Wiesen bis zum reinen, zertretenen Matsch. Der Vorteil der Beweidung ist, dass die Tiere überall hinkommen, auch zwischen Gehölze und auf Hänge, die kein Bauer mit Traktor erreicht. Was daraus wird hängt von Beweidungsdauer, -Zeitpunkt und -Intensität ab: Mit Koniks und Hochlandrindern lassen sich durch ganzjährige, sehr extensive Beweidung aus Reitgras-Goldrutenfluren artenreiche Frischwiesen schaffen. Oder: Viele Jungrinder fressen kurze Zeit auf Hangwiesen, die im Juni noch blütenübersät waren. Im August ist alles ratzekurz - und die Rinder wieder weg.
« Letzte Änderung: 27. November 2013, 10:38:03 von uliginosa »
Gespeichert
Viele Grüße aus dem Trockengebiet, Uli

pearl

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 37617
  • Weinbauklima im Neckartal
    • TEDxEuston
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #227 am: 27. November 2013, 13:02:51 »

ja, so ist es mit Schafbeweidung auf den Streuobstwiesen, wo auch mein Gartenstück liegt. Die beweideten Flächen sehen erst ein bisschen struppig aus, wenn die Schafe weg sind, es wächst aber ein sehr schön gleichmäßiger von Blüten durchsetzter Rasen hoch und die ganze Landschaft hat etwas steppenartiges dadurch.

Das ist auch der Grund für die Schafbeweidung des Mainzer Sandes, von dem ich ein Bild verlinkt hatte.


Wenn man einmal dort gewesen ist, dann wird einem der Spagat, die Zerreißprobe der Naturschutzbemühungen, bewusst.

Mainzer Sand 2. von um-art 26.11.2009 Zweiter Platz im CEWE-FOTOBUCH Fotowetbewerb "Deutschland - unserer Land"


in dieser Landschaft gibt es nur zwei Quellen für Stickstoffeintrag, über die Luft und über die Schafbeweidung. Limitiert ist die Stickstoffbindung aus der Luft durch Trockenheit.

In einer Auenlandschaft mit Rinderweide ist der Stickstoffeintrag in die Gewässer unerwünscht. Der Stickstoffeintrag über Mengen an bodenlebenen Organismen ist durch die ständige Durchrieselung in Auenstandorten hoch genug. Hochstaudenflure zeigen das an.
Gespeichert

Mediterraneus

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 23580
  • Spessart: Wald, Main und Wein (310m ü.NN/7a)
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #228 am: 27. November 2013, 13:13:06 »

Sorry, wenn sich irgendjemand hier persönlich angesprochen fühlt. Ich habe niemanden direkt angesprochen.

Uliginosa, ich bewundere dein Wissen und deine Tätigkeit. Und vor allem auch, dass du im "Gespräch" und "Gelände" auch neue Erfahrungen dazulernen konntest. Manches kann halt keine reine Theorie bieten und jede Landschaft ist anders zu behandeln und zu schützen.

Auch im Punkt, dass viele Flächen geschützt werden müssen, bin ich bei dir.
Nur eben wie?

BUND und Co sind sicherlich super engagiert. Aber was können die alleine leisten? Im Prinzip werden die von Vielen unterstützt, finden toll, dass Streuobstbäume gepflanzt werden, Wiesen gemäht werden, Vogelnistkästen aufgehängt werden...
Aber die paar Hansel können nicht alle Kulturlandschaften erhalten.
Es geht schon los, wenn wieder tatkräftige Unterstützung in der Natur gebraucht wird. Plötzlich hat niemand Zeit oder ist sich zu fein, mal im Unterholz auszulichten oder Vogelkacke aus den Nistkästen zu räumen.

Wir haben vor Ort auch eine wunderschöne Streuobstwiese, die der BUND angelegt hat. Pflegen tut sie mehr oder weniger nur einer. EINER! (nicht ich!)
Menthal unterstützt wird die Wiese von vielen. Rein theoretisch und virtuell.

Will sagen, auf Naturschutz alleine kann man nicht bauen. Es muss anders funktionieren.

Dass mich das ganze Thema persönlich sehr beschäftigt, sieht man in diesem Faden. Da ist es ein bißchen auch wie in Wirklichkeit, es wird viel diskutiert aber oft auch sehr wenig getan. Sorry nochmal.
PS:Und ich kann auch nicht perfekt mit der Sense umgehen, alle paarmal hacke ich den Boden. Aber ich wills irgendwann können. Hab ja Zeit dazu auf der neu angelegten Streuobstwiese ;)
« Letzte Änderung: 27. November 2013, 13:14:34 von Mediterraneus »
Gespeichert
LG aus dem südlichen Main-Viereck
Mediterraneus

Andere haben schließlich auch irgendeine Ahnung

Mediterraneus

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 23580
  • Spessart: Wald, Main und Wein (310m ü.NN/7a)
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #229 am: 27. November 2013, 13:19:48 »

Zur Beweidung:
Wir haben einen sehr engagierten Freizeitbauern im Ort. Der hat dieses Jahr erstmals seine Kühe in eine von Schlehen durchwucherte uralte Obstwiese am Steilhang gesperrt. Man glaubte kaum, dass eine Kuh durch das Gestrüpp durchkommt.

Das Ergebnis war beeindruckend, die Schlehen alle abgefressen bis auf 2 m Höhe, alles Kleingehölz ist weg. Gras auch gefressen.

Jetzt müsste man nur noch die größeren Schlehenstämme absägen und die Beweidung im nächsten Jahr wiederholen.

So einfach kann es also auch gehen. Allerdings dürfen die Tiere nur ganz kurze Zeit weiden, sonst ist der Düngereintrag durch Kuhfladen zu hoch.

Und: Die Obstbäume müssen unter Umständen geschützt werden, die werden sonst nämlich auch angefressen und gehen ein.
« Letzte Änderung: 27. November 2013, 13:20:45 von Mediterraneus »
Gespeichert
LG aus dem südlichen Main-Viereck
Mediterraneus

Andere haben schließlich auch irgendeine Ahnung

Eva

  • Gast
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #230 am: 27. November 2013, 13:20:42 »

Weißt du, was das für eine Rasse war, und ob es Milchkühe oder Juntiere waren?
Gespeichert

Mediterraneus

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 23580
  • Spessart: Wald, Main und Wein (310m ü.NN/7a)
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #231 am: 27. November 2013, 13:22:00 »

Weißt du, was das für eine Rasse war, und ob es Milchkühe oder Juntiere waren?

Weiß ich nicht, Kühe halt :D

Kann aber mal fragen. Die Kühe sind das ganze Jahr draußen, normalerweise aber auf einer Weide mit Unterstand.
« Letzte Änderung: 27. November 2013, 13:23:11 von Mediterraneus »
Gespeichert
LG aus dem südlichen Main-Viereck
Mediterraneus

Andere haben schließlich auch irgendeine Ahnung

RosaRot

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 14402
  • Regenschatten Schattenregen 7a 123m
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #232 am: 27. November 2013, 13:24:42 »

Wie schade es ist wenn die Schafbeweidung ausbleibt, kann ich in meiner unmittelbaren Umgebung täglich studieren. Die Veränderungen sind ein Jammer - vom Trockenrasen mit Artenvielfalt in Bezug auf Pflanzen und Insekten zur Robinien- und Ligusterbuschsteppe.
Es gibt die ziehenden Schäfer nicht mehr, die bis 1989 hier zum alltäglichen Bild gehörten und die Flächen, auch die ganz kleinen nutzten. Pro Fläche meist zweimalige oder noch öftere Beweidung pro Jahr, damals.
Das Naturschutzbegeisterte gelegentlich die Brombeergebüsche niederlegen oder Liguster und Robinie roden nützt kaum etwas (kaum gerodet sprießt alles doppelt..).
Wie das anders als mit ziehenden Schafherden funktionieren soll, dass die hier typischen Trockenrasenflächen erhalten werden können ist mir nicht klar. Es nützt auch wenig, wenn immer kleiner Flächen einmal im Jahr durch Koppelbeweidung gepflegt werden. Ist aber immerhin besser als nichts.
Gespeichert
Viele Grüße von
RosaRot

Mediterraneus

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 23580
  • Spessart: Wald, Main und Wein (310m ü.NN/7a)
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #233 am: 27. November 2013, 13:28:20 »

Wo wir wieder bei den bösen Bauern (in dem Fall Schäfer) wären 8)

Ja, mich schmerzt sowas auch :-\
Gespeichert
LG aus dem südlichen Main-Viereck
Mediterraneus

Andere haben schließlich auch irgendeine Ahnung

uliginosa

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 7556
  • Carpe diem!
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #234 am: 27. November 2013, 14:02:43 »

Die Schäfer sind die Guten! Meistens jedenfalls. ;)

Gegen Gehölze helfen Ziegen - da sind aber dann wirklich die Obstbäume auch nicht sicher.
Auf Steilhängen ist (im Gegensatz zur Aue) der Düngereintrag oft nicht das Problem: Wasserspülung erfolgt mit den nächsten Regenfällen. ;)

Ein Schäfer, den ich mal getroffen habe, lebt von Harz 4 - mit den Schafen könnte er sich nicht finanzieren.

Rosarot, das ist so - auch die meisten Flächen auf den hiesigen Porphyrkuppen müssen durch Beweidung erhalten werden. Aber da gibt es u.a. wohl auch Probleme wegen der Ackerflächen, auf die die Schafe nicht dürfen.
Gespeichert
Viele Grüße aus dem Trockengebiet, Uli

Eva

  • Gast
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #235 am: 27. November 2013, 14:06:58 »

Weißt du, was das für eine Rasse war, und ob es Milchkühe oder Juntiere waren?

Weiß ich nicht, Kühe halt :D

Kann aber mal fragen.

Na, ob es Kühe oder Kalbinnen sind sieht man an der Größe des Euters. Bei der Frage nach der Rasse könnte schon die Farbe helfen. Vielleicht gar fränkisches Gelbvieh? Denen trau ich zu, dass sie sich mit Gestrüpp begnügen. Holstein-Friesen eher nicht.
Gespeichert

Mediterraneus

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 23580
  • Spessart: Wald, Main und Wein (310m ü.NN/7a)
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #236 am: 27. November 2013, 14:11:20 »

Milchkühe waren es wohl eher nicht, da dort nicht gemolken wurde. Es waren braune dabei, aber auch gescheckte, keine lilanen ;). Ich werd mal nachfragen.
« Letzte Änderung: 27. November 2013, 14:12:31 von Mediterraneus »
Gespeichert
LG aus dem südlichen Main-Viereck
Mediterraneus

Andere haben schließlich auch irgendeine Ahnung

troll13

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 13262
    • hydrangeas_garden
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #237 am: 27. November 2013, 21:18:42 »

Ich bin der Meinung, hier wird im Augenblick viel zu fokussiert auf die klassischen Naturschutzkategorien diskutiert.

Vielleicht sollte man hier eher den Grundgedanken derBiosphärenreservate diskutieren.

Die Liebe des Franken zu seinem Land in allen Ehren (sorry Mediterranaeus ;)), ich denke einfach, die Umwelt, Natur, Landschaft... braucht einfach gesetzlich/vertraglich gesicherten Schutz vor dem Menschen und auch Räume in denen sie sich selbst überlassen wird.

Das wird in einem Bundesland wie Bayern mit einem Waldanteil von 35 % der gesamten Flächennutzung anders diskutiert bzw. geregelt werden müssen als in Niedersachsen mit einem Waldanteil von 20 % und ganz besonders bei mir im Landkreis, wo der Waldanteil gerade einmal 9 % beträgt.

Es geht ja nicht nur um Wald. Bei euch gibts wenig Wald, also versteh ich den Wunsch, einen Urwald als Schutzareal ausweisen zu wollen. Sicher sehr sinnvoll. Ich lebe in einem der größten Wälder Deutschlands, hier ist der Wald die artenärmste Vegetation, die Lichtungen sind die artenreichsten Lebensräume. Ich kenne das, auch wenn ich kein Akademiker bin. Aber ich bin jeden Tag draußen in der Natur und beobachte seit Jahren.


Es sind aber je nach Region unterschiedliche Lebensräume schützenswert. Eine Düne an der Nordsee z.b. oder das Wattenmeer. Die schützenswerten Küsten werden aber auch nicht sich selbst überlassen. Es werden Lahnungen gebaut, z.B. um den Lebensraum vor dem Meer zu schützen. Sich selbst überlassen bedeudet dort, vom Meer weggespült zu werden.
Oder die Halligen. Sich selbst überlassen ist dieser einzigartige Lebensraum verloren. Viele Pflanzen und Tiere gibt es nur dort.
Ein Weinberg, mit all seinen Eidechsen und Mauern. Sich selbst überlassen wird das zu Gebüsch, ohne Eidechsen.

Es gibt halt soviele Lebensräume, die schützenswert sind. Schützt man viele davon aber vor menschlichen Eingriffen, dann sind sie verloren. Menschliche Eingriffe sind nicht immer Umweltverschmutzung und Flächenverbrauch, auch mähen ist menschlicher Eingriff.
Naturschutz oder Schutz an sich muss dann aus menschlicher Pflege bestehen. Entweder müssen es die Naturschutzvereine etc leisten, oder weranders. Übers "weranders" kann man diskutieren. Sind das dann die "bösen Bauern", muss man denen auch mal Fehler verzeihen. Aber man muss trotzdem froh sein, dass sie ihre "Landschaftspflegearbeiten" tun. Denn die Städter kann man schlecht zu Frondiensten verpflichten ;)

Ist das nicht eine einseitige Sichtweise aus der Perspektive der Mittelgebirgsregionen, wo es um Erhaltung von Streuwiesen, Trockenrasen und ähnlichen gewachsenen und meinetwegen auch menschengemachten Biotopstrukturen geht.

Bei uns geht es in der Regel nicht um die Erhaltung sondern um die Wiederherstellung von Natur, um die Renaturierung abgetorfter Hochmoore und ihrer Randbereiche, um die Wiedervernässung trocken gelegter Niedermoorstandorte oder die Wiederherstellung naturnaher Flussläufe und ihrer Auen.

Obwohl bei der Renaturierung von Flussauen sicher auch traditionelle Agrarnutzungen eines von mehreren Formen der Biotopziele sein können, sind die Ziele der dieser Naturschutzmaßnahmen überwiegend "menschenfern" und lassen sich eigentlich nur gegen die wirtschaftlichen Interessen der Landeigentümer um- und durchsetzen.

Küstenschutz ist übrigens meiner Meinung nach in erster Linie Menschenschutz. Die artenreichen Salzwiesen dürfte es sicher auch ohne Deiche und Aufspülungen an Inselküsten geben. Nur eben weiter landeinwärts und im Zeitverlauf nicht konserviert sondern im stetigen Wandel begriffen.
Gespeichert
Gartenanarchist aus Überzeugung! Und ich bin kein Experte sondern immer noch neugierig...

enigma

  • Gast
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #238 am: 27. November 2013, 21:33:08 »

Nur ein Satz zu den Salzwiesen: Die wären ohne die umfangreichen Eindeichungsmaßnahmen der 70er und 80er Jahre viel ausgedehnter als heute. Sie verdanken ihre heutige Existenz auch nicht oder nur sehr eingeschränkt dem Menschen.

Auch die Halligen sind ohne dessen Zutun entstanden, sie werden auch nicht vom Menschen erhalten, denn sie haben keine schützenden Deiche.
Einzig die Warften sind vom Menschen geschaffen, als "Hügel", die bei Sturmflut als einziger Teil der Hallig nicht überspült werden - wenn alles gutgeht.
Gespeichert

pearl

  • Master Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 37617
  • Weinbauklima im Neckartal
    • TEDxEuston
Re:Wieviel naturnah ist menschenfern?
« Antwort #239 am: 27. November 2013, 21:48:38 »

inzwischen ist ja klar geworden, worauf Mediterraneus mit seinem menschengemachten Argument hinaus will. Gar kein behördlicher Naturschutz.

Dass es sinnvoll ist die letzten Reste von Urwäldern und naturgegebenen Landschaften zu schützen ist ja irgendwie jedem anderen klar. Wird auf politischer Ebene nicht mehr in Frage gestellt, nur eben aus wirtschaftlichen Gründen gibt es da dann immer Wege Schneisen, Tunnel, Straßen durchzubauen oder eben Gewerbegebiete drauf.

Ich traue der Selbstbestimmung der ländlichen Bevölkerung und den kommunalen Entscheidungsträgern nicht.

Genausowenig wie dem neo-liberalen Laienverständnis von Evolution.

Menschliche Kulturen haben die natürlichen Ökosysteme in Mitteleuropa schon vor 3.000 Jahren verwüstet und damit Hungersnöte ausgelöst, das klappt auch noch mal und immer wieder.

Wenn den Bauern im Kraichgau der Lössboden davonfliegt und die Böden verarmen, nur weil die Feldholzinseln einer Flurbereinigung zum Opfer gefallen sind, dann fragt man sich ob mit dem Löss nicht auch das Hirn verschwunden ist.
Gespeichert
Seiten: 1 ... 14 15 [16] 17 18 ... 49   nach oben
 

Garten-pur.de Nutzungsbedingungen | Impressum | Datenschutzerklärung

Forum Garten-pur | Powered by SMF, Simple Machines
© 2001-2015 garten-pur. All Rights Reserved.
Garten-pur.de